udo vetter hat hier (bei ca. 23 minuten) ein paar sehr nette sachen über dieses blog und mich gesagt. ein bisschen musste ich auch lachen, als udo sich auf die frage, ob „man“ mich wegen meiner „flotten sprüche“ auch schon mal „rauspauken“ müsse weigerte über mandantenverhältnisse zu reden.
udo meinte auch, dass meine kleinschreibung „schwer erträglich“ und ein grosser fehler sei. Zur Feier des Tages werde ich zunächst die nächsten zehn Artikel in ordentlicher Gross- und Kleinschreibung verfassen. Mit korrekter Rechtschreibung oder Zeichensetzung werde ich nicht dienen können, die kann ich nämlich nicht.
Trotzdem nochmal ein zwei Worte zur Kleinschreibung. Einerseits finde ich sie seit ich Otl Aicher las einfach wunderschön. Aicher schrob ja alle seine Bücher in konsequenter Kleinschreibung, zumindest die, die ich las. Andererseits sollte man seine eigenen Vorstellungen von Schönheit anderen nicht übermässig aufzwingen. Dann wiederum, habe ich nie das Bedürfnis verspürt, das zu machen was andere von mir erwarten, im Gegenteil, ich schreibe hier genau das was mich interessiert — was ja auch der Reiz an diesem Blogdings ist. Etwas zu polemisch vielleicht, habe ich die Kleinschreibung auch hin und wieder als hocheffektiven „Arschlochfilter“ wahrgenommen. Mit anderen Worten, hier lesen (vermutlich) vor allem Leute mit, die das was ich schreibe interessiert und nicht wie gross oder klein ich es schreibe.
Wie gesagt, ich probiere es mal mit Gross- und Kleinschreibung — ausser, was ich nicht wirklich erwarte, es outen sich mehr als 10 Fans meiner Kleinschreibung in den Kommentaren.
Dieses Video aus der ersten Staffel der Muppets-Show fasst ungefähr alles das zusammen, was ich bis vor ein paar Jahren zum Thema Öffentlichkeit, Privatshäre, Internet und Preisgabe von persönlichen Informationen gedacht habe. Kurz: je mehr Informationen man über sich selbst preisgibt, desto unklarer wird das was wahr ist. Bis vor kurzem glaubte ich, dass man die Menschen mit Informationen über sich selbst zukippen kann und es damit immer schwerer wird die eigentliche Substanz dahinter klar zu erkennen. Seitdem Google die Kraft des Brute-Force Datenminings und der Algorithmen dahinter immer eindrucksvoller demonstriert, denke ich langsam anders dadrüber.
Aus diesem und ein paar anderen Gründen habe ich übrigens seit ein paar Jahren äusserst gute Erfahrungen damit gemacht, Artikel auf wirres.net die älter als drei Jahre sind für die Google-Indexierung zu sperren. Mit anderen Worten, Artikel auf wirres.net die älter als drei jahre sind, sind über Google (und alle Suchmaschinen die sich an die Robots-Anweisungen halten) nicht mehr auffindbar. Einerseits bilde ich mir ein, dass mich diese Massnahme das eine oder andere mal davor bewahrt hat Udo Vetters Dienste in Anspruch zu nehmen, andererseits müssen Google und seine Benutzer ja nicht alles von mir wissen.
Friedemann Karig schreibt äusserst differenziert und unknüwerig über Wolfang Joop und Bill Kaulitz die kürzlich irgendwann mal gemeinsam durch die Nacht in Paris zogen und dabei auch über das Internet redeten. Sein Fazit, dem ich, nachdem ich die Sendung gesehen habe, absolut zustimmen würde, lautet:
Bill Kaulitz würde das Internet also gerne abschalten. Und zwar für alle. Jedoch nicht aus sturer Technikfeindlichkeit oder Altruismus. Nicht, weil er die Welt besser machen wollte. Nicht, weil er zu alt dafür ist oder es nicht bedienen kann. Nicht, weil er zu viel von seiner eigenen Musik gehört hat und jetzt die Stille sucht. Sondern aus banalem ökonomischen Egoismus.
Dass es ihm nicht (nur) um die Kunst geht, um sein kreatives Schaffen das er durch das Internet gefährdet sieht, merkte man spätestens dann, als er sich bitterlich darüber beklagte, dass vor der Veröffentlichung einer Tokio Hotel-Platte, bereits neun stücke im Internet zu haben waren und er meinte, dass sie die Platte dann ja fast nix mehr wert sei.
Auch witzig dass sich Kaulitz unter heftigem Nicken von Joop darüber beklagte, dass im Internet jeder alles kommentiere könne und damit jede „Magie“ zerstöre. Kurz vorher tratschte Wolfang Joop noch über Iman Bowie, die sich „alles machen liess, alles, die Titten, das Gesicht, alles“. Auch wie sie die Schönheitsoperationen der Titten, des Gesichts und allem anderen finanzierte tratsche Joop freimütig ins Fernsehen. Im Internet, dem grossen Magiezerstörer, haben die Menschen immerhin noch den Anstand das Thema Schönheitschirurgie mit einem Fragezeichen zu garnieren. Joop zerstört die „Magie“ von Imans Aussehen während er in einem teuren pariser Restaurant mampft und beklagt sich dann darüber, wenn es andere auch machen.
Ähnlich widersprüchlich empfand ich Wolfgang Joops Spruch, dass er ja in letzter Zeit sehr, sehr kamerascheu geworden sei, weil er das was die Kameras produzierten nicht mehr mit seinem Bild von sich selbst vereinbaren könne. Mit anderen Worten, er hält sich für zu alt und unschön um noch vor die Kamera zu treten, was ihn freilich nicht davon abhält mit Bill Kaulitz eine einstündige Sendung zu produzieren („Hab ich für dich getan, Bill“) oder peinliche Fotos von Andre Rival anfertigen zu lassen, damit ich morgens, wenn ich auf den Bus warte, eine Portion Mitleid Fremdschämen empfinden kann.
Die Sendung anzusehen lohnt sich übrigens allein deshalb, um einmal zu sehen wie Patricia Riekel sich (gegen Ende der Sendung) an Promis ranwanzt. Überhaupt ist der Titel der Sendung leicht daneben. „Durch die Nacht mit Wolfgang Joop und Bill Kaulitz“ hätte auch der Einfacheit halber „Das grosse Ranwanzen“ genannt werden können.
gestern abend war ich mit einigen kollegen in der, wie sie sich selbst beschreibt, „komödiantischen dinnershow“ la famiglia. von diesen „dinnershows“ gibt es ja mittlerweile einige, hab ich gehört. konzeptionell habe ich diese shows nie verstanden. soweit ich mir das bis vor kurzem zusammenreimte, bekommt man dort etwas zu essen und wird von schauspielern oder schaustellern oder irgendwelchen anderen künstlern beim essen gestört. seit gestern halte ich es auch für möglich, dass es umgekehrt ist, dass man mit seinen niederen bedürfnissen wie störungsfreier kommunikation mit dem kellner, getränkewünschen und getränkeentsorgung, essgeräuschen und -gerüchen die künstler bei ihrer vorführung stört.
ähnlich wie bei musicals, die in der regel eine geschichte, die sich auf einer halben dina4-seite erzählen lässt, durch exessives rumgesinge und rumgehampel auf zwei bis drei stunden länge strecken und mit bunten kostümen ausschmücken, verstehe ich nicht wirklich warum man sich eine solche veranstaltung eigentlich ansehen sollte.
aber nun war ich gestern nunmal zu dieser „komödiantischen“ essveranstaltung eingeladen. ich habe lange überlegt, ob ich diesem geschenkten gaul ins maul schauen soll (ein bis zwei stunden) und ob ich etwas, in das viele menschen extrem viel arbeit, herzblut und energie gesteckt haben, mit einem federstrich mit fehlerhafter rechtschreibung und mäandernden satzungetümen niedermachen soll.
ich habe mich entschieden es zu tun, weil ich mich geärgert habe. aus mehreren gründen — und die müssen jetzt mal eben raus.
erstens war das essen kalt. also nicht die antipasti oder das tiramisu, sondern die nudeln. und nicht nur die nudeln an unserem tisch, sondern die nudeln an mindestens drei tischen um uns herum. und mit kalt meine ich nicht lauwarm, sondern kühlschrank-kalt. die antipasto bestanden aus einem streifen eingelegter roter und einem streifen gelber paprika, einer scheibe zuccini, einer karottenscheibe, einer scheibe aubergine und zwei unfassbar subtil angemachten blättern salat. immerhin war die marinade ganz lecker und ich hatte den ganzen abend was davon, wenn ich mal aufstiess.
zweitens fand ich die show ganz furchtbar. langweilig, unwitzig und viel zu lang. dafür, dass ich die show furchtbar fand, können die schauspieler oder die produzenten der show natürlich nichts. woher sollen die auch wissen, dass ich nicht auf siebziger-jahre partykeller-humor stehe, der sich fast ausschliesslich um titten, ärsche und das ficken dreht? woher sollen die produzenten wissen, dass ein humor der sich auf das paraphrasieren von sexuellen handlungen und die bedienung von ausgeleierten klischees beschränkt, mich vor fremdscham beinahe paralysiert?
ganz im ernst, es ist völlig OK, dass es leute gibt, die zum beispiel einen solchen humor (von einem der drei hauptdarsteller der show) zum schreien komisch finden (youtube direktqual) oder sich eben auch bei „la famiglia“ königlich amüsieren. in der tat wurde gelacht und auch ein bisschen applaudiert.
seit gestern wünsche ich mir deshalb eine klare vorab-humor-klassifizierung, wie es das zur klassifizierung von musik bereits gibt. so würde ich mir mit ziemlicher sicherheit keine volksmusik- oder marschmusikkonzerte ansehen, weil schon von weitem am namen erkennbar ist, dass die veranstaltung und ix nicht kompatibel sein werden.
nun gut, bei der show-selbstbeschreibung hätte ix schon verdacht schöpfen können:
Musica, Pasta e Teatro! Eine herrlich spritzige Komödie mit kulinarischen und musikalischen Highlights!
wenn die adjektivdichte sich in einem absatz 50% nähert, sollte man sehr, sehr vorsichtig werden. und eigentlich sind solche pressezitate ein unübersehbares warnzeichen:
"Amouröse Verwicklungen, es fliegen die Fetzen - rasend komisch!", so urteilt begeistert die Presse.
wobei es aus meiner sicht sogar eine glatte lüge ist, „komisch“ fand ich es nur sporadisch und erst recht nicht rasend, sondern schleppend — obwohl man über humor ja streiten kann (äh, kann man über humor streiten?).
zumindest hätte ich mich wohl weniger geärgert, wenn im flyer statt „rasend komisch“ gestanden hätte: „leute die mario barth und fips asmussen mögen, mögen auch diese volkshumordinnershow.“
ganz wichtig neben der humorklassifizierung wäre noch eine vorherige längenangabe. denn drittens hat die show von 19:30 bis ungefähr 23:30 uhr gedauert. das sind qualvolle vier stunden unterbrochen nur von einer kurzen bestellphase vor der show und einer kurzen pause, in der es kalte pasta gab.
würde die show mit einer solchen angabe werben, kämen vielleicht insgesamt weniger leute, aber am ende blieben mehr zufriedene: „die show besteht aus zwei einstündigen, etwas zähen und in die länge gezogenen akten, für das essen, getränkebestellungen und diskussionen mit dem küchenpersonal haben sie insgesamt 45 minuten zeit. nach dem schlussapplaus und drei freiwilligen, ungebetenen zugaben, nehmen wir uns nochmal 30 minuten zeit um alle mitwirkenden einzeln vorzustellen.“
aber es gab auch positive aspekte. die kellnerin war etwas witziger und schlagfertiger als robert louis griesbach, die in die show eingearbeitete schleichwerbung für fiat wurde in witzchen verpackt, die show war in 3D (witz bei griesbach.de geliehen), ich habe tatsächlich insgesamt viermal lachen müssen (einmal allerdings auf dem klo, wegen dem typen mit brechdurchfall nebenan) und die kalten nudeln liessen mich ziemlich kalt, weil sie trotzdem lecker waren.
so viel arbeit, soviel mühe von sovielen menschen die in dieser show steckt. doof nur, dass man das merkte — so urteilt relativ unbegeistert der schwenzel.
Mit „Sicherererer“ bringe PayPal alles auf den Punkt, was die von der Finanzkrise und Phishing-Mails verunsicherten Kunden vom Online-Handel erwarten.
falsch. was die kunden erwarten ist anständiges verhalten. wenn noch nicht mal eine gemeinnützige stiftung vor willkürkürkürkür von paypal sicher ist, wie sicherererer kann man dann bei paypal als einzelner sein, anständig behandelt zu werden?
ich guck ja gerade „the west wing“ zum zweitenmal. und bei west wing findet man immer motive oder zitate mit denen man aktuelle ereignisse super illustrieren kann.
in einem völlig anderen zusammenhang fällt in folge 6 der ersten staffel folgender dialog zwischen den white-house-beratern mandy hampton und josh lyman:
JOSH: I don't think it's unreasonably macho for the White House to be aggressive in preserving democracy.
MANDY: Let me tell you something. Ultimately, it is not the nuts that are the greatest threat to democracy, as history has shown us over, and over, and over again. The greatest threat to democracy is the unbridled power of the state over it's citizens, which by the way, that power is always unleashed in the name of preservation.
mit anderen worten: nicht julian assange oder die irren „onlinecommunitybenutzer“ gefährden die demokratie. es sind die journalisten die sich selbst für überflüssig erklären und die regierungen die ihren bürgern den schutz vor der regierung verweigern und die unternehmen die AGBs über die verfassung stellen.
im moment kann man es schon mit der angst bekommen (via rivva). es bleibt dabei: das gegenteil von gut, ist gut gemeint.
ich fand den artikel über wikileaks von harald staun in der FAS nicht doof, auch wenn der artikel stauns in seiner zotteligkeit intellektuellen abgehobenheit und arroganz beinahe prototypisch dafür ist, wie typen wie staun vor allem für typen wie staun schreiben. trotzdem. weil ich mir einbildete, fast alle fremdworte die staun in seinen text einstreute verstanden zu haben, fand ich den artikel lesenswert. vielleicht auch nur deshalb.
aber es stecken ein paar bedenkenswerte gedanken im text. einer davon:
Und deshalb bedeutet Wikileaks gerade nicht, wie viele das befürchten, das Ende aller Geheimnisse. Wissen ist nicht das Gegenteil des Geheimen, es ist seine Bedingung. Nirgendwo zeigt sich das besser als am Beispiel erfolgreicher Hacks: Die Offenlegung einer Sicherheitslücke bedeutet immer auch ihre Schließung. „Mit jedem Hack“, schreibt Pias, „verschwindet eine Möglichkeit zu hacken.“
Und nein, lieber Medienredakteur der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, beim Recherchejournalismus geht es keineswegs darum, wie Sie meinen, dass eine Information „desto relevanter“ sei, „je konspirativer“ der Weg war, über den sie zum Reporter kam. Für konspirative Recherchemethoden gibt kein Chefredakteur die Seiten frei – sondern nur für Geschichten, die den Leser wirklich interessieren könnten oder aus unserer Sicht müssten.
noch witziger fand ich allerdings, wie tillack sich über josef joffe lustig macht (natürlich nennt er weder staun, noch joffe beim namen — warum eigentlich?):
Und ich finde es erstaunlich, wie viele schlechte Verlierer es im deutschen Journalismus gibt. Nicht wenige Kollegen spielen die Bedeutung der Papiere herunter und sprechen von Enthüllungen, die wir angeblich nicht brauchten, weil sie nur „mit mäßigem Nährwert“ ausgestattet seien.
Dass solches in einer Wochenzeitung mit besonders großem Papierformat zu lesen ist, überrascht dabei weniger. Dort hatte man bei manchen – nicht allen! – Autoren immer schon den Verdacht, dass sie viel lieber diplomatische Depeschen für mächtige Minister schreiben würden, als ganz unoffizielle Artikel für den Leserplebs.
joffe gibt sich in der tat so staatstragend, dass ich beinahe mitleid für ihn empfinde, dass er mit seinen vielseitigen einsichten und wissen bei einer popeligen zeitung arbeiten muss, statt im staatsdienst. joffe meint tatsächlich, dass die vierte gewalt im staate, die presse, überflüssig sei, weil es dafür parlamente und gerichte gäbe, also den rechtsstaat:
Wikileaks veröffentlicht erneut geheime Dokumente. Sollen die das dürfen?
Wenn Demokratien keine Geheimnisse mehr haben können, geht der Vorteil an die Despoten. WmdW kennt keine Dokumente, die Wikileaks je aus Nordkorea, Arabien, Iran, Russland, China etc. veröffentlicht hätte. Wikileaks lebt von den Freiheiten, welche die liberale Demokratie gewährt. Just diesen Staat will der Verein in seiner Hochmut schwächen. In dem Sinne ist das kriminell. Wir nennen es „Hochverrat“, den alle Länder mit den höchsten Strafen belegen. WmdW wünscht sich keinen Ein-Mann-Rächer, der nach eigenem Geschmack entscheidet, was zu veröffentlichen sei. Dafür haben wir Parlamente und Gerichte, also den Rechtsstaat.
klar. nixon, strauss, flick — die sind alle über parlamente und gerichte gestolpert. wer braucht schon whistleblower oder journalisten, wenn es parlamente und gerichte gibt. ein lupenreiner demokrat und journalist, der herr joffe.
Verbreitet wird die Tageszeitung an typisch österreichischen Zeitungsständern.
der tagesspiegel wird übrigens an oft draht oder blechartigen zeitungsständern verkauft, oft von verkäufern mit migrationshintergrund und oft in eisiger kälte. meedia mach medienjournalismus, der richtig an die wurzeln geht.
abgesehen davon, so sehr ich wikileaks und julian assange bisher kritisch gesehen habe (hier beim tagesspiegel kann man sich ein bisschen eine übersicht verschaffen), es ist doch faszinierend zu beobachten wie sehr die hauruck-strategie von assange die amerikanische regierung, amazon und andere privatfirmen demaskiert und zeigt wie sehr sie auf die freiheit des wortes und bürgerrechte scheissen. heute sind es assange und wikileaks die von den speicher-, DNS- und hosting-systemen vertrieben und verfolgt werden. ist es morgen der guardian, die new york times oder spiegel online? ganz so drastisch wie dave winer würde ich es noch nicht ausdrücken, auch wenn er wohl recht hat mit der feststellung, dass der einzige weg die informationen zu unterdrücken, das gesamte internet abzuschalten ist:
Once the distribution is underway the only way to shut it down will be to shut down the Internet itself. Politicians should be aware that these are the stakes. They either get used operating in the open, where the people they're governing are in on everything they do, or they go totalitarian, around the globe, now. (alles lesen)
das faszinierende, wie gesagt ist, das nicht die geleakten informationen die regierungs-organe (und kommerziellen-internet-dienst-anbieter) demaskieren, sondern wie sie es selber tun. und, das scheint sicher, jetzt wird ernst gemacht, mit der filter-infrastruktur. in kürze werden die konservativen in den USA und der ganzen welt geschlossen ihr herz für kinder entdecken.
da hab ich doch heute gestern früh gedacht, ach guck mal, die fantastischen vier machen mal wieder (zur hälfte) werbung.
sind aber gar nicht smudo und thomasd, sondern kay, bettina und olaf, die für ein „positives“ und „aber sicher!“-es zusammenleben werben.
gesternkündigte „innocence in danger“ an, gegen den verlag der berliner zeitung „presserechtlich“ vorzugehen und „strafanzeige“ gegen „den journalisten“ und die verantwortlichen redakteure dieses artikels zu erstatten (pdf-datei der pressemitteilung auf innocenceindanger.de). seltsam allerdings: »Die betroffenen Journalisten haben die Pressemitteilung zur Kenntnis genommen, Schreiben von "Innocence in Danger" liegen ihnen jedoch nicht vor.«
„der journalist“, von dem „innocence in danger“ eigenartigerweise spricht, heisst „Matthias Thieme und Katja Tichomirowa“ und behauptet unter anderem, dass es sich bei »Innocence in Danger um einen gemeinnützigen Verein handele, "der an das Finanzamt Berlin berichtet und dort seine Zahlen vorlegt"« und auf dieser grundlage im »vergangenen Jahr für weitere fünf Jahre die Gemeinnützigkeit bestätigt bekommen« hat.
„innocence in danger“ möchte das nun (unter anderem) wie folgt richtigstellen:
Innocence in Danger e.V. ist ein eingetragener Verein, dessen Gemeinnützigkeit zuletzt 2009 vom Finanzamt Berlin geprüft und für weitere fünf Jahre attestiert wurde.
der artikel in der berliner zeitung enthalte, so „innocence in danger“, »haltlose Vorwürfe und verleumderische Aussagen zur angeblich intransparenten Mittelverwendung der Organisation«. so wird in dem artikel (unter anderem) folgendes gefragt:
Doch wohin fließen die vielen Spenden, was wird mit dem Geld gemacht? Wer Antworten auf diese Fragen sucht, stößt auf die andere Seite der Guttenbergschen Glitzerwelt. Dann herrscht bei den Kinderschützern mit Sitz in Köln plötzlich eisernes Schweigen. Intransparenz statt Eloquenz. Anfragen der Berliner Zeitung bei Innocence in Danger wurden tagelang nicht beantwortet. Keine Auskunft gibt der Verein etwa zu Fragen nach der Höhe der Spendeneinnahmen, der Zahl der Mitarbeiter, der Mittelverwendung und den Verwaltungskosten.
„innocence in danger“ stellt dazu klar:
Die Geschäftszahlen werden jährlich ordnungsgemäß vorgelegt. Auf der Website stellt der Verein zudem sämtliche Presseveröffentlichungen und die Jahresberichte zur Verfügung.
tatsächlich finden sich auf der website jahresberichte, zum beispiel der des jahres 2009. darin wird das wort „euro“ allerdings nicht ein eiziges mal erwähnt. nirgendwo sind zahlen zur höhe der spendeneinahmen oder der mittelverwendung oder den verwaltungskosten zu finden.
„innocence in danger“ weiter:
Interessierte haben somit die Möglichkeit sich über die Projekte und das intensive Engagement von Innocence in Danger umfassend zu informieren.
das ist richtig. auf der website sind „projekte“ aufgelistet. das projekt „peer2peer-aufklärung“ stellt der verein mit 750 worten „umfassend“ vor. sicherlich keine schlechte idee, jugendliche andere jugendliche aufklären zu lassen, auch wenn die wortwahl irgendwie holprig erscheint:
In Schulen, Vereinen und Freizeiteinrichtungen werden Jugendliche ihre sogenannten Peers (also andere Jugendliche) über Schutz vor sexualisierten Übergriffen durch die neuen Medien aufklären.
was auch immer „sexualiserte übergriffe durch neue medien“ sind, es steht sicherlich im „flächendeckenden Konzept“ das „innocence in danger“ „in Kooperation mit Expertinnen und Experten von Eigensinn e.V., IJAB, der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück, den Berliner Jungs e.V. und jugenschutz.net“ entwickelt hat. nur ist dieses konzept alles andere als „umfassend“ dokumentiert. über die kosten oder wie die mittel genau verwendet werden sollen steht da zumindest nichts.
dafür kann man sich ein bild machen, mit welcher kruden logik „innocence in danger“ mitunter argumentiert. der verein hat sich ja, wir erinnern uns, dem schutz von kindern und jugendlichen durch „sexualisierte Übergriffe durch die neuen Medien“ verschrieben. der fokus liegt auf den neuen medien, also dem schutz der kinder vor den gefahren des internets.
Die große Mehrheit will glauben, sexuelle Gewalt an Kindern findet immer nur woanders statt doch leider sieht die Realität anders aus: 80–90% aller Fälle finden im sozialen Umfeld des Kindes statt. Wir müssen begreifen, dass für Kinder und Jugendliche der Chatroom oder das soziale Netzwerk längst zu ihrem sozialen Umfeld gehört. Hier haben Täter und Täterinnen direkten Zugriff auf das Kind.
da gibt es also studien die belegen, dass 80-90% aller missbrauchsfälle im sozialen umfeld von kindern und jugendlichen stattfinden. also im verwandten-, bekannten- und freundeskreis. um den fahrtwind dieser studien mitzunehmen, vollzieht „innocence in danger“ eine wilde logische volte und neuinterpretation: das internet gehört für viele kinder und jugendliche zu ihrem sozialen umfeld — zack damit ist belegt das sich irre viele (man hört die zahl 80-90% noch nachhallen) missbrauchsfälle im internet, in den neuen medien abspielen. die chuzpe, so zu argumentieren muss man erstmal haben. die ziele des vereins mögen ehrenwert sein, keine frage dass im internet gefahren für kinder und jugendliche lauern — aber die art wie hier argumentiert, aufgebauscht und agiert wird, scheint doch zumindest ansatzweise fragwürdig zu sein.
das ist auch einer der kritikpunkte im artikel der berliner zeitung:
"Dieser Verein lenkt von den wichtigen Problemen ab", kritisiert Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds. "Ich wüsste nicht, dass die eine einzige Beratungsstelle oder ein Kinderhaus hätten." Stattdessen kapriziere sich Innocence in Danger allein auf Missbrauch im Internet. "Das sind sehr wenige Fälle im Jahr", sagt Hilgers.
die pressemittteilung von „innocence in danger“ von gestern stammt übrigens aus der feder von simone stein die in bonn eine agentur für kommunikationsberatung führt und in einer (undatierten) pressemitteilung (die metadaten der pdf-datei sagen, dass die PM vom 10.09.2010 ist) stolz vom „neuen etatgewinn“ berichtet (gemeint ist der etat für kommunikationsarbeit für „innocence in danger“):
Die Kommunikationsarbeit für diesen Partner leisten zu dürfen, ist für Bonne Nouvelle eine lohnenswerte und spannende Herausforderung.
da „innocence in danger“ laut der pressemitteilung von gestern sehr sparsam mit den spendengeldern umgeht („verzichtet bewusst auf die kostenpflichtige Beantragung des DZI-Spendensiegels und lässt stattdessen die so eingesparten Mittel Projekten für Kinder und Jugendliche direkt zugute kommen“) bleibt nur zu hoffen, dass bonne nouvelle die kommunikationsarbeit ehrenamtlich leistet, damit die eingesparten mittel projekten für kinder und jugendliche direkt zugute kommt.
am ende der PM von gestern schreibt simone stein:
Der Verein […] verzichtet bewusst auf die kostenpflichtige Beantragung des DZI-Spendensiegels und lässt stattdessen die so eingesparten Mittel Projekten für Kinder und Jugendliche direkt zugute kommen. Mit dieser Entscheidung reiht sich Innocence in Danger e.V. in die Liste vieler anderer NGOs ohne DZI-Spendensiegel ein, wie z. B. Greenpeace, Ein Herz für Kinder und Deutsche Krebshilfe.
mal im erst: was ist so schlimm daran, statt nur dem finanzamt und einigen grossspendern, allen seinen spendern und unterstützern rechenschaft abzulegen?
[nachtrag 01.12.2010, 8:55h] bettina winsemann fragt sich auf telepolis auch warum spender nicht erfahren sollten wie ihr geld verwandt wird.
Der Verein „Innocence in Danger“ hat sich nicht geweigert, seine Zahlen zu veröffentlichen. Er hat das Interesse, dass über ihn hereingebrochen ist, einfach unterschätzt und das Ultimatum eines Journalisten nicht eingehalten. „Wir sind noch ein relativ kleiner Verein mit 2,5 Hauptamtlichen, einigen Ehrenamtlichen und Honorarkräften“, sagt Stephanie zu Guttenberg. „Wir beantworten alle Anfragen. Weil unsere Bücher von einem Steuerberatungsbüro geführt werden, dauert das manchmal länger als einen Tag. Wegen des großen Interesses am Verein werden wir demnächst die Finanzdaten 2010 und 2009 veröffentlichen“.
die faz nennt auch die summe der bisherigen einnahmen von innocence in danger (2009 270173 euro). ob simone stein die pressearbeit ehrenamtlich macht oder nicht, habe ich bisher, knapp 24 stunden nach meiner anfrage (per email) noch nicht beantwortet bekommen, aber da laut stephanie zu guttenberg alle anfragen beantwortet werden, kommt bestimmt irgendwann mal eine antwort. ausserdem prüfe der steuerberater von „innocence in danger“ jetzt, „ob sich die Kosten für das [DZI-] Siegel lohnen“. sollte „innocence in danger“ für die presse- und pr-arbeit zahlen, lohnen sich diese ausgaben ganz sicher. die pressearbeit gegenüber der faz war zumindest allererste sahne. wobei natürlich einige fragen offen bleiben. warum war in der pressemitteilung vom 29.11 nicht davon die rede, dass man die finanzdaten für 2009 und 2010 veröffentlichen möchte und überlegt sich doch um das DZI-siegel zu bewerben?
in der tat ist der artikel in der frankfurter rundschau etwas mehr auf krawall gebürstet als der in der berliner zeitung, da „innocence in danger“ aber sagt, dass der DZI-geschäftsführer burkhard wilke sich mittlerweile „vom Kontext in den seine Aussagen“ gestellt wurden distanziere, muss es sich doch um den text in der berliner zeitung handeln, da wilke im text in der frankfurter rundschau nicht erwähnt wird.
mittlerweile habe ich das gefühl, dass allerhand nebelkerzen gezündet wurden und werden und die pressearbeit von innocence in danger sich langsam warmgelaufen hat.
[nachtrag 02.12.2010, 11:30]
auch die sueddeutsche.de schrieb am 1.12, dass innocence in danger nicht bereit gewesen sei auskunft über einnahmen und ausgaben zu geben:
Der als gemeinnützig anerkannte Verein war erstaunlicherweise nicht zu einer Auskunft bereit. Auch auf Anfrage von sueddeutsche.de wollte eine Sprecherin nicht einmal grob die Einnahme- und Ausgabenstruktur des Vereins erläutern.
Stephanie zu Guttenbergs Vereingegen Kindesmissbrauch im Internet, „Innocence in Danger“, hat der FR am Mittwoch keine Antwort auf Fragen zur Höhe der eingenommenen Spenden und zur konkreten Verwendung der Mittel gegeben. Als Reaktion auf wachsende Kritik äußerte sich Guttenberg allerdings gegenüber der Nachrichtenagentur dapd und der FAZ und kündigte mehr Transparenz an. Sie sagte, offensichtlich sei der Bedarf an Offenlegung von Zahlen so groß, dass dem künftig nachgekommen werde.
Erst versucht Stephanie zu Guttenberg kritische Journalisten mit Anzeigen einzuschüchtern. Jetzt verspricht sie mehr Transparenz in der deutschen Sektion von "Innocence in Danger", der die Ministergattin als Präsidentin vorsteht.
jörg-olaf schäfers fasst auf netzpolitik nochmal die diskussion (diesen artikel hier allerdings ignorierend) zusammen und blickt linkt auch zurück, zum beispiel auf diesen artikel von stefan niggemeier.
Seit einigen Tagen wird kritisch über den Verein Innocence in Danger mit Freifrau Stephanie zu Guttenberg als Präsidentin berichtet. Hauptvorwurf: Intransparenz. Das merkwürdige daran: CharityWatch.de wurde schon Mitte Oktober zugesagt, die Finanzzahlen nach Fertigstellung zur Verfügung zu stellen. Zwischenzeitlich liegen die Einnahmen und Ausgaben vor und bestätigen eine gute Arbeit des Vereins, der sich für die Bekämpfung von Kindesmissbrauch einsetzt.
CW-Meinung. Die Vereine Innocence in Danger und sein Kooperationspartner N.I.N.A. zeigen sich sehr transparent. Öffentlich geäußerte Kritik, die das Gegenteil unterstellt, kann von CharityWatch.de nicht nachvollzogen werden. Im Gegenteil: Die Verwendung der Gelder ist nachvollziehbar und vernünftig, weshalb Spenden problemlos empfohlen werden können.
bei flattr kann man jetzt abonnements abschliessen und ein „ding“ für 3, 6 oder 12 monate automatisch flattern lassen. ich bin mal meine flattr-timeline durchgegangen und habe alle flatterbaren seiten die ich gerne regelmässig flattern würde „subscribed“. bei den meisten habe ich versucht das generische hauptdings, für die site zu finden, wenns das nicht gab oder ich es nicht fand, dann hab ich einen einzelnen artikel genommen. (das wirres.net-haupt-dings ist übrigens hier, falls das jemand automatisch flattern lassen will.)
hier also die liste von „flattr-things“ die ich abonniert habe:
Das freie Modell des Westens ist latent und akut bedroht. Akut gar nicht mehr so sehr durch alte kommunistische Trutzburgen wie Nordkorea oder Kuba, sondern vielmehr durch die Aggression des nichtdemokratischen, also totalitären und damit wesentlich effizienteren Kapitalismus Chinas.
das ist ja ne interessante logik. bleibt natürlich die frage, warum der totalitäre und damit doch eigentlich wesentlich effizienteren kapitalismus, beispielsweise der DDR, so sang und klanglos untergegangen ist. weil die DDR-kommunisten keine richtigen kapitalisten waren, die kommunisten in china aber schon?
irgendwie eine krude logik, die der kapitalist döpfner da aufs parkett legt. so richtig überzeugt von der stärke der freien marktwirtschaft und der freien welt, scheint döpfner nicht zu sein, wenn er das chinesische, bzw. totalitäre modell als „effektiver“ ansieht. ein paar krisen, welt-kriege und globale konflikte hat das angeblich so schwache freie modell des westens ja schliesslich bereits überlebt. und woher weiss döpfner eigentlich, dass ein freies, demokratisches china, mit einem entfesselten kapitalismus nicht noch stärker und bedrohlicher wäre?
und weiss döpfner eigentlich, dass sein heilsbringer, der „die verlagsindustrie“ seiner überzeugung nach retten soll, das ipad, in china hergestellt wird?
einerseits bedroht china den westen akut, anderseits rettet es den westen? günstige produkte aus china findet döpfner knorke, aber die wirtschaftliche stärke die china daraus schöpft, ist ihm unangenehm?
manchmal, insbesondere wenn man den leicht hetzigen text döpfners ganz liest, kann man den eindruck gewinnen, dass bei döpfner ein paar sicherungen durchgebrannt sind.
Multimedia-Inhalte überträgt das iPhone mit der Zune-Anwendung zwischen Telefon und PC. Für die Anbindung an den Mac gibt es aktuell eine gut funktionierende Beta des Windows Phone 7 Connectors.
kleiner autokorrektur-fehler (?) in volker webers windows phone 7 test in der aktuellen ix. oder schreibt man telefon auf englisch bereits generell mit einem kleinen i davor?
[abgesehen davon, mir gefällt das typo-gedöns und design der neuen windows phones benutzeroberfläche. nur haben will ich keins. in drei, vier jahren guck ich mir die dinger nochmal an.]
dieses bild kann ich mir, wie fast alle auf dieser site, stundenlang ansehen. heute abend mach ich das vielleicht auch mal, stundenlang auf die couch setzen und jack nicholson beim kacken zugucken.
apropos: diese wackelbilder wären doch super sinnvolle inhalte für diese digitalen bilderrahmen-dinger, vor allem die etwas subtileren (1, 2, 3, 4, etc.).
[ganz im ernst: ich fasse einfach nicht, wie fasziniert ich von diesen bildern bin. einfache, gut ausgewählte standbilder aus filmen haben ja bereits oft ikonografisches potenzial, bzw. sperren grosse momente eines filmes in ein bild. klar, das ist der witz an fotografie, nur sind bilder aus filmen natürlich extrem aufgeladen mit zusätzlichen (be)deutungen. wenn solche aufgeladenen bilder von grossen momenten aus der kinogeschichte jetzt auch noch die fähigkeit haben mehr als einen moment oder verschiedene aspekte eines momentes zu zeigen, dann wird aus einem gif manchmal etwas ganz grosses.]
ich habe einen text von nico lumma von vor drei wochen mal aktualisiert und leicht redigiert ein paar worte getauscht.
Seit einigen Tagen gibt es in verschiedenenMedienBerichte um einen vermeintlichen Familienstreit im Hause Neven DuMont. Ich bin zutiefst angewidert von der Art und Weise, wie hier versucht wird, aus einer vermeintlichen Vater gegen Sohn Situation Kapital zu schlagen. Konstantin Neven DuMont ist eigentlich ein netter Mensch, aber gleichzeitig auch ein besserwisserischer Korinthenkacker, der nicht nur alles, alles besser weiß, sondern auch noch alle darüber informieren muß, wie es besser ginge und was man bitte zu tun oder zu lassen hätte. Freundlicher ausgedrückt würde ich sagen, dass Konstantin Neven DuMont einiges an Sendungsbewusstsein hat. Anstatt im Konflikt mit seinem Vater nun einfach eine nette Email zu schreiben oder ihn anzurufen, versucht Konstantin Neven DuMont nix anderes, als ihn öffentlich in die Pfanne zu hauen. Beide, Alfred und Konstantin Neven DuMont sind nur Menschen, und noch dazu sehr nette, und in einem persönlichen Gespräch hätte sich vieles klären lassen.
Für mich ist die angebliche DuMont-Fehde allerdings keine Sternstunde der deutschen Verlagslandschaft, sondern ein Zeichen für den miesen kleinkrämerischen wir-gegen-uns Charakter der journalistisch geprägten Szene in Deutschland. Alter Schwede, so etwas Selbstgerechtes ist mir wegen einer derartigen Kinderkacke noch nicht über den Weg gelaufen! Es kotzt mich an, wie hier versucht wird, Aufmerksamkeit zu erlangen. Das ist Bild- oder gar Express-Stil! Klärt das wie Männer, trefft Euch auf ein Bier!
[Disclosure: Der Text ist ursprünglich von Nico Lumma, mit dem ich hin und wieder mal Kaffee getrunken habe oder was essen war. Er und ich sind beides nette Menschen und haben solche schwachsinnigen und dummen Texte eigentlich nicht nötig.]
„ganz gross“, don dahlmann über die elenden, vom qualitätsjournalismus schmarotzenden kioskbesitzer:
Auf der Tagung des VDZ (Verband Deutscher Zeitschriftenverleger) hat sich die Branche gegen Angebote gewehrt, die die Inhalte der Verlage nutzen, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. “Es kann nicht sein, dass wir teuren Qualitätsjournalismus betreiben, und andere einfach abkassieren”, beklagte sich Hubert Burda, Vorsitzender des VDZ. Seit Jahren liegt die Organisation mit dem Verband der Deutschen Kioskbesitzer im Streit. (alles lesen!)
ich habe die kiosk-metapher vor einem jahr auch mal im zusammenhang mit hubert burda benutzt, als er seine ersten äusserungen zum leistungsschutzrecht erstmals (?) öffentlich äusserte. aber don dahlmann macht das (natürlich) viel eleganter und pointierter.
Seit fast 100 Jahren gab es auf der Karibikinsel keine Fälle von Cholera mehr. Deswegen sind die Haitianer fest davon überzeugt, dass die Krankheit von außen eingeschleppt wurde. Einige, wenn auch bei weitem nicht alle, machen die UN- Truppen dafür verantwortlich, die Cholera ins Land gebracht zu haben. Immer mehr Haitianer gehen deshalb auf die Straße, machen ihrem Unmut Luft.
Die Antwort lieferte jetzt eine molekularbiologische Untersuchung der US-Seuchenbehörde CDC: Der in Haiti grassierende Vibrio cholerae gehört zu einem besonders aggressiven, asiatischen Stamm der Serogruppe O1, Subtyp Ogawa, der diesen Sommer eine Epidemie in Nepal verursachte. Die US-Seuchenbehörde hält sich zwar offiziell mit Anschuldigungen zurück. Doch jeder Haitianer weiß, dass an einem Zufluss des Artibonite die nepalesische UN-Kaserne liegt. Wenige Wochen vor dem Ausbruch der Cholera war dort eine neue Einheit aus Kathmandu eingetroffen.
wenn man den artikel auf seite 2 liest, hat man das gefühl, das mit der von UN-soldaten eingeschleppten cholera sei nichts als ein böses gerücht in den strassen von port-au-prince. wenn man den artikel des mikrobiologen alexander s. kekulé liest (wohlgemerkt im ressort „meinung“), hat man das gefühl, tobias käufer, der den bericht auf seite 2 schrob, enthalte einem informationen vor oder ist nicht informiert, obwohl er laut tagesspiegel in port-au-prince ist.
witzigerweise komme ich mir bereits beim lesen des tagesspiegel verschaukelt vor — obwohl der ja ganz offensichtlich die medaille aus mehreren perspektiven beleuchtet. ich frage mich aber: wie verschaukelt wird man sich als haitianer fühlen? erscheint der tagesspiegel eigentlich auch auf haitianisch?
[nachtrag 17.11.2010, 20:00h]
in der FAZ von heute (druckausgabe) wird ein bisschen differenzierter berichtet, wenn auch mit dem tenor, dass das wohl alles gerüchte sind, mit der eingeschleppten cholera:
Denn seit Tagen kursiert das Gerücht, dass ein Stützpunkt nepalesischer „Blauhelme“ im Department Artibonite in Zentralhaiti der Ursprung der Epidemie sei. Offiziell lassen Regierung und Minustah wissen, man habe eine Untersuchung eingeleitet, verfüge aber noch nicht über gesicherte Erkenntnisse über die Herkunft der Seuche; zudem sei es jetzt angezeigt, nach vorne zu blicken, statt fruchtlos Rückschau zu halten. Doch darin sehen viele Haitianer einen Vertuschungsversuch. Sie halten sich zur Erklärung der Seuche lieber an die Fotos und Videoaufnahmen, die vieltausendfach per Internet verbreitet werden. Sie zeigen einen Lastwagen, der scheinbar ungereinigte Abwässer aus dem Minustah-Lager nahe der Stadt Mirebalais in einen Zufluss des Flusses Artibonite pumpt.
Für die Entsorgung der Abwässer ist ein haitianisches Unternehmen zuständig, das angeblich der Frau des scheidenden Präsidenten René Préval gehört. In Nepal soll es wenige Wochen vor der Entsendung der nepalesischen Minustah-Soldaten einen Ausbruch der Cholera gegeben haben.
wenn man ein bisschen nach der oben erwähnten CDC-studie googelt, stellt man fest, dass die studie am 1. november veröffentlicht wurde und erste meldungen, die die „gerüchte“ zumindest ansatzweise bestätigten, bereits ebenfalls am ersten november, auch in etablierten, seriösen medien die runde machten. wenn ich das lese, fange ich wirklich an zu zweifeln, was sich die medien hierzulande so zurechtreimen und ob die korrespondenten-berichte noch per luftpost verschickt werden. qualitätsjournalismus. klar.
die beifahrerin bringt immer wieder dokumentarfilme für das kind aus der stadtbibliothek mit nachhause, um das bildungsniveau des kindes zu heben. kürzlich brachte sie einen haufen DVDs mit harald leschs „alpha centauri“ mit. als wir die erste folge der ersten DVD gemeinsam ansahen (insgesamt gibts glaub ich acht oder neun DVDs in der serie), wurde das kind immer unruhiger, die beifahrerin immer stiller, bis das kind nach ca. 5 minuten aufstand und — leicht frustriert — ausrief „langweilig, ich versteh kein wort!“. die erste folge war wirklich kompliziert („Wie viele Dimensionen hat das Universum?“). ich finde den lesch ja ziemlich klasse und kann mir das zeug ohne ende ansehen, aber für das kind, ist es wohl doch noch ein bisschen harter tobak. aber lesch soll hier gar nicht das thema sein.
denn: ausserdem hatte die beifahrerin eine nicht mehr ganz frische DVD (immerhin von 1991) ausgeliehen, „a short history of time“, eine stark biographisierende version von stephen hawkings bestseller. ich habe den film gestern und heute gesehen und fand ihn ziemlich beeindruckend. aus mehreren gründen.
erstens nervt philip glass’ musik überraschender weise kein bisschen, zweitens ist der film für 1991 mit ganz ansehnlichen special effects (alle analog produziert, wie man im making-of gut erkennen kann) versehen und drittens sind stephen hawking und sein forschung in der tat ziemlich spannend.
im making-of plaudert der regisseur von „a brief history of time“, errol morris, ein wenig über hawking und trifft damit einen ganz entscheidenden nagel auf den kopf:
stephen hawking, his frailty, his mortality, in a way has become a symbol for, i think, everybody.
grosse geister, hochintelligente menschen, die in und mit ihrem kopf sachen machen, die für uns normalsterbiche unvorstellbar sind, haben wir schon immer gerne vergöttert „genies“ genannt und zu einer art pop kopp-stars gemacht. hawking umschreibt das so:
But I think another reason is, that the public wants heroes. They made Einstein a hero, and now they are making me a hero, though with much less justification. But I fit the part of a disabled genius. At least I am clearly disabled.
wobei es dass natürlich nicht ganz trifft. so wie hawking ursprünglich inspiriert von roger penrose’s theorien über schwarze löcher, auf eine theorie der zeit und des urknalls (und der strahlung von schwarzen löchern) kam, werden wir beim betrachten von hawkings zerbrechlichkeit und fragilität auch an unsere eigene sterblichkeit erinnert und identifizieren uns mit ihm.
dass das sich bewusst-machen de eigenen sterblichkeit ungeheure (kreative, philosophische, wissenschaftliche) energien wachrufen kann, eben dafür scheint hawking ein bestens geeignetes symbol zu sein, im doppelten sinne. so hat hawking erst nachdem seine krankheit diagnostiziert wurde angefangen ernsthaft zu arbeiten und bahnbrechende werke zu veröffentlichen. er sagt von sich selbst, dass er vorher eigentlich nur blödsinn im kopf hatte und erst die krankheit ihn zu dem wissenschaftler gemacht habe, der er jetzt sei. ich musste beim sehen des filmes unweigerlich wieder an wolfgang herrndorf denken, welche energien seine krebsdiagnose in ihm freisetzte und dass auch hawking vor knapp dreissig jahren von den ärzten nur eine lebenserwartung von zwei bis drei jahren prognostiziert bekam.
errol morris nennt seinen film „a movie about hope“, einen film über die hoffnung und damit hat er recht.