SPD + CDU

felix schwenzel


„Ah okay“

felix schwenzel

ges­tern habe ich die fest­plat­te ei­nes al­ten 12-zoll ibook G4 aus­ge­tauscht. das dau­er­te etwa drei stun­den und führ­te nach dem an­schlies­sen­den zu­sam­men­bau zu ei­ner tie­fen be­frie­di­gung, als das ibook wie­der zu­sam­men­ge­baut war und kei­ne der vor­her ent­fern­ten 80 schrau­ben üb­rig war. noch bes­ser, das ibook funk­tio­nier­te da­nach ta­del­los.

vor ein paar ta­gen habe ich die fest­plat­te in mei­nem mac­book aus­ge­tauscht. da­für brauch­te ich nur un­ge­fähr 5 mi­nu­ten und drei schrau­ben zu lö­sen. der ein­kauf der plat­te hat län­ger ge­dau­ert, als der ein­bau.

das ibook steht seit ges­tern zum ver­kauf. gut — 350 euro ist ein op­ti­mis­ti­scher preis, aber da­mit habe ich dann doch nicht ge­rech­net:

heu­te mit­tag eine mail:

Be­treff: iBook 12“
Hal­lo wür­den sie auch tau­schen?

ich so, mit eben­so­we­nig gruss­for­mel­ge­döns:

ge­gen was denn?

die ant­wort:

Hal­lo ich hät­te ei­nen iMac G3 und ei­nen iPod 2G

ich war be­geis­tert:

ja, die wür­de ich even­tu­ell ge­gen ein oder zwei voll­korn­bro­te tau­schen.

er so:

Ah okay

next09, zwei­ter tag

felix schwenzel

kaf­fee
der kaf­fee war, wie am ers­ten tag, sehr gut, bis auf die tat­sa­che, dass das h der milch ge­schmack­lich ein biss­chen doll durch­kam. auch mit der ge­schwin­dig­keit war es am zwei­ten tag viel bes­ser ge­wor­den, auch weil die be­die­nun­gen ei­nen drauf hin­wie­sen, dass cap­puc­ci­ni schnel­ler ge­hen als milch­kaf­fees. in die cap­puc­ci­ni form­ten die be­die­nun­gen manch­mal mit dem schaum klei­ne herz­chen.

eng­lisch
fast alle hiel­ten ihre vor­trä­ge auf eng­lisch. das war auf der next viel bes­ser aus­zu­hal­ten als bei­spiels­wei­se auf der re­pu­bli­ca. war­um mich das eng­lisch auf der next über­haupt nicht stör­te, auf der re­pu­bli­ca aber schon, kann ich auch nicht er­klä­ren. was mir auf­fiel, war al­ler­dings, dass man­che spre­cher spra­chen als hät­ten sie vor­her he­li­um in­ha­liert oder als sei­en sie di­rekt aus der mup­pets show ent­sprun­gen.

wlan
in track 2 habe ich heu­te nach­mit­tag ein­mal kei­ne ip-adres­se zu­ge­wie­sen be­kom­men. sonst hat das wlan su­per funk­tio­niert, bis in alex­an­der svens­sons woh­nung. aus­ser­dem war mein han­dy der über­zeu­gung, dass ich kei­en SIM-kar­te ein­ge­legt hät­te. nach 20 boot­vor­gän­gen habe ich mal die SD-kar­te raus­ge­nom­men, ge­booto­tet und plötz­lich hat der ver­kack­te XDA doch die ein­ge­leg­te SIM er­kannt. da­für kann sin­nerschr­a­der na­tür­lich nix und in­ter­es­sie­ren muss das auch nie­man­den. aber wem soll ich das denn sonst er­zäh­len? und wo?

jour­na­lis­ten
ich hat­te den ein­druck, dass kaum von der next ge­bloggt wur­de. ich bin zu­min­dest öf­ter über klas­si­sche pres­se­ar­ti­kel ge­stol­pert, als über blog­ein­trä­ge. kann aber auch dar­an lie­gen, dass tech­no­ra­ti kom­plett im arsch ist, riv­va müde und ich blind. get­wit­tert wur­de so­viel, dass es mir aus den oh­ren wie­der raus­ge­kom­men ist.

wit­zig war es in der kaf­fee­pau­se ne­ben ei­nem hau­fen mee­dia-jour­na­lis­ten zu sit­zen. schwanz­ver­gleich, klick­zah­len-geil­heit und -an­ge­be­rei scheint bei den jour­na­lis­ten, im ver­gleich zu blog­gern, noch­mal um den fak­tor zwei­tau­send ver­stärkt zu sein.

scholz and fri­ends
nach­dem sich ges­tern, dank ei­ner al­ber­nen trenn­wand, kaum je­mand in die so­ge­nann­te „blog­ger-lounge“ ver­irrt hat, war sie heu­te, nach­dem die trenn­wand ent­fernt wur­de und die lounge of­fen war, voll. al­ler­dings nicht mit blog­gern. auch toll (das fiel ent­we­der herrn bosch oder ms­pro auf), dass scholz and fri­ends mit ih­rer twit­ter­wall noch nicht ein­mal das kern­fea­ture von twit­ter dar­stel­len konn­te: 140 zei­chen. die tweets auf der scholz and fri­ends twit­ter­wall wa­ren auf un­ge­fähr 112 zei­chen be­grenzt. das wirk­te ge­nau­so pro­fes­sio­nell wie die in die brei­te ver­zerr­te dar­stel­lung der twit­ter­wall auf ei­nem bild­schirm in der lounge. das ge­gen­teil von gut ist be­kann­ter­mas­sen gut ge­meint.

auch wenn mat­thi­as schmidt bei sei­nem vor­trag die wer­ber-ar­ro­ganz aus je­der sei­ner po­ren quoll, ge­fiel mir sei­ne ge­spiel­te de­mut. schmidt gab zu, dass die wer­be­bran­che und spe­zi­ell scholz and fri­ends, das in­ter­net kom­plett ver­pennt hat. sehr schön il­lus­trier­te er das mit ei­nem bild des mat­ter­horns: ganz oben in der hier­ar­chie die wer­ber, ge­ra­de mal über­ragt von pi­cas­so, mo­zart und gott, dar­un­ter die kun­den, dar­un­ter die kon­su­men­ten, ganz weit dar­un­ter das in­ter­net, noch wei­ter un­ten alle „die was mit dem in­ter­net zu tun ha­ben“ und ganz un­ten rechts die fo­to­gra­fen von stock-fo­tos.

man habe den schuss jetzt ge­hört (frü­her „zzzz“, jetzt „oo­ops“) und die po­ten­zia­le des in­ter­nets, des crowd-sourcing, des emp­feh­lungs­mar­ke­tings und des „user ge­ne­ra­ted ad­ver­ti­sin­gs“ er­kannt. und wer hat den wer­bern da­bei ge­hol­fen? schmidt mein­te: nico lum­ma und ba­rack oba­ma.

ab­ge­se­hen da­von fin­de ich es wirk­lich in­ter­es­sant wer­bern bei der selbst­dar­stel­lung zu­zu­se­hen.

es­sen
am ers­ten tag war das es­sen der ham­mer. wirk­lich gut. am zwei­ten tag qua­li­ta­tiv und quan­ti­ta­tiv ein rein­fall. zum früh­stück lau­ter aus­län­di­sche sa­chen: do­nuts, muf­fins, crois­sants. zum mit­tag­essen kan­ti­ni­ges pu­ten­brust ra­gout und ver­koch­tes ge­mü­se mit straf-reis. zur zwei­ten kaf­fee­pau­se wie­der aus­län­di­sches süs­ses, aber auch ganz le­cke­re­re, sal­zi­ge pas­tet­chen. ge­ris­sen hat es die ers­te kaf­fee­pau­se, die von ei­nem dä­nisch klin­gen­den her­stel­ler ge­süss­ter und aro­ma­ti­sier­ter pflanz­li­cher und tie­ri­scher fet­te ge­spons­ort wur­de.

die pa­nels
jan schmidt hielt ei­nen an­stän­di­gen und gar nicht mal un­in­ter­es­san­ten vor­trag über sei­ne jüngs­te stu­die über ju­gend­li­che und wie sie das netz be­nut­zen. am ende blieb für mich die er­kennt­nis, dass die har­ten da­ten, die man mit sol­chen um­fra­gen ge­winnt, zwar ganz in­ter­es­sant sein kön­nen, aber fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen un­ver­meid­bar sind. als ian for­res­ter am ende an­merk­te, dass die BBC teil­wei­se ganz an­de­re da­ten her­aus­ge­fun­den hat­te, stell­te sich spä­ter wohl her­aus, dass die BBC an­ders ge­fragt hat­te. wenn ich or­gend­wo lese, „wis­sen­schaft­ler in xxx ha­ben her­aus­ge­fun­den, dass yyy“ wen­de ich mei­ne auf­merk­sam­keit so­fort an­de­ren din­gen zu. sta­tis­tik muss tot-dif­fe­ren­ziert wer­den — und das fällt teil­wei­se schon den wis­sen­schaft­lern schwer. jour­na­lis­ten soll­ten die fin­ger da­von las­sen. mit ei­ner aus­nah­me.

die von sa­scha lobo mo­de­rier­te dis­kus­si­on zwi­schen sven mark­schlä­ger (jä­ger­meis­ter) und mar­tin oet­ting (trnd) habe ich lei­der ver­passt und hof­fe sie auf vi­deo se­hen zu kön­nen. auf twit­ter sta­pel­ten sich die lo­bes­hym­nen.

die dis­kus­si­on zwi­schen ja­i­ku-grün­der jyri en­ge­ström und chris mes­si­na war teil­wei­se ganz wit­zig, weil en­ge­ström ro­bin wau­t­ers von tech­crunch bel­gi­en teil­wei­se die mo­de­ra­ti­on ab­nahm, aber an­sons­ten lei­der ohne tief­grei­fen­den er­kennt­nis­ge­winn. eben­so we­nig be­ein­druck­ten mich tim le­be­recht, si­mo­ne bru­noz­zi und die dis­kus­si­on zwi­schen ian for­res­ter und ro­bert am­lung. wen das, was sto­we boyd er­zählt in­ter­es­siert (der üb­ri­gens un­glaub­lich vie­le „dear fri­ends“ hat), wer­de ich mich wohl bis an mein le­bens­en­de fra­gen.

rafi hal­ad­ji von vio­let.net be­geis­ter­te mich wie be­reits auf der web­ex­po 2008. kern­satz: jetzt, wo wir so­gar klei­ne pla­tik­ha­sen ver­netzt ha­ben, wol­len wir den rest der din­ge ver­net­zen. din­ge die sich aus­schliess­lich im netz ab­spie­len, ohne be­zug zur ech­ten welt, ohne ver­bin­dung in die welt der din­ge oder der po­li­tik lo­cken nie­man­den mehr hin­ter dem ofen her­vor. on­line com­mu­ni­ties, nach­rich­ten-sei­ten, blogs in­ter­es­sie­ren kei­nen men­schen mehr. was zählt sind echt­zeit­an­wen­dun­gen (twit­ter) und an­wen­dun­gen die das le­ben oder die welt er­leich­tern oder ver­bes­sern — oder an­ders aus­ge­drückt, din­ge die ich mit ei­nem satz auch mei­nen el­tern als nütz­lich er­klä­ren kann. das was vio­let macht, die welt der din­ge zu ver­net­zen, ist un­um­gäg­lich, fol­ge­rich­tig und vol­ler po­ten­zi­al.

rafi hal­ad­ji prä­sen­ta­ti­on war zu­min­dest enorm in­spi­rie­rend und über­zeu­gend. ich hof­fe die prä­sen­ta­ti­on und das vi­deo hier spä­ter ver­lin­ken zu könn­nen.

mich hat schliess­lich der letz­te vor­trag des di­ri­gen­ten itay tal­gam mit al­len schlech­ten vor­trä­gen und pa­nels ver­söhnt. ei­ner klei­ner, lo­cke­rer, al­ter, wa­cher mann, dem das kunst­stück ge­lang mich für eine welt zu in­ter­es­sie­ren die mir bis­her völ­lig fremd war und to­tal egal war: die der di­ri­gen­ten. ihm ge­lang zu­sätz­lich noch das kunst­stück, die­se welt mit mir be­kann­ten wel­ten zu ver­knüp­fen: dem web, dem or­ga­ni­sie­ren von ar­beits­pro­zes­sen, mo­ti­va­ti­on, in­spi­ra­ti­on und krea­ti­vi­tät. ein sehr be­ein­dru­cken­der vor­trag, von de­nen ich mir un­ge­fähr 12 ge­wünscht hät­te.

www.next-con­fe­rence.com/next09
nutz­los. der link zu „vi­de­os“ führt bis heu­te abend (22:22 uhr) zu den vi­de­os der letz­ten next, we­der die prä­sen­ta­tio­nen sind dort ver­linkt noch habe ich das ge­fühl, dass die ag­gre­ga­ti­on der twit­ter- und blog-back­chan­nels funk­tio­nier­te. wenn über­haupt, habe ich in­ter­es­san­te wei­ter­füh­ren­de in­for­ma­tio­nen oder links zu vi­de­os oder prä­sen­ta­tio­nen aus mei­nem twit­terstream ge­fischt. zum bei­spiel das spea­k­er-ra­ting für die next09. aber viel­leicht bes­sert sin­nerschr­a­der die auf­ar­bei­tung dr kon­fe­renz im web ja noch nach.

fa­zit
es gab zwar kei­nen fisch, aber dan­ke da­für. echt.


ka­len­der2

felix schwenzel

ent­we­der ist bei turi das zeit­kon­ti­nu­um ka­putt oder man ist zu blöd in den ka­len­der zu gu­cken: kress.de schreibt „Ge­org Pa­gen­stedt (Foto) über­nimmt ab 1. Juni 2009 bei Eli­te­Me­dia­net als kauf­män­ni­scher Ge­schäfts­füh­rer und COO die Ver­ant­wor­tung für Ope­ra­ti­ons und alle kauf­män­ni­schen Be­rei­che.“
turi2 macht dar­aus „Der Ex-CEO von wall­street:on­line führt ab so­fort die Ge­schäf­te beim Eli­te­Part­ner-Be­trei­ber Eli­te­Me­dia­net.“


05.05.2009, next09 tag 1

felix schwenzel

06:30 uhr
we­cker klin­gelt, frau steht wi­der­wil­lig auf um das kind zu schmie­ren und but­ter­bro­te zu we­cken. herr­lich: ich hab ur­laub und schla­fe wei­ter.

06:45 uhr
wa­che wie­der auf, weil die frau in der kü­che flucht.

08:57 uhr
chef ruft an.

09:20 uhr
den­ke dar­über nach, dass ur­laub frü­her auch mal an­ders ge­we­sen ist.

11:00 uhr
ma­che fei­er­abend, schnei­de ei­nen kohl­ra­bi in stif­te und esse den kohl­ra­bi mit ei­nem kä­se­brot.

13:45 uhr
mein tom­tom lotst mich die 1,2 ki­lo­me­ter von der ubahn zum „kamp­na­gel“. bin jetzt auf der #next09. nico lum­ma steht vor dem ein­gang und isst dö­ner.

13:54 uhr
in sechs mi­nu­ten spricht jeff jar­vis. ich be­stel­le noch schnell ei­nen milch­kaf­fee.

14:02 uhr
be­kom­me ei­nen sie­ben mi­nu­ten lang ge­zapf­ten, aber sehr le­cke­ren milch­kaf­fee ser­viert, trin­ke ihn has­tig aus und fra­ge mich zu „track 1“ durch, wo jeff jar­vis be­reits seit 8 mi­nu­ten re­det. jeff jar­vis er­zählt in­ter­es­san­te sa­chen und be­schimpft sich selbst als „heuch­ler“. lei­der habe ich al­les was er er­zählt schon vor ta­gen und wo­chen im netz ge­le­sen oder ge­hört. trotz­dem ist er ein sehr an­ge­neh­mer red­ner, ich muss so­gar ein paar mal la­chen. am ende nimmt er fra­gen ent­ge­gen und läuft mit dem mi­kro­fon durch den saal zu den fra­ge­stel­lern. jeff jar­vis errin­nert mich, wenn er läuft, an eine gi­raf­fe. wenn gi­raf­fen schnell lau­fen, se­hen sie aus als lie­fen sie in zeit­lu­pe. jeff jar­vis auch.

14:55 uhr
ste­he auf, rufe laut „was für ein lieb­lo­ser scheiss!“ und stamp­fe em­pört aus der key­note „Ca­pi­ta­lism 2.0“ hin­aus — lei­der nur in mei­ner phan­ta­sie. in der rea­li­tät lau­sche ich wei­ter, be­ob­ach­te wie sich um­air haque un­ge­schickt — aber be­tont läs­sig — mit pre­zi ab­müht. um 15:03 uhr hal­te ich es wirk­lich nicht mehr aus und schlei­che lei­se zu mei­nem zwei­ten milch­kaf­fee.

15:10 uhr
wlan! es gibt funk­tio­nie­rene­des wlan! die ent­de­ckung des ta­ges. schrei­be mei­nem chef eine email.

16:20 uhr
sehe die letz­ten 10 mi­nu­ten von an­drew keens vor­trag [foto]. bin so­fort in­spi­riert und be­schlies­se die de­bat­ten­kul­tur in deutsch­land neu zu be­le­ben.

[nach­trag, via]
vi­deo-auf­zeich­nung von an­drew keens key­note.

16:25 uhr
ich spü­re, dass der kohl­ra­bi ex­trem fla­tu­lenz-stei­gernd wirkt.

16:30 uhr
sehe mir 30 mi­nu­ten wer­bung für t-mo­bi­le, si­myo und ir­gend­ei­nem an­geb­li­chen „think-tank“ an [foto da­von]. im pu­bli­kum ru­mort es, weil rai­mund schmol­ze es nicht­mal an­satz­wei­se pein­lich ist ei­nem zah­len­den pu­bli­kum eine wahr­schein­lich von sei­nem 13jäh­ri­gen sohn er­stell­te power­point-prä­sen­ta­ti­on zu zei­gen und mit dumm­dreis­ter te­le­kom-wer­bung zu­zu­schwal­len. das kam nicht gut an, knü­wer fands so­gar image­schä­di­gend. fra­ge mich ers­tens ob das image von t-mo­bi­le oder der te­le­kom noch wei­ter zu schä­di­gen ist, zwei­tens war­um ich nicht auf­ste­hen konn­te son­dern fas­zi­niert auf den pein­li­chen wer­be­müll auf der büh­ne star­ren muss­te und drit­tens, was ich ge­fühlt hät­te, wenn ich meh­re­re hun­dert euro für die ver­an­stal­tung ge­zahlt hät­te.

am en­der der dis­kus­si­on wirds noch­mal lus­tig als rai­mund schmol­ze be­haup­tet, t-mo­bi­le blo­ckie­re sky­pe, weil man die über­tra­gungs­qua­li­tät des diens­tes nicht ga­ran­tie­ren könn­ten. der hal­be saal lacht.

17:10 uhr
bier? gibts erst ab 19 uhr. ist ja wie zu­hau­se hier!

17:46 uhr
rufe mei­ne oma an.

18:30 uhr
twit­ter­le­sung. noch hat kei­ner ge­lacht, ob­wohl schon seit 15 mi­nu­ten vor­ge­le­sen wird.

19:05 uhr
spre­che mit ei­nem gut ver­net­zen ar­beits­lo­sen.

19:20 uhr
mich spricht je­mand an, dem ich mal im in­ter­net ans bein ge­pin­kelt habe. mer­ke: leu­ten im in­ter­net ans bein pin­keln ist der ul­ti­ma­ti­ve per­sön­lich­keits­test aus dem sich sehr an­ge­neh­me be­kannt­schaf­ten ent­wi­ckeln kön­nen. oder ab­mah­nun­gen.

19:30 uhr
auf dem klo zwei busi­ness-kas­per. der eine so: „hast du nicht noch ein mee­ting heu­te abend?“ der an­de­re: „ja. ich muss kell­nern.“

19:40 uhr
der typ der am nach­mit­tag auf der büh­ne als si­myo-grün­der vor­ge­stellt wur­de hat ein ipho­ne. fra­ge mich ob er es ge­knackt hat und mit ner si­myo-SIM be­nutzt, es in ita­li­en ge­kauft hat oder ob er te­le­kom-kun­de ist.

19:55 uhr
spre­che mit je­man­dem der bald ar­beits­los ist und esse blu­men mit dres­sing.

20:15 uhr
sin­nie­re dar­über wie ich die de­bat­ten­kul­tur in deutsch­land neu be­le­ben soll. die do­main wäre noch frei: re­ak­tio­nae­res.net.

20:20 uhr
spü­re den hauch des to­des und stel­le die stei­le the­se auf, dass es die next10 nicht ge­ben wird. sehe pe­ter ka­bel und mi­cha­el traut­mann rum­ste­hen. mir wird kalt.

20:40 uhr
ne­ben mir sagt je­mand, das web sei tot. ich fra­ge mich: was ist ei­gent­lich zum web noch nicht ge­sagt wor­den? in­ter­es­siert sich da noch je­mand für? braucht man in ei­ner pha­se der kon­so­li­die­rung kon­fe­ren­zen?

21:00 uhr
esse noch mehr blu­men mit dres­sing.

22:00 uhr
sehe, dass ich nicht der ein­zi­ge bin der sich lang­weilt und dass die web­fuz­zis bes­se­res zu tun ha­ben als auf ei­ner par­ty rum­zu­ste­hen. fern­se­hen gu­cken im ho­tel­zim­mer zum bei­spiel. irre wie leer der la­den schon ist.

22:30 uhr
gehe sehr zu­frie­den und ziem­lich nüch­tern nach­hau­se.


lie­bes ta­ge­buch

felix schwenzel

mitt­woch, 18:30h
am mitt­woch abend im zug habe ich mir an­ge­se­hen, wie kat­rin bau­er­feind mit ha­rald schmidt plau­der­te. frem­ge­schämt habe ich mich auch ein biss­chen, aber nicht so doll wie herr scha­der. ei­gent­lich hab ich mich auch we­ni­ger für frau bau­er­feind ge­schämt, son­dern für ha­rald schmidt. der sah fast so un­ge­pflegt aus wie ix!

aber ha­rald schmidt hat was schö­nes ge­sagt. naja, zi­tiert. auf die fra­ge von kat­rin bau­er­feind (oder viel­leicht auch eine ganz an­de­re fra­ge), was ihn und feu­er­stein ver­bin­den wür­de, ant­wor­te­te er, das feu­er­stein mal ge­sagt habe, dass das was er und schmidt ge­mein­sam hät­ten der hass auf die mensch­heit und die lie­be zu ih­rem pu­bli­kum sei. mis­an­thro­pen fin­de ich üb­ri­gens to­tal doof, aus­ser sie sind un­glaub­lich wit­zig.

mitt­woch, 21:00h
am ham­bur­ger haupt­bahn­hof fiel mir mal wie­der auf, dass die stim­mung auf dem bahn­hofs-vor­platz dort ex­akt wie in ei­nem ca­si­no in las ve­gas ist. ex­akt:

  • es läuft im­mer klas­si­sche mu­sik im hin­ter­grund
  • egal ob tag oder nacht, egal ob mor­gens oder abends, die leu­te sau­fen und rau­chen stän­dig
  • fast alle tra­gen shorts und an­de­re un­vor­teil­haf­te klei­dung
  • es sind nir­gend­wo kin­der zu se­hen
  • es geht um geld

frei­tag, ca. 14:00h
ich habe ein lang­zeit-ex­pe­ri­ment zu mei­ner ge­stör­ten selbst­wahr­neh­mung er­folg­reich ab­ge­schlos­sen. die bei­fah­re­rin liebt es brot auf mei­ner lieb­lings­ar­beits­flä­che in der kü­che zu schnei­den. oder bes­ser, seit­dem wir aus­schliess­lich voll­korn­brot es­sen, zu sä­gen. die sä­ge­spä­ne lässt sie dann ger­ne lie­gen, was auch voll­kom­men ver­ständ­lich ist, denn so ein frisch ge­säg­tes brot will ja so­fort ver­speist wer­den. trotz­dem stört mich das im­mer ein biss­chen und ich sau­ge die spä­ne, so wie ich das in mei­ner schrei­ner­aus­bil­dung ge­lernt habe, weg. denn die be­rufs­ge­nos­sen­schaf­ten ver­bie­ten schon seit vie­len jah­ren das keh­ren von sä­ge­spä­nen und ver­lan­gen den ein­satz von staub­saugern für sol­che zwe­cke. ar­beits­platz­si­cher­heit und lun­gen­schutz, oder so.

mein ver­suchs­auf­bau war recht ein­fach: nach­dem ich die sä­ge­späe der bei­fah­re­rin weg­ge­saugt hat­te, säg­te ich mir selbst ein paar schei­ben brot ab und liess die spä­ne lie­gen. zu mei­ner sehr gros­sen ver­wun­de­rung stör­ten mich mei­ne selbst­ge­mach­ten sä­ge­spä­ne gan­ze drei tage lang nicht die boh­ne.

sams­tag, 20:00h
am sams­tag ist die fest­plat­te in mei­nem mac­book ver­stor­ben. dan­kens­wer­ter­wei­se ha­ben fest­plat­ten ja heu­te ei­nen me­cha­nis­mus ein­ge­baut, mit dem sie ver­mel­den kön­nen, dass sie ster­ben. s.m.a.r.t heisst das — und ob die ab­kür­zung ab­sichts­voll mit „SM“ an­fängt ver­mag ich nicht zu be­ur­tei­len. freund­li­cher­wei­se hält ap­ple ei­nem sol­chen tech­ni­schen klein­kram vom leib, so dass der tod der plat­te mich über­rasch­te und völ­lig ohne vor­war­nung kam. tick, tick, tick, wa­ren ihre letz­ten wor­te.

aber viel­leicht ist die­ses stän­di­ge er­neu­ern, die end­lich­keit, ver­letz­bar­keit und die sterb­lich­keit von tech­nik ja auch et­was gu­tes. die an­tro­po­so­phen sind ja gros­se fans von na­tür­li­chen zy­klen und rhyt­mus. im früh­jahr blüht al­les auf, lebt den som­mer hin­durch um im win­ter wie­der ab­zu­ster­ben. we­ni­ger pa­the­tisch aus­ge­drückt: mei­ne neue fest­plat­te ist dop­pelt so schnell und drei­mal so gross wie die alte und viel gei­ler! ich habe mich auch da­ge­gen ent­schie­den mei­ne al­ten da­ten un­ter­zu­pflü­gen und neue aus­zu­sä­en und den den al­ten stand der fest­plat­te mit ei­nem back­up von letz­ter wo­che kom­plett re­kon­stru­iert, ti­me­ma­chi­ne sei dank, mal wie­der. man mus­ses ja auch nicht über­trei­ben, mit der erd­ver­bun­den­heit.

sonn­tag, 12:00h
über­haupt. kaum ge­wöhnt man sich dar­an, dass tech­nik fra­gil ist und sich zur en­tro­pie sehnt, über­rascht sie ei­nen. der akku mei­nes mac­books stemmt sich ge­gen den trend und will ein­fach kei­ne ka­pa­zi­tät ver­lie­ren. 99% pro­zent rest­ka­pa­zi­tät nach 22 mo­na­ten. das ist ei­gent­lich ein wun­der, ähn­lich wie blut das aus den au­gen ei­ner gips-ma­don­na fliesst.

mon­tag, 6:00h
im zug hab ich mir eine fol­ge „ein­satz in vier wän­den spe­zi­al“ an­ge­guckt. pein­lich aber wahr, mir ka­men die trä­nen. da­nach hab ich ein­fach wei­ter­ge­heult, als ich die­se bil­der sah [via].

da­nach woll­te ich ei­gent­lich noch die auf­zeich­nung von „zim­mer frei“ an­se­hen, mit ka­tha­ri­na schu­bert. lei­der war die auf­zeich­nung fast kom­plett im arsch, bis auf ca. 10 mi­nu­ten, re­latv am ende der sen­dung. das ist nicht wei­ter schlimm, was schaup­sie­le­rin­nen über die welt zu sa­gen ha­ben in­ter­es­siert mich in der re­gel eh nicht so arg doll. ich habe mich aber ge­fragt, war­um ka­tha­ri­na schu­bert bei spre­chen hin und wie­der ihre zun­ge raus­streckt. das hat mich auch schon da­mals bei anke en­gel­ke ge­wun­dert.

mon­tag, 8:30h
er­stei­ger­te ebay-ar­ti­kel beim ver­käu­fer zu­hau­se ab­ho­len hat et­was er­nüch­tern­des. was man nicht al­les tut um por­to zu spa­ren. künf­tig wer­de ich das por­to wie­der zah­len, der vor­teil der vir­tu­el­len in­ter­net-welt ist de­fi­ni­tiv ihre kör­per­lo­sig­keit.

mon­tag, 19:00h
tin­ten­herz auf DVD ge­guckt. lei­der ein lieb­lo­ser, vor­her­seh­ba­rer und wir­rer, kreuz­öder film. die lieb­lo­sig­keit spricht aus je­dem de­tail:

denk so­gar nicht dar­an mei­ne zeit zu ver­geu­den

mon­tag, 21:00h
mir ist auf­ge­fal­len, dass eine new yor­ker fir­ma mit ei­ner ly­bi­schen do­main ar­bei­tet: bit.ly. of­fen­bar ist ly­bi­en kein schur­ken­staat mehr.

mon­tag, 22:00h
ich habe mich in­ner­lich aufs mein zwan­zig­jäh­ri­ges klas­sen­tref­fen vor­be­rei­tet. bei xing. bei den zwei, drei na­men die ich ge­fun­den habe nicht ein ge­sicht wie­der­erkannt. kaum ei­ner mei­ner ehe­ma­li­gen klas­sen­ka­me­ra­den ist xing- und goo­g­le­bar. schlim­mer noch, kaum ei­ner, mit vier oder sechs aus­nah­men, ist mir in ir­gend­ei­ner form im ge­däch­nis ge­blie­ben.


wen­de­häl­se 2.0

felix schwenzel

wenn mann die­se über­schrift liest

Das Recht auf Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit welt­weit durch­set­zen und der In­ter­net­zen­sur ent­ge­gen­tre­ten

könn­te man mei­nen, dass das an­ge­sichts der de­bat­te um die in­ter­net-fil­ter der #zen­sur­su­la und der bun­des­re­gie­rung bei netz­po­li­tik.de oder auf der home­page der pi­ra­ten­par­tei oder des CCC ste­hen wür­de.

es ist aber die über­schrift ei­nes ge­mein­sa­men do­ku­men­tes der CDU/CSU und SPD bun­des­tags­frak­tio­nen vom april letz­ten jah­res. un­ter­schrie­ben wur­de es von „Vol­ker Kau­der, Dr. Pe­ter Ram­sau­er und Frak­ti­on Dr. Pe­ter Struck und Frak­ti­on“.

in dem do­ku­ment ste­hen wah­re per­len des po­li­ti­schen wech­sel­bal­gen­tums:

In der Mehr­zahl der Staa­ten dient die Zen­sur der Macht­si­che­rung der Re­gie­ren­den.

so kann man die in­itia­ti­ve der fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin zenz­ur­su­la von der ley­en ja durch­aus se­hen: als ei­nen durch­sich­ti­gen ver­such ein de­li­ka­tes und hoch­kom­ple­xes the­ma für wahl­kampf­zwe­cke, also macht­er­halt zu in­stru­men­ta­li­sie­ren.

Ein No­vum ist, dass sich in Chi­na vie­le aus­län­di­sche An­bie­ter von In­ter­net­diens­ten dem Druck der Be­hör­den ge­beugt ha­ben und sich selbst zen­sie­ren. Die chi­ne­si­schen Be­hör­den be­trei­ben zu­dem ein um­fas­sen­des Fil­ter­netz­werk, das den Zu­gang zu bri­san­ten Sei­ten blo­ckiert.

das ist jetzt kein no­vum mehr. die in­län­di­schen in­ter­net­pro­vi­der wur­den mit ge­ziel­tem druck dazu an­ge­hal­ten ei­nen ver­trag zu un­ter­schrei­ben und ein um­fas­sen­des fil­ter­netz­wek zu in­stal­lie­ren und zu be­trei­ben und das in­ter­net nach den vor­ga­ben des BKA zu zen­sie­ren.

In Staa­ten des Na­hen und Mitt­le­ren Os­tens wird eine er­heb­li­che An­zahl un­mo­ra­li­scher Web­sei­ten durch Fil­ter blo­ckiert. In Iran z. B. ge­schieht dies of­fi­zi­ell auf­grund an­geb­lich por­no­gra­phi­scher oder re­li­gi­ons­be­zo­ge­ner In­hal­te […].

das wort „an­geb­lich“ passt nicht nur für den na­hen und mitt­le­ren os­ten. ein ver­tre­ter der hes­si­schen lan­des­re­gie­rung, hein­rich sie­vers, schlägt vor, gleich „aus­län­di­schen Glücks­spiel-An­bie­ter“ mit auf die sperr­lis­ten zu set­zen und for­dert, laut au­gen­zeu­gen sei­nes auf­tritts auf dem köl­ner fo­rum me­di­en­recht, mal zu prü­fen „ob man nicht die­se chi­ne­si­sche Tech­nik ein­füh­ren kön­ne“. (quel­le)

II. Der Deut­sche Bun­des­tag for­dert die Bun­des­re­gie­rung des­halb auf, […] im Rah­men al­ler ge­nann­ten For­de­run­gen auch und ins­be­son­de­re die Zen­sur im In­ter­net zu the­ma­ti­sie­ren und die­ser ent­ge­gen­zu­tre­ten.

ko­mi­scher­wei­se sind so­wohl die frak­ti­on als auch die an­de­ren un­ter­zeich­ner ge­ra­de jetzt, nach­dem das bun­des­ka­bi­nett am mitt­woch den „Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Be­kämp­fung der Kin­der­por­no­gra­phie im In­ter­net“ ver­ab­schie­det hat (PDF des ent­wurfs), eher zu­rück­hal­tend mit ih­ren for­de­run­gen. die bun­des­re­gie­rung be­schliesst zen­sur­mass­nah­men und sie schwei­gen.

ralf bend­rath ver­wies heu­te auch in ei­nem ar­ti­kel auf das do­ku­ment und stellt fest:

Lei­der hat of­fen­bar in Köln nie­mand den Mund auf­ge­macht und ge­sagt, war­um ein frei­es In­ter­net auch po­li­tisch wich­tig ist für eine freie Ge­sell­schaft. Für an­de­re Län­der hat das ja so­gar die CDU/CSU schon ein­ge­se­hen, nur für Deutsch­land of­fen­bar noch nicht.

wit­zi­ger­wei­se sind die leu­te im bun­des­tag ja der mei­nung, dass ihre wäh­ler ihr trei­ben nicht als rück­grat­lo­ses, ver­lo­ge­nes, dop­pel­zün­gi­ges trei­ben wahr­neh­men und sie, wenn sie ein paar wo­chen vor der wahl nur ihr freund­li­ches, ver­ständ­nis­vol­les ge­sicht auzf­set­zen wäh­ler­stim­men oder an glaub­wür­dig­keit ge­wi­nen könn­ten. klar, ei­ner­seits wohl durch er­fah­rung, bis jetzt sind sie ja im­mer mit je­den blöd­sinn durch­ge­kom­men und glau­ben wahr­schein­lich tat­säch­lich, dass po­li­tik nichts mit über­zeu­gun­gen, rich­tig oder falsch zu tun hat, son­dern mit mehr­hei­ten, kom­pro­mis­sen und mach­bar­kei­ten.

des­halb glau­ben po­li­ti­ker un­ver­dros­sen wie­der­ge­wählt zu wer­den, wenn sie sa­gen:

  • zen­sur ist scheis­se, aber wir be­schlies­sen sie trotz­dem
  • vor­rats­da­ten­spei­che­rung ist ver­fas­sungs­wid­rig, aber wir stim­men ihr nichts­des­to­trotz zu
  • wir sind für freie märk­te, aber ent­eig­nung muss ein­fach manch­mal sein
  • das „bör­sen­ca­si­no“ und die „Jagd nach Ma­xi­mal­ren­di­ten“ in der wirt­schaft ver­let­zen „das Ge­rech­tig­keits­ge­fühl vie­ler Men­schen“ aber die po­li­ti­ker in den auf­sichts­rä­ten der lan­des­ban­ken und an­de­ren ma­xi­mal­ren­di­te­for­dern­den auf­sicht­rä­ten ha­ben da rein gar nichts mit zu tun

die­ses gan­ze ver­lo­ge­ne und ver­ant­wor­tung von sich wei­sen­de kas­per­le­thea­ter das die CDU und SPD der­zeit ver­an­stal­ten hat aber viel­leicht doch ei­nen ge­wal­ti­gen vor­teil. näm­lich dass sich erst­mals seit lan­gem wie­der ech­ter wi­der­stand bil­det, ech­te und tat­kräf­ti­ge un­zu­frie­den­heit, die der herr­schen­den kas­te zur wahl klar macht, dass sie sich von de­nen die sie wäh­len sol­len so weit wie nie ent­fernt ha­ben.

sehr klu­ge ge­dan­ken zur „di­gi­ta­len spal­tung“ ha­ben sich tho­mas knü­wer, ralf bend­rath und mar­cel weiss ge­macht.

[via sikk und riv­va]


ein ♥ für blogs

felix schwenzel

ein herz für blogs? nicht ganz. ich lese blogs, ich herze sie nicht.

blogs lese ich auf ganz verschiedene arten, morgens, meist noch im bett, alle die die bei mir im google reader stecken. morgens bei meinen 2-3 morgen-kaffees und im laufe des tages les ich die, die ich in meinem netnewswire abonniert habe. die listen der beiden RSS-reader sind nicht deckungsgleich, aber die meisten die ich im netnewswire habe sind auch im google reader. stringent oder wirklich durchschaubar sortiert habe ich die einzelnen blogs nicht. ein bisschen nach vorlieben. blogs die ich mag, blogs die ich lese und blogs oder blogger die eigentlich nerven, von denen ich aber überzeugt bin sie lesen zu müssen — oder besser: überlesen zu müssen. da rivva bei mir in den feedreadern steckt, lese oder überlese ich auch alles was dort aufläuft. praktisch finde ich auch das google reader-sharing, was mir immer wieder blogeinräge von blogs in den reader spült, die ich nicht abonniert habe. ausserdem lese ich natürlich blogs die in den blogs die ich lese verlinkt sind und wenn ich mal ein bisschen im twitter-dings mitlese stolpere ich auch immer wieder über blogeinträge.

trotzdem gibt es in dieser masse von blogs natürlich blogs die herausragen, und blogs die ich bevorzugt als startpunkte fürs internet-leerlesen benutze. bei einigen lächeln mich neue artikel manchmal sogar an. einige dieser blogs folgen.

http://www.malte-welding.de/
grandios geschrieben, immer irgendwie an der grenze: zu lang, zu eklig, zu fiktiv, zu authentisch, aber eigentlich auch immer grandios.

http://anmutunddemut.de/
jemand der beinahe noch mehr rechtschreibfehler macht als ich und dem es noch scheissegaler ist. wunderbar anders und erfrischend, fast immer inspirierend, irgendwie.

http://www.dasnuf.de/
erschütternd lustig und schockierend klug. gilt seit vielen jahren als geheimtipp, was mich irritiert. also das es nicht schon lange jeder abonniert hat.

http://www.medienpiraten.tv/blog/
lese ich wahsinnig gerne.

http://coffeeandtv.de/
ich kann mich nicht entscheiden ob ich die schreibe oder die videos lieber mag, lese nicht alles, aber das was ich lese, ist immer toll.

http://www.racingblog.de/
don kann nicht nur schreiben, sondern konsequent, fundiert und mit ungeheurer ausdauer schreiben.

http://www.dondahlmann.de/
hier schreibt don viel zu selten rein, aber wenn dann mit hand und fuss seiner tastatur. das tolle an don: er meint nicht nur rum, sondern argumentiert auch wunderbar.

http://www.blog-cj.de/blog/
neuerdinsg ist christian jakubetz bildblogger, in seinem privat-blog mag ich die unbekümmertheit und unangestrengtheit, mit der er schreibt.

http://www.nerdcore.de/wp/
nerdcore ist wie zappen. das gegenteil von nachhaltig, aber bunt, schnell und reichhaltig.

http://fickr.org/
so geht bloggen (aber auch ganz anders). hier: eine kleine feine idee nehmen und konsequent und liebevoll ausbauen.

http://www.daily-ivy.de/
http://ahoipolloi.blogger.de/
einer der witzigsten menschen die ich kenne und einer der witzigsten menschen die ich nicht kenne.

http://blogs.23.nu/bubbleboy/
schreibt zu selten, aber wenn, dann lese ich es sehr gerne.

http://www.ankegroener.de/
http://stefan-niggemeier.de/blog/
ich traue mich ja kaum die gröner und den niggemeier aufzuzählen, einerseits weil sie jeder kennt und liest und jeder weiss, dass diese beiden wirklich wunderbar schreiben können. aber bei diesen beiden fällt mir immer wieder auf, dass ich nicht nur enttäuscht bin, wenn sie nichts schreiben, sondern auch enttäuscht bin wenn sie täglich weniger als 14 DINA4-seiten schreiben.

http://www.behindertenparkplatz.de/
http://willsagen.de/
http://www.shopblogger.de/
http://blog.kooptech.de/
http://fragmente.twoday.net/
diese blogs sind bei mir in der gedachten kategorie „fremde welten“ aber ich bin froh und es erhellt mich darüber mehr zu erfahren.

http://gedankentraeger.de/?page_id=204
moni schreibt in letzter zeit wenig, was schade ist, andererseits aber auch gut.

http://sprechblase.wordpress.com/
auch einer von den bloggern bei denen ich mich freue, wenn sie über etwas schreiben, über das auch alle anderen schreiben und rummeinen: bei cem finde ich immer eine neue perspektive, einen anderen dreh, eine andere sicht als überall anders. oder anders gesagt, cem ist jemand dessen meinung ich sehr schätze.

http://www.qxm.de/
lebt auch in einer völlig anderen welt („potsdam“), hat komplett andere ästhetische massstäbe als ich, ist aber eine wahre fundgrube. kein witz. von michael preidel habe ich viel gelernt. und ich liebe die einträge die mit „Liebes Tagebuch“ anfangen.

http://praegnanz.de/weblog
auch von gerrit hab ix viel gelernt. echt jetzt.

http://thesuperficial.com/
http://www.sprengsatz.de/
im prinzip sind beide hervorragend geschriebene tratsch-blogs. superficial ist ein bisschen böser, spreng ein bisschen tratschiger. spreng ist lesenswert wenn er tratscht erzählt aber unerträglich wenn er rummeint oder doziert.

http://www.thilo-baum.de/lounge/
apropos unerträglich. komplett unlesbar, kommt nie zum punkt, kann sich mir nicht verständlich machen. ich mache mir aber einen sport daraus zu versuchen mal was von thilo baum ohne fremdschämen zu lesen. bisher war ich dabei nicht erfolgreich, aber ich werde es weiter probieren.

http://turi-2.blog.de/
http://www.schockwellenreiter.de/
wo ich gerade bei unerträglich bin. diese beiden sind auch unerträglich. umso zwanghafter lese ich sie.

http://lanu.blogger.de/
eigentlich paradox, aber auch anonyme menschen können unfassbar egozentrisch sein. trotzdem hin und wieder sehr lesenswert.

http://www.hanno.de/blog/
klassischer fall von „schreibt viel zu wenig“.

http://blog.stuttgarter-zeitung.de/
ungefähr seitdem peter glaser schreibt, lese ich ihn mit begeisterung. früher wurden seine blogs noch gedruckt, das HTML hat seinen texten aber nicht geschadet. im gegenteil.

http://www.pop64.de/
es geht um hamburg und berlin und städte-punkte. nie verstanden wie das funktioniert oder ob es irgendwann mal einen gewinner gibt. liest sich trotzdem gut.

http://kaliban.de/
gunnar lott ist toll. er hat auch das einzige stern-blog, dass lesbar ist und das ich lese. konnte ich aber gerade nicht finden (das stern-blog).

http://saschalobo.com/
ich halte sascha lobo für einen der grandiosesten schreiber der welt, einen echten berserker. seine texte im höfliche paparazzi-forum zogen mir regelmässig die socken aus. leider fehlt saschalobo.com ein bisschen das alte berserkertum, die alte scheissegal-haltung. das kann daran liegen, dass sascha lobo nicht mehr alles, sondern nur noch 80 prozent scheissegal sind. trotzdem, ein sehr diszipiniert geführtes, tolles blog.

http://nutriculinary.com/
alles was der paulsen macht ist toll. aber vor allem sein essen.

http://benjaminnickel.com/blog/
herr nickel ändert ungefähr alle sechs monate seine blogadressen und blogsoftware und spitznamen, aber sein werk ist konsequent wunderbar absurd und abwegig.


zi­tat des ta­ges

felix schwenzel

chris­ti­an ja­ku­betz:

In Fra­ge ge­stellt ist tat­säch­lich nur ei­nes: ein Ge­schäfts­mo­dell, das dar­auf fußt, mit pri­va­ten Ge­schich­ten, mit Vor­ver­ur­tei­lun­gen Geld zu ma­chen.

po­tem­kin­sche po­li­tik mit der „zen­sur­ur­su­la“

felix schwenzel

kai „dann machts halt“ bier­mann machts ein­fach, das rich­ti­ge in­ter­view, zur rich­ti­gen zeit auf zeit.de. wer kai bier­manns in­ter­view mit chris­ti­an bahls, dem vor­stand von mo­gis (Miss­brauchs­Op­fer Ge­gen In­ter­net­Sper­ren) liest, er­fährt min­des­tens ge­nau­so ein­dring­lich wie in der c’t, dass die re­gie­rung hier eine wi­der­li­che wahl­kampf­show ab­zieht und sich nicht­mal an­satz­wei­se da­für schämt, ihre wäh­ler für dumm zu ver­kau­fen.

ei­gent­lich soll­te ich mor­gen, am frei­tag, auch früh auf­ste­hen und bei der „zen­zur­ur­su­la“ vor der tür ste­hen, statt nur rum­zu­lin­ken. ix kan aber lei­der nicht.

[bild­quel­le]

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WC

felix schwenzel


PR-fuz­zi-weis­heit

felix schwenzel


pro­ble­me die wir oh­ne wasch­ma­schi­nen nicht hät­ten

felix schwenzel

wolf­gang stie­ler ver­sucht auf pe­ter gla­sers text „In was für ei­ner di­gi­ta­len Ge­sell­schaft wol­len wir le­ben?“ zu ant­wor­ten. stie­ler er­hofft sich „Im Fo­rum“ sei­nes ar­ti­kels „eine rege Dis­kus­si­on, so dass wir im Ide­al­fall zu ei­ner neu­en, mög­li­cher­wei­se ganz an­de­ren, kol­lek­ti­ven Ant­wort auf die Fra­ge kom­men: In was für ei­ner di­gi­ta­len Ge­sell­schaft wol­len wir le­ben?“ drei kom­men­ta­re in vier ta­gen spre­chen für die sprit­zig­keit und ori­gi­na­li­tät sei­ner an­mer­kun­gen. viel­leicht auch ein biss­chen für die un­les­bar­keit sei­ner the­sen, denn statt ei­nes an­ge­mes­se­nen „block­quo­tes“ setzt er gla­sers text in den fliess­text und sei­ne an­mer­kun­gen kur­siv da­drun­ter. auf dem mo­bi­len ope­ra ist das kom­plett un­les­bar. ist aber auch egal. oder auch gut. ich habe so gla­sers text noch­mal kri­ti­scher ge­le­sen, weil ich im­mer ra­ten muss­ten, wel­che the­se nun von gla­ser und wel­che von stie­ler ist. bei­spiel:

Das Tei­len mit tech­no­lo­gi­scher Hil­fe führt nicht nur zur Ver­meh­rung von Ideen, son­dern auch zur Ver­meh­rung von Pro­ble­men. Com­pu­ter hel­fen uns da­bei, Din­ge schnel­ler zu er­le­di­gen, die wir ohne Com­pu­ter gar nicht hät­ten er­le­di­gen müs­sen, das wuss­te Mar­shall McLuhan schon in den sech­zi­ger Jah­ren... Im üb­ri­gen ist die Ver­meh­rung von Pro­ble­men nicht un­be­dingt ein Man­ko. Von Egon Frie­dell stammt der Satz „Kul­tur ist Reich­tum an Pro­ble­men“. Da­von ha­ben wir heu­te reich­lich.

wä­ren die­sen sät­ze von stie­ler, hät­te ich ihm wi­der­spro­chen, gla­ser möch­te ich nur er­gän­zen:

denn die art der pro­ble­me die wir nun ha­ben (und die wir ohne com­pu­ter gar nicht hät­ten) un­ter­schei­den sich qua­li­ta­tiv und quan­ti­ta­tiv gar nicht so sehr von de­nen die wir vor­her hat­ten. oder an­ders ge­sagt, tech­no­lo­gie löst vie­le pro­ble­me, lässt aber auch vie­le of­fen und schafft ei­ni­ge neue. nur nei­gen wir dazu, die pro­ble­me die wir noch vor ein paar ge­ne­ra­tio­nen hat­ten aus un­se­rer heu­ti­gen, ge­sät­tig­ten per­spek­ti­ve zu ver­ges­sen oder zu ver­drän­gen. noch vor ein paar ge­ne­ra­tio­nen ha­ben uns raub­tie­re nicht in den zoo ge­trie­ben, son­dern in le­bens­ge­fahr ge­bracht, ha­ben kei­me, bak­te­ri­en und vi­ren mil­lio­nen von men­schen um­ge­bracht oder ver­stüm­melt und die fra­ge „kohl“ oder „kar­tof­feln“ war kei­ne die man sich an der ge­mü­se­the­ke ge­stellt hat, son­dern im an­ge­sicht des hun­gers.

na­tür­lich hat die er­fin­dung des pe­ni­cil­lin nicht alle krank­hei­ten ver­schwin­den las­sen, na­tür­lich ha­ben we­der das in­ter­net, wi­ki­pe­dia, das blog­dings oder der on­line-jour­na­lis­mus dumm­heit, igno­ranz und des­in­for­ma­ti­on ver­schwin­den las­sen — aber auch nicht ver­ur­sacht. na­tür­lich sind seit knut aus eis­bä­ren kei­ne ku­schel­tie­re ge­wor­den, wie man­che zu glau­ben schei­nen. we­der dün­ger, noch traktoen ha­ben den hun­ger ganz aus der welt ge­schafft.

na­tür­lich kön­nen wasch­ma­schi­nen, com­pu­ter oder trak­to­ren ka­putt­ge­hen, er­for­dern war­tung, kraft­stoff, strom, be­die­nungs­kom­pe­tenz und ste­ti­ge wei­ter­ent­wick­lung um nutz­brin­gend zu sein, aber war das le­ben ohne sie wirk­lich bes­ser oder un­pro­ble­ma­ti­scher? na­tür­lich nicht. und des­halb sind pro­ble­me, pe­ter gla­ser und faul­heit wich­tig.


ver­schwö­rungs­theo­rie

felix schwenzel

habe nach dem über­mäs­si­gem kon­sum von ame­ri­ka­ni­scher fer­seh­wa­re ge­ra­de eine ver­schwö­rungs­theo­rie auf­ge­stellt:
ame­ri­ka­ni­sche fern­seh­wa­re soll nach über­mäs­si­gem kon­sum dazu ver­lei­ten, den kon­su­men­ten dazu zu brin­gen leich­ter an ver­schwö­rungs­theo­rien zu glau­ben. zu glau­ben, dass aus­ser den dreh­buch­au­to­ren ame­ri­ka­ni­scher fern­seh­wa­re, auch po­li­ti­ker und email­aus­dru­cker in der lage sind das ende ei­nes irre kom­ple­xen pla­nes vor­aus­zu­se­hen und ent­spre­chend zu han­deln. was na­tür­lich völ­li­ger blöd­sinn ist und bleibt, aber nach dem kon­sum ame­ri­ka­ni­scher fern­seh­wa­re wahr­schein­li­cher scheint. (kon­su­mier­te fer­seh­wa­re: „XIII“ und „doll­house“ - emp­foh­le­nes ge­gen­mit­tel „burn af­ter re­a­ding“. dank an surf­guard für die emp­feh­lung)


bö­ser bug in der FRITZ!Box WLAN 3270 im zu­sam­men­spiel mit free­net-dsl

felix schwenzel

ich bin ja wirk­lich ein gros­ser fan der fritz­box. die din­ger funk­tio­nie­ren gut, wer­den re­la­tiv lie­be­voll mit re­gel­mäs­si­gen firm­ware­up­dates ge­pflegt und das li­nux auf dem sie lau­fen lässt sich re­la­tiv gut ha­cken. hab ix ge­hört. fritz­bo­xen sind ein­fach ein­zu­rich­ten und ar­bei­ten klag­los und zu­ver­läs­sig.

in der fon-va­ri­an­te er­lau­ben sie sehr ein­fach alte, ana­lo­ge te­le­fo­ne per voip und fest­netz zu be­nut­zen, dass heisst an­ge­ru­fen wer­den kann man nach wie vor un­ter der al­ten fest­netz­num­mer, te­le­fo­nie­ren kann man mit leicht ein­zu­stel­len­den re­geln über bil­li­ge voip-an­bie­ter. wenn man nen „kom­plett“-an­schluss hat funk­to­nie­ren sie auch klag­los rein un­ter voip. be­son­ders toll: auch un­ter os x lässt sich kin­der­leicht ein vpn-tun­nel ein­rich­ten mit dem man dann auf die fritz­box und das da­hin­ter­lie­gen­de netz­werk aus der fer­ne zu­grei­fen kann. al­les toll so­weit.

nur wenn man den al­ten spruch, „never ch­an­ge a run­ning sys­tem“ nicht be­ach­tet und im­mer die ak­tu­el­le firm­ware auf­spielt, kann man ins klo grei­fen, zu­min­dest mit der FRITZ!Box WLAN 3270 und der ak­tu­el­len firm­ware-ver­si­on 67.04.70 und free­net-in­ter­net­zu­gang. da geht die fritz­box näm­lich da­von aus, dass man als free­net-kun­de auch te­le­fo­nie be­trei­ben möch­te. nur kann die 3270 das ei­gent­lich gar nicht — nur mit dem völ­lig über­teu­er­ten fritz-mini-dings. zu­min­dest hat die fritz­box sich seit dem letz­ten firm­ware-up­grade stän­dig, also un­ge­fähr alle 10 se­kun­den dar­über be­schwert, dass ppp­oe-feh­ler auf­trä­ten und die in­ter­net­ver­bin­dung (te­le­fo­nie) ge­trennt wur­de:

PPP­oE-Feh­ler: Zeit­über­schrei­tung
In­ter­net­ver­bin­dung (Te­le­fo­nie) wur­de ge­trennt.

in­ter­net ging zwar noch, aber das log lief voll mit die­sen mel­dun­gen und die fritz­box und das in­ter­net wur­den sehr lang­sam. zu­min­dest in ei­nem fo­rum fand ich ei­nen hin­weis auf das pro­blem. die lö­sung war aber mit der 3270 nicht zu ma­chen.

also habe ich die fritz­box zu­rück­ge­setzt und neu ein­ge­rich­tet. und sie­he da, plötz­lich war klar, dass die fritz­box mit der ak­tu­el­len firm­ware bei free­net-kun­den da­von aus­geht, dass voip-te­le­fo­nie ge­nutzt wer­den soll:

ohne die ein­ga­be der free­net-te­le­fon­num­mer, ver­wei­ger­te der as­sis­tent die dsl-ein­rich­tung. wir ha­ben zwar eine free­net voip-num­mer, aber auch die ein­ga­be der num­mer fürhr­te zum glei­chen, ät­zen­den ppp­oe-feh­ler und der mel­dung, dass die voip-ver­bin­dung nihct her­ge­stellt wer­den kön­ne. der ein­zi­ge aus­weg war ei­nen „an­de­ren“ dsl-an­bie­ter bei der ein­rich­tung der fritz­box aus­zu­wäh­len und die free­net da­ten in fol­gen­der form ein­zu­ge­ben:

frn6/LOG­IN­NA­ME
PIN­PASS­WORT

dann gehts. ich hof­fe AVM nimmt die­ses pro­blem zum nächs­ten firm­ware­up­grade zur kennt­nis.


jo­chen stahn­ke hat da was falsch ver­stan­den

felix schwenzel

jo­chen stahn­ke schreibt über die re­pu­bli­ca:

Ein an­de­res viel­dis­ku­tier­tes The­ma ist das Ur­he­ber­recht. Mit dem ame­ri­ka­ni­schen Rechts­pro­fes­sor Law­rence Les­sig tritt der pro­mi­nen­tes­te Ver­fech­ter ei­nes weit­ge­hend Co­py­right-be­frei­ten In­ter­nets auf. Les­sig hat die „crea­ti­ve com­mons“-Be­we­gung ge­grün­det, ein Mo­dell der frei­en Li­zenz für Me­di­en­er­zeug­nis­se. Nie­mand dür­fe für ver­meint­lich ur­he­ber­rechts­ver­let­zen­de Down­loads kri­mi­na­li­siert wer­den, trägt Les­sig in ei­ner er­staun­lich schlich­ten Power­point-Prä­sen­ta­ti­on vor: Kul­tur lebe von Frei­heit der Ge­dan­ken und (kos­ten-) frei­er Ver­wen­dung von Me­di­en­er­zeug­nis­sen. Ge­gen­wär­tig herr­sche ein „Kul­tur­kampf“, in dem Künst­ler und gro­ße Me­di­en­häu­ser aus Angst vor Ver­än­de­rung un­ge­recht­fer­tigt Be­sitz­stand wah­ren woll­ten.
Wür­de Les­sig, ein­mal an­ders ge­fragt, auch von Im­mo­bi­li­en­mak­lern, Steu­er­be­ra­tern und Rechts­pro­fes­so­ren ver­lan­gen, dass sie auf ih­ren Be­sitz­stand und die Be­zah­lung ih­rer Leis­tun­gen ver­zich­ten? Dass die Ur­he­ber von Ge­dan­ken, die nicht be­zahlt und ge­schützt wer­den, bald kei­ne Zeit und kein Geld mehr ha­ben, die­se zu den­ken, und dass eine Avant­gar­de, die über 140 Zei­chen und den Ho­ri­zont ih­res Pri­vat­le­bens nicht hin­aus­kommt, kaum ge­eig­net ist, die Welt­öf­fent­lich­keit auf­zu­klä­ren - an die­sen Wi­der­spruch moch­te Les­sig aus Angst vor Ver­än­de­rung kei­nen Ge­dan­ken ver­schwen­den.

da hat er glau­be ich was falsch ver­stan­den.

#1 „Mit dem ame­ri­ka­ni­schen Rechts­pro­fes­sor Law­rence Les­sig tritt der pro­mi­nen­tes­te Ver­fech­ter ei­nes weit­ge­hend Co­py­right-be­frei­ten In­ter­nets auf.“
so­weit ich les­sig ver­stan­den habe, ver­tritt er kei­nes­wegs die mei­nung, dass das „co­py­right“ ab­ge­schafft wer­den sol­le. im ge­gen­teil, er hält dazu an, die kos­ten des, wie er es nennt „co­py­right-krie­ges“, ge­gen den nut­zen auf­zu­rech­nen. was kos­tet uns die ver­fol­gung an­geb­li­cher „co­py­right“-ver­stös­se? wel­che frei­hei­ten müs­sen wir für die­sen auf­ge­ben? ist es OK kin­der und ju­gend­li­che vor ge­richt zu zer­ren die ihre vi­de­os mit ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­ter mu­sik un­ter­ma­len, ist es hin­nehm­bar dass an­geb­li­che rech­te­inha­ber ver­stös­se ge­gen das ur­he­ber­recht als vor­wand neh­men, um un­lieb­sa­me in­hal­te ver­schwin­den zu las­sen? bei­spie­le da­für, dass rech­te­inha­ber die rech­te die ih­nen der „On­line Co­py­right In­f­rin­ge­ment Lia­bi­li­ty Li­mi­ta­ti­on Act“ auf übe­le­s­te wei­se miss­brau­chen fin­den sich al­lei­en auf hun­dert­fach. auch in deutsch­land zeigt sich die­ses phä­no­men mitt­ler­wei­le.

wie weit lohnt es sich ei­nen (aus­sich­to­sen) kampf ge­gen „co­py­right“-ver­stös­se zu füh­ren, men­schen zu kri­mi­na­li­sie­ren, bür­ger­rech­te ein­zu­schrän­ken, ei­ner in­dus­trie le­gis­la­ti­ve und exe­ku­ti­ve rech­te ein­zu­räu­men fragt les­sig und ant­wor­tet, dass es in vie­len fäl­len aus­sichts­los und un­sin­nig ist.

ab­ge­se­hen da­von gibt es in deutsch­land kein „co­py­right“ das ab­ge­schafft wer­den könn­te. hier gilt das so­ge­nann­te „ur­he­ber­recht“.

#2 „Wür­de Les­sig, ein­mal an­ders ge­fragt, auch von Im­mo­bi­li­en­mak­lern, Steu­er­be­ra­tern und Rechts­pro­fes­so­ren ver­lan­gen, dass sie auf ih­ren Be­sitz­stand und die Be­zah­lung ih­rer Leis­tun­gen ver­zich­ten?“
hat les­sig ge­sagt, ir­gend­wer sol­le auf die be­zah­lung sei­ner leis­tun­gen ver­zich­ten? ich kann mich da nicht dran er­in­nern. er wies je­doch dar­auf hin, dass sich ge­schäfts­mo­del­le stets wan­deln und dass es durch­aus vor­kom­men kann, dass ein ge­schäfts­mo­dell dass un­ter be­stimm­ten um­stän­den funk­tio­niert, un­ter an­de­ren nicht funk­tio­niert. sau­blö­des bei­spiel (von mir): am po­lar­kreis kann man eis auf dem wo­chen­markt, of­fen aus­lie­gend, ver­kau­fen. soll der eis­ver­käu­fer vom po­lar­kreis die son­ne ver­kla­gen, weil er in ita­li­en sein eis nicht of­fen aus­lie­gend ver­kau­fen kann udn sein vom po­lar­kreis er­prob­tes ge­schäfts­mo­dell in ita­li­en nicht funk­tio­niert?

was hiel­te herr stahn­ke da­von, wenn im­o­bi­li­en­mak­ler und ar­chi­tek­ten ihm und sei­nem stand ver­bie­ten wür­den, ihre ge­bäu­de zu fo­to­gra­fie­ren, we­gen ih­rer ur­he­ber­rech­te und weil sie die zu geld ma­chen wol­len? er wür­de ei­nen ganz­sei­ti­gen art­kel ver­fas­sen, in dem er den nie­der­gang der pres­se­frei­heit be­kla­gen wür­de. (ach das ur­he­ber­recht wird schon be­nutzt um fo­tos zu ver­bie­ten?)

was hiel­te herr stahn­ke da­von, dass steu­er­be­ra­ter und rechts­pro­fes­so­ren jour­na­lis­ten ver­bie­ten aus ih­ren ar­bei­ten oder gut­ach­ten zu zi­tie­ren? we­gen ih­rer ur­he­ber­rech­te und weil sie die glau­ben zi­ta­te müss­ten ab ei­ner län­ge von 20 buch­sta­ben be­zahlt wer­den? naja. wenn man für die faz ar­bei­tet, hält man es wahr­schein­lich mit dem her­aus­ge­ber, der ja den ein­druck er­weckt, dass aus­schliess­lich die faz selbst zi­tie­ren darf, aber sonst nie­mand.

#3 „Dass die Ur­he­ber von Ge­dan­ken, die nicht be­zahlt und ge­schützt wer­den, bald kei­ne Zeit und kein Geld mehr ha­ben, die­se zu den­ken, […] an die­sen Wi­der­spruch moch­te Les­sig aus Angst vor Ver­än­de­rung kei­nen Ge­dan­ken ver­schwen­den.“
es geht eben nicht dar­um je­man­den um sei­nen be­sitz­stand, sei­ne rech­te oder sei­ne be­zah­lung zu brin­gen, son­dern vor al­lem dar­um, die be­zah­lung und den schutz der rech­te an die ge­ge­ben­hei­ten an­zu­pas­sen und fair zu ge­stal­ten. auch die rech­te die mit ei­ner CC-li­zenz li­zen­siert sind, sind durch­setz­bar und zu schüt­zen. das bes­te bei­spiel wie so­et­was funk­tio­nie­ren kann, sind cory doc­to­rows bü­cher, die er alle un­ter ei­ner CC-li­zenz ver­öf­fent­licht und zum down­load an­bie­tet. trotz­dem, oder ge­ra­de des­halb, er­freu­en sich sei­ne bü­cher al­ler­bes­ter ver­kaufszah­len. muss ma­rio six­tus hun­ger lei­den, weil „der elek­tri­sche re­por­ter“ und „six­tus vs. lobo“ und „lost in deutsch­land“ un­ter CC li­zen­siert sind? im ge­gen­teil. die­se bei­spie­len möch­te jo­chen stahn­ke nicht mal an­satz­wei­se nach­ge­hen, weil er dann ge­dan­ken ver­schwen­den müss­te.

ich wür­de herrn stahn­ke emp­feh­len, die vor­träg von les­sig und doc­to­row ein­fach noch­mal an­zu­schau­en und zur ab­wechs­lung mal zu­zu­hö­ren. kann na­tür­lich sein, dass er kein eng­lisch ver­steht.

[tho­mas knü­wer meint auch, dass stahn­ke was falsch ver­stan­den hat.]

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beck­mann ver­wei­gert die re­cher­che

felix schwenzel

am 30. märz wa­ren karl-theo­dor zu gut­ten­berg und otto graf lamb­s­dorff bei beck­mann zu gast. nach ca. 35 mi­nu­ten sen­de­zeit zeig­te beck­mann ein vi­deo das die re­dak­ti­on mit ziem­li­cher si­cher­heit aus mei­nem you­tube-ac­count ge­nom­men hat­te.

nicht dass ich da was ge­gen hät­te, von mir aus kann beck­mann sei­nen gäs­ten alle mei­ne vi­de­os zei­gen, was mich aber wun­der­te war, dass beck­mann das vi­deo in etwa fol­gen­der­mas­sen an­kün­dig­te:

es gibts schon im in­ter­net eine wirk­li­che par­odie die­ses fo­tos, da hat sich je­mand die mühe ge­macht, alle ken­nen den au­tor nicht, aber das gan­ze et­was künst­le­risch auf­zu­la­den.

wenn beck­mann be­tont den au­tor oder ur­he­ber von et­was nicht zu ken­nen, vor al­lem wenn er stets dar­um be­müht ist, wie ein jour­na­list zu wir­ken, kann man ja da­von aus­ge­hen, dass er oder sei­ne re­dak­ti­on zu­min­dest ein biss­chen rum­ge­fragt ha­ben um die­se wis­sen­lü­cke zu stop­fen. auch wenn man­che jour­na­lis­ten-dar­stel­ler sich mitt­ler­wei­le so­gar mit ih­rer un­fä­hig­keit zu re­cher­chie­ren öf­fent­lich brüs­ten („Nach­prü­fen lässt sich für uns we­der die eine, noch die an­de­re Ver­si­on.“) — beck­mann hat mich nicht ge­fragt. we­der per te­le­fon, mail oder kom­men­tar un­ter dem vi­deo.

kurz: beck­man nimmt ein vi­deo aus mei­nem you­tube-ac­count, fragt we­der wo­her es kommt noch obs OK ist es zu be­nut­zen und be­haup­tet im fern­se­hen, er wis­se nicht wer das vi­deo ge­macht hat.

am mon­tag früh habe ich eine mail an die beck­mann-re­dak­ti­on ge­schrie­ben um nach­zu­fra­gen ob man mit ei­nem sol­chen vor­ge­hen neue jour­na­lis­ti­sche stan­dards set­zen möch­te. aber ehr­lich­ge­sagt glau­be ich es gibt gar kei­ne re­dak­ti­on für die sen­dung. der beck­mann macht das al­les sel­ber, wie frü­her der six­tus. der arme mann ist schlicht über­for­dert. oder?


ana­log-kä­se

felix schwenzel

er­schüt­ternd:

Er sieht aus wie Käse, schmeckt wie Käse, ist aber kein Käse. Denn beim so ge­nann­ten „Ana­log-Käse“, ei­nem Käse-Imi­tat, wur­de das teu­re Milch­fett ge­gen bil­li­ges Pflan­zen­fett aus­ge­tauscht. Das ist zwar er­laubt - nur darf man das Pro­dukt nicht mehr als „Käse“ be­zeich­nen.
[…]
Schät­zungs­wei­se an die 100.000 Ton­nen Ana­log-Käse wer­den jähr­lich in Deutsch­land pro­du­ziert. […] [Ana­log-Käse] ver­trägt bis zu 400 Grad Hit­ze. Selbst das ro­bus­te Tef­lon schmilzt bei 327 Grad. So kön­nen Fließ­band-Piz­zas dop­pelt so schnell ge­ba­cken wer­den wie mit ech­tem Käse, der schon bei 200 Grad an­brennt.

[via]


stell dir vor shift hap­pens und kei­ner geht hin

felix schwenzel

was wäh­rend der re­pu­bli­ca durch­ge­hend nerv­te, war die im­mer wie­der durch­schei­nen­de hal­tung, dass die or­ga­ni­sa­to­ren der re­pu­bli­ca die­ses oder je­nes nicht rich­tig ge­macht hät­ten, die­se oder jene grup­pe be­nach­tei­ligt hät­ten, die­se oder je­nes zu viel oder zu we­nig be­tont hät­ten. ich hab ja nix ge­gen kri­tik, auch ge­gen kri­tik un­ter der gür­tel­li­nie, aber die­ses dif­fu­se, pau­scha­le rum­nör­geln nervt.

na­tür­lich hät­te man vie­les auf der re­pu­bli­ca bes­ser, an­ders, ele­gan­ter, poin­tier­ter, pünkt­li­cher ma­chen kön­nen, vor al­lem aber hät­te man selbst et­was ma­chen kön­nen. die auf­ru­fe mit­zu­ma­chen, hal­len mir seit mo­na­ten in den oh­ren.

die re­pu­bli­ca war zu ober­fläch­lich, zu be­lang­los, zu la­ber­ta­schig? schlagt bes­se­re the­men und re­fe­ren­ten vor, setzt euch selbst auf die po­di­en. schreibt über­zeu­gen­de blogs mit gu­ten ar­gu­men­ten, ruft zu kam­pa­gnen auf, re­det mit den po­li­ti­kern, geht in den bun­des­tag oder auf aus­schuss­sit­zun­gen — und be­rich­tet drü­ber. im­mer nur zu sa­gen „macht doch mal was“, „macht das mal bes­ser“, nervt auf dau­er.

das pro­blem sind nicht nur „die da oben“, son­dern dass von un­ten, von rechts, von links nix kommt, dass kaum ei­ner be­reit ist selbst was zu ma­chen, selbst zu re­den, selbst zu schrei­ben, sich hin­zu­stel­len und stel­lung oder prü­gel zu be­zie­hen. ein klas­si­ker un­ter blog­gern ist ja, den jour­na­lis­ten (zu recht) man­geln­de re­cher­che, ober­fläch­lich­keit oder die fal­schen the­men vor­zu­wer­fen. selbst zu te­le­fo­nie­ren, selbst nach­zu­fra­gen oder selbst re­cher­chie­ren, dazu hat aber auch kei­ner bock. blog­ger wei­sen dann ger­ne dar­auf hin, dass man ohne pres­se­aus­weis ja eh nix ma­chen kön­ne als von an­de­ren sei­ten zu zi­tie­ren. was na­tür­lich quark ist wer o-töne ha­ben, mit po­li­ti­kern re­den, auf ei­nen par­tei­tag oder in den bun­des­tag will, be­kommt das auch so hin — wenn er will.

po­li­ti­kern ah­nungs­lo­sig­keit vom in­ter­net vor­zu­wer­fen ist ein­fach, mach ich auch ger­ne, aber mit ih­nen re­den, dazu reichts dann meis­tens nicht. bei mir spielt oft die angst mit, dass es auf­fal­len könn­te, dass ich in be­zug auf po­li­tik völ­lig ah­nungs­los bin. nur: ist das nicht auch ge­nau der grund (ne­ben zeit­knapp­heit) mit dem sich die po­li­ti­ker vor dem in­ter­net drü­cken?

ich mer­ke schon, das ent­wi­ckelt sich hier zu ei­nem rant ge­gen mich selbst, ge­gen mei­ne ei­ge­ne lahm­ar­schig­keit. und tat­säch­lich bin ich frus­triert, dass ich selbst stän­dig in dem chor der­je­ni­gen mit­sin­ge, der das lied singt, wie scheis­se al­les ist, wie ah­nungs­los alle sind, wie dumm und ver­bohrt po­li­ti­ker sind. noch frus­tier­ter bin ich aber, wenn ich mit po­li­ti­kern rede, über po­li­tik nach­den­ke oder dis­ku­tie­re und sehe, dass es kei­ne ein­fa­che lö­sun­gen gibt, dass po­li­tik irre kom­plex ist und wohl auch sein muss und eben nicht vom „ge­sun­den men­schen­ver­stand“ be­stimmt wird. son­dern von mehr­hei­ten, stim­mun­gen, po­le­mik, stra­te­gie, kom­pro­mis­sen und men­schen. und noch frus­trie­ren­der: der ein­zi­ge weg et­was zu ver­bes­sern ist es selbst zu ver­su­chen, selbst et­was zu ma­chen.

im mä­an­der­tal stehts so ähn­lich:

Es wird ver­flucht noch mal Zeit, dass die Ak­teu­re des Web 2.0, die So­cial Net­wor­ker, Twit­te­rer und vor al­lem die Blog­ger, von sich ab­las­sen, die selbst­be­schwo­re­ne Macht aus­üben und ih­ren Fo­kus auf die Pro­ble­me un­se­rer Zeit rich­ten! Vom Pa­thos hin­ge­ris­sen, möch­te ich sa­gen: Nehmt die Zü­gel in die Hand, macht Stim­mung im Land, reißt die Gren­zen ein und zeigt der Po­li­tik wo der Hase läuft. Die Lip­pen­be­kennt­nis­se der gro­ßen Po­li­tik in Rich­tung Ei­nig­keit im in­ter­na­tio­na­len Han­deln, und sei es nur auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne, rei­chen er­fah­rungs­ge­mäß bis zu dem Mo­ment, wo es ernst wird. Jetzt ist die Lage ernst! Es ist ge­nau der rich­ti­ge Mo­ment, in dem die Blogo­sphä­re be­wei­sen könn­te, dass sie sich nicht dem po­li­ti­schen Ver­hal­ten an­passt. Wel­cher Rah­men böte sich hier bes­ser an, als eine re:pu­bli­ca in die­sen Ta­gen? Das Pro­gramm lässt lei­der an­de­res ver­mu­ten. Hübsch ver­klau­su­lier­tes Sto­chern um den hei­ßen Brei her­um. Nicht mehr tun das! Shift hap­pens? Ver­än­de­rung pas­siert nicht von al­lei­ne! What are you do­ing? At the mo­ment I do de­mo­cra­cy. Cau­se it’s my fuck­ing job!

in der ak­tu­el­len brand­eins (04/2009) wit­zi­ger­wei­se auch:

Bar­ba­ra Kel­ler­mann: Wir se­hen Pro­tes­te in Is­land und Russ­land, aber die Leu­te hier wis­sen nicht ein­mal mehr, wie man Wi­der­stand or­ga­ni­siert. Es herrscht un­glaub­lich viel Wut und Zorn in der Blogo­sphä­re — aber sich im In­ter­net zu be­kla­gen ist kein wirk­li­cher Pro­test. Es kann gut sein, dass der Är­ger ei­ner hand­fes­ten Pro­test­be­we­gung die Kraft ent­zieht. Es kann auch gut sein, dass die Men­schen ihre En­er­gien in die Fan­ta­sie­vor­stel­lung ka­na­li­siert ha­ben, dass Oba­ma sie auf wun­der­sa­me Wei­se ret­ten wird.

Da­mit sind wir wie­der bei der Fra­ge nach der Lea­der­ship-In­dus­trie: Wir star­ren wie ge­bannt auf den Rit­ter in der strah­len­den Rüs­tung.


es geht auch kür­zer

felix schwenzel

manch­mal quält mich das schrei­ben. be­son­ders quä­lend ist es, wenn man mal was ge­schrie­ben hat, was ei­nem ganz gut ge­fällt und man merkt, das das ni­veau am nächs­ten tag nicht mal an­satz­wei­se zu hal­ten ist. dann schreibt man sich nen wolf und her­aus kommt nur lang­at­mi­ger quark, den an­de­re schon längst bes­ser auf­ge­schrie­ben ha­ben oder von an­de­ren kom­plett do­ku­men­tiert wur­de. frü­her half es mir beim ver­ste­hen von vor­trä­gen oder dis­kus­sio­nen un­ent­wegt no­ti­zen zu ma­chen, da­nach al­les run­ter­zu­schrei­ben und da­bei über das ge­sag­te nach­zu­den­ken und zu re­flek­tie­ren. mitt­ler­wei­le re­flek­tie­re ich lie­ber ohne mich mit dem schrei­ben zu quä­len.

aber ich woll­te was ganz an­de­res sa­gen. ich habe ge­merkt, dass ich die kur­zen zu­sam­men­fas­sun­gen vom drit­ten tag der re­pu­bli­ca, die ich ges­tern im zug von ber­lin nach ham­burg zu­sam­men­ge­schrie­ben habe, auch kür­zer (≤140 zei­chen) fas­sen kann, bei­na­he ohne er­kennt­nis­ver­lust:

lang: „jim­bo“ wales
auf ei­nes war auf der re­pu­bli­ca ver­lass: auf den ter­min­ka­len­der konn­te man sich nicht ver­las­sen. das pass­te heu­te früh ganz gut, statt zum vor­trag von jim­my wales zu spät zu kom­men („jim­bo wales“ stand im pro­gramm — ich fin­de den spitz­na­men ja ein biss­chen ob­zön), war ich dann viel zu früh, ob­wohl ich ei­gent­lich zu spät war. nach­dem ich ein­mal vor ein paar wo­chen ge­hört hat­te was herr wales als ho­no­rar fü ei­nen vor­trag nimmt, wa­ren mei­ne er­war­tun­gen an den vor­trag je­doch ei­nen tick zu hoch. für ei­nen saal vol­ler email-aus­dru­cker wäre der vor­trag si­cher eine sen­sa­ti­on ge­we­sen, so war er nur so, naja mit­tel­mäs­sig. im­mer­hin ken­ne ich jetzt alle mög­li­chen sta­tis­ti­schen eck­da­ten der wi­ki­pe­dia und von wi­kia, habe ei­ni­ges über das we­sen von en­zy­klo­pä­dien ge­lernt (sie sind nicht al­les an­de­re) und er­fah­ren, dass es sich loh­nen könn­te mal nach mup­pets und ma­trix zu goog­len und dass es min­des­tens ei­nen be­su­cher auf der re­pu­bli­ca gab, der nicht wuss­te das „wiki“ auf ha­waian­isch „schnell“ heisst.
kurz: jim­my wales, egal wie­viel ho­no­rar er be­kom­men hat, war sein geld nicht wert. im­mer­hin kenn ich jetzt die kenn­zah­len der wi­ki­pe­dia.

lang: rech­te kann man nicht es­sen
da­nach sprach cory doc­to­row, ohne rech­ner und ohne power­point, nur mit ein paar zer­knüll­ten pa­pier­fet­zen vor sich. cory doc­to­row kann ich stun­den­lang zu­hö­ren und all sei­ne ar­gu­men­te ge­gen DRM, „ta­ke­down no­ti­ces“ udn die­sen gan­zen co­py­right-wahn­sinn, die gel­ten­ma­chung von ur­he­ber­rech­ten für will­kür­li­che zen­sur­zwe­cke (ge­ra­de auch wie­der ak­tu­ell von ste­fan nig­ge­mei­er be­leuch­tet und in ei­nem et­was an­de­rem zu­sam­men­hang von der FAZ) sind so ein­leuch­tend, so kris­tall­klar, dass ich mich wun­de­re, dass die ver­ant­wort­li­chen der me­di­enn­dus­trie nicht rei­hen­wei­se mit­glie­der in der pi­ra­ten­par­tei wer­den. ernst­haft.
[sind cory doc­to­rows ro­ma­ne ei­gent­lich le­sens­wert? hat die schon­mal je­mand ge­le­sen?]
kurz: ich bin da­von über­zeugt, dass mu­sik­ma­na­ger oder film­bos­se nach ei­nem vor­trag von cory doc­to­row so­fort mit­glied in der pi­ra­ten­par­tei wür­den.

lang: dada-fa­l­a­fel
der fa­l­a­fel-mann am ora­ni­en­bur­ger tor war auch am zwei­ten tag gross­ar­tig. das haar im scha­warma war glück­li­cher­wei­se lang, dünn und blond — und nicht kurz, dick, ge­kräu­selt und schwarz.
kurz: im dada-fa­l­a­fel am ora­ni­en­bur­ger tor ein haar und ein scha­warma ge­ges­sen. http://is.gd/qHVc

lang: „ka­tho­li­sche femmi­nis­tIn­nen — äh fun­da­men­ta­lis­tIn­nen“
die dis­kus­si­on um die fra­ge „War­um Ba­by­kot­ze ge­nau­so re­le­vant ist wie das iPho­ne“ ist lei­der recht schnell in die 80er jah­re ab­ge­glit­ten. im­mer­hin ent­stand eine leb­haf­te dis­kus­si­on, wo­bei ich nicht ge­nau ver­stand um was es ei­gent­lich ging und war­um der ton­fall teil­wei­se so irre ag­gres­siv war. was ich ver­stan­den habe: es ging nicht um ba­by­kot­ze und nicht ums ipoh­ne, frau­en stel­len ihr licht ger­ne un­ter den schef­fel und krau­len sich nicht ge­gen­sei­tig die eier.
kurz: manch­mal habe ich den ein­druck, dass der gröss­te feind von frau­en die frau­en sind.

lang: po­li­ti­sche blogs
die­se dis­kus­si­on war eine der in­ter­es­san­te­ren, auch wenn sie von ei­nem als cher­no job­atey ver­klei­de­tem und wer­ner hö­fer imi­tie­ren­den falk lue­ke mo­de­riert wur­de. kai bier­mann schreibt über­zeu­gen­der als er spricht, ju­lia se­li­ger ist irre hib­be­lig und kommt auf dem po­di­um ex­akt so rü­ber wie auf twit­ter und ih­rem blog (hu­mor­los, an­griffs­lus­tig), mar­kus be­cke­dahl hat zwar kein cha­ris­ma, kann mich aber im­mer wie­der über­zeu­gen und jens ma­theus­zik war wit­zi­ger als man den­ken soll­te. in­halt­lich ging es in etwa um fol­gen­des: „mensch leu­te! macht doch selbst mal was!“
kurz: falk lue­ke hat sich als cher­no job­atey ver­klei­det. #rp09

lang: der wit­zigs­te ar­ti­kel zur re­pu­bli­ca stand in der taz: „Im Pu­bli­kum sit­zen vie­le be­kann­te Ge­sich­ter der Blogo­sphä­re: Sa­scha Lo­bos Iro winkt aus den Rei­hen, Ste­fan Nig­ge­mei­er quetscht sich durch die Rei­hen.“
kurz: hihi - http://www.taz.de/1/de­bat­te/ko­lum­nen/ar­ti­kel/1/ipho­nestrei­che-auf-gros­ser-bueh­ne/

lang: -
kurz: ich fand die re­pu­bli­ca 2009 ziem­lich gut. das wet­ter auch.