dieses gedicht hat mir meine mutter per messenger geschickt.
**An meine deutschen Leser** Vielleicht kommen euch die Gedichte, Die ich in eurer Sprache schrieb, In spätren Zeiten zu Gesichte, Und täten sie’s, wär mir’s recht lieb. Und lest ihr sie, müsst ihr nicht denken, Die sind nun nicht mehr aktuell, Drum kann man sich das Lesen schenken, Drum weg damit und möglichst schnell. Denn amüsant ist die Lektüre Für manche Leute sicher nicht. Die sehn, man sitzt hier über ihre Verfloss’ne Dummheit zu Gericht, Die Dummheit der vergangnen Zeiten, Denn die steht grausam hier zu Buch, Die sie schwer büßten und bereuten Für ihr Gefühl schon schwer genug. So schwer, dass man vergessen möchte Und ein Erinnern brächte Pein, Drum scheint dies Buch euch eine schlechte Aufgrabung alten Leids zu sein. Ihr wähnt euch endgültig entflohen Dem Schatten der Vergangenheit. Und denkt nicht dran, dass euch bedrohen Der gleiche Schmerz, das gleiche Leid. Wenn man euch eure alten Fehler Nun wiederum vergessen lässt, Dann führt ein neuer Puppenspieler Euch zu nem neuen Schlachtefest. Denn ihr lasst euch so leicht umgarnen, Wenn ihr vom Kriege seid erholt. Und darum möchte ich euch warnen, Dass man euch nicht nochmal verkohlt. Zum zweiten Mal seid ihr versunken Nun in genau dem gleichen Loch. Und macht euch wieder wer betrunken, verlasst euch drauf, geschieht es noch. Im Gegensatz zu andern Dichtern, Die euch in einen Rausch versetzt, will ich euch gern vom Rausch entnüchtern, Fühlt euch drum bitte nicht verletzt! Und wirkt meine Gardinenpredigt, Seht ihr die alten Fehler ein, dann fühle ich mich reich entschädigt Und wird mir’s ein Vergnügen sein.
Curt Bloch, Juni 1944 (Transkription: Thilo von Debschitz)
meine mutter hat das gedicht natürlich ohne quelle gesendet, aber es liess sich leicht googlen und — wie so oft — tat sich da gleich ein rabbit hole auf in das ich mit meinem browser fiel: curt-bloch.com
curt bloch floh in den dreissiger jahren aus deutschland in die niederlande. als die wehrmacht 1940 in die niederlande einmarschierte und 1942 systematische deportationen begannen, „ging“ curt bloch in den untergrund. im untergrund fing er an satirische gedichte zu bloggen.
Während der Zeit, in der ich mich verborgen halten musste, ließ ich jede Woche ein Bändchen satirischer Gedichte in deutscher und holländischer Sprache erscheinen und im kleinen Kreise zirkulieren.
auf curt-bloch.com sind die „bändchen“ die curt bloch „erscheinen“ liess transkribiert, übersetzt und werden auf wunsch vorgelesen. während die hefte in den 40er jahren wohl eher eine leserschaft von um die dreissig personen (unique visits) erreichten, dürfte es curt bloch „ein Vergnügen“ sein, dass seine texte jetzt auch von moffen wie mir gefunden, gelesen und reproduziert werden können.
man kann von curt bloch viel lernen, zum beispiel über nazis, ihre eitelkeit und verwundbarkeit durch worte, aber eben auch, dass es sich lohnen kann, dass man die welt ein bisschen verändern kann und relevante spuren hinterlasen kann, auch wenn man für ein sehr, sehr kleines publikum schreibt.
I just learned that nearly every site running ads has a standardized ads.txt file that helpfully shows you how badly it murders your privacy. The file is a whitelist of all authorized resellers for programmatic advertising. For example, bostonglobe.com/ads.txtpic.twitter.com/mzJVtk6RWm
da müsste man mal nen crawler bauen und eine top 10 liste machen, gewinner ist die website mit den meisten zeilen in ihrer ads.txt.
obwohl ich nicht mehr weiss als andere bin ich spiegel-leser und pihole-nutzer. ich halte pihole für einen der besten gründe sich zuhause einen raspberry pi oder einen anderen, immer laufenden, heimserver hinzustellen. pihole funktioniert wirklich gut und macht das web wieder ein bisschen lesbarer. mein gewissen ist übrigens relativ rein, zumindest in sachen ad-blocking; den spiegel hab ich abonniert, heise.de auch. für abos und spenden geb ich im monat so um die 50 bis 80 euro aus. da muss ich mir nicht noch den ad-spyware-mist in meinen browsern rendern lassen.
Als Abwehr solchen Werbebetrugs empfiehlt Google die Industrie-Initiative Ads.txt, in der Website-Betreiber via standardisierter Textdatei veröffentlichen, mit welchen Werbemarktplätzen sie tatsächlich zusammenarbeiten. Immer mehr Werbeanbieter wie Google und AppNexus implementieren Ads.txt in ihre Verkaufsplattformen, so dass betrügerische Angebote künftig nicht mehr zum Zug kommen sollen.
ich freue mich sehr über css. das ist ein sehr merkwürdiger satz, der aber stimmt. jeden tag freue ich mich, dass ich eine der wenigen sachen die ich während meines architekturstudiums gelernt habe — oder eher, dass ich eine der wenigen sachen die mir wichtig genug erschienen um sie mir zu merken — hier im blog immer wieder anwenden kann:
sachen in würde kaputt gehen lassen. oder wie man auch in der IT sagt: to degrade gracefully.
mauerwerk ist so ein ding das würdevoll kaputtgehen kann. eine ziegelmauer sieht auch als ruine noch gut aus. vorhangfassaden, glasfassaden tun das nicht.
sowas hier
ist eigentlich nur ein <blockquote>, so sieht das dann ohne (oder mit weniger) css aus.
aber das man ein html-zitat mit ein bisschen css eben so wie oben aussehen lassen kann, das freut mich jeden tag aufs neue. oder gestern, als mir meine mutter eine nachricht schickte und ich dachte: screenshot posten und was dazu schreiben — bis mir einfiel: warum nicht css? dann sah das so aus:
auch die bubble ist ein einfaches blockquote, das ohne css, zum beispiel im rss-feed, würdevoll kaputt geht.
wen sowas nicht begeistert, der schreibt wahrscheinlich nicht selbst ins internet — oder nutzt wordpress.
aber das allerbeste, diese welt der css-magie steht auch mir als css-vollpfosten offen, dank LLMs. CSS-magie ist nämlich etwas, was die wirklich gut können.
jetzt bitte weiterblättern. danke für die kurze aufmerksamkeit.
Felix, könntest du mir bitte das Rezept der Supersauce für Hamburger Chicken? Schicken? DANKE!
das schrieb mir meine mutter heute nachmittag. daran sieht man einerseits, dass sie ihre nachrichten auf dem telefon diktiert und andererseits, dass ihr die „big mac“ sauce, die ich bei unserem letzten besuch bei meinen eltern gemacht habe, geschmeckt hat.
eigentlich ist die big mac sauce zwei rezepte (eins, zwei) die ich aus dem internet geklaubt habe, aber für eigene referenz-zwecke und für meine mutter poste ich die bauanleitung dann mal hier.
auch wenn die mayonaise im originalrezept „blitzschnell“ genant wird, kann man wahrscheinlich etws zeit sparen, wenn man fertige mayo nimmt, aber ich habe die „big mac“ sauce bisher immer mit selbstgemachter mayo gemacht. die mayo wird mit einem ganzen ei gemacht (ohne schale!). klappt immer und schmeckt. im original der sauce stehen ausserdem knoblauch- und zwiebelpulver was gut schmeckt, aber mit frischem knoblauch und frischen zwiebel schmeckts eben auch.
zutaten
200 ml raps- oder sonnenblumenöl
3 EL zitronensaft
1 ei
2 EL (scharfer) Senf
1 TL salz
1 TL zucker
120 g essiggurken
1 EL essig
1 TL paprikapulver
2 zehen knoblauch (oder ½ TL knoblauchpulver)
0,5 zwiebel (oder 1 TL zwiebelpulver)
zubereitung
alle zutaten für die mayonaise (öl, ja, ein ganzes (!) ei, zitronensaft, senf, salz, pfeffer und zucker) in einen hohen becher füllen. den „zauberstab“ auf den boden des bechers stellen, auf höchste stufe schalten und dort 10 bis 20 sekunden mit laufendem motor stehen lassen. weiter laufend langsam nach oben ziehen.
die gurken möglichst fein würfeln, die zwiebeln noch feiner würfeln und den knoblauch quetschen.
vorsichtig alle restlichen zutaten unter die mayonaise rühren.
frida ist gerade extrem läufig, was den morgenspaziergang etwas anstrengend, bzw. frida-fokussiert macht. frida möchte sich gerne allen hunden vorstellen die sie sieht, was ein krasser gegensatz zu sonst ist. in der regel (pun intended) schaut sie andere hunde nicht mal mit dem arsch an. ausser die, die sie kennt, aber auch da interessiert sie sich auch eher für die menschen.
das sind die reste vom abendessen und ich weiss bereits jetzt, dass die pizza morgen dreimal so gut schmeckt. einerseits weil sie beim aufbacken nochmal knuspriger wird und andererseits weil pizza am nächsten tag immer dreimal so gut schmeckt. beim teig hab ich mich an diese beiden clowns gehalten. der teig war sehr feucht, aber mit der anleitung extremn gut händlebar. leider für die stückgare nicht genug zeit gehabt und der ofen ist auch nicht heiss gennug. trotzddem lecker.
aus dem video gelernt: wenn das blech 30 × 40 cm gross ist ist die teigmenge dafür 30 × 40 / 2 = 600 gramm
zutaten
1 kg helles weizenmehl (550)
800 ml wasser
50 g olivenöl
25 g salz
4 g frische hefe (oder 2 g trockenhefe)
zubereitung
mehl und hefe mischen (in der küchenmaschine)
wasser langsam zugiessen, zuerst so um die 500-600 ml und wenn das mehl das wasser aufgenommen hat, langsam den rest zugiessen
auf sehr hoher stufe 5-8 minuten in der mschine kneten. danach das salz und das öl zugeben und weitere 5-8 minuten auf sehr hoher stufe kneten.
wenn sich der teig bis dahin nicht vom rand gelöst hat, 10 minuten stehen lassen und dann nochmal eine minute kneten.
arbeitsfläche grosszügig mit mehr ausstreuen und den teig aufs mehl gleiten lassen. teig etwas falten und straffen und in einer gölten schüssel, die man schliessen kann, 20 stunden in den kühlschrank.
teig wieder auf eine mit mehl bestreute arbeitsfläche gleiten lassen, portiernieren, rundwirken (straffen) und nochmal 4 stunden in einem geschlossenen behälter bei zimmertemperatur reifen lassen.
teig vorsichtig aus der schale gleiten lassen, mit den fuingerspitzen etwas flach massieren, auf ein geöltes oder backpapiertes blech zaubern und mit wenig sugo und etwas ölivenöl 8 minuten in einem richtig heissen ofen oder 12 minuten in unserem ofen vorbacken.
mehr sugo auftragen, gegebenenfalls parmesan streuen und mozzarella verteilen und nochmal 2 minuten in einem sehr heissen ofen ausbacken oder 8 minuten in unserem ofen
[nachtrag 20:15] notiz an mich selbst: das war heute früh eine schöne strecke, von zuhause zum paracelsus bad und da mit dem 120er bus zurück nach hause.
als kind bin ich irgendwie an einen aufkleber gekommen, auf dem stand „Ich bin Energiesparer“. weil aufkleber zum aufkleben sind, klebte ich den aufkleber an mein bett, neben die nachttischlampe. nun war ich energiesparer.
irgendwann wies mich meine oma darauf hin, dass energiesparer das licht ausschalten, wenn sie es nicht brauchen. damals brauchte eine nachtischlampe noch 30 oder 60 watt und ich musste ihr, trotz der trotzphase in der ich mich die ganzen achtzigerjahre befand, recht geben.
Der Bundeswirtschaftsminister bittet Sie, nun auch zu zeigen, daß Sie mitmachen.
irgendwann später in meinem leben entwickelte ich eine regelrechte aversion gegen aufkleber wie „Ein Herz für Kinder“ oder „Erst wenn der letzte baum gerodet ist …“-aufkleber, die absurder weise besonders gerne auf autos geklebt wurden. ich hatte den eindruck, dass diese aufkleber den gleichen zweck verfolgen wie spendengalas oder ablasshandel: man bekundet öffentlich eine bestimmte haltung, zahlt gegebenenfalls irgendwo etwas ein, muss dafür aber nichts ändern, nicht aktiv werden, nicht weiter ernsthaft über das eigentliche problem oder gar lösungen nachdenken.
ich hab nichts gegen haltung, im gegenteil. ich finde es auch nicht schlecht, wenn man seine haltung öffentlich bekundet. das problem mit haltung ist, dass haltung kontinuierliche aktivität erfordert. man sieht das, wenn man über körperhaltung nachdenkt: es reicht nicht zu sagen „ich gehe aufrecht“, man muss es dann jede minute seines lebens auch tun.
haltung turnt man nicht mal kurz in der turnhalle vor, haltung sollte man dann auch ausserhalb der turnhalle beibehalten, sonst isses eben keine haltung, sondern eine pose.
haltungen, die mit aufklebern oder fahnen öffentlich kundgetan werden, haben auch eine symbolische wirkung; was ist wenn der ein-herz-für-kinder-aufkleber am auto verwittert? bedeutet das dann, dass das herz für kinder auch etwas verwittert oder verblasst ist?
jahrelang bin ich an dieser „black-lives-matter“-fahne vorbeigegangen die langsam vor sich hin verblasste. ich habe mich immer gefragt ob ich der einzige bin, der in verblassende fahnen etwas reininterpretiert. jedenfalls hat die fahne jetzt ihre halt(er)ung verloren und ursprünglich wollte ich nur dieses bild mit der bildunterschrift „wenn die black-lives-matter-fahne nicht mehr matters“ posten. aber dann hab ich mir gedacht, so ganz ohne kontext ist das ja doof. jetzt isses auch mit kontext doof.
wenn die black-lives-matter-fahne nicht mehr matters
offenlegung
ich hatte wortfindungstörungen, diesen absatz hatte ich etwas doof formuliert:
haltung turnt man nicht mal kurz in der turnhalle vor, haltung sollte man dann auch ausserhalb der turnhalle beibehalten, sonst isses eben keine haltung, sondern eine behauptung.
also habe ich chatGPT gebeten ein besseres wort für „behauptung“ zu finden. nicht nur war pose ein volltreffer, auch die erklärung liess mich bewundernd staunen:
Eine Pose ist – anders als Haltung – situativ, äußerlich und oft strategisch. Haltung hingegen ist etwas, das über den Moment hinaus trägt, sich auch unter Druck bewährt und nicht vom Publikum abhängig ist.
in den rehbergen scheint die sonne und die seen werden „gereinigt“ (steht so auf den baustellenschildern)
die vegetation in den rehbergen ist innerhalb weniger tage so dicht geworden, dass ich mich bei den morgenspaziergängen wie in disneylands jungle cruise fühle.
im letzten herbst habe ich auf rtl-plus jamie olivers serie the great cookbook challenge gesehen (trailer). die show ist unterhaltsam und zeigt ein paar ambitionierte hobby und semi-profi-köche, die gerne einen kochbuch-deal gewinnen möchten. die idee der show ist, dass die köche ideen und konzepte entwickeln sollen die irgendwie neu aber auch irgendwie massentauglich sein sollen. unterwegs sieht man interessante gerichte, viele gute ideen und konzepte und von den teilnehmern der letzten runden war ich so angetan, dass ich denen allen ein kochbuch abgekauft hätte. aber es hat nur eine gewonnen, dominique woolf, also hab ich auch nur ihr kochbuch gekauft.
das konzept ist in der tat sehr gut: asiatische küche mit abkürzungen. oder wie der titel es nennt: „Easy everyday Asian-inspired food“. ich fand einige der rezepte im buch toll, aber es gibt ein rezept, an dem wir uns nicht satt essen können und das wir alle paar tage wieder essen. es ist so lecker, dass ich noch nie geschafft habe ein foto davon zu machen, weil es immer so schnell weggegessen ist.
die beifahrerin und ich sind uns einig, allein wegen dieses rezepts hat sich der kauf von dominiques kochbuch gelohnt. und dieses rezept hat crispy chili oil auch bei uns in der küche etabliert. ich habe crispy chili oil auch öfter selbst gemacht, aber als fertigvariante ist das von „Lao Gan Ma“ so empfehlenswert, dass ich das gelegentlich sogar als geschenk für freunde benutze. ich kaufe das immer im vinh loi asia-laden, hier ein random link auf einen random webshop mit dem zeug.
knuspriger brokkoli mit würziger erdnuss sosse
geht schnell, befriedigt sehr und schmeckt vor allem der beifahrerin. geht gut mit reis zusammen.
zutaten
1-2 Köpfe Brokkoli
2 El Öl
2 EL Erdnussbutter
1 EL Crispy Chili Öl
1 TL Honig
1 EL helle Sojasauce
zubereitung
Ofen auf 200 Grad vorheizen, oder eine große Pfanne vorheizen. Vorm Kochen setze ich so um die 200 g Reis im Reiskocher an. Wenn der Reis fertig ist, ist auch der Brokoli fertig.
Den Brokkoli in kleine Röschen zerpflücken, den Strunk gut schälen und alle harten Stückchen entfernen und ich lange dünne Streifen schneiden.
Die Brokkoliröschen in eine Pfanne oder feuerfeste Form geben, Öl drübersprenkeln, etwas salzen und vermengen. Ich brate die Brokkoliröschen gerne in der Pfanne scharf an und lasse sie dann zugedeckt bei niedriger Hitze solange schmoren und rösten bis der Reis fertig ist. Alternativ für 20-25 Minuten in den Ofen schieben. Am Ende sollte der Brokkoli Knusprig und etwas angebräunt sein.
Für die Sosse die Erdnussbutter, Chili-Öl, Honig und Sojasosse vermengen, gegebenenfalls mit etwas Wasser verdünnen. Ich finde es am besten wenn die Sosse leicht zähflüssig ist, nicht zu fest und nicht zu flüssig.
Ich vermenge die Sosse noch in der Pfanne mit dem Brokoli, aber man kann sie auch zum servieren über den Brokoli träufeln.
mittelgute amerikanische fernsehserien können durch die protagonisten, die geschichten oder die qualität des roten fadens durchaus sehr gut sein.
ich finde will trent tatsächlich ziemlich gut. der rote faden, der mittelgute amerikanische fernsehserien von anfang bis ende durchläuft, ist bei will trent die betrachtung der traumata der hauptfiguren. will trent und angela polaski haben ihre kindheit bei pfegeeltern verbracht, die nicht besonders pfleglich mit ihnen umgingen. in der serie heißt es immer wieder: sie durchliefen das foster care system, was im amerikanischen meist nichts gutes bedeutet. dazu kommt, dass will trent, die namesgebende figur, legastheniker ist, aber auch ein brillianter ermittler.
das hört sich alles furchtbar langweilig an, aber einerseits sind die geschichten oder fälle dieser kriminalserie gut gestrickt, aber vor allem gibt sich die serie mühe differenziert und vielschichtig zu erzählen. die bösewichter sind selten in schwarz/weiss gezeichnet und alle protagonisten kämpfen auf irgendeine art mit ihren dämonen.
ich bin weder amerikaner, meine leghastenie ist nur milde ausgeprägt, ich bin kein latino, nicht schwarz, keine frau und kein polizist — und doch kann ich mich mit fast allen figuren identifizieren. vielleicht ein bisschen pathetisch, aber es trifft den kern der serie ganz gut: will trent, die serie, die autoren, geben sich mühe humanistisch an die geschichten und figuren zu gehen.
während in fast allen amerikanischen produktionen die nutzung von handfeuerwaffen banalisiert wird und schusswaffen oft als werkzeuge zum problemlösen dargestellt werden, erzählt will trent in der dritten staffel die geschichte, die traumata eines einzigen schusses über mehrere folgen bis ins kleinste detail. der konsum von will trent hat bei mir dazu geführt, dass ich die geistlose ballerei in vielen amerikanischen serien und filmen noch schwerer ertrage.
ich freu mich jedenfalls über jede neue folge will trent und es ist wirklich eine sehr gute mittelgute amerikanische fernsehserie.
will trent ist eine typische, mittelgute amerikanische fernsehserie – allerdings eine der besseren. die serie erzählt kriminalgeschichten mit viel feingefühl für ihre figuren, ihre vergangenheit und ihre inneren konflikte. besonders beeindruckt hat mich, wie differenziert die serie mit themen wie trauma, herkunft und gewalt umgeht – fernab von der üblichen fernsehbanalisierung. trotz aller standard-zutaten fühlt sich will trent erstaunlich humanistisch und empathisch an – und genau das macht sie sehenswert.
das bild habe ich vor sieben jahren aufgenommen. heute sind wir wieder dort vorbeigelaufen und der glaser hat die kaputte scheibe bis heute nicht „reparaturverglast“.
irgendjemand oder mehrere jemande haben gerade „blogwochen“ ausgerufen. ich bin mittlerweile in einem alter angekommen, in dem ich gedenk- oder feiertage, themenwochen oder #whateverfridays einfach ignoriere. wenn meine familie weihnachten feiern will und dazu festlich essen möchte, dann koche ich was festliches und schaue zu, wie man sich sachen schenkt. aber wenn es mir oder der beifahrerin danach ist, dann essen wir auch unter der woche festlich oder wir schenken uns einfach mal so was. ich freu mich dann zum beispiel total, wenn sie leckeren käse vom einkauf mitbringt und sie fragt, ob ich mich über mein geschenk (den käse) freue.
vielleicht ist ignorieren auch das falsche wort, ich versuche mich so gut es geht gegen marketingmassnahmen die von aussen auf mich einwirken zu immunisieren. weihnachten, cyberweek, namenstag, frohnleichnam, blogwochen, alles von marketing-füchsen ausgedachte sachen um ihr anliegen voranzubringen.
aber vielleicht isses auch ganz anders und ich mag massenveranstaltungen einfach nicht. aber dann müsste ich die republica auch meiden, aber die mag ich sehr gerne. oder wahlen, zu denen gehe ich auch gerne.
egal, was ich sagen wollte: für mich sind immer blogwochen. ausser es ist gerade irgendwas anderes, zum beispiel heimautomatisierungswoche oder ich-bin-gerade-bei-meinen-eltern-zu-besuch-woche. manchmal fummel ich monatelang an meinem blog und berichte davon alle paar tage, obwohl ich sehr gut weiss, dass das allerhöchsten ein paar andere blogger interessiert, die auch gelegentlich obsessiv an ihrem blog fummeln.
konstantin zum beispiel. der hat sich einen reader zusammengefummelt: in „daily reader 2.0 lebt“ schreibt er, dass ihm cursor ai dabei geholfen hätte und das finde ich spannend, weil mich open ai beim fummeln an meinem kirby unterstützt (pun intended). der reader ist hier: reader.konnexus.net und …
Ohne Notifications. Ohne unerledigte Aufgaben. Ohne “You have 254'435 unread items”
ich mag an konstantins reader auch, dass ich dort das sehe, was er gerne mag, also maximal persönliche empfehlungen, andere blogs sehe, die ich gegebenenfalls noch nicht kenne. blogrollen können das theoretisch auch, aber meistens fehlt denen eben der kontext, die aktualität, die soetwas wie konstantins reader, rivva schaffen oder früher gelegentlich google schafften: für mich relevantes sichtbar machen.
ich mag spezifische empfehlungen, nicht „guck mal auf youtube“, sondern „guck dir dieses video auf youtube an“, nicht „guck mal, blog oder website xy hat was neues geschrieben“, sondern „blog oder website xy hat gerade dieses zu jenem geschrieben und normalerweise schreibt xy interessante sachen“.
viele meiner lieblings-blogs hab ich übrigens aus meinen referern gefischt, also aus der matomo-anzeige, von wo besucher kamen. das prinzip jemand interessiert sich für dich, also könnetst du ihn auch interessant finden funktioniert gelegentlich wirklich. ich glaube so habe ich auch meine frau kennengelernt. sie hat sich für mich ineressiert, also begann ich mich auch für sie zu interessieren.
jetzt hab ich über acht oder neun absätze erklärt, warum ich zögere mich in blog-ringen oder einer bloggerrolle anzumelden, bzw. warum sich mir die interessanz oder der nutzen dieser mechaniken noch nicht erschlossen hat. viel lieber entdecke ich (mir) neue blogs darüber, dass mir jemand in seinem blog heftig widerspricht und meine unausgegorenen überlegungen zerpflückt. ich bezweifle, dass ich jemand interessantes oder mir vorher unbekanntes entdecke, wenn ich auf die aktuellsten einträge auf bloggerrolle.de klicke. oder umgekehrt glaube ich, dass sich die meisten die auf wirres.net klickten, wäre es dort aufgelistet, nach 30 sekunden wieder gelangweilt oder irritiert anderen tätigkeiten zuwenden als wirres.net zu lesen. das ist hier ja alles eher etwas gewöhnungsbedürftig oder wie man es auf englsich passender sagen würde, eher ein aquired taste.
heute gabs backofen-kartoffeln und ich (und die beifahrerin, aber auch frida) fanden die besonders gelungen. ich bilde mir ein, viel über kartoffeln in den videos aus der restaurantküche des fallow gelernt zu haben, insbesodnere durch dieses video über deren pommes und dieses über kartoffel-püree. das geheimnis ist die kartoffeln schonend weich zu dünsten und sie danach — wie soll ich sagen — etwas aufzurauhen. ich habe heute einfach unseren rest mehligkochende kartoffeln 20 minuten in den dampfgarer geworfen und sie danach etwas kleiner geschnitten, mit salz, olivenöl und rosmarin vermischt und sie dabei vorsichtig aber auch forsch vermischt. dabei haben sich auch ein paar kleinere stückchen gelöst, aber die wurden dann anschliessend im ofen (20 minuten bei > 200° C) zu knusprigen köstlichkieten. und der rest der kartoffeln war auch perfekt, aussen rau und knusprig, innen fluffig.
karneval ist auch son ding das ich seit 35 jahren nicht mehr verstehe. ich bin zwar im rheinland aufgewachsen und als kind fand ich es toll einen anlass zum verkleiden zu haben, aber ich frage mich eben seit 35 jahren, warum man nicht einfach immer genau dann übermässig viel trinkt, wenn einem danach ist übermässig viel zu trinken. welchen vorteil hat es, das in gesellschaft von hunderttausend „jecken“ tun? oder wenn einem danach ist, sich über die kleidung französischer soldaten zwischen 1794 und 1814 lustig zu machen, warum sollte man das nicht jeden tag tun können, wenn einem das wichtig ist?
warum ich karneval als jugendlicher zumindest interessant fand, lässt sich im nachhinein — finde ich — gut erklären. als 15 oder 16 jähriger ist man natürlich für jede gelegenheit zu trinken dankbar, aber vor allem ist man in dem alter vom FOMO getrieben, dem „fear of missing out“ oder der angst etwas zu verpassen. heute weiss ich, man verpasst bei der nicht-teilnahme am karneval nichts und sollte man doch etwas verpassen, lässt es sich problemlos jederzeit nachholen.
ich habe jetzt ja ziemlich deutlich gemacht, dass ich nicht vom FOMO getrieben bin und selten das gefühl habe, etwas zu verpassen weil ich bei x oder y nicht mitmache. aber einen grossen „fear“ habe ich schon, den FOBAGOWM, dem fear of becoming a grumpy old white man. ich finde es schrecklich, wenn menschen sich im alter damit beschäftigen sachen aufzuzählen die früher mal besser waren oder gründe suchen, warum heute alles dumm, kaputt, faul oder verkommen ist. tatsächlich finde ich alles um mich herum ziemlich gut, das bestätigt mir auch die beifahrerin regelmässig, wenn sie sich darüber beklagt, dass ich bei jeden scheiss immer das positive betonen muss. aber entscheidend ist: ich will nicht (mehr) an allem um mich herum teilnehmen.
das schöne am eigenen blog ist ja erlebtes gelegentlich wieder zu finden. so hab ich gestern diese perle (wieder) gefunden:
beifahrerin vor ner stunde: „mach mal fenster auf, riecht komisch hier!“ beifahrerin jetzt: „mach mal fenster zu, riecht komisch hier!“
heute früh sah ich ein paar flocken im haar der beifahrerin und fragte sie: „oh hast du jetzt auch schuppen?“