Euer zynisches, herzloses Gerede, Rettung in der Not sei ein Pull-Faktor — gilt das eigentlich auch jenseits des Mittelmeers?Keine Krankenwagen für Raser?Keine Helikopter für Bergsteiger?Keine Spenderlungen für Raucher?Und gilt das auch für euch, wenn ihr in Not seid?
die beifahrerin macht sich sorgen um meinen zustand, weil ich heute so lange geschlafen habe wie sie (8 ½ stunden).
trump, putin und orban haben sich gerade chrome canary installiert — obwohl ihnen ja schon die steuerung der jeweiligen nationalen medien reichen würde.
doppelhelix mit einfachfelix der die doppelhelix fotografiert
#ikeaväxer woche 20: der mangold geht ab, die zweite generation rauke auch, koriander macht sich und die basilikums sind teilweise monströs. unten noch ein paar salate, unter anderem endivie vielversprechend. jedenfalls gibt’s jetzt bald mangoldauflauf.
in berlin isses um halb elf schon so heiss, dass die laternen glühen. #aufdemwegzurarbeit
beste erfindung der welt: baumschatten.
als co-autor bin ich jetzt vierfacher grimme online mitpreisträger. so gesehen bin ix als beischreiber erfolgreicher als als autor.
ich weiss, das bild ist unscharf, aber eben auch voll geometrisch. und es sieht aus als stünde auf dem auswärtigen amt eine goldstatue von heiko maas.
selbst der deutsche wind leistet regelmässig allerbeste präzisionsarbeit.
gestern, als eine schülergruppe mit ihrer lehrerin vor dem roten rathaus stand und die lehrerin fragte warum es rot sei, beinahe gesagt: „weil es mit roten ziegelsteinen verkleidet wurde.“
Anfang Mai sprach Cegłowski vor einem Komitee des amerikanischen Kongresses über Privatsphäre und Datensammlung im Zeitalter der digitalen Ökonomie. Ich bin sicher, dass er für diesen Kurzauftritt vor dem Kongress lange nachgedacht hat, um seine Aussagen auf den Punkt zu bringen.
Der Punkt ist nicht neu: die Regulierung der Datensammelwut der großen Internetkonzerne ist völlig unzureichend und die Angaben der Plattformen, welche Daten sie sammeln und wie verwenden, sind intransparent und teils hinterlistig. Die Datenberge sind potenziell so gefährlich oder toxisch wie Atommüll, weil das Missbrauchspotential der gesammelten Daten so groß ist. In seinem Statement vor dem Kongress fürchtet Cegłowski, dass dieser unregulierte Vertrauensbruch die Dynamik und Innovationsfreude der Digitalisierung und Vernetzung bremsen könnte.
I worry about this because Silicon Valley has been a force of dynamism. It's one of the great success stories of American capitalism, and we're putting it at risk right now by not having sensible regulation in place that creates the conditions for innovation.
Dann hat Cegłowski aber offenbar nochmal intensiver nachgedacht und seine Gedanken zu einem der wichtigsten Grundsatztexte über Regulierung, Privatsphäre und den Überwachungs-Kapitalismus geschärft.
Er schafft es in diesem Text ein aktuelles Paradoxon aufzulösen, indem er ein klaffendes Defizit in unserer Wahrnehmung sichtbar macht.
Ein Grund, dass Internetkonzerne gleichzeitig beispiellos Daten mit Rasterfahndungsmethoden abgreifen, sich aber trotzdem gerade in den letzten Monaten auch als Datenschutzmusterschüler positionieren können, ist unser veralteter Begriff von Privatsphäre, der dem Zeitalter der Massenüberwachung nicht mehr gewachsen sei.
Derzeit regulieren und definieren wir Privatsphäre als Schutz vor Offenlegung bestimmter persönlicher Daten oder der Kommunikation zwischen Einzelnen. Das macht es den Internetkonzernen leicht sich als Schützer der von ihnen gehorteten Daten darzustellen. Kaum einer kann mit den hochskalierten Sicherheitsmaßnahmen und -Standards der großen Plattformen noch konkurrieren, kaum jemand kann so viel Geld und Ressourcen zur sicheren Verwahrung von Benutzerdaten aufwenden. Was im Übrigen auch erklärt, warum Facebook und Google (oder auch Apple) neuerdings immer lauter nach Regulierung und strengeren Datenschutzrichtlinien rufen: das hält die heranwachsende Konkurrenz auf Distanz und öffnet den Großen einen Wettbewerbsvorteil.
Aus der Regulierungsperspektive, zumindest nach dem althergebrachten Begriff der Privatsphäre, ist der Datenschutz der großen Konzerne grundsätzlich in Ordnung — sie schützen die Daten vor Fremdzugriffen und vor Offenlegung. Allerdings ist die grundsätzliche Frage, die wir stellen müssen, eben nicht ob die Daten sicher gelagert sind, sondern warum auf einmal überhaupt so unglaublich viele schützenswerte Daten da sind.
Wäre Google ein Drache und Benutzerdaten Gold, sollte uns nicht vorrangig interessieren wie und ob der hortende Drache die Goldhalde schützt, sondern warum er so einen riesigen Appetit hat.
Um die Sammelwut und die ökonomischen Grundlagen des Überwachungs-Kapitalismus besser zu verstehen, schlägt Cegłowski einen Arbeitsbegriff vor: Umgebungsprivatsphäre (ambient privacy).
Umgebungsprivatsphäre beschreibt unsere alltäglichen Interaktionen miteinander, die kleinen Details unseres Alltags, die bisher einfach vergessen wurden, sich in Luft auflösten und eben nicht in jedem Detail aufgezeichnet wurden. Jetzt wo sich große Teile unseres analogen Fleischlebens digitalisieren, kleinste Interaktionen speicherbar werden — und hemmungslos und dauerhaft gespeichert werden — verändert sich die Lage. Autoritäre Staaten wie China oder Saudi-Arabien haben den Wert dieser Aufzeichnungen erkannt und nutzen sie zur sozialen Kontrolle, in der westlichen Welt werden sie genutzt um verkackte Werbung auszuspielen.
Entscheidend ist: die großen Internetunternehmen haben den Wert dieser Daten erkannt, wir als Gesellschaft und Einzelne hinken mit dem Verständnis der Reichweite, den Auswirkungen und den Missbrauchsmöglichkeiten dieser Datenhalden hoffnungslos hinterher.
Because our laws frame privacy as an individual right, we don’t have a mechanism for deciding whether we want to live in a surveillance society. Congress has remained silent on the matter, with both parties content to watch Silicon Valley make up its own rules. The large tech companies point to our willing use of their services as proof that people don’t really care about their privacy. But this is like arguing that inmates are happy to be in jail because they use the prison library. Confronted with the reality of a monitored world, people make the rational decision to make the best of it.
The need to regulate online privacy is a truth so universally acknowledged that even Facebook and Google have joined the chorus of voices crying for change.
vor ner weile kam die beifahrerin mit einem low-carb-kochbuch an. an den ersten rezepten die wir ausprobiert haben gabs nichts auszusetzen und auf reis kann ich schon mein leben lang verzichten.
früher musste ich zu allem immer reis zubereiten, selbst zu thai-suppen bestand die beifahrerin auf eine grossen portion reis. dass das jetzt wefällt, macht es mir sehr leicht dieses low-carb-gedöns zu akzeptieren.
wir, also ich, mache jetzt seit monaten regelmässig ein curry aus diesem buch, das sich wunderbar varieren lässt. es besteht im prinzip aus zwei komponenten, einer „gremolata“ und gelbem curry mit fisch und gemüse. im rezept werden auch garnelen empfohlen, auf die verzichten wir aber meistens und nutzen je ein TK-filet tilapia (soweit erkennbar aus aqua-kultur). der lässt sich in kaltem wasser auch gut schnell auftauen und wird in handliche stücke geschnitten in limettensaft und sojasosse mariniert, während ich die anderen sachen zubereite.
für die gremolata soll man eigentlich viele xthai-basilikum-blätter (gibts im asiamarkt) nehmen, ich habe ersatzweise aber schon alles von normalem basilikum, rauke oder petersilie genommen. also irgendwelchen würzigen kräuter in streifen geschnitten mit einer geriebenen limettenschale, ein paar (zwei esslöfel) grob gehakte erdnüsse und ein paar ein gewürfelte rote chilis zusammenrühren. meisten nehme ich die kleinen roten chilis aus dem asia markt, die ich halbiere und entkerne. das ist immer wieder ein erlebnis, bei dem ich wegen der aufsteigenden ätherischendie öle gerne hustenanfälle und später, wenn ich meine chili-finger vergesse und mir ans auge fasse, brennende augen bekomme. mittlerweile haben wir uns an 4-6 kleine chilis rangetastet, ans gremolata kommt aber nur die hälfte.
die andere hälfte kommt mit einem guten, fein gewürfelten stück ingwer in die pfanne (mit eine bisschen öl). manchmal schmeiss ich auch noch knoblauch oder ganz fein gewürfelte zitronengrasstängel dazu, zwiebeln würden hier eigentlich auch passen. die ingwer-chili-würfel werden dann mit dem dickeren teil der kokosmilch abgelöscht, mit einem guten esslöffel gelber fertigcurrypaste verrührt. danach die restliche kokosmilch dazu, und falls man das mag ein bisschen einkochen.
damit hat man eigentlich die grundlage, jetzt kann man peu a peu gemüse und fisch dazuschmeissen und köcheln lassen. im rezept wird folgendes vorgehen empfohlen:
die festen, weissen teile von pak-choi-stauden (in streifen oder ringe geschnitten) 1 minute garen. an dieser stelle habe ich heute neben den pak chois ein paar kleingeschnittene spargel-stangen dazugeworfen, andere kohl-sorten dürften hier auch funktionieren, möhren, paprika oder was auch immer man an festem gemüse da hat. im rezept sind auch, zusätzlich zum pak-choi, in striefen geschnittene zuckerschoten (100 gramm) vorgesehen.
nach der ersten minute kommt der fisch dazu, den kippe ich meist mitsamt der sojasossen- und limettensaft-marinade dazu. der fisch kann jetzt 4 minuten lang köcheln, danach kommen die schnell garenden zutaten: das feine grün der pak-choi-schoten, mangowürfel oder dünne mangoscheiben sind im rezept vorgesehen, ich habe heute auch ein paar erbsen dazugeworfen.
nach eeiner weiteren minute ist das curry gut, wenns noch nicht gut ist, können noch limettensaft oder sojasosse dazu.
Differenzieren ist mühsam, aber noch mühsamer ist es zu akzeptieren, dass es sich immer lohnt zweimal oder zumindest genauer hinzuschauen. Leider leiden wir alle, nicht nur Jasper von Altenbockum, an angeborenem confirmation bias [eigentlich Bestätigungs-Befangenheit, offiziell aber „Bestätigungsfehler“, bei dem es uns leicht fällt Quatsch als Fakt zu akzeptieren, wenn er in unser Weltbild passt] — und das einzige was dagegen hilft ist Mühe, genauer Hinschauen oder Recherchieren.
[Recherchieren ist übrigens eine Tätigkeit die dem Prokrastinieren nicht unähnlich ist. Recherche, genaues Hinsehen, hinerfragen wird übrigens müheloser und niedrigschwellig, wenn man dafür andere wichtige Tätigkeiten auf später verschiebt.]
Manchmal macht sich auch jemand anders die Mühe zu recherchieren, dann muss man nur noch lesen:
Ende April lauteten bereits die Schlagzeilen vieler Medien „AfD jetzt stärkste Partei im Osten“. Auch in den letzten Tagen wird immer wieder vermeldet, dass die AfD in Brandenburg die stärkste Kraft sei. Das ist besonders bedeutend, da in Brandenburg, Sachsen und Thüringen in diesem Jahr gewählt wird. Die AfD hofft auf und alle andere befürchten einen „blauen Herbst“, wie es die Tagesschau gestern schrieb. Man könnte meinen, zumindest in den ostdeutschen Bundesländern würde die AfD immer stärker werden.
Doch das Gegenteil ist der Fall. Wie wir bereits vor ein paar Wochen erklärten: Dass die AfD im Osten stark und auch die stärkste Partei ist, ist nichts Neues. Bereits im Sommer 2018 war die AfD im Osten die stärkste Partei. Die Berichterstattung täuscht darüber hinweg, dass die AfD in einem halben Jahr in Wahrheit 4 Prozentpunkte (2018: 27% – 2019: 23%) verlor.
[Es kann natürlich sein, dass ich hier auch einem Bestätigungsfehler erliege und Thomas Laschyks Analyse Quatsch ist, und ich mir nur wünsche, dass es im Osten keinen Rechtsruck, sondern Wählerwanderungen nach Links gibt. Sicher aber ist: übersichtlich und klar ist die politische Lage nicht.]
Mit den anstehenden Wahlen in Sachsen und Brandenburg und der Berichterstattung, die sich vor allem um die AfD dreht, könnte man meinen, die Rechtsextremen würden im Osten immer stärker werden. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Tatsächlich könnte man sogar eher von einem Linksruck sprechen.
seit gestern sehe ich haufenweise stadtführungen, angeführt von gelb-fliegen und gefolgt von gelbwesten („security guide“). allein heute früh #aufdemwegzurarbeit 5 gruppen überholt.
#speisekammergarten stand nach 13 wochen: die normale kopfsalat-produktion hab ich runtergefahren: nimmt zuviel platz weg, wächst gut, ist aber nur mittelbefriedigend. sehr schön nach wie vor der alte mangold, seit wochen ernte ich den immer wieder ab. pak chois sehen gut aus, passen in alle salate, die rauke schmeckt am besten, will aber nicht so brutal spriessen wie der mangold. die basilikum-anzuchten kommen langsam, der supermarkt-basilikum lebt und spriesst auch nach 10 wochen noch. koriander kommt auch langsam. #ikeaväxer#växer
pak choi dahinter kopfsalat
in die rauke setze ich grosse hoffnungen
hinten rechts der „alte“ mangold, der sich bereitwillig pro woche 2-3 blätter anschneiden lässt. die anderen mangolds haben ein umtopf-massaker gut überlebt.
unten einer der letzten kopfsalate, ein endivien-test und ein anderer test
vorne verschiedene basilikum-sorten, hinten pak choi und rauke
Dieser Auftritt der EU-Wettbewerbskomissarin Margarethe Vestager auf der Republica-Bühne war einer der langweiligsten, aber vielleicht auch einer der thematisch wichtigsten Auftritte dieses Jahr. So wie ihr Job als Wettbewerbskomissarin eben auch irre langweilig & -wierig ist — aber gleichzeitig einer der wichtigsten und effizientesten Jobs gegen die überbordende Macht und Einfluss großer Konzerne zu sein scheint.
Vestager ist aktuell wohl das einzige scharfe Messer das Europa gegen die Übermacht und die strukturelle Zerstörungswut („Disruption“) amerikanischer Plattformkonzerne in Betrieb hat.
Vestager hat sich in den vergangenen 5 Jahren erfolgreich mit vielen Großkonzernen angelegt und Milliardenstrafen verhängt, sie hat sich mit ihren kartellrechtlichen Bemühungen aber auch unbeliebt gemacht. (In Deutschland vor allem, als sie eine Fusion von Siemens und Alstom verhinderte, in der Befürworter »eine Chance auf ein europäisches Großunternehmen, ein „Airbus für die Schiene“« sahen.)
Vestager weist wiederholt darauf hin, dass es an der Zeit sei, dass unsere Demokratien die Möglichkeiten in die Zukunft unserer Gesellschaften selbst formen, die derzeit in fast allen Bereichen in der Hand von Firmen liegen, die oft außerhalb demokratischer Kontrolle agieren.
Ich hoffe Vestager hat noch lange Einfluss auf die Ausrichtung der EU-Politik, nicht nur weil sie angstfrei und unabhängig zu sein scheint, sondern weil sie auch als eine der wenigen EU-Spitzenpolitikerïnnen den Ernst der Lage begreift und entsprechend pragmatisch agiert.
Nur: auch wir müssen mit unseren Konsumentscheidungen mitwirken & mitsteuern — und dabei unter Umständen auch lieb gewonnene Bequemlichkeiten aufgeben und viel intensiver nach Alternativen zu den Diensten der großen Plattformen suchen.
Ich empfehle, sich dieses (oder dieses) teilweise schmerzhaft trockene Gespräch reinzuziehen oder sich zumindest mit Lobeshymnen und Kritik an Vestager auseinander zu setzen. Weil: „This is now.“