alles

früh zur post, weil dann viel­leicht die schlan­ge kür­zer ist. (bei post | post­bank)


am­phtml — up­date

felix schwenzel in notiert

ich stel­le seit an­fang des jah­res mei­ne sei­ten auch im AMP-for­mat zur ver­fü­gung. die sei­ten wur­den früh von goog­le in­de­xiert, im april flo­gen mei­ne AMP-sei­ten dann kom­plett aus dem in­dex raus. ich konn­te mir nicht er­klä­ren war­um und ver­such­te feh­ler in mei­ner im­ple­men­tie­rung zu fin­den. jetzt, fast 8 mo­na­te spä­ter, hab ich den feh­ler ge­fun­den. eine blöd­heit von mir. sämt­li­che AMP-sei­ten hat­ten eine ro­bots-meta-an­wei­sung im hea­der, die goog­le das in­de­xie­ren ver­bot. ei­gent­lich soll­te die­se sper­re nur für sei­ten gel­ten, die äl­ter als drei jah­re sind gel­ten, aber ein klei­ner feh­ler in der AMP-sei­ten-vor­la­ge sperr­te alle sei­ten.

seit­dem ich die ro­bots-an­wei­sung in ord­nung ge­bracht habe, tau­chen mei­ne sei­ten auch als AMP-sei­ten in (mo­bi­len) goog­le such­ergeb­nis­sen auf.


„re­al is­sues“

felix schwenzel in artikel

be­ein­dru­cken­der auf­tritt von ber­nie san­ders bei co­nan o’bri­en, nicht nur we­gen san­ders und den din­gen die er sag­te, son­dern weil co­nan o’bri­en (zeit­wei­lig) un­ge­wöhn­lich ernst war und die rich­ti­gen fra­gen stell­te.

was san­ders sag­te, mach­te mich nach­denk­lich und wühl­te mich auf meh­re­ren ebe­nen auf. ei­ner­seits, weil ich im som­mer durch­aus ein ge­spal­te­nes ver­hält­nis zu san­ders hat­te und ihn, in­spi­riert durch mein me­di­en­me­nü nicht für den ge­eig­ne­ten kan­di­da­ten hielt. die me­di­en die ich lese, wur­den nicht müde, san­ders als po­pu­lis­ten oder so­zia­lis­ten zu be­zeich­nen, den man we­der ernst neh­men kön­ne und der erst recht kei­ne chan­ce ha­ben wür­de ge­wählt zu wer­den, weil er so weit links ste­he. mich ha­ben die­se ver­glei­che im­mer ge­stört, die trump und san­ders in den glei­chen po­pu­lis­ten­topf war­fen, weil ich san­ders durch­aus als ver­nünf­tig und ver­ant­wor­tungs­voll emp­fand.

trotz­dem blieb bei mir hän­gen: dass es un­vor­stell­bar wäre, dass san­ders sich ge­gen ei­nen re­pu­bli­ka­ner durch­set­zen kön­nen wür­de und dass das nur die eta­blier­te­re, mo­de­ra­te­re und main­strea­mi­ge­re hil­la­ry clin­ton kön­ne. der un­glaub­li­che rück­halt von san­ders bei jun­gen men­schen, sei­ne sor­ge um die wach­sen­de ein­kom­mens­un­gleich­heit und gros­se so­zi­al be­nach­tei­lig­te und mit sor­ge in die zu­kunft bli­cken­de be­völ­ke­rungs­schich­ten, wur­den von den me­di­en, die ich lese und in an­sät­zen ernst neh­me, als nicht wahl­ent­schei­dend dar­ge­stellt. die sta­bi­li­tät und kon­ti­nui­tät, für die clin­ton stün­de, hin­ge­gen schon.

heu­te snd wir alle klü­ger. die un­zu­frie­den­heit mit dem eta­blier­ten, teil­wei­se ver­filz­ten und ge­lähm­ten sys­tem war wohl auch wahl­ent­schei­dend und clin­ton scheint es nicht ge­schafft zu ha­ben, die­ses mo­ment im lin­ken spek­trum zu mo­bi­li­sie­ren.

wes­halb mich der auf­tritt von san­ders eben­falls auf­rühr­te war sei­ne me­di­en­kri­tik. ei­gent­lich bin ich kein gros­ser fan von pau­scha­ler me­di­en­kri­tik oder der hal­tung, „die me­di­en“ sei­en schuld an trump, ge­nau­so wie ich es däm­lich fin­de, san­ders als po­pu­lis­ten zu be­zeich­nen oder san­ders zu­sam­men mit trump in den dem­ago­gen-ei­mer zu wer­fen. aber san­ders me­di­en­kri­tik hat­te sub­stanz, die mich zu­min­dest nach­denk­lich mach­te. zu recht kri­ti­siert er, dass die me­di­en sich auf leicht ver­dau­li­che, sen­sa­ti­ons­hei­schen­de aspek­te kon­zen­trie­ren wür­den, weil die ga­ran­tiert le­ser- oder zu­schau­er­inter­es­se ge­ne­rie­ren wür­den. die „real is­sue“, die the­men die un­se­re zu­kunft, den fort­be­stand un­se­rer de­mo­kra­ti­schen ge­sell­schaf­ten be­tref­fen, wer­den ger­ne igno­riert oder in die rand­spal­ten ge­drängt.

ein ge­dan­ke der mir in den sinn kam, war eine par­al­le­le zur wer­bung. gros­se agen­tu­ren sau­gen die ta­len­tier­tes­ten und bes­ten jun­gen köp­fe ein, um für gröss­ten­teils tri­via­len scheiss ma­ni­pu­la­ti­ve wer­bung zu bau­en. die gan­ze krea­ti­ve en­er­gie, der ge­stal­tungs­wil­len gan­zer ge­ne­ra­tio­nen, fliesst in die kon­su­men­ten­er­re­gung, statt in die (po­li­ti­sche) ge­stal­tung un­se­res zu­sam­men­le­bens und ge­rech­te or­ga­ni­sa­ti­on un­se­rer ge­sell­schaf­ten. ge­nau­so fliesst die en­er­gie gan­zer jour­na­lis­ten-jahr­gän­ge in die auf­ar­bei­tung von skan­däl­chen, aus­rut­schern, die auf­ar­bei­tung von pri­vat- und in­tim­kram von po­li­ti­kern oder an­de­ren pro­mi­nen­ten, statt in die kon­struk­ti­ve auf­ar­bei­tung der kri­sen und her­aus­for­de­run­gen, de­nen wir uns ge­gen­über­se­hen.

auch des­halb habe ich mich vor ein paar mo­na­ten da­für ent­schie­den, per­spec­ti­ve dai­ly zu un­ter­stüt­zen, die sich zu­min­dest vor­ge­nom­men ha­ben, die­sen miss­stand kon­struk­tiv und wort­reich an­zu­ge­hen. aber hier ist das pro­blem: ob­wohl ich abon­nent und un­ter­stüt­zer von per­spec­ti­ve dai­ly bin, lese ich dort kaum. die the­men und ar­ti­kel schaf­fen es kaum über mei­nen tel­le­r­and, wenn ich mal ei­nen ar­ti­kel lese lang­wei­le ich mich oft oder ver­mis­se sub­stanz. im­mer­hin: beim auf­ruf der start­sei­te lä­chel­te mich die­ser ar­ti­kel an, der in etwa das glei­che the­ma hat, wie das was ich hier zu be­han­deln ver­su­che. noch nicht ge­le­sen, aber im­mer­hin mei­ne auf­merk­sam­keit ge­won­nen und auf mei­ner le­se­lis­te ge­lan­det:

per­spec­ti­ve-dai­ly.de: Für das Volk, ge­gen den Po­pu­lis­mus

es ist eine elen­e­de zwick­müh­le: vie­le me­di­en kön­nen es sich aus ver­schie­de­nen grün­den nicht leis­ten sub­stan­zi­ell über die „real is­sue“, die wich­ti­gen the­men zu schrei­ben, ent­we­der weil sie nicht die mit­tel ha­ben, oder wis­sen, dass sich die­se art ar­ti­kel nie­mals re­fi­nan­zie­ren wird. ent­ste­hen sol­che ar­ti­kel, ist es schwer sie an den mann und die frau zu brin­gen, weil sie sich nicht so leicht und emo­tinal kon­su­mie­ren las­sen. das meta-, tra­la­la- und em­pö­rungs­ge­döns lässt sich ein­fa­cher her­stel­len und spült (drin­gend be­nö­tig­tes) geld in die kas­sen.

so oder so, ich glau­be es gibt durch­aus wege ab­seits des plat­ten po­pu­lis­mus, ab­seits der aus­ge­latsch­ten me­di­en­pfa­de, ge­gen den wahn­sinn zu steu­ern, den trump und sei­ne kum­pels uns auf der welt­büh­ne vor­spie­len. auf mich hat­te der auf­tritt von san­ders je­den­falls eine in­spi­rie­ren­de wir­kung. ich, wir, alle, de­nen die par­la­men­ta­ri­sche de­mo­kra­tie am her­zen liegt, müs­sen — und kön­nen — et­was tun um das irr­sin­ni­ge und hoh­le ge­gen­sei­ti­ge auf­schau­keln von po­li­tik und me­di­en auf­zu­bre­chen. sei es durch die (fi­nan­zi­el­le) un­ter­stüt­zung von ent­spre­chen­den me­di­en­an­ge­bo­ten oder durch die ak­ti­ve be­set­zung von klaf­fen­den lü­cken, wie es chris­toph kap­pes hier vor­schlägt. es ist mög­lich die wirk­lich drän­gen­den the­men an­zu­pa­cken, sicht­bar zu ma­chen, zu dis­ku­tie­ren und lö­sun­gen zu fin­den. der ruck und der druck sind da.

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le­se­tipp: sa­scha lobo rollt das the­ma me­di­en­kri­tik von ei­ner an­de­ren sei­te auf.


Photo by felix schwenzel in Kamerunerstrasse Berlin. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

sehr tol­ler ad­vents­ka­len­der vom kind + der bei­fah­re­rin. ix jetzt je­den mor­gen mit fah­ne …


weil das bild nicht be­son­ders aus­sa­ge­kräf­tig ist, hier noch ein paar zu­satz­in­fos: das ist ein ad­vents­ka­len­der mit 24 fla­schen whis­ky — von whis­ky + ci­gars in ber­lin. die fla­schen sind alle mit 200 20 mil­li­li­tern ver­schie­de­nen whis­kys ge­füllt und für eine täg­li­che blind-ver­kos­tung ge­dacht. was drin ist in den fla­schen, steht auf der in­nen­sei­te des eti­ketts. ich neh­me mir die frei­heit die din­ger schon am Abend zu öff­nen, da­mit ich mor­gens nicht mehr so ne fah­ne habe.


mac­book­bat­te­rie → /dev/null

felix schwenzel in bilder

mein mac­book hat die bat­te­rie auf­ge­ge­ben. die ist zwar voll­ge­la­den und hat auch noch, nach über drei jah­ren, über 80% ka­pa­zi­tät, aber das mac­book möch­te die ger­ne ge­tauscht se­hen (nach­trag) und wei­gert sich auch ohne an­ge­schlos­se­nes strom­ka­bel an zu ge­hen oder an zu blei­ben.

beim ap­ple store sind seit drei ta­gen kei­ne ter­mi­ne an der ge­ni­us-bar zu be­kom­men. bei bet­ter­worx.de geht nie­mand ans te­le­fon. bei cy­ber­port dau­ert der tausch, laut te­le­fo­ni­scher aus­kunft, un­ge­fähr 4 wo­chen. bei gra­vis ist der ak­ku­tausch nen ti­cken teu­rer als bei cy­ber­port (aber bil­li­ger als der ap­ple-store-pau­schal­preis) und dau­ert eine wo­che. die qua­li­fi­zier­tes­te aus­sa­ge gabs bei ima­zing.de: dau­ert so 3-4 werk­ta­ge, weil der neue akku eben erst be­stellt wer­den müs­se, was al­lein schon 2-3 tage dau­ern könn­te. da­für ruft ima­zing die höchs­te re­pa­ra­tur­pau­scha­le auf.

und jetzt? ein­fach in den ap­ple-store lat­schen, ohne ge­ni­us-bar-ter­min? ima­zing, weil die pre­mi­um ap­ple part­ner sind (gra­vis und cy­ber­port nicht, war­um ei­gent­lich?) oder zu gra­vis, weil die am te­le­fon den bes­ten ein­druck ge­macht ha­ben und nen ta­cken güns­ti­ger sind?

[nach­trag 30.11.2016]

selbst­re­pa­ra­tur bei den neue­ren mac­books scheint ge­fah­ren zu ber­gen.


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  js;dr = Ja­va­Script re­qui­red; Did­n't Read.

Pa­ges that are emp­ty wi­t­hout JS: dead to histo­ry (ar­chi­ve-org), un­re­lia­ble for search re­sults (de­spi­te any search en­gi­ne claims of JS sup­port, check it yours­elf), and thus igno­rable. No need to was­te time re­a­ding or re­spon­ding.

Also known as, if it’s not curlable, it’s not on the web.


fe­ver → mi­ni­flux

felix schwenzel in notiert

ir­gend­wo in mei­nem feed­rea­der (im­mer noch ree­der auf ma­cos und ios) las ich von mi­ni­flux. ein mi­ni­ma­lis­ti­scher feed­rea­der der auf dem ei­ge­nen ser­ver läuft und (un­ter an­de­rem) den ree­der-rea­der be­fül­len kann, über die fe­ver-API. fe­ver hat mich nun ein paar jah­re be­glei­tet und mir tau­sen­de von ar­ti­keln ser­viert. aber fe­ver wird seit ein paar jah­ren nicht mehr wei­ter­ent­wi­ckelt.

fe­ver funk­tio­nier­te aber wei­ter­hin sehr, sehr gut, aber ich spie­le ger­ne mit neu­em rum, also in­stal­lier­te ich mir flux mi­ni­flux, ex­por­tier­te und im­por­tier­te mei­ne feeds von fe­ver zu mi­ni­flux und fer­tig.

naja, nicht ganz fer­tig. in mei­nem fe­ver wa­ren of­fen­bar sehr vie­le in­ak­ti­ve feeds. fe­ver schau­te gross­zü­gig üerr die hin­weg und klag­te nicht. mi­ni­flux schon. so wur­den aus 1200 feeds nach ein paar stun­den auf­räu­men, ca. 600 feeds. da ist im­mer noch viel schrott oder in­ak­ti­ves drin, aber zu­min­dest nichts (tech­nisch) feh­ler­haf­tes mehr. mi­ni­flux zieht auch ein paar feeds, die ich in fe­ver nie sah, aber ich habe auch ein un­be­stimm­tes ge­fühl, dass ein biss­chen was feh­len könn­te, also dass fe­ver zu­ver­läs­si­ger feeds ab­rief.

hier ist mei­ne lis­te von RSS-feeds, die ich re­gel­mäs­sig lese im OPML-for­mat.

mi­ni­flux hat ein paar fea­tures die den um­stieg loh­nes­wert mach­ten. es gibt ei­nen me­cha­nis­mus, mit dem man ein­zel­ne feeds die nur ge­kürzt vor­lie­gen, kom­plett la­den kann. auch die zu­sam­men­ar­beit mit dem ree­der ist bes­ser als die von fe­ver. so kann ich statt ei­nen ar­ti­kel mit drei klicks zu pin­board zu spei­chern, ein­fach auf den book­mark-stern kli­cken und mi­ni­flux spült den ar­ti­kel dann über die pin­board-API zu pin­board rü­ber. sehr prak­tisch auch, dass die ge­book­mark­ten ar­ti­kel dann auch für spä­te­res le­sen im ree­der ver­blei­ben.

tl;dr: mi­ni­flux ist kos­ten­los, be­schei­den, funk­tio­niert und ich mag es.


@di­plix Dan­ke für den Test. Du könn­test noch kurz drauf hin­wei­sen, dass es eine test­ba­re hos­ted Ver­si­on gibt. Senkt Ein­stiegs­hür­de.

Cas­par C. Mier­au (@leit­me­di­um30.11.2016 9:37


me­di­en­me­nü-up­date

felix schwenzel in notiert

weil mich je­mand (per mail) ge­fragt hat, was ich so lese, an­bei mei­ne (leicht mo­di­fi­zier­te und mit links an­ge­rei­cher­te) ant­wort, die qua­si ein up­date zu mei­nem me­di­en­me­nü von vor ein paar jah­ren ist.

seit ein paar jah­ren habe ich auch mei­ne letz­ten prin­ta­bos ge­kün­digt, weil ich es nicht mehr ein­se­he, alt­pa­pier zu hor­ten. nach wie vor ist mei­ne haupt­le­se­quel­le mein rss rea­der mit der­zeit ca. 600 quel­len, da­von ei­ni­ge ku­ra­tiert, so dass die zahl der quel­len um ei­ni­ges hö­her ist, die mir der rss-rea­der vors auge spült.

sehr toll fand ich lan­ge zeit auch blend­le, ei­ner­seits weil dort (so gut) wie al­les zu fin­den ist und an­de­rer­seits, weil es dort ganz gute emp­feh­lungs­me­cha­ni­ken gibt. aber das stö­bern dort, oder gar durch­blät­tern gan­zer zei­tun­gen/ma­ga­zi­ne kos­tet zeit, die ich manch­mal für län­ge­re zeit nicht auf­brin­gen mag. die ku­ra­tier­ten blend­le-news­let­ter hin­ge­gen sind to­ta­ler schrott und lan­den im­mer gleich im müll­ei­mer.

was ich im­mer noch re­gel­mäs­sig kau­fe, al­ler­dings nicht jede aus­ga­be: geo epo­che. fin­de ich su­per, lese ich wahn­sin­nig ger­ne und meist in ei­nem oder zwei rüt­schen durch. bei der brand­eins dach­te ich, nach­dem ich das abo ge­kün­digt habe, dass ich sie öf­ter on­line lese wür­de, ist ja al­les on­line, mehr oder we­ni­ger, mach ich aber kaum.

in letz­ter zeit auch sehr ger­ne und als ein­zi­gen von fünf die mir täg­lich ins post­fach quel­len: der ta­ges­spie­gel check­point news­let­ter. flott ge­schrie­be­ner über­blick über die lage in ber­lin und der welt, mit vie­len mög­lich­kei­ten das ge­le­se­ne zu ver­tie­fen (aka links).

auf der ar­beit liegt noch die pa­pier-c’t rum, da­von lese ich fast jede aus­ga­be, al­ler­dings dau­ert das nie län­ger als 20 mi­nu­ten. dann bin ich durch, ent­we­der weil ich die ar­ti­kel schon (aus dem netz) ken­ne oder weil mich 60% der in­hal­te nicht in­ter­es­sie­ren.

face­book und twit­ter spü­len mir manch­mal, wenn mein feed­rea­der leer ist, auch links, ar­ti­kel oder vi­de­os vors auge, aber face­book ist für mich ein biss­chen wie c’t le­sen: vie­les hab ich schon an­ders­wo ge­le­sen, das meis­te in­ter­es­siert mich nicht.

weil ich für die ge­druck­te t3n schrei­be, be­kom­me ich auch im­mer ein be­leg­ex­em­plar. ich blät­te­re jede aus­ga­be durch, blei­be aber an den we­nigs­ten ar­ti­keln hän­gen. die ak­tu­el­le aus­ga­be da­ge­gen fin­de ich ziem­lich toll: in­ter­es­sant er­schei­nen­de ar­ti­kel, das lay­out ge­fällt mir und das völ­lig ab­we­gi­ge the­ma ge­fällt mir auch.

manch­mal wün­sche ich mir die gute alte zeit zu­rück, in der ich sonn­tags eine FAS ge­kauft habe und an ei­nem nach­mit­tag in ei­nem café durch­ge­ar­bei­tet habe oder die mon­ta­ge an de­nen ich früh mor­gens von ham­burg nach ber­lin ge­pen­delt bin und mir ei­nen ta­ges­spie­gel ge­kauft und im zug ge­le­sen habe. ich glau­be aber, das ist ähn­lich wie das spie­len im sand­kas­ten: eine wun­der­schö­ne er­in­ne­rung, aber vor­bei.

letz­te wo­che ist mir eine aus­ga­be des ta­ges­spie­gel ber­li­ners in die hän­de ge­fal­len. sieht toll aus, fühlt sich an wie ein ge­druck­tes quer­feld­ein­blog. ge­nau wie die t3n hab ich es am wo­chen­en­de aber nicht ge­schafft da­drin zu le­sen. was ich hin­ge­gen ge­schafft habe: ein paar hun­dert rss-ar­ti­kel zu le­sen (wo­von ich 10-15 stück ge­book­markt habe, für spä­te­res tei­len oder ver­lin­ken), 4 blend­le ar­ti­kel, dar­un­ter ei­nem von ste­fan nig­ge­mei­er über den you­tuber/fern­seh­fuz­zi bil­ly eich­ner, des­sen vi­de­os ich mir da­nach gleich für an­der­t­alb stun­den alle an­sah. 

das ist üb­ri­gens auch ei­ner der vie­len vor­tei­le vom on­line-le­sen. wenn ich über ei­nen you­tuber, film, eine fern­seh­se­rie oder in­ter­es­san­te men­schen lese, kann ich das ge­le­se­ne gleich ver­tie­fen, ne­ben­an, ei­nen brow­ser­tab wei­ter, als you­tube-clip, trai­ler oder mini-goog­le-re­cher­che.

guil­ty plea­su­re, nach wie vor, un­ge­fähr ein­mal täg­lich spie­gel on­line. über la­ter­pay hab ich auch schon be­zahlt, an mir solls nicht lie­gen, falls das schei­tert.


@o2de clowns:
19:20 DSL dros­se­lung.
20:10 o2.de: zu­sätzl. da­ten­vo­lu­men nur über hot­line buch­bar
20:20 hot­line: wir sind am mon­tag für sie da


kurzktik mr. tur­ner

felix schwenzel in gesehen

noch ein film in dem in den ers­ten 30 mi­nu­ten so gut wie nichts pas­siert. das be­son­de­re an tur­ner, der ver­fil­mung des le­bens von wil­liam tur­ner: auch den rest des films pas­siert nichts.

der film fängt mit ei­ner wun­der­schö­nen land­schafts­ein­stel­lung an, die hol­län­di­sche hü­gel zeigt und zwei hol­län­de­rin­nen die sich (auf nie­der­län­disch) un­ter­hal­ten und lang­sam auf die ka­me­ra zu­ge­hen. als sie nach 3 mi­nu­ten die ka­me­ra er­reicht ha­ben und vor­bei­ge­hen, schwenkt die ka­me­ra auf ei­nen hü­gel, auf dem man sieht, wie tur­ner land­schafts­skiz­zen zeich­net. nächs­te ein­stel­lung: tur­ner kommt zu­hau­se an. das ist so un­ge­fähr das grund­re­zept des films: sze­nen aus tur­ners le­ben zei­gen, teil­wei­se mit schön kon­stru­ier­ten bil­dern ge­filmt, aber im­mer un­prä­ten­ti­os und un­pa­the­tisch, und dann ein schnitt, der wei­te­re sze­nen aus tur­ners le­ben zeigt, die ent­we­der ein paar se­kun­den, stun­den, tage oder jah­re aus­ein­an­der lie­gen kön­nen.

un­er­träg­lich sind die dia­lo­ge: die leu­te un­ter­hal­ten sich auf un­fass­bar ge­stelz­te wei­se, sind steif und in kon­ven­tio­nen ge­fan­gen. ich gehe da­von aus, dass die dia­lo­ge ei­ni­ger­mas­sen au­then­tisch zei­gen, wie man sich im 19ten jahr­hun­dert un­ter­hal­ten hat — was die dia­lo­ge nicht er­träg­li­cher macht, aber im­mer­hin in­ter­es­san­ter. mir ge­fiel das am an­fang nicht be­son­ders, aber nach und nach ge­wöhn­te ich mich dar­an und ver­folg­te das nicht-ge­sche­hen mit wach­sen­dem in­ter­es­se.

man be­kommt ei­nen gu­ten ein­blick in tur­ners (mög­li­cher­wei­se ge­führ­tes) le­ben und die zeit in der er leb­te. man sieht, dass er auf die kon­ven­tio­nen nicht viel gibt und statt sich ge­stelzt zu un­ter­hal­ten, lie­ber brummt oder schweigt. man sieht wie er wie am fliess­band malt, wie er (und sei­ne haus­häl­te­rin) von schnitt zu schnitt äl­ter wer­den und wie er am ende stirbt.

viel mehr als ein tur­ner-por­trait, ist der film ein por­trait der zeit in der tur­ner leb­te und des fort­schritts den er mit­er­leb­te. es ist die zeit, in der mo­der­ne ma­le­rei sich lang­sam ent­wi­ckel­te, un­ter kräf­ti­ger mit­hil­fe von tur­ner selbst, eine zeit in der die ers­ten ei­sen­bah­nen ge­baut wur­den und die fo­to­gra­fie sich lang­sam du­trch­setz­te — bei­des von tur­ner in­ter­es­siert und (ver­hal­ten) fas­zi­niert be­ob­ach­tet. am ende war ich froh den film zu­en­de ge­se­hen zu ha­ben ob­wohl — oder ge­ra­de weil — in dem film nichts pas­siert son­dern ein­fach nur das eine oder an­de­re ge­zeigt wird. von mir aus kön­nen viel mehr fil­me so auf­ge­baut sein.


kurz­kri­tik go­li­ath

felix schwenzel in gesehen

go­li­ath auf ama­zon geht so los, wie ich mir das von viel mehr fern­seh­se­ri­en wün­sche: es pas­siert erst­mal gar nichts (ok, ein boot ex­plo­diert, aber sonst pas­siert wirk­lich fast nichts).

zu se­hen sind: los an­ge­les, ein säu­fer und rau­cher und ein paar leu­te die er trifft. der säu­fer fährt rau­chend in sei­nem schmut­zi­gen ca­brio durch LA, trifft sei­ne toch­ter, sei­ne ex-frau. LA bei nacht, LA in der son­ne, lan­ge, schö­ne bil­der ei­ner stadt die ich mag, weil ich dort kei­nen heu­schnup­fen habe und es dort das bes­te licht der welt gibt. könn­te ich mir ewig an­se­hen, hab ich dann auch eine fol­ge lang. in der zwei­ten fol­ge pas­sie­ren dan plötz­lich sa­chen, die mei­ne in­ter­es­sier­te auf­merk­sam­keit er­re­gen. es kris­tal­li­siert sich eine un­der­dog-ge­gen-über­mäch­ti­ge-geg­ner-ge­schich­te her­aus, die jede se­kun­de lang nach­voll­zieh­bar und lo­gisch bleibt und der ich ger­ne zu­se­he, weil ich wie alle men­schen, ger­ne un­der­dogs da­bei zu­se­he, wie sie ge­gen (schein­bar) über­mäch­ti­ge geg­ner kämp­fen.

ich wuss­te das vor­her nicht, aber go­li­ath scheint eine ge­richts­se­rie zu sein, ein gen­re von dem es be­reits 20 schril­lio­nen va­ri­an­ten gibt, mal gran­di­os (wie the good wife oder bos­ton le­gal), mal we­ni­ger. in der zwei­ten fol­ge scheint es dann auch so, dass die se­rie das gen­re schön va­ri­iert und es schafft — ob­wohl wei­ter­hin fast gar nichts pas­siert — mich alle 10 mi­nu­ten zu über­ra­schen — und zwar wirk­lich zu über­ra­schen.

es pas­siert nicht oft, dass ich nach zwei fol­gen ei­ner fern­seh­se­rie wirk­lich un­be­dingt wei­ter­se­hen möch­te. go­li­ath ist aber so ein fall.


ho­li­day gree­tings card ne­ar­ly fi­nis­hed.
#oil­pain­ting #pain­ting #moon #il­lus­tra­ti­on #fa­mi­ly #por­trait

ka­tia (@ka­ti­as_bil­der24.11.2016 18:20


hat ei­gent­lich schon je­mand, nach­dem „ar­ro­gan­te“ lin­ke, „ver­siff­te“ grü­ne, „ab­ge­ho­be­ne“ in­tel­lek­tu­el­le, ver­städ­nis­lo­se femmi­nis­tin­nen oder „nutz­lo­se“ gen­der-stu­dies durch­ge­prü­gelt sind, sa­ti­re-par­tei­en wie die par­tei, oder son­ne­born per­sön­lich, für trump ver­ant­wort­lich ge­macht?


it’s not a bug, it’s a fe­ah­ler.


gut ge­schrie­ben, aber ich mag die grund­idee nicht so son­der­lich, auch weil mein mei­nungs­bil­dungs­pro­zess dazu noch nicht ab­ge­schlos­sen ist. aber die idee des lin­ken po­pu­lis­mus mag ich nicht und die idee, dass in­tel­lek­tu­el­le ir­gend­wie an al­lem schuld sind, sei es weil sie falsch spre­chen, den kon­takt mit dem bo­den/den „leu­ten“ ver­lo­ren hät­ten oder weil sie zu stark dif­fe­ren­zie­ren, wenn man doch ver­ein­fa­chen könn­te, mag ich nicht.

die nie­de­ren be­weg­grün­de, die vie­le der rech­ten nar­ra­ti­ve an­spre­chen, sind eben auch ein­fach ef­fek­tiv. aber de­ren ef­fi­zi­enz recht­fer­tigt kei­nes­falls de­ren be­nut­zung, auch für eine ver­meint­lich gute, lin­ke oder li­be­ra­le sa­che.

oder an­ders­rum ge­dacht: neid, miss­gunst, iden­ti­täts­stif­tung auf kos­ten „an­de­rer“ ist nicht per se rechts, aus lin­ken ecken kommt das auch im­mer wie­der, die rech­ten sind ein­fach arschig ge­nug die­se me­tho­den durch­gän­gig und in ihre ideo­lo­gie ein­ge­bet­tet an­zu­wen­den. durch die ana­ly­se die­ser me­tho­den kann man si­cher viel ler­nen, aber man soll­te sich da­vor hü­ten, sie für eine art lin­ken po­pu­lis­mus zu nut­zen. mensch­lich­keit, em­pa­thie, ge­rech­tig­keit oder am­bi­gui­täts­to­le­ranz kön­nen von mir aus be­lie­big po­pu­la­ri­siert wer­den, aber das hat sich in der ver­gan­gen­heit als ziem­lich schwer her­aus­ge­stellt.

je län­ger man dar­über nach­denkt, des­to kom­pli­zier­ter wirds. klar, über grün­de und wege mit den jüngs­ten rechts­rü­cken um­zu­ge­hen, muss un­be­dingt nach­ge­dacht wer­den, aber zwei, drei grund­ge­dan­ken die du hier (ab­ge­schwächt) ins spiel bringst, be­ha­gen mir nicht wirk­lich, ob­wohl ich grund­sätz­lich auch für ver­ein­fa­chung, ge­gen eli­ta­ris­mus oder aus­gren­zung durch spra­che und ha­bi­tus bin.

un­term strich hört sich das al­les ein biss­chen da­nach an, wie die the­se, der fe­mi­nis­mus schei­tert, weil die frau­en den män­nern nicht ge­nug ver­ständ­nis ent­ge­gen­brin­gen oder sie nicht am stamm­tisch ab­ho­len.


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Die Ge­hirn-Al­che­mis­ten (t3n 46)

felix schwenzel in t3n

Künst­li­che In­tel­li­genz ist dem Flug­ha­fen Ber­lin Bran­den­burg (BER) ziem­lich ähn­lich. Der be­vor­ste­hen­de Durch­bruch wird im­mer wie­der laut­stark und über­op­ti­mis­tisch an­ge­kün­digt — und dann doch wie­der ein paar Jah­re nach hin­ten ver­scho­ben. Seit über fünf­zig Jah­ren kommt die KI-For­schung nicht rich­tig aus dem Quark. Schon vor vie­len Jahr­zehn­ten pro­gnos­ti­zier­ten op­ti­mis­ti­sche KI-for­scher die bal­di­ge Fer­tig­stel­lung ler­nen­der Ma­schi­nen, die dem mensch­li­chen Geist weit über­le­gen sein wür­den. Die spek­ta­ku­lärs­ten Er­geb­nis­se jahr­zehn­te­lan­ger For­schung hal­ten vie­le von uns jetzt in den Han­dy-Hän­den: per­sön­li­che As­sis­ten­ten, die da­ten­hung­rig sind, ein­fa­che Auf­ga­ben er­fül­len kön­nen und uns manch­mal so­gar ver­ste­hen.

Im Um­feld der For­schung zur künst­li­chen In­tel­li­genz sind bril­lan­te Men­schen tä­tig, und die KI-For­schung und ihre An­wen­dung hat be­ein­dru­cken­de Fort­schrit­te ge­macht. Aber ich bin den An­kün­di­gun­gen ei­nes bal­di­gen Durch­bruchs bei der künst­li­chen In­tel­li­genz ge­gen­über sehr skep­tisch — nicht nur we­gen Siri.

Ich glau­be, dass wir bei al­lem Grö­ßen­wahn, der uns Men­schen prägt, bei der Be­ur­tei­lung un­se­rer ko­gni­ti­ven Fä­hig­kei­ten und bei der Er­klä­rung un­se­rer Ge­hirn­funk­tio­nen die Kom­ple­xi­tät des Geis­tes re­gel­mä­ßig sträf­lich un­ter­schät­zen. Un­ser Mo­dell der Ge­hirn­funk­ti­on ist meist ge­prägt vom ak­tu­el­len Stand der Tech­no­lo­gie. Als die auf­kom­men­de Was­ser­wirt­schaft vor 2000 Jah­ren die Land­wirt­schaft re­vo­lu­tio­nier­te, glaub­ten vie­le Ge­lehr­te, un­ser Ge­hirn sei ein kom­ple­xes Sys­tem aus Strö­men von Säf­ten, die es für Ge­sund­heit und Wohl­be­fin­den ins Gleich­ge­wicht zu brin­gen gel­te. Im 16. Jahr­hun­dert, als es Men­schen im­mer bes­ser ge­lang, kom­ple­xe Au­to­ma­ten und Ma­schi­nen zu bau­en, wirk­te es lo­gisch, den Men­schen als kom­ple­xe Ma­schi­ne zu be­trach­ten. Als Che­mie und Elek­tri­zi­tät im 18. Jahr­hun­dert die Welt ver­än­der­ten, er­schien es fol­ge­rich­tig, das Le­ben und die Funk­ti­on des Men­schen mit che­mi­schen und elek­tri­schen Vor­gän­gen zu er­klä­ren. Als Mit­te des 19. Jahr­hun­derts die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie ra­san­te Fort­schrit­te mach­te, ver­glich der Phy­sio­lo­ge Her­mann von Helm­holtz das Ge­hirn mit ei­nem Te­le­gra­fen. Heu­te ist al­les Soft­ware und Kom­mu­ni­ka­ti­on. Also, klar, muss auch das Ge­hirn wie eine hoch­kom­ple­xe, ver­netz­te Soft­ware funk­tio­nie­ren.

Un­se­re Ver­su­che, das Ge­hirn zu ver­ste­hen, sind ganz of­fen­bar größ­ten­teils me­ta­pho­risch und von ge­ra­de ak­tu­el­len tech­no­lo­gi­schen Trends ge­prägt. Oder an­ders ge­sagt: wer ei­nen Ham­mer hält, sieht über­all und in al­lem Nä­gel. Im Mo­ment be­schäf­ti­gen sich die gro­ßen Geis­ter ger­ne mit Soft­ware — und je­der, der sich die letz­ten 20 Jah­re nicht un­ter ei­nem Stein ver­steckt ge­hal­ten hat, weiß, wie kom­plex und welt­ver­än­dernd Soft­ware, ins­be­son­de­re in ei­ner ver­netz­ten Welt, mitt­ler­wei­le wirkt.

Und trotz­dem wis­sen wir im­mer noch nicht, wie das Ge­hirn funk­tio­niert. Das Ge­hirn, den Men­schen an sich, als kom­ple­xe Soft­ware zu be­trach­ten, ist nach An­sicht des Neu­ro­phy­sio­lo­gen Ro­bert Epstein eine ge­nau­so pri­mi­ti­ve und kurz­sich­ti­ge me­ta­pho­ri­sche Her­an­ge­hens­wei­se wie die Ge­hirn­funk­ti­ons­er­klä­rungs­me­ta­phern der letz­ten Jahr­hun­der­te. Er sagt klipp und klar: das Ge­hirn ver­ar­bei­tet kei­ne In­for­ma­tio­nen, spei­chert kei­ne Er­in­ne­run­gen — un­ser Ge­hirn ist kein Com­pu­ter. Epsteins Ar­gu­men­ta­ti­on er­scheint mir schlüs­sig, aber auch, wenn man sei­nen Aus­füh­run­gen nicht fol­gen mag, soll­te min­des­tens die­ser eine Ge­dan­ke hän­gen­blei­ben: un­ser Ge­hirn al­lein mit kom­ple­xen che­mi­schen, elek­tri­schen oder in­for­ma­ti­ons­ver­ar­bei­ten­den Vor­gän­gen zu er­klä­ren ist naiv und wird der Wirk­lich­keit nicht ge­recht.

Mein Ge­fühl sagt mir vor al­lem, dass wir nicht nur die Kom­ple­xi­tät un­se­rer ei­ge­nen ko­gni­ti­ven Fä­hig­kei­ten un­ter­schät­zen, son­dern auch den Rest un­se­rer Kör­per­funk­tio­nen. So fort­ge­schrit­ten die me­di­zi­ni­sche For­schung uns heu­te auch er­schei­nen mag, wir soll­ten uns da­vor hü­ten, zu glau­ben, dass wir al­lein des­halb bes­se­re Au­tos bau­en kön­nen, weil wir ein paar mal den Mo­tor mit ei­nem ge­ziel­ten Ham­mer­schlag auf den An­las­ser wie­der zum Lau­fen ge­bracht ha­ben.
Fort­schrit­te in der me­di­zi­ni­schen For­schung zei­gen im­mer wie­der, wie we­nig wir ei­gent­lich über den mensch­li­chen Kör­per und die Ver­schrän­kung von Kör­per und Geist wis­sen. Am spek­ta­ku­lärs­ten er­schei­nen mir die Er­kennt­nis­se aus der For­schung zu den so­ge­nann­ten Mi­kro­bio­men in un­se­rem Kör­per. Nicht nur das Ver­dau­ungs­sys­tem be­her­bergt ein kom­ple­xes, fast kom­plett un­er­forsch­tes Sys­tem aus hun­der­ten Bil­lio­nen Mi­kro­or­ga­nis­men, das so­wohl un­se­re Phy­sio­gno­mie ent­schei­dend zu prä­gen scheint, als auch un­se­re Stim­mun­gen und Lau­nen be­ein­flusst — und wohl auch mit der Ent­ste­hung von Krebs in Zu­sam­men­hang steht.

Wir soll­ten uns nicht blen­den las­sen von un­se­rem heu­ti­gen Wis­sens­stand. Auch wenn wir vie­le Vor­gän­ge in der Welt mitt­ler­wei­le in An­sät­zen ver­ste­hen und er­klä­ren kön­nen, gibt es noch sehr viel zu ent­de­cken. Wir sind in­so­fern alle ein biss­chen Jon Snow und wis­sen so gut wie gar nichts über die Welt.

Mir er­schei­nen die Trans­hu­ma­nis­ten ein we­nig wie die Al­che­mis­ten der letz­ten Jahr­tau­sen­de. Sie su­chen, wie vie­le Al­che­mis­ten es ta­ten, nach dem ewi­gen Le­ben und dem Stein des Wei­sen. Der Glau­be, den Men­schen nicht nur in Soft­ware ab­bil­den, son­dern auch gleich ver­bes­sern zu kön­nen, er­scheint mir ähn­lich am­bi­tio­niert wie die Idee, Gold syn­the­ti­sie­ren zu wol­len.

Aber auch wenn die Al­che­mis­ten größ­ten­teils im Dun­keln sto­cher­ten, leg­ten sie mit ih­rer For­schung eine Ba­sis, auf der wei­ter ge­forscht wer­den konn­te. Auch wenn die Trans­hu­ma­nis­ten, wie ich glau­be, auf dem Holz­weg sind, der Wis­sen­schaft und dem Er­kennt­nis­zu­ge­winn wird’s nicht scha­den. Denn der Wis­sen­schaft hel­fen auch gut aus­ge­leuch­te­te und er­forsch­te Holz­we­ge. Die Er­kennt­nis­se und das ab­seh­ba­re Wi­der­le­gen von fal­schen oder ver­ein­fa­chen­den Hy­po­the­sen kann und wird die Grund­la­ge für wei­te­re For­scher­ge­ne­ra­tio­nen sein. Von da­her kann ich den Trans­hu­ma­nis­ten auf ih­rem Weg zur Un­sterb­lich­keit und di­gi­ta­len Ewig­keit nur zu­ru­fen: Nur zu, im­mer vor­an; euer Schei­tern wird uns alle klü­ger ma­chen.

Auf t3n.de le­sen


ein­la­den­der la­den. (bei strike la­nes)


für mei­ne t3n-print­ko­lum­ne muss ich mei­ne tex­te am ende, nach dem auf­schrei­ben, im­mer ziem­lich stark kür­zen. dies­mal hab ich die on­line-va­ri­an­te nicht (bzw. kaum) ge­kürzt und — oh wun­der — kurz ist de­fi­ni­tiv bes­ser, straf­fer. wer trotz­dem die (et­was) län­ge­re va­ri­an­te le­sen möch­te:

http://t3n.de/news/di­gi­ta­le-un­sterb­lich­keit-767327/

die ge­straff­te va­ri­an­te bleibt dann dem ge­druck­ten heft vor­be­hal­ten.

ich bin ja, be­vor ich für t3n schrieb, nie der al­ler­gröss­te fan ge­we­sen, aber die­se aus­ga­be und das kürz­lich über­ar­bei­te­te lay­out ha­ben mich bei die­sem heft bei­na­he ein biss­chen eu­pho­ri­siert; sehr schö­nes heft.


Die Print-Ko­lum­ne von @di­plix: „Di­gi­ta­le Un­sterb­lich­keit? War­um ein Cloud-Back­up fürs Ge­hirn nicht funk­tio­niert“ t3n.de/news/di­gi­ta­le-…

Luca Ca­rac­cio­lo (@pa­pier­jun­ge23.11.2016 12:50