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lorenz meyer teaserte diesen text von tilman baum­gär­tel vor ein paar tagen auf 6 vor 9 mit diesen worten an:

Tilman Baum­gär­tel beklagt in seinem Essay, dass ela­bo­rier­te Kul­tur­tex­te in der heutigen Auf­merk­sam­keits­öko­no­mie kaum noch Resonanz fänden, da die Reich­wei­te von Print­me­di­en schwinde, und Social-Media-Al­go­rith­men dif­fe­ren­zier­te Inhalte sys­te­ma­tisch be­nach­tei­li­gen würden.






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ein etwas atemlos be­geis­ter­ter jordan golson zeigt das von jony ive’s „love from“ design-studio ge­stal­te­te be­nut­zer­inter­face des neuen elek­tri­schen ferrari. die witzigste stelle ist, als golson nach 8 minuten euphorie über die kleinsten details des tachos und lenkrads am sitz des neuen ferrari vor­bei­geht und sagt:

it’s a seat … whatever

… und wei­ter­geht um die ein­zel­tei­le des tachos und lenkrads zu be­grap­schen.

ich komme mit den touch-schaltern in unserem auto gut klar. kann man si­cher­lich besser machen, aber man bekommt eben wofür man bezahlt und solange es funk­tio­niert kann ich mich auch das das un­freund­lichs­te design gewöhnen. es bleibt trotzdem zu hoffen, dass in künftigen auto-ge­ne­ra­tio­nen die design ideen von jony ive und seinem team hem­mungs­los geklaut werden. digital ist gut wo digital gut ist, aber haptik ist manchmal auch gut und wie man die beiden so kom­bi­niert, dass sie be­frie­di­gen scheint das ive-design ein­drucks­voll zu de­mons­trie­ren.


in den letzten tagen habe ich mich hier und da mit den themen mo­ne­ta­ri­sie­rung und reich­wei­te be­schäf­tigt und mir kam der gedanke, was für ein wahnsinn das ei­gent­lich ist, dass es für un­ab­hän­gi­ge be­wegt­bild-pro­du­zie­ren­de ei­gent­lich nur eine einzige stelle im internet gibt, wo sie ihre reich­wei­te und brötchen her­be­kom­men: youtube.

ein gi­gan­ti­scher monolith, der im prinzip bestimmen kann, was hunderte millionen sehen und ein paar hun­dert­tau­send verdienen. wahr­schein­lich ist es höchste zeit mir mal ein nebula abo zu besorgen, auch wenn die trum­pis­ten noch nicht ihre axt-hände an youtube gelegt haben mögen.

mir kam beim lesen dieser meldung beim netz­feuil­le­ton aber ein ganz anderer gedanke. die BBC wird inhalte speziell für youtube pro­du­zie­ren, „auch wenn die Inhalte auch weiterhin auf iPlayer und Sounds er­schei­nen können“ (sollen, werden?). das erinnert mich an die indieweb-phi­lo­so­phie Publish (on your) Own Site, Syndicate Elsewhere (POSSE). wenn man die inhalte bei sich „zuhause“ vorhält, sie aber an andere orte syn­di­ziert/kopiert, um ei­ner­seits die reich­wei­te oder mo­ne­ta­ri­sie­rung zu erhöhen, behält man an­de­rer­seits (theo­re­tisch) ein paar ticken mehr un­ab­häb­gig­keit, als wenn man exklusiv „elsewhere“ pu­bli­ziert.

theo­re­tisch machen das ja auch die deutschen öf­fent­lich recht­li­chen schon mit ein paar kanälen für jüngeres publikum, mit dem un­ter­schied, dass das eine art PUPZ-POSSE ist: publish elsewhere und dann bei sich selbst de­pu­bli­zie­ren.



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dieses video hat mich in ein kleines rabbit hole gestürzt (gefunden bei eay.cc).

ich war sofort angetan von scott jensons angenehm eu­pho­ri­scher und un­kon­fron­ta­ti­ven art sein lieblings-thema (benutzer-schnitt­stel­len-funktion) anderen menschen na­he­zu­brin­gen. unterwegs schnitt er so viele in­spi­rie­ren­de ideen und kleine details kurz an, ohne sie weiter zu verfolgen, dass sich in meinem kopf gleich merhere DIN A4 seiten füllten mit todos und sachen denen ich mal nachgehen will.

dann seine webseite. endlich mal wieder eine webseite die das auge entspannt und den geist reizt. allein der letzte artikel, „Boring is good“, ist so voller guter neuer ansätze über die welt, LLMs, das schreiben, das denken nach­zu­den­ken, dass ich seine webseite gerne in den urlaub mitnehmen möchte, um sie dort in ruhe von vorne bis hinten zu lesen.

But writing is hard for a deeply human reason. You don’t know what you don’t know. You write to un­der­stand, which usually means writing a ton of awful text that must then be ruthl­ess­ly thrown away. Trying to ‘write au­to­ma­ti­cal­ly’ using LLMs com­ple­te­ly cir­cum­vents this pain.

Ul­ti­m­ate­ly, a mature tech­no­lo­gy doesn’t look like magic; it looks like in­fra­struc­tu­re. It gets smaller, more reliable, and much more boring.

je­den­falls ist das video ein toller einstieg nicht nur ins thema benutzer-schnitt­stel­len-funktion und design (im sinne von design is how it works), sondern auch ins thema lernen (im weitesten sinne). dieses zitat hänge ich mir mög­li­cher­wei­se übers bett:

Fun is just another word for learning
— Raph Koster, A Theory Of Fun For Game Design


If you want to un­der­stand what goes into a big YouTube pro­duc­tion, this behind-the-scenes look from the tenth most popular tech channel seems to be a good place to start. It is re­mar­kab­le how Marques Brownlee has grown from being just a guy making webcam videos from home to having a dedicated pro­duc­tion space full of staff — and it all kind of hinges on YouTube, a singular video hosting platform. That would make me anxious daily, but Brownlee has made it work for about nine years.

das behind the scenes video ist andertalb stunden lang und ich habe es (noch) nicht zuende geschaut, auch weil ichs ein bisschen lang­wei­lig finde. aber wie nick herr sagt, das ist schon alles ziemlich re­mar­kab­le.