Ist doch schön hier! (t3n 74)

felix schwenzel in t3n

Mei­ne ge­hei­me Su­per­kraft ist das Schön­re­den. Wenn man ver­sucht, die Din­ge dif­fe­ren­ziert zu be­trach­ten, fin­det man auch an den schlimms­ten Ent­wick­lun­gen po­si­ti­ve Aspek­te – oder kann zu­min­dest de­ren Hin­ter­grün­de nach­voll­zie­hen und Ver­ständ­nis ent­wi­ckeln. Ich fin­de zum Bei­spiel deut­sche Städ­te nicht häss­lich.

Die hie­si­ge Nach­kriegs­ar­chi­tek­tur hat­te ja nach­voll­zieh­ba­re Grün­de. Gro­ße Tei­le deut­scher Städ­te la­gen in Trüm­mern, und es muss­ten schnell Wohn­raum und Wirt­schafts­flä­chen ge­schaf­fen wer­den. Vie­ler­orts ent­schied man sich ge­gen Re­kon­struk­ti­on und für sach­li­chen, zweck­ori­en­tier­ten und schnör­kel­lo­sen Neu­auf­bau. Auch das Kon­zept der au­to­ge­rech­ten Stadt war da­mals nicht die schlech­tes­te Idee. War­um soll­te man den Neu­auf­bau nicht nach mo­der­nen Maß­stä­ben und nach dem aus­rich­ten, was man sich für die Zu­kunft wünsch­te?

So­wohl der arg bru­ta­lis­ti­sche Bau­stil als auch die au­to­ge­rech­te Stadt er­füll­ten da­mals ih­ren Zweck.
Deutsch­land stieg wirt­schaft­lich zu un­ge­ahn­ten Hö­hen auf, die Au­to­in­dus­trie boom­te und Städ­te funk­tio­nier­ten als Wirt­schafts­räu­me.

Was man al­ler­dings nicht schön­re­den kann: Die An­for­de­run­gen an Städ­te, an de­ren Le­bens­qua­li­tät, ha­ben sich in den letz­ten Jahr­zehn­ten ra­di­kal ge­än­dert. Städ­te ken­nen das. Die An­for­de­run­gen an sie än­dern sich ste­tig, sie wer­den stän­dig um­ge­baut. Die sicht­ba­ren Über­res­te, die Nar­ben die­ser stän­di­gen Trans­for­ma­tio­nen sind auch das, was das In­ter­es­san­te, die Viel­falt und da­mit auch Schön­heit von Städ­ten aus­macht – auch wenn ihre Er­sch­ei­nung nicht im­mer den ro­man­ti­sier­ten Er­war­tun­gen ent­spricht.

Wenn stän­di­ge Trans­for­ma­ti­on die Qua­li­tät und Schön­heit von Städ­ten aus­macht, ist die Su­per­kraft von Städ­ten ihr Po­ten­zi­al zu Ef­fi­zi­enz. Dicht auf ei­nem Hau­fen zu le­ben, lohnt sich nicht nur für Amei­sen, son­dern auch für Men­schen. Städ­te sind wie Amei­sen­hau­fen so­zia­le Or­ga­nis­men.

Eins der Ef­fi­zi­enz­re­zep­te von Städ­ten sind ge­teil­te In­fra­struk­tu­ren. Ein von al­len ge­nutz­tes Ab­was­ser­sys­tem ist ef­fi­zi­en­ter als in­di­vi­du­el­le Gru­ben oder Ein­fa­mi­li­en­haus­klär­wer­ke. Die­se Ska­len­ef­fek­te wir­ken für die Was­ser- und En­er­gie­ver­sor­gung – aber auch für die Ver­kehrs­in­fra­struk­tur. In­di­vi­du­al­ver­kehr ist teu­er, in­ef­fi­zi­ent und ver­braucht über­mä­ßig viel Raum und En­er­gie – und funk­tio­niert in Stadt­zen­tren und auf Haupt­ver­kehrs­adern oh­ne­hin kaum noch.

Wir alle ken­nen mitt­ler­wei­le den Preis der au­to­freund­li­chen Stadt. Der ist so hoch, dass selbst ich ihn nicht mehr schön­re­den kann. Der Stra­ßen­ver­kehr kos­tet eben nicht nur Le­bens­qua­li­tät, son­dern auch Men­schen­le­ben. Durch die flä­chen­de­cken­de Ver­sie­ge­lung und Asphal­tie­rung sinkt der Grund­was­ser­spie­gel, plötz­lich wird so­gar in Ber­lin das Was­ser knapp, star­ke Re­gen­fäl­le über­las­ten die Ka­na­li­sa­ti­on – und al­les wird durch den Kli­ma­wan­del ste­tig schlim­mer.

Der Un­wil­le oder die Un­fä­hig­keit der Po­li­tik und der Ge­sell­schaft, am Sta­tus quo der au­to­freund­li­chen und ver­sie­gel­ten Stadt et­was Sub­stan­zi­el­les zu än­dern, frus­triert. Und doch sehe ich ge­le­gent­lich Licht­bli­cke.

So ha­ben Po­li­tik und Ver­wal­tung in ei­ni­gen Städ­ten wäh­rend der Co­ro­na­pan­de­mie die Ge­le­gen­heit er­grif­fen und den Au­tos mit „Po­pup“-Rad­we­gen Raum und Fahr­spu­ren ge­nom­men. Vie­le der Po­pups be­stehen auch jetzt wei­ter.
Und tat­säch­lich wur­den auch noch vie­le wei­te­re Fahr­spu­ren zu Rad­we­gen um­ge­wid­met. Eben­so wur­de mit dem 9-Euro-Ti­cket die Dis­kus­si­on um eine Ver­kehrs­wen­de kon­struk­tiv in Rich­tung ÖPNV auf­ge­frischt.

Vor ein paar Ta­gen habe ich in un­se­rem Kiez ein sub­ver­si­ves Klein­od mit Be­hör­den­se­gen ge­se­hen, das mich in sei­ner Ein­fach­heit und Smart­ness tief be­ein­druckt hat: Auf meh­re­ren Stra­ßen­park­plät­zen ste­hen statt Au­tos Müll­ton­nen­ram­pen. Die­se Ram­pen hin­dern Au­tos am Par­ken und er­mög­li­chen der Müll­ab­fuhr, Müll­ton­nen un­ge­hin­dert auf die Stra­ße zu schie­ben.

Wenn wir als Ge­sell­schaft noch ein paar Hun­dert sol­cher Ideen pro­du­zie­ren, um Au­tos lang­sam und ste­tig aus ur­ba­nen Räu­men zu­rück­zu­drän­gen, ha­ben wir schon fast eine klei­ne Ver­kehrs­wen­de und Smart Ci­tys. Das wird noch nicht rei­chen, um un­se­re Städ­te für die Zu­kunft fit zu ma­chen, aber im­mer­hin geht es schon in die Rich­tung „we­ni­ger Au­tos wa­gen“. Und so lässt sich der po­li­ti­sche Kriech­gang auch ein biss­chen schön­re­den.


also wir mö­gen das wet­ter. und nen fuchs ha­ben wir auch ge­stellt.


Photo by felix schwenzel on October 23, 2023. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

schön ne­be­lig in den reh­ber­gen heu­te früh.


6 ki­lo­me­ter am te­ge­ler see ufer ge­lau­fen. da­bei über „un­ter­ord­nung“ und „füh­rung“ nach­ge­dacht. ich glau­be wir ha­ben da mitt­ler­wei­le ein gu­tes ar­ran­ge­ment ge­fun­den; sie macht ihr ding, ord­net sich aber ein und hält sich an die gren­zen die ich ihr ex­pli­zit oder im­pli­zit setz­te, bzw. an die ich sie ge­le­gent­lich er­in­ne­re. wenn ich sie dar­um bit­te (fahr­rä­der, jog­ger) oder sie die not­wen­dig­keit von selbst er­kennt (stras­sen), läuft sie auch di­rekt ne­ben mir. den ra­di­us hält sie meist al­lei­ne, nur wenn die aus­sen­rei­ze in­ter­es­san­ter wer­den muss ich sie ge­le­gent­lich mit ei­ner sil­be dar­an er­in­nern.


am mitt­woch war es auch ganz schön.


Photo by felix schwenzel in Berlin-Charlottenbourg. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

ir­gend­was ist ja im­mer ka­putt.


dra­ma­ti­scher him­mel mit fern­seh­turm im hin­ter­grund.


Photo by felix schwenzel on October 11, 2023. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

wie fri­da re­agiert, wenn pa­ket­bo­ten klin­geln. (wait for it)


Photo by felix schwenzel on October 09, 2023. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

al­lei­ne we­gen der ver­rück­ten car­bo­ni­sie­rung der zwei­ten gä­rung lohnt es sich kom­bu­cha selbst zu brau­en. aber vor al­lem weil: le­cker.


Photo by felix schwenzel on October 08, 2023. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

satz von selt­sa­mer schön­heit und gleich­zei­tig bild­be­schrei­bung: durchs han­dy in den spie­gel gu­cken.


Photo by felix schwenzel in Wedding, Berlin. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

wun­der­bar! müll­ab­fuhr re­cla­ming the city.


was wenn die größ­te er­fin­dung der mensch­heit nicht ge­ne­ra­ti­ve AI ist, son­dern kon­trol­lier­te fer­men­ta­ti­on — dach­te ich eben als ich die 4 gramm hefe die bröt­chen for­men liess und selbst an­ge­setz­ten, selbst car­bo­ni­sier­ten kom­bu­cha trank.


Photo by felix schwenzel on October 01, 2023. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

wer­bung wirkt. gra­vi­ta­ti­on auch.


und back­tag fer­tig.
(müs­listan­gen, pan de cris­tal und schwarz­brot)


Photo by felix schwenzel on September 16, 2023. Keine Fotobeschreibung verfügbar..
Photo by felix schwenzel on September 16, 2023. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

back­tag


ges­tern gab’s selbst ge­mach­te nu­del mit rote bee­te pes­to und rote bee­te sa­lat mit kräu­tern. rote bee­te ga­lo­re.


Photo by felix schwenzel in Wedding, Berlin. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

im­biss-es­sen selbst ge­macht.


Photo by felix schwenzel on September 11, 2023. Keine Fotobeschreibung verfügbar..
Photo by felix schwenzel on September 11, 2023. Keine Fotobeschreibung verfügbar..
Photo by felix schwenzel on September 11, 2023. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

fo­tos von spa­zier­gän­gen in den letz­ten ta­gen.


köst­li­che ka­lo­rien­bom­be. für schwä­bi­sche ver­hält­nis­se hat­ten die käs­spätz­le si­cher et­was viel sos­se, war aber egal, weil le­cker. spätz­le selbst scha­ben hat sich auch ge­lohnt, fest und fluf­fig zu­gleich.


schnel­le piz­za nach vito la­co­pel­li


Photo by felix schwenzel in Lüneburger Heide. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

am wo­chen­en­de wa­ren wir auf ei­ner sehr schö­nen und le­cke­ren hoch­zeit. das war ziem­lich an­stren­gend für fri­da, weil viel kin­der to­hu­wa­bo­hu und men­schen und ein­drü­cke, aber sie hat das sehr gut ge­meis­tert.