fritz jous­sen ver­sucht die kom­mu­ni­ka­ti­ons­ho­heit zu wah­ren

felix schwenzel

faz.net über die vo­da­fone kam­pa­gne und vo­da­fone-chef fritz jous­sen:

Joussen hält unterdessen an der von der Werbeagentur Scholz & Friends entwickelten Kampagne fest. „Bei den Kritiken im Blog reden wir über 500 Beiträge, wir machen aber Produkte für 40 Millionen Kunden“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Solange der Aufschlag bei denen glücke, sei ihm die Kritik der Hardcore-Blogger egal. „Ich diskutiere mit ihnen gerne über unsere Produkte - aber nicht über meine Weltanschauung“, stellt Joussen fest.

ich habe von vo­da­fone selbst noch nichts kon­kre­tes ge­hört zu den dis­kus­sio­nen die sich um die ak­tu­el­le vo­da­fone-kam­pa­gne en­s­pon­nen ha­ben. aus­ser dass doch al­les su­per sei mit vo­da­fone-pro­duk­ten („Un­ser Da­ten-Ta­ri­fe deckt der­zeit schon eine brei­te Mas­se an Nut­zungs­sze­na­ri­en ab.“) oder das ende des jah­res mal über neue pro­duk­te nach­ge­dacht wer­de und ein „efo­rum“ ein­ge­rich­tet wer­de. ant­wor­ten? aus­ser ge­nerv­tem, jaja, wir hö­ren ja zu kei­ne. nicht eine.

und war­um will jous­sen nur über „pro­duk­te“ re­den, nicht über vo­da­fones lob­by­ar­beit und die ver­bin­dun­gen zur po­li­tik? war­um nicht auch über gross an­ge­kün­dig­te und dann ko­mi­scher­wei­se im san­de ver­lauf­au­fe­ne halb­her­zi­ge ju­gend­schutz­in­itia­ti­ven die of­fen­bar eher der pro­fi­ie­rung als dem ju­gend­schutz die­nen? war­um nicht über das of­fen­bar zu schlap­pe netz re­den, dass es we­der er­laubt VOIP oder ech­te flat­rates an­zu­bie­ten?

jörg-olaf schä­fers sah üb­ri­gens eine in­ter­es­san­te par­al­le­le zu jous­sens ar­gu­men­ta­ti­on oben:

#vo­da­fail auch rhe­to­risch auf Zen­sur­su­la-Li­nie: „Bei den Kri­ti­ken [ ] re­den wir über 500 Bei­trä­ge, wir ma­chen aber Pro­duk­te für 40 Mio.“ #faz

ge­nau­so wie jous­sen, ar­gu­men­tier­te von der ley­en in ei­nem in­ter­view mit der welt. mot­to: al­les wo nicht alle 40 mil­lio­nen in­ter­net­nut­zer hin­ter­ste­hen kann ich ge­trost igno­rie­ren.

wei­ter im FAZ-text:

Da­bei sind die Men­schen, die 24 Stun­den am Tag im In­ter­net ak­tiv sind, eine heiß um­kämpf­te Ziel­grup­pe, be­son­ders für tech­no­lo­gie­las­ti­ge Un­ter­neh­men. „Dort, wo sie sind, wer­den in ein paar Jah­ren auch alle an­de­ren sein“, sagt Jous­sen. Wer die­se Avant­gar­de für sich be­geis­tern kann, wird als Fol­ge auch die Mas­se der Kon­su­men­ten ge­win­nen, lau­tet die Stra­te­gie.

tol­le stra­te­gie. echt. nur wie ge­nau lau­tet sie noch­mal? wie ge­nau will vo­da­fone „die­se avant­gar­de“ denn ge­win­nen? mit you­tube-upload-wett­be­wer­ben, die auf so ge­rin­ges in­ter­es­se stos­sen, dass die fil­me mitt­ler­wei­le von ei­nem so­ge­nann­ten „vo­da­fone street team“ er­stellt wer­den, statt von dem uploa­der von ne­ben­an? mit ge­türk­ten, flä­chen­de­cken­den hap­py-peo­p­le wer­be­spots und pla­ka­ten? mit pres­se­mit­tei­lungs­ab­wurf­stel­len bei face­book, twit­ter und my­space? mit pam­pi­gen be­mer­kun­gen über „hard­core-blog­ger“ oder „Kri­ti­ken im Blog“ die ei­nem egal sind? mit arsch­krie­chen in CDU-po­li­ti­ker-är­sche schul­ter­schlüs­sen mit CDU-po­li­ti­kern?

ein ziel ist doch kei­ne stra­te­gie.

Die­sen Aus­tausch mit den Kon­su­men­ten schätzt auch Jous­sen. „Die Feed­back-Kul­tur fin­de ich grund­sätz­lich gut, denn kon­struk­ti­ve Kri­tik und krea­ti­ve Ideen kön­nen uns hel­fen, viel schnel­ler und ziel­ge­rich­te­ter Pro­duk­te zu op­ti­mie­ren“, sagt er. Zu­min­dest in die­ser Hin­sicht scheint es kein Miss­ver­ständ­nis zu ge­ben.

ge­nau: wir hö­ren zu. aber wir neh­men uns die frei­heit nur das zu hö­ren, was wir hö­ren wol­len und di­rekt oder kon­kret ant­wor­ten wol­len wir ei­gent­lich auch nicht. da müss­ten wir ja plötz­lich ver­bind­lich und ehr­lich wer­den oder gar auf ir­re­füh­ren­de wer­be­aus­sa­gen ver­zich­ten.

das pro­blem mit der ak­tu­el­len vo­da­fone-kam­pa­gne ist und bleibt, dass vo­da­fone den dia­log mit den nut­zern nur si­mu­liert. dar­an ist nichts mu­ti­ges.



ro­ger wil­lem­sen fragt sa­scha lo­bo was

felix schwenzel

ro­ger wil­lem­sen fragt sa­scha lobo, „war­um ma­chen sie das?“ ei­gent­lich soll­te man den gan­zen text le­sen, ich habe mal mei­ne liebs­ten zi­ta­te raus­ge­zo­gen:

Sa­scha Lobo: In den al­ten Me­di­en heißt es: Eine Re­dak­ti­on wählt aus, was sie re­le­vant fin­det. In den neu­en: Nur das In­ter­es­san­te wird wei­ter­ge­ge­ben.

Ro­ger Wil­lem­sen: Un­se­re Mi­chel­le Oba­ma heißt Joa­chim Sau­er. Was sagt das über das Ver­hält­nis der deut­schen Po­li­tik zum In­ter­net?

Sa­scha Lobo: Mit Ver­höh­nun­gen habe ich kein Pro­blem, das ist Teil der Netz­kul­tur. Ich gebe mich schon lan­ge be­wusst der Lä­cher­lich­keit preis, etwa mit die­ser für vie­le al­ber­nen Fri­sur. Aber es stimmt, dass ich mei­ne po­li­ti­schen Ak­ti­vi­tä­ten et­was ab­lö­se von mei­nen Wer­ber­tä­tig­kei­ten.

mehr von wil­lem­sens le­sens­wer­ten fra­gen hier.


nicht so gross­zü­gi­ge un­ter­stüt­zung

felix schwenzel

die „ham­bur­ger öf­fent­li­chen bü­cher­hal­len“ be­dan­ken sich für die gar nicht mal so gross­zü­gi­ge un­ter­stüt­zung:

was mich al­ler­dings wun­dert: war­um be­kla­gen sich die hei­del­ber­ger oder die mu­sik­in­dus­trie ei­gent­lich nicht über öf­fent­li­che bi­blio­the­ken? da wer­den die au­toren doch auch „ent­eig­net“! je­der kann sich da bü­cher nach­hau­se ho­len, ohne ei­nen pfen­nig da­für zu be­zah­len. auch DVDs und CDs kann man sich da lei­hen, ob­wohl die alle kei­ne ver­leih­ver­sio­nen sind. so­weit ich weiss dür­fen DVDhe­ken nur ver­leih­ver­sio­nen ver­lei­hen, die ein mehr­fa­ches von den nor­ma­len DVDs kos­ten (li­zenz­be­stim­mun­gen und so). öf­fent­li­che bi­blio­the­ken brau­chen das of­fen­bar nicht. da müss­ten die ur­he­ber und ver­wer­ter doch schon lan­ge „mil­lio­nen-ver­lus­te“ gel­tend ma­chen.

oder hab ich was ver­passt? un­ter­stüt­zen die ver­le­ger und ver­wer­ter still und lei­se die öf­fent­li­chen bi­blio­the­ken?

[nach­trag 20:24h]
bi­blio­the­ken zah­len an die rech­te­inha­ber, bzw. ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten eine bi­blio­theks­tan­tie­me, ca. 3-4 cent pro aus­ge­lie­he­nem buch. of­fen­bar gilt das auch für an­de­re me­di­en­trä­ger. spe­zi­el­le li­zen­zen oder er­laub­nis­se müs­sen die bi­blio­the­ken bei den rech­te­inha­bern wohl nicht ein­ho­len. [dan­ke ste­fan]


ge­fro­re­nes was­ser mit zu­cker, frucht und ei­schaum

felix schwenzel

letz­te wo­che habe ich in der faz ei­nen ar­ti­kel über spei­se­eis ge­le­sen. kern­aus­sa­ge: spei­se­eis, egal ob beim ita­lie­ner, dä­nen oder su­per­markt ge­kauft, be­steht mitt­ler­wei­le fast nur noch aus zu­cker und künst­li­chem aro­ma. wer es „fruch­tig“ wol­le, sol­le das eis am bes­ten selbst her­stel­len.

im ar­ti­kel war ein re­zept für schwar­zes joha­nis­beer­sor­bet, dass ix ges­tern als hei­del­beer­sor­bet nach­ge­kocht habe.

300 g zu­cker
100 ml was­ser
500 g fri­sche hei­del­bee­ren
4 ei­weiss
salz
50 g pu­der­zu­cker
1 gros­ser ge­frier­beu­tel

den zu­cker soll­te man zu­erst mit dem was­ser zu „läu­ter­zu­cker“ re­du­zie­ren, also so lan­ge ko­chen, bis „ein zä­her si­rup ent­steht“. ich habe den si­rup wohl ein biss­chen zu lan­ge ge­kocht, er hat­te am ende die kon­sis­tenz von ka­ra­mel­bon­bons. tat­säch­lich ver­wan­del­te sich die mas­se in der schüs­sel in die ich sie zum ab­küh­len ge­füllt hat­te, in ein gros­ses ka­ra­mel­bon­bon. be­vor die mas­se kom­plett zu ei­nem klum­pen ge­ran, konn­te ich 70 pro­zent wie­der zu­rück in den heis­sen topf ret­ten, in dem ich mitt­ler­wei­le die hei­del­bee­ren mit ein we­nig was­ser zu matsch koch­te. da­drin lös­te sich das ka­ra­mel­bon­bon glück­li­cher­wei­se auf. die schüs­sel mit dem rest­ka­ra­mel, muss­te ich lei­der weg­schmeis­sen.

nach 5 mi­nu­ten hat­te sich die frucht-zu­cker-was­ser-mi­schung in eine ap­pe­tit­li­che, dick­flüs­si­ge, schwar­ze flüs­sig­keit ver­wan­delt.

im re­zept stand, man sol­le 4 ei­weiss mit ei­ner pri­se salz steif­schla­gen. aus sport­li­chem ehr­geiz schlug ich die eier mit der hand dem schnee­be­sen steif und spen­dier­te ihnn statt 50 gramm pu­der­zu­cker, 25 gramm nor­ma­len zu­cker. da­nach soll­te die heis­se frucht­mas­se un­ter den ei­schnee „ge­ho­ben“ wer­den. ent­ge­gen mei­ner er­war­tung, lös­te sich der ei­schnee nicht in schleim auf, son­dern es bil­de­te sich zu­sam­men mit der frucht­mas­se ein fluf­fi­ger, ap­pe­tit­li­cher brei.

den brei füll­te ich dann mit viel luft in ei­nen gros­sen ge­frier­beu­tel und pack­te ihn in die tief­kühl­tru­he. im re­zept stand, man sol­le die mas­se alle zwei stun­den durch­kne­ten, da­mit das sor­bet „ge­schmei­dig“ und ohne eis­kris­tal­le blie­be. ich kne­te­te die mas­se alle 30 mi­nu­ten und tat­säch­lich konn­te ich den frucht­saft, der sich am beu­tel­bo­den bil­de­te auch wie­der in die schau­mi­ge mas­se zu­rück­kne­ten.

nach 5 stun­den frie­ren und kne­ten hab ich eine ku­gel pro­biert: das sor­bet hat­te eine an­ge­nehm fluf­fi­ge kon­sis­tenz, war sehr süss, aber auch sehr fruch­tig. das nächs­te mal wer­de ich de­fi­ni­tiv we­ni­ger zu­cker neh­men, aber dass es so ein­fach ist, ohne sah­ne le­cke­res eis zu ma­chen, hät­te ich nicht ge­dacht.


kom­pli­zier­tes arsch­loch

felix schwenzel

dass an ei­ner aus­stel­lung von bil­den­der kunst irre vie­le leu­te geld ver­die­nen, ar­chi­va­re, art-di­rek­to­ren, auf­sichts­kräf­te, aus­kunfts­per­so­nal, aus­stel­lungs­füh­rer, aus­stel­lungs­ma­cher, au­toren, bi­blio­the­ka­re, se­kre­ta­ri­ats­mit­ar­bei­ter, buch­hal­ter, bü­ro­tech­ni­ker, fo­to­gra­fen, fund­rai­ser, gar­de­ro­bie­ren, gra­fi­ker, auf­bau­teams, haus­meis­ter, haus­hand­wer­ker, haus­tech­ni­ker, jour­na­lis­ten, kas­sen­per­so­nal, kli­ma­tech­ni­ker, kunst­his­to­ri­ker, kunst­kri­ti­ker, kunst­trans­por­teu­re, ku­ra­to­ren, kus­to­den, lay­ou­ter, licht­tech­ni­ker, mar­ke­ting­ma­na­ger, mu­se­ums­di­rek­to­ren, mu­se­ums­päd­ago­gen, pfört­ner, pres­se­spre­cher, rechts­an­wäl­te, rei­ni­gungs­per­so­nal, re­stau­ra­teu­re, si­cher­heits­in­ge­neu­re, steu­er­be­ra­ter, toi­let­ten­per­so­nal, trans­por­teu­re, ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter, ver­si­che­rungs­agen­ten, wach­schüt­zer, web­de­si­gner, wis­sen­schaft­li­che mit­ar­bei­ter, aus­stel­lungs­ar­chi­tek­ten, buch­händ­ler, ca­te­rer, dru­cke­rei­en, fach­zeit­schrif­ten, gla­se­rei­en, kunst­zei­tun­gen, tisch­ler, ver­le­ger, ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten, ver­si­che­run­gen und wer­be­agen­tu­ren, nur die künst­ler nicht weiss nicht je­der. ich weiss das erst, seit ich mit ei­ner künst­le­rin zu­sam­men­le­be. ei­gent­lich soll­te da et­was dran ge­än­dert wer­den, denk man so.

also ha­ben der bun­des­ver­band bil­den­der künst­le­rin­nen, und künst­ler (BBK), der deut­sche künst­ler­bund, die GE­DOK, die in­ter­na­tio­na­le ge­sell­schaft der bil­den­den küns­te (IGBK) und die ver.di fach­grup­pe bil­den­de kunst ei­nen brief an die im bun­des­tag ver­tre­te­nen par­tei­en ge­schrie­ben. nur was sie da for­dern, un­ter an­de­rem eine „aus­stel­lungs­ver­gü­tung“ treibt ei­nem bei ge­nau­em hin­se­hen den angst­schweiss auf die stirn: die­ser aus­stel­lungs­ver­gü­tungs­an­spruch ist un­ver­zicht­bar, kann vom künst­ler nur an eine ver­wer­tungs­ge­sell­schaft ab­ge­tre­ten wer­den und soll aus­schliess­lich von ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten gel­tend ge­macht wer­den kön­nen. dass die for­de­run­gen nach die­sem bü­ro­kra­ti­sche irr­sinn off-ga­le­rien, low-bud­get-pro­jek­te und die künst­ler selbst stark in ih­rer ar­beit be­hin­dern könn­ten, er­klärt ka­tia­kelm in ih­rem blog sehr gut nach­voll­zieh­bar.

ganz ab­ge­se­hen da­von zeigt es, was für ein kom­pli­zier­tes arsch­loch das ur­he­ber­recht ist.

[wei­ter­le­sen bei ka­tia­kelm.de]


noch­mal nach­ge­dacht

felix schwenzel

noch ein nach­ge­dan­ke zu mei­nen lei­der et­was wir­ren er­klä­rungs­ver­su­chen vor ein paar ta­gen, wie ich zu wer­bung ste­he. ich sprach ja da­von, dass man nicht um­hin kön­ne, eine ge­wis­se hal­tung zur wer­bung die bei ei­nem er­scheint ein­zu­neh­men. jetzt plant spex mit ei­nem ita­lie­ni­schen nu­del­her­stel­ler ei­nen deal, bei dem der nu­del­her­stel­ler spex eine ton­ne pas­ta für die kan­ti­ne stellt und spex dem nu­del­her­stel­ler für ein jahr ei­nen platz im im­pres­sum gibt. „Ein Pro­duct-Pla­ce­ment in der Un­ab­hän­gig­keits­er­klä­rung der Zeit­schrift“, wie der chef­re­dak­teur max dax sagt:

Ganz klar: Die Ak­ti­on bringt [den Nu­del­her­stel­ler] ins Ge­spräch und lang­fris­tig könn­ten wir uns zum Bei­spiel vor­stel­len, dass De Cec­co mit sei­nen Mi­che­lin-Ver­trags­kö­chen das Ca­te­ring bei un­se­ren Berg­hain-Fes­ti­vals über­nimmt. Es war uns wich­tig, ei­nen Part­ner zu fin­den, der zu uns passt, aber bran­chen­fremd ist. Un­ter­neh­men, mit de­nen wir im Heft zu tun ha­ben, wä­ren nicht in Fra­ge ge­kom­men, weil es uns ja ge­ra­de dar­um geht, den Stel­len­wert von Un­ab­hän­gig­keit im Jour­na­lis­mus zu be­to­nen und nicht die­sen Wert auf­zu­ge­ben. (taz)

den punkt mit dem bra­chen­frem­den her­stel­ler fin­de ich wich­tig. er er­laubt der spex eine glaub­wür­di­ge hal­tung zur nu­del­wer­bung ein­zu­neh­men — und noch wich­ti­ger: die spex steht zu die­ser hal­tung.

und noch ein an­de­rer nach­ge­dan­ke. mei­ne zu­ge­ge­be­ner­mas­sen et­was „arschi­ge“ über­set­zung von nico lum­mas semi-pri­va­ter, halb­her­zi­gen recht­fer­ti­gungs­arie sei­ner ar­beit bei scholz und freun­den, ist heu­te von ei­nem wer­be­fuz­zi kom­men­tiert wor­den und mir sind da­bei ein, zwei sa­chen auf­ge­fal­len. im kom­men­tar schriebt „main­bu­be“ un­ter an­de­rem:

Es gibt nun ein­mal die wer­be­trei­ben­de In­dus­trie und wei­te­re Zwei­ge die sich mit der Mo­ne­ta­ri­sie­rung von Me­di­en be­schäf­ti­gen. Wir kön­nen auch alle mit Kri­tik le­ben, aber be­stimm­te Din­ge soll­ten auf ei­ner fach­li­chen und sach­li­chen Ebe­ne dis­ku­tiert wer­den. Dei­ne Po­le­mik ist das Ge­gen­teil da­von.

ich fra­ge mich, war­um man ei­ner bran­che die zu wei­ten tei­len mit psy­cho­lo­gi­schen tricks, dem schü­ren von emo­tio­nen und ele­gan­ten (aber sich recht­lich stets sich am ran­de der le­ga­li­tät be­we­gen­den) lü­gen ar­bei­tet, war­um man mit ei­ner sol­chen bran­che aus­schliess­lich auf ei­ner „fach­li­chen und sach­li­chen Ebe­ne“ dis­ku­tie­ren soll­te?

die wer­ber kämp­fen mit dem klapp­mes­ser, zie­hen an den haa­ren und rei­zen die ziel­grup­pe mit arsch und tit­ten und pho­to­shop un­ter der gür­tel­li­nie und wenn man solch ein rück­sichts­lo­ses, pro­fit­ori­en­tier­tes und ver­ant­wor­tungs­lo­ses ber­ser­ker­tum kri­ti­siert, soll man sich ge­fäl­ligst zi­vi­li­siert und an­stän­dig ver­hal­ten?

na­tür­lich funk­tio­niert es, wenn man die lü­gen der bran­che sach­lich kri­ti­siert, wenn man auf die lüge „ge­sund“, „über­do­sis zu­cker“ ant­wor­tet, wenn man auf „güns­tig“ „ver­wir­rend und teu­er“ ant­wor­tet. es funk­tio­niert, wenn man sach­lich die lü­gen und die rea­li­tät ne­ben­ein­an­der ab­bil­det. teil­wei­se ist sach­lich­keit so­gar ziem­lich scho­ckie­rend [via].

nur war­um man beim ver­such den ei­er­tanz, die lü­gen und das zu­recht­bie­gen der wirk­lich­keit der wer­ber zu ent­lar­ven auf po­le­mik und über­zeich­nung, von mir aus auch „arschig­keit“ ver­zich­ten soll, das ist mir wirk­lich nicht klar. aber viel­leicht kann es mir ja je­mand er­klä­ren. be­vor­zugt je­mand der mit lü­gen sein geld ver­dient.


kri­tik an der kri­tik

felix schwenzel

ich wer­de es wohl nie ver­ste­hen.
jür­gen frey kom­men­tiert bei herrn ka­li­ban:

Tut mir leid, ich kann die gan­ze Hys­te­rie um die freie Mei­nungs­äu­ße­rung ei­nes ein­zel­nen Grü­nen nicht nach­voll­zie­hen.

der ein­zel­ne grü­ne heisst mat­thi­as güld­ner und hat auf welt.de ir­gend­was ne­ga­ti­ves zu den the­men „twit­ter“, „in­ter­net“ und „ge­hirn“ ge­schrie­ben. das war, wie fast im­mer auf de­bat­te.welt.de, ein doo­fer, atem­lo­ser und ziem­lich sub­stanz­lo­ser ar­ti­kel.

jür­gen frey wei­ter:

Dass sich auf­grund des Kom­men­tars von Mat­thi­as Güld­ner so vie­le an­ge­spro­chen und so­gar be­lei­digt füh­len, gibt mir aber zu den­ken.
[…]
[Die Zenz­ur­su­la-Geg­ner sind] so li­be­ral, dass je­der, der es wagt netz-kri­ti­sche Ge­dan­ken zu äu­ßern ge­nüss­lich nie­der”ge­basht” wird.

das ist der punkt den ich nicht ver­ste­he. wenn ein grü­ner et­was kri­ti­sches sagt ist es eine freie mei­nungs­äus­se­rung, über die man sich nicht auf­zu­re­gen braucht. wenn sich je­mand, bei­spiels­wei­se im in­ter­net, kri­tisch dazu äus­sert, ist es ge­nüss­li­ches „ge­bas­he“, das ei­nem zu den­ken ge­ben soll­te. wird aus ei­ner in­di­vi­du­el­len mei­nungs­äus­se­rung „ge­bas­he“, wenn meh­re­re hun­dert leu­te et­was ähn­li­ches zum glei­chen zeit­punkt sa­gen? oder meint frey tat­säch­lich dass sich die leu­te ver­ab­re­den um güld­ner-kri­ti­sches zu ver­fas­sen, dass das ir­gend­wie ge­steu­ert wird?

ich glau­be ja, dass die­se un­ter­schwel­li­ge „mob“-sug­ges­ti­on, die nicht nur jür­gen frey be­müht, ein my­thos sind. mal ein weit­her­ge­hol­tes bei­spiel: wenn sich mil­lio­nen von men­schen dazu ent­schei­den ein ipho­ne zu kau­fen, ist das dann so eine art nie­der­ba­shen von no­kia oder HTC? ist das hys­te­rie? nein, je­der ein­zel­ne ipho­ne-käu­fer hat ei­nen gu­ten und in­di­vi­du­el­len grund sich so ein teil zu ho­len, auch wenn hier und da emo­tio­nen an ei­ner sol­chen ent­schei­dung be­tei­ligt sein könn­ten. dass sich aber mil­lio­nen an­de­re eben­falls dazu ent­schei­den ein ipho­ne kau­fen, ist dem ein­zel­nen käu­fer schnurz­pieps­egal. von aus­sen mö­gen die ipho­ne be­sit­zer wie ein rie­si­ger mob wir­ken, ein mob der die jobs und die zu­kunft von no­kia und an­de­ren ver­schla­fe­nen te­le­fon-her­stel­lern ge­fähr­det. es ist aber kein mob, son­dern eine gros­se an­samm­lung von in­di­vi­du­en.

die freie mei­nungs­äus­se­rung ei­nes ein­zel­nen an vie­len als et­was ganz nor­ma­les dar­zu­stel­len und die kri­tik von vie­len ein­zel­nen dar­an als hys­te­risch, ge­mein und bru­tal dar­zu­stel­len zeugt, ge­nau be­trach­tet, von ei­nem tie­fen mis­trau­en ge­gen­über der de­mo­kra­tie. et­was was vie­le men­schen äus­sern kann nicht gut sein, mehr­hei­ten oder mas­sen sind su­spekt, dis­kus­sio­nen kön­nen nur in ein­zel­ge­spröä­chen ge­führt wer­den, oder was?


ges­tern schon wie­der zei­tung ge­le­sen

felix schwenzel

ich hab ges­tern schon wie­der ei­nen gan­zen ta­ges­spie­gel ge­le­sen. irre, was da so al­les drin­steht.

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ein biss­chen prak­ti­kan­tig ge­schrie­ben, aber mit ein paar in­ter­es­san­ten hin­ter­grund-in­for­ma­tio­nen, die­ser ar­ti­kel im ta­ges­spie­gel über den frei­be­ruf­li­chen u-bahn-an­sa­ger in der U2: „ Gün­ter Schmidt: Laut­spre­cher der Ber­li­ner U-Bahn “. den kom­men­ta­ren un­ter dem ar­ti­kel zu­fol­ge, scheint ihn die hal­be stadt zu ken­nen.

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der ta­ges­spie­gel schreibt über chris­ti­an ul­mens al­ter ego, uwe wöll­ner: voll bor­ing, „ra­dio fritz“ lässt com­pu­ter­freak uwe wöll­ner alis chris­ti­an ul­men auf po­li­ti­ker los . die fil­me kann man hier se­hen . al­ler­dings nicht alle:

EIN­SCHRÄN­KUN­GEN BEI DEN NEU­EN UWE-CLIPS
Aus recht­li­chen Grün­den dür­fen wir die Uwe-Vi­de­os „Im Puff“ lei­der nur in der Zeit zwi­schen 22 Uhr abends und 6 Uhr mor­gens zei­gen. Wir bit­ten um Euer Ver­ständ­nis!

ei­nen aus­schnitt aus uwe wöll­ner im puff ha­ben die bei­fah­re­rin und ich mal bei ste­fan raab ge­se­hen. die bei­fah­re­rin hat der film nach­hal­tig trau­ma­ti­siert, weil chris­ti­an ul­men, schlecht ge­tarnt als uwe wöll­ner, of­fen­bar und of­fen­sicht­lich vor der ka­me­ra den ge­schlechts­akt voll­zieht. ab 22 uhr kann man sich da­von hier in vol­ler län­ge trau­mat­sie­ren las­sen.

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wenn man die­sen ar­ti­kel über ver­schwun­de­ne un­ter­la­gen bei sie­mens über hoch­ra­di­ak­ti­ve ab­fäl­le bei sie­mens liest, könn­te man sich zu ähn­li­chen schluss­fol­ge­run­gen zu asse wie ben_ hin­reis­sen las­sen: „ Ich ver­flu­che je­den, der uns Atom­kraft­wer­ke ein­ge­brockt hat .“

vor al­lem fra­ge ich mich, war­um der staat fröh­lich ge­set­ze er­lässt und bür­ger­rech­te ein­schränkt um den bür­gern an­geb­lich si­cher­heit vor dem ter­ro­ris­mus zu ge­ben, aber kaum tä­tig wird um die men­schen vor der dumm­heit und kor­rup­ti­on der atom­in­dus­trie zu schüt­zen.

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noch so ein ge­dan­ke zu ulla schmidt. nach­dem sie stein­mei­er in spa­ni­en den wahl­kampf­auf­takt ver­saut hat , trägt ulla schmidt jetzt viel­leicht auch die schwei­negrip­pe aus spa­ni­en in die bun­des­re­gie­rung?

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im ta­ges­spie­gel steht , dass die EU-aus­sen­mi­nis­ter „Al­len War­nun­gen von Da­ten­schüt­zern und den Pro­tes­ten von Par­la­men­ta­ri­ern zum Trotz“ der EU-kom­mis­si­on „grü­nes Licht“ ga­ben, um „mit den USA über ein Ab­kom­men zur Über­mitt­lung eu­ro­päi­scher Bank­da­ten für die Ter­ror­fahn­dung zu ver­han­deln.“ das heisst, dass der kan­zer­kan­di­dat (haha!) und am­tie­ren­de aus­sen­mi­nis­ter der SPD kei­ner­lei be­den­ken hat, über den kopf des eu­ro­pa­par­la­ments und ohne wei­te­re na­tio­na­le und eu-wei­te de­bat­te mit den USA über die wei­ter­ga­be al­ler kon­to­da­ten, al­ler EU-bür­ger zu ver­han­deln. gran­dio­ser wahl­kampf-auf­takt! zur er­öff­nung der heis­sen wahl­kampf­pha­se eine pam­pi­ge ulla schmidt in den schlag­zei­len und ei­nen aus­sen­mi­nis­ter der auf bür­ger­rech­te und da­ten­schutz scheisst. ich schät­ze, ein er­geb­nis von 18 pro­zent bei der kom­men­den bun­des­tags­wahl, wä­ren mitt­ler­wei­le so eine art traum­er­geb­nis für die SPD. wird stein­mei­er ei­gent­lich auch von scholz und sei­nen freun­den be­ra­ten? olaf scholz and fri­ends?


tol­le stadt­rund­fahrt

felix schwenzel

von achim bo­de­wig durch die mit­te ber­lins. sehr, sehr vie­le bil­der und gute, in­for­ma­ti­ve kom­men­ta­re mit sehr, sehr vie­len links. die tour ge­fällt mir auch des­halb so gut, weil sie sich mit ei­nem teil mei­nes we­ges zur ar­beit oder dem zum mit­tag­essen kreuzt. da fo­to­gra­fie­re ich ja auch ganz ger­ne. via will­sa­gen.de.


„der gei­m­ein­sa­me weg“

felix schwenzel

sehr wit­zig! wirk­lich. ge­gen mer­lix ist mar­ten­stein ne ganz klei­ne num­mer. echt jetzt.


bo­mar­dier spons­ort die leicht­ath­le­tik-WM in ber­lin

felix schwenzel

das ist echt lus­tig, was jens wein­reich hier schreibt:

Ge­ra­de ver­kün­det das WM-Or­ga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee (BOC) sei­nen nächs­ten “na­tio­na­len För­de­rer”: Bom­bar­dier Trans­por­ta­ti­on. (wei­ter­le­sen)

bom­bar­dier hat ei­nen gross­teil der der­zeit in re­pa­ra­tur, bzw. war­tung be­find­li­chen ber­li­ner s-bah­nen ge­baut. und auch wenn das al­les noch völ­lig un­ge­klärt ist, wahr­schein­lich wird das ber­li­ner s-bahn-ma­nage­ment bom­bar­dier ver­su­chen eine mit­schuld an dem de­sas­ter zu ge­ben.


true blood

felix schwenzel

john­ny hat recht. „true blood“ ist „nicht hu­mor­frei“, „über­ra­schend“, „schräg“ und er­in­nert an „twin peaks“. wo­bei ich „twin peaks“ nicht ge­se­hen habe, bzw. beim ver­such es an­fang des jah­res zu se­hen, im­mer ein­ge­schla­fen bin.

um was es bei „true blood“ geht kann man bei john­ny nach­le­sen oder im in­ter­net, wo­bei man ge­ra­de bei wi­ki­pe­dia auf­pas­sen muss, die ist voll mit un­an­ge­kün­dig­ten spoi­lern. ich sag nur so­viel: „true blood“ spielt im tie­fen ame­ri­ka­ni­schen sü­den, die dar­stel­ler ha­ben alle ei­nen herr­lich be­scheu­er­ten süd­staa­ten-ak­zent und es ist im­mer so irre heiss, dass alle dar­stel­ler halb­nackt rum­lau­fen. das wir­lich tol­le an „true blood“ ist al­ler­dings, dass es in ers­ter li­nie ein gut ge­mach­tes be­zie­hungs­dra­ma ist, nein, ge­nau­er, voll mit be­zie­hungs­dra­men ist. alle fi­gu­ren er­schei­nen auf den ers­ten blick völ­lig nor­mal, trin­ken, re­den, ka­beln, fi­cken mit­ein­an­der und al­lein das lohn­te schon, die se­rie an­zu­se­hen. die dia­lo­ge er­schei­nen au­then­tisch, die fi­gu­ren ha­ben tie­fe und die ste­reo­ty­pen wer­den nicht platt­ge­walzt, son­dern ge­schickt als gag­vor­la­gen ge­nutzt. oben­drauf, wie eine pri­se salz, ha­ben ei­ni­ge der fi­gu­ren auch noch über­sinn­li­che oder fan­tas­ti­sche fä­hig­kei­ten. die haupt­dar­stel­le­rin so­o­kie stack­house, kann ge­dan­ken le­sen, ein paar leu­te sind vam­pi­re, ei­ner ist mas­sen­mör­der, an­de­re sind al­ko­ho­li­ker, so­ziapthen oder schwul. nun ist we­der al­ko­ho­lis­mus noch so­zio­pa­then­tum, schwul­sein oder mas­sen­mör­der­tum et­was über­sinn­li­ches, aber das tol­le an der se­rie ist, dass alle mit ih­ren vor­lie­ben, schwä­chen oder ga­ben glei­cher­mas­sen zu kämp­fen ha­ben, die fi­gu­ren wer­den nicht al­lein auf ihre ga­ben oder schwä­chen re­du­ziert.

die nor­ma­li­tät, mensch­lich­keit und echt­heit der se­rie ist es, die das her­ein­bre­chen von ge­walt und irr­sinn, ab­sur­di­tät und über­sinn­li­chem so scho­ckie­rend und span­nend macht. und an ge­walt und irr­sinn spart die se­rie nicht. die grau­en­haf­te ge­walt und die vie­len klei­nen dra­men ge­hen ei­nem als zu­schau­er so nahe, weil die fi­gu­ren so mensch­lich ge­zeich­net sind, weil man sich mit ih­nen so gut iden­ti­fi­zie­ren kann. wo „he­roes“ we­gen der über­do­sie­rung nach kur­zer zeit nervt, die vie­len über­mensch­li­chen fä­hig­kei­ten und pseu­do-kon­flik­te und ver­schwö­rungs­theo­rien ei­nen bald nur noch lang­wei­len, bleibt „true blood“ qua­si auf dem tep­pich, im mensch­li­chen mass. des­ah­lb geht es ei­nem so nahe.

ne­ben den nor­ma­len zwi­schen­mensch­li­chen kon­flik­ten, geht es in der se­rie vor al­lem um den kon­flikt zwi­schen den be­für­wor­tern von bür­ger­rech­ten für vam­pi­re und den vam­pir­has­sern, die der mei­nung sind, al­les schlech­te und böse käme von den vam­pi­ren. ähn­lich wie „raum­schiff en­ter­pri­se“ den kon­flikt zwi­schen weiss und schwarz, ost und west auf eine an­de­re ebe­ne hob und so für to­le­ranz und frie­den, freu­de, ei­er­ku­chen warb, wirbt „true blood“, wenn ich das rich­tig ver­stan­den habe, für ge­sell­schaft­li­che to­le­ranz und ein fried­li­ches und recht­lich ab­ge­si­cher­tes zu­sam­men­le­ben von schwu­len und he­te­r­oes oder an­ge­hö­ri­gen ver­schie­de­ner re­li­gio­nen und volks­grup­pen. viel­leicht ja auch, wenn man die ana­lo­gie arg stre­cken will, von „in­ter­net­aus­dru­ckern“ und „on­line­com­mu­ni­ty­be­nut­zern“.

zu den qua­li­tä­ten des dreh­buchs kommt das wahn­sin­nig gute en­sem­ble. vie­le ge­sich­ter kennt man aus funk und fern­se­hen und doch kommt ei­nem kei­nes rich­tig be­kannt vor (aus­ser dem rie­sen­ba­by­kopf von olaf scholz chris bau­er).

vom vor­spann liess mich schon nach den ers­ten paar fol­gen zu wil­den lo­bes­hym­nen auf twit­ter hin­reis­sen (wie alle gu­ten vor­spän­ne zu 60% aus dem auto ge­filmt) und die wer­bung für die staf­fel zwei, auf die john­ny hin­wies, ist ziem­lich gran­di­os.

das pro­blem an „true blood“ ist, dass man es auf le­ga­lem wege bei­na­he nicht be­kommt. ich habe mir die ers­te staf­fel im ame­ri­ka­ni­schen itu­nes store ge­kauft und da­für fast mei­ne gan­zen itu­nes gut­schei­ne die ich auf mei­ner hoch­zeits­rei­se ge­kauft habe auf­ge­braucht. im bri­ti­schen ama­zon kann man die staf­fel 1 DVD vor­be­stel­len, ge­lie­fert wird erst ende ok­to­ber — und das ob­wohl die zwei­te staf­fel in den USA be­reits bis zur fol­ge 6 durch ist. kack­scheiss.


ber­lin und sei­ne ach­sen

felix schwenzel

aus­nahms­wei­se nicht die ach­sen der s-bahn, son­dern die der sicht.


ha­rald mar­ten­stein mag das ge­fühl ge­hasst zu wer­den nicht

felix schwenzel

ha­rald mar­ten­stein:

Ich hat­te so et­was noch nie ge­macht. So­gar als Chef habe ich nie­man­den raus­ge­wor­fen, ob­wohl es man­che Leu­te mei­ner An­sicht nach ver­dient ge­habt hät­ten. Der Grund da­für ist nicht, dass ich ein gu­ter Mensch wäre, ich bin kein gu­ter Mensch, ab­ge­se­hen da­von, dass es nicht böse sein muss, je­man­den zu ent­las­sen. Ich mag ein­fach das Ge­fühl nicht, von an­de­ren ge­hasst zu wer­den. Ich will Lie­be, über­all. Es ist der pure Ego­is­mus, ich möch­te nur gut da­ste­hen, viel­leicht bin ich auch fei­ge. (wei­ter­le­sen)

heu­te in der zei­tung

felix schwenzel

pri­ma ar­ti­kel von kol­ja rei­chert im ta­ges­spie­gel dar­über, „wie das In­ter­net die Macht­ver­hält­nis­se zwi­schen Künst­lern und Kon­zer­nen ver­schiebt“.

eben­falls le­sens­wert, der ar­ti­kel über den bür­ger­meis­ter von ber­lin fried­richs­hain und kreuz­berg, franz schulz: „Der Kon­flikt­meis­ter“.

die nach­rich­ten­agen­tur AP schreibt falsch aus ei­nem blog ab und will so­was künf­tig bes­ser schüt­zen und zu geld ma­chen. zum ak­tu­el­len au­to­ero­ti­schem (oder fie­ber-) wahn der AP hab ix am wo­chen­en­de ein paar le­sens­wer­te ar­ti­kel ge­book­markt.

[nach­trag 28.07.2009]
in­ter­es­san­ter ar­ti­kel im wired-blog „epi­cen­ter“ zu den „ma­gi­schen boh­nen“ die AP zum schutz ih­rer in­hal­te ein­set­zen will. fa­zit: AP ver­steht nicht, was sie da ei­gent­lich ma­chen.


ul­la schmidt er­öff­net den wahl­kampf

felix schwenzel

ulla schmidt er­öff­net für frank-wal­ter stein­mei­er den wahl­kampf. sehr ge­schickt, sie in­sze­niert sich als gross­kot­zi­ge und aso­zia­le pri­vi­le­gi­en­sur­fe­rin und buf­fet­stür­me­rin, da­mit stein­mei­er im kon­trast dazu be­schei­den und de­mü­tig wirkt. dem­nächst hat die SPD-wahl­kamp­zen­tra­le noch ei­nen scoop ge­plant, um stein­mei­er als in sich ru­hend, ver­nünf­tig und nach­denk­lich wir­ken zu las­sen: franz mün­te­fe­ring wird bei ei­nem ge­mein­sa­men auf­tritt mit stein­mei­er plötz­lich laut an­fan­gen zu schrei­en und sich selbst mehr­fach mit ei­nem ak­ten­ord­ner auf den kopf hau­en.

aber mal im ernst. ich weiss gar nicht wie­so sich alle so auf­re­gen. schliess­lich hat ulla schmidt aus kos­ten­grün­den die­ses jahr auf die bun­des­wehr-sa­lut­ka­no­nen ver­zich­tet, die sie sonst je­des jahr ali­can­te zu ih­rer ei­ge­nen be­grüs­sung ab­feu­ern liess. die dreis­sig per­so­nen­schüt­zer der mi­nis­te­rin tra­gen im ur­laub nur shorts und tshirts, was je­des jahr um die 400 euro rei­ni­gungs­kos­ten für an­zü­ge spart und ulla schmidts fri­seur und der fuss­pfle­ger tei­len sich in spa­ni­en die dienst­sche­re, um kos­ten zu spa­ren. da be­müht sich mal eine mi­nis­te­rin zu spa­ren und beim aus­schöp­fen ih­rer pri­vi­le­gi­en mal nen schritt zu­rück­zu­tre­ten und trotz­dem ha­cken alle auf ihr rum.

[aus­ser­dem zum the­ma]

[nach­trag 28.07.2009]
dienst­li­che ter­mi­ne woll­te ulla schmidt in spa­ni­en ja wahr­neh­men. der surf­guard weist dar­auf hin, dass eine die­ser ver­an­stal­tun­gen of­fen­bar eine wer­be­ver­an­stal­tung für eine pri­va­te kran­ken­kas­se war. er­staun­lich, ei­gent­lich, abr gut, dienst ist dienst.

im spon las ich, dass ulla schmidt sagt: „Sie habe im­mer ei­nen Teil ih­res Bü­ros da­bei und be­nö­ti­ge stets den Zu­gang zum Com­pu­ter, weil sich dar­in ge­schütz­te Da­ten be­fän­den. Ihre Aus­rüs­tung wer­de also im­mer hin und her trans­por­tiert.“ ich weiss ja nicht wie schwer die lap­tops der re­gie­rung sind und was ulla schmidt al­les un­ter „aus­rüs­tung“ ver­steht. wahr­schein­lich ge­hört dazu nicht ein­fach ein lap­top mit maus und UMTS-stick, son­dern auch ein dru­cker (fürs in­ter­net), file­ser­ver (für ge­schütz­te da­ten) und eine enig­ma (zum ver­schlüs­seln von ir­gend­was). das kann man na­tür­lich nicht al­les im flug­zeug mit­neh­men, das muss schon im dienst­wa­gen trans­por­tiert wer­den. bleibt ei­gent­lich nur eine fra­ge: wur­de die büro-aus­rüs­tung von ulla schmidt ei­gent­lich auch ge­klaut?


zei­tun­gen wa­ren im­mer schon kos­ten­los

felix schwenzel

Jeff Son­der­man:

But here’s the truth, folks: News­pa­pers ha­ven’t ac­tual­ly char­ged for news con­tent sin­ce the 1830s.

hab ich auch schon­mal ge­sagt:

auch wenn es in deutsch­land bis jetzt kaum gra­tis-zei­tun­gen gibt, wa­ren zei­tun­gen ge­nau be­trach­tet schon im­mer kos­ten­los.

le­sens­wert. fin­det auch mar­cel weiss.


kauf­emp­feh­lun­gen

felix schwenzel

wenn ich das so lese was ben_ über die neue GEO schreibt, muss ich die mir mor­gen wohl gleich mal kau­fen. und mit viel­leicht kann ich mit boschs emp­feh­lung mal ler­nen stra­te­gi­sche ent­schei­dun­gen zu tref­fen.


„jetzt ver­glei­chen, wech­seln und spa­ren!“

felix schwenzel

heu­te bin ich in ei­nen vo­da­fone-la­den ge­gan­gen, um zu se­hen ob man da viel­leicht sa­scha-lobo-star­schnit­te be­kommt. gabs aber nicht. statt­des­sen habe ich mir eine bro­schü­re mit­ge­nom­men, in der die „vo­da­fone zu­hau­se fest­netz­flat 1/3“ be­wor­ben wur­de.

die auf­for­de­rung zum ver­gleich neh­me ich ger­ne an.

was bie­tet die „vo­da­fone zu­hau­se fest­netz­flat 1/3“? man schliesst ei­nen 24-mo­na­ti­gen ver­trag ab, be­kommt für ei­nen euro ex­tra eine kis­te aus frank­reich an die man ein fest­netz­te­le­fon an­schlies­sen kann und kann mit die­ser kis­te (oder ei­nem han­dy) dann zu­hau­se in der ho­me­zo­ne kos­ten­los ins deut­sche fest­netz te­le­fo­nie­ren. te­le­fo­na­te in alle mo­bil­funk­net­ze kos­ten 25 cent. die tak­tung ist mi­nu­ten­ge­nau, dass heisst für ein 10 se­kun­den han­dy-te­le­fo­nat zahlt man den mi­nu­ten­preis von 25 cent. te­le­fo­na­te in die USA kos­ten 13 oder 38 cent, je nach ziel.

vo­da­fone il­lus­triert, dass man im ver­gleich zu ei­nem an­schluss bei der te­le­kom 15 euro spa­ren kann.

hier ist ins­be­son­de­re das klein­ge­druck­te wit­zig, in dem er­klärt wird, auf wel­cher ba­sis der ta­rif­ver­gleich statt­ge­fun­den hat:

Ba­sis: ø-li­ches Te­le­fo­nier­ver­hal­ten ei­nes Vo­da­fone Zu­hau­se Fest­netz­Flat-Kun­den50 Jah­re plus.

die ziel­gru­pe sieht auf der vo­da­fone-info-sei­te zur „zu­hau­se fest­netz­flat“ gar nicht wie 50plus aus.

bei der te­le­kom kos­tet eine mi­nu­te ins fest­netz 2,9 cent, wenn vo­da­fone also sagt ein über fünf­zig­jäh­ri­ger kun­de ver­te­le­fo­niert im schnitt im mo­nat 8,73 euro ins fest­netz, macht das 301 mi­nu­ten, also etwa fünf stun­den. mo­bil te­le­fo­nie­ren durch­schnitt­li­che über 50jäh­ri­ge vo­da­fone kun­den (laut vo­da­fone) im schnitt 30 mi­nu­ten, macht bei vo­da­fone zu­hau­se 7,50 und bei der te­le­kom 5,70 euro. so­weit stimmt der ver­gleich also, aus­ser man te­le­fo­niert, bei­spiels­wei­se, nur 30 mi­nu­ten ins fest­netz und 5 stun­den in ir­gend­ein mo­bil­netz. dann zahlt man bei der te­le­kom 0,87+57 euro und bei vo­da­fone 75 euro zu­züg­lich der je­wei­li­gen grund­ge­bühr. wenn man im te­lek­om­netz call­by­call nutzt (das kann man bei vo­da­fone nicht) zahlt man 0,87+30 euro (ich habe mal 10 cent be­rech­net, ob­wohl heu­te be­spiels­wei­se 010029 Te­le­me­dia­Connect 7,6 cent pro mi­nu­te in alle deut­schen mo­bil­funk­net­ze be­rech­net).

vo­da­fone: 75,00 + 9,95 = 84,95 euro
te­le­kom: 57,87 + 17,95 = 75,82 euro
call­by­call: 30,87 + 17,95 = 48,82 euro

die vo­da­fone „Zu­hau­se Fest­netz­Flat 1/3“ kos­tet also un­ter um­stän­den 36 euro im mo­nat mehr als bei der te­le­kom.

aber es gibt ja noch an­de­re an­bie­ter als die te­le­kom. o2 zum bei­spiel. da gibts eine han­dy-flat­rate für 17 euro im mo­nat (ohne han­dy und bei on­line-be­stel­lung), bei der fest­netz­te­le­fo­na­te und an­ru­fe ins o2-netz kos­ten­los sind. an­ru­fe in an­de­re mo­bil­funk­net­ze kos­ten auch hier 25 cent, auch die tak­tung ist 60/60. 9,95 zu 17 euro hört sich erst­mal teu­rer an, da beim o2-bei­spiel aber die te­le­fo­na­te ins ei­ge­ne mo­bil­netz da­bei sind, müss­te man zum ver­gleich also die „Vo­da­fone Zu­hau­se Mo­bi­le­Flat“ für 10 euro ex­tra pro mo­nat hin­zu­rech­nen, mit der man mit der „zu­hau­se­flat“ auch kos­ten­los ins vo­da­fone-netz te­le­fo­nie­ren kann. die 30 mi­nu­ten mo­bil­te­le­fo­nie aus der vo­da­fone bei­spiel­rech­nung tei­le ich mal durch die vier deut­schen mo­bil­funk­an­bie­ter, macht 7,5 mi­nu­ten pro an­bie­ter. so sieht dann der ver­gleich aus:

da­mit kos­tet das vo­da­fone zu­hau­se­dings nach vo­da­fone be­rech­nungs­grund­la­ge 2,95 euro pro mo­nat mehr als bei o2. über die ver­trags­lauf­zeit von 24 mo­na­ten kann man sich von dem ge­spar­ten geld auch noch die sa­gem-kis­te bei ama­zon ho­len. und bei o2 kann man den ta­rif und die fest­netz-flat­rate nicht nur zu­hau­se be­nut­zen, son­dern in ganz deutsch­land. auch als 50plus-jäh­ri­ger.

gut dass ix ver­gli­chen hab. die „zu­hau­se­flat“ lohnt sich nicht wirk­lich.


die mo­ral­keu­le

felix schwenzel

es gab vor ei­ni­ger zeit ei­ni­ge, die sich bit­ter­lich dar­über be­klagt ha­ben, dass ad­na­ti­on, da­mals adi­cal, wer­bung von ya­hoo auf blogs ge­schal­tet hat. das hat­te da­mit zu tun, dass ya­hoo nach­hal­tig den ein­druck er­weck­te, auf die men­schen­rech­te in chi­na zu scheis­sen. bei mir im blog er­schien da­mals auch ya­hoo-wer­bung, aber ich ent­schloss mich da­mals, als ya­hoo sich wie­der­holt aus rei­nem pro­fit­den­ken wei­ger­te die­se hal­tung zu über­den­ken, zu­min­dest sym­bo­lisch zu han­deln und alle mei­ne ya­hoo-kon­ten, in­klu­si­ve mei­nes flickr-kon­tos zu lö­schen.

ei­ner­seits.

an­de­rer­seits dach­te ich dar­über nach, wie be­rech­tigt es ist, stei­ne auf ya­hoo zu wer­fen, wenn man selbst pro­fi­teur von aus­beu­tung, un­ter­drü­ckung, han­dels­bar­rie­ren oder lohn­dum­ping ist. in ei­nem an­de­ren ar­ti­kel habe ich das mal ver­sucht auf ei­nen nen­ner zu brin­gen, näm­lich dass ge­rech­ter welt­han­del und ein an­satz­wei­se rück­sichts­vol­les und an­stän­di­ges le­ben vor al­lem ver­zicht be­deu­tet: „rote bee­te statt man­gos, ein ende der un­glaub­li­chen ver­schwen­dung von re­sour­cen für den lu­xus, ganz ein­fach ein ende der aus­beu­tung der zwei­ten und drit­ten welt auf de­ren ba­sis wir seit ein paar hun­dert jah­ren un­se­ren wohl­stand auf­bau­en.“ da­mit be­zog ich mich da­mals zwar auf die mu­si­ka­li­schen ab­lass­händ­ler, die hart dar­an ar­bei­ten, den ein­druck zu er­we­cken, dass man mit dem be­such ei­nes kon­zer­tes oder dem ge­mein­sa­men er­he­ben der arme und von po­li­ti­schen for­de­run­gen afri­ka oder die welt ver­bes­sern kön­ne. das mo­ra­li­sche di­lem­ma un­se­rer auf wachs­tum, ver­schwen­dung und aus­beu­tung ba­sie­ren­den le­bens­wei­se, lässt sich be­quem von afri­ka auf chi­na, das in­ter­net und den rest der welt aus­deh­nen.

an­läss­lich des to­des ei­nes mit­ar­bei­ters ei­ner chi­ne­si­schen zu­lie­fer­fir­ma von ap­ple, schrieb da­ni­el ly­ons aka „fake ste­ve“ vor­ges­tern:

We all know that the­re’s no fuck­ing way in the world we should have mi­cro­wa­ve ovens and ref­ri­ge­ra­tors and TV sets and ever­y­thing else at the pri­ces we’re pay­ing for them. The­re’s no way we get all this stuff and ever­y­thing is done fair and squa­re and ever­yo­ne gets trea­ted right. No way. And don’t be con­fu­sed -- what we’re tal­king about here is our way of life. Our stan­dard of li­ving. You want to „fix things in Chi­na,“ well, it’s gon­na cost you. Be­cau­se ever­y­thing you own, it’s all done on the backs of mil­li­ons of poor peo­p­le who­se li­ves are so awful you can’t even be­gin to ima­gi­ne them, peo­p­le who will do any­thing to get a life that is a tiny bit bet­ter than the shit­ty one they were born into, peo­p­le who get ex­ploi­ted and trea­ted like shit and, in the worst of all ca­ses, pay with their li­ves.

das ist ge­nau der punkt. je­der der ein han­dy, ei­nen fern­se­her, eine güns­ti­ge mi­kro­wel­le oder ein paar schu­he be­sitzt pro­fi­tiert über den um­weg güns­ti­ger prei­se von der aus­beu­tung chi­ne­si­scher ar­bei­ter und dem elend in chi­na. selbst kör­ner­fres­ser die sich aus­schliess­lich von bio-nah­rung er­näh­ren, pro­fi­tie­ren, da ein gross­teil der welt­wei­ten bio-pro­duk­te aus chi­ne­si­scher pro­duk­ti­on stam­men.

ich wei­se so ge­schwol­len auf die­ses di­le­ma hin, weil ich den ein­druck habe, dass sich in letz­ter zeit vie­le (mich hin und wie­der ein­ge­schlos­sen) die sa­che mit dem zei­ge­fin­ger be­son­ders ein­fach ma­chen und die welt lie­ber in schwarz/weiss statt in grau­tö­nen se­hen wol­len. da die re­ak­tio­nä­ren in­ter­net­aus­dru­cker, hier die frei­heits­kämp­fer, da die ver­kom­me­nen vo­da­fone/ad­na­ti­on-nut­ten, hier die auf­rech­ten wer­be­frei­en, da die bö­sen gross­konn­zer­ne, hier die kiez- und um-die-ecke-beim-bau­ern-käu­fer mit ju­te­ta­sche. aber so ein­fach las­sen sich die welt und die men­schen nicht in gut und böse auf­tei­len.

um es mal kon­kret zu ma­chen: ich hat­te in letz­ter zeit oft den ein­druck, dass die kri­tik an der vo­da­fone-ban­ner­wer­bung in blogs gar nicht auf­zei­gen soll­te, dass es wi­der­sprü­che zwi­schen an­spruch und wirk­lich­keit gibt oder dass das schal­ten von vo­da­fone-wer­bung nicht OK sei. manch­mal schien es, dass das an­pran­gern der ad­na­ti­on- und vo­da­fone-wer­bung bei man­chen kri­ti­kern eher der pro­fi­lie­rung, dem her­aus­stel­len des ei­ge­nen an­stands und der ei­ge­nen vor­bild­lich­keit dien­te. vor al­lem aber fehl­ten mir stich­hal­ti­ge ar­gu­men­te, war­um denn nun ge­nau das schal­ten von wer­bung für ein un­ter­neh­men das scheis­se ge­baut hat ver­werf­lich sein soll, bzw. wo ge­nau bei kla­rer tren­nung von re­dak­tio­nel­len in­hal­ten und wer­bung das pro­blem sein soll (ich ver­su­che wei­ter un­ten ein paar mög­li­che pro­ble­me zu fin­den). ich will auch nicht sug­ge­rie­ren, dass man es mit fle­cken auf der ei­ge­nen wes­te un­ter­las­sen soll­te, an­de­re leu­te auf die fle­cken auf ih­rer wes­te hin­zu­wei­sen oder dass es sinn­los sei, zu ver­su­chen, ein an­stän­di­ges le­ben zu füh­ren. mir ge­fal­len nur wei­te tei­le der dis­kus­si­on nicht.

wie man sieht, ist hier auf wir­res.net kei­ne vo­da­fone-wer­bung ge­schal­tet. mei­ne ent­schei­dung, auf die teil­nah­me an der vo­da­fone-kam­pa­gne zu ver­zich­ten, hat­te kei­ne mo­ra­li­schen grün­de. auch wenn ich die koh­le gut hät­te ge­brau­chen kön­nen, habe ich mich mehr oder we­ni­ger spon­tan beim ers­ten blick auf den neu­en vo­da­fone-spot ge­gen die schal­tung ent­schie­den. ich woll­te freie bahn ha­ben, um auf die dümm­li­che und ama­teur­haf­te vo­da­fone-kam­pa­gne ein­zu­schla­gen. ein pri­mi­ti­ver, ver­werf­li­cher im­puls, aber ich woll­te ge­nau­so un­pro­fe­sio­nell und kin­disch wie die kamp­ga­ne selbst da­her­kommt, ge­gen sie an­schrei­ben, ohne mich bei ir­gend­wem recht­fer­ti­gen zu müs­sen, we­der bei den ver­mark­tern, noch den ma­chern (die ich teil­wei­se per­sön­lich ken­ne), noch bei den wer­bung-ist-böse-spa­cken. ich woll­te mich auf das schrei­ben über vo­da­fone und scholz und freun­de kon­zen­trie­ren und mich nicht mit dem strei­ten um grün­de für oder ge­gen ban­ner­wer­bung auf blogs auf­hal­ten.

das doo­fe ist ja, ich fin­de wer­bung auf blogs und in zei­tun­gen und zeit­schrif­ten gut. wer­bung fi­nan­ziert leu­te wie he­ri­bert prantl, gün­ter wall­raff, jens wein­reich und er­mög­licht ih­nen das zu schrei­ben was wir alle schät­zen. wer­bung er­mög­licht, dass ich mir güns­ti­ge ta­ges­zei­tun­gen, die FAS, die brand­eins oder die dum­my re­gel­mäs­sig leis­ten kann. durch wer­bung konn­te ich mich über rach den re­stau­rant­tes­ter amü­sie­ren, über das dschun­gel­camp, „da­ma­ges“ oder „he­roes“. wer­bung fi­nan­ziert don al­phon­sos blog­dings bei der faz, ge­nau­so wie die „bild“-zei­tung, die „cou­pé“ oder die „su­per-illu“.

ich hät­te es auch ger­ne, dass wer­bung ste­fan nig­ge­mei­er, mar­kus be­cke­dahl, lu­kas hein­ser, mal­te wel­ding, peer scha­der, herrn paul­sen oder mir (und an­de­ren) er­mög­licht wei­ter­hin un­ab­hän­gig und frei ins in­ter­net zu schrei­ben. dop­pelt doof ist, dass ich mitt­ler­wei­le glau­be dass das nicht ohne wei­te­res mög­lich ist. ich glau­be zwar, dass die meis­ten blog­ger die tren­nung von wer­bung und re­dak­tio­nel­len in­hal­ten sehr ernst neh­men, nur funk­to­niert die wahr­neh­mung die­ser tren­nung nicht so wie ich und an­de­re wer­be­trei­ben­de blog­ger sich das viel­leicht wün­schen. blogs sind (meis­tens) so per­sön­lich, so ab­hän­gig von ih­ren ma­chern, dass die ge­schal­te­te wer­bung — in der aus­sen­wahr­neh­mung — zwangs­läu­fig ein­fluss auf die re­dak­tio­nel­len in­hal­te hat. wür­de ich mit vo­da­fone-ban­nern auf der sei­te ge­gen die un­säg­lich schlech­te vo­da­fone-kam­pa­gne an­stin­ken hät­te das, ob ich will oder nicht, ein ge­schmäck­le. es könn­te so aus­se­hen, dass ich nur ge­gen vo­da­fone wet­te­re um mei­ne un­ab­hän­gig­keit und frei­heit zu de­mons­trie­ren, oder um­ge­kehrt, dass ich ich nichts ge­gen vo­da­fone sage, weil ich es mir mit dem wer­be­trei­ben­den nicht ver­scher­zen will. mit ban­nern auf der sei­te müss­te ich im­mer ab­wä­gen: wie könn­te das was ich jetzt schrei­be mit dem ban­ner auf der sei­te wir­ken?

wer­bung färbt lei­der ab.

ich bin mitt­ler­wei­le so weit, dass ich nur noch wer­bung von un­ter­neh­men schal­ten möch­te die ich OK fin­de und die ich zur not auch ver­tei­di­gen wür­de. oder um­ge­kehrt, dass ich wer­bung von un­ter­neh­men (oder zum bei­spiel der CDU) nur ak­zep­tie­re, wenn ich statt nur „wer­bung“ drü­ber zu schrei­ben, auch „das ist wer­bung die ich, fe­lix schwen­zel, rich­tig scheis­se fin­de“ drü­ber schrei­ben dürf­te.

an­ders ge­sagt: ich glau­be mitt­ler­wei­le, dass man in blogs nicht kei­ne hal­tung zu der wer­bung die bei ei­nem ge­schal­tet ist ha­ben kann. kei­ne hal­tung zu ar­ti­ku­lie­ren geht auch nicht; man kann als blog­ger nicht kei­ne hal­tung kom­mu­ni­zie­ren. al­les in ei­nem ei­nem blog, von der ge­stal­tung der über­schrif­ten bis zu aus­wahl der links, der wor­te, der kom­men­tar­mo­dera­ra­ti­on, der dis­kus­si­ons­wei­se drückt eine be­stimm­te hal­tung aus. da wirkt es ge­nau­so we­nig glaub­haft wie die pseu­do-di­stan­zie­rung von links auf ex­ter­ne sei­ten per „dis­clai­mer“, wenn man be­haup­tet mit der wer­bung nichts zu tun zu ha­ben, ob­wohl man sich be­wusst da­für ent­schie­den hat. bei ad­na­ti­on kann je­der blog­ger ent­schei­den ob er eine be­stimm­te wer­bung schal­ten möch­te oder nicht. von die­ser ent­schei­dung kann man sich nicht völ­lig lö­sen und be­haup­ten „gar nichts“ mit der wer­bung zu tun zu ha­ben.

um jetzt den bo­gen zur mo­ral­keu­le die ich oben aus­ge­packt habe zu schla­gen: wer turn­schu­he oder ei­nen ipod aus chi­na trägt, de­mons­triert da­mit eine be­stimm­te hal­tung. ent­we­der es ist ihm egal, un­ter wel­chen um­stän­den die schu­he oder der ipod ge­fer­tigt wur­den oder er be­haup­tet er kön­ne sich nix an­de­res leis­ten (ist auch ne hal­tung). es ist eine ent­schei­dung die man trifft. das heisst nicht, dass man des­halb chi­na nicht kri­ti­sie­ren soll­te oder die pro­duk­ti­ons­um­stän­de oder le­bens­be­din­gun­gen dort nicht laut­hals an­pran­gern dürf­te, wich­tig ist nur, dass man zu sei­ner ent­schei­dung und hal­tung steht und un­ter um­stän­den ak­zep­tiert da­für kri­ti­siert zu wer­den.

  • es ist OK zu sa­gen: ich brauch die koh­le.
  • es ist nicht OK zu sa­gen: alle tra­gen schu­he aus chi­na.
  • es ist OK zu sa­gen: in chi­na ge­fer­tig­te schu­he zu tra­gen ist nicht op­ti­mal, aber ich habe mich nun­mal [hier bei be­darf grund ein­fü­gen] dazu ent­schie­den.
  • es ist nicht OK zu sa­gen: och der nico hat mir die schu­he be­sorgt, ob ich die jetzt tra­ge oder nicht hilft auch kei­nem ar­bei­ter in chi­na.
  • es ist OK zu sa­gen: ich ver­su­che mein le­ben so an­stän­dig wie mög­lich zu füh­ren, auch wenn es da die eine oder an­de­re kon­zep­tio­nel­le schwä­che gibt.
  • es ist nicht OK zu sa­gen: erst­mal sol­len die an­de­ren an­stän­dig le­ben.

dis­clai­mer: gut mög­lich, dass ich mei­ne hal­tung noch­mal über­den­ke.