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ko­bol­de und but­ler

felix schwenzel in artikel

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vor un­ge­fähr 35 jah­ren wur­de wäh­rend ei­nes strand­ur­laubs un­ser auto auf­ge­bro­chen und ein paar sa­chen dar­aus ge­klaut. so­weit ich mich er­in­ne­re, war nichts wich­ti­ges oder wert­vol­les da­bei, wir hat­ten ja nichts da­mals. aber auch mein adress­buch ver­schwand an die­sem tag und das war sehr schmerz­haft. seit­dem füh­re ich mei­ne adress­bü­cher nur noch red­un­dant, ich habe seit­dem im­mer ein back­up. in den spä­ten acht­zi­ger jah­ren wa­ren das wahr­schein­lich noch pho­to­ko­pien, aber seit­dem ich zu­griff auf ei­nen PC und dru­cker hat­te, führ­te ich mei­ne kon­tak­te mit com­pu­ter­hil­fe. mein mo­bi­les adress­buch be­stand vie­le jah­re aus ge­fal­te­ten, klein be­druck­ten DIN-A4-blät­tern. mei­ne adres­sen er­fass­te ich dann, glau­be ich, mit­te der neun­zi­ger jah­re für den palm-pi­lot erst­mals struk­tu­riert. seit­dem le­ben mei­ne adres­sen in ir­gend­ei­nem com­pu­ter und sind im­mer ir­gend­wo ge­si­chert.

ich hole so weit nach anno da­zu­mal aus, um zu be­grün­den, war­um die ers­ten smart­pho­nes mich von an­fang an be­geis­ter­ten und ich sie tat­säch­lich smart fand. weil vor­her war das mit adres­sen und ter­mi­nen ein­fach mist. man soll­te die filo- oder pa­pier­fa­xen zu de­nen wir da­mals ge­zwun­gen wa­ren nicht ver­herr­li­chen. selbst das pri­mi­tivs­te smart­pho­ne da­mals (bei mir un­ter an­de­rem der palm pre) war um län­gen prak­ti­scher und smar­ter als der vor­he­ri­ge pa­pier­kram.

vor drei­zehn jah­ren schrieb ich, dass smart­pho­nes na­tür­lich nicht im sin­ne von in­tel­li­genz smart sei­en:

mein smart­pho­ne weiss ei­ni­ges über mich: alle mei­ne adres­sen, mei­ne ter­mi­ne, mei­nen auf­ent­halts­ort, mit wem ich te­le­fo­nie­re und schrei­be. na­tür­lich weiss mein te­le­fon das al­les nicht, son­dern es spei­chert die­se da­ten erst­mal nur. der pro­zess, die­se in­for­ma­tio­nen zu ech­tem wis­sen um­zu­wan­deln, steckt noch ziem­lich am an­fang.

mir fiel da­mals auf, dass die­se zen­tra­le ag­gre­ga­ti­on von da­ten (oder di­gi­ta­le sam­mel­wut) ei­gent­lich auch nichts neu­es war. leu­te, die es sich leis­ten konn­ten, hat­ten schon im­mer as­sis­ten­ten oder die­ner, die das für sie er­le­dig­ten.

ein gu­ter but­ler (oder as­sis­tent) soll­te mei­ne kon­tak­te, kor­re­spon­denz-me­ta­da­ten und ter­mi­ne ken­nen, je­der­zeit mei­nen auf­ent­halts­ort so ge­nau wie mög­lich be­stim­men kön­nen und so viel wie mög­lich über mei­ne vor­lie­ben und ab­nei­gun­gen wis­sen. die­se da­ten soll­te sich ein but­ler auch gut mer­ken kön­nen, da­mit ihm das al­les nicht je­den mor­gen neu er­klärt wer­den muss.

mitt­ler­wei­le sind smart­pho­nes und un­se­re an­de­ren di­gi­ta­len hel­fer sehr viel wei­ter als vor 13 jah­ren. wir er­fas­sen und spei­chern noch mehr un­se­rer da­ten auf ih­nen, es fal­len un­men­gen an me­ta­da­ten an und die mög­lich­kei­ten, die­se da­ten mit soft­ware zu ver­knüp­fen, wur­den im lau­fe der jah­re im­mer bes­ser. und jetzt ste­hen alle in den start­lö­chern und wol­len die­sen da­ten­schatz mit künst­li­cher in­tel­li­genz auf­be­rei­ten, ver­knüp­fen und aus­wer­ten. vor­geb­lich zu un­se­rem nut­zen und vor­teil.

da­mals wie heu­te stellt sich vor al­lem die fra­ge der loya­li­tät: ist mein smart­pho­ne loy­al? von but­lern er­war­ten wir nicht nur loya­li­tät, son­dern auch dis­kre­ti­on. im prin­zip er­war­ten wir das auch von un­se­ren di­gi­ta­len as­sis­ten­ten. in den ju­gend­jah­ren un­se­rer smart­pho­nes wur­de die­ses ver­trau­en ge­le­gent­lich ge­bro­chen, wenn man ir­gend­wann er­fuhr, dass bei der an­mel­dung bei ei­nem on­line-dienst auch gleich un­ser adress­buch auf die ser­ver die­ses on­line-diens­tes über­tra­gen wur­de.

mitt­ler­wei­le ha­ben die smart­pho­ne-her­stel­ler an der loya­li­tät ih­rer pro­duk­te und den mög­lich­kei­ten der loya­li­täts­kon­trol­le ge­ar­bei­tet. mo­der­ne smart­pho­nes wei­sen dar­auf hin, wenn frem­de zu­griff auf per­sön­li­che da­ten er­lan­gen wol­len, und fra­gen bei uns nach. teil­wei­se so oft, dass wir uns schon wie­der as­sis­ten­ten wün­schen, die die­se an­fra­gen au­to­ma­tisch und in un­se­rem sinn be­ant­wor­ten wür­den. aber grund­sätz­lich ha­ben die meis­ten men­schen mitt­ler­wei­le ein mit­tel­gut be­grün­de­tes ver­trau­en in die loya­li­tät ih­rer elek­tro­ni­schen hel­fer. bis auf die tat­sa­che, um im bild zu blei­ben, dass die­se hel­fer oder but­ler alle ame­ri­ka­ner sind und des­halb et­was un­be­re­chen­bar sind. aber das ist ein an­de­res pro­blem als das, über das ich ei­gent­lich schrei­ben woll­te.

das pro­blem ist künst­li­che in­tel­li­genz (KI). vie­le men­schen (ich auch) er­hof­fen sich prak­ti­sche vor­tei­le da­von, wenn sie KI-sys­te­men zu­griff auf all ihre da­ten ge­ben. vie­le stöp­seln sich mit open­claw oder an­de­ren pro­gram­mier­knech­ten sys­te­me zu­sam­men, die zu­griff auf all ihre da­ten be­kom­men und auch noch in ih­rem na­men han­deln kön­nen. bild­lich ge­spro­chen ist die tech­no­lo­gi­sche lage mo­men­tan so, als ob sich die stras­sen plötz­lich über­all mit ko­bol­den fül­len, die uns ver­spre­chen, alle mög­li­chen auf­ga­ben für uns zu er­le­di­gen, kos­ten­los güns­tig und schnell. da­mit sie gut für uns ar­bei­ten kön­nen, öff­nen wir nicht nur un­ser haus und un­se­re woh­nungs­tü­ren, son­dern ent­fer­nen oft gleich alle schlös­ser und tü­ren kom­plett, da­mit die ko­bol­de un­ge­stört ar­bei­ten kön­nen.

das ist das gute recht al­ler er­wach­se­nen men­schen, so zu han­deln, und wir wer­den alle sehr viel aus den er­fah­run­gen mit den ko­bol­den ler­nen, was pas­siert wenn sie au­to­nom agie­ren oder wenn sie lai­en­haft mit scrip­ten wie open­claw in­stru­iert wer­den.

ap­ple hat an­fang der wo­che sei­ne vor­stel­lun­gen for­mu­liert, wie die zu­sam­men­ar­beit mit die­sen ko­bol­den aus­se­hen soll. ap­ple sucht die ko­bol­de für uns aus und will sie ri­go­ros auf un­se­ren ap­ple-te­le­fo­nen ein­sper­ren. den schlüs­sel zu den ko­bol­den will ap­ple auf dem ipho­ne nicht aus der hand ge­ben. auf dem mac dür­fen wir nach wie vor ma­chen, was wir wol­len, und be­lie­big ko­bol­de ein­las­sen. auf das ipho­ne dür­fen nur ap­ple-ap­pro­ved ko­bol­de in den da­ten wüh­len.

die ge­setz­ge­ber in der eu­ro­päi­schen uni­on fin­den das nicht gut und mei­nen, dass auch an­de­re ko­bol­de im ipho­ne in da­ten wüh­len dür­fen soll­ten. ap­ple sagt, das gin­ge gar nicht, weil man nur die ei­ge­nen, aus­ge­wähl­ten ame­ri­ka­ni­schen ko­bol­de kon­trol­lie­ren kön­ne. ap­ple sagt (mit ganz an­de­ren wor­ten), dass man die ko­bol­de der­zeit ein­fach ein­mau­ert, um tü­ren, fens­ter, ein­lass- und aus­gangs­kon­trol­len, über­wa­chung und ko­bold-aus­wahl­kri­te­ri­en zu kon­zi­pie­ren und zu bau­en, brau­che man noch min­des­tens 18 mo­na­te.

des­halb gibts jetzt wohl in der EU min­des­tens zwei jah­re lang kei­ne ko­bol­de auf ipho­nes.


ich hät­te ger­ne mit den ap­ple-ko­bol­den auf mei­nem ipho­ne rum­ge­spielt. aber noch lie­ber hät­te ich ein ipho­ne, auf dem ich wie auf mei­nem mac das ma­chen kann, was ich will. ein sys­tem, auf dem ich, wenn ich mal ko­bol­de ein­la­de, ge­nau be­ob­ach­ten kann, was die ko­bol­de ma­chen, und sie je­der­zeit wie­der raus­schm­eis­sen kann oder ih­nen fein­gra­nu­lar be­stimm­te rech­te ge­ben kann, wenn es mir mal ex­pe­ri­men­tier­freu­dig zu­mu­te ist. aber ap­ple will das mo­men­tan nicht auf ipho­nes und ipads ma­chen und wehrt sich mit hän­den und füs­sen und viel schlüpf­ri­ger re­si­li­enz ge­gen ge­set­ze, die das ei­gent­lich so vor­se­hen.


sie­he auch:


abgesehen davon das federico viticci hier klüg über die neue siri nachdenkt (siehe zitat), hat er ein paar sehr tolle fotos an den artikel geklebt. ins­be­son­de­re das bild von john ternus und tim cook sieht so aus­ge­dacht aus, dass es fast zu promtig als wahr sein könnte. isses aber nicht.

The new Siri AI is, of course, re­mi­nis­cent of a chatbot at a surface level. And yet unlike Claude, ChatGPT, or Gemini, the chatbot is not the product here: the chatbot is merely one of the shapes the new Siri AI can take. “It’s a feature, not a product”, Jobs would quip. The new Siri uses a coll­ec­tion of LLMs to deliver a personal assistant ex­pe­ri­ence that, unlike others, can tap into the rich tapestry of device context and app data that other chatbots can’t aspire to. It can work with voice, it can work with text; it can be a glassy bubble in the Dynamic Island, and it can be an app. I saw Siri pull up messages from months prior and compare responses in tables generated on the spot. I saw Siri cross-reference an Apple note against an email and provide a useful response in about five seconds. It was Siri, but it also didn’t feel like Siri.

(via)



am pu­bli­kum vor­bei

felix schwenzel in notiert

ich schrei­be ger­ne am pu­bli­kum vor­bei. also nicht ab­sicht­lich, son­dern weil ich mich sel­ten fra­ge, was könn­te le­sen­de in­ter­es­sie­ren und lie­ber ge­nau das schrei­be was mich ge­ra­de fas­zi­niert, in­ter­es­si­ert oder be­schäf­tigt. ich tei­le ger­ne und hof­fe da­mit im bes­ten fall an­de­re an­zu­re­gen oder dass sie neue per­spek­ti­ven fin­den. ge­le­gent­lich an­de­re auf neue ideen zu brin­gen oder ein klei­nes stück zu be­we­gen, zäh­le ich als er­folgs­er­leb­nis. das ist nicht mess­bar, aber ge­le­gent­lich be­kom­me ich es doch mit und freue mich.

es be­trübt mich aber an­de­rer­seits auch nicht, wenn sich aus­ser mir nie­mand für das gross­ar­ti­ge stan­dard.site-for­mat in­ter­es­si­ert oder wie ich kurz­urls oder wei­ter­lei­tun­gen baue. da über­wiegt viel mehr die selbst­be­frie­di­gung durch neu­fea­tur­e­r­i­tis und neu­gier­be­frie­di­gung.

ge­le­gent­lich scheint es aber doch über­schnei­dun­gen zwi­schen den in­ter­es­sen des pu­bli­kums und mir zu ge­ben, sa­gen mir zu­min­dest mei­ne be­su­cher­zah­len. die­ses re­zept hat in den letz­ten 6 mo­na­ten über 3000 le­sen­de ge­zählt. wer nach spitz­kohl und air­fry­er goo­gelt, fin­det es ganz oben im such­er­geb­nis. wenn man da­von aus­geht, dass goog­le ei­ni­ger­mas­sen weiss wo­nach men­schen su­chen, dann sieht es so aus als ob sich men­schen (laut goog­le) aus­schliess­lich für re­zep­te von mir in­ter­es­sie­ren. ich habe un­ge­fähr 40 re­zep­te und fast alle tau­chen mit be­stimm­ten wort­kom­bi­na­tio­nen ganz weit vor­ne bei goog­le auf.

  • gur­ken­sticks
  • gur­ken­sa­lat mäl­zer
  • spitz­kohl air­fry­er
  • me­lo­nen­sa­lat ot­to­lenghi
  • sti­cky tof­fee fallow
  • rot­kohl fallow
  • schwarz­brot son­nen­blu­men­ker­ne
  • schwarz­brot plötz­blog
  • röst­zwie­bel spa­ghet­ti
  • schnel­ler brok­ko­li do­mi­ni­que woolf
  • schnel­ler brok­ko­li oli­ver
  • bul­gur pi­law ot­to­lenghi
  • bul­gur pi­law
  • ro­sen­kohl-ri­sot­to nach ot­to­lenghi
  • ro­sen­kohl-ri­sot­to ot­to­lenghi

ge­ra­de ges­tern habe ich wie­der ir­gend­wo ge­le­sen, dass die gräss­li­chen lan­gen tex­te die man bei fast al­len in­ter­net-re­zep­ten fin­det, eine such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung sind. glaub ich nicht, aber was goog­le of­fen­bar sehr liebt, sind re­zep­te die mit json-ld und sche­ma.org an­ge­rei­chert sind.

auch wenn das pu­bli­kum und goog­le mich nach mehr re­zep­ten fragt: mach ich nicht. ich schreib wei­ter über lang­wei­li­gen tech­nik kram und die ob­sku­ren din­ge, für die ich mich ge­ra­de zu­fäl­lig in­ter­es­sie­re, log­ge mei­nen me­di­en­kon­sum, den nie­mand wis­sen will und pro­du­zie­re hin­ter­grund­rau­schen, das nie­mand sieht. 




kurz­urls, blues­ky2wir­re­s­urls, gts2wir­re­s­urls

felix schwenzel in über wirres

ges­tern bin ich über eine idee von aa­ron pare­cki im in­di­web-wiki ge­stol­pert:

Sin­ce 2023-05-01, re­mo­ving the staging.bsky.app/profile part of Blues­ky URLs to his posts will re­di­rect to the ca­no­ni­cal post on aa­ron­pare­cki.com. For ex­am­p­le

ich „syn­di­zie­re“ (mit dem in­die­con­nec­tor) nicht alle, aber vie­le mei­ner bei­trä­ge von wir­res.net zu mast­o­don und blues­ky. zum bei­spiel ist der bei­trag „cur­ry­wurst“ auch auf bklues­ky.

https://wirres.net/articles/heute-cur­ry­wurst
https://bsky.app/profile/wirres.net/post/3mn3kzvtns72d

weil mein blues­ky-hand­le @wir­res.net ist, taucht wir­res.net auch in der blues­ky-url auf. wenn man die url im brow­ser ein­fach kürzt …

https://bsky.app/profile/wirres.net/post/3mn3kzvtns72d
                         wirres.net/post/3mn3kzvtns72d
               → https://wirres.net/articles/heute-cur­ry­wurst

… lan­det man auf der ka­no­ni­schen url auf wir­res.net.

das glei­che geht für mast­o­don links:

https://mstdn.wirres.net/@ix/statuses/01KSWYPT075VEG8SEYF91ABR7X
              wirres.net/@ix/statuses/01KSWYPT075VEG8SEYF91ABR7X
    → https://wirres.net/articles/heute-cur­ry­wurst

lei­der sind die je­wei­li­gen IDs 3mn3kzvtns72d (blues­ky) oder 01KSWYPT075VEG8SEYF91ABR7X (mast­o­don/GTS) nicht viel kür­zer als die ar­ti­kel ID die kir­by an­ge­legt hat: mqmwcyaybdffzd­ty.

mei­ne bis­he­ri­gen „kurz“-urls sind kir­by-IDs:

aber so rich­tig kurz wa­ren die nicht ge­ra­de, des­halb bin ich zu mei­nen al­ten kurz-url-mus­ter zu­rück­ge­kehrt: mein vor­he­ri­ges CMS ez­pu­blish hat die ar­ti­kel-id ein­fach hoch­ge­zählt. bei al­ten ar­ti­keln habe ich das bei­be­hal­ten und das funk­tio­niert wie eh und je, auch das alte ar­tic­le­view-url-mus­ter:

das funk­tio­niert jetzt auch mit neu­en ar­ti­keln wie die­sem:

die­se kurz-urls sind zwar nicht so kurz wie die von eay.cc, aber mir reichts:

 





wun­der(n)

felix schwenzel in notiert

ich mag kei­ne la­mentos und des­halb wer­de ich mich auch nicht, zum bei­spiel, dem la­men­to, dass nie­mand mehr liest an­schlies­sen. aber mir ist auf­ge­fal­len, dass wir uns sehr we­nig wun­dern.

zu­nächst kann man sich ja schon al­lein über die schön­heit des wor­tes „wun­dern“ freu­en. wenn man ein wun­der er­lebt oder emp­fin­det, wun­dert man sich. dann ist es wahr­schein­lich auch so, dass der man­gel am wun­dern be­stimmt auch nichts neu­es ist. uns er­scheint ja nach ei­ner ge­wis­sen zeit der ge­wöh­nung al­les um uns her­um als nor­mal. an­ders kann man wahr­schein­lich auch nicht bei sin­nen blei­ben und des­halb nennt man die­se ge­wöh­nung ja auch so­zia­li­sa­ti­on. ohne so­zia­li­sa­ti­on, also ge­wöh­nung an den all­tag, an die um­welt, wä­ren wir wahr­schein­lich per­ma­nent über­for­dert.

aber ge­nau ge­nom­men, man­gelt es nicht an din­gen über die es sich zu wun­dern lohnt. mir fiel das heu­te früh beim mor­gen­spa­zier­gang auf, als ich (un­ter an­de­rem) auch mal kurz an mei­ne letz­te darm­spie­ge­lung den­ken muss­te. der wohn­te ich bei vol­lem be­wusst­sein bei und ver­folg­te sie ver­wun­dert auf dem fern­se­her. heu­te früh dach­te ich, dass wir ja mitt­ler­wei­le er­staun­lich viel da­von ver­ste­hen wie mensch­li­che kör­per funk­tio­nie­ren, aber gleich­zei­tig auch nicht.

was für ein wun­der, dass sich aus zel­len, ei­ner ei­zel­le und ei­nem sper­mi­um, koh­len­hy­dra­ten, was­ser, luft und viel lie­be so ein kom­ple­xes ge­flecht aus zel­len bil­det, dass mit ein biss­chen war­tung acht­zig, neun­zig jah­re lang funk­ti­ons­fä­hig bleibt? wir ha­ben das über tau­sen­de jah­re be­ob­ach­tet und an­ge­fan­gen zu ver­ste­hen, aber ver­wun­der­lich ist das wei­ter­hin.

ir­gend­wo habe ich auf­ge­schnappt, dass wis­sen­schaft eine viel bes­se­re me­tho­de ist als re­li­gi­on um an wun­der zu glau­ben. jede wis­sen­schaft­li­che fra­ge die wir klä­ren, wirft im­mer neue fra­gen und wun­der­lich­kei­ten auf. es ist so­viel span­nen­der sich in ge­dan­ken über schwar­ze lö­cher und das ende der zeit in der sin­gu­la­ri­tät zu ver­lie­ren, als sich ge­dan­ken über die jung­fräu­lich­keit von ma­ria oder die ver­meint­li­che auf­er­ste­hung ei­nes leich­nams vor 2020 jah­ren zu wun­dern.

als wir fri­da vor 6 jah­ren bei der züch­te­rin ab­ge­holt ha­ben, hat sie sich auch über al­les ge­wun­dert, aber stän­di­ger kör­per­kon­takt, eine un­er­sätt­li­che ju­gend­li­che neu­gier und viel schlaf ha­ben ihr ge­hol­fen die­se druck­be­tan­kung mit ein­drü­cken zu ver­ar­bei­ten. so dürf­te das bei uns alle in den ers­ten le­bens­jah­ren auch ge­we­sen sein, aber es ist gut, wenn man da noch­mal dran er­in­nert wird.

ich ver­ges­se das wun­dern auch im­mer wie­der. was mich ge­le­gent­lich trig­gert und in ei­nen zu­stand des stau­nens ver­setzt, sind tech­ni­sche de­tails die ich ent­de­cke und mich un­nö­tig stark be­schäf­ti­gen. wie jetzt zum bei­spiel in den letz­ten ta­gen, dass ich mit ein biss­chen json ein­fach gan­ze ar­ti­kel, in­klu­si­ve bil­der und me­ta­da­ten in die welt bla­sen kann, die auch les­bar blei­ben, wenn ich mein blog ka­putt-op­ti­mie­re oder ir­gend­wann nicht mehr be­zah­len kann.

aber wie ge­sagt, das soll kein la­men­to sein, son­dern nur eine er­in­ne­rung dar­an, wie auf­re­gend es sein kann, sich ge­le­get­lich über ver­meint­li­che selbst­ver­ständ­lich­kei­ten zu wun­dern. 


le­sen

felix schwenzel in notiert

vol­ker we­ber:

What an in­te­res­t­ing ar­tic­le to read, if you still can

der von vol­ker ver­link­te ar­ti­kel von ty­ler jagt hat den ti­tel: „My Stu­dents Can’t Read“ und geht dar­um, dass jede ge­ne­ra­ti­on von lehr­kräf­ten dar­über kla­gen wür­de, das ihre stu­die­ren­den nicht le­sen könn­ten. ty­ler jagt meint das sei im­mer über­trie­ben ge­we­sen, aber jetzt kön­ne man das auch mit da­ten be­le­gen.

was ich wit­zig fand: über dem ar­ti­kel ist ein play­er ein­ge­bet­tet, der da­für sor­gen soll, dass man den ar­ti­kel nicht le­sen muss, son­dern ihn sich vor­le­sen las­sen kann.

screenshot https://archive.li/WvW1F

das ist schon sehr, sehr wit­zig.

der play­er lädt über ar­chi­ve.li nicht, aber wenn man auf die ori­gi­nal­sei­te des ar­ti­kels auf chro­nic­le.com geht, kann man den ar­ti­kel we­der le­sen, noch an­hö­ren, son­dern muss sich erst­mal an­mel­den. nach der an­mel­dung konn­te ich den ar­ti­kel im­mer noch nicht le­sen, weil chro­nic­le.com woll­te, dass ich mein pi.hole de­ak­ti­vier.

das ist ein un­trüg­li­ches zei­chen für ei­nen wei­te­ren grund, dass an­geb­lich nie­mand mehr liest: weil ei­nem das le­sen zu­neh­mend schwer ge­macht wird.

es sind nicht nur die te­le­fo­ne, al­go­rith­mi­schen feeds oder LLMs, son­dern auch die un­fä­hig­keit und der un­wil­le tex­te über­haupt ab­len­k­lungs­frei zum le­sen an­zu­bie­ten.

ich muss beim la­men­tie­ren dar­über, dass nie­mand mehr le­sen kann, auch im­mer an neil post­man den­ken. der hat das ende der le­se­kul­tur schon al­les vor 40 jah­ren pos­tu­liert (SN­CNR). ein paar hun­dert jah­re vor­her wur­de das le­sen noch als schäd­lich ein­ge­stuft, zu­min­dest dann, wenn alte weis­se män­ner den le­se­text nicht für hoch­wer­tig ge­nug hiel­ten. jetzt wirds le­sen und den­ken zum „lu­xus­gut“:

In July 2025, the jour­na­list Mary Har­ring­ton argued in The New York Times that “thin­king is be­co­ming a lu­xu­ry good.”

die bild zei­tung ist jetzt über 70 jah­re alt. zu­min­dest in den 60er und 70er jah­ren hat­te die bild ein viel­fa­ches, teils ein fünf bis 20 fa­ches der auf­la­ge von zei­tun­gen und zeit­schrif­ten mit et­was län­ge­ren tex­ten und nor­mal gros­sen buch­sta­ben. ich glau­be zu be­haup­ten, dass le­sen auf eine ge­wis­se art im­mer schon ein lu­xus­gut war ist nicht über­trie­ben.

dazu kommt, dass le­sen mei­ner mei­nung nach so­wohl über­schätzt, als auch in­ter­schätzt wird. mit der fä­hig­keit zu le­sen konn­te man sich im­mer schon gros­se vor­tei­le ver­schaf­fen. oder gute un­ter­hal­tung. mitt­ler­wei­le (ei­gent­lich aber auch schon im­mer) kann man auch ohne zu le­sen vor­tei­le und wis­sen und un­ter­hal­tung so­wie­so ver­schaf­fen.

ich habe dem le­sen viel zu ver­dan­ken, aber ge­lernt habe ich ne­ben dem le­sen schon im­mer auch vi­su­ell, ver­bal oder hap­tisch. die fä­hig­keit zu den­ken oder sich aus­zu­ken­nen al­lein an le­se­be­fä­hig fest­zu­ma­chen ist auf je­den fall et­was kurz ge­grif­fen. das mag in aka­de­mi­schen oder wis­sen­schaft­li­chen be­rei­chen an­ders sein und was ty­ler jagt und di­ver­se stu­di­en be­ob­ach­ten wird im je­wei­li­gen kon­text si­cher al­les stim­men, aber vor ge­ne­ra­li­sie­run­gen soll­te man sich im­mer hü­ten (pun in­ten­ted). 


Das Ge­dan­ken­spiel, was ei­gent­lich anders wäre, wenn Frauen an der Macht wären, führt Ladies First in eine Welt, in der Frauen sich komplett ego­is­tisch verhalten und nur auf ihr eigenes Wohl bedacht sind. Sie über­neh­men keine Ver­ant­wor­tung für Sor­ge­ar­beit, belegen selbst­ver­ständ­lich alle Füh­rungs­po­si­tio­nen, fördern sich nur ge­gen­sei­tig. Männer be­trach­ten sie als un­gleich­wer­tig, als Lust­ob­jek­te, die hübsch anzusehen, aber nicht ernst­zu­neh­mend sind.

Selbst als Spiegel des Pa­tri­ar­chats wäre das äußerst plump und viel­leicht in den 1950ern als gelungene Satire durch­ge­gan­gen.


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gleich nach­ge­kocht, auf ne art, und es war gut. vor allem gelernt: für so ein gericht ist es wirklich von vorteil alle zutaten in etwas gleich grosse stücke zu schneiden, die pfanne muss or­dent­lich heisse sein und alles ständig in bewegung bleiben. dann wird aus dem fried rice sogar ohne reis ein leckeres gericht.