alles


house of cards s04e03 (chap­ter 42)

felix schwenzel in gesehen

bild in großansicht öffnen

nach­dem die ers­te fol­ge der neu­en staf­fel house of cards mich un­ter­be­geis­ter­te und die zwei­te furcht­bar lang­weil­te, nahm die­se fol­ge jetzt (end­lich) or­dent­lich fahrt auf. der kon­flikt zwi­schen den un­der­woods spitzt sich zu und nimmt ein paar über­ra­schen­de wen­dun­gen.

in der letz­ten fol­ge schmier­te sich frank un­der­wood ir­gend­wann ein pea­nut but­ter and jel­ly brot, wäh­rend er den zu­schau­ern sei­ne phi­lo­so­phie im um­gang mit (po­li­ti­schen) geg­nern er­klär­te: er gibt sei­nen geg­ner zeit zum nach­den­ken und ein­schwen­ken auf sei­nen kurs, aber wenn ihm das zu lan­ge dau­ert, hole er die axt raus. in die­ser fol­ge lässt er sich also selbst­be­wusst auf ein pim­melfech­ten mit clai­re un­der­wood ein, im lau­fe der fol­ge stellt sich je­doch her­aus, dass clai­re schon lan­ge mit der axt fech­tet, wäh­rend frank un­der­wood noch sein ding schwingt.

der kampf zwi­schen den bei­den ist in die­ser fol­ge dra­ma­tur­gisch so ge­schickt er­zählt, dass mir die­se fol­ge tat­säch­lich spass mach­te. lang­sam stellt sich her­aus, auf wel­che art kampf sich frank un­der­wood hier ein­ge­las­sen hat und dass sein über­gros­ses ego und sei­ne ver­ach­tung der po­li­ti­schen am­bi­tio­nen sei­ner frau, in den nächs­ten fol­gen ein erns­tes pro­blem für ihn wer­den kön­nen.

ge­ne­rell ge­fällt mir die rich­tung, in die sich house of cards mit die­ser fol­ge ent­wi­ckelt. eine an­de­re se­rie, die ich der­zeit ganz ger­ne gu­cke, bil­li­ons, kon­zen­triert sich mit al­ler kraft auf den go­ckel-aspekt ei­nes macht­kampfs zwi­schen zwei ego­ma­nen. der kampf der ego­ma­nen in house of cards ver­spricht in­ter­es­san­ter zu wer­den, weil clai­re ein­fach zu ab­ge­brüht und kon­trol­liert ist, um sich aufs rei­ne pim­melfech­ten ein­zu­las­sen.

ich hof­fe, dass house of cards die­ses ni­veau jetzt hält. 


favicon facebook.com facebook.com: Facebook

Was ist denn die Alternative? Schweigen? Eine sachliche Auseinandersetzung perlt an Trump doch ab. -- Daniel Kaiser

natürlich gibt es al­ter­na­ti­ven, auch wenn die scheinbar noch niemand gefunden hat. an trump perlt aber eben nicht nur eine sachliche aus­ein­an­der­set­zung ab, sondern auch jede sa­ti­ri­sche oder lä­cher­lich­ma­chen­de aus­ein­an­der­set­zung. gegen aus­ein­an­der­set­zung plädiere ich in meinem text ja auch nicht.

ich wunder mich aber vor allem, dass wir in deutsch­land, nach 16 jahren kohl, immer noch daran glauben, dass satire oder lä­cher­lich­ma­chung wahl­ent­schei­dend sei (ohne kohl jetzt mit trump ver­glei­chen zu wollen).

natürlich haben satire und lä­cher­lich­ma­chung wichtige funk­tio­nen. sie halten die ohnehin über­zeug­ten zusammen und lassen die geg­ner­schaft er­träg­li­cher er­schei­nen. aber sie verzerren eben auch die wahr­neh­mung. in meiner (medien, satire, politik) fil­ter­bla­se sah es in den 80ern 16 jahre lang so aus, als stehe der abtritt kohls kurz bevor, dass er unhaltbar sei. die realität hat sich 16 jahre gegen diesen eindruck wehren können.


last week to­night wi­th john oli­ver: do­nald trump

felix schwenzel in gesehen

bild in großansicht öffnen

ganz ehr­lich, ich kann es nicht nicht mehr se­hen: leu­te die sich über trump lus­tig ma­chen und ar­ti­kel die da­nach sa­gen „xy hat ge­ra­de do­nald trump zer­stört“. (was paul carr in die­sem link dazu sagt, aus­ser der über­schrift („De­s­troy­ing our­sel­ves to de­ath“), weiss ich nicht, weil der ar­ti­kel hin­ter ei­ner pay­wall ist. aber vor der pay­wall sind 8 oder 9 screen­shots von ar­ti­keln, die sa­gen, do­nald trump sei ge­ra­de zer­stört wor­den.)

ich wür­de ger­ne sa­gen, nach­dem ich die­se aus­ga­be last week to­night mit john oli­ver ge­se­hen habe, dass john oli­ver ei­nen wit­zi­gen, ru­hi­gen und gut re­cher­chier­ten bei­trag über die lü­gen, die auf­schnei­de­rei­en und den grös­sen­wahn von do­nald trump ge­macht hat, der wirk­lich ein­druck hin­ter­las­sen hat und das po­ten­zi­al hat, trump den bo­den un­ter den füs­sen weg­zu­zie­hen. kann ich aber nicht sa­gen und will ich nicht sa­gen. auch wenn das al­les lus­tig und gut re­cher­chiert war, mir war es zu auf­ge­regt vor­ge­tra­gen. das gröss­te man­ko war aber: ich wuss­te das al­les schon. ich habe fast nichts neu­es er­fah­ren und vor al­lem, ich habe das was ich über trump in den letz­ten jah­ren er­fah­ren habe, nicht aus neu­en per­spek­ti­ven ge­se­hen. gut, ich lese viel und sehe viel fern­se­hen und manch­mal schaue ich mir john oli­ver oder an­de­re li­be­ra­le talk­shows an. aber ich fra­ge mich noch mahr als sonst, wozu die­ses pre­di­gen vor den oh­ne­hin schon in­for­mier­ten? oder wie die ame­ri­ka­ner manch­mal sa­gen, wozu die­ses pre­di­gen vor dem chor?

viel­leicht bin ich auch ein­fach nur frus­triert. seit mo­na­ten, nein, seit jah­ren, wird do­nald trump mit sa­ti­re und lä­cher­lich­ma­chung über­gos­sen und er geht nach je­dem fass schlamm das über ihm aus­ge­kippt wird, ge­stärkt her­vor. na­tür­lich ist er pein­lich, lügt, wa­ckelt, ist nicht so reich und un­ab­hän­gig wie er vor­gibt, na­tür­lich sieht er al­bern aus und schei­tert stän­dig mit ir­gend­wel­chen ge­schäf­ten — aber auch die schril­li­ons­te wie­der­ho­lung die­ser tat­sa­chen bringt nie­man­den da­von ab, trump zu un­ter­stüt­zen.

aber die­se stra­te­gie der lä­cher­lich­ma­chung funk­tio­niert eben nicht nur nicht, sie lenkt auch von ei­nem an­de­ren pro­blem ab. näm­lich, dass die an­de­ren po­li­ti­ker sich, in der wahr­neh­mung vie­ler men­schen, nicht gross­ar­tig von trump un­ter­schei­den. es gibt nicht we­ni­ge leu­te die glau­ben, dass die po­li­ti­ker in wa­shing­ton eben auch pein­lich sind, lü­gen, op­por­tu­ni­tisch wa­ckeln und ver­steck­te agen­den ver­fol­gen. ge­schäf­te, or­dent­li­che deals, traut oh­ne­hin kaum ei­ner den ak­ti­ven po­li­ti­kern zu (auch in deutsch­land). na­tür­lich ist die­se wahr­neh­mung falsch oder min­des­tens ge­trübt, aber sie ist vor­han­den. dass die­se wahr­neh­mung nicht ganz da­ne­ben liegt hat oli­ver üb­ri­gens auch in der sen­dung ge­zeigt: oba­mas ers­te amts­hand­lung: die schlies­sung von gu­an­ta­na­mo ein­zu­lei­ten und in den fol­gen­den jah­ren, je­des jahr, die schlies­sung, spä­tes­tens im nächs­ten jahr an­zu­kün­di­gen. die zu­ver­läs­sig­keit von ba­rack oba­mas ver­spre­chen, un­ter­schie­det sich hier nicht wirk­lich von trumps wahl­kampf­aus­sa­gen.

die hoff­nung, dass je­mand, der sich an kei­ne eta­blier­ten re­geln hält und gross­mäu­lig da­von re­det (end­lich) al­les um­zu­krem­peln, ge­nau das tut, ist nicht ganz ab­we­gig. mit ge­nau die­ser hoff­nung hat schon ba­rack oba­ma sei­nen wahl­kampf eine rich­tung ge­ge­ben, wenn auch ein biss­chen sub­ti­ler: ch­an­ge.

trump steht für vie­le ge­nau da­für: ver­än­de­rung (oder ge­nau­er, zu­rück­ver­än­de­rung, oder die sehrn­sucht nach dem ges­tern). die­se hoff­nung nimmt man den leu­ten nicht, in­dem man ein paar wit­ze über den selbst­er­klär­ten ver­än­de­rer macht, oder ihn bloss­stellt.

john oli­vers rant ge­gen do­nald trump war un­ter­halt­sam und gut ge­macht. und da­für ist john oli­ver da: fürs en­ter­tain­ment, auf ei­nem ho­hen ni­veau. den tat­säch­li­chen wun­den punkt von do­nald trump müs­sen an­de­re fin­den — und ich bin si­cher, er wird noch ge­fun­den. in der zwi­schen­zeit frus­trie­ren mich trump-wit­ze eher, als dass sie mich auf­mun­tern.


der sen­dungs­teil über do­nald trump ist auf you­tube zu­gäng­lich, dan­kens­wer­ter wei­se auch aus eu­ro­pa.

YouTube Video Vorschaubild youtube-video laden, info, direktlink

 


house of cards s04e02 (chap­ter 41)

felix schwenzel in gesehen

bild in großansicht öffnen

al­ter schwe­de, war das lang­wei­lig. die un­der­woods be­lü­gen sich und spie­len spiel­chen hin­ter dem rü­cken des je­weils an­de­ren, ja­ckie sharp schläft mit ih­rem lo­ver in ei­nem ho­tel mit of­fe­nen vor­hän­gen und frank un­der­wood hält eine enorm schlech­te sta­te-of-the-uni­on-rede vor dem kon­gress. aus­ser­dem kün­digt frank un­der­wood den zu­schau­ern der se­rie an, bru­tal ge­gen sei­ne frau vor­zu­ge­hen, falls sie nicht das tut, was er von ihr ver­langt. bis jetzt ist das al­les ziem­lich lang­wei­lig und aus­ser­dem spiel­ten fast alle sze­nen im dun­keln.

ich hof­fe in­stän­dig, dass die se­rie nicht erst beim auf­bau des cliff­han­gers am ende der staf­fel aufs gas drückt. 




join or die s01e03

felix schwenzel in gesehen

bild in großansicht öffnen

schwa­cher stan­dup am an­fang, aber da­für war die pa­nel-dis­kus­si­on sehr leb­haft und teil­wei­se so­gar in­ter­es­sant. alle drei, court­ney cox, dan so­der und mi­cha­el ian black wa­ren mei­nungs­stark, sehr gut vor­be­rei­tet und auf zack. be­son­ders hat mir mi­cha­el ian black ge­fal­len, der nicht nur wit­zig ist, son­dern auch, apro­pos, ziem­lich auf zack. vor al­lem habe ich ge­lernt, dass jef­fer­son und adams am glei­chen tag ge­stor­ben sind (am 4. juli 1826, mi­cha­el ian black wuss­te das aus­wen­dig). ich hat­te das na­tür­lich ver­ges­sen (nicht nur das da­tum, son­dern auch, dass bei­de am glei­chen tag star­ben), ob­wohl ich da­mals auch die HBO-mi­ni­se­rie john adams ge­se­hen hat­te.

mein pro­blem in die­ser sen­dung war al­ler­dings ein ganz an­de­res. aus un­er­find­li­chen grün­den sass mir das klei­ne-hän­de-mem im na­cken und ich hat­te im­mer den ein­druck, dass alle vier in der run­de er­staun­lich klei­ne hän­de hat­ten. was na­tür­lich nicht stimmt, aber ich wur­de den blick nicht los, das mem wirk­te wie ein au­gen­wurm. 




house of cards s04e01 (chap­ter 40)

felix schwenzel in gesehen

bild in großansicht öffnen

house of cards ist mitt­ler­wei­le eine se­rie, bei der der vor­spann stim­mungs­vol­ler ist, als die se­rie selbst. zu­letzt ist mir das bei true blood auf­ge­fal­len: ein un­fass­bar viel­ver­spre­chen­der vor­spann, dun­kel, mys­te­ri­ös, un­kon­kret, der dann um­schal­tet, zu ei­ner zu stark aus­ge­leuch­te­ten soap-ope­ra, die von be­zie­hungs­pro­ble­men han­delt.

so ist das auch im pi­lo­ten der vier­ten staf­fel house of cards. im­mer­hin ist die sen­dung nicht zu stark aus­ge­leuch­tet — die pro­duk­ti­on ist na­he­zu per­fekt — aber in ers­ter li­nie geht’s die gan­ze fol­ge lang um be­zieh­nungs­pro­ble­me. es ist zwar nicht wirk­lich lang­wei­lig zu se­hen, wie frank un­der­wood (wie­der mal) mit lü­gen, dro­hun­gen und ei­ner ex­tra­por­ti­on druck eine schlacht ge­winnt, auf dem weg da­hin aber sei­ne geg­ner stärkt und ent­schlos­se­ner macht. viel­leicht ist es so­gar gut, dass die­se staf­fel nicht mit ei­nem gros­sen, sym­bol­be­la­de­nen bums an­fängt, son­dern im ehe­all­tag des ame­ri­ka­ni­schen prä­si­den­ten.

es gibt bei house of cards schon seit der letz­ten staf­fel eine ten­denz zur ver­west­win­gung der der se­rie. die gros­se ge­schich­te, der rote fa­den, das end­ziel der se­rie wur­de ja schon re­la­tiv früh er­reicht: frank un­der­wood ist schon vie­len fol­gen lang im weis­sen haus. seit­dem küm­mern sich die ein­zel­nen epi­so­den, ganz nach klas­si­scher se­ri­en­ma­nier, wie the west wing, um ein ein­zel­pro­blem, dass sich am an­fang der fol­ge kris­tal­li­siert und im lau­fe der fol­ge ge­löst wird. in der fol­gen­den fol­ge dann das nächs­te hin­der­nis und im­mer so wei­ter, bis die au­toren und das pu­bli­kum aus­ge­laugt sind.

für die ver­west­win­gung spricht üb­ri­gens auch eine sze­ne im pres­se­raum des weis­sen hau­ses. dort fragt ein re­por­ter, der josh ly­man ver­däch­tig ähn­lich sieht und ex­akt so spricht, den pres­se­spre­cher ir­gend eine un­er­heb­li­che fra­ge, die die­ser so­fort ab­bü­gelt. im netz habe ich nichts fin­den kön­nen über ei­nen gast­auf­tritt von brad­ley whit­ford, des­halb ver­mu­te ich, dass mich mei­ne au­gen ge­täuscht ha­ben.

und viel­leicht ha­ben mich auch mei­ne au­gen beim be­trach­ten der ers­ten fol­ge die­ser staf­fel ge­täuscht und sie war viel bes­ser als ich dach­te. des­halb schaue ich mir bald auch die nächs­te fol­ge an, um das noch­mal zu prü­fen. 


spot­light

felix schwenzel in gesehen

bild in großansicht öffnen

ich habe ei­nen feh­ler ge­macht. ich habe, be­vor ich die­se re­zen­si­on ge­schrie­ben habe, eine an­de­re ge­le­sen. die von do­mi­nik bruns, auf cof­fee­andtv. mir bleibt jetzt nichts an­de­res üb­rig, als mich der kri­tik von do­mi­nik bruns voll­um­fäng­lich an­zu­schlies­sen, aus­ser, na­tür­lich, beim ein­ge­bet­te­ten, deutsch syn­chro­ni­sier­ten trai­ler.

spot­light ist ein über­lan­ger spiel­film, der ru­hig und un­auf­ge­regt die ge­schich­te um die auf­de­ckung der sys­te­ma­ti­schen ver­tu­schung von miss­brauchs­fäl­len in und um die ka­tho­li­sche kir­che in bos­ton nach­er­zählt. die­ser wi­ki­pe­dia-ar­ti­kel fasst die ge­schich­te re­la­tiv gut und er­schüt­ternd zu­sam­men. statt des films, kann man also — wie im­mer — auch den wi­ki­pe­dia-ar­ti­kel le­sen. was wirk­lich an­ge­nehm an spot­light ist, ist die un­auf­ge­regt­heit, mit der die ge­schich­te er­zählt wird und dass die ma­cher sich vor den ty­pi­schen hol­ly­wood-fal­len hü­ten. do­mi­nik bruns:

Das Script um­schifft da­bei er­freu­li­cher­wei­se di­ver­se ty­pi­sche Hol­ly­wood-Fal­len. Vie­le Dreh­buch­schrei­ber wä­ren si­cher­lich der Ver­su­chung er­le­gen, das Team auf we­ni­ger Leu­te run­ter zu bre­chen — und de­nen idea­ler­wei­se noch eine Love­sto­ry an­zu­dich­ten. Statt­des­sen wird „Spot­light“ schon fast eher zu ei­nem En­sem­ble-Film, der sehr vie­le Cha­rak­te­re un­ter ei­nen Hut be­kommt. Viel­leicht ist das auch ei­ner der Grün­de, war­um nie­mand aus dem Cast eine Os­car-No­mi­nie­rung für eine Haupt­rol­le er­hal­ten hat, weil die­se eher schwie­rig aus­zu­ma­chen ist.

Das Dreh­buch bleibt über die gu­ten zwei Stun­den Lauf­zeit strikt fo­kus­siert, kaum wird auf Ne­ben­kriegs­schau­plät­ze wie die Fi­nan­zie­rungs­si­tua­ti­on des In­ves­ti­vativ-Teams ein­ge­gan­gen.
Re­gis­seur Tom Mc­Car­thy in­sze­niert im Diens­te des fak­ten­las­ti­gen Script ohne gro­ßen Pomp. Eine der in­ten­sivs­ten Mo­men­te des Films zeigt schlicht drei Leu­te, die um ein Te­le­fon ver­sam­melt sit­zen. Op­tisch al­les an­de­re als bom­bas­tisch, hat die­ser Mo­ment doch ge­wal­ti­ge Schlag­kraft, weil sich hier die schie­re Grö­ße des Skan­dals ent­fal­tet.

was den reiz des films aus­macht ist un­ter an­de­rem auch, dass man dar­in ein paar leu­te sieht die ein­fach ihre ar­beit sorg­fäl­tig und ge­wis­sen­haft ma­chen. nicht nur zu ei­ner zeit, in der of­fen­sicht­li­che vollspa­cken und merk­be­frei­te idio­ten po­li­ti­sche äm­ter an­stre­ben und und teil­wei­se auch schon be­set­zen, ist das im kern die trieb­fe­der vie­ler hol­ly­wood-pro­duk­tio­nen. als kon­trast zur wahr­ge­nom­me­nen wirk­lich­keit, ist es of­fen­bar ein ver­gnü­gen oder ent­span­nend, we­nigs­tens in film oder fern­se­hen, men­schen zu se­hen, die wis­sen was sie tun und die sich be­mü­hen, ih­rem ge­wis­sen zu fol­gen. ich scheue mich ein we­nig das wort „ex­zel­lenz“ zu be­nut­zen, weil es sich so neo­li­be­ral an­hört. aber im prin­zip geht es auch in je­dem su­per­hel­den-film ge­nau dar­um. su­per­hel­den ha­ben nicht nur spe­zi­al­be­ga­bun­gen (ex­zel­lenz), son­dern wen­den sie in der re­gel auch für den ver­such an, die welt ein biss­chen bes­ser zu ma­chen.

un­se­re (ge­fühl­te) le­bens­wirk­lich­keit sieht an­ders aus. hoch­be­gab­te krea­ti­ve ver­schwen­den ihre fä­hig­kei­ten in wer­be­agen­tu­ren, um an­de­re leu­te zum kauf zu ma­ni­pu­lie­ren. be­gab­te pro­gram­mie­rer ver­schwen­den ihre bes­ten jah­re um mau­ern um da­ten­si­los und fil­ter­bla­sen zu ver­stär­ken oder er­pres­sungs­soft­ware zu schrei­ben. tau­sen­de hoch­be­gab­te in­ge­nieu­re tüf­teln an tech­n­lo­gien, um ver­bren­nungs­mo­to­ren zu bau­en oder prüf­ver­fah­ren aus­zu­he­beln. ta­len­tier­te jour­na­lis­ten und au­toren ver­wen­den ihr gan­ze ern­er­gie dar­auf, click­baits mög­lichst ma­ni­pu­la­tiv zu for­mu­lie­ren oder such­ma­schi­nen­op­ti­miert zu schrei­ben. wenn wir, statt uns in un­se­ren frus­trie­ren­den fil­ter­bla­sen um­zu­schau­en, in de­nen nichts rich­tig zu funk­tio­nie­ren scheint und die an­geb­lich bes­ten ma­na­ger deutsch­lands es noch nicht­mal schaf­fen ei­nen flug­ha­fen zu bau­en, wenn wir dann also ei­nen film se­hen, in dem die men­schen et­was auf die rei­he be­kom­men, wenn wir men­schen se­hen, die ta­len­tiert sind und gleich­zei­tig ver­su­chen eine beu­le ins uni­ver­sum zu schla­gen, dann schöp­fen wir hoff­nung.

die­ses prin­zip war und ist der treib­stoff für se­ri­en wie star-trek oder se­ri­en wie the last ship oder JAG. auf den ers­ten blick wir­ken, zu­min­dest die bei­den zu­letzt ge­nann­ten se­ri­en, wie ame­ri­ka­ni­scher hur­ra-pa­trio­tis­mus, aber ei­gent­lich sol­len sie zei­gen, dass auch in bü­ro­kra­ti­schen oder ver­knö­cher­ten, streng hier­ar­chi­schen sys­te­men, ex­zel­lenz und mo­ra­li­sches han­deln mög­lich sind.

und ge­nau da­nach seh­nen wir uns. wir seh­nen uns nach men­schen, die es, trotz al­ler wid­rig­kei­ten im sys­tem, schaf­fen gute ar­beit ab­zu­lie­fern, die fleis­sig sind, be­gabt und vor al­lem mo­ra­lisch ge­fes­tigt. sol­che men­schen in film und fer­se­hen zu be­trach­ten macht uns spass und er­leich­tert uns den all­tag zu er­tra­gen, der uns (ver­meint­lich) täg­lich das ge­gen­teil be­weist. und wenn das, wie bei spot­light, un­auf­ge­regt in­sze­niert ist und gleich­zei­tig mit dem ein­ge­stän­dis ver­bun­den ist, dass auch die schein­ba­ren hel­den nicht frei von feh­lern sind, dann macht das be­son­ders viel spass und hoff­nung.

mit den letz­ten drei ab­sät­zen habe ich mei­ne in­ter­pre­ta­ti­on von spot­light jetzt ei­gent­lich et­was über­dehnt und über­frach­tet. spot­light will ein­fach nur eine ge­schich­te er­zäh­len, die zeigt, dass man mit fleiss, ge­duld und ei­nem kla­ren ziel vor au­gen, auch un­er­freul­che er­eig­nis­se zu ei­nem re­la­tiv fro­hen ende füh­ren kann. scha­de ist al­ler­dings, dass sol­che ge­schich­ten stets in der ver­gan­gen­heit oder fer­nen zu­kunft spie­len. die ge­gen­wart ist für sol­che auf­mun­tern­den ge­schich­ten ein­fach zu kom­pli­ziert. 




mo­dern fa­mi­ly s07e15 (i dont’t know how she does it)

felix schwenzel in gesehen

bild in großansicht öffnen

ich fand die­se fol­ge wie­der sehr un­ter­halt­sam und auch wenn mir kein witz in er­in­ne­rung ge­blie­ben ist, aus­ser dem stand-off in jays und glo­ri­as haus­flur, gebe ich wie­der 4 punk­te.

ei­gent­lich hat­te ich mir bei der letz­ten fol­ge vor­ge­nom­men, eine ode auf phil dun­phy (ge­spielt von ty bur­rell) zu sin­gen. bei der (goog­le) re­cher­che („why is phil dun­phy fun­ny?“) stiess ich auf die­sen ar­ti­kel: „Five Re­asons I Hate Mo­dern Fa­mi­ly“

lei­der hat ken ho­ney­well mit al­len fünf punk­ten die er auf­zählt recht: mo­dern fa­mi­ly ist kli­schee­be­la­den (ob­wohl ich eher sa­gen wür­de, ex­trem zu­ge­spitzt), mo­dern fa­mi­ly feu­ert ohne ende ge­scrip­te­te, un­or­ga­ni­sche wit­ze ab (was ich sehr ger­ne mag, zu­min­dest wenn es so per­fekt ge­ti­med ist, wie hier), es läuft auf ABC (stimmt!), die hand­lung ist vor­her­seh­bar (und folgt im­mer dem glei­chen mus­ter, was ich sehr mag, weil nach den sich auf­bau­en­den kon­flik­ten über die sen­dung hin­weg, am ende im­mer ein fröh­li­ches, ham-wa-was-ge­lernt ende steht) und ju­lie bo­wen hat mal ca­rol ves­sey ge­spielt (stimmt!).

ich bin also, of­fen­bar, im­mun ge­gen mo­dern-fa­mi­ly-kri­tik. aus ir­gend­ei­nem grund las­se ich mich auch von gu­ten grün­den nicht vom gut­fin­den ab­brin­gen.

zu­rück zur fra­ge, war­um phil dun­phy wit­zig ist. er ist glau­be ich ein biss­chen doof, re­la­tiv merk­be­freit, ein biss­chen pein­lich, ein biss­chen selbst­ver­liebt und lei­det an schlim­mer wit­zel­sucht. das wirk­lich schlim­me ist: ich kann mich mit ihm iden­ti­fi­zie­ren. er ist so kli­schee­be­la­den über­zeich­net, und trotz­dem kann ich in ihm ähn­lich­kei­ten zu mir ent­de­cken. ein paar der fol­gen­den zi­ta­te könn­ten üb­ri­gens eins zu eins auch von mir stam­men. ich sage aber nicht wel­che (quel­len: hier und hier und hier und hier):

Cheer­lea­ding in my col­lege was cool. The foot­ball play­ers were so jea­lous they wouldn’t even let me and my bud­dies, Tre­vor, Scot­ty and Ling go to their par­ties.
(Epi­so­de 1.13, “Fif­teen Per­cent”)

I’ve been prac­ti­cing like cra­zy all of my cow­boy skills, shoo­tin’, ro­pin’, pan­ca­ke ea­tin’. Why? Be­cau­se so­me­ti­mes I feel like Jay doesn’t re­spect me as a man.
(Epi­so­de 3.1, “Dude Ranch”)

I’m cool dad, that’s my thang. I’m hip, I surf the web, I text. LOL: laugh out loud, OMG: oh my god, WTF: why the face
(Epi­so­de 1.1, “Pi­lot”)

You can kiss my wife, you can take her to bed, but you CAN­NOT make her laugh!
(I wan­na go back)
You can kiss my wife, but only I can take her to bed and make her laugh.
(I wan­na go back)
Only I can take my wife to bed, COM­MA, and make her laugh.

bild in großansicht öffnen
bild in großansicht öffnen

ich muss noch­mal be­to­nen, dass ty bur­rell phil wirk­lich gran­di­os spielt. ich muss manch­mal schon la­chen, wenn ich nur sein (meist be­dröp­pel­tes) ge­sicht sehe. und wenn er spricht erst recht. er spielt den grös­sen­wahn, die gros­sen und klei­nen pein­lich­kei­ten so na­tür­lich, dass man glau­ben könn­te, er sei wirk­lich so. ist er aber nicht, weil als ich ihn ein­mal als craig fer­gu­sons gast ge­se­hen habe, fand ich ihn voll un­sym­pa­thisch und un­lus­tig.