donnerstag abend war ich bei meiner freundin gita zum essen und zur computerpflege. sie fragte mich, ob ich die aktuelle ausgabe von wissen macht ah! gesehen hätte, weil da alles voll mit kacka und pipi geschichten war. dann fiel mir auf, dass ich ziemlich selten wissen macht ah! gucke und das ich das ja mal ändern könnte.
die sendung trifft meinen nerv nur so halb, hat aber ein paar qualitäten, die mir gut gefallen. die eine qualität ist: alles selbstgemacht. in der sendung gibt’s kein fremdproduziertes materal, wirklich jede sekunde der 1484 sendungssekunden ist selbstproduziert. die sendung ist auch schön rhytmisch aufgebaut: vorspann, anmoderation, geschichte eins, anmoderation 2 und so weiter, bis zum abmoderation gibt’s 4 geschichten. die geschichten sind eine mischung aus off-kommentar, einfachen animationen und schauspielern, die vor einfachen kulissen oder green-screens, meist stumm zum off-kommentar grimassieren oder gestikulieren. das ist nicht so mein ding, ich mag’s gerne wenn’s durchillustriert ist, oder etwas aufwändiger produziert.
aber auch wenns nicht so mein ding ist, in dieser sendung habe ich mich gut amüsiert, weil mein humor, wenns um pups- und kackgeräusche geht leider sehr einfach gestrickt ist. und tatsächlich war die sendung voll mit pups- und kackgeräuschen. überhaupt ist die nachvertonung sehr liebevoll gemacht — und teilweise sogar sehr subtil. so machte die sonnenbrille des arg stereotypen zuhältertypen, als der sie etwas nach vorne zog, ein subtiles quietschgeräusch.
ralph und shary mit der bristol-stuhlformen-skala
das war ein bisschen eklig, aber sehr interessant. mit den stuhlformen 3 und 4 ist jedenfalls alles im grünen bereich. sehr schön auch die idee, die bristol stuhlformen auch als ausmal-PDF zum download anzubieten.
ich habe mich bei diesem film sehr gelangweilt, auch wenn einige der spezial-effekte ganz OK waren. einige der protagonisten sprachen, zum beispiel, hin und wieder frank-underwood-mässig in die kamera und es gibt szenen, in denen prominente bestimmte sachverhalte erklären. das hatte ich so noch nicht gesehen, ausser bei house of cards und der sendung mit der maus. wirklich neu ist lediglich die metaebene, die diese art dialog mit dem publikum in mindestens einer szene hinzufügt, wenn einer der charaktere den zuschauer darauf hinweist, dass die szene die sie eben gesehen haben „nicht ganz akkurat“ wiedergegeben sei und in echt anders passiert sei.
tatsächlich habe ich kaum etwas verstanden. ich konnte weder der handlung folgen, noch wurden mir die wahren ereignisse und deren hintergründe, um die der film ging, dadurch auch nur einen funken klarer. was der film immerhin geschafft hat: er hat mich auf ein paar personen aufmerksam gemacht, die ich vorher nicht kannte und die interessant wirkten. irgendwann, habe ich mir vorgenommen, versuche ich mir die hintergründe zu diesen personen im netz anzulesen.
so richtig unterhaltsam war der film auch nicht. das kann natürlich daran liegen, dass ich zu doof bin, oder das der film überambitioniert an das komplizierte thema rangegangen ist. gegen das hochkarätige ensemble lässt sich nichts sagen. christian bale scheint wie immer etwas zu dick aufzutragen und brad pitt beweist erneut, dass er in filmen nicht unbedingt wie brad pitt aussehen muss und wahnsinnig wandlungsfähig ist. steve carell trägt auch dick auf, aber es gibt hinweise in der wikipedia, dass er den menschen, auf dem seine rolle basiert, akkurat darstellt, ebenso wie christian bale.
was mir gefiel, war das der film zum ende hin politische haltung zeigte und geradezu wütend wurde. eine wut die das potenzial hatte, anzustecken.
was mich durchgehend störte, war, dass ich weder die motivation der charaktere verstand, noch nachvollziehen konnte, was sie eigentlich treibt — ausser die aussicht auf erfolg und geld. ich verstand nicht warum die figuren mal wütend, mal frustriert waren, ich verstand noch nicht einmal ob die figuren zu bestimmten zeitpunkten zu scheitern drohten oder im geld zu ersticken. vor allem aber verstand ich nicht, warum alle diesen film so hoch gelobt haben.
zum weiterlesen bietet sich alex von tunzelmann im guardian an, der auch ein paar wikipedia-artikel verlinkt hat, zur weiteren vertiefung: „How historically accurate is The Big Short?“
auf facebook habe ich dieses video von barack obamas musikalischem promo-auftritt zigmal geteilt gesehen, meist enthielten die kommentare zum geteilten video die worte „cool“, „unfassbar super“, „hammer“, „coole socke“, „wow“, „lässig“ oder ähnliche lobpreisungen. und natürlich zu recht; obamas auftritt ist witzig, nicht die spur selbstverliebt und lässig. vor allem nicht peinlich.
aber natürlich ist es (politische) werbung, für TTIPTPP etwas arg platt, etwas geschickter für hillary clinton und gegen donald trump.
dieses slow-jam-the-news-dings hat jimmy fallon natürlich nicht zum ersten mal gemacht. vor ein paar monaten hat er das mit jeb bush gemacht, als der sich noch um das amt des präsidenten bemüht hat. ausserdem mit brian williams oder mit mitt romney.
ich habe mir dann noch den rest der sendung angesehen, das slow-jam-the-news-dings war am anfang der sendung, danach unterhielten sich obama und fallon noch auf dem sofa und später trat madonna auf.
ich fand das gespräch der beiden auf der couch dann (natürlich) sehr viel aufschlussreicher, als das slow-jam-the-news-dings. obama zeigte auf der couch dann nämlich seine eigentliche superkraft. die ist eben nicht (nur) lässigkeit oder coolness, sondern dass er es tatsächlich versteht, spontane witzigkeit und lässigkeit, mit dem ernst seines amtes zu verbinden. als fallon obama fragte, ob er glaube, dass die republikaner glücklich mit ihrem künftigen präsidentschaftskandidaten trump seien, antwortete er zuerst „well, we are“ und erntete eine runde lacher — um gleich danach hinterherzuschieben: „that was too easy“ und die sache etwas ernsthafter zu differenzieren.
fallon hat seinen job als witziger stichwortgeber ziemlich gut gemacht. weil er weiss, dass er obama nicht journalistisch oder thematisch konfrontieren kann, konfrontierte er ihn mit witzvorlagen. aber fallon war auch gut vorbereitet und kramte ein zitat von obama raus, das der bei einer abschlussrede auf der howard university gesagt hatte:
Democracy requires compromise, even when you are 100 percent right.
das zitat gefällt mir sehr und es fasst auch ganz gut die politische linie zusammen, die obama in letzter zeit verstärkt nach aussen kommuniziert: in einer demokratie müssen wir miteinander reden und uns verständigen, politische überzeugungen, seien sie (vermeintlich) noch so richtig, lassen sich nicht übers knie brechen, erfordern langwieriges aushandeln und abwägen und kompromisse:
And finally, change requires more than just speaking out -- it requires listening, as well. In particular, it requires listening to those with whom you disagree, and being prepared to compromise.
was ich unterm strich ein bisschen witzig fand: obama kritisierte donald trump indirekt (und natürlich zu recht) als unseriösen reality-tv honk, dem die ernsthaftigkeit und fähigkeiten präsident zu sein fehlten — in einer zotenreissenden, grösstenteils gescripteten unterhaltungsshow. obama:
the main role i’m going to be playing in [the process of the presidential election], is to remind the american people, that this is a serious job. this is not reality-tv, i have seen the decisions that have to be made and the work that has to be done.
am ende von obamas auftritt, schrieben er und jimmy fallon gemeinsam thank-you-notes. das ist einer meiner lieblingsteile der sendung und auch diesmal ganz witzig. am ende trug fallon für meinen geschmack aber einen ticken zu dick auf, als er obama, ganz unironisch, in den himmel lobte:
thank you, president obama, for serving our nation with dignity, class, patience, eloquence, optimism and integrity. thus marking the first time, anyone has sincerly said, thanks obama.
aber OK. jimmy fallon darf das.
nach obama trat madonna auf und sang, von den roots begleitet, borderline. ich fands schrecklich und mir fiel auf, dass madonna auf mich wirkt, wie eine weibliche version von karl lagerfeld. witzig fand ich, dass madonna sich am ende ihres auftritts auf den boden fallen liess.
am zweiten oder dritten tag unseres moskau aufenthaltes haben uns freunde meines schwagers in den moskauer staatszirkus eingeladen. da die moskauer freunde meines schwagers mit kindern unterwegs waren, war das folgerichtig. ich mag zirkus aber auch sehr gerne. mein erster berufswunsch war — natürlich — clown, auch wenn die clowns mich bei meinem meiner ersten zirkusbesuche zum weinen gebracht haben.
nach einem picknick im freien sind wir hin zum riesigen betonzelt. die wikipedia sagt, dass betonzelt sei anfang der siebziger jahre erbaut worden. das kommt definitiv hin, die eingangsbereiche und die fassade sehen eindeutig nach siebziger-jahre aus.
insgesamt scheint das gebäude in gutem schuss zu sein und vor allem der eigentliche theater-/vorstellungsraum scheint vor zehn oder zwanzig jahren kräftig modernisiert worden zu sein. oben, über den rängen ist eine durchgehende LED-wand angebracht, die zwar niedrig-auflösend ist, aber während der vorstellung für video-einspielungen oder stimmungslicht benutzt wird. die sitze auf den rängen sind relativ eng, zumindets da wo wir sassen, aber insgesamt ist die sitzsituation ziemlich geschickt gemacht. die zuschauer sitzen im prinzip im kreis, lediglich unterbrochen von publikums- und artisteneingängen
im klassischen zirkuszelt ist die sitzsituation ja eher U-förmig, der manegeneingang, und das orchester darüber, nehmen da ziemlich viel platz weg und machen die plätze neben dem manegeneingang eher billig. im moskauer staatszirkus wirkte das geschickter aufgeteilt, zumal die eingangsfluchten mehrere etagen hatten, oben fürs publikum, unten für künstler und techniker und tiere.
russischer staatszirkus von innen. gegenüber, was aussieht wie ein bungalow, sitzt (und steht) das orchester
die magie vom theater, ebenso wie vom zirkus, wird ja meist durch geschickt gesetztes licht erzeugt. das funktionierte hier zunächst ganz hervorragend. zu beginn der vorstellung (zumindets in meiner erinnerung) wurde es stockdunkel, bis ein spot eine kleine, minimalistische szene in der manege beleuchtete: ein kinderbett. ein starkes, minimalistisch inszeniertes bild, das aber nach kurzer zeit von einer alt-männer-phantasie zerstört wurde, denn herein kam ein kind und eine frau, wie sich der regisseur oder produzent der aktuellen schau, wohl mütter nach ein paar wodka vorstellen: schlank, jung, adrett, perfekt frisiert und in ein leichtes kleidchen gehüllt. als die mutter das kind ins bett gebracht hat ging erneut das licht aus — und dann wieder an. der kuschelbär war zwischenzeitlich zum leben erwacht, von der decke seilte sich ein weissgekleideter hiphop-engel ab, dann fiel eine weisse feder von der decke und es zeigte sich, dass der russische staatszirkus keine berührungsängste mit kitsch und pathos hat. es wurde hemmungslos in jede klischeeschublade gegriffen, die gerade offenstand. immerhin technisch perfekt.
zirkus ist ja immer (ein bisschen) pathetisch, und das ist auch völlig OK und gehört dazu, aber wie immer, macht hier die dosis das vergnügen. für mich war die pathos- und kitschdosis eine spur zu hoch.
wie das ungefähr aussieht, zeigt dieser trailer zu der schow die wir gesehen haben (messenger, altersfreigabe 0 jahre).
was man im trailer auch sieht: in der show treten auch wilde tiere auf (aber auch ein paar domestizierte). wildkatzen, krokodile, schlangen und seeelefanten. mein erster gedanke war dann nicht mal unbedingt: „das ist aber nicht besonders tiergerecht“ sondern: „hm, das ist ganz schön langweilig und sinnbefreit“. bei den schlangen und den krokodilen war das besonders auffällig: erst wurden die krokodile in die manege geschaufelt, ein paar tänzer tänzelten um sie rum und riefen wahrscheinlich auf russisch: „guckt mal, wir haben krokodile!“ — und dann wurden sie wieder aus der manege geschauffelt. gleiches spiel mit ein paar schlangen: schlanke frauen trugen sie in die manege, tänzelten ein bisschen — und dann wieder raus. der leopard an der leine: rein, in einem körbchen durch die mange geschwenkt, wieder raus. bei den löwen war das ein bisschen aufwändiger, kam aber aufs gleiche raus: rein, hoppedihopp, wieder raus.
die einzige tiernummer die unterhaltsam war, war die mit den seeelefanten. dort sah ich zwar das, was ich schon unzählige male vorher gesehen hatte, aber es war unterhaltsam, lustig und gut inszeniert. allerdings blieb mir schön während der seelenaten-nummer das lachen im halse stecken, weil ich mir krassen anthropomorphismus diagnostizierte und mich plötzlich unsympathisch und naiv fand. muss ich wirklich lachen, wenn abgerichtete, eingesperrte tiere sachen machen, und durch geschickte narative menschliche eigenschaften auf sich projizieren lassen? ja, musste ich wohl, ich war ja im zirkus.
wirklich gut waren sämtliche artisten, auch wenn sie im rahmen der inszenierung in teilweise enorm peinliche kostüme gezwängt wurden. auch hier war die technische umsetzung einwandfrei; die seile der seiltänzer wurden unbemerkt gespannt und umgespannt, die artisten zogen ihre nummern fehlerfrei durch und brachten ihre teils beachtlichen kraft- und geschicklichkeitsübungen mit scheinbarer leichtigkeit rüber. aber bei all der professionalität und perfektion, spürte ich — oder bildete mir ein — dass die arbeit in der manage den darstellern nicht besonders viel freude bereitet. unter all dem kitsch, dem perfekt gesetzten licht, trotz des grandiosen live-orchesters, lag ein dicker schleier traurigkeit und zwang.
kann natürlich auch sein, dass ich traurigkeit nicht mehr von effekt-nebel unterscheiden kann, aber irgendwie war ich froh, als das alles vorbei war, auch wenn am ende nochmal kräftig auf die kitschtube gedrückt wurde.
es gibt neben der messenger-show, die wir sahen, wohl noch andere aufführungen im russischen staatszirkus, aber die promotionbilder suggerieren alle eine sehr grosse affinität zum kitsch.
immerhin erfreulich, dass die werbung gegen zirkusse, wie den russischen staatszirkus, in deutschland auch kaum einen deut besser ist.
werbung gegen wildtiere im zirkus
ich hoffe mein eindruck vom russischen staatszirkus klang jetzt nicht zu negativ. ich fürchte ein bisschen, dass ich aus dem zirkus-alter vielleicht einfach ein raus bin — und das muss gar nicht mal mit meinem alter zusammenhängen. ich glaube mein geschmack hat sich einfach gewandelt. als ich jünger war, dachte ich die affektierte, theatralische art kunststücke im zirkus zu präsentieren, sei eben die art, wie man kunstücke präsentiert. mittlerweile halte ich genau dieses theatralische moment nicht mehr so gut aus. ich probiere es trotzdem immer wieder gerne aus, zuletzt vor drei oder vier jahren imn berlin, im roncalli winterzirkus, auch im betonzelt, im tempodrom. den winterzirkus fand ich unterm strich eher enttäuschend, obwohl der zirkus roncalli vor 25 jahren eine offenbarung für mich war. in den letzten jahren habe ich einfach das gefühl, im zirkus einfach nichts neues mehr zu sehen und das alte kann ich noch nicht wieder schätzen. obwohl, wenn ich recht nachdenke, bin ich auch vom neuen teilweise genervt. vor 20 jahren war der cirque du soleil ja auch noch neu und als ich die show damals in den USA sah, war ich auch eher underwhelmed und overkitsched.
aber das betonzelt ist wirklich schön und enorm funktional.
cleverman ist eine australische fernsehserie, die gerade im amerikanischen sundance tv angelaufen ist. die erste folge erscheint mir als interessante mischung aus politik-drama (rund um die themen rassismus, rassentrennung und ungerechtigkeit) und science-fiction, mit leichten dosen mystery und superhelden-gedöns.
zumindest im piloten werden die mystery-elemente eher hintergründig genutzt, die story konzentriert sich in der exposition auf die einführung der hauptcharaktere und deren konflikte. das wirkt alles sehr geerdet und realistisch, was dann den mystery-kram, der in der zweiten hälfte des piloten langsam aufkommt, gut erträglich macht. der mystery-kram bestaht auch eher aus aufgepimpten mythen der aboriginies, allerdings kann ich nicht beurteilen, wie nah die geschichte der aboriginiekultur tatsächlich ist.
zumindest das ensemble ist zum grossen teil mit aboriginies besetzt und macht einen sehr guten eindruck. ich habe den piloten sehr gerne angesehen, eine angenehme abwechslung zu verschiedenen amerikanischen serien, die gerne grässlich stereotypen und platten handlungsmustern folgen. der kontrast zur letzten folge person of interest, die ich gerade ertragen habe, ist phänomenal. plötzlich erkennt man wieder, dass man geschichten auch anders als nach schema-f erzählen kann.
wenn die serie es schafft die interessante mischung aus polit-, sozial- und science-fiction-drama zu halten und die mystery-/mythen-elemente weiter gut dosiert, könnte das eine tolle serie werden.
der trailer spoilert einiges aus dem piloten, gibt aber einen ganz guten eindruck, was einen bei cleverman erwartet.
jack latimore erzählt im guardian die erste folge ziemlich detailiert nach und meint:
It’s a solid first episode, albeit heavy going with a lot of ground to cover. The pacing is right, but how deeply can the series cover some of these weighty themes in six episodes?
chris cabin schreibt im collider, dass cleverman im prinzip district 9 mit werwölfen, statt mit alien sei. insgesamt sei die serie: „Not Bad, But Should Have Been Better“
das hätte auch gut das ende der staffel sein können — und es wäre nicht das schlechteste ende gewesen. es kommen aber wohl noch 3 folgen. velleicht war ich aber auch nur froh, dass die folge vorbei war. ich habe noch nie so viele bescheuerte schusswechsel gesehen, in denen die helden unverwundbar sind, bis das drehbuch endlich, in ner völlig anderen situation, dass doch verletzungen vorsieht. root nervt mit zu dick aufgetragenem pathos, eigentlich schon seit 5 folgen. eigentlich nervt mich mittlerweile alles an der serie, ich guck auch nur weiter, weil ich die serie mal gut fand — oder weil die serie mal besser war.
trotzdem drei punkte, wegen der letzten zehn minuten.
wegen der gastvorleserin ruth herzberg sind die beifahrerin und ich heute ins la luz in den osram-höfen gegangen. dort spielen lesen jeden donnerstag die brauseboys, von denen heute drei abwesend waren und eben von ruth herzberg, marlen pelny und c.heiland vertreten wurden.
paul bokowski moderierte den abend relativ witzig, vor allem weil er sich den ganzen abend über die neuen „söckchen“ von robert rescue lustig machte, was der stoisch ertrug und zwei hübsche texte vorlas. marlen pelny texten konnte ich nicht so recht folgen, aber als sie im duett mit paul bokowski einen text als seine mutter vorlas, fand ich sie sehr, sehr toll. ruth herzbergs sodoku-text fand ich besonders super, aber am lustigsten fand ich c. heiland.
vor der schau, während er ne tonprobe machte, witzelte ich noch: „hoffentlich singen die heute abend nicht!“ aber es stellte sich heraus, dass singen auch sehr witzig sein kann. die beifahrein hat sich beinahe zweimal selbst bespuckt, vor lachen, was in der regel ein sehr guter indikator ist. das programm, dass er im wechsel mit den anderen zeigte, glich in etwa dem diesem auftritt von c. heiland beim NDR comedy contest 2015.
das war ein schöner abend, eine gute und abwechslungsreiche mischung. die 6 euro eintritt waren teurer als vor der glotze zu sitzen, aber ein abend in der berliner gastronomie lohnt sich alleine deshalb, weil man dort die tiefkühlpizza nicht selbst aufbacken muss, sondern einen kellner darum bitten kann.
nachdem jeremy clarkson von der BBC rausgeschmissen wurde und der rest des moderatoren-teams die show auch verliess, hat die BBC top gear jetzt neugestartet. viele elemente der alten show wurden beibehalten, einige wurden neu eingeführt. vor allem aber wurden zwei neu moderatoren eingeführt: chris evans und matt leblanc, ein amerikanischer schauspieler, der mich witzigerweise ständig an sylvester stallone erinnert. chris evans hingegen springt so nervös und unruhig durchs studio, wie ich mir mickey maus auf speed vorstelle.
top gear war immer schon ziemlich unerträglich, so unerträglich dass ich es immer sehr niedrig dosieren musste. mich haben weder die offensiv vorgetragenen provokationen von jeremy clarkson, noch die plakative wir-sind-politisch-so-unkorrekt-haltung gestört, sondern vor allem die durchinszenierung der sendung. die grenzen zwischen inszenierung und berichterstattung verschwammen in der sendung ständig. das lag einerseits daran, dass die inszenierungen teilweise (handwerklich) so gut gemacht waren, dass echte probleme oder konflikte die die sendung auslöste, oft wie inszenierungen wahrgenommen wurden — oder zumindest als provozierte konflikte. einer der letzten vorfälle dieser art lässt sich gut googeln, einfach nach top gear argentina oder top gear argentinien suchen.
was mich an den inszenierungen oft störte: ich kam mir veralbert vor, spätestens wenn die inszenierung offenbar wurde. teilweise waren die inszenierungen tatsächlich unterhaltsam, oft nicht. immerhin waren die bisherigen moderatoren anständige schauspieler und jeremy clarkson auf seine art ein guter moderator. er biederte sich nicht an und war der welt und dem publikum gegenüber eher konsequent sarkastisch eingestellt. das wirkte immerhin ziemlich souverän.
souverän wirkte die moderation von chris evans in dieser ersten ausgabe nicht. gar nicht. er biederte sich beim publikum an und liess mehrere witze ins leere laufen. matt leblanc ist ein enorm schlechter schauspieler, zumindest wenn er einen moderator spielt. sein einspieler, bzw. „test“ des ariel nomad war anständig geschauspielert, aber so überinszeniert und mit heisser luft aufgepumpt, dass ich fast eingeschlafen wäre. ganz schlimm die roadtrips von evans und leblanc in grossbritanien und den USA. der britische teil, in dem sie mit dreirädrigen autos von london nach blackpool fahren war so unfassbar langweilig, dass ich den teil der in den USA gedreht wurde einfach übersprang (und möglicherweise etwas unterhaltsames verpasst habe).
ich fand diese erste, neugestartete sendung top gear grässlich und freue mich (etwas) auf die neue sendung von jeremy clarkson und seinem alten team, die wohl im herbst auf amazon prime anlaufen soll und the grand tour heisst. immerhin haben sich clarkson und seine mitstreiter hier gedanken um ein neues konzept gemacht. mal schauen, was da rauskommt.
die erste folge der zweiten staffel fühlt sich exakt an wie die ersten folgen der ersten staffel. damit soll die serie wohl auch für neuanfänger attraktiv sein. immerhin wird am anfang der folge verraten, in welchem jahr wir uns befinden, so dass, im gegenteil zum neuen hauptdarsteller (jason patric als dr. theo yedlin), die zuschauer nicht ganz im dunkeln sind. wie in der ersten staffel, verbringt die hauptfigur die erste zeit damit, orientierungslos durch die stadt zu stolpern und sich über die übergriffe und brutalität der sicherheitskräfte zu echauffieren. einziger unterschied zur ersten staffel: der totalitarismus wird nicht mehr subtil, sondern überzeichnet dargestellt; die machthaber orientieren sich jetzt an faschistoiden modevorbildern und tragen ihre gesinnung so für alle gut erkennbar vor sich her.
die faszination, die die erste staffel noch mit der frage: „was ist hier eigentlich los?“ aufbauen konnte, fehlt jetzt natürlich. muss also irgendein neues mystery-element her. zumindest das poster, das fox zum bewerben der zweiten staffel wählte, lässt es relativ klar erscheinen, wohin sich die geschichte entwickeln wird: die anderen (the others), werden wie in jeder besseren mystery-serie, in dieser staffel wohl ein bisschen detailierter betrachtet und dann zur staffelmitte entmystifiziert und erklärt.
ein zwei folgen gebe ich der serie noch, bevor ich dann höchst wahrscheinlich genervt oder gelangweilt bin. immerhin nervt matt dillons in dieser staffel schonmal nicht mehr.
person of interest, ehemals eine meiner liebsten mittelguten fernsehserien, ist nicht mehr mittelgut, eher schlecht. ich sehe mir die folgen an, um zu erfahren wie es weitergeht, und werde von den serienmachern entlang stumpfsinniger dialoge und inszenierungen in die irre geführt. die folgen ziehen sich ins unendliche und sind meisten entweder langweilig oder stumpfsinnig. die letzte folge (s05e07) warf immerhin ein paar interessante fragen zum thema freien willen und zu den überlegungen, welchen preis wir für sicherheit zu zahlen bereit sind. aber ich bin kurz davor, die abschlussstaffel nicht zuende zu gucken.
the good wife hat zu einem guten ende geführt. ich habe mich dann aber irgendwie nicht bemüssigt gefühlt noch eine abschlusskritik zu schreiben, das ist was ich mir nach dem ansehen der letzten folge notiert habe:
gutes ende. nicht versöhnlich, nicht besonders happy, offen, aber nicht unentschlossen. ein ende nach dem motto: das leben geht weiter, auch wenn man nicht genau weiss wie. so war die serie auch über 7 staffeln: sie hat einen unspektakulär begleitet, das zeitgeschehen reflektiert und analysiert, manchmal ein bisschen dramtischer, meisten eher undramatisch, so wie das leben eben.
etwas ausführlicher und angemessen euphorisch, schreibt das nuf über die serie.
deutschland 83 zuende geguckt. nach den ersten drei folgen war ich mässig begeistert und noch etwas kritisch. oder genauer, immer noch relativ uninteressiert und unengagiert. dann bekam ich die grippe und habe die restlichen folgen mehr oder weniger im fieberwahn weggeatmet. das funktionierte ganz gut und vor allem hat es das geschafft, mich dann doch ein bisschen für die serie zu begeistern. ich fand insbesondere die detailliebe der kulissen und requisiten sehr, sehr toll und auch die inszenierung und dramatisierung der geschichte sehr OK. was mich am anfang etwas genervt hat, hat mich am ende hoch erfreut: das abdudeln sämtlicher achtziger-jahre-hits, an die ich mich erinnere. man könnte deutschland 83 in einem satz zusammenfassen: actionreiche und dramatisierte achtzigerjahre nostalgie, mit interessanten spannungselementen.
die zweite staffel wayward pines ist gerade angelaufen. ich fand die erste staffel so mittel, habe sie aber interessiert weggeguckt. eigentlich hatte die erste staffel ein ganz gutes ende und schloss die geschchite eigentlich befriedigend ab, die zweite staffel scheint so eine art reboot zu sein. bin mässig interessiert, werde aber wohl mal reinschaun.
graham nortons sendung schaue ich immer wieder gerne an und sie erfüllt gleich mehrere zwecke: sie langweilt mich fast nie, schafft gute laune und hält einen auf dem laufenden in sachen film- und fernsehserienstarts. ausserdem erzählen die gäste mit vorliebe fäkalwitze.
game of thrones bereitet mir weiterhin grosses vergnügen. ich mag die erzählwendungen und die erzählart, auch wenn das alles eigentlich völlig blödsinnig ist, was die serie einem auftischt. aber die blödsinnigkeit ist so geschickt verpackt und erzählt, dass alles in sich völlig logisch erscheint, wenn man die serie schaut.
der pilot von preacher baut die kommende serienadaption in eine ähnlich blödsinnige richtung auf. einerseits ein klassisches western-thema, wie im grandiosen justified, mit einer priese banshee, andererseits ein bisschen übernatürliches mystery- und verschwörungsgedöns um der serie pfeffer in den arsch zu blasen. mal schauen ob das klappt, der pilot hat mir zumindest ganz gut gefallen, auch wenn es teilweise zu dick aufgetragen war.
ganz grandios finde ich die aktuelle staffel silicon valley. im gegenteil zu den vorherigen staffeln, geht noch mehr den bach hinunter und die protagonisten stellen sich noch dümmer an, als in den vergangenen jahren. aber zuverlässig unterhaltsam und ein exzellentes ensemble.
peaky blinders gefällt mir, egal ob ich der handlung folgen kann oder nicht. gerade gelesen, dass die serie um staffel 4 und 5 verlängert worden ist, was ein bisschen die spannung rausnimmt, aber eigentlich hocherfreulich ist.
modern family ist nach wie vor in jeder folge ein grosses vergnügen, ebenso die sendung mit der maus, die am sonntag erklärte, wie man aus erde eisen gewinnt, bzw. in der eisenzeit gewonnen hat. bedauerlich finde ich, dass limitless nicht fortgesetzt wird.
serien die mir zu blöd geworden sind und die ich nicht mehr gucke: big bang theory (phantasieloses, klischeebehaftetes rumgedruckse), bones (war das immer schon so schlecht und ist mir das erst in diesem jahr aufgefallen?), blindspot, marvels agents of shield, lucifer (nach drei folgen beendet).
serien die ich demnächst weitersehen möchte: the americans (nach der zweiten staffel pausiert, fand die serie aber ziemlich gut und spannend), vikings (auch nach der zweiten staffel pausiert, auch weil mir die geschichte etwas zu viele wilde wendungen genommen hat).
was ich mir demnächst noch ansehen möchte: empire.
(mit russell crowe, ryan gosling, jodie foster, greg davies, tom daley, elton john)
obwohl in der letzten sendung bereits die beste kacka-pipi-witz jemals vorkam, setzten die gäste in dieser sendung noch einen drauf. greg davies erzählt eine mit (eigenem) durchfall, ryan gosling eine mit hundescheisse — alles provoziert von graham norton, der wirklich immer bestens vorbereitet ist und die geschichten offenbar schon kennt und subtil aus seinen promienten gästen herauskitzelt.
russell crowe und ryan gosling waren da um werbung für ihren the nice guys film zu machen, der relativ vielversprechend und witzig aussieht. russel crowe wirkt angenehm onkelig und ryan gosling ist überraschend witzig und erinnert mich an einen marketing-menschen, den ich kenne.
jodi foster ist sehr würdevoll gealtert — und gleichzeitig gar nicht gealtert. sie machte werbung für einen film mit george clooney und julia roberts, in dem sie regie führte.
auch sie hatte eine (kleine) toiletten-geschichte dabei, allerdings ohne kacka-pipi, sondern nur mit einem auf dem klo sitzenden george clooney.
das ist die ganze sendung, der ich im gegenteil zur vorherigen keine volle punktzahl gebe, aber immerhin vier.
(mit jennifer lawrence, james mcavoy, jack whitehall, johnny depp, will.i.am)
jennifer lawrence erfüllt in dieser sendung alle erwartungen, die man an ihre talkshowauftritte haben kann: sie erzählt geschichten von peinlichen dingen die ihr passiert sind, wackelt albern herum, beschimpft donald trump und johnny depp, wenn er donald trump nachmacht (was er wirklich gut kann). johnny depp hat kürzlich einen kompletten spielfilm in ein paar tagen gedreht, in dem er trump spielt: auf youtube, guck ich mir sicher nicht and, das hier ist der trailer. eigentlich ist johnny depp allerdings für die promotion eines anderen films in die sendung gekommen, ich habe aber vergessen welchen.
in der sendung werden ein paar ziemlich witzige geschichten erzählt, die von jennifer lawrence und james mcavoy sind witzig, und johnny depp, der auch nüchtern immer ein bisschen angetrunken wirkt (und beim applaudieren sein weinglas mit dem arm unter der brust festklemmt), erzählte, wie er mal iggy pop traf, sich betrank, iggy pop beleidigte und sich anschliessend von iggy pop als: „you little turd“ beschimpfen liess. das sei, bis heute, der beste momnt seines lebens gewesen.
unschlagbar hingegegen die kacka-pipi-geschichte von jack whitehall in einem spanischen restaurant. ich fand die geschichte so witzig, dass ich sie gleich der beifahrerin und dem kind (jeweils getrennt) nacherzählte, um mich danach noch intensiver über die geschichte kaputt zu lachen, als bei jack whitehall.
ich überlege ernsthaft, ob ich die geschichte künftig einfach als selbst erlebt ausgeben sollte, so witzg finde ich die situation. die szene ist bei ca. minute 23 der youtube-kopie der sendung.
auch witzig, wie james mcavoy bemerkte, dass graham norton taschentücher direkt neben seinem computer stehen hat („weird, that you have a box of tissues right next to your computer!“)
ich kann die sendung (wie fast immer) aus vollem herzen empfehlen, zumal man sie auf youtube sehen kann und (eben) der beste kacka-pipi-witz jemals drin vorkommt. und natürlich: jennifer lawrence.
in dieser folge geht es unter anderem um bran stark der weiterhin mit dem baummenschen in der vergangenheit rumstochert und später eine begegnung mit den white walkers hat. in diesem erzählstrang erfahren wir auch endlich was es mit „hodor“ auf sich hat und ohne allzu viel zu spoilern, löse ich das einfach mal auf: es hat mit sprüngen der zeitebenen zu tun und bedeutet eigentlich „hold the door“.
ich fand das wirklich spannend und würde jeder empfehlen, das erst zu lesen, die die folge fünf der aktuellen staffel game of thrones bereits gesehen hat.
was in arya starks erzählstrang passiert, lässt sich leicht zusammenfassen (via):
nach dem ende der zweiten staffel ist es etwas überraschend, wen thomas shelby in der ersten folge heiratet. ebenso überraschend ist die komplexität der geschäfte, in die thomas shelby seine familie verwickelt. ich tappe seit drei folgen absolut im dunkeln um was es bei den geschäften mit ein paar russen eigentlich geht. an diesem einen besonders grossen geschäft werkeln noch ein paar andere figuren mit, ein brutaler irischer priester mit einem rottweiler, russische adelige, kommunisten und die sowjetische botschaft. alles ziemlich undurchschaubar, auch wenn in der dritten folge langsam klarer wird, um was es geht.
das gute ist allerdings, dass das völlig egal ist. die dritte staffel ist auch im dunkeln sehr unterhaltsam und überraschend. auf dem weg durch die dunkelheit ereignen sich nämlich ein paar durchaus bemerkenswerte dialoge und charakterwendungen, die in der serienlogik nachvollziehbar sind und doch überraschen und beeindrucken. so ein familiengeführtes geschäft ist eben immer für überraschungen gut.
nach wie vor ist die benutzung von nebelmaschinen und zeitlupeneinstellungen in der produktion etwas exzessiv, aber auch das stört mich nicht grossartig. ich mag dieser serie einfach gerne zusehen, die charaktere fühlen sich an, als ob ich ihnen schon seit sieben staffeln bei ihrem leben zusehe, dabei waren es bisher nur zwei sehr kurze staffeln. was mir auch gefällt sind die liebevollen kulissen und requisiten. sogar die bierflaschen scheinen authentisch zu sein.
die dritte staffel gefällt mir gut, obwohl mir mittlerweile beinahe egal ist was dort passiert. trotzdem, oder gerade deshalb: 4 punkte.
die folgen zwei und drei der fünften staffel habe ich letzte woche mit leichtem fieber gesehen und war ungefähr so unbeeindruckt von ihnen, wie von der ersten folge dieser staffel. das produktionsniveau dieser staffel ist wirklich hundmiserabel und wahrscheinlich waren es auch die vorherigen staffeln. da konnte mich aber gelegentlich die handlung von der produktionsqualität ablenken.
und, überraschung!, diese vierte folge, die auf deutsch 6.741 lauten müsste, konnte mich wieder einigermassen für die serie einnehmen. um zu erklären warum, muss ich jetzt ein bisschen handlung andeuten, bzw. verraten (spoileralarm!). denn in dieser folge passieren dinge, die tatsächlich überraschend und unerwartet sind, beinahe so wie bei game of thrones: es sterben figuren, von denen man es nicht erwartet hätte, dass die serienmacher ohne sie auskommen würden. und auch der rest der geschichte ist schön zwiebelartig erzählt, alle 5 minuten löst sich eine weitere schicht und enthüllt die darunterliegende. das erzählmuster, der dramaturgische handwerkskniff kam mir irgendwie bekannt vor und als ich länger darüber nachdachte (eine minute), fiel mir auch ein woher: aus person of interest. die varianz in der erzählung war also gross genug, dass ich nicht gleich drauf kam, also ist alles gut. es hat sich sozusagen gelohnt die drei ersten, miesen folgen durchzustehen (denen ich allen nur einen ★ geben würde), denn diese folge verdient ganze drei.
der himmel ist seit tagen wolkenlos, richtig warm wird es trotzdem nicht — kalt aber auch nicht. moskau ist — wie new york — eine stadt der extreme, nur das sommerwetter ist offenbar alles andere als extrem. wetterextreme überlässt moskau offenbar dem winter. trotzdem ist moskau atemberaubend, ich weiss nur nicht genau warum: lags an meinem schnupfen, oder daran, dass moskau eine der staubigsten städte ist, die ich je gesehen habe? alles, wirklich alles, ist mit staub bedeckt. die hauptstrassen werden täglich entstaubt und mit hilfe von grossen, wasserwerfenden lastwagen gewässert. wichtige denkmäler werden regelmässig, per hand staubgewischt. kann aber auch sein, dass die stadt eine grosse auswahl pollen bereithält, und der moskauer staub zu einem grossen teil aus pollen besteht. von oben betrachtet besteht moskau aus enormen grün- und waldflächen, in die gewaltige betonflächen gelegt wurden.
der moskauer himmel ist durchzogen von kabeln, selbst die zahlreichen hochhäuser, beziehen ihren strom aus kabeln, mit denen sie untereinander und mit dem boden verspannt zu sein scheinen.
also ich mochte the hateful eight und fand den film auch nicht zu lang (ne stunde mehr wär auch OK gewesen) — und das format hätte von mir aus statt ultra-panavision auch 4:3 sein können. ansonsten was man von tarantino halt so erwartet: ultra-gewalttätig und blutig und trotzdem — auf ne art — lustig.
drei folgen wollte ich marseille geben, bevor ich mein urteil fixiere oder die serie zu ende schaue. um es kurz zu machen: ich schaue marseille nicht weiter. mir ist die serie zu klischeehaft und aus der zeit gefallen, die dialoge und erzählung sind mir zu hölzern. am störensten empfinde ich, dass die serie sich nicht darauf verlässt, dass sich die dramatik aus der geschichte entwickelt, sondern mit dramatischer musik und überdramatisiertem schauspiel erzwungen wird. kurz: marseille langweilt mich.
ganz besonders ärgerlich fand ich das frauenbild das die serie transportiert. mich nervte das von anfang an, bei der kritik der zweiten folge bechdelte ich bereits ein bisschen daran rum, aber eine szene in der dritten folge deutete darauf hin, dass das ungebremst so weitergehen würde. lucas barrès (völlig überzogen von benoît magimel gespielt) versucht in einer szene die generalsekretärin der partei, in der er und der von depardieu gespielte bürgermeister mitglieder sind, auf seine seite zu ziehen. er erzählt ihr eine herzerweichende geschichte, versichert ihr seine loyalität, blinzelt theatrlisch ein bisschen, sie zeigt empathie, leckt sich die lippen und 10 sekunden später sieht man die beiden auf dem klo vögeln. das ist nicht nur überflüssig, sondern auch hochgradig absurd und wie fernsehen aus dem letzten jahrhundert.
vielen der kritikpunkte des pilotfolgen-reviews von felix böhme auf serienjunkies.de schliesse ich mich an, nachdem ich die kritik jetzt, nach drei folgen, gelesen habe. felix böhme hatte, wie ich, die hoffnung, dass sich die serie vielleicht nach dem piloten noch einigermassen einfängt, aber ich habe ich die hoffnung jetzt aufgegeben.
ein paar dinge mochte ich an marseille, vor allem die bilder der stadt, gérard depardieu, den trailer und den vorspann. der créateur des vorspanns, laurent brett, war so freundlich den vorspann auf seinen vimeo-kanal online zu stellen:
schon besser als die erste folge, wenn auch nach wie vor mit schwächen. das tempo ist nicht mehr ganz so hektisch, aber die dialoge sind teilweise noch etwas arg hölzern. aber die geschichte spinnt sich auf interessante art und weise weiter. ein schlimmes weiteres alarmzeichen ist jedoch der gelegentliche einsatz von zeitlupe als dramaturgisches mittel. wenn ich das zu oft sehe, fang ich manchmal an, autoaggressiv zu werden.
was mir neben den hözernen dialogen missfällt, ist das frauenbild, das die serie transportiert. natürlich reden krokodile aus dem mittleren letzten jahrhundert, auch heute noch über frauen, als seien sie trophäen; natürlich gibt es nach wie vor jüngere männer, die sich für unwiderstehlich halten und sich frauen hemmungslos aufdrängen; natürlich gibt es nach wie vor männer, die sich ständig bemüssigt fühlen, ungefragt das äussere von frauen zu beurteilen. leider zeigt die serie dazu keine haltung und gönnt den frauenrollen auch kaum gelegenheit gespräche zu führen, die nicht von männern handeln. durch den bechdel-test dürfte marseille durchfallen. gerade mal nachgesehen, die autoren, der regiesseur und der produzent, scheinen alle männer zu sein — und leider merkt man das auch.
ich dachte gérard depardieu sei ein guter schauspieler. nach dem ansehen der ersten folge von marseille bin ich mir nicht mehr so sicher. er sieht fantastisch aus, wird toll ins bild gesetzt und wenn er in der totalen gefilmt wird, ist seine präsenz überzegend und stark. bei nahaufnahmen und dialogen bröckelt seine beherrschende präsenz ein bisschen und er wirkt dann nicht mehr wie ein mächtiger, gewiefter bürgermeister, sondern wie ein theaterschauspieler, der zu leise redet. sein gegenpart, gespielt von benoît magimel, steht ihm da fast nicht nach. er wirkt mit seiner aufgesetzten cowboy-mimik (zusammengekniffene augen, leicht geöffnete lippen) wie till schweiger, der lucky luke spielt.
vielleicht liegts aber auch am drehbuch und den dialogen. die wirken auf mich durchgehend so, als seien es keine gespräche, die die protagonisten miteinander führen, sondern erklärungen für die zuschauer, die klären sollen, was in marseille eigentlich los ist — und was in den letzten 20 jahren passiert ist. die autoren sind offenbar irre ungeduldig und stopfen alles an was sie für die geschichte wichtig halten in die dialoge in den ersten 40 minuten. die charakterzeichnungen fallen stereotyp und eher flach aus — und abgesehen davon kann sich jeder, der den marseille-trailer gesehen hat, denken was in dieser ersten folge passiert (mögliche spoiler folgen, der trailer verrät auch handlung).
das ist jetzt nur ein halber spoiler und, wie gesagt, auch im trailer deutlich zu sehen, wenn ich kurz zusammenfasse, was in der serie zu sehen ist: das pimmelfechten zweier, zu allem entschlossener männer. das kann unterhaltsam und spannend sein, wie es gerade die serie billions gezeigt hat, kann aber auch in die stereotypen-hose gehen.
tatsächlich macht der trailer hoffnung darauf, dass sich die geschichte noch dramatisch entwickelt und depardieu noch warmläuft. was mir sorgen macht, ist das hektische hin und her schneiden zwischen den handlungssträngen. viele szenen dauern nicht viel länger als eine minute, dann wird in grosser eile zur nächsten geschnitten. richtig gute, immersive stimmung kommt dabei nicht auf. was mir hingegen sehr gefällt, ist die kamera, wie sie marseille einfängt, wie sie (in den totalen) depardieu einfängt. die musik ist anständig und passt weitesgehend, auch wenn mich der ganze sound sehr an house of cards erinnert.
ich weiss nicht ob es ein gutes zeichen ist, wenn ich den trailer besser fand als den piloten. für den piloten geb ich jedenfalls nur drei punkte. ein, zwei folgen schau ich noch, mal gucken ob mich marseille noch zu begeistern oder wenigsten nicht zu langweilen schafft.
[nachtrag 07.05.2016]
folge zwei ist einen ticken spannender, hat aber immer noch enorme schwächen.
drei erzählstränge in denen jeweils eine konkurenzsituation dargestellt wird, die am ende jeweils, leicht romatisch, aufgelöst werden. hört sich albern an? ja, ist aber relativ unterhaltsam.
überlege grade, ob es vielleicht künftig auch reicht, die sendungen die ich sehe hier und auf watched.li als gesehen zu markieren. aber hier kann ich dann noch den trailer einbetten: