edmund stoiber sagte eben in der westfalenhalle: „rot-grün ist technikfeindlich“. er meinte das natürlich, weil die gegen den transrapid, gegen atomkraft und „grüne“-gentechnik seien. die cdu hingegen ist ganz und gar nicht technikfeindlich, einfach nur technikinkompetent. da veranstaltet die cdu einen parteitag mit viel brimborium und trallala und nirgendwo wlan. ein hotel nebenan hätte eventuell wlan, sagten die damen an der information, aber das täte es wohl nicht.
so ist das nichts geworden mit dem „live-bloggen“ vom cdu parteitag. ich sitze jetzt noch zwei stündchen im nh hotel und blogge mal soweit ich komme, bevor ich zurück nach berlin fahre.
cdu: die partei ohne wlan, csu: die partei mit laptops, ohne internet.
was in so einer katze drin ist interessiert natürlich keinen. wohl aber offensichtlich die katze an sich als „content“. die papiernen medien und wir arrogant-blogger halten katzen-bilder ja für ein verachtenswertes phänomen des blogdings. stimmt aber gar nicht. zur zeit ist ganz berlin voll mit rosa und lila katzen(futter) werbung und wenn man genau hinguckt sind auch die proleten-magazine.
als ich kürzlich bei der sushi-happy-hour beim japaner an der ecke adalbert-/oraniienstrasse sass (sehr zu empfehlen übrigens, auch wenn die kein katzenfleisch zubereiten) und meinen 4 euro sushi teller im mich reindrückte, blätteret ich in den anerkannten proleten-fachmagazinen „bz“ und „freizeit revue“: alles voll mit katzen und anderen haustieren. wer ist bloss daruf gekommen das als blogphänomen zu bezeichnen?
dielinkspartei erweitert nun auch die deutsche sprache. bisher gab es nur tiefe, hohe, laute oder belegte stimmen, ab jetzt auch gibt es auch beratende stimmen:
nach der rede von gysi habe ich ein bisschen ohrenschmerzen bekommen. das war sehr laut und sehr lange laut. glücklicherweise war der applaus recht entspannend, angenehm leise (weil unverstärkt) und kurz.
nach der rede inszenierten gysi und lafontaine noch ein bisschen verbrüderung auf dem podium, schüttelten sich die hände und wurden hundertfach dabei fotografiert. danach begann der teil auf den die linkspartei besonders stolz ist, nämlich dass ihr „entwurf“ des wahlprogramms vom parteitag per abstimmung gebilligt würde und erst dann zum endgültigen „wahlprogramm“ werde. damit demonstriere die linkspartei ihre abgrundtiefe verehrung von demokratie. allerdings verliessen zu diesem zweck fast alle führungspersonen das podium und überliessen den demokratischen prozess dem fussvolk. während der folgenden abstimmungen ist der einzige mir erkennbare pds- oder wasg-spitzenpolitiker auf dem podium, der pds-parteivorsitzende lothar bisky. allerdings kämpft gysi auch gerade an der mediefront, er ist bei phoenix im interview. danach gibt er noch ein radio-interview.
ich muss zwischenzeitlich eingeschlafen sein. lafontaine sitzt plötzlich wieder auf dem podium. er shakert mit ulrich maurer, während lothar bisky heftig mit der blondinen mit der wallenden mähne shakert. besonders alt ist die dame nicht, was selbstverständlich nichts zur sache tut, aber weiss jemand wie dei dame heisst und wie sie es in die erste reihe geschafft hat?
wo war ich?
gysi, viele worte, reden, reden, reden, abstimmungen, blondinen. mir wird langsam warm. und langweilig. den einzelnen änderungs-anträgen kann und mag ich nicht folgen. vielleicht sollte ich ein kurzes fazit ziehen?
so ein parteitag ist nicht besonders lustig. die paar witze die man hört sind grottenschlecht und auf eine sehr spezielle zielgruppe ausgerichtet. alle beteiligten, inklusive der anwesenden presse und blogger (ix), scheinen sich sehr ernst zu nehmen. es wird wahnsinnig viel geredet, zum teil auf einem niveau wie ich zuletzt im schülertheater erlebt habe. manche delegierte reden wie kleine kinder die ein gedicht aufsagen, manche schreien als ob es um leben und tod ginge. die farbe rot ist überall, in der saal-beleuchtung, auf oberkörper-bekleidung, socken, schlipsen und sehr oft, manchmal nur in spuren, in den haaren von delegierten.
sehr gerne wurde das wort „neoliberalismus“ benutzt, neu war mir das von gregor gysi benutzte wort „reregulierung“. es gibt nicht nur „genossen und genossinen“ (muss man ganz schnell sprechen, das hört sich dann an wie „gnossndgnissn“), sondern auch „zähler und zählerinnen“, „kaffeetrinker und kaffeetrinkerinnen“ usw. politisch voll korrekt.
ausserdem habe ich noch eine frage. nervt das, wenn ich alle paar stunden einen neuen beitrag schreibe und sollte ich überlegen einen parteitag in einem beitrag zusammenzufassen, also den beitrag ständig unten ergänzen?
ausserdem freue ich mich darauf am mittwoch zusammen mit nico und johnny vom spd-parteitag zu bloggen. morgen gehts erstmal weiter aus dortmund, dort redet mich dann die CDU müde.
mich drängt es jetzt dazu nach hause zu gehen. irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass hier nochetwas spannendes passiert. wenn doch, bitte in die kommentare damit. danke.
leute, ich brauche dringend einen parteitagsblogger-sponsor. von einem parteitag zu bloggen ist fast so teuer wie den ganzen tag in einem luxusrestaurant zu sitzen. fürs wlan hab ich nun schon 15 euro bezahlt, dass mittagessen 5 euro (würstchen aus wien, kartoffelwinkel) und das bier in neukölln ist teuerer als in mitte, 2 euro achtig für ein kleines berliner kindl.
momentan redet gregor gysi. brutto und netto bringt ihn zwar auch ein paarmal ins stottern, aber er macht das parteitagsvolk munter. der saal grölt. kann auch sein dass er ausgelacht wird. ich weiss es nicht. der im entwurf des wahlprogramms beschlossene mindestlohn von tausend euro scheint es ihm aber angetan zu haben. findet er „richtig und wichtig“.
jetzt spricht auch er (nach bodo ramelow) von „dem foto“. er freut sich: „wenigstens sehen wir nicht frustriert aus“. bodo ramelow meinte zu dem foto, dass es zeige man könne auch mit einem schalk im nacken das land verändern. meine theorie ist ja, dass lafontaine gysie in die eier kneift und gysi ihn darum bittet sie wieder loszulassen.
gysi glänzt sitzend auf der bühne. also er sitzt glänzend auf der bühne, bzw. seine glatze glänzt. bei lafontaine glänzt nicht die glatze, die ist ja verdeckt, sondern die ganze person. ja, sobald er sich durch den saal bewegt, was er in der letzten halben stunde ca. 5mal gemacht hat, blitzt es und murmelt. sobald er durch den saal stolziert folgt ihm eine meute von 40 journalisten und ca. 5 personenschützern, er wird von mehreren videokameras bestens ausgeleuchetet. ständig wird er interviewt, als ob die ganzen fersehsender nur für ihn gekommen wären.
gysi bleibt sitzen. ständig, immer in der ersten reihe. mal schauen ob er sich nach seiner rede interviewen lässt.
ich werde jetzt mal, wie die meisten delegierten, ein bierchen trinken. die genossen (und genossinen) haben zwar einen unaufholsamen vorsprung (die saufen seit 9 uhr), aber wenn ich ulrich maurer weiter zuhöre schlafe ich sofort ein. der letzte satz von ihm, unglaublich langsam und monoton gesprochen: „wir haben leidenschaft […] und das ist wichtig.“
[was ham die politiker bloss immer mit ihren haaren?]
lafontaine hat sich ans rednerpult gestellt. mit ihm eine meute von ca. 60 presseleuten, die ihn angucken, filmen und fotografieren.
lafontaines anzug sitzt hauteng. ich vermute er hat einen alten, bereits etwas abgetragenen anzug aus dem kleiderschrank gekramt. aber der knallenge sitz hat den vorteil, dass er lafontaines beim reden das baucheinziehen leichter macht. das faszinierende an lafontaines rede, alle paar sätze taucht das wort „ich“ auf. da scheint sich eine neue spielart im linken spektrum abzuzeichnen: sozialichmus.
eben fiel mir auf, dass lafontaine nicht nur seine vergangenheit in der bundesregierung und seinen bauch zu kaschieren versucht, nein er versucht auch eine riesige glatze auf seinem haupt zu kaschieren. im fernsehen fällt einem das gar nicht auf, da sieht man nur eine komische frisur. in echt offenbart sich das ganze haarige elend, vielleicht ist es ja auch programmatisch gemeint: ich habe zwar nichts auf dem kopf, aber wenn ich woanders meine haare wachsen lasse, kann ich das verdecken. politisch ist die glatze der bundeshaushalt und sein defizit, die seitenhaare massive steuererhöhungen die dann das haushaltsdefizit mit einem kammstrich kaschieren.
interessant ist auch, wie beweglich lafontaine ist. er beugt sich vor, stützt sich mit dem linken ellenbogen ab, fuchtelt mit den armen und dem zeigefinger und er wackelt ständig mit dem kopf, manchmal nickt er sich selbst zu. die rechte hand wandert manchmal in die hosentasche.
fremdarbeiter hat er bis jetzt nicht gesagt. noch nichteinmal in anführungszeichen. ach. jetzt doch. er moniert, dass alle das wort benutzen dürfen (faz, spiegel, usw), nur er selbst nicht. wie gemein.
besonders gut gefällt allen anwesenden lafontaines schlusswort: „meine zeit ist zuende, dehalb, meine freunde, noch ein paar worte zum schluss.“ (wahrscheinlich falsch zitiert, trotzdem schön, diese selbstbewusste, selbstkritische haltung)
jetzt ist mittagspause. sehr witzig fand ich die ankündigung ebendieser: „wir nähren uns in zwei minuten der mittagspause.“ wow. hier herrscht noch ordnung. und ich kann jetzt endlich mal in ruhe, ohne ständiges gequatsche schreiben.
ich habe in der zeit in der ich hier rumsass, mehrfach oskar lafontaine beobachtet. ein hobby von vielen anwesenden journalisten, die ihn auch in rudeln aufsuchten um ihn zu filmen oder fotografieren. kein wunder, denn herr lafontaine sticht aus der menge auf der bühne heraus (jetzt kommt mein lieblingssatz):
oskar lafontaine ist sehr braun. tiefbraun. wie jeder weiss, war er in mallorca. der aufenthalt dort hat sich definitiv gelohnt, einerseits weil er jetzt hier auf dem parteitag so toll auffällt und andererseits, weil jetzt die presse soviel über ihn schreibt. bodo ramelow findet es übrigens ok, dass oskar lafontaine „vermögen“ habe. ja, er solle sein „vermögen“ auch geniessen, keiner könne etwas dagegen haben — solange er dafür vermögenssteuer zahle. auch engels hätte vermögen gehabt, auch marx habe vergnügen gekannt. beeindruckende rhetorik, mit der ein für allemal die luxusallüren von oskar „toskana“ lafontaine vom tisch gewischt sind. generalabsolution vom parteistrategen für lafontaine.
leider habe ich vergessen wer es gesagt hat, aber ein redner beklagte bitterlich, dass es für arme in deutschland keinen datenschutz gäbe. arbeitslose müssten auf ihren anträgen für ALG2 teilweise äusserst private und intime angaben machen. ein millionär müsste das nicht machen, das sei zutiefst ungerecht. überhaupt, ganz deutschland sei zutiefst ungerecht. bei dieser rhetorik bin ich mir immer nicht ganz sicher was eigentlich gemeint ist. die anprangerung der verhältnisse um zustimmung und stimmen zu erheischen, eine polarisierung zwischen arm und reich? was wird eigemntlich gefordert? die abschaffung der harz IV fragebögen oder die ausweitung der fragenkataloge auch auf millionäre.
na gut, ich bin ungerecht. die anwort ist klar. alles abschaffen, arbeitslosengeld zwei, harz vier, schröder und „seine“ arbeitslosigkeit. gerechtigkeit für alle, vermögenssteuer für millionäre. fertig. die forderungen der deligierten zergehen einem alle wie sahne auf der zunge, aber beim runterschlucken merkt man, dass sie nicht durch die speiseröhre passen. quasi.
ich wollte es nur mal ausprobieren und es funktioniert: man dreht komplett durch wenn man auf der pressebühne sitzt, einer mittels mikro und verstärker sehr laut sprechenden rednerin zuhört und sich gleichzeitig den phoenixlive-stream vom linksparteitag anguckt und anhört. kaum auszuhalten das. bringt ja auch nix.
der stream hat übrigens ca. 20 sekunden lag, also zeitverzögerung.
ich weiss ja nicht viel über parteitage. im fernsehen gibt es immer sondersendungen von parteitagen, meist ganz spät abends. der parteitag selbst dient im fernsehen eigentlich vor allem als hintergrund um einen a-blogger partei-leithammel zu interviewen und ein bisschen rumzumoderieren.
der eigentliche sinn von parteitagen — soweit ich das nach 2 stunden beurteilen kann — scheint aber die produktion von worten zu sein. es werden sehr, sehr viele worte in reden gesprochen, diese worte werden bei manchen rednern auch auf papier gedruckt verteilt, zum nachlesen, wenn man zum beispiel aus den reden einen neuen text machen möchte, für eine zeitung oder ein weblog.
der wahlkampfmanager der linkspartei, ein heiserer herr ramelow hat meine vermutung übrigens eben in seiner ansprache bestätigt; er bat (wortreich) darum nicht zu viel zu reden (oder zu diskutieren), damit man „zügig“ zu ergebnissen komme. denn diese ergebnisse sollen „sofort“ nach dem parteitag in 100 000den exemplaren gedruckt werden. der parteitag ist also dazu da am ende eine art wortsammlung (wahlprogramm) zu drucken.
ein weiterer sinn von parteitagen ist möglichst viel aufmerksamkeit zu erregen. denn aufmerksamkeit hat weitere worte zur folge. einer rednerin ist bereits aufgefallen, dass das bereits im vorfeld geklappt hat. soviel presse, soviele kameras, das hätte man noch nie gehabt.
unbürokratisch sind sie ja, die linken. bloggertypisch, ohne anmeldung, ohne ahnung, betrat ich um 10 uhr das estrell in berlin-neukölln um mir dort den linkspartei.tag anzuschauen. die akreditierung bestand aus der angabe meiner „redaktion“, meines namens und meiner unterschrift. drin. keine sicherheitsschleuse, keine weiteren kontrollen, dafür war das frühstücksbuffet kostenpflichtig.
die tischchen für die presse sind entweder schon besetzt oder mit jäckchen, täschchen oder handtüchern als besetzt markiert. also setzte ich mich (hinten), rechts aussen auf ein besucherstühlchen.
auf der bühne ein bizarrer setup, links das rednerpult rechts drei reihen hinter denen die wichtigeren delegierten wie ratekandidaten in einer fersehshow präsentiert werden. sehr fernsehgereccht.
im moment redet hans modrow. anfangs machte er sogar zwei kleine, frenetisch aufgenommene witzchen; irgendwas mit einem bayerischen erholungskloster, in dem stoiber irgendetwas beichten solle. jetzt zerredet er sich die letzten verbliebenen stimmbänder. was ihm an festigkeit der stimme fehlt, macht er mit dem blick gut. jetzt hat er den parteitag eröffnet.
uhh, soeben erfahre ich, dass der parteitag bis 18 uhr gehen soll und jetzt wegen eines antrags nochmal um eine halbe stunde verlängert wird.
und jetzt besorge ich mir erstmal ein wlan-passwort.
ich sitze gerade im estrel in berlin-neukölln. nein, noch nicht an der hotelbar, sondern beim parteitag der linkspartei.pds. solange mein akkusaft reicht und mein wlan account, blogge ix im wahlblog.de was es dort so zu sehen gibt.
[nachtrag] es sind 9 beiträge geworden und ich frage mich ob ich das morgen aus dortmund, von der cdu auch so machen soll, oder alles in einen beitrag reinschreiben soll. die bilder habe ich geflickert und in dieses set gelegt.
morgen, wie gesagt, fahre ich nach dortmund und blogge von dort fürs wahlblog.de. heir nochmal dei beiträge von heute:
Ich wollt noch Tschüss sagen. War schön hier. Danke Herr ix für die Gastfreundlichkeit! Ich schätze, Sie und Ihre Leser werden die Herzchen vermissen... Ich gehe jetzt wieder auf die rosa Seite. Wer gerne las, was ich schrieb, der verlinke mich, auf dass ich so bekannt werde wie Herr ix, ins Fernsehen komme, Bücher veröffentliche und reich werde.
so, jetzt schreib ix hier wieder. demnächst. der frau nuf lass ich den zugang, vielleicht schreibt sie ja nochmal nen gasteintrag, falls sich jemand über ein katzenbild oder einen witzigen eintrag wundern sollte mal nen blick in die autoren-zeile werfen. ansonsten sind sämtliche beiträge von frau nuf in dieser kategorie zu finden.
Mail Person 2: Was ist daran neu? Wir Italiener haben alles erfunden. Das Auto, die Dampfmaschine, die Sprache überhaupt, das Feuer... die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Sogar die ersten Menschen im Weltall waren eigentlich Italiener! Man hat ihnen, damit sie nach der Mondbegehung ein paparazzifreies Leben führen können, andere Namen gegeben. Um genau zu sein, es waren keine Italiener, nein Sizilianer. Es wird Dich erstaunen, aber Jesus war ebenfalls Sizilianer, sowie alle Apostel Fischer und somit Sizilianer waren. Da die Sizilianer nichts mit den Stiefelitalienern zu tun haben wollten, haben sie schon sehr früh den Bagger erfunden, um die damals sizilianische Halbinsel vom Festland zu trennen. Glücklicherweise sind die Norditaliener nicht so klug wie die Süditaliener und es ist ihnen deswegen bis heute nicht gelungen eine Brücke nach Sizilien zu bauen.
Der erste Hubschrauber wurde von da Vinci, der selbstverständlich auch Sizilianer war, entwickelt. Du musst wissen, da Vinci war schwul, was Sizilianer nicht so gerne mögen. Da Vinci wurde folglich des Landes verwiesen (Um ihn unauffälig aus Sizilien zu entfernen, wurde die U-bahn erdacht). Darüber hinaus haben die Sizilianer erfunden : Wasser, Erde, Luft, Nudeln, Seefahrt, Sandbänke.
Mail Person 1: Schatz, was hattest Du zu Mittag?
Wie im Artikel davor bereits erläutert, sucht die Modeindustrie verzweifelt nach Wegen uns Frauen trotz der jahreszeitunabhängigen Kälte deutlich als Weibchen erkennbar zu machen. (Achtung Einsatz Quellpolizei!) Die modebewusste Französin sagt über deutsche Frauen, man könne sie lediglich an der Schrimfarbe erkennen. Schwarz für die Männchen, bunt für die Weibchen - ansonsten keine optisch unterscheidbaren Details. Ein weiterer Ausrutscher in den Modeempfehlungen war letztes Jahr der Moonboot:
Jetzt ist es tatsächlich so, dass die Disziplin zu Röckchen und Pumps bei minus 20 Grad lediglich bis zum 20. Lebensjahr reicht. Irgendwann hat man es einfach satt permanent zu frieren und trägt sogar Wollunterwäsche. Allen Frauen geht das so. Allen? Nein, nicht allen. Nordwestlich von Deutschland gibt es diese kleine Insel und dort haben die Frauen etwas gefunden, was sie gegen Minusgrade immun macht. Jedes Mal, wenn ich dort bin, ziehe ich respektvoll innerlich den Hut vor den Damen, die trotz des Eisregens in Miniröcken auf Stilettos durch die Gegend staksen. Kenn jemand das Geheimnis? Ich habe mal gelesen, dass sog. Wolfskinder temperaturunempfindlich sind. Dadurch dass sie in der Wildnis oder im Keller eingesperrt aufwachsen, entwickeln sich ihre Wärme- und Kälterezeptoren nicht ordnungsgemäß. Ist das das Geheimnis? Müssen wir unsere Töchter, damit sie, wenn durch die Klimaverschiebung in Deutschland zunehmend das Kontinentalklima vorherrscht, noch verheiratet werden können, in der Tundra aussetzen, um sie 16 Jahre später wieder abzuholen? Oder gibt es Alternativen?
Der IKEA-Katalog. Auch dieses Jahr wieder eine Enttäuschung. Wenn ich nur daran denke, mit welchem Aufwand ich ihn mir "besorgt" habe! Ich lauerte traditionell tage- und nächtelang in unserem Treppenhaus, schupste eine Mitbewohnerin, die mir gleichtat, die Stufen herab, damit ich schneller am Postkasten bin und habe dem Postboten schon den ganzen Juli Bestechungsgelder zugesteckt und dann diese Enttäuschung! Es fehlt dem IKEA-Katalog jeder Esprit. Nicht ein Produkt, welches das kaufbereite Weibchen reizen würde. Nicht mal Bettwäsche. Nur dieser dreckshässliche Landhausstilscheiß. Wer will den so etwas? Und warum gibt es keine hellen Möbel mehr? Wer will Mahagoniimitat und Eiche rustikal? WEEEER??? Ich nehme an, die haben bei IKEA die Kompetenzdimension Kreativität und Risikobereitschaft komplett aus dem Anforderungsprofil der Designer gestrichen. Oder einer der Vorstandmitglieder hat seine straffbusige Affäre aus der Abteilung Design und neue Produkte zum Chefdesigner befördert obwohl die einen Bildungs- und Anreizhintergrund wie Victoria Hinterschinken hat. Ich spucke geistig aus vor so viel Einfallslosigkeit.
Ästhetikverstöße gibt es viele. Manche werden sogar Mode. So las ich gestern in einem Frauenmagazin, dass es diesen Herbst in ist, offene Sandalen mit Strümpfen zu tragen. Vermutlich ist dies ein Phänomen des verpatzten Sommers, in dem Frauen ihre hübschen Sandalen nicht zur Schau tragen konnten. Neben den vergänglichen Entgleisungen einer einzelnen Saison, gibt es dauerhafte Verstöße gegen jede Anschaulichkeit. Bei Männern fiel mir heute früh wieder das Kuriosum des Geldbeuteldellengesäßes unangenehm auf. Abgesehen von jedem Geschmacksempfinden empfiehlt es sich ohnehin nicht das Portemonnaie in der Gesäßtasche zu transportieren, da dies den gemeinen als solches Taschendieb geradezu einlädt. Ich will nicht leugnen, dass das Geldgeklautbekommen tatsächlich Privatsache ist. Das Scheiße-Aussehen hingegen nicht. Viele Männer haben Flachpopos und meinen deswegen an genau dieser Stelle Platz für Ledertäschchen zu haben. Doch ob Flachpopo oder nicht, das Einstecken des Geldbeutels in die hintere Hosentasche verursacht ein optisches Ungleichgewicht, welches ich nicht sehen möchte. Es macht mich nervös. In mir regt sich ein Impuls, ganz ähnlich dem, der mich überkommt, wenn ich Blisterfolien* sehe. Die will ich zerdrücken. Plop! Plop! So möchte ich das mit den geldbeutelgefüllten Hosentaschen auch machen. Durch die U-Bahnstation laufen und Männern auf die Hinterteile hauen und dabei den Kopf hin und herwerfen und dabei rufen: „Nein! Nein! Nein!“. Wenn die Beule nicht platzt, so hämmere ich immer heftiger auf den Po ein und werfe mich zu guter letzt zuckend auf den Boden. Weil das natürlich nicht geht, habe ich stets ein Bilderbuch dabei, das ich aufschlage und hineinstarre, wenn ich wieder einen dieser Frevler sehe und dabei mantraartig murmele: Nicht hinschauen, nicht hinschauen, nichthinschauen, nichhinschauen [...] .
*Blisterfolie ist das falsche Wort für das was ich meine, was aber schnöde „Luftpolsterfolie“ genannt wird.
Ich erzähle nun die erfundene Geschichte einer jungen Frau, nennen wir sie Sabine S., die in einem Büro arbeitet, in dem alle anderen Frauen (nicht namentlich genannt) weit über 50 sind. Sabine S. hat einen eigenen Haushalt. Da sie eine Putzfrau beschäftigt, ist dieser meistens in einem hygienischen Zustand. Dennoch sieht ihre Wohnung nie dauerhaft aus, als sei sie fotografierbereit für "schöner wohnen". Kleidung liegt herum, es wird nicht täglich gespült und manchmal türmt sich im Flur das Altpapier. Sabine S. wundert sich, wie Frauen der Generation ihrer Mutter es schaffen, ihre Wohnungen immer in topform zu halten. Wenn sie sich an die Wohnung der eigenen Mutter erinnert, kommt ihr nie ein Bild von Unaufgeräumtheit in den Sinn. Menschen, wie Sabine S. Bürokolleginnen ticken ähnlich. Sie bügeln sogar Handtücher, Socken und Unterwäsche. Sabine S. hat aus diesem sozialen Druck heraus auch schon mal versucht ihre Tangas zu bügeln. Die Tangas sahen danach aus wie davor, nur die Hände von Sabine S., die waren an verschiedenen Stellen verbrannt. Sabine S. ist ein nachdenklicher Mensch und so fragt sie sich, wenn sie im Büro die sanitären Anlagen benutzt, wie es sein kann, dass sie dort immer wieder sogenannte "Bremsspuren" entdeckt. Sabine S. ist entsetzt. In der Abteilung gibt es keinen Kundenbesuch, SIE hinterlässt diese Spuren nicht. Wer dann? Die junge Frau hat die Hypothese das Frauen über 50, die 80% ihrer Freizeit mit waschen, kochen und bügeln verbringen, ihre Dusche nach jedem Gebrauch abledern, alle zwei Tage staubsaugen, Lichtschalter polieren und Steckdosen reinigen, während ihrer Arbeitszeit all ihren zwanghaften Sauberkeitswahn loslassen und einfach mal gediegen in die Porzellanschüsseln kacken - alles raus lassen sozusagen - sich dann nicht umdrehen und befriedigt an ihren Computer zurückkehren.
Angie, Angie Wann werden all diese Wolken verschwinden? Angie, Angie Wohin werden wir von hier aus geleitet werden? (Frage ich mich auch!)
Ohne Liebe in unseren Seelen und ohne Geld in unseren Mänteln Oh, du kannst nicht sagen, wir wären zufrieden... (Kannste auch nich, mit dem bösen Hartz IV und wo früher bei Helmut alles besser war!)
Angie, Angie Oh, du kannst nicht sagen, wir hätten es nie versucht Oh, Angie. Du bist wunderschön,ja... (Schönheit liegt ja im Auge des Betrachters)
aber ist es nicht Zeit, dass wir uns jetzt verabschieden? (Isses in jedem Fall, also schüss Angie)
All diese Träume, die wir so nahe bei uns hielten, scheinen sich in Rauch aufgelöst zu haben (Blühende Landschaften, keine Steuererhöhung für die Wiedervereinigung, etc. pp.)
[...] Oh Angie, weinst du? Deine Küsse schmecken immer noch süß... Ich hasse diese Trauer in deinen Augen... aber Angie, Angie ist es nicht Zeit, uns verabschieden?...Ja... (Doch, doooch! Tut weh, muss aber sein, echt ma)
[...] Es gibt keine Frau, die an dich heran kommt. (Gerhard würde sagen: und das ist auch gut so)
[...] Angie, Angie Wäre es nicht schön zu leben? Angie, Angie Sie können nicht behaupten, wir hätten es nicht versucht...
Den Marketingheini von Angela würde ich feuern. Aber hey, vielleicht hat sie einfach nur Humor?