abgesehen davon, so sehr ich wikileaks und julian assange bisher kritisch gesehen habe (hier beim tagesspiegel kann man sich ein bisschen eine übersicht verschaffen), es ist doch faszinierend zu beobachten wie sehr die hauruck-strategie von assange die amerikanische regierung, amazon und andere privatfirmen demaskiert und zeigt wie sehr sie auf die freiheit des wortes und bürgerrechte scheissen. heute sind es assange und wikileaks die von den speicher-, DNS- und hosting-systemen vertrieben und verfolgt werden. ist es morgen der guardian, die new york times oder spiegel online? ganz so drastisch wie dave winer würde ich es noch nicht ausdrücken, auch wenn er wohl recht hat mit der feststellung, dass der einzige weg die informationen zu unterdrücken, das gesamte internet abzuschalten ist:
Once the distribution is underway the only way to shut it down will be to shut down the Internet itself. Politicians should be aware that these are the stakes. They either get used operating in the open, where the people they're governing are in on everything they do, or they go totalitarian, around the globe, now. (alles lesen)
das faszinierende, wie gesagt ist, das nicht die geleakten informationen die regierungs-organe (und kommerziellen-internet-dienst-anbieter) demaskieren, sondern wie sie es selber tun. und, das scheint sicher, jetzt wird ernst gemacht, mit der filter-infrastruktur. in kürze werden die konservativen in den USA und der ganzen welt geschlossen ihr herz für kinder entdecken.
da hab ich doch heute gestern früh gedacht, ach guck mal, die fantastischen vier machen mal wieder (zur hälfte) werbung.
sind aber gar nicht smudo und thomasd, sondern kay, bettina und olaf, die für ein „positives“ und „aber sicher!“-es zusammenleben werben.
gesternkündigte „innocence in danger“ an, gegen den verlag der berliner zeitung „presserechtlich“ vorzugehen und „strafanzeige“ gegen „den journalisten“ und die verantwortlichen redakteure dieses artikels zu erstatten (pdf-datei der pressemitteilung auf innocenceindanger.de). seltsam allerdings: »Die betroffenen Journalisten haben die Pressemitteilung zur Kenntnis genommen, Schreiben von "Innocence in Danger" liegen ihnen jedoch nicht vor.«
„der journalist“, von dem „innocence in danger“ eigenartigerweise spricht, heisst „Matthias Thieme und Katja Tichomirowa“ und behauptet unter anderem, dass es sich bei »Innocence in Danger um einen gemeinnützigen Verein handele, "der an das Finanzamt Berlin berichtet und dort seine Zahlen vorlegt"« und auf dieser grundlage im »vergangenen Jahr für weitere fünf Jahre die Gemeinnützigkeit bestätigt bekommen« hat.
„innocence in danger“ möchte das nun (unter anderem) wie folgt richtigstellen:
Innocence in Danger e.V. ist ein eingetragener Verein, dessen Gemeinnützigkeit zuletzt 2009 vom Finanzamt Berlin geprüft und für weitere fünf Jahre attestiert wurde.
der artikel in der berliner zeitung enthalte, so „innocence in danger“, »haltlose Vorwürfe und verleumderische Aussagen zur angeblich intransparenten Mittelverwendung der Organisation«. so wird in dem artikel (unter anderem) folgendes gefragt:
Doch wohin fließen die vielen Spenden, was wird mit dem Geld gemacht? Wer Antworten auf diese Fragen sucht, stößt auf die andere Seite der Guttenbergschen Glitzerwelt. Dann herrscht bei den Kinderschützern mit Sitz in Köln plötzlich eisernes Schweigen. Intransparenz statt Eloquenz. Anfragen der Berliner Zeitung bei Innocence in Danger wurden tagelang nicht beantwortet. Keine Auskunft gibt der Verein etwa zu Fragen nach der Höhe der Spendeneinnahmen, der Zahl der Mitarbeiter, der Mittelverwendung und den Verwaltungskosten.
„innocence in danger“ stellt dazu klar:
Die Geschäftszahlen werden jährlich ordnungsgemäß vorgelegt. Auf der Website stellt der Verein zudem sämtliche Presseveröffentlichungen und die Jahresberichte zur Verfügung.
tatsächlich finden sich auf der website jahresberichte, zum beispiel der des jahres 2009. darin wird das wort „euro“ allerdings nicht ein eiziges mal erwähnt. nirgendwo sind zahlen zur höhe der spendeneinahmen oder der mittelverwendung oder den verwaltungskosten zu finden.
„innocence in danger“ weiter:
Interessierte haben somit die Möglichkeit sich über die Projekte und das intensive Engagement von Innocence in Danger umfassend zu informieren.
das ist richtig. auf der website sind „projekte“ aufgelistet. das projekt „peer2peer-aufklärung“ stellt der verein mit 750 worten „umfassend“ vor. sicherlich keine schlechte idee, jugendliche andere jugendliche aufklären zu lassen, auch wenn die wortwahl irgendwie holprig erscheint:
In Schulen, Vereinen und Freizeiteinrichtungen werden Jugendliche ihre sogenannten Peers (also andere Jugendliche) über Schutz vor sexualisierten Übergriffen durch die neuen Medien aufklären.
was auch immer „sexualiserte übergriffe durch neue medien“ sind, es steht sicherlich im „flächendeckenden Konzept“ das „innocence in danger“ „in Kooperation mit Expertinnen und Experten von Eigensinn e.V., IJAB, der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück, den Berliner Jungs e.V. und jugenschutz.net“ entwickelt hat. nur ist dieses konzept alles andere als „umfassend“ dokumentiert. über die kosten oder wie die mittel genau verwendet werden sollen steht da zumindest nichts.
dafür kann man sich ein bild machen, mit welcher kruden logik „innocence in danger“ mitunter argumentiert. der verein hat sich ja, wir erinnern uns, dem schutz von kindern und jugendlichen durch „sexualisierte Übergriffe durch die neuen Medien“ verschrieben. der fokus liegt auf den neuen medien, also dem schutz der kinder vor den gefahren des internets.
Die große Mehrheit will glauben, sexuelle Gewalt an Kindern findet immer nur woanders statt doch leider sieht die Realität anders aus: 80–90% aller Fälle finden im sozialen Umfeld des Kindes statt. Wir müssen begreifen, dass für Kinder und Jugendliche der Chatroom oder das soziale Netzwerk längst zu ihrem sozialen Umfeld gehört. Hier haben Täter und Täterinnen direkten Zugriff auf das Kind.
da gibt es also studien die belegen, dass 80-90% aller missbrauchsfälle im sozialen umfeld von kindern und jugendlichen stattfinden. also im verwandten-, bekannten- und freundeskreis. um den fahrtwind dieser studien mitzunehmen, vollzieht „innocence in danger“ eine wilde logische volte und neuinterpretation: das internet gehört für viele kinder und jugendliche zu ihrem sozialen umfeld — zack damit ist belegt das sich irre viele (man hört die zahl 80-90% noch nachhallen) missbrauchsfälle im internet, in den neuen medien abspielen. die chuzpe, so zu argumentieren muss man erstmal haben. die ziele des vereins mögen ehrenwert sein, keine frage dass im internet gefahren für kinder und jugendliche lauern — aber die art wie hier argumentiert, aufgebauscht und agiert wird, scheint doch zumindest ansatzweise fragwürdig zu sein.
das ist auch einer der kritikpunkte im artikel der berliner zeitung:
"Dieser Verein lenkt von den wichtigen Problemen ab", kritisiert Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds. "Ich wüsste nicht, dass die eine einzige Beratungsstelle oder ein Kinderhaus hätten." Stattdessen kapriziere sich Innocence in Danger allein auf Missbrauch im Internet. "Das sind sehr wenige Fälle im Jahr", sagt Hilgers.
die pressemittteilung von „innocence in danger“ von gestern stammt übrigens aus der feder von simone stein die in bonn eine agentur für kommunikationsberatung führt und in einer (undatierten) pressemitteilung (die metadaten der pdf-datei sagen, dass die PM vom 10.09.2010 ist) stolz vom „neuen etatgewinn“ berichtet (gemeint ist der etat für kommunikationsarbeit für „innocence in danger“):
Die Kommunikationsarbeit für diesen Partner leisten zu dürfen, ist für Bonne Nouvelle eine lohnenswerte und spannende Herausforderung.
da „innocence in danger“ laut der pressemitteilung von gestern sehr sparsam mit den spendengeldern umgeht („verzichtet bewusst auf die kostenpflichtige Beantragung des DZI-Spendensiegels und lässt stattdessen die so eingesparten Mittel Projekten für Kinder und Jugendliche direkt zugute kommen“) bleibt nur zu hoffen, dass bonne nouvelle die kommunikationsarbeit ehrenamtlich leistet, damit die eingesparten mittel projekten für kinder und jugendliche direkt zugute kommt.
am ende der PM von gestern schreibt simone stein:
Der Verein […] verzichtet bewusst auf die kostenpflichtige Beantragung des DZI-Spendensiegels und lässt stattdessen die so eingesparten Mittel Projekten für Kinder und Jugendliche direkt zugute kommen. Mit dieser Entscheidung reiht sich Innocence in Danger e.V. in die Liste vieler anderer NGOs ohne DZI-Spendensiegel ein, wie z. B. Greenpeace, Ein Herz für Kinder und Deutsche Krebshilfe.
mal im erst: was ist so schlimm daran, statt nur dem finanzamt und einigen grossspendern, allen seinen spendern und unterstützern rechenschaft abzulegen?
[nachtrag 01.12.2010, 8:55h] bettina winsemann fragt sich auf telepolis auch warum spender nicht erfahren sollten wie ihr geld verwandt wird.
Der Verein „Innocence in Danger“ hat sich nicht geweigert, seine Zahlen zu veröffentlichen. Er hat das Interesse, dass über ihn hereingebrochen ist, einfach unterschätzt und das Ultimatum eines Journalisten nicht eingehalten. „Wir sind noch ein relativ kleiner Verein mit 2,5 Hauptamtlichen, einigen Ehrenamtlichen und Honorarkräften“, sagt Stephanie zu Guttenberg. „Wir beantworten alle Anfragen. Weil unsere Bücher von einem Steuerberatungsbüro geführt werden, dauert das manchmal länger als einen Tag. Wegen des großen Interesses am Verein werden wir demnächst die Finanzdaten 2010 und 2009 veröffentlichen“.
die faz nennt auch die summe der bisherigen einnahmen von innocence in danger (2009 270173 euro). ob simone stein die pressearbeit ehrenamtlich macht oder nicht, habe ich bisher, knapp 24 stunden nach meiner anfrage (per email) noch nicht beantwortet bekommen, aber da laut stephanie zu guttenberg alle anfragen beantwortet werden, kommt bestimmt irgendwann mal eine antwort. ausserdem prüfe der steuerberater von „innocence in danger“ jetzt, „ob sich die Kosten für das [DZI-] Siegel lohnen“. sollte „innocence in danger“ für die presse- und pr-arbeit zahlen, lohnen sich diese ausgaben ganz sicher. die pressearbeit gegenüber der faz war zumindest allererste sahne. wobei natürlich einige fragen offen bleiben. warum war in der pressemitteilung vom 29.11 nicht davon die rede, dass man die finanzdaten für 2009 und 2010 veröffentlichen möchte und überlegt sich doch um das DZI-siegel zu bewerben?
in der tat ist der artikel in der frankfurter rundschau etwas mehr auf krawall gebürstet als der in der berliner zeitung, da „innocence in danger“ aber sagt, dass der DZI-geschäftsführer burkhard wilke sich mittlerweile „vom Kontext in den seine Aussagen“ gestellt wurden distanziere, muss es sich doch um den text in der berliner zeitung handeln, da wilke im text in der frankfurter rundschau nicht erwähnt wird.
mittlerweile habe ich das gefühl, dass allerhand nebelkerzen gezündet wurden und werden und die pressearbeit von innocence in danger sich langsam warmgelaufen hat.
[nachtrag 02.12.2010, 11:30]
auch die sueddeutsche.de schrieb am 1.12, dass innocence in danger nicht bereit gewesen sei auskunft über einnahmen und ausgaben zu geben:
Der als gemeinnützig anerkannte Verein war erstaunlicherweise nicht zu einer Auskunft bereit. Auch auf Anfrage von sueddeutsche.de wollte eine Sprecherin nicht einmal grob die Einnahme- und Ausgabenstruktur des Vereins erläutern.
Stephanie zu Guttenbergs Vereingegen Kindesmissbrauch im Internet, „Innocence in Danger“, hat der FR am Mittwoch keine Antwort auf Fragen zur Höhe der eingenommenen Spenden und zur konkreten Verwendung der Mittel gegeben. Als Reaktion auf wachsende Kritik äußerte sich Guttenberg allerdings gegenüber der Nachrichtenagentur dapd und der FAZ und kündigte mehr Transparenz an. Sie sagte, offensichtlich sei der Bedarf an Offenlegung von Zahlen so groß, dass dem künftig nachgekommen werde.
Erst versucht Stephanie zu Guttenberg kritische Journalisten mit Anzeigen einzuschüchtern. Jetzt verspricht sie mehr Transparenz in der deutschen Sektion von "Innocence in Danger", der die Ministergattin als Präsidentin vorsteht.
jörg-olaf schäfers fasst auf netzpolitik nochmal die diskussion (diesen artikel hier allerdings ignorierend) zusammen und blickt linkt auch zurück, zum beispiel auf diesen artikel von stefan niggemeier.
Seit einigen Tagen wird kritisch über den Verein Innocence in Danger mit Freifrau Stephanie zu Guttenberg als Präsidentin berichtet. Hauptvorwurf: Intransparenz. Das merkwürdige daran: CharityWatch.de wurde schon Mitte Oktober zugesagt, die Finanzzahlen nach Fertigstellung zur Verfügung zu stellen. Zwischenzeitlich liegen die Einnahmen und Ausgaben vor und bestätigen eine gute Arbeit des Vereins, der sich für die Bekämpfung von Kindesmissbrauch einsetzt.
CW-Meinung. Die Vereine Innocence in Danger und sein Kooperationspartner N.I.N.A. zeigen sich sehr transparent. Öffentlich geäußerte Kritik, die das Gegenteil unterstellt, kann von CharityWatch.de nicht nachvollzogen werden. Im Gegenteil: Die Verwendung der Gelder ist nachvollziehbar und vernünftig, weshalb Spenden problemlos empfohlen werden können.
bei flattr kann man jetzt abonnements abschliessen und ein „ding“ für 3, 6 oder 12 monate automatisch flattern lassen. ich bin mal meine flattr-timeline durchgegangen und habe alle flatterbaren seiten die ich gerne regelmässig flattern würde „subscribed“. bei den meisten habe ich versucht das generische hauptdings, für die site zu finden, wenns das nicht gab oder ich es nicht fand, dann hab ich einen einzelnen artikel genommen. (das wirres.net-haupt-dings ist übrigens hier, falls das jemand automatisch flattern lassen will.)
hier also die liste von „flattr-things“ die ich abonniert habe:
Das freie Modell des Westens ist latent und akut bedroht. Akut gar nicht mehr so sehr durch alte kommunistische Trutzburgen wie Nordkorea oder Kuba, sondern vielmehr durch die Aggression des nichtdemokratischen, also totalitären und damit wesentlich effizienteren Kapitalismus Chinas.
das ist ja ne interessante logik. bleibt natürlich die frage, warum der totalitäre und damit doch eigentlich wesentlich effizienteren kapitalismus, beispielsweise der DDR, so sang und klanglos untergegangen ist. weil die DDR-kommunisten keine richtigen kapitalisten waren, die kommunisten in china aber schon?
irgendwie eine krude logik, die der kapitalist döpfner da aufs parkett legt. so richtig überzeugt von der stärke der freien marktwirtschaft und der freien welt, scheint döpfner nicht zu sein, wenn er das chinesische, bzw. totalitäre modell als „effektiver“ ansieht. ein paar krisen, welt-kriege und globale konflikte hat das angeblich so schwache freie modell des westens ja schliesslich bereits überlebt. und woher weiss döpfner eigentlich, dass ein freies, demokratisches china, mit einem entfesselten kapitalismus nicht noch stärker und bedrohlicher wäre?
und weiss döpfner eigentlich, dass sein heilsbringer, der „die verlagsindustrie“ seiner überzeugung nach retten soll, das ipad, in china hergestellt wird?
einerseits bedroht china den westen akut, anderseits rettet es den westen? günstige produkte aus china findet döpfner knorke, aber die wirtschaftliche stärke die china daraus schöpft, ist ihm unangenehm?
manchmal, insbesondere wenn man den leicht hetzigen text döpfners ganz liest, kann man den eindruck gewinnen, dass bei döpfner ein paar sicherungen durchgebrannt sind.
Multimedia-Inhalte überträgt das iPhone mit der Zune-Anwendung zwischen Telefon und PC. Für die Anbindung an den Mac gibt es aktuell eine gut funktionierende Beta des Windows Phone 7 Connectors.
kleiner autokorrektur-fehler (?) in volker webers windows phone 7 test in der aktuellen ix. oder schreibt man telefon auf englisch bereits generell mit einem kleinen i davor?
[abgesehen davon, mir gefällt das typo-gedöns und design der neuen windows phones benutzeroberfläche. nur haben will ich keins. in drei, vier jahren guck ich mir die dinger nochmal an.]
dieses bild kann ich mir, wie fast alle auf dieser site, stundenlang ansehen. heute abend mach ich das vielleicht auch mal, stundenlang auf die couch setzen und jack nicholson beim kacken zugucken.
apropos: diese wackelbilder wären doch super sinnvolle inhalte für diese digitalen bilderrahmen-dinger, vor allem die etwas subtileren (1, 2, 3, 4, etc.).
[ganz im ernst: ich fasse einfach nicht, wie fasziniert ich von diesen bildern bin. einfache, gut ausgewählte standbilder aus filmen haben ja bereits oft ikonografisches potenzial, bzw. sperren grosse momente eines filmes in ein bild. klar, das ist der witz an fotografie, nur sind bilder aus filmen natürlich extrem aufgeladen mit zusätzlichen (be)deutungen. wenn solche aufgeladenen bilder von grossen momenten aus der kinogeschichte jetzt auch noch die fähigkeit haben mehr als einen moment oder verschiedene aspekte eines momentes zu zeigen, dann wird aus einem gif manchmal etwas ganz grosses.]
ich habe einen text von nico lumma von vor drei wochen mal aktualisiert und leicht redigiert ein paar worte getauscht.
Seit einigen Tagen gibt es in verschiedenenMedienBerichte um einen vermeintlichen Familienstreit im Hause Neven DuMont. Ich bin zutiefst angewidert von der Art und Weise, wie hier versucht wird, aus einer vermeintlichen Vater gegen Sohn Situation Kapital zu schlagen. Konstantin Neven DuMont ist eigentlich ein netter Mensch, aber gleichzeitig auch ein besserwisserischer Korinthenkacker, der nicht nur alles, alles besser weiß, sondern auch noch alle darüber informieren muß, wie es besser ginge und was man bitte zu tun oder zu lassen hätte. Freundlicher ausgedrückt würde ich sagen, dass Konstantin Neven DuMont einiges an Sendungsbewusstsein hat. Anstatt im Konflikt mit seinem Vater nun einfach eine nette Email zu schreiben oder ihn anzurufen, versucht Konstantin Neven DuMont nix anderes, als ihn öffentlich in die Pfanne zu hauen. Beide, Alfred und Konstantin Neven DuMont sind nur Menschen, und noch dazu sehr nette, und in einem persönlichen Gespräch hätte sich vieles klären lassen.
Für mich ist die angebliche DuMont-Fehde allerdings keine Sternstunde der deutschen Verlagslandschaft, sondern ein Zeichen für den miesen kleinkrämerischen wir-gegen-uns Charakter der journalistisch geprägten Szene in Deutschland. Alter Schwede, so etwas Selbstgerechtes ist mir wegen einer derartigen Kinderkacke noch nicht über den Weg gelaufen! Es kotzt mich an, wie hier versucht wird, Aufmerksamkeit zu erlangen. Das ist Bild- oder gar Express-Stil! Klärt das wie Männer, trefft Euch auf ein Bier!
[Disclosure: Der Text ist ursprünglich von Nico Lumma, mit dem ich hin und wieder mal Kaffee getrunken habe oder was essen war. Er und ich sind beides nette Menschen und haben solche schwachsinnigen und dummen Texte eigentlich nicht nötig.]
„ganz gross“, don dahlmann über die elenden, vom qualitätsjournalismus schmarotzenden kioskbesitzer:
Auf der Tagung des VDZ (Verband Deutscher Zeitschriftenverleger) hat sich die Branche gegen Angebote gewehrt, die die Inhalte der Verlage nutzen, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. “Es kann nicht sein, dass wir teuren Qualitätsjournalismus betreiben, und andere einfach abkassieren”, beklagte sich Hubert Burda, Vorsitzender des VDZ. Seit Jahren liegt die Organisation mit dem Verband der Deutschen Kioskbesitzer im Streit. (alles lesen!)
ich habe die kiosk-metapher vor einem jahr auch mal im zusammenhang mit hubert burda benutzt, als er seine ersten äusserungen zum leistungsschutzrecht erstmals (?) öffentlich äusserte. aber don dahlmann macht das (natürlich) viel eleganter und pointierter.
Seit fast 100 Jahren gab es auf der Karibikinsel keine Fälle von Cholera mehr. Deswegen sind die Haitianer fest davon überzeugt, dass die Krankheit von außen eingeschleppt wurde. Einige, wenn auch bei weitem nicht alle, machen die UN- Truppen dafür verantwortlich, die Cholera ins Land gebracht zu haben. Immer mehr Haitianer gehen deshalb auf die Straße, machen ihrem Unmut Luft.
Die Antwort lieferte jetzt eine molekularbiologische Untersuchung der US-Seuchenbehörde CDC: Der in Haiti grassierende Vibrio cholerae gehört zu einem besonders aggressiven, asiatischen Stamm der Serogruppe O1, Subtyp Ogawa, der diesen Sommer eine Epidemie in Nepal verursachte. Die US-Seuchenbehörde hält sich zwar offiziell mit Anschuldigungen zurück. Doch jeder Haitianer weiß, dass an einem Zufluss des Artibonite die nepalesische UN-Kaserne liegt. Wenige Wochen vor dem Ausbruch der Cholera war dort eine neue Einheit aus Kathmandu eingetroffen.
wenn man den artikel auf seite 2 liest, hat man das gefühl, das mit der von UN-soldaten eingeschleppten cholera sei nichts als ein böses gerücht in den strassen von port-au-prince. wenn man den artikel des mikrobiologen alexander s. kekulé liest (wohlgemerkt im ressort „meinung“), hat man das gefühl, tobias käufer, der den bericht auf seite 2 schrob, enthalte einem informationen vor oder ist nicht informiert, obwohl er laut tagesspiegel in port-au-prince ist.
witzigerweise komme ich mir bereits beim lesen des tagesspiegel verschaukelt vor — obwohl der ja ganz offensichtlich die medaille aus mehreren perspektiven beleuchtet. ich frage mich aber: wie verschaukelt wird man sich als haitianer fühlen? erscheint der tagesspiegel eigentlich auch auf haitianisch?
[nachtrag 17.11.2010, 20:00h]
in der FAZ von heute (druckausgabe) wird ein bisschen differenzierter berichtet, wenn auch mit dem tenor, dass das wohl alles gerüchte sind, mit der eingeschleppten cholera:
Denn seit Tagen kursiert das Gerücht, dass ein Stützpunkt nepalesischer „Blauhelme“ im Department Artibonite in Zentralhaiti der Ursprung der Epidemie sei. Offiziell lassen Regierung und Minustah wissen, man habe eine Untersuchung eingeleitet, verfüge aber noch nicht über gesicherte Erkenntnisse über die Herkunft der Seuche; zudem sei es jetzt angezeigt, nach vorne zu blicken, statt fruchtlos Rückschau zu halten. Doch darin sehen viele Haitianer einen Vertuschungsversuch. Sie halten sich zur Erklärung der Seuche lieber an die Fotos und Videoaufnahmen, die vieltausendfach per Internet verbreitet werden. Sie zeigen einen Lastwagen, der scheinbar ungereinigte Abwässer aus dem Minustah-Lager nahe der Stadt Mirebalais in einen Zufluss des Flusses Artibonite pumpt.
Für die Entsorgung der Abwässer ist ein haitianisches Unternehmen zuständig, das angeblich der Frau des scheidenden Präsidenten René Préval gehört. In Nepal soll es wenige Wochen vor der Entsendung der nepalesischen Minustah-Soldaten einen Ausbruch der Cholera gegeben haben.
wenn man ein bisschen nach der oben erwähnten CDC-studie googelt, stellt man fest, dass die studie am 1. november veröffentlicht wurde und erste meldungen, die die „gerüchte“ zumindest ansatzweise bestätigten, bereits ebenfalls am ersten november, auch in etablierten, seriösen medien die runde machten. wenn ich das lese, fange ich wirklich an zu zweifeln, was sich die medien hierzulande so zurechtreimen und ob die korrespondenten-berichte noch per luftpost verschickt werden. qualitätsjournalismus. klar.
die beifahrerin bringt immer wieder dokumentarfilme für das kind aus der stadtbibliothek mit nachhause, um das bildungsniveau des kindes zu heben. kürzlich brachte sie einen haufen DVDs mit harald leschs „alpha centauri“ mit. als wir die erste folge der ersten DVD gemeinsam ansahen (insgesamt gibts glaub ich acht oder neun DVDs in der serie), wurde das kind immer unruhiger, die beifahrerin immer stiller, bis das kind nach ca. 5 minuten aufstand und — leicht frustriert — ausrief „langweilig, ich versteh kein wort!“. die erste folge war wirklich kompliziert („Wie viele Dimensionen hat das Universum?“). ich finde den lesch ja ziemlich klasse und kann mir das zeug ohne ende ansehen, aber für das kind, ist es wohl doch noch ein bisschen harter tobak. aber lesch soll hier gar nicht das thema sein.
denn: ausserdem hatte die beifahrerin eine nicht mehr ganz frische DVD (immerhin von 1991) ausgeliehen, „a short history of time“, eine stark biographisierende version von stephen hawkings bestseller. ich habe den film gestern und heute gesehen und fand ihn ziemlich beeindruckend. aus mehreren gründen.
erstens nervt philip glass’ musik überraschender weise kein bisschen, zweitens ist der film für 1991 mit ganz ansehnlichen special effects (alle analog produziert, wie man im making-of gut erkennen kann) versehen und drittens sind stephen hawking und sein forschung in der tat ziemlich spannend.
im making-of plaudert der regisseur von „a brief history of time“, errol morris, ein wenig über hawking und trifft damit einen ganz entscheidenden nagel auf den kopf:
stephen hawking, his frailty, his mortality, in a way has become a symbol for, i think, everybody.
grosse geister, hochintelligente menschen, die in und mit ihrem kopf sachen machen, die für uns normalsterbiche unvorstellbar sind, haben wir schon immer gerne vergöttert „genies“ genannt und zu einer art pop kopp-stars gemacht. hawking umschreibt das so:
But I think another reason is, that the public wants heroes. They made Einstein a hero, and now they are making me a hero, though with much less justification. But I fit the part of a disabled genius. At least I am clearly disabled.
wobei es dass natürlich nicht ganz trifft. so wie hawking ursprünglich inspiriert von roger penrose’s theorien über schwarze löcher, auf eine theorie der zeit und des urknalls (und der strahlung von schwarzen löchern) kam, werden wir beim betrachten von hawkings zerbrechlichkeit und fragilität auch an unsere eigene sterblichkeit erinnert und identifizieren uns mit ihm.
dass das sich bewusst-machen de eigenen sterblichkeit ungeheure (kreative, philosophische, wissenschaftliche) energien wachrufen kann, eben dafür scheint hawking ein bestens geeignetes symbol zu sein, im doppelten sinne. so hat hawking erst nachdem seine krankheit diagnostiziert wurde angefangen ernsthaft zu arbeiten und bahnbrechende werke zu veröffentlichen. er sagt von sich selbst, dass er vorher eigentlich nur blödsinn im kopf hatte und erst die krankheit ihn zu dem wissenschaftler gemacht habe, der er jetzt sei. ich musste beim sehen des filmes unweigerlich wieder an wolfgang herrndorf denken, welche energien seine krebsdiagnose in ihm freisetzte und dass auch hawking vor knapp dreissig jahren von den ärzten nur eine lebenserwartung von zwei bis drei jahren prognostiziert bekam.
errol morris nennt seinen film „a movie about hope“, einen film über die hoffnung und damit hat er recht.
beim zurückfolgen bin ich extrem willkürlich. auf twitter folge ich fast nie leuten zurück die englisch twittern oder das wort „social media“ auf einen blick öfter als zwei-, dreimal benutzen (meine derzeitige schmerzgrenze). bei google-buzz (oder im google-reader) folge ich fast allen leuten die mir keine fefe-links in den reader sharen (zwei machen das schon. mehr fefe halte ich nicht aus) und ein oder zwei interessante links in den letzten tagen geshared haben. auf facebook, xing und linkedin bin ich am willkürlichsten. manchmal bestätige ich anfragen von leute die ich nicht kenne, wenn sie irgendwie interessant scheinen, was aber nur geht, wenn sie das eine oder andere von sich preisgeben oder mir sagen, warum ich ihre anfrage bestätigen soll. bei linkedin und facebook achte ich beim bestätigen von anfragen auch auf das benutzer-foto, schliesslich tauchen bestätige kontakte im adressbuch meines handys auf.
das sind natürlich nur meine eigenen regel, die sich ständig ändern. vielleicht sind meine regeln auch gar nicht so willkürlich, sondern eher — äh — intuitiv. weil nachgedacht hab ich darüber noch nicht besonders viel. sollte man aber mal machen. irgendwann.
die flattr-zahlen vom oktober sind da. meine flattr einnahmen im oktober betragen 84,75€.
mein artikel „Sofort-Kultur!“ hat im oktober noch 32 flattrs erhalten, die 23,04€ wert waren (15 flattrs und 3,47€ waren es bereits im september). sascha lobos „antwortantwortantwort auf meine buchfrage“ hat 47 flattrs erhalten, was 22,47€ macht, die — selbstverständlich — sascha lobo zustehen.
erstaunlich: ein flattr (unter „sonnenuntergang“) gab vier euro fünfzig. auch erstaunlich: 4 flattrs und 1,62€ für ein automatisch am 10.10.2010 um 10:10 uhr veröffentlichtes zahlenmystik-dings, ohne inhalt.
über die monate lässt sich beim besten willen kein muster bei der anzahl der flattrs und der einnahmen feststellen. seit april habe ich jeden monat gleichbleibend ungefähr 20 artikel veröffentlicht (ein konstanz, die mich selbst erstaunt). im juni gabs 247 flattrs und 77€ einnahmen, im juli nur 57 flattrs, aber 85€ einnahmen.
irgendwann mal habe ich gesagt, dass die „blogosphäre“ eine der wenigen gruppen ist, zu der ich mich jemals zughörig erklären würde, weil sie so unfassbar heterogen ist:
„die blogger“ sind die erste gruppe der ich mich freiwillig als mitglied zuordnen lasse, auch weil sie so wunderbar heterogen sind. […] ähnliche grupppen, äusserst heterogen und unfassbar, sind zum beispiel „autoren“, „wichser“, „männer“, „arbeitende“, „denkende“ oder „fernsehgucker“. (fast allen) diesen grupppen schliesse ich mich ähnlich unbekümmert an wie der der „blogger“.
die heterogenität einer gruppe schliesst selbstverständlich mit ein, dass sie auch arschlöcher beinhaltet. das haben gruppen so an sich. schwierig wirds für mich immer genau dann, wenn die arschlöcher anfangen zu schreien und regeln für alle anderen in der gruppe aufstellen wollen. anständige deutsche machen dies und das nicht. echte männer kritisieren sich nicht öffentlich, sondern trinken miteinander bier. anständige SPDler nehmen keine beraterjobs in der wirtschaft an. anständige blogger machen keine werbung, journalisten können nicht bloggen.
alle paar jahre kommen sie aus ihren löchern gekrochen, die regelaufsteller-arschlöcher, faseln von leitkulturen, datenschutzrichtlinien oder unabdingbaren rechten die blogkommentatoren angeblich zu gewähren seien. die rechte von blogkommentatoren die aufgeregt eingefordert werden, variieren zwischen: alle kommentare sind freizuschalten (sonst sei das zensur!), kommentarfunktionen sind grundsätzlich anzubieten (sonst sei das ding kein blog!) hin zu einem ganz neuen dogma, dass die anonymität eines jeden blogkommentators zu wahren sei (sonst sei das bild-zeitungs-niveau!) oder alternativ, dass störende kommentare einfach stillschweigend zu löschen seien (weil alles andere nur provoziere oder der profilierung des blogbetreibers diene).
das ärgerliche an den regelaufsteller-arschlöchern ist, dass sie meist nicht argumentieren oder vom einzelfall ausgehen, sondern dogmen aufstellen. wo ist der unterschied, zwischen einem politker der von „leitkultur“ oder „überfremdung“ faselt und bloggern die behaupten, journalisten könnten keine echten blogger sein? die argumentationsmuster zumindest sind die gleichen: ideologisch, misanthrop, populistisch und meist arschlochig. arschlochig vor allem auch deshalb, weil dogmen keine argumente sind (über die man diskutieren könnte), sondern eben lehrsätze.
das besonders unangenehme an den dogmatikern ist, dass sie für ihre kurzfristigen ziele hysterie provozieren und von den eigentlichen problemen und missständen ablenken. oft geschieht das sogar ohne absicht, aber mit derselben abstumpfenden wirkung. nichts gegen den schockwellenreiter, er ist nur eines von vielen beispielen die ich wählen könnte, aber ich nehme ihn mal wegen des geringen schwierigkeitsgrades als beispiel: ist mal jemandem aufgefallen wie oft der schockwellenreiter „zensur!“ schreit? gefühlt 300 mal pro jahr und tatsächlich ziemlich oft. jeden kleinschiss, bei jeder privatfehde oder editwar oder im müll gelandetem leserbrief (oder kommentar) „zensur“ zu schreien vernebelt die wahrnehmung und trivialisiert das eigentliche problem. oder anders gesagt: wenn man bei über jedem scheiss „zensur“ schreit, fällts schwer sich über echte zensur zu empören — oder sie überhaupt noch als solche zu erkennen.
das gleiche prinzip wenden politiker gerne an — auch wenn da oft eine prise mehr berechnung hintersteckt. wenn sie beispielsweise von einem verfassungsmässigen grundrecht der bürger auf freiheit und sicherheit reden, gefährdungen hochhysterisieren, seien es gesundheitsgefahren oder terroristen, vernebeln sie ebenso wie aufgeregtes zensurgeschrei die wahrnehmung und trivialisieren das eigentliche thema. schlimmer noch, die ursprüngliche streitfrage wird aus dem wahrnehmungsfeld geschoben. denn das fundamentale problem — und das zeigt nicht nur die geschichte — ist ein staat der seinen bürgern keine sicherheit und freiheit vor dem staat garantiert (mehr dazu hab ich mal hier vor zwei jahren geschrieben).
ebenso trivialisiert man die gefahren denen die wahrung der persönlichkeitsrechte oder der privatssphäre in unserer gesellschaft ausgesetzt sind, wenn man stefan niggemeier in der diskussion um das sogenannte „konstantingate“ vorwirft mit bild-methoden vorzugehen oder ein ominöses recht auf anonymität verletzt zu haben oder verbrechen gegen den datenschutz begangen zu haben. ich finde durchaus, dass stefan niggemeiers vorgehen zu kritisieren ist, aber einfach mit der grossen prinzipienkeule draufzuhauen, sich ein paar lehrsätze aus der nase zu ziehen, einen verstoss gegen diese dogmen zusammenreimen und dann die verlorene ehre des stefan niggemeiers zu proklamieren ist voll aigner.
die macht das nach dem gleichen muster. ängste oder unsicherheiten aufspüren, diese ängste aufblasen, ohne interesse an details diese unsicherheiten aufputschen und mit der prinzipienkeule einfach überall draufhauen. so hat das wunderbar bei der google street-view- oder facebook-diskussion funktioniert. am ende standen auf allen seiten hysterische diskutanten, die der gegenseite entweder verantwortungslosigkeit, unkenntnis, dummheit — oder hysterie vorwarfen. inmitten dieses nebelkerzen-meeres, lassen sich jetzt prima schaufenster-gesetze verabschieden, die — wie die diskussion — niemandem helfen und kein einziges problem lösen — ausser das problem von aigners vorheriger profillosigkeit.
und das ist das eigentlich widerliche an der diskussion um „konstantingate“, aber auch an vielen aspekten der politik (oder in teilen, natürlich nur exemplarisch, an nico lumma): kein interesse an details, hintergründen oder den dingen hinter dem augenschein aufbringen, dogmatisch und laut schreiend mit der prinzipienkeule draufhauen und dann scheinheilig allgemeingültige regeln oder gesetze fordern.
da könnte man echt internet-, politik und weltverdrossen zugleich werden.
ich bin ja ausgebildeter architekt und auch wenn ich keine ahnung von architektur habe (eine weitverbreitete unsitte unter architekten), habe ich das studium zuende gebracht. dass ich das studium zuende gebracht habe habe ich (unter anderem) zwei inspirationsquellen zu verdanken: einmal otl aicher und seinem buch „die welt als entwurf“ und telepolis, die damals, vor 12, 15 jahren nicht nur schon online war, sondern auch tolle architektur-theoretische texte online hatten (beispiel).
an diese zeit musste ich heute zurückdenken, als ich diesen text von robert kaltenbrunner über adolf loos las. sehr lesenswert. wie auch otl aicher.
[wirres.net, bzw. einer seiner vorläufer, war in den frühen anfangstagen übrigens mal in rotis gesetzt. das hat nur kaum einer gemerkt, weil es 1995 noch keine webfonts gab. das mit der kleinschreibung hat aber auch was mit meiner bnegeisterung über aicher zu tun.]
[nachtrag] ich muss das buch wirklich nochmal raussuchen. ich glaube neulesen könnte sich lohnen:
ix hab mich vor fünf jahren schonmal etwas ungelenk über bob geldof und seinen gewissen-beruhigungs-scheiss den er mit hilfe von schwerreichen musikanten veranstaltet aufgeregt. ähnlich ungelenk wie geldof, der sich damals über kritik an seinem vorgehen echauffierte. die kritik an geldof kasperletheater ist nicht neu, im gegenteil, aber dieser artikel über ein buch des journalisten peter gill, scheint ein paar schwerwiegende argumente dafür zusammengetragen zu haben, dass bob geldof ein quaksalber ist.
Das Bittere an dieser zweiten Hilfsaktion aber war, dass der äthiopische Präsident Meles Zenawi von Geldof, Bono und Tony Blair auf dem Edinburgher Gipfel hofiert wurde. Gill kann sich nur wundern, wie der Mann, der kurz zuvor die Wahlen in Äthiopien in einem Blutbad hatte enden lassen, als neues Role Model des afrikanischen Staatsführers auratisiert wurde. Bono schwärmte von seinen ökonomischen Kenntnissen, Blair feierte ihn als Vorzeigepolitiker. Seither durfte Meles, wie David Rieff in einer exzellenten Besprechung des Buches von Gill anmerkt, "Afrika auf einem nach dem anderen Panel vertreten, von G8 über G 20 bis Kopenhagen 2009." Was bedeutet, das Live8 vor allem einem geholfen hat: Dem Despoten Meles Zenawi. (quelle)
bei musikanten (und schauspielern) die sich politisch betätigen sollte man sehr, sehr vorsichtig sein.
mario sixtus blinkenlichten produktionen haut einen sendungs-dummy nach dem anderen raus. mit dem anschauen komme ich noch nach, mit dem kritisieren kaum noch. so gefiel mir der dummy für „web-wissen kompakt“ vor ein paar wochen ganz gut, zumindest ungefähr zweihundert mal besser als der unsäglich doofe „hyperland“-dummy. damals klagte ich vor allem über den ganzen tand, mit dem der „hyperland“-dummy (und andere blinkenlichen-sendunegn) aufgepimpt wurde (unötige animationen, moderation, sinnfreie symbolbilder, der „barocke überfluss an bildern, schnitten, splitscreens, transformationseffekten und allem was das schnittprogramm“ hergibt), steht seit gestern ein sendungs-dummy online, der ganz nach meinem geschmack ist.
ein bisschen elektrischer reporter 1.0, schöne artdirektion und grafik, kein tand, viele interviews und — ganz neu und mal was neues — nicht immer die gleichen papnasen die sich zu den immerselben themen zum hunderttausendsten male äussern. sehr schön, sehr informativ, gute themenwahl und — endlich — eine sendung ohne hektisches, elektrisches hyperventilieren: der „epolitik“-dummy.
am wochenende war ich bei meinen eltern zu besuch, weil die unter anderem hilfe brauchten eine erbschaft unterzubringen und an die wände zu nageln. unter anderem wollten sie diverse „regulatoren“ im haus unterbringen. meine eltern wollten einen bisher leerstehenden raum mit den erbstücken, aber auch den resten der studentenbude meiner schweseter einrichten. ich entschied mich zwei der regulatoren aus der erbmasse an eine wand zu hängen und wieder gangbar zu machen.
mein vater war etwas entsetzt über meine art der hängung, er meinte sowas habe er ja, ausser in einem uhrenladen, noch nie gesehen, zwei regulatoren nebeneinander. das entscheidende detail war jedoch das studentenbudenbett meiner schwester neben den uhren. ich habe lange nicht mehr so etwas meditatives erlebt, wie den beiden tickendenden regulatoren auf dem alten bett meiner schwesetr liegend zu lauschen.
das ticken der beiden uhren war um einige hundertstel sekunden verschoben, was man beim lauschen des tick-tick-tack-tack, tick-tack-tack-tick, tack- tick-tack-tick und tack-tack-tick-tick-geräuschs leicht erkennen konnte, wenn man sich auf das ticken konzentrierte. lange habe ich das vergehen der zeit nicht mehr so sinnlich erlebt, wie an diesem wochenende, wo ich im bett liegend dem ticken der beiden uhren lauschte und die beiden pendel beim ausschlagen beobachtete. auch wenn ich dieses ganze digital-gedöns liebe und schätze, diese beiden uhren sind für mich das sinnbild all dessen, was uns durch die digitalisierung an sinnlichen erfahrungen verloren geht. wer in der letzten zeit einer pendeluhr gelauscht hat, wird verstehen was ich meine. alle anderen nicht.