alles
hundestrand lubmin 2026

jedes jahr im juni oder juli ist es der beifahrerin danach mal an den strand zu fahren. also fahren wir drei stunden lang zur ostsee, nach lubmin, an den hundestrand. wir sind jedesmal davon überrascht wie ruhig und kühl es dort ist. in berlin gingen die temperaturen, trotz eines unwetters, bis auf 30°C hoch, in lubmin blieb es unter 22°C. vom parkplatz aus gehen wir gerade mal 10 minuten nach westen und sind dann praktisch alleine am strand.
frida ist am wasser allgemein etwas gestresst und bekommt ihre aufregung nicht gut in den griff. aber wenn sie mit der beifahrerin ins wasser geht, schwimmt sie wie ein schnellboot und schwimmt ständig kreise um die beifahrerin. ganz allgemein habe ich immer wieder den eindruck, dass sie zwischen fortbewegung an land und im wasser nicht grossartig unterscheidet, so natürlich geht ihr beides aus der hand. ich bin mir auch nicht sicher was sie mehr in aufregung versetzt, der sand oder das wasser.
beim am strand lang laufen entspannt sie dann auch ein bisschen. laufen entspannt, ganz allgemein, alles und immer.
blogdings 2004 und jetzt

facebook gibts seit 2004, aber es dauerte noch mindestens vier jahre, bis man es in deutschland benutzen konnte. soziale netzwerke entstanden in dieser zeit gerade, in diesem beitrag von 2004 erwähne ich einen dienst der „frienster“ hiess und an den ich mich nicht mal mehr erinnern kann. über das bloggen schrieb ich damals das hier:
die person hinter einem weblog, ihre glaubwürdigkeit und das vertrauen das sie sich erschrieben hat, steht am anfang. jedes blog ist durch links, link-hubs und link-zähler, aggregatoren, blogrolls und kommentarfunktionen in eine art soziales netz von vertrauen, empfehlungen und bewertungen eingebettet. dieses soziale netz geht jetzt schon über systeme wie „frienster“ hinaus. es funktioniert vor allem jetzt schon.
blogs funktionierten damals „in sich“, sie vernetzten sich im wortsinn durch gegenseitige verlinkungen, interaktionen (kommentare), blogrollen (linklisten) und durch die hilfe von aggregatoren und teilweise auch suchmaschinen. ausserdem waren blogs immer schon abonnierbar mit RSS. das war technisch etwas anspruchsvoller als eine webseite/ein blog im browser aufzurufen, aber gute RSS-reader oder -clients gabs auch schon damals. der reiz, damals wie heute, von RSS ist natürlich die aggregation: neue artikel werden oben angezeigt, wie in einem blog, nur dass man sich in seinem reader dutzende oder hunderte blogs zusammenstellen konnte und so den überblick über neue beiträge behalten konnte.
nicht zu unterschätzen, ungefähr 2005 kam google mit dem google reader. der google reader machte RSS-feeds einfach zugänglich. ich weiss nicht mehr wie das genau funktionierte, aber die eingangsschwelle zum google reader war niedrig und einmal drin war es einfach blogs zu folgen. etwas später kamen empfehlungsfunktionen für einzelne beiträge dazu, mit dem man gelesene beiträge weiterempfehlen und (wenn ich mich recht erinnere) auch mit einem kommentar versehen konnte.
2013 endete der google reader, weil google eine bekloppte idee namens google plus hatte. wozu das gut sein sollte verstand damals ausserhalb von google niemand und irgendwann verstand das bei google auch niemand mehr und google plus wurde auch eingestellt. viele sahen das als eine art todesstoss für blogs, aber weder das ende des google readers, noch facebook oder twitter waren das ende von blogs. blogs verschwanden lediglich wieder in ihre nischen, in denen sie auch vorher schon waren, etwas ausserhalb der wahrnehmung des mainstreams.
jetzt habe ich weit ausgeholt, obwohl ich eigentlich nur sagen wollte, dass ich, als ich mein zitat oben las, dachte: das würde ich heute genau so schreiben. blogs funktionieren, blogs sind weiterhin da. manche verschwinden, viele neue tauchen auf, und ständig findet man perlen, inspiration, unterhaltung, kontroversen oder serendipität — wenn man im strom ein bisschen mitschwimmt.
und was mich in den letzten tagen immer wieder fasziniert hat ist das aufpoppen (in meinem sichtfeld) von spannendne „neuen“ technologien (#atproto, #activitypub), apps und aggregatoren die das potenzial haben dem ganzen (immer) wieder neuen schwung zu verleihen.
bubbles, ein relativ neuer, toller aggregator mit voting empfehlungs- und kommentarfunktion, lahmt im deutschsprachigen bereich noch ein bisschen, aber im englischsprachigen brummts. maurice schrieb in einem kommentar:
inzwischen ist [bubbles] bei mir der haupt-referrer über den leserinnen auf meine seite kommen. Außerdem stöbere ich dort auch echt gerne.
das er viele besucher von dort bekommt liegt wahrscheinlich auch daran, dass er (auch) englisch schreibt (seine profilseite bei bubbles zeigt auf die englische version seiner website), bei mir schaufelt rivva derzeit noch mehr besucher als fast jede andere website rüber. top referrer in den letzten 12 monaten:
- vorspeisenplatte.de: 33,9%, 2.817 besuche
- buddenbohm-und-soehne.de: 29,6%, 2.465 besuche
- rivva.de: 12,5%, 1.040 besuche
- reader.konnexus.net: 4,7%, 391 besuche
tatsache ist aber, auch jetzt funktionieren blogs mindestens so gut, wenn nicht sogar besser als 2004. einerseits natürlich weil signifikant mehr leute ins internet schreiben, weil es RSS, rivva, blogrollen, webringe gibt, weil ins internet schreibende sich weiter gegeseitig verlinken und weil sich weiter viele menschen gedanken darüber machen, wie man technologien, plattformen, protokolle weiterentwickeln kann um dem ganzen nochmal mehr schwung zu geben.
ein anderer grund warum das ganze blogdings weiter brummt fällt mir morgens oft beim ersten kaffee auf, wenn sich mir (in etwa) dieses bild präsentiert:

die konstanz mancher ins internetschreibenden ist beeindruckend. jeden tag zwischen 6 und 7 uhr tauchen maximilian buddenbohm und die kaltmamsell bei mir in den feeds auf. oft ganz nah dran: markus. es scheint (weiterhin) sehr viele menschen zu geben, für die die lektüre bestimmter blogs zur morgen- oder tagesroutine gehört. ich hab wenig ahnung für wie viele menschen meine texte zur routine gehören, aber ich freue mich natürlich immer sehr, wenn ich andere mit in meine rabbitholes reissen kann oder zumindest dazu inspirieren kann, mal kurz einen blick auf dinge zu werfen über die ich mich gerade freue.
tl;dr: berichte über den tod des offenen webs sind stark übertrieben.
das artikelbild zeigt netnewswire icons von 2006 bis heute.
siehe auch:
Alles muss man selber machen lassen!
ATproto 101
guter, ausführlicher erklär-artikel von jan montag über die „gute Idee“ ATproto, also das protokoll das hinter blue-, black- oder eurosky steckt.
[Damit wird] theoretisch möglich […], dass du deine Identität endlich mitnehmen kannst. Überleg dir die Löschung deines Instagram oder Facebook oder X Accounts. Das wars. nicht so jetzt. Hier kann du die App wechseln und trotzdem alles mitnehmen.
auf einem PDS, dem „personal data server“, sind beim ATprotokoll alle daten gesichert, in verschiedenen schichten, die identität, der soziale graph, beiträge, app-daten. der PDS wird von jemandem zentral betrieben, lässt sich aber umziehen, mit allen daten und (im prinzip) auch mit dem benutzernamen. APPs sind im prinzip das schaufenster auf diese daten.
mein PDS liegt derzeit noch bei bluesky, in den USA. weils geht und aus prinzip werde ich den in nächster zeit zu eurosky migrieren. damit sollte sich weder etwas an meinem bluesky-konto ändern, noch auf irgendeinem anderen konto das ich mit meinem ATmosphere-konto nutze (zum beispiel standard-reader, blento, sill oder popfeed).
so einen PDS kann jeder betreiben, allerdings ist das genauso undankbar und viel arbeit, wie einen eigenen mail- oder mastodon-server zu betreiben:
Föderation ist nicht schwer, weil Protokolle schwer sind. Föderation ist schwer, weil Betrieb schwer ist. Updates, Abuse, Spam, DDoS, Moderation, rechtliche Geschichten, Kosten, Backups – das ist nicht romantisch, das ist Alltag. Und dieser Alltag führt fast automatisch dazu, dass sich wieder zentrale Anlaufstellen bilden.
jans fazit, trotzdem und mit einem aufruf zur wachsamkeit:
ATProto ist eine wirklich elegante Idee: Schichten trennen, Identität portabel machen, Apps austauschbar machen. Bluesky hat damit ein Fenster geöffnet.
Aber Fenster sind nur Fenster. Wenn du nicht durchgehst, wird es wieder zugemauert.
und seine kurzfassung um den unterschied zwischen ATproto (atmosphere) und ActityPub (fediverse) zu erklären:
Fediverse = „viele Dörfer, Post wird zwischen Rathäusern ausgetauscht“;
ATProto = „du hast dein eigenes Haus (PDS), aber die großen Straßenkarten (Index/AppView) entscheiden, wer dich findet.“
ich würde ergänzen:
fediverse: viele autonome dörfer, die sich auf ein austauschformat geeinigt haben, die daten aber im dorf speichern.
atmosphere: grosse datenlagerhäuser die mit glasfaser vernetzt sind, an die sich dörfer, bastler, werkstätten oder konzerne andocken können und geregelten zugriff auf die lagerbestände bekommen und auch selbst lagerfläche anmieten können. die inhalte (fast) aller lagerbestände sind — nach bestimmten regeln — auch wieder für alle anderen zugänglich.
beide protokolle haben ihre vor und nachteile. wir brauchen keine monokulturen, im gegenteil, RSS ist nicht durch activitiPub überflüssig geworden, standard.site wird RSS auch nicht verdrängen. protokolle können nebeneinander existieren, man kann brücken bauen, protokolle könnnen zusammenwachsen oder sich spezialisieren. in beiden genannten protokllen stecken ungehobene potenziale — und das ist das eigentlich spannende.
ich für meinen teil spreche gerne mit allen. ich mag es, wenns ein bisschen kompliziert ist.
p.s.: hier kann man jan montags artikel (wie ich) hochvoten: https://bubbles.town/entry/38217373
(man muss sich nur mit seinem fediverse handle anmelden)








