dieser link geht zu einem kapitel aus marc summers buch „everything in its place“, in dem er über sein leben („trials and triumphs“) mit zwangsneurosen schreibt. das buch ist von 1999 und dieses kapitel handelt von summers auftritt in einer frühen tonight show mit jay leno. ich hatte sehr grosses vergnügen erst den folgenden, etwas verstörenden, ausschnitt anzusehen und dann über summers innensicht der dinge zu lesen. ich finde man kann dadrin einiges lernen, vor allem über die haltung, mit der in den USA fernsehen gemacht wird. ( bei boinboing gefunden .)
sehr, sehr guter, sehr, sehr differenzierter text von stefan niggemeier zur journalistischen auseinandersetzung mit der afd.
Die öffentliche Debatte scheint aber im Moment nach dem Muster zu laufen, dass die AfD als Partei bekämpft werden muss – und nicht politische Forderungen, die – zum Beispiel – islamophob, homophob oder xenophob sind, egal wer sie äußert. Und auch diese Forderungen und Ansichten lassen sich nicht bloß dadurch bekämpfen, dass man sie für unzulässig erklärt, sondern indem man sich mit ihnen auseinandersetzt.
tantek çelik mit gar nicht mal so blödem karriere-tipps:
Likes. Figure out the set of things you like doing and get good at them. Reject ”follow your passion“ framing, it’s too limiting. Income. Of that set, start …
cigdem toprak gar nicht mal so sehr über das bekloppte berlin-bild aus dem springer-verlag, sondern eben über das, was die qualitäten von berlin ausmacht. unter anderem eben den einfluss von migranten und zuwanderinnen.
abgesehen davon, kann man berlin natürlich gar nicht verstehen, das ist selbst für tagesspiegel-redakteurinnen zu kompliziert.
kersten augustin lässt sich für die taz ein fahrrad klauen, an das vorher ein verstecktes GPS-ortungsgerät angebracht wurde (von dieser firma, deren geräte hoffentlich besser funktionieren als deren website).
für die vorrecherche hat kersten augustin übrigens fleissig YPS-agenten-handbücher studiert und den YPS-agentenausweis trug er stets am körper.
ich hatte grosse leise hoffnungen, dass das google AMP-projekt eine sinnvolle alternative zu facebook instant articles sein könnte und dafür sorgen könnte, mobile webseiten nicht nur schneller, sondern auch ansehnlicher und benutzbarer machen könnte. die hoffnung habe ich mittlerweile zweifach aufgegeben. einerseits, weil google/AMP, auch fast ein jahr nach dem offiziellen start, lediglich grosse medienhäuser zu unterstützen scheint und andererseits, weil das aufmerksamkeits-missbrauchspotenzial bei AMP-seiten genauso hoch ist, wie bei normalen HTML-seiten. wenn schon ein seriöser verlag, wie die zeit, eine angeblich mobil-optimierte AMP-seite wie diese in die google-suchergebnisse haut, kann man wohl davon ausgehen, dass die verlage das AMP-projekt nicht als accelerated mobile pages ansehen, sondern accerlerated mobile ads, mit denen sie weiterhin benutzern den telefonbildschirm zukleistern können.
die zeit interpretiert das accelerated mobile page (AMP) projekt als ads first project (AFP)
auf der seite ist ohne scrollen nicht eine einzige information sichtbar. weil die werbung auch per AMP, wie gewohnt, etwas langsamer als der rest der seite lädt, erschien die seite beim initialen laden zunächst leer. ich habe das eben mit vier amp-seiten der zeit online ausprobiert, die ich in google-suchergebnissen gefunden habe. alle sahen wie folgt aus:
mit solchen aktionen arbeitet der zeit-verlag an der abschaffung des offenen webs mit, hier sogar explizit und implizit. implizit, indem die zeit nutzern der google-suche zeigt, das sich der werbeirrsinn auch nicht mit an sich sinnvollen projekten wie AMP stoppen lässt und dass das (verlags-) web einfach scheisse aussieht — und explizit, indem es sonne und genuss verspricht, wenn man eine app statt des verseuchten webs benutzt. die zeit schreit in diesem beispiel schamlos ins netz: „siehste wie scheisse unsere webseite im web aussieht? probier doch mal unsere APP!“
solchen missbrauch habe ich in ansätzen auch schon bei den facebook-instant-articles gesehen. dort kann man das obere drittel des bildschirms mit einem artikelbild oder video füllen und der eine oder andere verlag hat dieses bild schon mit werbung gefüllt. aber immerhin ist dann noch die artikelüberschrift und der anreisser sichtbar — und alles sofort da.
wer solchen kaputten scheiss an leser ausliefert, darf sich wirklich nicht über rückgängige aufmerksamkeit und flächendeckendes abblocking beklagen. und wo ich gerade bei worst practices bin, nachdem ich die zeit-startseite eben drei minuten offen stehen hatte, erklärt mich die zeit für zu blöd das web zu bedienen:
die zeit erklärt ihren benutzern, ganz subtil, dass sie dumm sind
drei folgen wollte ich marseille geben, bevor ich mein urteil fixiere oder die serie zu ende schaue. um es kurz zu machen: ich schaue marseille nicht weiter. mir ist die serie zu klischeehaft und aus der zeit gefallen, die dialoge und erzählung sind mir zu hölzern. am störensten empfinde ich, dass die serie sich nicht darauf verlässt, dass sich die dramatik aus der geschichte entwickelt, sondern mit dramatischer musik und überdramatisiertem schauspiel erzwungen wird. kurz: marseille langweilt mich.
ganz besonders ärgerlich fand ich das frauenbild das die serie transportiert. mich nervte das von anfang an, bei der kritik der zweiten folge bechdelte ich bereits ein bisschen daran rum, aber eine szene in der dritten folge deutete darauf hin, dass das ungebremst so weitergehen würde. lucas barrès (völlig überzogen von benoît magimel gespielt) versucht in einer szene die generalsekretärin der partei, in der er und der von depardieu gespielte bürgermeister mitglieder sind, auf seine seite zu ziehen. er erzählt ihr eine herzerweichende geschichte, versichert ihr seine loyalität, blinzelt theatrlisch ein bisschen, sie zeigt empathie, leckt sich die lippen und 10 sekunden später sieht man die beiden auf dem klo vögeln. das ist nicht nur überflüssig, sondern auch hochgradig absurd und wie fernsehen aus dem letzten jahrhundert.
vielen der kritikpunkte des pilotfolgen-reviews von felix böhme auf serienjunkies.de schliesse ich mich an, nachdem ich die kritik jetzt, nach drei folgen, gelesen habe. felix böhme hatte, wie ich, die hoffnung, dass sich die serie vielleicht nach dem piloten noch einigermassen einfängt, aber ich habe ich die hoffnung jetzt aufgegeben.
ein paar dinge mochte ich an marseille, vor allem die bilder der stadt, gérard depardieu, den trailer und den vorspann. der créateur des vorspanns, laurent brett, war so freundlich den vorspann auf seinen vimeo-kanal online zu stellen:
schon besser als die erste folge, wenn auch nach wie vor mit schwächen. das tempo ist nicht mehr ganz so hektisch, aber die dialoge sind teilweise noch etwas arg hölzern. aber die geschichte spinnt sich auf interessante art und weise weiter. ein schlimmes weiteres alarmzeichen ist jedoch der gelegentliche einsatz von zeitlupe als dramaturgisches mittel. wenn ich das zu oft sehe, fang ich manchmal an, autoaggressiv zu werden.
was mir neben den hözernen dialogen missfällt, ist das frauenbild, das die serie transportiert. natürlich reden krokodile aus dem mittleren letzten jahrhundert, auch heute noch über frauen, als seien sie trophäen; natürlich gibt es nach wie vor jüngere männer, die sich für unwiderstehlich halten und sich frauen hemmungslos aufdrängen; natürlich gibt es nach wie vor männer, die sich ständig bemüssigt fühlen, ungefragt das äussere von frauen zu beurteilen. leider zeigt die serie dazu keine haltung und gönnt den frauenrollen auch kaum gelegenheit gespräche zu führen, die nicht von männern handeln. durch den bechdel-test dürfte marseille durchfallen. gerade mal nachgesehen, die autoren, der regiesseur und der produzent, scheinen alle männer zu sein — und leider merkt man das auch.
ich dachte gérard depardieu sei ein guter schauspieler. nach dem ansehen der ersten folge von marseille bin ich mir nicht mehr so sicher. er sieht fantastisch aus, wird toll ins bild gesetzt und wenn er in der totalen gefilmt wird, ist seine präsenz überzegend und stark. bei nahaufnahmen und dialogen bröckelt seine beherrschende präsenz ein bisschen und er wirkt dann nicht mehr wie ein mächtiger, gewiefter bürgermeister, sondern wie ein theaterschauspieler, der zu leise redet. sein gegenpart, gespielt von benoît magimel, steht ihm da fast nicht nach. er wirkt mit seiner aufgesetzten cowboy-mimik (zusammengekniffene augen, leicht geöffnete lippen) wie till schweiger, der lucky luke spielt.
vielleicht liegts aber auch am drehbuch und den dialogen. die wirken auf mich durchgehend so, als seien es keine gespräche, die die protagonisten miteinander führen, sondern erklärungen für die zuschauer, die klären sollen, was in marseille eigentlich los ist — und was in den letzten 20 jahren passiert ist. die autoren sind offenbar irre ungeduldig und stopfen alles an was sie für die geschichte wichtig halten in die dialoge in den ersten 40 minuten. die charakterzeichnungen fallen stereotyp und eher flach aus — und abgesehen davon kann sich jeder, der den marseille-trailer gesehen hat, denken was in dieser ersten folge passiert (mögliche spoiler folgen, der trailer verrät auch handlung).
das ist jetzt nur ein halber spoiler und, wie gesagt, auch im trailer deutlich zu sehen, wenn ich kurz zusammenfasse, was in der serie zu sehen ist: das pimmelfechten zweier, zu allem entschlossener männer. das kann unterhaltsam und spannend sein, wie es gerade die serie billions gezeigt hat, kann aber auch in die stereotypen-hose gehen.
tatsächlich macht der trailer hoffnung darauf, dass sich die geschichte noch dramatisch entwickelt und depardieu noch warmläuft. was mir sorgen macht, ist das hektische hin und her schneiden zwischen den handlungssträngen. viele szenen dauern nicht viel länger als eine minute, dann wird in grosser eile zur nächsten geschnitten. richtig gute, immersive stimmung kommt dabei nicht auf. was mir hingegen sehr gefällt, ist die kamera, wie sie marseille einfängt, wie sie (in den totalen) depardieu einfängt. die musik ist anständig und passt weitesgehend, auch wenn mich der ganze sound sehr an house of cards erinnert.
ich weiss nicht ob es ein gutes zeichen ist, wenn ich den trailer besser fand als den piloten. für den piloten geb ich jedenfalls nur drei punkte. ein, zwei folgen schau ich noch, mal gucken ob mich marseille noch zu begeistern oder wenigsten nicht zu langweilen schafft.
[nachtrag 07.05.2016]
folge zwei ist einen ticken spannender, hat aber immer noch enorme schwächen.
Befolge nun die instagram Erfolgstipps. Sättigung raus! Schön hell & die richtigen Hashtags. #vegan #foodporn #yummi #leckerlecker #büro #schlonz #schleim
drei erzählstränge in denen jeweils eine konkurenzsituation dargestellt wird, die am ende jeweils, leicht romatisch, aufgelöst werden. hört sich albern an? ja, ist aber relativ unterhaltsam.
überlege grade, ob es vielleicht künftig auch reicht, die sendungen die ich sehe hier und auf watched.li als gesehen zu markieren. aber hier kann ich dann noch den trailer einbetten:
in dieser folge sehen wir ausführliches vertriebler-bashing, sehen wassermelonenstückchen gefüllt mit wassermelonen-gelee und werden ausführlich zeuge einer stuten-besamung, mit (fast) allen expliziten details. sowas dürfte sich nur HBO erlauben können und nicht so viele nachahmer finden, wie die nacktheitsversessenheit von game of thrones.
ich habe mehrfach lachen müssen, was in der regel ein ganz gutes zeichen ist. in dieser folge gab es leider kein binnen-happy-end.
schön, langsam kommt schwung in die serie, auch wenn die meisten handlungsstränge eher vorhersehbar verlaufen. aber eben nicht alle. die folge habe ich sehr gerne gesehen, es ist ein bisschen wie alte bekannte zu besuchen. was a. wohl macht? ob er immer noch so ein arschloch ist? — oh ja. isser.
boah, ich hatte vergessen wie schlecht person of interest inszeniert ist. ganz grässliche darstellung von computer-bedienung, das absurdeste feuer-und-eis-theater (im wahrsten sinne des wortes), das ich seit langem gesehen habe. macgyver trifft proffesor hastig und alle spielen zusammen doom in new york. dieser staffel-pilot lässt mich vor mir selbst wie einen vollidioten erscheinen. ich fand diese serie mal richtig gut?
dazu kommt, dass in dieser folge eigentlich auch beinahe nichts passiert, ausser flucht und geballere und feuer-und-eis-computertechnikdarstellung. ganz übeles theater, dass auch das überragende schauspielerpaar michael emerson und carrie preston nicht retten können. ein zwei folgen werde ich aber noch gucken, bevor ich (wahrscheinlich) aufgebe.
seit langem mal wieder mal eine richtig gute folge von the good wife, die die qualitäten, die die show eigentlich hat, voll ausspielt: tolles ensemble, tolle autoren und figuren, die jahrelang aufgebaut wurden und komplex und vielschichtig sind. die handlung war in dieser folge ebenso vielschichtig, wie ihre figuren, oder besser, sie brachte die vielschichtigkeit der figuren bestens zum ausdruck. oberflächlich geht es um den prozess gegen peter florick. im gerichtssaal gibt es einige der besten szenen die die autoren jemals für die serie geschrieben haben und die amorösen verwicklungen der hauptfiguren, die sich in den nebensträngen abspielen, sind erstaunlich nachvollziehbar und subtil — auch hier einige der besten dialoge, die ich seit langem im fernsehen gesehen habe.
besonders beeindruckend finde ich aber die herangehensweise an das thema wahrheit und strafprozessordnung. über die letzten folgen hinweg haben wir gesehen, wie die staatsanwaltschaft und das FBI indizien gegen peter florick sammelte und dabei die verteidigung (und die zuschauer) zu grossen teilen im dunklen liess. diese indizien werden in dieser folge vor gericht verhandelt und wie die wahrheitsfindung dargestellt wird, wie sehr die wahrheit von der wahrnehmung und dem kontext abhängt, wird glänzend vor den augen der zuschauer seziert und analysiert — ohne das das eine sekunde langweilig oder überdehnt wirkt.
am ende ein schmerzhafter cliffhanger, der mir grossen appetit auf die letzte folge nächste woche macht.
anbei meine nachlese mit sehenswerten oder empfehlenswerten vorträgen zur republica dieses jahr. noch habe ich nicht alle videos gesehen und vor allem scheinen noch nicht alle videos, die ich gerne sehen würde, online zu sein. möglicherweise serendipitiere ich mich noch an andere vorträge heran, die ich dann hier und in meinen anderen beiträgen zur #rpten (siehe unten) nachtrage und ergänze.
bisher habe ich folgende längeren texte zur republica 2016 geschrieben:
tom hillenbrand gräbt ein bisschen in der vergangenheit und zeigt eine wiederkehrende tendenz von machthabern, andere zu überwachen. wahrscheinlich kann man noch weiter als ludwig den vierzehnten zurückgehen und immer noch ähnliche tendenzen zur totalüberwachung finden. alex matzkeit war nach eigenen worten „völlig begeistert“ von diesem vortrag, ich fand ihn sehr solide.
wie immer, eine sehr schöne runde gespräche von philip banse, diesmal mit „netz-publizisten“, also leuten die im netz was machen und im letzten jahr philip banse aufgefallen sind. zuerst patricia dasnuf cammarata, über das bloggen allgeimein, ihr blog, ihr buch und warum sie sich jetzt auch „muttibloggerin“ nennen lässt. danach nicolas semak über sein projekt viertausendhertz.de. hört sich alles interessant an, nuss man aber alles hören. danach ingrid brodnig über ihr buch und „hass im netz“. das was sie erzählte klang interessant und differenziert, aber besonders bemerkenswert fand ich, wie sehr sich das östereichische deutsch vom deutsch, das üblicherweise in berlin gesprochen wird, unterscheidet. die vokabeln die ingrid brodnig benutzte hatte ich teilweise zuletzt in theo-lingen-filmen vor 30 jahren gehört. zuletzt tilo jung, der erzählte was er in der bundespressekonferenz so macht, dass der regierungssprecher ihn erst auf die idee brachte („kommen sie doch mal vorbei“) auf die bundespressekonferenz zu kommen und das jetzt offenbar bitterlich bereut. als er das so erzählte wurde er mit beinahe wieder sympathisch, weil er in der bundespressekonferenz natürlich angefeindet wird und eine art underdog-status geniesst und vergleichsweise dünn auftrug und bescheidenheit übte.
als philip banse ihm dann auch mal eine „ungenehme frage“ stellen wollte, piekste er in die alte krautreporter und femminismusdebatte von damals™ und unter rechtfertigungsdruck, wirkte tilo jung dann wieder so unsympathisch wie eh und je. später gerät er dann mit patricia cammarata aneinander, was ich ziemlich unterhaltsam fand. die stelle ist im video ab sekunde 3303 zu sehen.
11 minuten habe ich das leider relativ unstringente gerede von gunter dueck ausgehalten, dann musste ich abschalten. ich mochte die art, mit der gunter dueck vorträgt bei den ersten beiden gelegenheiten, bei denen ich ihn sah, ganz gerne. aber jetzt, heute halte ich das nicht mehr so gut aus. man kann auch stringent und wirr reden, aber unstringent, unpräzise und wirr, ist mir dann doch zu viel.