mar­kus un­ter­sch­ei­det zwi­schen schrei­ben und „con­tent“-er­stel­lung:

Ich verfasse aber Texte und Sätze, weil ich mich aus­drü­cken will, weil ich etwas mitteilen will. Wenn das eine ge­ne­ra­ti­ve KI für mich macht, dann würde ich einfach Content pro­du­zie­ren, meine per­sön­li­che Ebene ginge darin verloren, mein Ge­dan­ken­gang, meine Idee, meine For­mu­lie­rung und eventuell auch meine Fehler. Content muss nicht ver­werf­lich sein, aber das will ich dann nicht als meinen Ausdruck dar­stel­len. Ver­mut­lich ist mein Wunsch, au­then­tisch zu sein, größer als der Wunsch, Content zu pro­du­zie­ren. Und das will ich auch von anderen Leuten. Ich will au­then­ti­sche Leute um mich herum, keine Hüllen, die nur etwas dar­stel­len.

da stim­me ich na­tür­lich ei­ner­seits hun­dert­pro­zen­tig zu, weil der sinn des schrei­bens für mich in ers­ter li­nie eine art ver­daungs­vor­gang ist, qua­si die all­mäh­li­che ver­fer­ti­gung der ge­dan­ken beim blog­gen. das schrei­ben ist das ziel, nicht der text. ich glau­be so ähn­lich, habe ich das auch schon hun­dert­fach hier auf­ge­schrie­ben und mög­li­cher­wei­se wird das the­ma für hier le­sen­de auch lang­sam lang­wei­lig — ob­wohl ich ja der mei­nung bin, dass es nichts scha­det, wenn man weiss oder da­bei zu­sieht, wie die wurst ge­macht wird.

an­de­rer­seits kann die ge­ne­ra­ti­ve KI et­was, was ich nicht kann, bzw. nicht kön­nen will: struk­tu­riert, prä­gnant und op­ti­miert auf den punkt kom­men. ich war vor ein paar ta­gen ziem­lich er­staunt dar­über, was chatGPT aus mei­nem text über „ela­bo­rier­te kul­tur­tex­te“ ge­macht hat, nach­dem es be­haupt hat­te, den text mit ei­ner „kla­re­ren The­se, sau­be­rer Struk­tur und we­ni­ger Be­haup­tungs­sch­len­kern“ schrei­ben zu kön­nen.

ich habe die text­ver­si­on von chatGPT in die bei­la­ge ko­piert und muss sa­gen: ja, der text, den chatGPT aus mei­ner vor­la­ge ge­baut hat, ist sau­be­rer struk­tu­riert und mehr auf den punkt als mei­ner. aber so, in auf­zäh­lun­gen, the­sen und im ober­che­cker-ton­fall, möch­te ich selbst gar nicht schrei­ben. die­se art zu schrei­ben ist ei­gent­lich ge­nau das, wo­ge­gen ich mich nicht erst seit ge­ne­ra­ti­ver text­ge­ne­rie­rung, son­dern seit mei­ner schul­zeit auf­leh­ne.

un­ter dem glei­chen text hat je­mand noch ei­nen an­de­ren ge­dan­ken kom­men­tiert, den ich nicht nach­voll­zie­hen kann:

dass es un­ter den al­ten gate­kee­pern auch nicht bes­ser war oder so­gar schlim­mer, hast du vor 20 jah­ren auch schon ge­schrie­ben. ist das pro­blem nicht eher, dass das of­fe­ne web nicht mehr das ist, was es vor 20 jah­ren war?

ich habe eher das ge­gen­tei­li­ge ge­fühl, dass sich das of­fe­ne web seit 20, 30 jah­ren ei­gent­lich nicht im we­sent­li­chen ver­än­dert hat. zu­min­dest das was „man“, was ich da­drin so ma­che hat sich seit 30 jah­ren ei­gent­lich nicht gross­ar­tig ver­än­dert. mei­ne ers­te „home­page“ von 1986/97 sah im prin­zip be­reits aus wie die­se sei­ten, auf de­nen ich heu­te schrei­be.

das po­ten­zi­al des of­fe­nen webs hat sich aus mei­ner sicht nicht ver­än­dert. das gal­li­sche dorf wur­de viel­leicht von gros­sen platt­for­men und at­trak­ti­ven si­los um­baut, aber im gal­li­schen dorf kann man un­ge­stört wei­ter­le­ben, wie vor 20-30 jah­ren — auch wenn vie­le der jun­gen leu­te land­flucht be­gan­gen ha­ben. das gal­li­sche dorf im netz hat auch den vor­teil, dass es nicht an ei­nen ort ge­bun­den ist, son­dern eben nur an pro­to­kol­le — und die sind, bis auf klei­ne an­pas­sun­gen — seit jah­ren sta­bil und für jede nutz­bar.

in die­sem zu­sam­men­hang habe ich mich über die­ses stück in­ter­net-ar­chäo­lo­gie über die cool site of the day von 1994 sehr ge­freut:

ge­wun­dert habe ich mich ges­tern über die­ses ju­bel­stück von @kurz­ge­sagt über oz­em­pic.

das ist be­mer­kens­wert un­kri­tisch, auch wenn ich das meis­te was dort be­schrie­ben wird und aus stu­di­en zi­tiert wird, aus ei­ge­ner er­fah­rung be­stä­ti­gen kann. so war mein vor­herr­schen­des ge­fühl, als ich oz­em­pic im au­gust und sep­tem­ber ge­nom­men habe, dass das se­maglut­id (der wirk­stoff von oz­em­pic) den kreis­lauf von ap­pe­tit und sät­ti­gung ein­ge­renkt, wie­der­her­ge­stellt hat. ich habe ge­lernt wie­der bes­ser auf die si­gna­le mei­nes kör­pers zu hö­ren, bzw. das se­maglut­id hat das rau­schen und die über­steue­rung der si­gna­le neu ka­li­briert und für mich wie­der ver­ständ­lich ge­macht hat. mein ap­pe­tit auf süss­spei­sen ist wei­ter­hin ex­akt auf null, ohne dass ich das ge­fühl habe, auf et­was ver­zich­ten zu müs­sen.