„Ge­ne­ra­ti­on Upload und der Dia­log“ (über­setzt: „shit hap­pens“)

felix schwenzel

ges­tern hat nico lum­ma ge­sagt er fän­de den vo­da­fone spot „su­per“ und an­ge­kün­digt „spä­ter“ was dazu zu schrei­ben. heu­te hat er was ge­schrie­ben, aber lei­der we­der et­was ge­sagt, noch er­klärt war­um er den spot „su­per“ fin­det. und da vo­da­fone und scholz und fri­ends neu­er­dings den dia­log „rich­tig ent­wi­ckeln“ wol­len, lass ich mich nicht lum­pen und ver­su­che mal ni­cos ar­ti­kel zu über­set­zen. für den dia­log.

Ich versuche mal, in aller Ruhe und der mir bekanntermaßen innewohnenden Gelassenheit das Thema der letzten Tage aufzugreifen. Laut Rivva war der neue Markenauftritt von Vodafone beherrschend in einer der Blogosphären in Deutschland. Daran war ich nicht ganz unbeteiligt, ebenso wenig wie mein Arbeitgeber Scholz & Friends und unser Kunde Vodafone.

die mee­tings ges­tern und heu­te wa­ren ziem­lich an­stren­gend. riv­va, die blogs und twit­ter sind voll mit ne­ga­ti­vem feed­back, des­halb ver­lin­ke ich es lie­ber nichts da­von, aber da ich ei­ner der ver­ant­wort­li­chen für die­ses de­sas­ter war ver­su­che ich mal um ein biss­chen ver­ständ­nis für un­ser ver­fah­re­ne si­tua­ti­on zu wer­ben.

Aber fan­gen wir mal von Vor­ne an. Vor ca. drei Mo­na­ten ha­ben wir den Pitch um den Wer­be-Etat von Vo­da­fone Deutsch­land ge­won­nen. Un­ser Kon­zept ist in vie­len Mee­tings, end­lo­sen Ge­sprä­chen und aus vie­len ver­wor­fe­nen Ideen ent­stan­den, und zwar als eine or­ches­trier­te Kam­pa­gne, also un­ter Zu­hil­fe­nah­me vie­ler In­stru­men­te, die eine gro­ße Kom­mu­ni­ka­ti­ons­agen­tur zu bie­ten hat. Uns war früh klar, dass der Kun­de von Vo­da­fone im Mit­tel­punkt ste­hen soll und da­mit eben­falls klar, daß das The­ma Zu­hö­ren eine gro­ße Rol­le spie­len muß, bei al­lem Mo­no­log, der bei ei­ner klas­si­schen Kam­pa­gne da­zu­ge­hört. Wir ha­ben uns ent­schlos­sen, So­cial Me­dia nicht nur als ein Teil der Kam­pa­gne zu eta­blie­ren, son­dern als Takt­ge­ber der Kam­pa­gne in den Mit­tel­punkt zu rü­cken. Dar­aus re­sul­tiert ein kom­ple­xes Kam­pa­gnen­ge­samt­kon­zept, um es mal vor­sich­tig zu for­mu­lie­ren.

vor drei mo­na­ten ha­ben wir mit über­geig­ten ver­spre­chun­gen und viel mar­ke­ting-ge­sül­ze den irre gros­sen wer­be-etat von vo­da­fone deutsch­land ge­won­nen. wir ha­ben irre lan­ge dis­ku­tiert und ge­kno­belt wie man die sa­che auf­zie­hen kann. nach all den mee­tings, ge­sprä­chen mit selbst­er­nann­ten ex­per­ten und brains­stor­mings wa­ren wir zwar ge­nau­so ah­nungs­los wie vor­her und ha­ben uns ge­dacht, dass das eh egal ist, so­lan­ge wir rich­tig kräf­tig auf die scheis­se hau­en und ein­fach aus al­len roh­ren schies­sen. wich­tig war uns, dass vo­da­fone zu je­dem zeit­punkt das ge­fühl hat die vol­le kon­trol­le zu ha­ben und dass der kun­de der über­zeu­gung ist, dass ein neu­er an­strich ihn aus sei­ner ak­tu­el­len mi­se­re be­freit. um dem kun­den den ein­druck zu ver­mit­teln dass wir wis­sen wo­von wir re­den, ha­ben wir ihn drei mo­na­te lang mit web2.0-mar­ke­ting ge­sül­ze ein­ge­seift und dar­aus ein „kon­zept“ mit vie­len eng­li­schen klin­gen­den buz­zwords ge­bas­telt.

Kaum ist es An­fang Juli und schon sind wir so weit, dass der klas­si­sche Part der Kam­pa­gne star­ten kann. In den ver­gan­gen 2 1/2 Mo­na­ten ha­ben wir ei­nen ex­trem um­fang­rei­chen Mar­ken­auf­tritt um­ge­setzt, der ei­nen TV-Spot, ver­schie­de­ne Ab­lei­tun­gen da­von, eben­so et­li­che Pla­kat- und Print-Mo­ti­ve um­fasst, so­wie un­zäh­li­ge On­line-Wer­be­mit­tel, eine Mi­cro­si­te mit In­te­gra­ti­on vie­ler So­cial Me­dia Ele­men­te, Pla­ka­te für die 3600 Shops, 5 Brand­trucks für die Schu­lung der 15.000 Mit­ar­bei­ter in den nächs­ten Mo­na­ten, ein um­fang­rei­ches Shoo­ting mit tau­sen­den Mo­ti­ven, den Cla­im “Es ist Dei­ne Zeit” und und und.

wir ha­ben uns zeit­lich to­tal ver­schätzt und muss­ten ackern wie die blö­den, da­mit al­les an­fang juli hübsch aus­sieht. mit den vie­len neu­en bun­ten bild­chen konn­ten wir er­folg­reich ver­hin­dern, dass der kun­de sich mit un­se­rem lei­der völ­lig un­aus­ge­go­re­nen kon­zept aus­ein­an­der setz­te. wir ha­ben ohne ende hüb­sche ku­lis­sen ge­baut, buz­zword-trai­nings-heft­chen für die mit­ar­bei­ter ge­schrie­ben und und vo­da­fone mit hüb­schen bild­chen, im wahrs­ten sin­ne, zu­ge­schis­sen.

Zusätzlich dazu haben wir angefangen, mit Bloggern den Dialog zu suchen, zuerst indem wir das HTC Magic als Testgeräte verteilt haben, danach haben wir den Dreh zum TV-Spot als Startschuß der Kampagne genutzt und über Twitter davon berichtet, dann wurde innerhalb kürzester Zeit mit vielen Mitarbeitern das Vodafone Blog gestartet, weiterhin haben wir Präsenzen auf MySpace, StudiVZ und Facebook etabliert, wo es primär darum geht, den Kunden, Fans und interessierten Nicht-Kunden eine Anlaufstelle zu bieten, um sich mit der Marke Vodafone auseinanderzusetzen. Dort hören wir vor allem zu. Und mit wir meine ich immer Vodafone und Scholz & Friends.

aus­ser­dem ha­ben wir ver­sucht ein paar blog­ger die wir kann­ten mit „test­ge­rä­ten“ mil­de zu stim­men und auf al­len uns zur ver­fü­gung ste­hen­den ka­nä­len leu­te dazu auf­ge­ru­fen über ei­nen un­se­rer drehs für den neu­en spot zu be­rich­ten. aus­ser­dem ha­ben wir die pres­se­tan­te da­von über­zeugt, ihre pres­se­mit­tei­lun­gen künf­tig auch in ein blog, my­space, stu­divz und face­book zu kip­pen. um den kun­den oder den po­ten­zi­el­len kun­den den ein­druck zu ver­mit­teln, vo­da­fone sei kein gi­gan­ti­scher bü­ro­kra­ti­scher mo­loch, bei dem die rech­te hand nicht weiss was die lin­ke hand tut, hat­ten wir die idee, dass die pres­se­spre­che­rin car­men hil­le­brand alle ihre blog­ein­rä­ge mit ih­rem foto ver­ziert. dass, so dach­ten wir uns, ver­lei­he vo­da­fone viel­leicht so­was wie ein mensch­li­ches ant­litz.

Der TV-Spot, bei Wer­bern nur knapp “der Film” ge­nannt, ist letzt­lich eine Hom­mage an alle die, die et­was ma­chen, die krea­tiv sind und die ak­tiv die Mög­lich­kei­ten des Net­zes für sich nut­zen und an­de­re da­bei in­vol­vie­ren. Der Film wird eben­so wie die Mi­cro­si­tees-ist-dei­ne-zeit.deam Sams­tag ge­star­tet und dann kann man auch se­hen, wie alle Ele­men­te der Kam­pa­gne in­ein­an­der­grei­fen, war­um wir die Prot­ago­nis­ten so aus­ge­wählt ha­ben, das es eine ge­mein­sa­me Klam­mer gibt und das der Brand Re­fresh für Vo­da­fone auf ei­nem so­li­den Fun­da­ment steht.

über den miss­ra­te­nen wer­be­spot möch­te ich jetzt nicht re­den. mei­ne mei­nung zu die­sem irre teu­ren und lei­der to­tal ver­hunz­ten an­wanz­ver­such kann ich lei­der nicht of­fen sa­gen, nur so­viel: wir woll­ten den „on­line­com­mu­ni­ty­be­nut­zern“ schmei­cheln, ih­nen den ein­druck ver­mit­teln, dass sie irre wich­tig sind. das hat mit den ge­schenk­ten han­dys im­mer gut funk­tio­niert. auch wenn der spot lei­der scheis­se ge­wor­den ist, möch­te ich doch be­to­nen, dass wir uns echt mühe ge­ge­ben ha­ben. nach dem gan­zen arschauf­reis­sen, den si­zungs­ma­ra­thons und hin und her flie­gen war ich nerv­lich so durch, dass ich mir ir­gend­wann ein­bil­de­te, wir hät­ten tat­säch­lich ein über­zeu­gen­des kon­zept ge­fun­den. irre was stress so mit ei­nem macht.

Wir ha­ben ei­nen Be­griff ge­prägt, die Ge­ne­ra­ti­on Upload, um zu be­schrei­ben, was wir on­line ge­ra­de se­hen: im­mer mehr Leu­te ma­chen mit, er­stel­len In­hal­te, tei­len die­se In­hal­te mit Freun­den, ver­än­dern ihre Art der On­line-Nut­zung und ha­ben letzt­end­lich eine Hal­tung, die deut­lich macht, das sie das Netz nut­zen, um zu ma­chen. Wir ha­ben als ers­tes Pro­dukt für die Ge­ne­ra­ti­on Upload eine Ap­pli­ka­ti­on ent­wi­ckeln las­sen für An­droid und Black­ber­ry, die die ein­fa­che Nut­zung von Twit­ter, Face­book und My­Space er­mög­licht.

die vor­ga­be von vo­da­fone lau­te­te: „macht ir­gend­was da­mit die kun­den nicht mehr alle we­gen dem scheiss ipho­ne zu t-mo­bi­le lau­fen.“ als die­ser ko­mi­sche spon-jour­na­list sich die­ses „ge­ne­ra­ti­on C64“ aus­ge­dacht hat­te, fiel uns auf, dass dass ge­nau die leu­te wa­ren die vo­da­fone als kun­den bin­den woll­te. also war die ziel­grup­pe klar. nur wie soll­ten wir sie nen­nen ohne all­zu po­li­tisch zu wer­den? „on­line­com­mu­ni­ty­be­nut­zer“ hät­te ich lus­ti­ger ge­fun­den, aber iro­nie ver­steht ja nie­mand, die „ge­ne­ra­ti­on down­load“ ging nicht, down­loads will vo­da­fone nicht, da geht das netz, wie bei sky­pe, in die knie. „ge­ne­ra­ti­on upload“ war nichts­sa­gend ge­nug. aus­ser­dem woll­te vo­da­fone noch ein pro­gramm für an­droid- und black­ber­ry-te­le­fo­ne, wo sie ihr logo fett drauf­set­zen kön­nen.

Und, wir haben quasi im Vorbeigehen damit angefangen, zwei Unternehmen zu verändern, sowohl Vodafone als auch Scholz & Friends selber. Das ist ein irre spannender Prozeß und auch einer, der noch lange nicht zu Ende ist. Als ein Beispiel möchte ich anfügen, dass die Zahl der Twitter- und Facebook-Accounts bei der Agentur und dem Kunden stetig zunimmt, und auch die Nutzung sowie das Verständnis für eine andere Art der Kommunikation stetig wächst. Dabei verändert sich die Arbeitsweise, dabei entstehen neue Ideen, andere Produkte und so weiter. Aber eben alles zu seiner Zeit und nicht alles innerhalb von 2 1/2 Monaten.

bei vo­da­fone und bei scholz und fri­ends fin­den alle das in­ter­net scheis­se. macht nur är­ger. ich la­ber mir seit mo­na­ten nen wolf um we­nigs­tens an­satz­wei­se ver­ständ­nis für die po­ten­zia­le des in­ter­nets zu we­cken. lei­der ka­men am ende mei­ner be­mü­hun­gen le­dig­lich ein paar lieb­los ge­führ­te twit­ter- und face­book­ac­counts raus. aber ich bin op­ti­mis­tisch, in zwei drei jah­ren werd ich si­cher noch ein paar von den schnarch­na­sen zu be­geis­ter­ten in­ter­net-be­nut­zern ma­chen.

Der Start­schuß für den klas­si­schen Teil der Kam­pa­gne war die Liv­ePK vom Mitt­woch, die als No­vum live im Netz über­tra­gen und via Face­book kom­men­tier­bar ge­macht wur­de. Si­cher­lich hät­te ei­ni­ges bes­ser sein kön­nen, ins­be­son­de­re was die Dra­ma­tur­gie und die Aus­prä­gung des Dia­logs mit den Usern an­geht, aber aus Feh­lern lernt man be­kannt­lich. Der Weg, dies im Netz zu tun, war kon­se­quent rich­tig und auch hier steht das Zu­hö­ren wie­der im Vor­der­grund. In der Spit­ze na­he­zu 2000 par­al­le­le Ab­ru­fe, dazu knapp 2200 Kom­men­ta­re, vie­le Fra­gen und über 300 re­gis­trier­te Teil­neh­mer bei Face­book spre­chen da eine deut­li­che Spra­che, von der Re­so­nanz auf Twit­ter und in den Blogs ganz zu schwei­gen.

das ti­ming und die durch­füh­rung für die pres­se­kon­fe­renz war un­ter­ir­disch. wir wuss­ten, dass uns das un­se­re mar­ke­ting-sprü­che, die lee­ren ver­spre­chun­gen (an de­nen un­se­re tex­ter mo­na­te­lang ge­ar­bei­tet ha­ben) um die oh­ren ge­hau­en wer­den wür­den. aber was wills­te ma­chen? der ter­min stand nun­mal fest. al­ler­dings war ich selbst dann doch über­rascht wie ne­ga­tiv der spot und die pres­se­kon­fe­renz auf­ge­nom­men wur­den, ich hat­te ehr­lich­ge­sagt mit ein biss­chen mil­de der twit­te­rer und blog­ger ge­rech­net, wenn man lau­ter be­kann­te und sym­pa­thi­sche ge­sich­ter aus de­ren rei­hen auf die büh­ne stellt. im­mer­hin kön­nen wir dem kun­den das de­sas­trö­se feed­back als „über­wäl­ti­gen­de“ re­so­nanz ver­kau­fen. das wit­zi­ge ist ja, die glau­ben uns das!

Ist das Auf­grei­fen von Blog­gern in ei­nem klas­si­schen TV-Spot und die Nut­zung des The­mas Ge­ne­ra­ti­on Upload jetzt der Aus­ver­kauf der Blogo­sphä­re, das Ende der Un­schuld und der Sieg des Kom­mer­zes in je­dem Le­bens­be­reich? In keins­ter Wei­se. Das wur­de auch schon bei den Opel-Blog­gern vor vier Jah­ren ge­schrie­ben und ehr­lich ge­sagt habe ich da­nach nicht fest­ge­stellt, dass da­durch ein Aus­ver­kauf der Blogs statt­ge­fun­den hat. Im Ge­gen­teil, die Blogs sind mitt­ler­wei­le ein fes­ter Be­stand­teil des On­line-Mi­xes ge­wor­den, so­gar in Deutsch­land. Der Brand-Re­fresh von Vo­da­fone baut dar­auf auf, daß es eine funk­tio­nie­ren­de Blog-Land­schaft in Deutsch­land gibt, daß Prot­ago­nis­ten vor­han­den sind, die Din­ge be­we­gen wol­len, daß Un­ter­neh­men vom Wis­dom of the Crowds ler­nen kön­nen und daß ein Dia­log mit Zu­hö­ren star­tet.

wie ge­sagt. auf un­se­re kon­zept­lo­sig­keit, den alt­ba­cke­nen, un­wit­zi­gen und ziem­lich pein­li­chen spot will ich nicht wei­ter ein­ge­hen, zu­mal ich von an­fang an ge­gen den spa­cken der vom hoch­haus springt war. die grin­se­ba­cken aus dem mo­del­ka­ta­log woll­te ich auch ver­hin­dern, konn­te aber nie­man­den da­von über­zeu­gen, wie blöd das am ende wirkt. den lobo woll­ten wir ei­gent­lich im zug fil­men, aber in der ers­ten klas­se war die dreh­ge­neh­mi­gung zu teu­er. was ich ei­gent­lich sa­gen will: auch wenn ich es die letz­ten fünf jah­re nicht ge­schafft habe, aber ich bin der fes­ten über­zeu­gung, blogs sind ein 1A-mar­ke­ting-in­stru­ment und man kann mit blogs rich­tig gut koh­le ver­die­nen. bin ich über­zeugt von.

So.

mei­ne mei­nung.


vo­da­fone rohr­kre­pie­rer 2.0

felix schwenzel

an schlech­te wer­bung ha­ben wir uns alle ge­wöhnt. sie ist all­ge­gen­wär­tig. wenn sie be­son­ders schlecht, doof for­mu­liert oder spa­ckig ist fo­to­gra­fie­re ich sie und ver­su­che mich dar­über lus­tig zu ma­chen. an­sons­ten bil­de ich mir ein, sie ei­ni­ger­mas­sen gut aus­blen­den zu kön­nen und sie on­line dank wer­be- und flash-blo­ckern gar nicht erst wahr­zu­neh­men. manch­mal ge­winnt die wer­bung den kampf um auf­merk­sam­keit, es gibt leu­te, die fül­len gan­ze web­logs mit schlech­ter wer­bung, ich freue mich manch­mal über be­son­ders be­scheu­er­ten spam und wenn wer­bung wit­zig oder äs­the­tisch über­ra­gend ist, schen­ke ich ihr so­gar ger­ne mei­ne vol­le auf­merk­sam­keit.

manch­mal ver­sucht wer­bung sich di­rekt an mich zu wen­den, in­dem sie ge­sich­ter oder stim­men von per­so­nen ver­wen­det die ich ken­ne oder gut fin­den könn­te. das nennt man dann „tes­ti­mo­ni­al“. das tes­ti­mo­ni­al soll dann von sei­nem image oder sei­ner sym­pa­thie auf die mar­ke ab­strah­len.

wenn also vo­da­fone jetzt mit sa­scha lobo, frau schnu­tin­ger und ih­rem baby da­her­kommt und im hin­ter­grund des wer­be­spots ro­bert ba­sic und kos­mar zu er­ken­nen sind und die wer­be­fuz­zis von ei­ner „ge­ne­ra­ti­on upload“ la­bern füh­le ich mich an­ge­spro­chen. man kann da si­cher­lich stra­te­gi­sches kal­kül ver­mu­ten. heu­te mit­tag habe ich vo­da­fone dann den ge­fal­len ge­tan und dem neu­en spot mei­ne auf­merk­sam­keit ge­schenkt. hier is­ser.

was sieht man da? ei­nen de­bil grin­sen­den und schlecht sin­gen­den ty­pen der von ei­nem hoch­haus springt, eine mut­ti mit ih­rem baby vor­singt, dass es mal kö­ni­gin sein wird, ei­nen dür­ren, wild ham­peln­den skan­di­na­vi­er, der mit ei­nem sehr gros­sen mund, sehr schief singt, ei­nen bär­ti­gen mann mit ei­ner gros­sen son­nen­bril­le der sich mit ge­reck­ter faust über eine star­ten­de ra­ke­te freut, ei­nen mann im ja­cket und ei­nem iro­ke­sen der ein te­le­fon in der hand hält und mich an­sieht und „we the peo­p­le“* „We can beat them“ sagt und mich da­nach aus ei­nem bus an­sieht, ei­nen hund der aus­sieht als müs­se er ka­cken und auf ei­nem skate­board steht, drei sehr jun­ge men­schen mit skate­boards und kopf­be­de­ckung, ein kind das wür­fel sta­pelt und mich da­nach an­starrt, zwei als as­tro­nau­ten ver­klei­de­te men­schen die an sei­len von der de­cke hän­gen, eine äl­te­re dame die so tut als sän­ge sie und sich rhyth­misch vor ei­nem bild­schirm be­wegt, jun­ge leu­te die durch ber­lin mit­te lau­fen und in ei­nem bus sit­zen und de­bil grin­sen und te­le­fo­nie­ren, ei­nen luft­gi­tar­ren­spie­ler, ei­nen ty­pen im an­zug der schreit und dem aus ei­nem un­er­find­li­chen grund zu­ge­ju­belt wird und am ende eine men­schen­men­ge, die die arme in die höhe reisst und sich über ir­gend­et­was laut­hals freut.

die­se art spot habe ich be­reits meh­re­re tau­send mal ge­se­hen. zu­erst in den spä­ten ach­zi­ger jah­ren, als lag­ne­se eis-wer­bung. mot­to; ganz nor­ma­le men­schen wie du und ich, ner­vi­ge mu­sik, tan­zen, fer­tig. das glei­che folg­te in un­end­li­chen va­ria­tio­nen, mal mit schö­ne­ren, mal mit we­ni­ger schö­nen men­schen: wer­bung für bar­ca­di, becks, cam­pa­ri, coca cola, C und A — im­mer das glei­che mot­to: ver­meint­lich coo­le leu­te, die sich im rhyt­mus der mu­sik be­we­gen und am ende ein mar­ken-logo.

und jetzt der glei­che müll nach ei­nem min­des­tens 30 jah­re al­ten re­zept mit ein paar blog­gern und ver­meint­lich „nor­ma­len“ leu­ten? das soll vo­da­fone 2.0 sein?

da­mit soll ich mich iden­ti­fi­zie­ren? mir kommt das vor, als ob mich je­mand blöd von der sei­te an­la­bert und mir weis­zu­ma­chen ver­sucht du stehst doch auf so­was, mit so­was kanns­te dich doch iden­ti­fi­zie­ren?

die blogs, twit­ter und die kom­men­tar­spal­ten sind voll mit scha­den­freu­de und ver­wun­de­rung. mot­to, wtf, was soll der scheiss? ist es das was vo­da­fone mit 200 mil­lio­nen euro ein zwei­s­te­li­gen mil­lio­nen-bud­get(*) er­rei­chen will? auf­merk­sam­keit, ger­ne auch ne­ga­tiv, oder hat die wer­be­agen­tur scholz and fri­ends viel­leicht so­gar ge­dacht so ein emo­tio­nal über­dreh­ter kram könn­te blog­gern, twit­te­rern oder den be­rüch­tig­ten „on­line­com­mu­ni­ty­be­nut­zern“ ge­fal­len?

ich kann mir nie­man­den vor­stel­len der sich von die­sem pseu­do-emo­tio­na­len, äs­the­tisch und mu­si­ka­lisch völ­lig un­in­spi­rier­tem krea­tiv­ab­fall an­ge­spro­chen füh­len könn­te. te­le­ta­rif.de nimmt be­reits das wort „fi­as­ko“ in den mund und fragt: „An­bie­dern bei der In­ter­net-Com­mu­ni­ty – der rich­ti­ge Weg für Vo­da­fone?“

be­son­ders pein­lich fin­de ich ei­nen be­ken­nen­den ipho­ne-fan und t-mo­bi­le-kun­den wie sa­scha lobo auf ein vo­da­fone pla­kat zu kle­ben, in ei­nem bus (!), ob­wohl je­der der ihn kennt weiss, dass sa­scha nur in äus­sers­ten not­fäl­len in ei­nen bus oder eine tram steigt und das ein­zi­ge öf­fent­li­che ver­kehr­mit­tel das er be­nutzt ta­xen sind. da­von ab­ge­se­hen, dass das hin­ter­grund­bild, das of­fen­bar ber­lin dar­stel­len soll, auch noch wie von ei­nem prak­ti­kan­ten mit mi­cro­soft paint ein­mon­tiert aus­sieht und sa­scha lobo ein biss­chen wie zo­nen-gabi im glück mit sei­nem ers­ten ha­nu­ta wirkt, scheint mir die­se kam­pa­gne doch sehr lieb­los zu­sam­men­ge­stü­ckelt.

nichts passt zu­sam­men, die ver­meint­li­che ziel­grup­pe lacht sich ka­putt und selbst der on­line-ver­mark­ter fragt sich, wann vo­da­fone jetzt dem voll­mun­di­gen ver­spre­chen der „ge­ne­ra­ti­on upload“ et­was bie­ten zu kön­nen, „kon­kre­tes“ fol­gen lässt:

Die «Ge­ne­ra­ti­on Upload», das steht heu­te schon fest, könn­te man auch «Ge­ne­ra­ti­on Kein-Blatt-vor-den-Mund» nen­nen, denn Sie hat aus Sicht von Un­ter­neh­men auch die schlech­te Ei­gen­schaft, dass sie sich nur un­gern ver­ar­schen lässt. Da­her muss Vo­da­fone jetzt Kon­kre­tes fol­gen las­sen, wenn sie es ernst mei­nen, sonst geht der Schuss nach hin­ten los. Denn wirk­lich pas­sen­de An­ge­bo­te für die «Ge­ne­ra­ti­on Upload» feh­len bis­lang.
  • die ta­ri­fe von vo­da­fone sind völ­lig un­at­trak­tiv für leu­te die mo­bil on­line sein wol­len. neue, at­trak­ti­ve­re ta­ri­fe oder pro­duk­te sind mit der kam­pa­gne nicht vor­ge­stellt oder ang­kün­digt wor­den.
  • die AGBs sind ge­nau­so be­scheu­ert wie die al­ler an­de­ren an­bie­ter und er­lau­ben we­der die nut­zung von „Voice over IP, In­stant Mes­sa­ging und Peer-to-Peer-Ver­bin­dun­gen
  • vo­da­fone brüs­tet sich da­mit ein glo­ba­les un­ter­neh­men zu sein, zockt die be­nut­zer aber nichts­des­to trotz ab, wenn sie sich in aus­län­di­sche vo­da­fone-net­ze ein­wäh­len.
  • vo­da­fone-kun­den sind enorm ge­nervt vom hand­set-bran­ding, bei dem sich vo­da­fone nicht dar­auf be­schränkt lo­gos auf das han­dy zu kle­ben, son­dern meint die han­dy-soft­ware mo­di­fi­zie­ren zu müs­sen, was ner­vi­ge funk­ti­ons­ein­schrän­kun­gen und ver­zö­ger­te firm­ware-up­dates zur fol­ge hat.
  • vo­da­fone war ei­ner der ers­ten te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­bie­ter, der sich frei­wil­lig von ur­su­la von der ley­en bei der er­rich­tung ei­ner zen­sur­in­fra­struk­tur ein­span­nen liess

ich weiss ja nicht ob es eine gute stra­te­gie ist, ein pro­dukt das of­fen­sicht­lich män­gel hat oder zu­min­dest für die an­vi­sier­te ziel­grup­pe enorm un­at­trak­tiv ist, bunt an­zu­ma­len, sich da­mit bei der ziel­grup­pe lä­cher­lich zu ma­chen und dann auch noch ein tes­ti­mo­ni­al zu nut­zen, dass die pro­duk­te der kon­kur­renz vor­zieht, statt erst­mal, klar und deut­lich, das pro­dukt selbst zu ver­bes­sern.

oder ist es heut­zu­ta­ge in der auf­merk­sam­keits­öko­no­mie doch so, je pein­li­cher des­to er­folg­rei­cher?

aus­ser­dem (wird lau­fend ak­tua­li­siert):

[*) nach­trag 11.07.2009]
olaf kol­brück kor­ri­giert sei­ne schät­zung des vo­da­fone bud­gets un­ten in den kom­men­ta­ren:

Bei den 200 mio han­delt es sich um den ge­schätz­ten! glo­ba­len Me­dia-Etat. Der Deutsch­land­etat wird im mitt­le­ren bis obe­ren zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich lie­gen.

ich kor­ri­giers es hier noch­mal so ex­pli­zit, weil die FAZ es auch falsch von olaf kol­brück über­nom­men hat und ich mir nicht nach­sa­gen las­sen will ge­nau­so schlam­pig wie die FAZ zu sein.


der schwar­zen heint­je

felix schwenzel

wie heisst das ge­gen­teil von mis­an­thro­pie noch­mal? zu­min­dest ist die­ser text von svenk das ge­gen­teil von mis­an­throp. na gut ein biss­chen ha­cken-tre­ten ist schon in den text ein­ge­wo­ben. trotz­dem schön — oder ge­nau­er: dings.

[schö­ne ei­gen­wer­bungs­tex­te tex­tet er üb­ri­gens auch ge­ra­de.]


pri­vat­dings

felix schwenzel

heu­te war ich auf ei­ner ver­an­stal­tung die sich „Lebe lie­ber di­gi­tal. Was bleibt im In­ter­net pri­vat?“ frag­te. die ant­wort lau­te­te nach an­der­t­alb stun­den: kommt drauf an, aber ei­gent­lich bleibt al­les pri­vat was man nicht ver­öf­fent­licht. ab­ge­se­hen na­tür­lich von den te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons-ver­bin­dungs­da­ten die der staat im gros­sen stil und auf vor­rat sam­meln lässt, aber dar­über wur­de nicht ge­re­det. na gut es wur­de doch kurz drü­ber ge­re­det, als die fra­ge nach ei­ner stun­de aus dem pu­bli­kum kam und pe­ter schaar ge­hen muss­te. aber wirk­lich über vor­rats­da­ten­spei­che­rung re­den woll­te der mo­de­ra­tor kai bier­mann nicht, weil, wie er sag­te, di­ver­se ver­fas­sungs­ge­richts­ur­tei­le an­hän­gig sei­en und es eh nie­mand da sei, der dazu et­was sa­gen kön­ne.

es wur­de auch nicht dar­über ge­re­det, war­um die die ver­schär­fung des da­ten­schutz­ge­set­zes durch er­folg­rei­che lob­by-ar­beit, un­ter an­de­rem der zei­tungs­ver­le­ger, ab­ge­schwächt wur­de. ein biss­chen wur­de dar­über ge­re­det, dass pe­ter schaar goog­le dazu ge­bracht habe, IP-adres­sen nicht mehr auf un­be­stimm­te zeit zu­sam­men mit den such­an­fra­gen zu spei­chern, son­dern nur noch ein paar mo­na­te. es wur­de dar­über ge­re­det, dass man dank pe­ter schaar da­ten und bil­der sei­nes hau­ses aus goog­le-earth und -street­view lö­schen las­sen kön­ne. oder über stu­di­en des hans-bre­dow-in­si­tuts und wie sorg­sam par­ship die pri­va­ten da­ten sei­ner nut­zer schützt und dass ste­fan nig­ge­mei­er är­ger mit dem ber­li­ner da­ten­schutz­be­auf­trag­ten hat­te.

eher lang­wei­lig. nach dem abend heu­te könn­te man den­ken, pri­vat­heit wäre ein völ­lig un­kon­tro­ver­ses the­ma.

das in­ter­es­san­tes­te heu­te abend war mein fuss­weg vom check­point char­lie zum bahn­hof fried­rich­stras­se:

  • am check­point char­lie hal­ten tou­ris­ten mit­un­ter mit dem taxi an um das bild des so­wje­ti­schen sol­da­ten und die fried­rich­stras­se zu fo­to­gra­fie­ren.
  • die rie­si­ge bra­che am check­point char­lie ist nach wie vor un­be­baut und der bau­zaun ver­klei­det sich als in­for­ma­ti­ons-flä­che für tou­ris­ten.
  • die bü­ro­flä­chen an der fried­rich­stras­se im quar­tier 205, 206 und 207 se­hen im­mer noch zum gros­sen teil un­ver­mie­tet aus.
  • an der fried­rich­stras­se gibt es zwi­schen check­point char­lie und bahn­hof fried­rich­stras­se ca. 50 ca­fés.
  • der bu­g­at­ti vey­ron mit an­geb­lich 1001 PS steht seit ge­fühl­ten 20 jah­ren bei VW im schau­fens­ter.
  • an der ecke un­ter den lin­den/fried­rich­stras­se steht plötz­lich ein rie­si­ges ge­bäu­de dass wie ein zwit­ter aus dem em­pire sta­te buil­ding in new york und dem ve­ne­ti­an in las ve­gas aus­sieht (über­di­men­sio­nier­ter protz mit glit­zer, mes­sing und zu­viel licht).
  • der sa­xo­phon-spie­ler vor dem „kul­tur­kauf­haus“ duss­mann stand in ei­ner rie­si­gen spei­chel-pfüt­ze.
  • opel stellt im schau­fens­ter ein auto mit was­ser­stoff-an­trieb aus — von GM.
  • die fried­rich­stras­se wim­melt nicht nur von spa­ni­schen tou­ris­ten — auch nachts — son­dern auch von spa­ni­schen punks.

trans­pa­renz

felix schwenzel

ich mag trans­pa­renz. bei der pi­ra­ten­par­tei kann man alle mög­li­chen sit­zungs­pro­to­kol­le von orts­ver­bands­sit­zun­gen oder bun­des­par­tei­ta­gen in wi­kis ver­fol­gen, der par­tei­tag wur­de live ge­streamt, in al­ler sei­ner chao­ti­schen und un­ge­schön­ten pracht.

nach­dem sich nun am pi­ra­ten­par­tei-mit­glied und funk­tio­när bodo thie­sen so eine art „sturm aus scheis­se“ ent­facht hat, ver­sucht der vor­stand ohne scheis­se am re­vers aus dem sturm her­aus­zu­kom­men, in­dem er sich von bodo thie­sen „di­stan­ziert“:

Durch die er­neut laut ge­wor­de­ne Kri­tik in­ner­halb der Par­tei so­wie in der Blog- und Twit­ter­sphä­re hält der Vor­stand eine noch kla­re­re und deut­li­che­re Di­stan­zie­rung für nö­tig. Soll­te Bodo Thie­sen die­ser Auf­for­de­rung nicht bin­nen 24 Stun­den nach­kom­men, wird der Bun­des­vor­stand die ent­spre­chen­den Maß­nah­men er­grei­fen.

„ent­spre­chen­den Maß­nah­men“? das ist al­les an­de­re als kris­tall­klar. ist es viel­leicht eine „ent­spre­chen­de Maß­nah­me“ sich er­neut deut­lich von bodo thie­sen zu di­stan­zie­ren? will der vorstnd ihm viel­leicht den er­ho­be­nen zei­ge­fin­ger zei­gen? schimp­fen? bodo thie­sens el­tern an­ru­fen?

was ist dar­an so schwer, klar, ein­fach und trans­pa­rent zu sa­gen, wenn sich bodo thie­sen nicht von sei­nen wir­ren ge­fa­sel di­stan­ziert, wird er aus der par­tei aus­ge­schlos­sen?

[mehr dazu und auch ein vi­deo von bodo thie­sens pein­li­cher „recht­fert­gung“ auf dem #bpt09 bei mal­te wel­ding.]


dem papst schwebt ei­ne welt­re­gie­rung vor

felix schwenzel

da hab ich doch sehr ge­lacht, po­lit­platsch­quatsch schreibt:

„Der Papst“,ana­ly­siert die Il­lus­trier­te „Spie­gel“, „hat of­fen­sicht­lich das Ver­trau­en in die be­stehen­de Ord­nung ver­lo­ren“. An­stel­le des wil­den, von Ei­gen­in­ter­es­sen ge­trie­be­nen Wirt­schaf­tens auf der Welt stellt sich Be­ne­dikt eine zen­tral ge­steu­er­te Welt­wirt­schaft vor, über die „eine ech­te po­li­ti­sche Welt­au­to­ri­tät“ jen­seits von Uno und WTO be­stimmt. In­fra­ge käme bei­spiels­wei­se Ger­hard Schü­rer, der als ehe­ma­li­ger Pla­nungs­chef der DDR Er­fah­rung da­mit hat, die Her­stel­lung der tau­send klei­nen Din­ge, nach de­nen es den Men­schen im­mer wie­der und häu­fig ohne wirk­li­chen Grund ver­langt, zu or­ga­ni­sie­ren.

hier wei­ter­le­sen.


bun­des­par­tei­tag der pi­ra­ten­par­tei deutsch­land

felix schwenzel

heu­te vor­mit­tag war ich für ein paar stun­den auf dem bun­des­par­tei­tag der pi­ra­ten­par­tei deutsch­land (#bpt09) und bin da­nach mit ei­nem gros­sen teil der de­le­gier­ten zum mit­tag­essen zu mc­do­nalds ge­gan­gen.

der ver­an­stal­tungs­ort, das bür­ger­haus wil­helms­burg, liegt ma­le­risch mit­ten im ham­bur­ger ha­fen in wil­helms­burg, bei­na­he wie eine burg von ei­nem was­ser­gra­ben mit see­ro­sen um­ge­ben. di­rekt am ein­gang zum saal emp­fing mich eine freund­li­che pres­se­frau, die mir um­stands­los eine pres­se­ak­kre­di­tie­rung zum um­hän­gen aus­hän­dig­te und mir viel spass wünsch­te. das war bei­na­he so ein­fach wie beim par­tei­tag der CSU 2005 in nürn­berg (dort muss­te ich noch mei­nen per­so­nal­aus­weis vor­zei­gen).

der saal war pro­pe­voll mit auf­fäl­lig vie­len pfer­de­schwanz- und iro­ke­sen­trä­gern und schwar­ze kla­mot­ten-trä­gern. es roch ein biss­chen nach red bull. vie­le der an­we­sen­den wirk­ten sehr jung, ei­ni­ge äl­te­re wa­ren auch an­we­send, auf den lap­tops lief über­durschnitt­lich viel li­nux, eine dame vor mir boo­te­te ihr ubun­tu alle 10 mi­nu­ten neu. we­ni­ge der an­we­sen­den hat­ten ide­al­ge­wicht, ei­ner trug ei­nen schlips und freu­te sich un­ab­läs­sig, ein paar tru­gen eine pi­ra­ten­flag­ge als cape. es lie­fen eine men­ge jour­na­lis­ten rum, die man ent­we­der an den fern­seh­ka­me­ras, no­tiz­blö­cken oder leh­rer-out­fits er­kann­te.

vor­ne auf der büh­ne sass der vor­stand und am red­ner­pult las je­mand die ta­ges­or­dung aus ei­nem wiki vor. ein haar­knäul auf der büh­ne schien pro­to­koll zu füh­ren. hin und wie­der wur­de über ta­ges­ord­nungs­punk­te ab­ge­stimmt, hin und wie­der bran­de­te ap­plaus auf, re­gel­mäs­sig gab es wort­mel­dun­gen an den im saal auf­ge­stell­ten mi­kro­fo­nen. al­les ging sehr ge­sit­tet und or­dent­lich von stat­ten, über jede klei­nig­keit wur­de ab­ge­stimmt und dis­ku­tiert, so­gar über den of­fi­zi­el­len hash­tag des #bpt09 wur­de kurz dis­ku­tiert.

ge­nau so stel­le ich mir die jah­res­haupt­ver­samm­lung des zen­tral­ver­bands deut­scher ka­nin­chen­züch­ter vor. or­dent­lich, dis­zi­pli­niert und zum um­fal­len lang­wei­lig.

wie vie­le twit­te­rer, mach ich es mir aber auch ein­fach, wenn ich sage: „lang­wei­lig!“. denn an und für sich ist das was man dort im bür­ger­zen­trum wil­helms­burg se­hen konn­te al­les an­de­re als lang­wei­lig: es bil­det sich eine par­tei, die dem gros­sen un­be­ha­gen das sich bei vie­len „on­line­com­mu­ni­ty­be­nut­zern“ breit­macht, eine stim­me und hoff­nung auf bes­se­rung ver­leiht. und dass ein sol­ches vor­ha­ben, eine or­dent­li­che po­li­ti­sche wil­lens­bil­dung nicht von oben her­ab ver­ord­nen lässt kann oder sich an ei­nem cha­ris­ma­ti­schem heils­ver­kün­der kris­tali­sie­ren kann ist auch klar. mar­kus merz drückt das in we­ni­ger wor­ten als ich aus:

De­mo­kra­tie ist schon ein müh­sa­mes Ge­schäft so ganz ohne Dik­ta­tor :) #bpt09

man könn­te jetzt sei­ten­lang rum­nör­geln und alt­klug die an­geb­li­chen feh­ler der pi­ra­ten aus­leuch­ten, sich dar­über lus­tig ma­chen, wie we­nig straff der par­tei­tag or­ga­ni­siert ist, wie un­pro­f­fe­sio­nell es wirkt, wenn de­li­gier­te von hin­ten im saal am mi­kro ein­fach mit­glie­der des bun­des­vor­stands kri­ti­sie­ren und zur recht­fer­ti­gung zwin­gen und sich ein­fach je­der zu al­lem zu wort mel­den darf. aber ei­nes ist si­cher, es wirkt nicht so ab­ge­klärt und po­li­tisch ab­ge­fuckt(*) wie in an­de­ren par­tei­en oder ech­ten ka­nin­chen­züch­ter­ver­ei­nen. gstolt:

alle die hier ein­fach nör­geln. wir sind noch jung und die meis­ten sind nicht er­fah­ren in po­li­ti­scher ar­beit. #bpt09

mir ist die­se über­mo­ti­vier­te nai­vi­tät je­den­falls zwei­tau­send­mal lie­ber als die ab­ge­klärt­heit und ar­ro­ganz mit der das po­li­ti­sche es­tab­lish­ment der pi­ra­ten­par­tei zur zeit be­geg­net.

na­tür­lich steht im par­tei­pro­gramm oder den ent­wür­fen dazu viel dum­mes zeug. nur was wäre das, wenn eine par­tei aus dem stand ein kon­sens­fä­hi­ges, glatt­ge­schlif­fe­nes, es al­len recht­ma­chen­des und un­glaub­lich pro­fes­sio­nel­les par­tei­pra­gramm, in­klu­si­ve zwei drei her­aus­ra­gen­den klu­gen, be­dach­ten po­li­ti­schen köp­fen prä­sen­tie­ren könn­te? da wäre was faul dran.

es ist wie beim men­schen. der wird un­schul­dig aber ein biss­chen ner­vig und an­stren­gend ge­bo­ren, fängt dann ir­gend­wann an sich wie ein fle­gel zu be­neh­men und al­les alt­her­ge­brach­te ab­zu­leh­nen, be­vor er durch selbst­ge­mach­te er­fah­run­gen lang­sam zu et­was ver­nünf­ti­gem und im all­tag zu ge­brau­chen­dem wird. bis da­hin hat er ein paar mal kräf­tig auf die fres­se be­kom­men, das le­ben, die rea­li­tät, der all­tag hat ecken und kan­ten ab­ge­schlif­fen.

na­tür­lich wird sich die rech­te kampf­pres­se (und wahr­schein­lich auch die lin­ke) wei­ter die fin­ger wund schrei­ben und ver­su­chen die par­tei mit halb­wahr­hei­ten, sug­ges­ti­on und ein­sei­ti­ger be­richt­erstat­tung zu dis­kre­di­tie­ren. die vor­bo­ten da­für kann man bei joa­chim hu­ber im ta­ges­spie­gel, su­san­ne gas­cke und bernd ul­rich in der zeit oder tho­mas stein­feld in des SZ be­reits er­ken­nen. man hört es fast, wie man sich in den re­dak­ti­ons­stu­ben der re­pu­blik die hän­de reibt und dar­auf freut, die künf­ti­gen po­li­ti­schen feh­ler und tap­sig­kei­ten der pi­ra­ten aus­zu­schlach­ten. man wird im­mer wie­der le­sen, dass man die pi­ra­ten nicht ernst­neh­men kann, dass sie kul­tur­fein­de sind, das sie ge­fähr­lich sind und das sie ei­nen po­lit­ker in ih­ren rei­hen ha­ben, ge­gen den we­gen des ver­dachts auf den be­sitz von kin­der­por­no­gra­phi­schen ma­te­ri­al er­mit­telt wird. wit­zi­ger­wei­se wird man das auch oft von mit­glie­dern ei­nes sehr viel grös­se­ren ver­eins hö­ren, in dem hun­der­te, wenn nicht so­gar tau­sen­de, teil­wei­se lei­ten­de mit­glie­der un­ter dem ver­dacht des kin­des­miss­brauchs ste­hen und auch da­für ver­ur­teilt wur­den. trotz­dem wird kei­ner der jörg-tauss-kri­ti­ker des­halb aus der ka­tho­li­schen kir­che aus­tre­ten.

ich will we­der das pro­blem kin­des­miss­brauch all­ge­mein oder den ver­dacht ge­gen jörg tauss spe­zi­ell ba­ga­tel­li­sie­ren, er­war­te aber eine rege und bi­got­te in­stru­men­ta­li­sie­rung des kin­der­schut­zes im auf­bran­den­den po­li­ti­schen kampf ge­gen die pi­ra­ten­par­tei. gleich­zei­tig den­ke ich, dass das der par­tei gut tun wird und sie dar­an rei­fen wird. und mit­glied in der pi­ra­ten­par­tei zu sein (bin ix üb­ri­gens nicht), heisst ja auch nicht, kei­ne kri­tik an ihr üben zu kön­nen oder zu sol­len. der von mir über­aus ge­schätz­te bov bjerg ist kürz­lich in die pi­ra­ten­par­tei ein­ge­tre­ten („Par­tei­ne sind doof.“, „Die Pi­ra­ten­par­tei ist doof.“, „Und trotz­dem.“) und pflückt be­reits jetzt mehr oder we­ni­ger ge­nüss­lich de­ren pro­gramm und zi­ta­te der vor­stän­de aus­ein­an­der. ein kom­men­ta­tor bei bov bjerg mut­masst be­reits, dass bov bjerg am „Ende […] noch der Jörg Tauss der Pi­ra­ten­par­tei“ wird.

über­haupt par­tei­pro­gram­me, wozu sonst als zur er­stel­lung des wahloma­ten sind die über­haupt gut? sie bie­ten eine ori­en­tie­rung und hil­fe um das ge­rings­te übel zu wäh­len. an die ex­ak­te um­set­zung ei­nes wahl­pro­gramms glaubt ja noch nicht mal lies­chen mül­ler. jour­na­lis­ten le­sen wahl­pro­gram­me eh nicht, blog­ger auch nicht. ich habs mal ver­sucht und bin nach zwei sät­zen ein­ge­schla­fen.

zu­mal es mei­ner mei­nung nach auch ex­trem naiv ist, zu hof­fen, dass nach dem par­tei­tag all die schwie­ri­gen fra­gen zum ur­he­ber­recht, den bür­ger­rech­ten, dem da­ten­schutz und der zu­kunft ab­schlies­send und be­frie­di­gend be­ant­wor­tet wä­ren. die dis­kus­si­on dar­über geht doch ge­ra­de erst los. jetzt kommt es dar­auf an eine brei­te ge­sell­schaft­li­che dis­kus­si­on zu die­sen fra­gen aus­zu­lö­sen, law­rence les­sigs the­sen und ideen auf­zu­grei­fen, zu prü­fen oder zu ver­wer­fen, lö­sun­gen und kom­pro­mis­se aus­zu­lo­ten.

ich bin da ger­ne mit da­bei, al­ler­dings der­zeit nicht als mit­glied der pi­ra­ten­par­tei. und den spruch „klar­ma­chen zum än­dern“ fin­de ich gar nicht mal so doof.

auch über den par­tei­tag:

(*): apro­pos po­li­ti­sche ab­ge­klärt­heit. wer ein­mal auf ei­nem par­tei­tag ei­ner eta­blier­ten par­tei war, weiss wie ner­vig po­li­ti­sche kor­rekt­heit in der frei­en rede sein kann. bei der SPD wird in je­den ab­satz min­des­tens ein „lie­be ge­nos­sin­nen und ge­nos­sen“ ein­ge­floch­ten, was bei gros­ser auf­re­gung auch oft als „lie­be ge­nos­sen und ge­nos­sen“ aus­ge­spro­chen wird. in der CDU sind es „die lie­ben freun­de und freun­din­nen“, „wäh­ler und wäh­le­rin­nen“. bei der pi­ra­ten­par­tei hab ich das heu­te kein ein­zi­ges mal ge­hört, wo­durch ich mich zu ei­nen blö­den gag hin­reis­sen liess: näm­lich, dass bei den pi­ra­ten nie­mand die po­li­tisch kor­rek­te, aber blöd­sin­ni­ge gruss­for­mel „lie­be pi­ra­ten und pi­ra­tin­nen“ in sei­ne re­den ein­baut, weil eh kei­ne frau­en an­we­send sind.

lei­der hat mir jörg tauss laut pro­to­koll des bpt09 ei­nen strich durch mei­nen (oh­ne­hin über­flüs­si­gen) gag ge­macht: er hat es wirk­lich ge­sagt!

[nach­trag 05.07.2009] hier ist ein vi­deo vom live­stream von tauss rede zu se­hen [via]. als tauss von den „lie­ben pi­ra­ten und pi­ra­tin­nen“ spricht ver­has­pelt er sich ganz or­dent­lich und gibt zu, dass er fast „ge­nos­sin­nen und ge­nos­sen“ ge­sagt hät­te. ein zwi­schen­ru­fer wen­det ein: „pi­ra­ten ist ge­schlechts­neu­tral.“


blaue fens­ter, qua­si

felix schwenzel

auf die­sem bild kann man meh­re­re din­ge er­ken­nen (oder auch nicht):

  • dass der o2-XDA eine lau­si­ge ka­me­ra hat
  • dass ix ein lau­si­ger fo­to­graf bin
  • dass die DB-re­gio-züge nicht nur mit blau­en sit­ze aus­ge­stat­tet sind, son­dern auch mit blau­em licht be­leuch­tet wer­den
  • dass die kon­kur­renz von me­tro­nom die re­gio­nal­bah­nen noch gelb be­leuch­tet

klo­pa­pier, müll, „ballum“, jean-luc und ein schö­ne­res deutsch­land

felix schwenzel

an­drea schrul: „Bei dem ers­ten Film, den ich pro­du­zier­te, han­del­te es sich um ei­nen 10-mi­nü­ti­gen Kurz­film über das Le­ben ei­ner Toi­let­ten­pa­pier­rol­le.“

fon­si: „Aber die Lö­sung des Mülls ist nicht die bes­se­re Fi­nan­zie­rung des Ab­falls, son­dern ein bes­se­res, müll­frei­es An­ge­bot.“

mer­lix: „Der Sohn hat ei­nen Luft­bal­lon ge­schenkt be­kom­men, groß, oran­ge und ziem­lich groß­ar­tig, zu­min­dest aus sei­ner Sicht. Stolz sitzt er im Bug­gy und hält ihn in der Hand, wäh­rend ich mit ihm durch die Stadt schie­be. Er hält ihn ge­le­gent­lich hoch und er­klärt den Men­schen, die uns ent­ge­gen­kom­men und die es ja viel­leicht nicht wis­sen: »Ballum!«“ [hab ich schon ge­sagt, dass mer­lix lang­sam zu mei­nem lie­bings­blog­ger wird? ach­ja.]

jean-luc go­dard in­ter­viewt woo­dy al­len. [go­dard! nicht pi­card! via]

mal­te wel­ding stellt fest: „Mar­kus Ma­jow­ski hat in den letz­ten Jah­ren also fest­ge­stellt, dass wäh­rend der Re­gie­rungs­zeit von An­ge­la Mer­kel Deutsch­land ein­fach schö­ner ge­wor­den ist.“ [mit vi­de­os]


kos­ten­los-kul­tur

felix schwenzel

die­se so­ge­nann­te „kos­ten­los-kul­tur“ nimmt ja lang­sam über­hand. ges­tern habe ich im ge­druck­ten ta­ges­spie­gel ge­le­sen ohne et­was da­für zu be­zah­len.

ich fand den ar­ti­kel „Die Ideen der an­de­ren“ von jens müh­ling aber trotz­dem sehr gut. muss man ja auch mal sa­gen, bei all dem müll der hin und wie­der im ta­ges­spie­gel steht.


hu­bert bur­da will lie­ber neh­men als ge­ben

felix schwenzel

hu­bert bur­da hat in sei­ner ei­gen­schaft als VDZ-prä­si­dent eine rede ge­hal­ten und meint die zeit­schrif­ten- und zei­tungs­ver­le­ger wür­den „schlei­chend ent­eig­net“.

det­lef bor­cherts fasst es auf hei­se.de fol­gen­der­mas­sen zu­sam­men: „Ver­le­ger for­dern Schutz vor und Geld von Such­ma­schi­nen.“

ich wür­de das was hu­bert bur­da sagt eher als höchst bi­zar­re und vor al­lem bi­got­te pfrün­den­kei­le­rei be­zeich­nen. hu­bert bur­da for­dert:

Such­ma­schi­nen, aber auch Pro­vi­der und an­de­re An­bie­ter pro­fi­tie­ren über­pro­por­tio­nal von un­se­ren teu­er er­stell­ten In­hal­ten. Doch wer die Leis­tung an­de­rer kom­mer­zi­ell nutzt, muss da­für be­zah­len.

da stellt sich na­tür­lich die fra­ge, zahlt fo­cus für ein­ge­bet­te­te you­tube vi­de­os? und an wen? zahlt bur­da für be­nut­zer­ge­ne­rier­te in­hal­te, kom­men­ta­re, fo­tos und vi­de­os?

bei live.fo­cus.de kann je­der­mann fo­tos und vi­de­os hoch­la­den. die fo­tos und vi­de­os wer­den dann von fo­cus in wer­bung ein­ge­bet­tet ge­zeigt. zahlt bur­da für die kom­mer­zi­el­le nut­zung der krea­ti­ven leis­tung der nut­zer? in den AGBs von to­mor­row-fo­cus steht:

Mit dem Hoch­la­den von Fo­tos, Vi­de­os oder Tex­ten räumt der Nut­zer der TO­MOR­ROW FO­CUS Por­tal GmbHun­ent­gelt­lichdas Recht ein, die Ma­te­ria­li­en zeit­lich un­be­grenzt zu spei­chern, öf­fent­lich zu­gäng­lich zu ma­chen, zum Down­load an­zu­bie­ten und in On­line- und Print­me­di­en zur Be­wer­bung des An­ge­bots zu nut­zen.

[in den AGBs fin­det man auch ein dep­pen­apo­stroph: „6.4 Die AGB’s zur Nut­zung von SHOP­SHOP fin­den Sie hier.“]

er­in­nert mich an den gu­ten al­ten lehr­satz von kom­mu­nis­ti­schen ka­dern: „alle sind gleich, aber ei­ni­ge sind glei­cher“ (und sol­len da­für auch mehr geld und pri­vi­le­gi­en be­kom­men). die pro­le­ten brau­chen kein geld zu be­kom­men wenn sie so doof sind ihre auf­wän­dig er­stell­ten in­hal­te kos­ten­los ins netz stel­len, die ed­len ver­le­ger aber, wenn sie ihre „teu­er er­stell­ten“ in­hal­te nicht an­ders als kos­ten­los und mit hil­fe von such­ma­schi­nen an den mann brin­gen kön­nen, sol­len fürst­lich ent­lohnt wer­den. ich fra­ge mich ob hu­bert bur­da bei sei­nem vor­trag rot ge­wor­den ist.

na gut. mal an­ge­nom­men hu­bert bur­da wäre ein an­stän­di­ger kerl und wür­de sei­ne jour­na­lis­ten und con­tent-lie­fe­ran­ten an­stän­dig ent­loh­nen. was ver­dient goog­le denn mit der kom­mer­zi­el­len nut­zung von zei­tungs­in­hal­ten? goog­le-news, über das sich ver­le­ger im­mer be­son­ders ger­ne auf­re­gen ist bis­her noch wer­be­frei. bei der goog­le-su­che selbst, ver­dient goog­le kräf­tig mit ein­ge­bet­te­ten an­zei­gen. das ist selbst­ver­ständ­lich le­gi­tim, denn goog­le bie­tet eine leis­tung die von su­chen­den und ge­fun­de­nen hoch ge­schätzt wird. die­je­ni­gen die su­chen schen­ken den goog­le-er­geb­nis­sen eine hohe auf­merk­sam­keit, weil goog­le gute such­ergeb­nis­se bie­tet. die­se auf­merk­sam­keit ver­wan­delt goog­le über an­zei­gen in geld. die ver­le­ger und an­de­ren con­tent-pro­du­zen­ten schät­zen den traf­fic den goog­le bringt. wenn ich mich recht er­in­ne­re sind das bei­spiels­wei­se beim fo­cus über 50% al­ler be­su­cher. das ist ba­res geld wert, das fo­cus bei­spiels­wei­se auch mit goog­le-an­zei­gen mo­ne­ta­ri­siert. die ver­le­ger in­ves­tie­ren so­gar geld in such­ma­schi­nen-op­ti­mie­rung, um bei goog­le weit oben ge­fun­den zu wer­den.

wo ge­nau ist das pro­blem? es gibt kein pro­bem, die ver­le­ger wol­len ein­fach nur mehr geld.

wie ab­surd die­se for­de­rung ist, er­kennt man wenn man goog­le mit ei­nem ki­osk ver­gleicht. in ei­nem ki­osk lie­gen hun­der­te zei­tun­gen und zeit­schrif­ten aus („un­se­re teu­er er­stell­ten In­hal­te“). das ki­osk macht die­se in­hal­te zu­gäng­lich und ver­kauft die me­di­en­er­zeug­nis­se. die ver­le­ger ge­ste­hen dem ki­osk so­gar zu, ei­nen teil des er­lö­ses zu be­hal­ten. wenn ein ki­osk nun ein be­son­ders lu­kra­ti­ves ge­schäfts­mo­dell ge­fun­den hat, zum bei­spiel in­dem ne­ben den ver­lags­er­zeug­nis­sen auch lot­to-schei­ne, kaf­fee, be­leg­te bröt­chen oder selbst­ge­mach­tes pes­to ver­kauft wer­den, soll­ten die ver­le­ger dann auch an die­sen er­lö­sen be­tei­ligt wer­den? schliess­lich sind es doch die „teu­er er­stell­ten In­hal­te“ die die men­schen­mas­sen in das ki­osk trei­ben. oder?

Dazu zäh­len: das Recht, im Netz von den Such­ma­schi­nen nach ob­jek­ti­ven, nach­voll­zieh­ba­ren Kri­te­ri­en ge­fun­den zu wer­den. Das Recht, an den Er­lö­sen der Such­ma­schi­nen fair und zu über­prüf­ba­ren Kon­di­tio­nen zu par­ti­zi­pie­ren.

war­um also eine „par­ti­zi­pa­ti­on“ an den er­lö­sen der such­ma­schi­nen? war­um sol­len nur die ver­le­ger und nicht die lot­to-ge­sell­schaf­ten, bä­cker, kaf­fee­rös­ter oder ba­si­li­kum-bau­ern von den such­ma­schi­nen ent­lohnt wer­den? jetzt kommt das kil­ler-ar­gu­ment von bur­da: weil es sich bei zei­tun­gen und zeit­schrif­ten um ein „Kul­tur­gut“ han­delt, das „be­wahrt“ wer­den müs­se. wohl­ge­merkt, bur­da meint nicht die kul­tur­schaf­fen­den, die au­toren, die künst­ler, die fo­to­gra­fen, die blog­ger, die kom­men­ta­to­ren, die mu­si­ker, die you­tube-vi­deo-er­stel­ler die ei­nes bo­son­de­ren schut­zes und ei­ner ver­gü­tung be­dür­fen, son­dern es geht hu­bert bur­da um „die Rech­te je­ner“, „die die Wer­ke der Au­toren ver­mit­teln.“

in­ter­es­sant ist, dass bur­da ei­gent­lich ein di­rek­ter kon­kur­rent von goog­le ist. 2001 hat bur­da eine „ein­zig­ar­ti­ge find­ma­schi­ne“ na­mens net­gui­de an­ge­kün­digt, die mei­nes wis­sens eben­so ein­zig­ar­tig und gran­di­os ge­schei­tert ist. und jo­chen we­ge­ner hat ein pro­jekt in der schub­la­de, dass wie goog­le-news funk­tio­nie­ren soll und goog­le-news „at­ta­ckie­ren“ soll. ich habe jo­chen weg­ner ge­fragt, ob bei die­sem dienst eine ver­gü­tung der news-quel­len ge­plant ist. ich er­war­te kei­ne ant­wort, wohl aber, dass bur­da hier, eben­so wie goog­le das an­geb­lich tut, kei­nen pfen­nig für die kom­mer­zi­el­le aus­nut­zung von „teu­er er­stell­ten“ in­hal­ten an­de­rer zah­len wird.

[nach­trag 23:15]
herr ka­li­ban meint zum gei­chen the­ma:

…tja, was for­dert [hu­bert bur­da]? Staats­hil­fen? Nein, ein Ge­setz. Ein hüb­sches klei­nes Ge­setz ex­tra für die Ver­la­ge, da­mit die ih­ren, uh, ver­ant­wor­tungs­vol­len Jour­na­lis­mus (wel­ches sei­ner Ma­ga­zin meint Dr. Bur­da hier: Fo­cus, Bun­te, Frau im Trend? Su­per-Illu?) wei­ter wirt­schaft­lich be­trei­ben kön­nen.

[nach­trag 01.07.2009]
nach­rich­ten.de bie­tet laut jo­chen weg­ner „je­dem“ an, sich ge­gen re­ve­nue-share, also ge­gen be­tei­li­gung an den um­sät­zen, an nach­rich­ten.de zu be­tei­li­gen. im­mer­hin.

[nach­trag 02.07.2009]
anja see­li­ger er­klärt im im per­len­ta­cu­her ein biss­chen ge­nau­er was das „er­wei­ter­te leis­tungs­schutz­recht“ das bur­da for­dert ei­gent­lich be­deu­tet.:

Ein Leis­tungs­schutz­recht für Ver­la­ge be­deu­tet, dass Ver­la­ge künf­tig auch ohne Ein­ver­ständ­nis ih­rer Au­toren - ja so­gar ge­gen den Wil­len ih­rer Au­toren - Zi­ta­te aus Ar­ti­keln in ih­ren Zei­tun­gen schüt­zen und da­mit kos­ten­pflich­tig ma­chen kön­nen. […] Ge­grün­det wer­den soll eine „Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft der Ver­la­ge. Eine Gema für On­line­tex­te, die im Netz nach il­le­ga­ler Nut­zung fahn­det - und fäl­li­ge Ge­büh­ren ein­treibt“. Nicht für die Ver­brei­tung gan­zer Tex­te, das ist heu­te schon il­le­gal, son­dern für Zi­ta­te!

das ei­gent­lich er­schre­cken­de ist aber die nähe der gros­sen ver­la­ge zum staat:

Hu­bert Bur­da be­haup­tet, all die­se Maß­nah­men sei­en un­um­gäng­lich, um den „Qua­li­täts­jour­na­lis­mus“ und da­mit die De­mo­kra­tie zu schüt­zen. Aber nicht der „Qua­li­täts­jour­na­lis­mus“ ist wich­tig für die De­mo­kra­tie, son­dern die Exis­tenz ei­ner frei­en Pres­se. Die Pres­se ist aber nur frei, wenn sie von staat­li­chen Ein­flüs­sen un­ab­hän­gig bleibt. Doch ge­nau das leh­nen Zei­tungs­ver­le­ger jetzt ab: Sie ru­fen nach dem Staat.

gan­zen ar­ti­kel im per­len­tau­cher le­sen.


ist sa­bi­ne chris­ti­an­sen ein ro­bo­ter?

felix schwenzel

und vor al­lem, ist sat1 ein pro­gram­mie­rer? wur­de sa­bi­ne chris­ti­an­sen ob­jekt­ori­en­tiert pro­gram­miert? wie wur­de sie com­pi­liert? was sind die fea­tures?

ei­nes kann ich aus ei­ge­ner er­fah­rung sa­gen: pro­gram­mie­ren ist kein zu­cker­schle­cken. ich habe ges­tern abend ver­sucht es zu ler­nen und bin gran­di­os ge­schei­tert.


frei­tags­ab­mah­nun­gen

felix schwenzel

da­vid schra­ven hat am frei­tag auch eine ab­mah­nung er­hal­ten, auf die er bis mon­tag re­agie­ren soll.

war­um er kei­ne un­ter­las­sungs­er­klä­rung ab­ge­ben will, bech­reibt er sehr de­tail­iert und nach­voll­zieh­bar selbst.

das nächs­te gros­se ding im in­ter­net sind jetzt wohl nicht mehr hun­de­bil­der am frei­tag, son­dern an­walts­schrei­ben.


valess.de hat ne si­cher­heits­lü­cke und mahnt ei­nen blog­ger ab

felix schwenzel

die­sen screen­shot habe ich eben von der valess.de-site ge­macht:

wenn man auf die­sen link [link ent­fernt] klickt, kann man ge­nau die­se sei­te (bis jetzt, sams­tag 27. juni 2009) auch im ori­gi­nal se­hen. das geht, weil der valess-ser­ver eine si­cher­heits­lü­cke hat.

ste­phan ja­nosch hat die­se kras­se si­cher­heits­lü­cke auf dem valess.de-ser­ver für ei­nen der­ben scherz aus­ge­nutzt und der valess-site ein re­zept für soy­lent green-bur­ger un­ter­ge­scho­ben [link ent­fernt, screen­shot hin­zu­ge­fügt].

eine ähn­li­che si­cher­heits­lü­cke hat spree­blick vor ei­ner wei­le bei spie­gel-on­line ent­deckt. aus „si­cher­heits­grün­den“ und auf bit­ten von spie­gel-on­line ist dort der link und die do­ku­men­ta­ti­on der si­cher­heits­lü­cke ent­fernt wor­den. ab­ge­mahnt wur­de spree­blick des­hab nicht.

beim bun­des­amt für si­cher­heit in der in­for­ma­ti­ons­tech­nik (BSI) kann man eine stu­die run­ter­la­den [via] die ziem­lich de­tail­iert auf das the­ma „data va­li­da­ti­on“ ein­geht. „data va­li­da­ti­on“ be­deu­tet, dass man alle ein­ga­ben die eine web­ap­pli­ka­ti­on ent­ge­gen­nimmt auf schad­code oder mög­li­che ma­ni­pu­la­ti­ons­ver­su­che prü­fen soll­te.

Alle Da­ten, die von au­ßen in die An­wen­dung ge­lan­gen, sind zu va­li­die­ren und zu fil­tern. Ne­ben den of­fen­sicht­li­chen Ein­ga­be­da­ten in Form-Va­ria­blen exis­tie­ren eine Rei­he wei­te­rer Quel­len. Eben­so sind Aus­ga­ben an den Brow­ser zu fil­tern, wenn dies nicht be­reits durch die In­put­fil­te­rung mit ab­ge­deckt ist. [zi­tat BSI-stu­die web­sec.pdf]

„data va­li­da­ti­on“ ist bei­spiels­wei­se der grund, war­um man in blog­kom­men­ta­ren nur ein klei­ne men­ge HTML-tags be­nut­zen darf. die meis­ten HTML-tags wer­den aus­ge­fil­tert, vor al­lem al­les, was mit ja­va­script zu tun hat. wenn die web­ap­pli­ka­ti­on ja­va­script nicht sau­ber aus­fil­tert, ist das schad­po­ten­zi­al sehr hoch, vor al­lem für be­su­cher der site.

ge­nug des lang­wei­li­gen tech­nik­ge­brab­bels. ste­phan ja­nosch hat post von den an­wäl­ten von cam­pi­na, bzw. valess B.V. be­kom­men. die an­wäl­te mei­nen, dass der screen­shot auf ste­phan ja­noschs blog, so­wie der ma­ni­pu­lier­te link „die ab­so­lu­ten Rech­te“ ih­rer „Man­dschaft“ ver­letz­ten, „na­ment­lich den gu­ten Ruf des Un­ter­neh­mens, den ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Ge­wer­be­trieb, die Na­mens­rech­te so­wie ge­ge­be­nen­falls be­stehen­de Ge­schmacks­mus­ter­rech­te.“

die weit of­fen klaf­fen­de si­cher­heits­lü­cke des valess-ser­vers für ei­nen der­ben scherz aus­zu­nut­zen, die­sen scherz (und die si­cher­heits­lü­cke) zu do­ku­men­tie­ren sei nicht von der mei­nungs­frei­heit ge­deckt, mei­nen die an­wäl­te.

da ich weiss, dass die ver­öf­fent­li­chung mei­ner mei­nung über die tech­ni­sche kom­pe­tenz der valess-an­wäl­te und die tech­ni­schi­schen fä­hig­kei­ten der valess-web­site-ver­ant­wort­li­chen de­fi­ni­tiv nicht von der mei­nungs­frei­heit ge­deckt sind, sehe ich an die­ser stel­le von ei­ner mei­nungs­äus­se­rung ab. klar ist zu­min­dest, dass der gute ruf der­je­ni­gen die die site er­stellt und tech­nisch zu ver­ant­wor­ten ha­ben, un­ter be­schuss ge­ra­ten könn­te.

ich fin­de es höchst be­mer­kens­wert, dass „valess“, statt zü­gig die si­cher­heits­lü­cke zu stop­fen (die lü­cke be­steht bei der ver­öf­fent­li­chung die­ses ar­ti­kels nach wie vor), erst­mal die an­wäl­te los­schickt, die ihr klas­si­sches re­per­toire auf­fah­ren:

  • ab­mah­nung zum wo­chen­en­de ver­schi­cken, frist bis mon­tag set­zen
  • einst­wei­lieg ver­fü­gung nach dem ab­lauf der frist an­kün­di­gen
  • fi­nan­zi­el­le kon­se­quen­zen an­kün­di­gen, bzw. mög­li­che „scha­dens­er­satz“-for­de­run­gen am ran­de er­wäh­nen
  • ex­tra-di­cke ge­schüt­ze auf­fah­ren und ur­he­ber­rechts­ver­let­zung und per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zung gel­tend ma­chen

er­schreckt habe ich eben fest­ge­stellt, dass es tat­säch­lich mög­lich ist, auf dem valess-ser­ver über die URL [http://www.valess.de/re­zep­te.aspx?Key­word=] ja­va­script-code aus­zu­füh­ren. tech­nisch ist es da­mit ohne wei­te­res mög­lich valess.de-be­su­chern da­mit schad­code un­ter­zu­ju­beln oder zur preis­ga­be von per­sön­li­chen da­ten oder pass­wör­tern zu ver­lei­ten.

ich fra­ge mich, ob die valess-an­wäl­te ähn­lich re­agie­ren, wenn sie mal aus­ver­se­hen die türe zu ihre kanz­lei of­fen ge­las­sen ha­ben soll­ten und sie je­mand dar­auf hin­weist und ein foto da­von ver­öf­fent­licht. erst mal zu­schla­gen, statt kurz zu re­den oder bes­ser: je­man­den fra­gen der sich mit so­was aus­kennt?

[via riv­va]

[nach­trag 28.06.2009]
je län­ger ich dar­über nach­den­ke, des­to un­ver­ständ­li­cher wird es für mich, dass cam­pi­na die­ses pro­blem ju­ris­tisch, statt tech­nisch zu lö­sen ver­sucht. ei­gent­lich ist es er­schre­ckend, dass ein un­ter­neh­men, das le­bens­mit­tel mit enor­men tech­ni­schem auf­wand pro­du­ziert, bei ei­nem tech­ni­schen pro­blem so re­agiert.

die valess-site ist so pro­gram­miert, dass sie es er­laubt be­lie­bi­ge in­hal­te an­zu­zei­gen und wenn es je­mand tut geht man ge­gen den vor? für mich ist das ver­gleich­bar mit ei­ner haus­ver­wal­tung, die feu­er­alarm-mel­der ohne glas­schei­ben in ei­nem kin­der­gar­ten mon­tiert und dann ge­gen die kin­der vor­geht, die die alarm-knöp­fe drü­cken. na­tür­lich könn­te man eine pa­let­te mit bier­käs­ten of­fen und un­ge­si­chert auf ei­nem volks­fest la­gern, statt in ei­nem ge­si­cher­ten la­ger. aber könn­te es nicht sein, dass man sich dann lä­cher­lich macht, wenn man ju­ris­tisch ge­gen den scherz­bold vor­geht, der eine haft­no­tiz mit der auf­schrift „frei­bier“ dran klebt? na­tür­lich brau­chen kuh­wei­den nicht un­be­dingt zäu­ne zu ha­ben, aber ist es dann klug ju­ris­tisch ge­gen die weg­ge­lau­fe­nen kühe vor­zu­ge­hen?

der von cam­pi­na be­auf­trag­te ju­rist hat ei­nes ganz rich­tig er­kannt, es geht um „den gu­ten Ruf des Un­ter­neh­mens“, denn ge­ra­de un­ter­neh­men aus dem le­bens­mit­tel­be­reich sind dar­auf an­ge­wie­sen, dass die kon­su­men­ten ih­nen ver­trau­en. kon­su­men­ten ver­trau­en ih­ren pro­duk­ti­ons­ab­läu­fen, der qua­li­täts­kon­trol­le und dass die pro­duk­te un­ter op­ti­ma­len und bes­ten hy­gie­ni­schen be­din­gun­gen ent­ste­hen und dass bei tech­ni­schen pro­ble­men oder pro­ble­men mit den roh­wa­ren kom­pe­tent und sach­kun­dig — und nicht ju­ris­tisch — re­agiert wird. feh­ler und fehl­ein­schät­zun­gen kön­nen vor­kom­men, aber als kon­su­ment möch­te ich mich, ge­ra­de wenn es um le­bens­mit­tel geht, dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass ade­quat re­agiert wird.

bei cam­pi­na habe ich der­zeit noch nicht­ein­mal das ge­fühl, dass das pro­blem als ein haus­ge­mach­tes er­kannt wur­de.

[nach­trag 30.06.2009]
ste­phan ja­nosch hat ein biss­chen auf der sei­te in der er das soy­lent-green-bur­ger-re­zept do­ku­men­tier­te rum­e­di­tiert, be­zü­ge auf die mar­ken ge­löscht, den full­quo­te der un­ter­las­sungs­er­klä­rung ge­löscht und of­fen­bar freund­lich mit dem an­walt von cam­pi­na te­le­fo­niert:

Seit Mon­tag ste­he ich in mehr oder we­ni­ger re­gel­mä­ßi­gen Kon­takt mit den An­wäl­ten von Cam­pi­na. Zu­sam­men­fas­send ist de­ren Wunsch, dass im Ori­gi­nal­ar­ti­kel jeg­li­cher Be­zug zu Cam­pi­na ver­schwin­det und die Sa­che in ei­nem Ver­gleich en­det. Ich brauch nix un­ter­schrei­ben und nix zah­len. Eine Do­ku­men­ta­ti­on des Vor­gangs hier auf dem Blog muss nicht un­ter­blei­ben. Der Um­gangs­ton ist freund­lich und ent­spannt.

die sa­che mit der ab­mah­nung, bzw. un­ter­las­sungs­er­klä­rung scheint sich in ei­nen ver­gleich auf­ge­löst zu ha­ben. die si­cher­heits­lü­cke be­steht aber of­fen­bar wei­ter. was ich jetzt er­staun­li­cher fin­den soll, weiss ich noch nicht.

[nach­trag 01.07.2009]
die lü­cke auf dem valess-ser­ver scheint ge­schlos­sen wor­den zu sein.



„die heuch­ler sind wir“

felix schwenzel

kei­ne ah­nung was die über­schrift be­deu­tet, aber trotz­dem ein le­sens­wer­ter ar­ti­kel über po­li­ti­ker und ihre wahl­kampf­bü­cher von mo­ritz schul­ler:

An­ge­la Mer­kel, der Ent­wick­lung wie­der ein­mal ei­nen Schritt vor­aus, hat dar­auf ver­zich­tet, im Wahl­jahr ein ei­ge­nes Buch zu ver­fas­sen. Statt­des­sen hat Mer­kels Lieb­lings­fo­to­gra­fin Lau­rence Cha­pe­ron ei­nen Bild­band mit un­end­lich vie­len Mer­kel-Bil­dern her­aus­ge­ge­ben, dazu ein paar an­bie­dern­de Tex­te über Mer­kel. Ihr Bei­trag zum Gen­re ist da­mit ein qua­li­ta­ti­ver Schritt: Ein Po­li­ti­ker­buch, das man gar nicht le­sen kann – und das doch ihr ge­sam­tes po­li­ti­sches Pro­gramm ab­bil­det.

blu­men­topf-rhe­to­rik

felix schwenzel

apro­pos rhe­to­rik. hier ist ein full-quo­te (sor­ry! bit­te nicht die un­ter­zeich­ner vom hei­del­ber­ger ap­pell vor­bei­schi­cken!) von mar­tin re­cke vom fisch­markt.de:

Wer ver­ste­hen will, war­um Ge­set­ze wie dasZen­sur­su­la-Ge­setzauch ge­gen den Wi­der­stand von über 130.000 Un­ter­zeich­nern derPe­ti­ti­on ge­gen In­ter­net­sper­renbe­schlos­sen wer­den, der hat in die­ser Wo­che zwei Ver­ständ­nis­hil­fen be­kom­men. Am Mon­tag stell­te sichDirk Hill­brecht, im­mer­hin der Vor­sit­zen­de der Pi­ra­ten­par­tei, ei­ner Dis­kus­si­on mit dem al­ten CDU-Fuchs Ru­pert Scholz. Undbe­kam kräf­tig Prü­gel.

Heu­te nun druckt die Zeit ein Ge­spräch zwi­schen Ur­su­la „Zen­sur­su­la“ von der Ley­en höchst­selbst und Fran­zis­ka Hei­ne, der In­itia­to­rin je­ner Pe­ti­ti­on. Sie war der mi­nis­te­ri­el­len Rhe­to­rik nicht ge­wach­sen. Und ging sang- und klang­los un­ter.

Es hilft nichts: Recht zu ha­ben (oder das we­nigs­tens zu mei­nen) und die ver­meint­lich bes­se­ren Ar­gu­men­te ge­nügt nicht. Pi­ra­ten und Pe­ten­ten müs­sen auch rhe­to­risch auf Au­gen­hö­he mit Po­li­ti­kern dis­ku­tie­ren kön­nen. Wenn sie aus der Ni­sche her­aus­wol­len. Beim der­zei­ti­gen Zu­stand ih­rer po­li­ti­schen Rhe­to­rik ist sonst kein Blu­men­topf zu ho­len.

das seh ich an­ders. die dis­kus­si­on mit dirk hill­brecht habe ich nicht ge­se­hen, nei­ge aber dazu mich dem ur­teil vom surf­guard an­zu­schlies­sen:

Ich wür­de sa­gen, die Pi­ra­ten­par­tei hat ges­tern Sen­ge be­kom­men, aber ihre Kog­ge wur­de kei­nes­wegs ver­senkt. Und beim nächs­ten Mal weiß man et­was ge­nau­er, wo der Feind steht und dass er sich nicht scheut, un­fair zu kämp­fen.

das in­ter­view mit fran­zis­ka hei­ne habe ich ge­le­sen und wür­de auch hier sa­gen, dass un­fair ge­kämpft wur­de, hei­ne aber durch­aus die wich­tigs­ten ar­gu­men­te vor­brin­gen konn­te und sich an­stän­dig ge­schla­gen hat. na­gut. ein wich­ti­ges ar­gu­ment fehl­te, näm­lich die fra­ge nach der ge­wal­ten­tei­lung, bzw. war­um für das in­ter­net an­de­res recht gel­ten soll, als für die an­de­ren „räu­me“. war­um das BKA eine ge­hei­me sperr­lis­te er­stel­len soll, die nicht in je­dem ein­zel­fall von ei­nem rich­ter ge­prüft wird, hät­te ich schon ger­ne ge­fragt.

wel­che rhe­to­ri­schen blu­men­töp­fe hat ur­su­la von der ley­en denn im ge­spräch ge­won­nen?

Die Tech­nik der Zu­gangs­sper­ren führt dazu, dass wir jetzt erst­mals sys­te­ma­tisch kin­der­por­no­gra­fi­sche Web­sites iden­ti­fi­zie­ren. Das stärkt auch den Kampf um das Schlie­ßen der Quel­len, den wir über Län­der­gren­zen hin­weg mit In­ter­pol und Eu­ro­pol füh­ren.

wenn das so stimmt ist das eine bank­rott­erklä­rung für das BKA. das BKA be­kämpf­te bis­her den kin­des­miss­brauch un­sys­te­ma­tisch? was spricht da­ge­gen be­reits jetzt eine sys­te­ma­ti­sche lis­te mit il­le­ga­len in­hal­ten zu füh­ren und über die lan­des­gren­zen hin­weg zu ko­or­di­nie­ren? von der ley­en legt noch­mal nach:

Durch die sys­te­ma­ti­sche Su­che, durch den in­ter­na­tio­na­len Aus­tausch und die Er­stel­lung ei­ner Da­ten­bank, die die In­hal­te der Sei­ten ana­ly­siert und ver­gleicht, ist die po­li­zei­li­che Ar­beit der Tä­ter­ver­fol­gung viel ef­fi­zi­en­ter und sys­te­ma­ti­scher.

was ge­nau spricht denn da­ge­gen auch ohne das ge­setz zur sper­rung von sei­ten sys­te­ma­tisch zu su­chen und eine da­ten­bank die in­hal­te im in­ter­net ana­ly­siert und ver­gleicht auf­zu­bau­en? ent­we­der das ist ein schein­ar­gu­ment oder das BKA liegt or­ga­ni­sa­to­risch völ­lig am bo­den — oder von der ley­en lügt.

hei­ne hat dar­auf mei­ner mei­nung nach rich­tig ge­ant­wor­tet:

Das Haupt­pro­blem bleibt - die man­gel­haf­te Aus­stat­tung der zu­stän­di­gen Be­am­ten. Wenn In­hal­te ge­mel­det wer­den, pas­siert wo­chen- und mo­na­te­lang gar nichts.

auf die fra­ge, ob es stimmt, dass die po­li­tik „die Ar­gu­men­te ge­gen die Netz­sper­ren nicht wahr­nimmt“, sagt von der ley­en „Nein, im Ge­gen­teil. Der Pro­zess ist aus­ge­spro­chen po­si­tiv.“ zwei ab­sät­ze spä­ter sagt sie das ge­gen­teil: „[Ich hof­fe sehr], dass Men­schen wie Fran­zis­ka Hei­ne kon­kre­te Vor­schlä­ge ma­chen, wie sie ihre Kom­pe­tenz ein­brin­gen wol­len, da­mit die Kin­der­por­no­gra­fie im In­ter­net auf al­len Ebe­nen be­kämpft wer­den kann.“ da hat sie wohl ein paar ar­gu­men­te oder vor­schlä­ge nicht wahr­ge­nom­men. was na­tür­lich auch ein rhe­to­ri­scher trick ist, der ver­sucht die schuld an der man­geln­den be­kämp­fung von kin­des­miss­brauch den kri­ti­kern ih­rer mass­nah­men in die schu­he zu schie­ben. spä­ter sagt sie:

Es darf kei­nen Be­reich ge­ben, in dem an­de­re Re­geln gel­ten als sonst im All­tag.

so is­ses. im all­tag kommt es im­mer schlecht an, wenn man mit fal­schen zah­len oder frag­wür­di­gen um­fra­gen ar­gu­men­tiert, wenn man das leid an­de­rer für ei­ge­ne zwe­cke in­stru­men­ta­li­siert, wenn man lügt oder aus ei­ner po­si­ti­on der stär­ke an­de­re zu zu­ge­ständ­nis­sen oder zur un­ter­zeich­nung von frag­wür­di­gen ver­trä­gen zwingt oder wenn man men­schen die an­de­re an­sich­ten über die bes­te lö­sung ha­ben mit rhe­to­ri­schen pi­rou­et­ten in die nähe von kin­der­schän­dern rückt.

war­um ei­gent­lich gel­ten die nor­ma­len an­stand­re­geln in der po­li­tik nicht? war­um gilt der­je­ni­ge, der am bes­ten tak­tiert, rhe­to­risch am ele­gan­tes­ten lügt oder agi­tiert und sich bei sei­nen schwei­ne­rei­en nicht er­wi­schen lässt, als gu­ter po­li­ti­ker und nicht der­je­ni­ge der nicht auf tricks, rhe­to­ri­sches stroh- und stör­feu­er an­ge­wie­sen ist, son­dern auf die kraft sei­ner ar­gu­men­te ver­traut? war­um zielt die po­li­tik fast im­mer auf die dis­kre­di­tie­rung ih­rer geg­ner ab, statt sie mit ar­gu­men­ten nie­der­zu­rin­gen? wenn die deut­sche po­li­tik et­was von ba­rak oba­ma ler­nen kann, dann wie er zu­min­dest den ein­druck er­we­cken konn­te, die wahl mit ar­gu­men­ten und nicht mit dis­kre­di­tie­rung sei­nes geg­ners ge­win­nen zu wol­len.

und das ge­fiel mir an fran­zis­ka hei­nes ant­wor­ten. sie liess sich nicht dar­auf ein, die ne­bel­ker­zen-rhe­to­rik mit ei­ge­nen ne­bel­ker­zen zu kon­tern, sie sprang nicht auf von der ley­ens ar­ro­gant-pro­vo­kan­te tant­chen-rhe­to­rik an („was sind 130tau­send, ver­gli­chen mit 40 mil­lio­nen in­ter­net­nut­zern?“, „sie müs­sen halt ihre kom­pe­ten­zen ein­brin­gen!“, „pro­test mit ei­nem maus­klick ist ja ein­fach, sie müs­sen mehr­hei­ten über­zeu­gen!“). sie ar­gu­men­tier­te ein­fach, ver­ständ­lich und nicht rhe­to­risch auf­ge­bla­sen. ich für mei­nen teil habe die schnau­ze ge­stri­chen voll ge­nug von dem un­er­träg­li­chen po­li­ti­ker­sprech, dass nie­mals schwä­chen oder feh­ler ein­ge­steht, das im­mer selbst­lo­bend und selbst­ver­liebt klingt, stets pau­scha­li­siert und ko­mi­scher­wei­se ge­nau dann als bril­li­ant gilt, wenn es mög­lichst un­ver­ständ­lich ist.

[nach­trag]
sehe ge­ra­de, das tors­ten kleinz be­reits das idio­ti­sche pseu­do-ar­gu­ment von ur­su­la von der ley­en aus­ein­an­der­ge­nom­men hat.


ka­sach­stan

felix schwenzel

die CDU-po­li­ti­ke­rin mar­ti­na krog­mann hat ja vor ei­ner wei­le ge­sagt:

Uns geht es um die por­no­gra­phi­schen In­hal­te in Län­dern in de­nen Kin­der­por­no­gra­phie eben nicht ge­äch­tet ist und auch nicht kon­se­quent be­straft wird und des­halb auch nicht ge­löscht wird. [...] weil wir eben für Din­ge, die auf ei­nem Ser­ver bei­spiels­wei­se in Ka­sach­stan lie­gen, da ha­ben wir kei­nen Zu­griff drauf.

dass das nicht stimmt, hat jörg-olaf schä­fers be­reits ge­klärt (wo­bei man sich fra­gen kann ob ah­nungs­lo­ses rumm­ei­nen gleich­zu­set­zen ist mit lü­gen oder des­in­for­mie­ren).

was aber auch in­ter­es­sant ist, dass in ka­sach­stan ne­ben der an­dro­hung von dra­ko­ni­schen stra­fen für re­gie­rungs­kri­ti­sche mei­nungs­äus­se­run­gen, auch das ar­gu­ment „kin­der­por­no­gra­phie“ für die sper­rung von web­sei­ten her­hal­ten muss. die re­gie­rungs­pro­pa­gan­da be­haup­tet, dass man die ver­brei­tung von kin­der­por­no­gra­phie, „ex­tre­mis­ti­sche li­te­ra­tur“ und an­de­rem „un­ge­eig­ne­ten ma­te­ri­al“ ver­hin­dern wol­le. er­staun­lich ei­gent­lich, dass die bun­des­re­gie­rung sich rhe­to­risch auf das ni­veau der ka­sa­chi­schen re­gie­rung be­gibt.


wo sind sie?

felix schwenzel

don dah­l­mann fragt:

Wo sind die alle? Wo ist die selbst­er­nann­te “geis­ti­ge Eli­te”? Habe ich die Ko­lum­nen in den Ta­ges­zei­tun­gen ver­passt? Die Ar­ti­kel in den Ma­ga­zi­nen über­blät­tert? Den Fern­se­her aus ge­habt, als man sich in ei­ner ge­mein­sa­men Er­klä­rung ge­gen die wei­te­re Ein­mi­schung des Staa­tes ins ei­ge­ne Le­ben ver­be­ten hat?

frag ich mich auch.


su­do

felix schwenzel

bundestag:~ uschi$ inaptitude install –skip-gewaltenteilung 
–ignore=petition –ignore=experts –force zensurinfrastruktur

[ge­klaut bei feint.sub­si­gnal.org]


gu­te grün­de

felix schwenzel

es gibt im­mer ver­meint­lich gute grün­de bö­ses zu tun:

  • rock and roll mu­sik ver­bie­ten, um die ju­gend zu schüt­zen.
  • nu­tel­la mit dem fin­ger es­sen, um hun­ger­at­ta­cken zu be­kämp­fen.
  • mu­sik­fans in grund und bo­den kla­gen, um „die krea­ti­ven“ zu schüt­zen.
  • anti-per­so­nen-mi­nen bau­en, um deut­sche ar­beits­plät­ze zu schaf­fen.
  • atom­bom­ben über zwei ja­pa­ni­schen städ­ten ab­wer­fen um ei­nen krieg zu be­en­den.
  • bel­grad bom­bar­die­ren, um die ser­ben da­von ab­zu­brin­gen, al­ba­ner zu ver­trei­ben und das Ko­so­vo „eth­nisch zu säu­bern“.
  • ei­nen kor­rup­ten und fol­tern­den mon­ar­chen zu un­ter­stüt­zen und eine de­mo­kra­tisch ge­wähl­te re­gie­rung zu stür­zen, um für sta­bi­li­tät im na­hen os­ten zu sor­gen.
  • ter­ror-ver­däch­ti­ge fol­tern, um men­schen zu ret­ten.
  • zur de­nun­zia­ti­on auf­ru­fen, um die na­ti­on zu ret­ten.

und so die­nen auch die ras­ter­fahn­dung, das BKA-ge­setz, die vor­rats­da­ten­spei­che­rung, der gros­se lausch­an­griff, der „bun­destro­ja­ner“ oder der bio­me­tri­sche rei­se­pass vor­der­grün­dig et­was gu­tem, näm­lich der „si­cher­heit“ al­ler bür­ger. es wer­den bür­ger­rech­te ein­ge­schränkt, um den ein­druck zu er­we­cken den ter­ro­ris­mus ent­schlos­sen zu be­kämp­fen und jetzt wird eine zen­sur­in­fra­struk­tur auf­ge­baut, um den ein­druck zu er­we­cken, et­was ge­gen kin­des­miss­brauch zu tun.

sprü­che wie „da­ten­schutz darf kein tä­ter­schutz sein“ und „das in­ter­net ist eben kein rechts­frei­er raum“, die ich un­längst in der emma las [via], sind des­halb so ge­fähr­lich, weil sie sug­ges­tiv, hys­te­risch und un­ver­hält­nis­mäs­sig sind. sie stel­len ein ver­meint­lich grös­se­res wohl über die die rech­te der ein­zel­nen. eine ver­meint­lich „gute sa­che“ über die wür­de, die frei­heit und die rech­te der men­schen zu stel­len, ist fast im­mer ein kris­tall­kla­res zei­chen da­für, dass et­was nicht in ord­nung ist und dass der­je­ni­ge der so­et­was for­dert, zur selbst­ge­rech­tig­keit neigt.

da­ten­schutz ist kein tä­ter­schutz, son­dern ein bür­ger­recht. so wie ein or­dent­li­ches ge­richts­ver­fah­ren kein tä­ter­schutz ist, son­dern ein ver­brief­tes bür­ger­recht, das — so­weit ich weiss — selbst die CDU-mut­tis und „bild“-zei­tungs-freun­dIn­nen der emma nicht in fra­ge stel­len.

das in­ter­net ist kein recht­frei­er raum, ge­nau­so­we­nig wie es die emma ist. eine straf­tat ist und bleibt die­sel­be, ob sie auf pa­pier, in ei­ner stadt oder im in­ter­net be­gan­gen wird und sie wird ent­spre­chend ge­ahn­det.

die fra­ge ist: sind wir be­reit, die rech­te al­ler men­schen zu schwä­chen, um ei­ni­ge we­ni­ge straf­tä­ter ein­fa­cher, mit kür­ze­ren pro­zes­sen oder ein­fa­che­ren po­li­zei­li­chen er­mitt­lun­gen zu fall zu brin­gen? na­tür­lich wür­de es un­zäh­li­ge kin­der schüt­zen, alle pä­do­phi­len ein­fach ohne pro­zess le­bens­lang ein­zu­schlies­sen oder gleich zu er­schies­sen, aber möch­te je­mand in ei­ner ge­sell­schaft le­ben, in der das BKA be­stimmt wer straf­tä­ter oder kin­der­schän­der ist? oder wol­len wir in ei­nem staat le­ben, in dem so­gar kin­der­schän­der ei­nen fai­ren pro­zess be­kom­men, in dem ge­rich­te ent­schei­den was kri­mi­nell und ver­bo­ten ist, statt ei­ner po­li­zei­be­hör­de? möch­ten wir in ei­nem staat le­ben, in dem das BKA ent­schei­den darf, was die bür­ger se­hen und le­sen dür­fen und nicht die ge­rich­te?

na­tür­lich ist es ein­fa­cher tä­ter zu fas­sen, wenn nie­mand ge­heim­nis­se oder eine pri­vat­s­hä­re hat (und nichts zu ver­ber­gen hat). aber wol­len wir in ei­nem staat le­ben, in dem das BKA al­les über die in­tims­hä­re von freaks wie ali­ce schwar­zer weiss?

so wie die frau­en­be­we­gung ein­mal zu recht for­mu­lier­te, „mein bauch ge­hört mir“, ge­hö­ren mei­ne da­ten mir. „in­for­ma­tio­nel­le selbst­be­stim­mung“ ist ein scheiss-wort, aber ein zen­tra­les grund­recht — nicht aus ei­ner lau­ne her­aus oder weil in­ter­net­com­mu­ni­ty­be­nut­zer be­son­ders an­ar­chisch ver­an­lagt sind, son­dern weil bür­ger­rech­te die es­senz un­se­res staa­tes und un­se­rer ge­mein­schaft sind. ja, noch im­mer. es geht nicht um frei­fahr­schei­ne oder rechts­frei­heit, es geht um den schutz je­des ein­zel­nen vor dem zu­griff des staa­tes — und um rechts­staat­lich­keit.

ich habe es schon­mal auf­ge­sagt und es bleibt rich­tig:

ja, das grund­ge­setz spricht von ei­nem grund­recht auf frei­heit und si­cher­heit. da­mit be­grün­de­ten die letz­ten bei­den in­nen­mi­nis­ter im­mer wie­der ihre in­itia­ti­ven zur stär­kung des staa­tes. al­ler­dings ist da­mit eine ganz an­de­re si­cher­heit ge­meint als die die schi­ly und schäub­le im sinn ha­ben. das grund­ge­setz meint die si­cher­heit der bür­ger vor dem staat. ge­set­ze, die re­geln de­nen wir uns un­ter­wer­fen sind in ers­ter li­nie zum schutz der bür­ger vor dem staat ge­dacht! es wird höchs­te zeit, dass wir dem staat ein we­nig luft ab­las­sen und uns un­se­re rech­te wie­der­ho­len. der staat ist kein selbst­zweck, er braucht schran­ken. star­ke schran­ken.

frei nach ben­ja­min frank­lin: po­li­ti­ker die uns nicht vor dem staat schüt­zen wol­len oder kön­nen, ha­ben es nicht ver­dient ge­wählt zu wer­den. [ori­gi­nal: „Tho­se Who Sacri­fice Li­ber­ty For Se­cu­ri­ty De­ser­ve Neither.“]

[ei­gent­lich habe ich den ar­ti­kel an­ge­fan­gen zu schrei­ben, als ich (via twi­ter) im wall street jour­nal und bei der BBC las, dass sie­mens-no­kia tech­no­lo­gie für eine zen­sur­in­fra­struk­tur an den iran ver­kauft hat. sie­mens-no­kia wi­der­spricht die­sen be­rich­ten zwar, ir­gend­wie, aber den­je­ni­gen die nicht er­ken­nen, dass zen­sur­mass­nah­men, mit wel­chem gu­ten zweck auch im­mer be­grün­det, ein grös­se­res übel sind, woll­te ich zu­min­dest das be­ja­min frank­lin zi­tat ent­ge­gen­hal­ten.]

[nach­trag 23.06.2009]
die CDU hat wirk­lich „Das In­ter­net ist kein rechts­frei­er Raum“ in ihr wahl­pro­gramm ge­schrie­ben.