* getidan.de: Behörden und Geflüchtete: In diesen Tagen wird die Ineffizienz, Inkompetenz und soziale Verwahrlosung deutscher Behörden deutlich.
ines kappert über die institutionalisierte misanthropie und das versagen der „leitungsebene“:

Zu Recht weist etwa Jochen Schwarz vom Projekt Flüchtlinglotsen Pankow darauf hin, dass die so wichtige private Hilfe mit einer „Skandalisierung der fatalen jahrelangen Fehlpolitik auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene” verbunden werden muss.

Nur so kann die soziale Verwahrlosung der verantwortlichen Behörden gebremst werden. Diese übrigens basiert wesentlich auf einem Versagen der Leitungsebene. Würde das Management die Mitarbeitenden anweisen, sich lösungsorientiert zu benehmen und ihnen als erste Maßnahme basales Englisch als Sprache der Kommunikation verordnen sowie längerfristig auf eine Entbürokratisierung der Anträge dringen – es gäbe die langen Schlangen und die langen Wartezeiten nicht, genauso wenig wie Hunger und Durst in den Vor- und Hinterhöfen.

Insofern war es richtig, dass Oliver Höfinghoff, Exvorsitzender der Piratenfraktion und Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, eigenen Angaben zufolge Strafanzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gegen Sozialsenator Mario Czaja (CDU) und gegen Franz Allert, den Leiter des [Landesamts für Gesundheit und Soziales], gestellt hat. Er hat die Verbindung hergestellt.

* boston.com: Harvard student loses Facebook internship after pointing out privacy flaws

bei facebook herrscht ganz offensichtlich eine ausgeprägte flachpfeifen-kultur. kühnheit und das austesten von grenzen ist das privileg hochbezahlter facebook-angestellter oder -gründer. alle anderen bekommen die die allgemeinen geschäftsbedingungen um die ohren geschlagen.

die AGB sind auch das hauptwerkzeug der facebook-unternehmenssprecher: sobald einem oder einer der facebook-unternehmenssprecher keine argumente mehr einfallen, werden die allgemeinen geschäftsbedingungen als pseudoargument rausgekramt — wichtig ist dabei niemals spezifisch zu werden, oder zu sagen, um welchen punkt der allgemeinen geschäftsbedingungen es genau geht.

In his first letter to investors back in 2012, Mark Zuckerberg said that Facebook follows an approach they coined the “Hacker Way.” […]

Khanna thought his extension — which he built quickly and which tested boundaries — was performing a public good by showing users how their data was being used.

“I didn’t write the program to be malicious,” he said. […]

In the closing of his letter to investors, Zuckerberg said one of the five core values of Facebook is for its employees to “be bold.”

But not too bold.

* sueddeutsche.de: Flüchtlingsdebatte - Elitäre Kritik an Til Schweiger

guter text von hannah beitzer, in dem sie til schweiger gegen kritik und häme verteidigt. auch wenn hier der gleiche mechanismus arbeitet, den markus reiter kürzlich auf deutschlandradiokultur.de kritisierte:
formale kritik an personen oder ihren äusserungen sollte man abschwächen oder weglassen, wenn einem der inhalt der äusserungen passt oder damit übereinstimmt — und kritik, häme oder ridikülisierung nur für abweichende meinungen reservieren. mit anderen worten, solange till schweiger auf unserer seite steht, sparen wir uns kritik an ihm und machen uns nicht über seinen ausrufezeichengebrauch lustig, sobald er wieder öffentlich die todesstrafe für kinderschänder fordert oder schreikrämpfe wegen des deutschen rechtssystems bekommt, können wir wieder witze über ihn machen?

ich persönlich halte es lieber mit dem grundsatz, dass man sich grundsätzlich über alles lustig machen muss. auch (und erst recht) über die guten oder die, die man auf der eigenen seite wähnt. humor ist, wie die gewaltenteilung im politischen bereich, viel zu wichtig für die checks and balances, als dass man sie für die richtige sache einfach pausieren lassen könnte. nicht nur die vermeintlich bösen, auch die vermeintlich guten müssen kritik, kontrolle und witze ertragen. was dann im übrigen auch nicht ausschliesst, die guten und ihre vorhaben zu unterstützen.

das steht am ende von hannah beitzers text:

Denn so erfordert es doppelten Mut von Leuten wie Til Schweiger, sich in Deutschland zu Flüchtlingen zu bekennen: gegenüber den vielen Rassisten und Flüchtlingsfeinden - und gegenüber denen, die ihnen eigentlich zur Seite stehen sollten.

es geht meiner bescheidenen meinung nicht nur um ein „bekenntnis“ zu flüchtlingen, sondern viel mehr um ein bekenntnis zu anstand und menschlichkeit. und mehr noch: um anständiges und menschenfreundliches handeln — nicht nur dem bekenntnis dazu.

und wo ich gerade beim wortklauben bin: die gestalten die sich in den letzten monaten ins zentrum der aufmerksamkeit brachten, sind eben nicht nur rassisten und „flüchtlingsfeinde“, sondern menschenfeinde und hassstreubomben. dieser hass und diese ausgeprägte misanthropie verursachen auch fremdenhass, aber sie vergiften noch viel mehr bereiche unserer gesellschaft, weshalb wir uns alle für mehr menschlichlichkeit in jedem lebensbereich einsetzen sollten.

* herzdamengeschichten.de: Woanders – Der Wirtschaftsteil

der wirtschaftsteil von maximilian buddenbohm hat es heute sogar in die krautreporter-morgenpost geschafft, ganz zu recht. viele lesenswerte geschichten um das thema flucht und flüchtlinge und menschlichkeit. ganz besonders gut gefallen hat mir die geschichte von kurt saar-schnitts oma, die auch mal flüchtling war. oder den „schau in meine welt“-film über liiban, den ich vor einem monat auch schon mal verlinkt hatte.

* narrative.ly: As My Face Disappeared So Did My Mother and Father

howard shulman:

Three days after his birth, a perfect baby, the carrier of his young parents’ dreams and ambitions, became what some might call a monster. Like ants on honey, a bacterial infection consumed his face, and as quickly as his face disappeared, so did his mother and father. The newborn that his parents had expected to take home and raise as their cherished son was no longer the child they had the courage to claim.

I was that baby.

die erschütternde, aber sehr einfühlsam und fast distanziert aufgeschriebene lebensgeschichte von howard shulman.

* taz.de: Krisenjugend in Europa: Keine neue Heimat für Marta

In der EU herrscht Freizügigkeit. Doch seit Januar gelten schärfere Regelungen. Wer Beihilfen beantragt, riskiert sein Aufenthaltsrecht. Martas Geschichte.

wenn man das so liest, könnte man das gefühl bekommen, dass eines der hauptziele der CSU und anderen splittergruppen, die dem vermeintlichen volkswillen hinterherhecheln, mittlerweile erreicht wurde: missgunst und neid verstärken und die europäische idee von innen aushöhlen, indem man missgunst, neid und unmenschlichkeit institutionalisiert.

* spiegel.de/einestages: Ali Mitgutsch: Erfinder der Wimmelbücher wird 80
schöner text über ali mitgutsch, seine bücher und sein wimmelleben. fast genau schön ist, dass die bilderstrecke sehr viele seiner wimmelmotive zeigt, einige der klassiker die ich noch aus der kindergartenzeit kenne und die ich witzigerweise nie vergessen habe. dass ist alles so grossartig, dass ich mir nicht nur die biographie von mitgutsch kaufen möchte, sondern auch gleich einen haufen grossformatiger wimmelbücher.

* zeit.de: Ein Abgrund von Landesverrat

bundesrichter thomas fischer:

Diese Sache wird dennoch vieles beschädigt zurücklassen: Ein Bundesministerium, das beim Feldgeschrei einer abgedreht hysterisierten Presse einknickte wie ein welker Halm, aus lauter Angst, es sich mit der "öffentlichen Meinung" zu verderben. Einen obersten Strafverfolger der Republik, der dahinschwankte und im Nebel verschwand. Einen Verein der Bundesrichter, der das Maul aufreißt, wo es nichts (mehr) kostet, und untertänig klatscht, wenn ihm befohlen wird, das Recht für 80 Millionen Bürger mit derselben Personalstärke zu vollziehen wie für 60 Millionen Bürger – und halt einfach ein bisschen oberflächlicher zu arbeiten. Helden, wohin man blickt.

kurzversion: alle doof, inkompentent, feige, hysterisch. alle. ich und du, die journalisten, „deren intellektuelle Fähigkeiten und Fachkenntnisse gerade eben zum Zubinden der Schuhe […] ausreichen“. die lange version zu lesen lohnt sich aber dennoch sehr, weil’s ein selten nüchterner und distanzierter blick auf die #landesverrat-sache ist und jeder bekommt sein fett weg. jeder ausser thomas fischer natürlich.