nach­träg­lich vom csu-par­tei­tag: ju­bel­per­ser (teil 3)

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

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(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

in der faz steht heu­te ein ar­ti­kel von jo­han­nes leit­häu­ser, über­ti­telt „In drei Wel­len“:

An­geb­lich sind un­ter­des­sen knapp 20 000 mög­li­che Mit­strei­ter des „TeAMs“ re­gis­triert. Sie hat­ten ih­ren au­gen­fäl­ligs­ten Ein­satz am Par­tei­tags­sonn­tag der CDU in dewr Dort­mun­der West­fa­len­hal­le, wo meh­re­re 1000 von ih­nen das Ge­rüst der oran­gen­far­be­nen Ju­bel­ku­lis­se bil­de­ten, sie sind aber auch bei al­len grö­ße­ren öf­fent­li­chen Auf­trit­ten der Kanz­ler­kan­di­ta­tin und an­de­rer CDU-Spit­zen­po­li­ti­uker prä­sent, schir­men sie bei ih­rem Ein­zug auf öf­fent­li­chen Plät­zen ab und ver­su­chen ge­zielt und vor­be­rei­tet, die er­war­te­ten Stör­at­ta­cken von Ak­ti­vis­ten der Links­par­tei oder an­de­rer In­itia­ti­ven ein­zu­däm­men.

die­se CDU/TeAM ju­bel­per­ser (ich be­nut­ze das wort im­mer lie­ber, im­mer wenn ich es sage, grinst mich mein ge­gen­über an) sind heu­te nicht da. es ist auch kein oran­ge zu se­hen. auch kei­ne ro­ten tep­pi­che. die ver­an­stal­tung ist recht über­sicht­lich und kom­plett in blau ge­hal­ten, so­gar das blu­men­was­ser ist blau ein­ge­färbt. in der hall­le im ple­num sind ca. 30 sitz­rei­hen, ge­füllt mit de­le­gier­te, da­hin­ter ein paar gäs­te, da­hin­ter wie­der­um, oben auf ei­ner tri­bü­ne, die fern­seh­sen­der. vor­ne re­den baye­ri­sche po­li­ti­ker und die de­le­gier­ten wer­den wie bei der bahn, von 1 euro-job­bern die mit wä­gel­chen durch die gän­ge fah­ren, ge­füt­tert.

ins­ge­samt hat man das ge­fühl ei­ner fa­mi­liä­ren ver­an­stal­tung bei­zu­woh­nen. man kennt sich halt. klein, über­sicht­lich, ge­müt­lich. hier muss kei­ner frem­deln.

im­mer wie­der fragt mich die ra­dio-tan­te nach mei­ner mo­ti­va­ti­on. war­um ich hier­her ge­fah­ren bin. war­um ich blog­ge, war­um ich par­tei­tags­blog­ge. recht hat sie. es ist völ­lig un­ver­ständ­lich, war­um ein gut­au­se­hen­der typ wie ich an ei­nem sol­chen tag nicht ins frei­bad geht oder ins kino. nun, zum the­ma frei­bad ist die ant­wort na­tür­lich leicht, im frei­bad mit ei­nem kom­pres­si­ons­strumpf rum­zu­lau­fen ist näm­lich eher pein­lich, auf par­tei­ta­gen, zu­dem ei­nem der csu, fällt man da­mit kaum auf.

war­um also auf par­tei­ta­ge fah­ren? bin ich po­li­tisch? sind par­tei­ta­ge po­li­tisch? wel­chen sinn hat ein par­tei­tag? ich hat­te ja be­reits beim links­par­tei­tag ge­mut­masst, dass es aus­schliess­lich um „wort­pro­duk­ti­on“ geht. mitt­ler­wei­le bin ich aber zur über­zeu­gung ge­kom­men, dass par­tei­ta­ge eine art selbst­re­fe­ren­zi­el­le end­los­schlei­fe sind. zu­gleich sind sie eine ar­beits­be­schaf­fungs­mass­nah­me ers­ter güte, für „event­agen­tu­ren“, ver­an­stal­tungs­or­te, fern­seh­sen­der und jour­na­lis­ten. und na­tür­lich für blog­ger.

auf so ei­nem par­tei­tag ver­si­chern sich leu­te die sich gut fin­den, dass sie sich gut fin­den. sie le­gi­ti­mie­ren sich in mehr oder we­ni­ger auf­we­ni­gen le­gi­ti­ma­ti­ons­ver­fah­ren die sie sich vor­her aus­ge­dacht ha­ben. da­bei be­ob­ach­ten und ap­plau­die­ren sie sich ge­gen­sei­tig und wer­den auch „von aus­sen“ hef­tig be­ob­ach­tet. man­che leu­te die das sich-ge­gen­sei­tig-gut­fin­den be­ob­ach­ten wer­den wie­der­um be­ob­ach­tet und ge­fragt was sie denn da be­ob­ach­tet hät­ten. wer die bes­ten wor­te fin­det hat ge­won­nen und kommt mit die­sen wor­ten auch ins fern­se­hen oder die zei­tung. ju­riert wer­den die wor­te von be­ob­ach­tern auf der tri­bü­ne. wer vie­le gute wor­te hat und da­mit am ende oft ge­nug ins fern­se­hen kommt (und so „die the­men“ set­zen kann) wird am ende kanz­ler. oder kanz­le­rin.

das ist al­les ein gros­ses und un­glaub­lich auf­wen­di­ges spiel, von dem man nur ganz we­ni­ge, klei­ne tei­le sieht. um po­li­tik geht es nicht wirk­lich. es geht um stim­mung, um die in­sze­nie­rung, um bil­der, um ges­ten und sym­bo­le.

ich gebe zu, ich habe den re­den nicht all­zu auf­merk­sam zu­ge­hört, räus­per, kann ich ja mor­gen in der zei­tung nach­le­sen. nur als die mer­kel sprach bin ich ein­mal ganz nah an sie (und die füh­rungs­rie­ge der csu) ran­ge­gan­gen. an­ge­la mer­kel hat ganz klei­ne füs­se die hin­ten ein biss­chen auf­ge­bockt sind, da­mit die bei­ne län­ger wir­ken. sie trug (wie­der) was rosa/flie­der/oran­gi­ges und re­det er­staun­lich flüs­sig, in ge­nau der rich­ti­gen laut­stär­ke, mit fes­ter stim­me, die nicht so kei­fig, schrill und auf­ge­regt rü­ber­kommt wie bei man­chen spd- oder pds-po­li­ti­kern. ko­misch. ich emp­fin­de sym­pa­thie. sie wirkt sym­pa­thisch wie sich ei­nen ab­grinst als sie den saal mit ei­ner kirch­hof-schmä­hungs-re­tour­kut­sche an schrö­der zum bro­deln bringt. sie freut sich! das ist nicht das müh­sam an­trai­nier­te ich-will-noch-fröh­li­cher-wer­den-grin­sen das ich letzt­lich stän­dig im fern­se­hen sah. das ist ech­te freu­de.

über­haupt. die stim­mung. cdu und csu strah­len sie­ges­ge­wiss­heit und selbst­be­wusst­sein aus. auch wenn ich über­all las, dass schrö­der die ge­nos­sen (und ge­nos­si­nen) mit sei­ner rede „mit­riss und eu­pho­ri­sier­te“, ge­gen die stim­mung bei den uni­ons-par­tei­ta­gen war der spd-par­tei­tag eine trau­er­ver­an­stal­tung ganz furcht­bar sach­lich. im her­zen ha­ben die an­hän­ger der uni­on die wahl schon ge­won­nen. ich kann mir vor­stel­len, stoi­ber macht heu­te abend wie­der mal ein glas sekt auf. ich fra­ge mich ob schrö­der, wenn er bald ins fern­se­hen kommt, noch ir­gend­ein ru­der her­um­wer­fen kann. die spd (nicht schrö­der) wirkt müde, cdu und csu hin­ge­gen wir­ken un­glaub­lich eu­pho­ri­si­ert und selbst­be­wusst und set­zen auch noch die the­men. 


vom csu-par­tei­tag: ix im ra­dio, live on tape (teil 2)

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

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(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

die ra­dio-tan­te hat mich eben in der pres­se­lounge ge­fun­den. wir ha­ben uns eine wei­le un­ter­hal­ten, über mein lieb­lings­the­ma, mich. dann der schock, sie will mir die gan­ze zeit über fol­gen. wie soll ich so ar­bei­ten? glück­li­cher­wei­se muss ich nicht ar­bei­ten, nur blog­gen. ich muss jetzt also im­mer er­klä­ren was ich ma­che und das kommt dann im ra­dio.

in der hal­le wur­den eben die ju­bel­per­ser an­ge­heizt. eine blon­di­ne (al­les voll mit blon­di­nen hier, doo) von sat1 ver­sucht das: „und jetzt ge­ben sie al­les.“ jetzt kommt eine „pop­pi­ge“ ver­si­on der bay­ern-hym­ne. supa.

wo war ich? ach­ja in der hall­le. was mir auf­fällt: wie bei der links­par­tei wer­den die de­le­gier­ten, die gäs­te und die jour­an­lis­ten nicht ge­trennt auf­be­wahrt, alle lau­fen ge­mischt durch die hal­le (das habe ich eben auch schon im ra­dio ge­sagt). was ich auch eben im ra­dio ge­sagt habe; der glos beck­stein ist ein lie­ber on­kel. zu­min­dest wenn man schräg vor ihm steht, 20 ka­me­ras auf ihn ge­rich­tet sind und hin­ter ei­nem eine gross­bild­lein­wand ist. dann grinst der näm­lich ganz su­per freund­lich und man kann sich ein­bil­den er grinst ei­nen an.

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jetzt re­det der herr söder. statt zu kom­men­tie­ren was er re­det („gerd-show ist bald zu­en­de“, „wech­sel“, „blah“) link ich mal auf den herrn ros­si, der hat den herrn söder bes­tens por­trai­tiert. han­na (vom ra­dio) ist ge­ra­de aufs klo ge­gan­gen. jetzt kann ich den scheiss end­lich on­line stel­len ohne die gan­ze zeit da­bei zu re­den. 


csu-par­tei­tag: fahrt nach nürn­berg

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

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(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

ich fah­re nach nürn­berg. dort holt mich eine dame die für ir­gend­ein ra­dio ar­bei­tet vom bahn­hof ab. mal gu­cken ob ich sie er­ken­ne:

bin so ne gro­ße blon­de evtl. mit pseu­do-gra­fik­de­si­gner­bril­le.

die da­men und her­ren von der pres­se ha­ben den spei­se­wa­gen ge­en­tert. der eine ver­sucht sei­nen be­ruf durch ein laut­stark ge­führ­tes ge­spräch auch dem dümms­ten spei­se­wa­gen­be­nut­zer klar zu ma­chen. der typ la­bert die ihm ge­gen­über­sit­zen­de blon­di­ne eis­kalt tot. spä­ter liest er ihr sei­ne lieb­lings­zi­ta­te aus der zei­tung vor. mei­ner be­sch­ei­de­nen mei­nung nach et­was zu laut. ein­wür­fe kann sie nur ma­chen, wenn er ab­ge­lenkt ist und über sei­ne ei­ge­nen witz­chen lacht. ein an­de­rer ar­bei­tet sich durch 7 ta­ges­zei­tun­gen. der typ ne­ben mir, trinkt weiss­wein und hus­tet lun­gen­res­te in sein stoff­ta­schen­tuch. rechts sitzt auch ein spacko im an­zug mit turn­schu­hen, wie ich. er ist al­ler­dings noch ne num­mer coo­ler als ich und früh­stückt mit son­nen­bril­le.

mitt­ler­wei­le bin ich in nürn­berg, auf dem mes­se­ge­län­de, hier gibts auch wlan, von der te­le­kom. ich kauf mal zur si­cher­heit ne stun­de für 9 euro, falls ich den herrn fre­se­ni­us nicht fin­de oder eine dose wo ich mein an­ti­kes ether­net­ka­bel mit RJ45 buch­se an­schlies­sen kann.

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die blon­di­ne vom ra­dio will mich jetzt um vier­tel vor drei am ein­gang tref­fen. eine brü­net­te ver­sucht ge­ra­de mit ih­rem lap­top über die be­reit­ge­stell­ten te­le­fon­do­sen ins in­ter­net zu kom­men. der te­le­kom­tech­ni­ker hat pipi-lang­strumpf als klin­gel­ton. was ist bloss mit der pres­se los? ha­ben die noch nie was von wlan ge­hört? umts? ich guck mal was das buf­fet her­gibt. bil­der dem­nächst in die­sem flickr-set. 


csu par­tei­tags­ge­b­log­ge

felix schwenzel , teil der sammlung: #wahl05

eben in nürn­berg an­ge­kom­men, die „gros­se blon­di­ne mit pseu­do-gra­fik­de­si­gner­bril­le“ vom ra­dio hat sich mit ih­ren zü­gen ver­tan und mich des­halb nicht vom bahn­hof ab­ge­holt.

wlan gibts, al­ler­dings teu­res, mal gu­cken ob ich den herrn fre­se­ni­us noch fin­de, der mir wired lan ver­spro­chen hat. dem­nächst mehr auf wahl­blog.de.

[nach­trag]


 

nach­trag 06.08.2026 aus mei­ner fo­to­me­dia­thek:



das nbi in der kul­tur­braue­rei zockt pfand ab

felix schwenzel

ok. ich gebe zu, es ist schon ei­gen­ar­tig, wenn drei mild adi­pö­se blog­ger 5 euro ein­tritt für eine ver­an­stal­tung im nbi in der kul­tur­braue­rei be­zah­len um sich dann nach draus­sen, auf die ter­ras­se zu set­zen und dort nach und nach, von 9 bis 12 uhr ins­ge­samt 12 bier trin­ken. dass die­se bier je­weils mit 50 cent pfand be­legt sind ist ja ok, wenn aber dann die spa­cki­ge be­die­nung sich um 24 uhr wei­gert das pfand wie­der her­aus­zu­ge­ben, weil das bier seit 30 mi­nu­ten ohne pfand aus­ge­ge­ben wird, dann ist mir das ehr­lich­ge­sagt zu blöd mich mit ei­nem blon­den voll­pfos­ten auf eine dis­kus­si­on ein­zu­las­sen, war­um sie mir nicht „al­les“ zu­rück­ge­ben „kann“. da sie sich mit ih­rer vor­ge­set­zen ab­sprach, gehe ich da­von aus dass es nicht nur an der dumm­heit der be­die­nung lag, son­dern dass das nbi ein ve­ri­ta­bler saft­la­den ist.

er­freu­lich fand ich es hin­ge­gen, beim ge­hen von ei­nem faz re­dak­teur mei­ne wä­sche­klam­mer auf die nase ge­steckt be­kom­men zu ha­ben und aus­ser­dem frau pas­sig vor­ge­stellt ge­wor­den zu sein. 


vom spd-par­tei­tag: „die spd hat im in­ter­net die na­se vorn“ (teil 6)

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

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(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

ich habe es be­fürch­tet. die ver­an­stal­tung wur­de furcht­bar selbst­be­schau­lich. nicht nur dass ich eben fast 45 mi­nu­ten mit ei­ner jour­na­lis­tin vom ta­ges­spie­gel sprach (also ein in­ter­view) die hier un­ter schreck­li­chen ar­beits­be­din­gun­gen ar­bei­ten muss: ganz ohne on­line zu­gang! so muss­te ich ihr al­les er­zäh­len was ich un­ter mü­hen for­mu­liert, auf­ge­schrie­ben und ge­bloggt habe. ich muss­te mich selbst er­klä­ren. wer mich kennt, weiss wel­che qua­len ich durch­leb­te. dann war die gute frau auch ein biss­chen in hek­tik, denn bis um halb fünf müs­se ihr ar­ti­kel fer­tig sein. mal schaun was die dame, ich nen­ne sie mal off­line­la­dy, mor­gen in den ta­ges­spie­gel rein­schreibt.

ein an­de­rer blog­ger hat­te ein rtl2 fern­seh­team da­bei, das ihn auf schritt und tritt be­glei­te­te.

der par­tei­tag rausch­te an mir vor­bei. hän­gen blieb der ein­druck ei­ner staub­tro­cke­nen ver­an­stal­tung be­ge­wohnt zu ha­ben. da war selbst der links­par­tei­tag lei­den­schaft­li­cher und emo­tio­na­ler. der un­ter­schied be­stand im we­sent­li­chen in der grös­se, der an­zahl an­we­sen­der jour­na­lis­ten und gäs­te (bei der spd wa­ren es ein paar mehr). der par­tei­tag wur­de ein­ge­läu­tet von ein paar ak­kus­tisch und in­halt­lich kaum zu er­tra­gen­den schrei­häl­sen red­nern, fand sei­nen flau­en hö­he­punkt in schrö­ders rede (die laut mit­ge­hör­tem jour­na­lis­ten­ge­spräch an­dert­halb stun­den dau­er­te und 12 mi­nu­ten ap­plaus ern­te­te). nach schrö­ders rede stürm­te der hal­be saal nach draus­sen und schwang sich ans buf­fet. ich auch. ich wur­de mit mei­nem tel­ler straf­reis mit hüh­ner­fri­ka­sse fast vom pan­zer über­fah­ren. an den steh­ti­schen im pres­se­zen­trum wur­de ein biss­chen ge­fach­sim­pelt („län­ger als sonst hat er ge­re­det“) und al­ko­hol­frei­es ge­trun­ken. die spd mu­tet es den zah­len­den par­tei­mit­glie­dern of­fen­bar nicht zu den al­ko­ho­lis­mus der an­we­sen­den pres­se mit ih­ren bei­trags­gel­dern zu un­ter­stüt­zen. sau­fen ja, aber nur auf ei­ge­ne kos­ten (da fällt mir, ich weiss nicht war­um, rütt­gers ein: „ehr­lich­keit und an­stand!“). mün­te­fe­ring hielt eine gute rede, schnapp­te ich ir­gend­wo auf. nur woll­te kaum ei­ner zu­hö­ren. am ende, als eine berg­mannn­ka­pel­le rumsang, sass kaum noch ei­ner im saal, die paar die noch da wa­ren, stan­den und rie­fen, so hör­te ich es von ganz hin­ten im saal: „schrö­der du weich­ei.“ se­bas­ti­an rei­chel, der on­line­wahl­kampf­ko­or­di­na­tor der sich um uns blog­ger küm­mer­te, ant­wor­te­te mir, auf auf mei­ne fra­ge war­um die spd­ler denn so­was sa­gen, dass sie „schrö­der für deutsch­land“ rie­fen. ach­so.

auch die ein­ge­la­de­nen weich­ei­er „pro­fi­lier­ten blog­ger“ mach­ten früh fei­er­abend, die off­line­la­dy schrieb an ih­rem ar­ti­kel für mor­gen und all­le pack­ten lang­sam zu­sam­men.

der par­tei­tag schlug, mei­ner be­sch­ei­de­nen mei­nung nach, wie eine tro­cke­ne staub­bom­be ein. 



vom spd-par­tei­tag: csu-con­tent (teil 4)

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

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(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

ich habe eben, hier auf der pres­se­tri­bü­ne des spd-par­tei­ta­ges eine email von to­bi­as fre­se­ni­us be­kom­men. der bloggt, glau­be ich, für die csu und hat auf mei­nen vor­wurf die csu habe zwar lap­tops, aber kein in­ter­net ge­ant­wor­tet: „Über­zeugt Euch vom Ge­gen­teil: Die CSU ver­fügt über Lap­tops und In­ter­net!“

da ich das als ein­la­dung auf­ge­fasst habe, habe ich mich für den csu-par­tei­tag in nürn­berg ak­kre­di­tiert — aus­drück­lich als blog­ger und nicht als jour­na­list — und um wlan-zu­gang ge­be­ten. die ant­wort spricht bän­de:

Ich habe per­sön­lich ge­checkt, ob Ihre Ak­kre­di­tie­rung an­ge­kom­men ist. Das ist der Fall. Dan­ke. Jetzt ha­ben wir ein klit­ze­klei­nes Pro­blem: In Nürn­berg wird es nur wired-Lan ge­ben. Als Jour­na­list steht Ih­nen ja dann aber ein Pres­se­ar­beits­platz zu.

na das kann ja lus­tig wer­den. muss ich mich wirk­lich jour­na­list nen­nen las­sen? wei­ter gehts — gleich — mit spd-con­tent.

[mo­men­tan ist hier eh nicht viel los; die leu­te schrei­en und klat­schen, schrö­der hält die arme hoch, nimmt sie wie­der run­ter, läuft auf und ab, kommt zu­rück in die mit­te der büh­ne, hebt die arme, senkt sie, geht an sei­nen platz, etc, etc. ich geh mal ap­fel­saft­schor­le trin­ken.] 


vom spd-par­tei­tag: kirch­of ab­ge­schrö­dert (teil 3)

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

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(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

schrö­der be­zeich­net kirch­hof stän­dig als „je­nen pro­fes­sor“, er ver­mei­det es sei­nen na­men aus­zu­spre­chen. statt des­sen: „je­ner pro­fes­sor da aus hei­del­berg“, „je­ner pro­fess­sor den ich er­wähnt habe“. ge­nau­so nennt er mer­kel „die dame“. kirch­of ist dann „je­ner pro­fes­sor der bei der dame für die steu­ern ver­ant­wort­lich ist“.

schrö­der schiesst sich auf kirch­hof ein, er sug­ge­riert kirch­of sei ein lu­xus-pro­fes­sor, habe kei­ne vor­stel­lung von der le­bens­wirk­lich­keit von schrö­ders klei­nem mann, bzw. vom le­ben ein­fa­cher men­schen.

was mir ge­fällt ist wie er ei­nen reu­ters oder dpa-mel­dung vor­liest, in der kirch­of von ei­ner „durch­schnitts­se­kre­tä­rin“ mit 1,3 kin­dern re­det um sein steu­er­sys­tem zu er­läu­tern. die se­krtä­rin sei zu ei­nem ge­wis­sen pro­zent­satz ver­hei­ra­tet sei. als er vor­liest und die men­ge schon beim se­kre­tä­rin­nen-jah­res­ge­halt von 40.000 euro lacht und johlt, sagt er im­mer, „nee, passt auf, das wird noch bes­ser …“. wenn schrö­der so blog­gen wür­de, könn­te das viel­leicht noch was wer­den, mit der welther­schaft.

hab ich schon er­wähnt, das schrö­der die men­ge mitt­ler­wei­le mehr­fach rich­tig heiss und dann wie­der müde ge­re­det hat? 


vom spd-par­tei­tag: selbst­be­trach­tun­gen (teil 2)

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

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(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

bleibt ja nicht aus, so kurz vor der rede des bun­de­kanz­lers, sich mal zu­rück­zu­leh­nen und sich ge­die­gen selbst zu be­trach­ten. oder die an­de­ren. don zum bei­spiel. der liest heim­lich spie­gel-on­line statt zu blog­gen, ist aber noch feuch­ter am ober­kör­per als ich. john­ny schwitzt auch, stöhnt aber zu­sätz­lich ganz laut rum. aus­ser­dem schreibt er sich den arsch ab. jetzt ist sein ser­ver ka­putt. die an­de­ren her­ren die hier ne­ben mir blog­gen, ken­ne ich zu mei­ner schan­de nicht. aber das blaue licht am wlan­stick vom kol­le­gen links von mir, macht mich noch fah­ri­ger als ich eh schon bin.

mich hat eben eine re­por­te­rin vom ta­ges­spie­gel er­kannt. sie wol­le mal mit mir re­den. mhh. wor­über bloss? was ich so ma­che woll­te sie zwi­sche­durch mal wis­sen. das was ich ihr sag­te, ver­stand sie nicht, weil da ge­ra­de der schrei­hals ull­brich­te. ich wür­de es ihr jetzt hier­hin­schrei­ben, was ich so ma­che, nur er­in­ne­re ich mich nicht mehr was ich ihr sag­te. mein ge­däch­nis ist eh nicht bei mir, son­dern hier.

jetzt re­det schrö­der. im ge­gen­teil zu sei­nen vor­red­nern ist sei­ne laut­stär­ke auf ein ei­ni­ger­mas­sen er­träg­li­ches le­vel ge­re­gelt. er schreit auch nicht so kei­fig wie wo­we­reit und uwe hück (ja wo­we­reit schreit selbst ta­ges­ord­nungs­punk­te). was mich wun­dert: der ver­hal­te­ne, spo­ra­di­sche ap­plaus für schrö­der. so rich­tig geil fin­det man den ger­hard hier ir­gend­wie nicht. viel­leicht bin ich auch ver­wöhnt von den jun­ge uni­on-ju­bel­ari­en und den acht­tau­send ju­bel­per­sern in der west­fa­len­hal­le. da­ge­gen ist es hier mucks­mäus­chen still. ap­plaus, leich­tes klat­schen, mehr nicht. bin ich im fal­schen film? apro­pos stil­le. hin­ten rechts auf ei­ner zu­schau­er­tri­bü­ne sitzt eine ge­bär­den­dol­met­sche­rin und schaut und ges­ti­ku­liert ins pu­bli­kum.

vor ein paar mi­nu­ten hat schrö­der ge­sagt, das was die op­po­si­ti­on ma­che sei „eine in­sze­nie­rung ohne jede sub­stanz“. wit­zig, das scheint so eine art all­zweck­waf­fe zu sein. ich bin sub­stanz­los, rütt­gers sag­te vor ein paar ta­gen die re­gie­rung ma­che eine sub­stanz­lo­se „show“ und nun nennt der schrö­der­kanz­ler die an­de­ren sub­stanz­los. ich pro­bier das jetzt auch mal: das ist doch al­les to­tal sub­stanz­los hier.

jetzt, nach 30 mi­nu­ten re­de­zeit, re­agiert die men­ge ein biss­chen spon­ta­ner und wil­li­ger auf schrö­der. schrö­der wird lau­ter, das pu­bli­kum auch. gleich­zei­tig hat die spd aber auch ju­bel­per­ser mit ro­ten tshirts in die rei­hen zwi­schen den de­le­gier­ten ge­trie­ben. das sind sehr gut ge­laun­te jun­ge men­schen, die keh­lig „juuuuuuuh“ ru­fen wenn ih­nen et­was ge­fällt, aber sehr zi­ckig re­agie­ren wenn ih­nen eine ka­me­ra­mann auf die schul­ter klopft um sich vor­bei­zu­zwän­gen.

fo­tos lade ich ge­ra­de in die­ses set. 


vom spd-par­tei­tag

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

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(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

seit­dem ich das let­ze mal hier war, hat sich die grös­se der hal­le ver­dop­pelt. auch die ro­ten fo­li­en von den de­cken­schein­wer­fern sind ver­schwun­den, aus­schliess­lich weis­ses licht mit blau­en ak­zen­ten. was sich nicht ver­än­dert hat; über­all sit­zen „ge­nos­sen und ge­nos­sin­nen“. ziem­lich vie­le.

aus­ser­dem schwit­ze ich wie ein tier. vie­le leu­te, vie­le olf, viel ab­wär­me. ir­gend­wie ist das auch ein biss­chen un­ent­spann­ter als bei den ge­müt­li­chen on­kels von der links­par­tei. viel­leicht liegts auch an den an­de­ren blog­gern die ei­nen (wie ich) un­ge­fragt fo­to­gra­fie­ren, die schnel­ler und mehr (oder bes­ser) schrei­ben (wett­be­werb) und ei­nen un­ter druck set­zen: „schreib mal was, doo!“ ich kann so nicht ar­bei­ten. nur rum­schwit­zen. mich selbst­be­trach­ten. ver­su­chen den et­was zu lau­ten stuss vom red­ner­pult aus­zu­blen­den.

der herr rei­chel, der den on­line­wahl­kampf or­ga­ni­si­ert, hat sich eben et­was ge­wun­dert als ich ihn ge­fragt habe wo denn im pres­se­zen­trum das bier sei: „am vor­mit­tag?“ was ist bloss aus den ge­nos­sen ge­wor­den. frü­her ha­ben die doch alle ge­sof­fen wie stiegler tie­re.

ge­ra­de re­det wal­ter ull­bricht. oder je­mand der meint die stim­me am ende ei­nes ver­meint­lich wich­ti­gen sat­zes laut quiet­schend und kei­fend nach oben zie­hen zu müs­sen. funk­tio­niert das? mo­ti­viert so ein fick­ri­ges ge­kei­fe die de­le­gier­ten? der schluss­ap­plaus lässt die­se ver­mu­tung zu. 


spd-par­tei­tag

felix schwenzel , teil der sammlung: #wahl05


re­spekt­los?

felix schwenzel

die taz schreibt über mich, ich sei „re­spekt­los“. das stimmt na­tür­lich nicht. sonst stimmt al­les, aus­ser mei­ner url. [die taz re­det da­von, dass man mich auf mei­ner web­sei­te „nach al­len Sei­ten dre­hen“ kön­ne. das geht üb­ri­gens hier.] [bild vom taz ar­ti­kel bei frau frank und hier]

herr ma­ji­ca hat in der ber­li­ner zei­tung auch über mich ge­schrie­ben. bei ihm stimmt aus­nahms­los al­les (so­gar die url) aus­ser dass er „der“ blog schreibt. be­son­ders ge­fällt mir, dass er mein sub­stanz­lo­sen par­tei­tags­ge­b­log­ge ein „or­tho­gra­fisch mu­ti­ges Pro­to­koll“ nennt.

neu beim par­tei­tags­ge­b­log­ge ist eine qua­si ein­la­dung nach nürn­berg um von dort vom csu par­tei­tag zu blog­gen. wenn die mich (als „blog­ger“, nicht als „jour­na­list“) ak­kre­di­tie­ren, wer­de ich am frei­tag auch dort­hin fah­ren und über­prü­fen ob es bei der csu, wie be­haup­tet, auch crist­so­zia­les wlan gibt.

auch wenn das wahl­blog, bzw. nico mir zu­ge­sagt ha­ben ein paar mei­ner spe­sen zu über­neh­men, wür­de ich mich über (wei­te­re) spen­den freu­en. bis jetzt ist das gan­ze mehr oder we­ni­ger ein pri­vat­ver­gnü­gen mei­ner­seits. mit be­to­nung auf ver­gnü­gen.

nach­trag]
der ta­ges­spie­gel hat auch noch ei­nen ar­ti­kel (von in­grid mül­ler) über mich als par­tei­tags­blog­ger. 

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auf­merk­sam­keits­er­zeu­gung

felix schwenzel

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heu­te hat blogg.de/der hal­tungs­tur­ner ja eine pres­se­mel­dung ver­öf­fent­licht, in der ich um ein haar als „lai­en­jour­na­list“ be­zeich­net wur­de. selbst­ver­ständ­lich er­zeug­te die­se „PM“ ein rie­si­ges echo: und zwar ge­nau ein an­ruf von ma­rin ma­ji­ca von der po­li­tik-re­dak­ti­on der ber­li­ner zei­tung.

er woll­te mich in­ter­view­en, wir tra­fen uns um 18 uhr im star­bucks am ha­cke­schen markt. er kam fünf mi­nu­ten zu spät, aber ich schleim­beu­tel lob­te ihn für sei­ne pünkt­lich­keit. ich wur­de, par­tei­tags­ge­stählt, gleich in­ves­ti­ga­tiv: „le­sen sie blogs? wel­che?“. er log mich an: „ja. ein paar.“ na gut ein paar blogs kann­te er, aber von jam­ba und spree­blick hat­te er noch nix ge­hört. ich trug ihm mit mei­ner un­ver­bes­ser­li­chen ar­ro­ganz auf das zu goog­len und drück­te ihm den bes­ten ar­ti­kel über blogs (ever) in die hand, den ich zu­fäl­lig (wirk­lich), aus­ge­druckt, da­bei hat­te. kurz dar­auf fli­cker­te ich ihn noch.

na­tür­lich ging es ums wahl­blog und mein par­tei­tags­blog­gen, aber auch ums blog­gen all­ge­mein. auf sei­ne fra­ge war­um ich blog­ge hat­te ich kei­ne gute ant­wort pa­rat, aber ich er­zähl­te ihm wahr­heits­ge­mäss, dass das blog­dings kei­ne kon­ku­renz zum jour­na­lis­mus sei, son­dern, frei nach six­tus, et­was ganz an­de­res, eine art kom­mu­ni­ka­ti­ons­raum. auch wie­der­hol­te ich das kurz vor­her ge­sag­te, dass ich den klas­si­schen me­di­en nicht­ein­mal an­satz­wei­se kon­ku­renz ma­chen wol­le — und auch über­haupt nicht kön­ne. ein un­ter­schied kön­ne aber even­tu­ell dar­in be­stehen, dass ich das was ich auf den par­tei­ta­gen bis­her sah, nicht so ernst näh­me wie die eta­blier­ten und hof­fe, eine leicht ver­scho­be­ne per­spek­ti­ve auf ei­nen par­tei­tag ge­ben zu kön­nen. ich schwärm­te ihm wie ein ir­rer vom blog­dings vor, was ich ger­ne lese, wie sehr ich ma­rio six­tus (und chris­tof wolff) sei­ne blog­tour ver­eh­re und aus­ser­dem die rie­sen­ma­schi­ne. da! da war es, der fun­ken sprang über. die kann­te er. er ken­ne kath­rin pas­sig und holm frie­be. puh, wenn er die gött­li­che pas­sig und den ge­nia­len frie­be kennt, kann der ar­ti­kel ja ei­gent­lich nicht scheis­se wer­den.

über­prü­fen kann man das am mitt­woch in der ber­li­ner zei­tung. 


sub­stanz­lo­ses par­tei­tags­ge­b­log­ge

felix schwenzel

was ma­che ich da ei­gent­lich?

kei­ner fragt sich das, ich auch nicht wirk­lich, trotz­dem, an­bei, eine ant­wort dar­auf. am sams­tag fuhr ich ins neu­köll­ner est­rel ho­tel, hör­te und guck­te mir an was man mir und der pres­se dort vor­mach­te — und schrieb dar­über was ich sah und hör­te. am sonn­tag fuhr ich nach dort­mund und mach­te dort das sel­be. hö­ren, se­hen, drü­ber schrei­ben. das­sel­be wer­de ich am mitt­woch bei der spd und nächs­ten mo­nat bei der fdp ma­chen. dass der eine oder an­de­re dar­über ent­täuscht sein mag, das was ich schrei­be „sub­stanz­los“ ist, juckt mich nicht. es stimmt näm­lich. ich schrei­be ober­fläch­lich, ohne tie­fe­re re­cher­che­re, ohne gros­se vor­be­rei­tung und vor al­lem sub­jek­tiv und un­aus­ge­wo­gen. vor al­lem schrei­be ich aus­schliess­lich das auf was mei­ne auf­merk­sam­keit oder mein in­ter­es­se weckt.

soll­te sich je­mand für ob­jek­ti­ve­re be­richt­erstat­tung in­ter­es­sie­ren, die da­men und her­ren von den eta­blier­ten me­di­en ma­chen das ganz her­vor­ra­gend — und zwar aus al­len mög­li­chen blick­win­keln. das kann man dann mor­gens in ver­schie­dens­ten ge­schmacks­rich­tun­gen am ki­osk kau­fen oder im fern­se­hen se­hen.

was ich ma­che, ist das ge­naue ge­gen­teil von pro­fes­sio­nell, aber es macht mir spass, sonst wür­de ich kei­ne zeit und kein geld da­für in­ves­tie­ren. die ein­zi­gen bei­de din­ge auf die ich wert lege sind, dass ich nicht in pein­li­che ju­bel­ari­en ab­glei­te und die vor­ge­druck­ten phra­sen weg­blog­ge und dass ich nicht lang­wei­le. soll­te ich das doch tun: basht mich, hef­tig.

heu­te früh geht eine pres­se­mel­dung (so, oder leicht mo­di­fi­ziert) raus (vom hal­tungs­tur­ner ge­schrie­ben), die das oben ge­sag­te et­was for­mel­ler und für merk­be­frei­te for­mu­liert:

Erst­mals Live-Blog­ging von den Par­tei­ta­gen

Ham­burg (ots)

Mit dem Blog­ger Fe­lix Schwen­zel (http://wir­res.net) hat das Wahl­blog (http://wahl­blog.de) erst­mals ei­nen un­ab­hän­gi­gen Blog­ger auf Par­tei­ta­ge ge­schickt. Die­ses Wo­chen­en­de be­rich­te­te Schwen­zel un­ter dem Pseud­onym "ix" von den Par­tei­tag der Links­par­tei (27.8) und der CDU (28.8). Es fol­gen am Mitt­woch (31.8) der Par­tei­tag der SPD. Am 9.9 ist Schwen­zel live beim FDP-Par­tei­tag da­bei.

Mit den Be­rich­ten im Wahl­blog be­tritt die Platt­form Neu­land. Erst­mals in Deutsch­land ist ein un­ab­hän­gi­ger Blog­ger als Lai­en­jou­na­list bei al­len gro­ßen Par­tei­ta­gen ak­kre­di­tiert und schreibt live und sub­jek­tiv im Blog.

Fe­lix Schwen­zel (http://wir­res.net) ge­hört zu den be­kann­tes­ten Blog­gern in Deutsch­land und bloggt seit sechs Jah­ren. Sein Blog ge­hört zu den Top 10 der meist­ver­link­ten Blogs und zu den Top 50 in der Be­su­cher­sta­tis­tik. Der Ber­li­ner In­for­ma­ti­ons­ar­chi­tekt und Ent­wick­ler ist von An­fang an Co-Au­tor im Wahl­blog.

Das Wahl­blog (http://wahl­blog.de) ist am 1. Juni von den lang­jäh­ri­gen Blog­gern Nico Lum­ma ("Lum­ma­land", http://lum­ma.de), Nico Brün­jes ("Web­pro­pa­gan­da", http://web­pro­pa­gan­da.de/) und Wolf­gang Lü­nen­bür­ger-Rei­den­bach ("Hal­tungs­tur­nen", http://hal­tungs­tur­nen.de) ge­grün­det wor­den und hat zur­zeit 20 Au­toren aus al­len po­li­ti­schen Rich­tun­gen. Die Tech­nik stellt der Blog­ser­vice BLOGG.DE (http://blogg.de) zur Ver­fü­gung.

Was ist ein Web­log?

Ein Web­log oder "Blog" ist ein per­sön­li­ches On­line-Jour­nal, das ähn­lich ei­nem Ta­ge­buch chro­no­lo­gi­sche Ein­trä­ge auf­weist und in der Re­gel frei zu­gäng­lich ist. Die Au­toren der Web­logs wer­den "Blog­ger" ge­nannt. In Deutsch­land gibt es un­ge­fähr 70.000 ak­ti­ve Web­logs.

Über BLOGG.DE

BLOGG.DE ist das deut­sche Web­log-Por­tal und bie­tet seit 2003 zahl­rei­che Diens­te rund um das Blog­gen an. Un­ter an­de­rem kön­nen Nut­zer bei Blogg.de ein ei­ge­nes Web­log füh­ren. Mit Blogstats.de (http://blogstats.de) hat BLOGG.DE die füh­ren­de deut­sche Such­ma­schi­ne für Web­logs ge­schaf­fen, die u.a. ak­tu­el­le The­men in Web­logs an­schau­lich auf­be­rei­tet und Ver­lin­kun­gen dar­stellt.>

 


vom cdu-par­tei­tag: am en­de (teil 4)

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

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(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

stoi­ber und mer­kel wa­ren ja die haupt­at­trak­tio­nen der gros­sen par­tei­tags­show. lei­der war ich von den vie­len re­den der mi­nis­ter­prä­si­den­ten schon ziem­lich aus­ge­laugt. glück­li­cher­wei­se sag­ten stoi­ber und mer­kel nicht viel an­de­res als die mi­nis­ter­prä­si­den­ten. stoi­ber würz­te sei­ne rede mit ei­nem kräf­ti­gen und häu­fig ver­wen­de­ten „mei­ne da­men und her­ren“. er ist ja, äh, be­kannt, als ein freund der, äh, kla­ren, äh, wor­te, mei­ne da­men und her­ren. bei sei­ner rede schaff­te er es tat­säch­lich wei­tes­ge­hend auf äh und öh zu ver­zich­ten, er be­nutz­te statt des­sen ein­fach, „mei­ne da­men und her­ren“. pfif­fig. stoi­ber gab aber auch wie­der per­len von sich. über an­ge­la mer­kel sag­te er, „die men­schen schen­ken ihr nicht nur ver­trau­en, nein, sie ver­trau­en ihr auch.“ gut fand ich auch den satz: „schrö­der hat zu al­lem al­les ge­sagt — mei­ne da­men und her­ren — aber auch das ge­gen­teil.“ ja. nein. das wür­de ei­nem pro­fi wie ihm nicht pas­sie­ren. al­les zu sa­gen, aber auch das ge­gen­teil.

lus­tig, wie im kin­der­gar­ten, wur­de es auch, als stoi­ber ver­such­te hel­mut kohl und sei­ne po­li­tik vom schwar­zen pe­ter zu säu­bern. den ei­gent­lich sei schrö­der schuld dar­an, dass kohls wich­ti­ge und rich­ti­ge re­for­men ge­sch­ei­tert sei­en — er habe sie im bun­des­rat blo­ckiert und sa­bo­tiert. am schei­tern der re­gie­rung-kohl ist also der da­mals spd-do­mi­nier­te bun­des­rat schuld, am schei­tern der re­gie­rung-schrö­der ist nach stoi­ber­scher lo­gik der bun­des­rat un­be­tei­ligt und al­lein die schrö­der-re­gie­rung schuld. dass rot-grün tech­nik­feind­lich sei und kul­tu­rel­le selbst­ver­leum­dung be­trei­be und kein „na­tio­na­les wir-ge­fühl“ zu­las­se, der haupt­grund war­um es deutschh­land schlecht gehe also man­geln­de ge­sin­nung sei, ist wahr­schein­lich teil je­der stoi­ber-rede.

auch mer­kel hieb kräf­tig in die na­tio­nal­stolz-ker­be. das wich­tigs­te sei­en aus­ser­dem wer­te, des­halb müs­se „selbst­ver­ständ­lich“ über­all am re­li­gi­ons­un­te­richt fest­ge­hal­ten wer­den. auch an­net­te scha­van wur­de hef­tig ge­lobt. sie habe im „kopf­tuch­streit“ deut­lich ge­zeigt wie wer­te in ei­ner mo­der­nen ge­sell­schaft zu „set­zen“ sei­en. ehr­lich­keit und an­stand. mir wur­de das ir­gend­wann zu blöd, klapp­te mei­nen lap­top zu­sam­men, fo­to­gra­fier­te noch ein biss­chen im saal rum und en­ter­te dann das hal­be-bröt­chen buf­fet im pres­se­zen­trum. das bier war ja, wie er­wähnt, nicht zu ge­nies­sen.

nach dem par­tei­tag, als ich im nh ho­tel end­lich ein biss­chen wlan ge­fun­den hat­te (10 euro), fand noch ein klei­nes mini-blog­ger tref­fen statt, als ich mich mit dirk hes­se traf. lei­der konn­ten wir uns nur ca. 30 mi­nu­ten un­ter­hal­ten, war trotz­dem nett. aus­ser­dem habe ich ge­se­hen, dass mir 3 spen­den zu­ge­kom­men sind, vie­len dank da­für, ich habe da­von die 3 bier für mich und dirk be­zahlt. 


vom cdu-par­tei­tag: wo die uni­on re­giert läufts bes­ser? (teil 3)

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

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(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

die west­fa­len­hal­le ist sehr, sehr gross. nach mei­nem be­such im pres­se­zen­trum, das ein biss­chen ab­seits lag, be­gab ich mich erst­mals in die hal­le selbst. wie be­reits er­wähnt lief dort eine ab­grund­tief schlech­te show aus dem re­per­toire des welt­be­kann­ten eu­ro­pa park rust. da­vor spiel­te eine co­ver­band alte queen-lie­der. „we are the cham­pi­ons“, „we will rock you“ und „wir wer­den kanz­le­rin“ und son zeug. die bei­den shows de­mons­trier­ten ein­drucks­voll wor­um es bei die­sem par­tei­tag ging: ein­hei­zen und auf­hei­zen, die rei­hen schlies­sen, sich „wie ein mann“ hin­ter an­ge­la mer­kel stel­len. der satz „wie ein mann“ hin­ter an­ge­la mer­kel stel­len stammt von cars­ten-cars­ten cars­ten­sen, oder wie der heisst. ach ja, pe­ter-har­ry cars­ten­sen glau­be ich. die­ser satz aus sei­nem mund, scherz­te er, habe ge­wicht.

apro­pos scher­ze. die cdu-mi­nis­ter­prä­si­den­ten die alle, qua­si zur er­öff­nung des par­tei­ta­ges, eine klei­ne an­spra­che („gruss­wor­te“) hal­ten durf­ten, streng­ten sich alle sehr an, min­des­tens ein, zwei witz­chen in ihre re­den ein­zu­bau­en. so ge­se­hen war der cdu-par­tei­tag im ver­gleich zum links­par­tei­tag bei­na­he lus­tig. wenn die wit­ze nicht alle so grot­ten­schlecht ge­we­sen wä­ren. ich hat­te zeit­wei­lig das ge­fühl bei oleo­leo­le.de live on stage da­bei zu sein. an­bei ein bei­spiel von chris­ti­an wulff, dem mi­nis­ter­prä­si­den­ten von nie­der­sach­sen und der­zeit, an­geb­lich, be­lieb­tes­ten deut­schen spit­zen­po­lit­ker. sein witz soll­te die un­glaub­lich ef­fek­ti­vi­tät sei­ner re­gie­rung un­ter­mau­ern, die er kurz vor­her wort­reich und mit sicht­li­chem stolz vor­trug: wenn ich mich recht er­in­ne­re trug er den witz in der ich-form vor. er er­zähl­te wie er einst bei ei­ner jagd zu­ge­gen war. ei­ner der jä­ger hat­te ein wild­schwein er­legt und zog es hin­ter sich her. er, wulff, frag­te den jä­ger war­um er denn das schwein ge­gen den strich, ge­gen die bors­ten hin­ter sich her­zö­ge? das sei doch viel an­stren­gen­der als es an­ders­her­um zu zie­hen. als er, wulff, den jä­ger kurz dar­auf wie­der­traf frag­te er, wulff, ihn, wie es denn jetzt gin­ge, das schwei­ne­zie­hen. der jä­ger sag­te es gehe jetzt viel bes­ser, nur fän­de er es doof, dass er jetzt von sei­nem auto weg­lau­fen wür­de. rie­sen brül­ler, der saal koch­te. apro­pos ko­chen. ro­land koch war mei­ner mei­nung nach der bes­te ein­peit­scher. schon sein be­grüs­sungs­ap­plaus war der lau­tes­te und hef­tigs­te (nach hel­mut kohl), ob­wohl er mei­ner fes­ten über­zeu­gung nach von der ze­re­mo­nien­meis­te­rin anet­te scha­van mit der „häss­li­che mi­nis­ter­prä­si­dent“ vor­ge­stellt wur­de.

ro­land koch war er­staun­lich prag­ma­tisch und liess sich so­gar dar­auf ein kon­kre­te for­de­run­gen an eine künf­ti­ge bun­des­re­gie­rung zu stel­len, so müss­ten ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren be­schleu­nigt wer­den und dem eu­ro­päi­schem stan­dard an­ge­passt wer­den. selbst mit staub­tro­cke­nen the­men peitscht die­ser mann die men­ge auf. da­nach griff er zwar noch­mal in die ganz alte, stau­bi­ge mot­ten­kis­te und bash­te hol­ger bör­ner („ein mi­nis­ter­prä­si­dent wie ein dach­lat­te“) da­für, dass er vor 250 jah­ren mal ge­sagt habe nicht mit den grü­nen zu ko­alie­ren und das dann kurz dar­auf doch ge­macht habe. das par­tei­volk liebt ro­land „schlab­ber­lip­pe“ koch. ich wür­de jetzt ger­ne ei­nen ab­satz lang spe­ku­lie­ren und fa­bu­lie­ren, kann man also über­sprin­gen, den nächs­ten ab­satz.

koch ist ziem­lich klug. wenn ich für die ful­da­er zei­tung schrei­ben wür­de, hät­te ich so­gar ge­sagt, er ist ein „schlitz­ohr“. er kann sei­nen ehr­geiz und macht­wil­len aber viel bes­ser ver­ber­gen als der un­ge­schick­te, ner­vö­se und fah­ri­ge ed­mund stoi­ber, bei dem man im­mer das ge­fühl hat er plat­ze gleich vor ehr­geiz. koch platzt auch vor ehr­geiz, aber er zeigt es kei­nem. er ist po­li­tisch und mit dem was er so von sich gibt auch we­ni­ger un­ge­schickt als stoi­ber. sein po­li­ti­sches meis­ter­stück be­steht im üb­ri­gen dar­aus, dass er eine be­zugs­quel­le für tef­lon­haut ge­fun­den hat, er be­nutzt sie seit­dem ähn­lich ge­schickt wie bill clin­ton. vor­wür­fe und skan­da­le per­len an ihm ab als sei er stän­dig in la­tex ge­klei­det. sein gröss­ter vor­teil ge­gen­über stoi­ber (und mer­kel) ist, dass er die spra­che der ba­sis spricht. nicht nur der ba­sis, er schafft es auch, ähn­lich wie schrö­der, stim­mun­gen in letz­ter mi­nu­te zu sei­nen guns­ten zu mo­bi­li­sie­ren. und da­für braucht er noch nicht­mal eine flut, ihm reicht es ein paar un­ter­schrif­ten­lis­ten aus­zu­tei­len und auf der ge­ne­rier­ten wel­le von em­pö­rung und emo­tio­na­li­sie­rung zu rei­ten. soll­te es mer­kel nicht schaf­fen die bun­des­tags­wahl zu ge­win­nen, der nächs­te kan­di­dat der uni­on wird ro­land koch sein. soll­te an­ge­la mer­kel ge­win­nen wird er ihr schlimms­ter alp­traum.

ro­land koch scheint üb­ri­gens eine weib­li­che per­so­nen­schüt­ze­rin zu ha­ben. sie stand bei ei­nem in­ter­view im flur der west­fa­len­hal­le hin­ter ihm, knopf im ohr, klein, zier­lich, na­del­strei­fen­an­zug, blon­der pfer­de­schwanz, knopf im ohr. es gab üb­ri­gens meh­re­re weib­li­che per­so­nen­schüt­ze­rin­nen. ei­gen­ar­ti­ge at­trak­ti­on die die­se ver­steck­te, po­ten­zi­el­le weib­li­che bru­ta­li­tät auf ver­wirr­te wie mich aus­üben.

zu­rück zum the­ma. die mi­nis­ter­prä­si­den­ten. alle durf­ten re­den. auch die die es nicht kön­nen, gün­ther h. oet­tin­ger zum bei­spiel, der typ der mich an ei­nen von den bei­den mtv-stars von da­mals, bea­vis und but­thead, er­in­nert. oet­tin­ger re­det nicht, er bellt. das ist im­mer noch ele­gan­ter als der re­de­stil von sei­nem ba­den-würt­tem­ber­gi­schen lands­mann vol­ker kau­der, der nach je­dem wort ei­nen punkt setzt und ver­sucht jede mo­du­la­ti­on der stim­me zu ver­mei­den. oet­tin­ger bellt also sei­ne rede. ich fra­ge mich was es mit dem schwar­zen stoff­pan­ther auf sich hat, den er mit auf die büh­ne ge­bracht hat. er spannt das pu­bli­kum und mich bis zum ende auf die fol­ter. als er auf­hört zu bel­len, über­reicht er den pan­ther tat­säch­lich an­ge­la mer­kel, weil kein tier so „gut und ziel­ge­nau“ sprin­ge wie ein pan­ther. aha. bea­vis hät­te noch ein „hähä“ dran­ge­hängt. oet­tin­ger geht still von der büh­ne.

beim mi­nis­ter­prä­si­den­ten mül­ler stau­ne ich ein we­nig. er fängt an eine art schwanz­ver­gleich un­ter den mi­nis­ter­prä­si­den­ten zu in­i­tie­ren: er be­haup­tet, als er im saar­land die amt­ge­schäf­te von der spd über­nahm, sei das saar­land das land mit der bun­des­weit elft-höchs­ten ar­beits­lo­sen­quo­te ge­we­sen. jetzt sei man be­reits auf platz fünf und wol­le schau­en wer bay­ern zu­erst über­ho­le, das saar­land oder sach­sen. auch herr mil­brandt, der mi­nis­ter­prä­si­dent von sach­sen, hat ein fai­ble fürs schwanz­ver­glei­chen. gleich am an­fang sei­ner un­glaub­lich lang­wei­li­gen rede ver­kün­de­te er stolz: sach­sen ist num­mer zwei bei pisa! ei­nen ext­gem lau­ten und be­geis­ter­ten ju­bel­sturm konn­te mül­ler üb­ri­gens noch mit ei­nem ex­trem schlech­ten witz aus­lö­sen. os­kar la­fon­taine ge­rie­re sich ja in letz­ter zeit als wil­li brands en­kel. das habe er über­prü­fen las­sen und kön­ne ver­si­chern, dass das auf gar kei­nen falll stim­me. nicht mit ab­so­lu­ter si­cher­heit aus­schlies­sen kön­ne er al­ler­dings, dass os­kar la­fon­taine der sohn von erich hon­ecker sei. bei sol­chen wit­zen beb­te die gan­ze hal­le.

als gros­sen kämp­fer ver­such­te sich jür­gen rütt­gers dar­zu­stel­len. er hat ganz of­fen­sicht­lich ei­nen gu­ten re­den­schrei­ber, die rede lief wie heis­se but­ter durch sämt­li­che kon­ser­va­ti­ven kli­schees, liess über­all ein biss­chen fett hän­gen. lei­der be­merk­ten aber auch die cdu-an­hän­ger, dass rütt­gers ei­nen leich­ten sprach­feh­ler hat und äff­ten ihn stän­dig nach. wäh­rend der rede zi­schel­te und ki­cher­te es von den rän­gen — wenn nicht fre­ne­tisch ge­brüllt wur­de. rütt­gers pin­sel­te den de­le­gier­ten und cdu-fans ihre bäu­che und brüll­te ih­nen gut ver­ständ­li­che po­pu­lis­ti­sche pla­ti­tü­den ent­ge­gen: ehr­lich­keit und an­stand, leis­tung müs­se sich „wie­der“ loh­nen, ehr­lich­keit und an­stand, ehr­lich­keit und an­stand, aus­ser­dem sei­en pünkt­lich­keit, fleiss und di­zi­plin kei­ne se­kun­där­tu­gen­den, son­dern „not­wen­dig“. dass er da­nach nach links­par­tei.pds-mus­ter so­zi­al­neid schür­te und den rent­nern für ihre stim­men in den end­darm sprang fand ich ein biss­chen ek­lig; zum ar­beits­lo­sen­geld zwei sag­te er, dass es nicht sein kön­ne das der­je­ni­ge der 30 jah­re „ein­ge­zahlt“ habe bei alg2 das glei­che raus­be­kom­me wie „ei­ner der noch nie eine schip­pe in der hand ge­habt habe“.

weil ich rütt­gers rede so aso­zi­al fand, bin ich jetzt auch mal ganz un­kor­rekt. im ta­ges­spie­gel las ich heu­te, dass es ein un­ge­schrie­be­nes ge­setz ist, kei­ne wit­ze über na­men von po­li­ti­kern zu ma­chen. schon gar kei­ne schlech­ten. fi­scher habe das ge­bot ge­bro­chen und ge­sagt: „auf die­sem kirch­hof liegt der so­zi­al­staat be­gra­ben.“ ich hin­ge­gen wer­de jetzt das ge­bot bre­chen, sich nicht über be­hin­de­run­gen lus­tig zu ma­chen, aber ich habe jür­gen rütt­gers heu­te die­sen satz sa­gen hö­ren: „bei der cdu kön­nen die men­schen si­cher sein, dass das was man ih­nen schuh ge­sagt hat auch um­ge­setzt wird.“

den ham­mer­gag brach­te jür­gen rütt­gers re­den­schrei­ber am ende, of­fen­sicht­lich wur­de die rede ge­schrie­ben, be­vor das rah­men­pro­gramm für die bun­des­par­tei­tags­show (mit tän­zern, tra­pez­künst­ler, gauk­lern, viel und we­nig licht, la­ser­show, ei­ner co­ver­band mit queen-lie­dern, ei­nem lied der rol­ling stones und ei­nem „lied der deut­schen“) fest­stand. denn rütt­gers las vor, was sich in deutsch­land un­ter der cdu än­dern wer­de: „[…] er­wirt­schaf­ten statt aus­zah­len […], sub­stanz statt show.“

kei­ne show mehr, doo! 


be­richt von der cdu-par­tei­tags­show

felix schwenzel , teil der sammlung: #wahl05

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es fing schon am haupt­bahn­hof an. vor­wie­gen­de klei­dungs­art war hemd, ja­cket und jeans. die jun­ge uni­on präg­te die stras­sen­bahn zur west­fa­len­hal­le mit ih­rer auf­fas­sung von „le­ger“. den cdu-par­tei­tag in dort­mund ge­noss ich off­line, schrob die bei­trä­ge im wahl­blogg nach der ver­an­stal­tung in ei­nem wlan-fä­hi­gen ho­tel und im zug. des­halb ist das zeug heu­te im wahl­blogg nicht be­son­ders live. auch nicht live on tape. ein­fach nur nach­träg­lich.

off­line sucks. wer lie­ber un­kri­ti­sche lo­bes­hym­nen vom cdu-par­tei­tag le­sen möch­te, hat üb­ri­gens hier die mög­lich­keit dazu:

frach mich wie der kol­le­ge dort ins netz ge­kom­men ist. seil­schaftsw­lan?


 

nach­trag 05.08.2026 aus mei­ner fo­to­me­dia­thek:


vom cdu-par­tei­tag: pre-show (teil 2)

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

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(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

die cdu war bei der ak­kre­di­tie­rung auch re­la­tiv un­bü­ro­kra­tisch. ein herr hen­ne­wig muss­te das mit dem blog­ger auf dem par­tei­tag zwar erst mit der „pres­se­stel­le“ be­spre­chen, aber die ak­kre­di­tie­rung sei kein pro­blem. ich sol­le mich ein­fach bei der frau schell am ak­kre­di­tie­rungs­coun­ter mel­den und auf herrn hen­ning ver­wei­sen. be­vor ich den satz am ak­kre­di­tie­rungs­schal­ter vor­ge­tra­gen hat­te, drück­te frau schell mir den pres­se­aus­weis mit dem ne­cki­schem, oran­ge­nem cdu-band in die hand und das wars. kei­ne aus­weis­kon­trol­le, nix. durch die schleu­se gings auch fix, da ich noch kein künst­li­ches hüft­ge­lenk habe.

das „pres­se­zen­trum“ hat­te voll­aus­tat­tung, buf­fet mit käse- und wurst­bröt­chen, erb­sen­sup­pe, kaf­fee und — selbst­ver­ständ­lich — frei­bier, wahr­schein­lich um den mis­lau­ni­gen jour­na­lis­ten das schrei­ben zu er­leich­tern. oder den mis­lau­ni­gen blog­gern die hier ohne wlan fest­sas­sen. punkt 16 uhr habe ich mal eins pro­biert, lei­der war das brink­hoffs num­mer eins schal wie ed­mund stoi­bers lä­cheln. we­nigs­ten war es auch so kalt wie sein lä­cheln. aber auch so un­ge­niess­bar.

das vor­pro­gramm wur­de von ei­ner trup­pe des eu­ro­pa park rust be­strit­ten. pa­the­ti­sche, bun­te scheis­se. die show wur­de kurz un­ter­bro­chen als hel­mut kohl den saal be­trat. er wur­de ju­belnd emp­fan­gen. man rief, nein man schrie über­all sei­nen na­men (hel­mut), im­mer wie­der. wohl ein aus­druck von freu­de, dass sich auch mal ein gros­ser staats­mann auf ei­nem par­tei­tag bli­cken lässt. „hel­mut, hel­mut, hel­mut, …“ mi­nu­ten­lang. ich habs mal auf­ge­nom­men (hel­mut.amr). er­schüt­tern­des ton­do­ku­ment kind­li­cher freu­de.

von der an­schlies­sen­den la­ser­show habe ich ein über­zeu­gen­des bild an­ge­fer­tigt. wei­te­re bil­der be­fin­den sich in ei­nem ei­ge­nen cdu-set.

im zug schrei­be ich wei­ter, im lau­fe des abends kommt also noch der eine oder an­de­re bei­trag. live blog­gen macht mehr spass als re­tro blog­gen. mal schaun wie die tech­nik­feind­li­chen spd­ler das hin­be­kom­men. ver­spro­chen ha­ben sie vol­len und kos­ten­lo­sen wlan zu­gang. was sie da­von ha­ben sind mitt­ler­wei­le vier blog­ger die sich an­ge­mel­det habe von dort zu blog­gen. ne­ben nico lum­ma, john­ny haeus­ler und mir, wird wohl auch don dah­l­mann an­we­send sein.