fuenf-filmfreunde.de: True Blood In Under 5 minutes renington steele: »Nettes Video mit den ersten drei True Blood-Staffeln in grob fünf Minuten. Da merkt man nochmal ganz komprimiert, wie bekloppt die Serie eigentlich ist, obwohl ich sie ja tendenziell ganz gerne mag.«
der text ist viel zu zivilisiert und höflich als dass er als „rant“ durchgehen würde. ist aber trotzdem einer. und zwar gerichtet an die „onlinecommunitybenutzer“ und „günter dueck“ und die „ungeheure Hybris der Netz-People gegenüber allen anderen“.
gigaom.com: The downside of Facebook as a public space: Censorship facebook sperrt und löscht oft übereilig. das problem ist, dass niemand weiss nach welchen regeln. gegen staatliche wilkür gibts bürgerrechte. was gibts gegen facebook- twitter-, apple- oder amazonwillkür? eigentlich höchste zeit für eine neue bürgerrechtsbewegung. /via scripting.com
die nächste ausgabe der brandeins (druckfrisch), die in — glaube ich — fünf oder sechs tagen erscheint. und wenn ich nochmal hier einchecke, werd ich mayor.
[auf dem bild (mehr oder weniger) zu sehen: liu bolin]
eigentümliche argumentation: es gibt, sagt robert basic, blogger die sich darüber beklagen, dass ihnen inhalte geklaut oder „wegschmarotzt“ werden (ohne dank und ohne feedback) und dass sie ihre inhalte nicht irgendwie „schützen“ können. robert basic hat ähnliche erfahrungen gemacht, das stört ihn aber nicht: „So what, gestört hat es mich nicht.“ obwohl es ihn nicht stört („Bis jetzt. Auch morgen.“) dass seine inhalte manchmal wegschmarotzt werden, weil er aber schon immer ein „macher“ war, macht er es jetzt einfach mal, nämlich fachbeiträge „zum Thema Bloggerei“ hinter einem paywall schützen. robert basic möchte eine bezahlschranke errichten, nicht weil er glaubt, dass seine inhalte missbraucht werden und nicht weil er die schnauze voll hat von irgendeiner kostenlos- oder dankloskultur hat, sondern weil er es den schwätzern mal zeigen will, wie es gehen könnte, indem er es einfach macht.
mich erinnert das ein bisschen an den schaufenster-aktivismus mancher politiker. nicht weil er glaubt das ein bestimmtes gesetz hilfreich oder nützlich ist, stimmt und kämpft er für ein gesetzt, sondern weil es zeigt, dass er und seine genossen handlungsfähig sind und wenigstens etwas tun, stimmt er für das gesetz. klassicher aktionismus: ich glaube nicht dass es ein problem gibt, aber ich tue jetzt mal was dagegen!
jaja. schon klar; um es mit sascha lobo und gerade nicht mit konrad adenauer auszudrücken: was wir jetzt nicht brauchen, sind keine experiemente. nur, gerade an bezahlschranken-experimenten herscht meiner wahrnehmung nach kein mangel. und ich frage mich, was will robert basic eigentlich verkaufen?
seine erfahrungen, sein wissen? warum sollte man erfahrungen, wissen oder selbstreflektion gerade in hektisch und unpräsize geschriebener blogartikel-form kaufen?
wissen funktioniert nicht wie schuhe, die man im laden erstmal ausprobiert und dann vielleicht kauft. wissen oder erfahrungen bezahlt man mit aufmerksamkeit und mühe. schuhe mit geld. wissen kann man nicht ausprobieren, wenn man es kaufen möchte, kauft man es im sack. robert basic will also säcke verkaufen.
ich glaube ich muss weiter ausholen um mein unverständnis für diese aktion zum ausdruck zu bringen. denn ich sehe es anders als basic geradezu als privileg an, als ehre, dass andere sich (manchmal) die mühe machen meine texte zu lesen. möglicherweise habe ich tatsächlich das eine oder andere wissensfragment oder die eine oder andere erfahrung gemacht und vielleicht gar nicht mal so dumme schlussfolgerungen daraus gezogen, die ich in meinen texten weitergeben kann, aber ich sehe tatsächlich mich in der bringschuld und nicht meine leser.
das privileg das ich geniesse ist, dass es menschen gibt die mir aufmerksamkeit schenken, die meine zusammengeklaubten gedanken, erfahrungen und wissen und meine reflektion darüber aufnehmen, weiterverarbeiten, weitertragen, korrigieren, neu ausrichten oder mich gar zum umdenken, nachdenken, reden oder dazulernen bringen. dafür müsste ich doch eigentlich zahlen. und tatsächlich zahle ich dafür, mit ein bisschen mühe und ein bisschen zeit, aber was ich bekomme ist viel mehr wert als geld: aufmerksamkeit. gesprächseinladungen. aufforderungen weiter nachzudenken. möglichkeiten zu wachsen und zu lernen.
ich habe auch eine paywall. eine umgekehrte. schon immer. ich bezahle meine leser, mit mühe. mal mehr, mal weniger. aber eines ist klar. nicht die leser sind schuld wenn dieser deal ins ungleichgewicht gerät, sondern ich allein. manchmal bin ich nicht bereit genug mühe aufzuwenden und wähle den billigen, müheloseren weg, billige polemik, lieblose texte, halbgare gedanken, aufmerksamkeitsbettelei, doofe fotos, halbgare gedanken. wenn ich nicht genug zahle, bekomme ich auch nichts zurück.
beim müll ist das übrigens ähnlich. ich zahle dafür, dass ihn jemand wegschafft. das diejenigen, die meinen müll gegen geld wegschaffen damit teilweise ein vielfaches verdienen, durch recycling, verbrennung oder staatliche subventionstopfananbohrung ist mir doch erstmal egal (aber sowas von). wenn ich hingegen der meinung bin, mein müll sei bares geld wert, dann kann ich ihn natürlich zuhause sammeln und versuchen dem meistbietenden zu verkaufen. wenn ich ein „macher“ bin, bereitet mir diese müllsammlung vielleicht sogar vergnügen und vielleicht lerne ich daraus sogar etwas. aber falls mich jemand fragen sollte: ich bin froh dass jemand den müll wegbringt und damit macht was er will.
[nachtrag 23.06.2011] hier hab ich noch ein paar vertiefende steile thesen angehängt.
naja. ja. klar. aber das mit der moral, mit dem sich anständig benehmen hat auch andere vorteile. man kann besser schlafen und muss nicht ständig auf der lauer sein. und moral als richtschnur für das eigene handeln hat noch viele andere vorteile. unter anderem neigt man vermehrt dazu, das richtige zu tun.danisch.de: Warum das neue Cyber-Abwehrzentrum der Bundesregierung so nicht funktioniert »Wie man nun meinen Ausführungen vielleicht etwas angemerkt hat, traue ich dieser Regierung einfach nicht (mehr) zu, weder fachlich noch charakterlich, IT-Sicherheit ernsthaft herzustellen.« stimmt wahrscheinlich alles was hadmut danisch schreibt. für mich hat sicherheit ganz viel mit daumen drücken zu tun und „ernsthafte“ sicherheit was mit wunschdenken. wird schon gut gehen, wenn das kind ohne helm zur schule fährt, wird schon gutgehen, wenns im zug komisch klappert oder riecht, wird schon gut gehen, der gurkensalat. /via rivva.delawblog.de: Flächendeckende Bespitzelung »Wenn man der Polizei technische Möglichkeiten gibt, werden sie genutzt.«
ich habe am wochendene mal wieder schlecht programmiert. ich kann ja bekanntlich nicht programmieren, sondern nur schlecht programmieren. deshalb freue ich mich natürlich immer noch auf kathrin passigs buch „Weniger schlecht programmieren“ (zusammen mit jan bölsche und johannes jander) das vielleicht ende des jahres erscheint.
ich habe etwas wegprogrammiert, was mich schon lange genervt hat. bisher habe ich die links die ich auf regelmässig delicious sammle (eigentlich sind das leseempfehlungen) per feedburner „linksplicer“ in den RSS-feed integrieren lassen. das führt dazu, dass die links auf wirres.net gar nicht sichtbar sind (hier, hier und hier schon), dass ich den veröffentlichungszeitpunkt und die überschrift nicht anpassen kann. genervt hat vor allem die abhängigkeit von delicious (und feedburner). was ist wenn ich mal woanders links speichern will? wie krieg ich die links dann in den feed?
glücklicherweise hat mein CMS eine funktion, die regelmässig feeds abgrast und die dauerhaft und ohne dopplungen in der datenbank abspeichert. da die version des CMS die hier läuft gut 10 jahre alt ist, war die funktion etwas eingerostet und funktionierte nicht richtig. die habe ich wieder auf vordermann gebracht und mit einem cron-job kombiniert, der morgens einen artikel aus den links des letzten tages zusammenbaut und veröffentlicht. sehen kann man davon noch nichts, weil ich seit tagen keine links mehr bei delicious abgespeichert habe.
und als ich das fertig hatte, dachte ich: was für feeds kann ich denn noch verwursten (von wegen rss ist tot)? warum nicht den feed mit meinen twitterfavoriten einlesen und einmal monatlich einen artikel auto-generieren, der meine lieblingstweets auflistet? anke gröner klöppelt das ja jeden monat (märz, april, mai) liebevoll per hand zusammen (und macht sich gottseidank die mühe die tweets zu verlinken, so dass man sie auch selbst favorisieren kann).
nur screenshots automatisch generieren ist schwierig. dann erinnerte ich mich an twitter blackbird pie, ein dings dass einem HTML und CSS liefert, wenn man eine twitter-url eingibt. per hand ziemlich unpraktisch zu handhaben, aber für ein automatikdings perfekt. für die automatik gabs auch einen wordpress-plugin den ich sezieren, auseinanderbauen und wieder zusammenbauen konnte. das erste ergebnis davon kann man jetzt unten sehen. ob das in allen browsern und feedreadern korrekt aussieht wird sich zeigen, sollte aber. klagen dazu gerne in die kommentare.
ausserdem neu unter allen artikeln, ein einigermassen datenschutzkonformer facebook-share-button. der kommt nur auf verlangen, wenn man einmal auf „empfehlen“ klickt. auch die anzahl der bereits getätigten „empfehlungen“, „likes“ oder „shares“ werden ohne dass die IP des benutzers an facebook übertragen wird angezeigt. und zwar indem ein javascrip-befehl ein proxy-script auf meinem server triggert und das script eine json-abfrage an facebook stellt (mit der server-IP) und auswertet. das gleiche gilt für die anzahl der tweets die einen artikel erwähnen oder die anzahl der delicious-bookmarks. die einzigen beiden widgets die noch die IP der besucher an fremde dienste übermitteln sind das kommentar-widget und das flattr-widget.
gleich ganz rausschmeissen möchte ich die dinger nicht. aber für die umsetzung der primitiv-facebook-, twitter- und delicious-buttons hab ich bei nico brünjes wertvolle hinweise und anregungen gefunden, unter anderem den social grabber von david maciejewski.
Die Tetrapak-Hollandaise? Geschenkt. Aber dass man Spargel so schlecht zubereiten kann, hielt ich für technisch unmöglich.
Ich bin als Kind nicht in dem Bewusstsein aufgewachsen, jeden Tag in einem Atomkrieg verglühen zu können, um jetzt Angst vor GURKEN zu haben
Vodafone bedauert per Mail, dass sie uns zum Thema "Permanente Belästigung durch das Vodafone-Callcenter" nicht telefonisch erreicht haben.
Gibt 2 Arten v. Umgang mit Daten: Die pseudorationale lieblose & die spielerisch leidenschaftliche. In D ist wohl erstere en vogue. #next11
Ich stehe auf tumbe Typen, der Mann mag komplizierte Frauen. Geheiratet haben wir jeweils das Gegenteil. Wir sollten Ratgeber schreiben.
ich glaube die wired las ich 1996 zum erstenmal. damals studierte ich in stuttgart architektur und im stuttgarter bahnhof konnte man sie sich für einen apothekenpreis von ich glaube 20 oder 25 DM kaufen. das heft war so vollgepfropft mit werbung, dass man sich erst durch 10 doppelseiten werbung kämpfen musste, bis man überhaupt beim inhaltsverzeichnis angekommen war.
ich mochte die wired immer sehr. leider konnte ich sie mir wegen des astronomischen kiosk-preises nicht regelmässig kaufen. wenn ich mich recht erinnere hat die wired auch schon in der dunklen webfrühzeit ihre kompletten ausgaben online gestellt. richtigen lesespass machte aber nur das heft. online wars nur halb so gut, was neben dem mittelmässigen webdesign auch daran gelegen haben könnte, dass man die wired damals nicht auf dem klo oder im bett oder im café lesen konnte, da computer damals fast ausschliesslich mit klobigen röhrenmonitoren verbunden waren.
damals war das heft den trends er computer und netzwelt jeweils weit voraus. in letzter zeit hechelt das blatt auch den trends hinterher, wie alle anderen.
zum beispiel der angebliche „push“-trend. der titelgeschichte vom märz 1997 hat mir damals schlaflose nächte bereitet, so sehr habe ich über das dort geschriebene nachgedacht.
Sure, we'll always have Web pages. We still have postcards and telegrams, don't we? But the center of interactive media - increasingly, the center of gravity of all media - is moving to a post-HTML environment, a world way past a Web dominated by the page, beyond streamed audio and video, and fast into a land of push-pull, active objects, virtual space, and ambient broadcasting. You might not want to believe us, but a place where you can kiss your Web browser goodbye.
auf einer sehr abstrakten ebene mag wired irgendwie recht gehabt haben, da der artikel sich aber nicht allzusehr mit dem abstrahieren aufhielt, kann man klar sagen: wired lag damals (und heute) komplett falsch. die technologien von denen wired damals schrob sind alle verschwunden. das web, aber auch alle anderen technologien die sich des internets bedienen funktionieren nach wie vor über das anfordern von inhalten. selbst das follower-prinzip hat daran nicht viel geändert.
keine ahnung ob ich mich damit jetzt zu weit aus dem fenster lehne oder ob die these zu steil für mein wissen ist, aber soweit ich weiss, funktioniert die welt insgesamt eher über sog als druck. sog (oder unterdruck) ist einfach effektiver als druck.
aber letztendlich ist das mit dem recht haben oder falsch liegen auch egal. wired hat den mut zu scheitern. thesen, so steil dass normale journalisten sie nichtmal zu denken wagen, packten die journalisten von wired aufs titelblatt. das heft triefte, zumindest früher, vor leidenschaft und lust. lust und leidenschaft an technologie, kultur und lesenswertem journalismus. grosse bilder, grosse storys und interviews mit den klügsten köpfen der welt.
leidenschaft sieht anders aus. die lust ein regelmässiges, geiles heft zu machen, mit grossen themen, steilen thesen, grossartigen autoren scheint schon im keim durch das von thomas knüwer sonst immer so leidenschaftlich kritisierte kissenpupser-bürokratie-dickicht von grossverlagen erstickt zu werden. hatten wir schon das eine oder andere mal. gruner und jahr stellte nach nur 13 ausgaben den konr@d ein. der manager-magazin-verlag stellt die econy (später brandeins) nach nur zwei ausgaben ein. condé nast deutschland fuhr die deutsche vanity fair bereits nach zwei jahren gegen die wand.
statt sich zu fragen wie man ein grossartiges blatt machen kann: schaun mer mal.
Heute machen wahrscheinliche Weblogs ein solches Magazin nahezu überflüssig.
und ich muss sagen, ich fürchte da ist vielleicht sogar was dran. zumindest die weblogs der wired erregen bei mir mehr aufmerksamkeit als das heft selbst. hin und wieder stösst das magazin diskussionen an, die mich dann auch wieder über blogs erreichen. der versuch dampf und rauch aus der netzwelt auf papier kondensieren zu lassen, so dass er lesenswerter als der dampf und rauch dauerbeschuss im internet wird benötigt schon einiges an (journalistischer) könnerschaft und leidenschaft.
Um es nicht mit Adenauer zu sagen: Was wir jetzt nicht brauchen, sind keine Experimente.
apropos lobo. der gehört nicht zum redaktionsteam der deutschen wired. sagt knüwer. die frage nach peter glaser wurde noch nicht in den faqs gestellt. aber der fühlt sich in seinen blogs (1, 2, 3) ja auch ganz wohl. andererseit hat glaser sowohl bei konr@d, als auch der tempo kräftig mitgemischt — und würde einer deutschen wired sicher gut tun.
wie sascha lobo.
ich bin ja bekennender lobo-fan. so ganz allgemein. im speziellen mag ich seine kolumne auf spiegel online. und allein die letzte ausgabe seiner kolumne zeigt, dass er intelligent und witzig genug über die vernetzte welt schreiben kann um einem magazin die nötige interessanz zu verleihen.
saschas neologismen und wortkombinationen würde ich gerne auch mal in der badewanne lesen, also auf papier. hier ein paar beispiele aus der aktuellen kolumne:
„verbuzzworten“:
Allerdings liegt bei der NEGS die Betonung klar auf E-Administration und weniger auf E-Democracy, wie Digitale Demokratie heißt, wenn sie verbuzzwortet wird.
„medienhupen“:
Martin Lindner - nicht der medienhupende FDP-Politiker gleichen Namens, sondern einer der sachkundigsten deutschsprachigen Forscher zu Netz und digitaler Öffentlichkeit aus Freising - schreibt in dem kostenlos downloadbaren Buch Reboot_D - Digitale Demokratie.
ausserdem benutzte sascha die schönen worte „hinterherforschen“ und „unterkommunizieren“ und das lobo-zitat oben stammt ebenfalls von dieser woche.
und was sascha lobo auch kann: jede verdammte woche einen text abliefern der was taugt, nicht nur fertig wird, sondern auch noch treffend, auf den punkt und ein bisschen witzig ist. nicht mal einen text schreiben und dann mal schaun. sondern woche für woche. auf gleichbleibend hohem niveau.
und wenn der spiegel es schaffen würde nicht nur sascha lobo dazu zu bringen jede woche (alle zwei oder drei wochen würde mir auch reichen), sondern auch peter glaser, malte welding, don dahlmann, christoph kappes oder detlef borchers schreiben zu lassen, wozu dann noch ne deutsche papierausgabe der wired?
ach ja. fürs klo. und die badewanne. und zum experiemntieren. und viellicht klappt das ja noch mit der leidenschaft. vielleicht auch ohne die bürokratischen kissenpupser, rechenschieber, leidenschaftsbremser und medienhupen von condé nast. leidenschaft und gelingen (und nicht allzuviel pathos und verbuzzwortung) wünsch ix thomas knüwer auf jeden fall.
[nachtrag 17.06.2011] jürgen vielmeier hat sich was ausgedacht:
“Wired” ist ein Magazin, das der Verleger Condé Nast im Januar 1993 zum ersten Mal auf den US-Markt brachte. Damals war das Internet mit dem World Wide Web gerade kommerziell geworden und die Welt war mittendrin im Internet- und PC-Boom.
sowohl der erste, als auch der zweite satz sind natürlich schwachsinn. der zweite aus sprachästhetischen gründen, der erste aus inhaltlichen: condé nast hat wired 1993 nicht „auf den markt gebracht“, sondern condé nast hat wired 1998 gekauft. gegründet wurde wired von einer gruppe um louis rossetto und jane metcalfe, die später als „wired ventures“ bekannt wurde (quelle, dort ist auch ein sehenswerter film zur geschichte von wired eingebettet).
[genausowenig hat 2004 übrigens onlinekosten.de basicthinking.de auf den markt gebracht.]
[11:41 uhr: jürgen vielmeier hat die condé-nast-auf-den-markt-bring-fantasie korrigiert.]
[nachtrag 17.06.2011, 10:37] ich höre leise klagen, bei meiner autorenliste nicht an frauen gedacht zu haben. was ich tatsächlich unerhört finde: dass mir gestern abend nicht katrin passig als autorin eingefallen ist. danke für die erinnerung. katrin passig gehört natürlich oben in die liste und könnte die wired.de auch alleine füllen (von der interessanz her).
morgen früh bin ix so von 11 bis 12 im radio, bzw. im funkhaus und plaudere laut radio „über die deutsche Blogosphäre, über Journalismus und Leistungsschutzrecht und darüber, warum das Internet Scheisse ist.“
gestern bekam ich vom radio ein paar vorbereitungsfragen geschickt, unter anderem „nach einem besonders gelungenem, resonanzstarken, kontroversem oder auch mißlungenem Eintrag/Thema im Blog“ — und ob ich vielleicht was vorlesen wollte. aus den letzten jahren fäll mir partout nichts vorlesbares ein, ein paar ältere geschichten die ich auf früheren lesungen mal vorlas, sind glaube ich immer noch lesabr. die bernie-geschichte von 2003 zum beispiel, oder spingbär. irgendwie witzig find ich auch immer noch haare oder den lieferwagenwitz. den witz dieses eintrags verstehe ich selbst nicht mehr.
und gelungene oder misslungene einträge? am resonanzstärksten sind immer lästertexte (rants), die aber leider meist nur aus der situation heraus funktionieren und alles andere als zeitlos sind. schrödern, geheimes budget in danger, vodafone rohrkrepierer 2.0 oder kontrollfreaks waren ziemlich resonanzstark — sind aber nur bedingt gelungen. am resonanzstärksten (und gelungstens) in letzter zeit war hier auf wirres.net aber leider ein rant von sascha lobo. vielleicht sollte ich den vorlesen.
wirres kann man jetzt auch bei facebook empfehlen, nicht mit einem klick wie sonst überall, sondern mit zwei. der facebook-button lädt sich nämlich erst nach einem klick auf „empfehlen“ (unten).
[nachtrag 11.06.2011, 13:29] hiererscheint vermutlich bald die aufzeichnung der einstündigen, unterbrechungsfreien sendung.
Vodafone startet Micro-Payment-Dienst "Vodafone Mobiles Bezahlen" und will gezielt Verleger als Kunden gewinnen.
als ich im januar 2010 mal was über micropayments schrob, und mich darüber beklagte, dass es kein „einheitliches zahlungssystem gäbe, mit dem man bequem kleinstsummen zahlen könnte“, wiesen mich ein anonymer kommentator und eine mitarbeiterin von vodafone darauf hin, dass vodafone „seit jeher mobiles Bezahlen, das sogenannte Micropayment“ anbiete, unter anderem ein produkt namens „Vodafone Mobiles-Bezahlen“.
dass turi2 den „start“ zur vodafone-pressemitteilung hinzudichtet wundert mich nicht, wohl aber warum vodafone so erfolglos mit seinem „seit jeher“ existierenden system ist. hat jemand schonmal eine webseite oder applikation gesehen bei der man micropayments per vodafone handy tätigen konnte? ich nicht, aber ich kenne mich in der arsch-, titten- und lügenverlagswelt von springer und burda auch nicht so gut aus.
und warum sagt vodafone nicht, was der micropayment-spass den anbieter kostet? achso. bei vodafone redet man nicht so gerne über preise.
über einen tweet von frédéric valin bin ix auf dieses sehr lesenswerte interview mit claudius seidl und stefan willeke im „journalist“ gestossen. eigentlich ging es um den sinn und unsinn des henri-nannen-preises und um den spiegel und um reportagen und so journalistisches zeug eben.
im interview dann ein link (lobenswert!) auf eine ältere und mit dem kisch-preis ausgezeichnete reportage von stefan willeke, herr mo holt die fabrik.
in der wirklich ausgezeichneten reportage geht um es eine kokerei die nach acht jahren ausser betrieb genommen wurde und komplett nach china verkauft wurde. im wikipedia-artikel über die kokerei kaiserstuhl stand auch ein hinweis darauf, dass es über den abbau nicht nur willekes reportage, sondern auch eine fernseh-dokumentation gäbe.
was ich allerdings nicht finden konnte: eine dokumentation oder reportage über die kokerei die jetzt in china koks herstellt.
aus unerfindlichen gründen mögen journalisten nicht das wort „ich“ benutzen. faz-journalisten blasen ihr ich oft auf, indem sie statt „sagte mir“ die variante „sagte gegenüber dieser zeitung“ wählen. das soll sich wohl professionell und objektiv anhören.
manche journalisten (oder chefredakteure) meinen, dass ein „ich“ unschicklich, ein „wir“ aber voll OK sei. ich finde es hört sich vor allem überheblich und arrogant an. aber vielleicht ist ja auch genau das die intention. oder das „wir“ soll zum ausdruck bringen, dass der artikel keine einzelleistung, sondern eine teamleistung ist. so oder so, das journalisten-„wir“ wirkt gekünstelt und albern.
rainer ruthe hat dem journalisten-wir jetzt auch noch eine polygamie-komponente hinzugefügt. im autoteil des tagesspiegels am samstag schrob er:
Das Gepäckraumabdeckrollo schnappt auf Handdruck mit Getöse nach hinten. Der Ausbau der Rollokassette ist nichts für zarte Frauenhände. Wir haben es mit unserer Partnerin ausprobiert.
das hört sich so an, als habe die ganze redaktion „es“ mit seiner „partnerin“ ausprobiert — und gleichzeitig scheint auch die ganze redaktion mit ruthes partnerin verpartnert zu sein. was für ein absurder, trauriger satz: „Wir haben es mit unserer Partnerin ausprobiert.“
abgesehen davon ist „partnerin“ natürlich auch so ein wort. meine „partnerin“ haut mir auf den kopf, wenn ich das wort im zusammenhang mit ihr verwende. sie sagt, sie sei meine frau — auch als wir noch nicht verheiratet waren. und ich muss ihr zugestehen, sie hat recht.
wenn man sich das wort „partnerin“ auf der zunge zergehen lässt, bemerkt man, dass es einen ähnlichen nachgeschmack wie das wort „geschlechtsverkehr“ hat — es ist irgendwie korrekt, aber eben auch ziemlich daneben.
was ich mich noch frage, meinte rainer ruthe eigentlich folgendes?
Der Ausbau der Rollokassette ist nichts für motorisch Minderbemittelte. Ich habe es mit meiner Frau ausprobiert. Sie hats nicht geschnallt.
vor 11 tagen schrob ix über sarah lacys vortrag auf der next11:
der letzte vortrag von der hochschwangeren sarah lacy war zuerst wegen einer überdosis pathoseuphorie und grundlosem lächeln schwer gewöhnungsbedürftig, stellte sich aber dann im verlauf der 20 minuten vortrag als eines, wenn nicht das highlight der next heraus. sarah lacy berichtete über ihre reise und ihre erfahrungen mit startups und unternehmen in den sogenannten entwicklungsländern. und das was sie erzählte war einerseits extrem spannend, andererseits sehr rührend aber vor allem liess es nur einen schluss zu (den sarah lacy so nie ausdrücken würde): wir im westen sind so voll mit überheblichkeit und gefühlter überlegenheit, dass wir blind und unfähig sind, die wahren probleme, aber auch die grossartigenkeiten und ungeheuren potenziale in den entwicklungsländern zu erkennen. ihr vortrag hatte einen sehr optimistischen beigeschmack und war völlig frei von der üblichen shock-and-awe-strategie, die man sonst hört, wenn von der künftigen wirtschaftlichen überlegenheit der (noch) entwicklungsländer wie china oder indien oder diversen afrikanischen staaten gesprochen wird. ein bisschen zuviel euphorie — aber extrem inspirierend.
kürzlich auf der next11, oder genauer, nach der next11, hab ich kurz mit nico lumma gesprochen der mir erzählte, dass martin oetting bei scholz und freunde einen super vortrag gehalten habe. und dass er diese energie und qualtät von oettings vortrag auf der next11 ein bisschen vermisst habe (zusammengefasst in meinen worten). klaus kusanowsky hat mir jetzt diesen artikel vom postdramatiker in den reader geshared und so konnte ich mir den vortrag von martin oetting von dem nico lumma so geschwärmt hatte ansehen.
das war ein wirklich guter vortrag, mit lauter richtigen gedanken. eigentlich sind die dinge von denen oetting spricht alles binsenweisheiten, bzw. beobachtungen und schlussfolgerungen, die jeder der sich mit kommunikation (oder marketing) beschäftigt auch selbst beobachtet haben sollte. aber offenbar besteht in der branche noch einiges an nachholbedarf. und, zugegeben, oetting kann diese dinge wirklich eindringlich beschreiben und wunderbar herleiten.
man könnte oettings vortrag ganz kurz zusammenfassen: „in sachen kommunikation, marketing und journalismus ändert sich alles. wirklich alles. dieser wandel ist zerstörerisch, bietet aber auch ungeheure chancen.“ nur würde diese zusammenfassung oettings vortrag nicht gerecht werden, genauso wie die zusammenfassung „man verliebt sich in nutte“ „pretty woman“ nicht gerecht werden würde. also empfehle ich den film anzusehen (den von oetting, nicht pretty woman).
ebenso sehenswert ist lawrence lessings keynote vom eG8-gipfel. auch (eigentlich) nichts neues, aber — wie immer — brilliant von lessig ausformuliert und zugespitzt. kurz zusammengefasst hat dirk von gehlen die keynote, allerdings nur einen aspekt, nämlich dass wir (die im internet leben) den antworten die die regierungen in sachen internet geben nicht trauen. aus vielen gründen, aber auch — und vor allem — wegen der unfassbaren inkompetenz vieler politiker in diesem feld, die ihre kompetenz schlimmer weise als wasserträger von lobbyisten der grossen interessensverbände zu verdecken versuchen. lessig zeigt das, gehlen anhand eines beispiels auch.
ein weiterer wichtiger aspekt aus lessigs rede, den dirk von gehlen ausgelassen hat, dem johnny haeusler aber einen eigenen artikel gewidmet hat, lautet: das internet erlaubt es aussenseitern oder gescheiterten existenzen, dinge zu erfinden und zu vermarkten, die die herrschenden strukturen unterminieren („disruption“). beispiele: skype, the pirate bay, netflix, google, ebay, craigslist und so weiter und so fort.
auf meiner leseliste zum thema eG8-gipfel stehen noch kai biermann und christian stöcker. ich gehe stark davon aus, dass beide texte sehr lesenswert sind, schiebe das lesen aber auf, weil mich diese themen unfassbar frustrieren. und noch schlimmer: diejenigen die solche texte lesen sollten lesen sie nicht. sie bewirken nichts, ausser nasen wie mich in ihren überzeugungen zu bestärken. andererseits ist das ja auch was.
nichts desto trotz, frust beiseite, die wichtigsten eckpunkte von dem was derzeit falsch läuft, das was wahre agenda der G8 ist und wie sie stattdessen lauten sollte, hat lawrence lessig in diesem video auf 3 minuten zusammengebrutzelt und zugespitzt. das video ist ein guter einstieg für (streit-) gespräche zwischen digitalen einwohnern und digitalen besuchern.
[nachtrag 29.05.2011] eben gemerkt, dass die überschrift „eG8“ nicht so passend war und geändert zu „gute vorträge (oetting@s&f, lessig@eG8)“. passt auch nicht, aber besser.
dieses video ist auf sehr vielen ebenen sehr sehr witzig. einmal das schweizerdeutsch. dann die frisuren und dann der rechner, der etwa ein hunderstel oder tausendstel der rechenleistung einer modernen taschenuhr (aka „handy“) hat und trotzdem damals als „schnell“ galt. ich glaub der preis war auch witzig, aber meine fremdsprachenkenntnisse reichen nicht aus um den zu verstehen.
und den screenshot mit der quadratischen pappnase war zufall. echt.[via]
ich habe ja gerade geschrieben, dass die brandeins droht meinen respekt zu verlieren. präsizer wäre es vielleicht zu sagen, dass ich mehr und mehr das gefühl bekomme, dass meine ansprüche an das heft nicht mehr so erfüllt werden wie früher. und dazu muss ich sagen, dass ich das heft bereits las, als es noch „econy“ hiess und dass ich es, seit es brandeins heisst, abonniert habe. mir gefiel immer, dass die brandeins themen gegen den strich bürstete und stets in der lage war mich zu überraschen. mit frischen ansichten, bisher ungehörten und ungelesenen gedanken oder fakten und mit hoher journalistischer qualität. allein die themenwahl war hin und wieder in der lage mich zu euphorisieren.
dieser wow-effekt hat in den letzten jahren nachgelassen. ausserdem meine ich hin und wieder, dass die qualität verschiedener artikel zu wünschen übrig lässt. man kann mein gemäkel hier, glaube ich, am schlagwort „brandeins“ ganz gut nachvollziehen.
vor der brandeins-chefredakteurin gabriele fischer schwindet mein respekt allerdings nicht. jede email die ich ihr schrob, ob lob oder genörgel, beantwortete sie stets geduldig und ausführlich. das ist seit bestimmt 10 jahren so. glaub ich.
am montag schrieb ich gabriele fischer mal wieder eine email, diemal um nachzufragen, was am vorwurf von „Karl Guevara“, der folgenden kommentar bei mir hinterliess, dran sei (und sie nebenbei auf meine kritik an thomas ramges jüngsten artikel aufmerksam zu machen):
Mein hoher Respekt für die BrandEins ging schon verloren, als ich mitkriegte, wie einfach es für (die ja ohnehin gerade wegen ihrer super Arbeit für Facebook und Microsoft in den Medien befindlichen) Jungs von BM [Burson-Marsteller] es war, einen Artikel im Auftrag von McDonald’s im Heft zu platzieren.
Man muss sich nicht darüber wundern, dass so etwas passiert - vertrauensfördernd ist es jedenfalls nicht gerade.
[links und übersetzung von „BM“ von mir hinzugefügt]
mir kam das ein bisschen übertrieben vor. warum sollte die brandeins nicht mit PR-fuzzis reden, solange die artikel die aus solchen gesprächen entstehen unabhängig und nach ordentlichen journalistischen grundsätzen entstehen? was soll schlecht sein an anregungen oder input der von PR-agenturen, lesern, firmen kommt, solange das resultat redaktionell unabhängig ist? eigentlich ein no-brainer, daran, dass die brandeins journalistischen grundsätzen folgt, hatte ich eigentlich nie einen zweifel. ehrlichgesagt, fand ich den artikel zu mcdonalds sogar ziemlich gut. auch wenn er positiv war, reine PR war das nicht.
ich habe trotzdem mal nachgefragt. gabriele fischers antwort, die sie mir zu veröffentlichen erlaubt hat und die in einem privaten email-austausch fiel, lautet:
Sie haben völlig Recht: Wir reden mit einer Menge Menschen, auch mit PR-Leuten und sammeln dabei Ideen, Geschichten, Hinweise, die sich irgendwann zu einem Thema verdichten. Oder auch nicht.
Aber egal ob der Tipp von einem Leser, einem Kunden, einem Journalisten oder einem PR-Mann kommt: mehr als "das könnte eine Geschichte für Sie sein" passiert da nicht. Ob es eine Geschichte ist, ob sie - wie die McDonalds-Geschichte sehr gut in einen Schwerpunkt passt oder auch eine Entwicklung beschreibt, die uns relevant erscheint - all das klären wir unter uns, ohne Zutun des Tippgebers. Und wenn wir dann entschieden haben, dass das eine Geschichte ist, müssen wir zwar bisweilen auf die Hilfe der PR-Agentur zurückgreifen, wenn es um Termine geht (das ist nun mal, wofür sie von der Firma bezahlt werden): Aber einen Einfluss darauf, WEN wir sprechen wollen und zu welchem Thema haben sie nicht; und wir machen auch grundsätzlich keine Firmengeschichten, wenn wir nicht auch mit von uns ausgewählten Leuten in der Firma sprechen können, die nicht von der Agentur vorbereitet werden.
Dass wir grundsätzlich keine Texte abstimmen (wohl aber Zitate, und zwar mit und ohne PR-Agentur) und auch keinen Text vor Drucklegung aus der Hand geben, versteht sich von selbst. Und dass wir PR-Material übernähmen wäre ein Vorwurf, den ich gern konkretisiert hätte - denn wenn es so wäre, gäbe es wiederum Gesprächsbedarf (mit dem Autor und der Dokumentation).
Und genau so war es auch im Fall BM: der PR-Mann hatte keine Ahnung, welchen Schwerpunkt wir planten (Mitte) und erzählte Thomas [Ramge], wie sich McDonalds zu drehen versucht und wie erfolgreich sie mit ihrer neuen Strategie sind: Thomas hat das dann in die Redaktionskonferenz eingebracht und 10 (nicht von McDonalds bezahlte) Journalisten haben diskutiert, ob das eine Geschichte für den Schwerpunkt sein könnte.
ich hab ja keine ahnung wie es anderen leserbriefschreibern an die brandeins so geht, aber egal wie naiv, pampig oder zeternd meine emails an gabriele fischer waren, sie hat immer geduldig geantwortet und klar signalisiert, dass sie durchaus bereit ist umzudenken, nachzudenken oder auch dinge zu ändern. so war das 2004, als die brandeins ihr archiv verschloss und nur abonnenten zugänglich machte (was auch als abonnent ziemlich umständlich war). mein gemecker und das von vielen anderen führte letztendlich dazu, dass die brandeins umdachte und ihr archiv wieder öffnete — und zwar komplett, wenn auch jeweils mit einer ausgabe verspätung.
diese fähigkeit zum umdenken, dinge zu überdenken, besser oder schöner zu machen personifiziert für mich gabriele fischer. hört sich pathetisch an, basiert aber auf meinen jahrelangen erfahrungen. bereits zu zeiten als niemand von sozialen medien sprach und nur eine handvoll bekloppter ins internet schrob, beantwortete gabriele fischer geduldig und offen leserbriefe (meine zumindest). ohne jemals mit einem social-media-berater oder reputation-manager gesprochen zu haben (glaub ich. sicher).
was ich eigentlich sagen will: dieses ding mit der „konstruktiven kritik“ funktioniert. und zwar im sinne von „wenn sie gute argumente haben, lassen sie uns drüber reden“. und deshalb verliere ich meinen respekt vor gabriele fischer nicht so schnell und das mit der brandeins und mir wird auch wieder.
Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift brand eins hat sich das Thema “Respekt” gegeben und behandelt unter diesem Dach auch die Frage des geistigen Eigentums. Der Text “Geklaut bleibt geklaut” von Thomas Ramge ist online nicht verfügbar. Im Heft trägt er den Untertitel “Musik, Filme – und jetzt Bücher: Im Internet gilt geistiges Eigentum wenig. Autoren und Verlage beginnen sich zu wehren. Mit guten juristischen und ökonomischen Argumenten” In dem Text, der sich selbst als “kurze Geschichte der Online-Piraterie” beschreibt, kommen Verlagsvertreter ebenso zu Wort wie zum Beispiel Philipp Otto von iRights.info und Robin Meyer-Lucht von carta.info.
Trotzdem hinterlässt er mich ratlos. [quelle]
mich macht der brandeins-text ein bisschen wütend. nicht weil er eindeutig tendenziös geschrieben wurde, sondern weil er so schlecht geschrieben ist und vor logischen fehlschlüssen nur so trotzt (siehe weiter unten).
äusserlich gibt sich der text journalistisch einwandfrei. alle relevanten seiten werden gehört und zitiert, wertungen werden vornehmlich in zitaten ausgesprochen und auf den ersten blick wirkt es, als seien alle wichtigen aspekte zum thema zumindest einmal kurz und relativ objektiv angeleuchtet worden.
ramge hat aber so viele aspekte und gedanken der diskussion um „geistiges eigentum“ und „raubkopieren“ ausgelassen, dass man sich unweigerlich fragt: ist der so blöd oder steckt da kalkül dahinter? beides wäre ärgerlich.
zum thema flattr, zitiert ramge den „vorwärts“-redakteur karsten wenzlaff, profitierten vor allem diejenigen, „die populistisch polarisieren“. kein wort über tim pritlove. die flattr-erfahrungen der taz werden nur am rande erwähnt.
kein wort zum brasilianischen autor paul coelho, der „raubkopien“ seiner eigenen werke ins internet stellt und damit nach eigenen worten mehr bücher verkauft.
keine erwähnung von wissenschaftlichen erkenntnissen, die nahelegen, dass die abwesenheit von urheberrechten durchaus zu einem blühenden verlagswesen führen kann.
keine erwähnung davon, dass moderne „wissensarbeiter“, wie ramge durchgehend all diejenigen nennt die von urheberrechtsverletzungen geschädigt werden, auf den schultern von giganten (und zwergen) stehen und deren erkenntinisse natürlich auch kostenlos nutzen.
keine erwähnung, nicht mal ansatzweise, von der remix-feindlichkeit — und damit auch kultur-feindlichkeit — des modernen urheberrechts, bzw. das man selbst arrivierte wissensarbeiter künstler als „kopisten“ bezeichnen müsste, wenn man sich mit der materie eingehend beschäftigt.
das alles ist deshalb ärgerlich, weil ich lieblos zusammengeflanschte und tendenziöse müll-artikel zum urheberrecht überall lesen und sehen kann, von der brandeins aber einen ticken mehr erwarte. das so viele gute argumente oder gute gründe zur differenzierung in ramges artikel einfach ausgeblendet werden ist nicht mal das ärgerlichste. ärgerlich ist, dass die argumente für das klassische urheberrecht die der artikel bringt so schwach und so ausgelutscht sind. das mag daran liegen, dass diese argumente vornehmlich von der verlagsleiterin des campus-verlages kommen, die natürlich keinen spass daran hat, über alternative, neue oder innovative geschäftmodelle oder moderne, zeitgemässe formen des urheberrechts nachzudenken. für sie hört bei der durchsetzung von urheberrechten der spass auf, „spätestens wenn ein Geschäftsmodell dahintersteht“. klar. wer ein pferd nach dem auto befragt, bekommt vor allem argumente für kutschen zu hören.
zitat von annette anton, aus dem letzten absatz von ramges artikel, quasi das schlusswort:
Selbst wenn diese Betreiber und Nutzer von Tauschbörsen hundertmal behaupten, sie hätten große Hochachtung vor der kreativen Leistung der Autoren.
„Respekt drücke ich aus, indem ich für eine Leistung bezahle. Alles andere ist dämliches Geschwätz.“
das ist äusserst befauerlich, denn so kann frau anton weder künstler wie picasso, rubens, michelangelo oder homer „respektieren“. deren leistung kann sie nun mal nicht bezahlen. auch der respekt den thomas ramge frau anton oder phillipp otto oder robin meyer-lucht oder jeff jarvis entgegenbringt muss minimal sein. denn bezahlt hat der sie für ihre statements sicher nicht.
auch ich verliere langsam aber sicher meinen respekt gegenüber der brandeins. nicht weil ich in ihr meinungen lese, die nicht mit meinen übereinstimmen, sondern weil diese artikel zunehmend oft handwerklich miserabel gemacht sind (siehe auch slaven marinovic über google).
in drei bis vier wochen wird thomas ramges text kostenlos verfügbar auf brandeins.de stehen. dann wird aus einem schlechten text (nach annette antons logik) „dämliches Geschwätz“.
thomas ramge zitiert für eine huffington-post-fundamental-kritik spiegel online:
Die Huffington Post hat die Methode perfektioniert, aus interessanten Artikeln irgendwo da draußen im Web ein interessantes Detail zu extrahieren, daraus einen Kurzartikel samt Link zur Originalquelle zu schmieden und das Ganze mit einer möglichst klick- und suchmaschinenoptimierten Überschrift zu versehen.
einerseits ist das natürlich eine ziemliche respektlosigkeit, diesen text der von den „wissensarbeitern“ christian stöcker und conrad lischka gezeichnet ist (cis/lis), ohne deren leistung zu bezahlen und ohne deren namen zu nennen zu verwursten. abgesehen davon ist genau das nunmal das geschäft von journalisten, in der regel extrahieren journalisten eben interessante details oder gedanken aus anderen quellen — allerdings meist ohne link zur originalquelle.
nichts gegen spiegel-online, aber wenn man sich allein die ausbeute einer einzigen woche ansieht, in der spiegel-online artikel-details aus der los angeles times oder vom klatsch-portal tmz extrahiert, daraus einen kurzartikel ohne link zur originalquelle klöppelt und das ganze mit einer möglichst klick- und suchmaschinenoptimierten überschrift versieht, dann fragt man sich: was wollten uns ramge, stöcker und lischka nochmal genau sagen?
genau: journalismus ist (auch) praktiziertes parasitentum mit noblem anstrich und professioneller fassade.
am erschütternsten finde ich die krude logik vom ramge an dieser stelle:
So kursieren jeden Sonntagnachmittag auf den einschlägigen Filesharing-Plattformen App-Versionen des am Montag erscheinenden Nachrichtenmagazins »Der Spiegel« — bei denen sich die Kopisten auch noch die Mühe gemacht haben, die Werbung zu entfernen. Sie bekämpfen also nicht nur das Urheberrecht, sondern auch ein Geschäftsmodell, das immerhin dazu führt, dass das Magazin für Käufer erschwinglich wird.
witz nummer eins ist: spiegel online macht das im print-spiegel-archiv genauso (zufällig ausgewählte PDF-datei aus dem spiegel-archiv). wenn der print-spiegel nach einer oder zwei wochen ins (kostenlose) archiv wandert, wird die werbung entfernt.
witz nummer zwei wäre es, wenn ramge wirklich glaubte, dass anzeigen in einer „raubkopierten“ app-version des aktuellen spiegel, das heft für käufer erschwinglicher machen würde. den verlust von einnahmen wegen „raub-apps“ könnte man ja noch diskutieren, aber einnahmeverluste wegen fehlender werbung in „raub-apps“? och. mensch. das ist eine logik, die in baumschulen gelehrt wird.
es heisst ja immer, auch in ramges artikel, dass mit flattr oder anderen spendenmodellen und mit alternativen verwertungsmethoden immer nur einige wenige, herausragende „wissensarbeiter“ und künstler ein stetiges einkommen generieren könnten — und das die gratiskultur denen die lebensgrundlage entziehen würde. ich frage mich dann immer: gab es vor dem internet, vor der angeblichen gratiskultur, eigentlich nur gut bezahlte intellektuelle und künstler? musste in den guten alten analogen tagen kein autor hungern, kein musiker um seine tantiemen fürchten? oder waren es auch da einige wenige, herausragende menschen, die von ihrem wissen, ihren worten, ihrer musik oder ihrer kunst leben konnten?
es wird mir fehlen, das htc-incredible s. gerade lösche ich die SD karte und gleich setze ich das handy zurück. seit mitte april war es mein täglicher begleiter und ich habe mich an android gewöhnt. meine erfahrungen mit android habe ich bereits kurz zusammengefasst:
das gute an android (im gegenteil zu webOS): die apps. viele apps. sehr viele apps. dass es fast alle apps für android gibt und das jeder hansel apps für android (und iOS) baut. und eben nicht für webOS.
bestes beispiel wie glatt app-mässig alles bei android laufen kann: bei john gruber las ix kürzlich, dass es sich lohnen würde, den fortune artikel „inside apple“ von adam lashinsky für $0,99 als „kindle single“ zu kaufen. also die kindle-app installiert (1 minute), grubers link auf die „kindle single“-version des artikels gefolgt und auf der amazon-mobile-site gekauft (2 minuten) und dann den artikel in der kindle-app auf dem htc-incredible gelesen (20 minuten). die anderen beiden bücher die ix mal für den kindle gekauft habe, waren auch gleich da. das lesen mit der kindle-app war äusserst angenehm, aber viel angenehmer fand ich, dass alles einfach funktionierte. völlig schmerzfrei.
mir haben es übrigens innerhalb von 24 stunden übrigens 1230 andere daringfireball-leser gleich getan und gruber $91 in die affiliate-kasse gespült und fortune wohl auch ein kleines vermögen. sag nochmal einer dass bezahlwände nicht funktionieren — mit der einschränkung, dass diese bezahlwände nicht vom verleger selbst gebaut werden dürfen. fortune selbst wollte nämlich $4,99 für den einzel-artikel haben. amazon, wie gesagt, $0,99.
wo war ich? achja. was ich vermissen werde:
die google-translate-app
die google-maps-app, die auf android ungefähr hundert mal schneller startet und läuft und 400 mal mehr features als die auf dem pre bietet
die vorinstallierten navigationsprogramme („google navigation“ und die route66 basierte „premium-navigation“) die sich beide hervorragend über die „auto bedienfeld“-app steuern und benutzen liessen und mich zuverlässig und schnell durch unsere osterreise durch die deutsche provinz führten. tatsächlich kannte die „premium navigation“ wege, die mich teilweise ernsthaft überraschten. so führte uns unser weg von hamburg nach karken (bei heinsberg, bei mönchengladbach) über einen längeren schlenker durch die niederlande. gegenüber der normalen, rein deutschen strecke haben wir damit knapp 40 kilometer gespart. mit der navigation hatte ich im gegenteil zum simyo-netz nicht einmal ein problem gehabt. die vorbildlich in android integrierte „premium navigation“ muss man nach einem monat übrigens lizensieren: DACH kostet für einen monat knapp 5 euro, für ein jahr 20 euro und „unbefristet“ 30 euro. westeuropa jeweils 8, 30 und 40 euro. die (kostenlose) google-eigene navigation funktionierte aber auch einwandfrei.
angry birds (läuft zwar auch unter web os, aber auf dem bildschirm und mit dem prozessor des htc machte das mehr spass — und die vollversion gibts für android auch kostenlos)
barcoo.de und google goggles
das htc-startseiten-wetterwidget dass es tatsächlich schaffte sich stets aktuell zu halten und auch auf bahnfahrten den korrekten ort angemessen schnell anzuzeigen (nämlich immer genau dann, wenn ich draufsah)
was ich weiter auf dem pre benutzt habe, waren
foursquare, das auf android zwar schneller und flüssiger, aber dafür noch unzuverlässiger und holpriger als auf dem pre lief
die grossartige bahnfahren-app für webOS. öffi soll zwar auch toll sein, hab ich aber so gut wie nie genutzt.
der wlan hotspot, was aber nicht so sehr am htc, bzw. android lag, denn zumindest in der mir vorliegenden betriebssystem-version funktionierte der wlan hotspot genauso reibungslos und hack-frei wie auf dem pre, sondern am simyo netz.
das telefon. ich ruf eh nur die beifaherin an und die war äusserst irritiert, als ich sie einmal mit der simyo-nummer anrief. immerhin funktioniert das mit dem telefonieren auch bei simyo, kostet aber glaub ich auch was.
enttäuschend ist auch beim htc-incredible die akkuleistung. im gegenteil zum pre — dessen akkuleistung indiskutabel ist — ein schritt nach vorne, statt einen tag ohne benutzung, hielt der htc-akku teilweise sogar einen ganzen tag mit benutzung, aber das ist eindeutig immer noch zu wenig. manchmal war der akku auch innerhalb von zwei stunden alle, was an androids intransparentem applikations-management liegt. welche programme noch laufen, oder welche hintergrundprozesse, war mir stets komplett unklar. zumal man programme auf android nur in ausnahmen überhaupt beenden kann. irgendwann beenden sich die programme zwar selbst, bzw. werden von android beendet, aber normalsterblichen benutzern ist nicht erkennbar was wann wo läuft. immerhin konnte man den ganzen hintergrund-app-spuk mit einem neustart begegnen (dauert beim htc ca. 30 sekunden, beim pre ca. 30 minuten).
apropos programme beenden. so elegant und wirklich intuitiv, beinahe haptisch wie beim pre habe ich das bisher auf noch keiner plattform gesehen. die spielkarten-metapher des pre, bzw. webOS ist wirklich ein killer-feature. muss man einfach mal festhalten, da kann selbst apple nicht mithalten.
apropos apple: mit der neuesten android version die mir per over-the-air-update seit anfang mai zur verfügung stand, war auch flash dabei. ich plädiere nach zwei wochen flash auf dem handy dafür, „flash“ in „flacker“ umzubenennen. flash ist und bleibt völlig indiskutabel.
was mich auch entäuschte war der android webbrowser. selbst google webapps hatten ernsthafte darstellungsfehler, der wechsel zwischen offenen tabs zwang mich zu jeweils mindestens zwei taps und einem wisch, beim pre geht das mit zwei (intuitiven) wischs.
was mir auch nicht gelang: eine per email (von einem iphone) erhaltene vcard ins adrssbuch zu übertragen. die vcard wurde zar runtergeladen und auf der SD-karte gespeichert, aber das android adressbuch konnte nichts damit anfangen. beim pre mergte sich die adresse mit einem klick ins adressbuch.
an die bildschirmtastatur habe ich mich wider erwarten schnell gewöhnt. selbst komplizierte buchstaben wie ein „ë“ erzeugt man intuitiv und einfach. mit dem pre gelingt das auch, allerdings benötigt man dafür mindestens zwei klicks und einen tap. auf dem macbook habe ich es bis jetzt noch nicht rausgefunden, wie ich ein „ë“ erzeuge (mit dem handy eine email mit dem betreffenden buchstaben schreiben und per copy ins desktop-dokument kopieren geht aber).
bis auf den akku hat das htc-incredible kaum schwächen. es ist irre schnell, sensibel und solide, die kamera ist wirklich gut und unfassbar schnell, der bildschirm fast ein bisschen zu gross, aber brilliant und bis auf die rückseite ist es auch gar nicht mal so hässlich. was nervt ist (hin und wieder) android. da mangelt es noch massiv an eleganz, stringenz und klarheit. diese mängel macht android aber mit den schieren anzahl der teilweise genialen (aber auch grottigen) apps wett.
bevor man zu simyo geht, empfiehlt es sich mal auszuprobieren ob man zuhause überhaupt empfang hat und die grossstadt in der man lebt nicht zu verlassen. für die provinz ist simyo nur zu gebrauchen wenn man einen portablen wlan-hotspot eines anderen providers dabei hat.
und jetzt setze ich das handy zurück (auch bekloppt, wo google das versteckt hat: einstellungen/SD-karte & telefonspeicher/auf werkszustand zurück). mich wird es danach vergessen haben (hoffe ich). ich werde es vermissen.
[das htc-handy und eine simyo-SIM habe ich von simyo zur verfügung gestellt bekommen, ebenso wie ein guthaben von ich glaube 10 euro und einer viermonatigen „Flat Internet Optimum“-option. die prepaid-sim darf ich behalten (sollte ich sie jemals wieder aus dem handy rausbekommen), das handy nicht.]