kaltakquiseanruf von 1und1 um viertel vor neun

felix schwenzel,    

kalter akquiseanruf von 1und1 um 08:45 uhr. eine 0800er nummer wird angezeigt, die dame stellt sich mit namen vor und mich fragt ob ich meine homepage in eigenen händen hielte oder bei einem dienstleister sei. es ginge um die homepage felix.schwenzel.de. ich bin irritiert weil ich meines wissen nach keinen vertrag bei der marketing- und akquise-firma 1und1 habe.

ich antworte dass ich die homepage felix.schwenzel.de in eigenen hände hielte, was aber natürlich nicht bedeuten würde, dass ich anfragen von browsern selbst beantworten würde, das würde ein apache für mich erledigen.

ob die homepage privat oder gewerblich sei. bin wieder irritiert, weil ich finde, dass man das ganz gut erkennen kann, wenn man die homepage besucht. ich sage die sei privat, ich würde aber auch ne quasi gewerbliche seite betreiben, um was es denn ginge, ob sie mir tolle dienstleistungen anbieten wolle?

das scheint das stichwort zu sein, bei dem sie anfängt ihr script runter zu rattern. 1und1 hätte ein neues angebot, homepeidsch bei expörts, bei dem ich von einem experten beraten würde, um mein system in ein professionelles CMS zu übertragen, ich könne bilder auswählen, würde eingewiesen, alles sei irre professionell und der gesamte service würde nur 79,99 pro monat kosten. ich könne auch jederzeit kündigen, die vertragslaufzeit sei nur ein monat.

ich glaube nach 3 oder 4 minuten habe ich sie dann unterbrochen und gesagt, dass sie mir eine dienstleistung anbietet, die ich selbst auch anbiete und dass sie bei mir leider sehr, sehr falsch sei. ich würde in verschiedenen bereichen durchaus expertise benötigen, aber gerade in diesem nun gar nicht. in welchen bereichen ich denn beratung benötigte? ich antwortete, weil mir gerade nichts besseres einfiel: im juristischen bereich. ich wollte dann aber doch nicht sagen, dass mich interessieren würde wie man mit kaltakquiseanrufen umegehen könnte, sondern sagte wahrheitstreu, dass es mir unmöglich ist vertragstexte oder andere juristische schreiben zu lesen, ohne einzuschlafen. da bräuchte ich immer jemanden, der mir beim übersetzen in für menschen verständliche sprache hülfe.

was mich dann aber doch noch interessierte war, woher sie meine daten hätte. das, sagte sie, wüsste sie wirklich nicht, die daten hätte sie von der marketing-abteilung vorgelegt bekommen. ich habe ihr das dann geglaubt und jetzt freue ich mich auf den anruf, in dem mir eine kollegin von frau s. versucht ein de-mail-konto anzudrehen.

Der Unterschied zwischen Schwulen-Gegnern und Schwulen-Gegner-Gegnern

Stefan Niggemeier,    

dieser beitrag von stefan niggemeier hat hier asyl bekommen, weil der server von stefan niggemeier gerade offline ist.

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nachtrag 13.02.2014: der artikel ist jetzt auch wieder bei stefan niggemeier online.

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Gegen Ende ihrer Talkshow wollte Sandra Maischberger demonstrieren, wie hoch die Emotionen auf beiden Seiten der Debatte gehen.

Sie zitierte aus Kritik, die das Publikum gegenüber dem Deutschlandfunk einerseits und ihrer Redaktion andererseits äußerte. »Dem Deutschlandfunk wurde im Prinzip vorgeworfen, zu schwulenfreundlich zu sein«, sagte sie. »Uns wurde im Vorfeld der Sendung vorgeworfen, zu schwulenfeindlich zu sein. Und das Interessante ist dabei« — sie zögerte und schaute betroffen in die Kamera — »die Wahl der Worte.«

Dann zeigte sie Beispiele. Einerseits:

»Homosexualität ist und bleibt pervers. In vielen Ländern ist sie bei Strafe verboten. Sie war es bei uns auch, als es noch keine falsch verstandene Liberalität gab.«
»Homosex ist nicht die Norm der Schöpfung.«
»Mich würde interessieren, wie eine Gesellschaft, die einheitlich auf die gleichgeschlechtliche Ehe setzt, die späteren Renten finanzieren will.«

Andererseits:

»Keine Plattform für Homo– und Transhasser.«
»Von Lesben und Schwulen geht keine Gefahr aus! Hier wird keiner umerzogen! Es droht auch nicht der Niedergang des Abendlandes, nur weil man über sexuelle Vielfalt informiert.«
»Beim Thema Homosexualität darf jeder zu Wort kommen, egal welchen Hass er predigt.«

Sie las hinterher noch weitere Beispiele vor, von der »einen Seite« und von der »anderen Seite«, und suggerierte, dass die Extreme auf beiden Seiten natürlich gleichermaßen zu verurteilen seien.

Und löschte damit die Resthoffnung aus, dass sie wenigstens im Ansatz verstanden haben könnte, was so kritikwürdig an der Konstellation der Sendung und ihrer Ankündigung war.

Die Deutschlandfunk-Kritiker verurteilen Menschen für das, was sie sind: homosexuell.

Die »Maischberger«-Kritiker verurteilen Menschen für das, was sie tun: Homosexuelle diskriminieren.

Das ist nicht dasselbe. Das hat nicht dieselbe Qualität. Objektiv nicht.

Wir können darüber streiten, was der richtige Umgang mit Menschen wie Birgit Kelle und Hartmut Steeb ist. Ob ihre Positionen richtig sind oder wenigstens satisfaktionsfähig oder nicht. Wir können darüber streiten, ob die Schmähungen, denen sie ausgesetzt waren, angemessen oder übertrieben waren. Aber Gegenstand der Diskussion ist, welche Positionen sie vertreten.

Wir können auch über darüber streiten, ob die Kritik an Maischberger berechtigt war. Sie entzündete sich vor allem an der Art, wie sich ihre Redaktion im Vorfeld die Thesen der Verfechter einer vermeintlich traditionellen Moral zu eigen machte.

Es sind Angriffe darauf, wie Menschen handeln und welche Positionen sie vertreten. Das ist die eine Seite.

Und die andere Seite sagt: Ihr seid weniger wert, weil ihr lesbisch oder schwul seid. Ihr seid krank. Eure Liebe müsste man verbieten (wie es in vielen Ländern geschieht). Es sind Angriffe auf die Identität von Menschen.

Das ist nicht dasselbe. Das sind nicht zwei gleichartige Extreme, hier die übertriebenen Schwulenhasser, da die übertriebenen Schwulenfreunde. Es sind zwei völlig unterschiedliche Arten von Angriffen.

Nicht für Sandra Maischberger. Sie präsentierte vermeintlich schlimme Zitate von beiden Seiten und war schockiert über die Wahl der Worte, auf beiden Seiten.

(Ich wüsste gern, was an dem zweiten Zitat der Maischberger-Kritiker überhaupt problematisch ist, aber um das zu verstehen, muss man vielleicht in einer Redaktion arbeiten, die es tatsächlich zunächst unproblematisch fand, der Sendung den Titel zu geben: »Homosexualität auf dem Lehrplan: Droht die moralische Umerziehung?« Es gab da in der Sendung selbst nicht den Hauch einer Andeutung von Einsicht, warum das heikel sein könnte, oder gar Selbstkritik.)

Ich halte den »Waldschlösschen-Appell gegen die Verharmlosung homosexualitätsfeindlicher Diffamierungen«, wie gesagt, für problematisch. Weil man ihn so verstehen kann, als sollten bestimmte, missliebige Positionen aus der öffentlichen Debatte ausgeschlossen werden. Aber er hat das Ziel, genau das zu verhindern, was bei Maischberger nicht nur passierte, sondern von der Moderatorin auch noch aktiv gefördert wurde: Dass der Eindruck entsteht, Diskriminierung von Minderheiten und Nicht-Diskriminierung von Minderheiten seien zwei gleichwertige Positionen oder »Meinungen«, die man in einem Duell gegeneinander antreten lassen kann. Als sei »zu schwulenfreundlich« ein natürlicher und sinnvoller Gegensatz zu »zu schwulenfeindlich« und das gesunde Maß irgendwas in der Mitte. Und als sei nicht »schwulenfeindlich« an sich schon eine Haltung, die im öffentlichen Diskurs so inakzeptabel sein sollte wie »ausländerfeindlich«, »frauenfeindlich« oder »schwarzenfeindlich«, ohne dass man sie überhaupt steigern müsste.

Und so bleibt von dieser ARD-Talkshow dank Sandra Maischberger die Botschaft, dass wir es nicht übertreiben sollten: Nicht mit der Akzeptanz von Schwulen und Lesben und nicht mit ihrer Ablehnung.

Und wenn Sie diesen letzten Satz für sinnlos halten, dann haben Sie es schwer in der Redaktion von Sandra Maischberger, die jeden Dienstag im öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland eine Talkshow moderiert.

im radio

felix schwenzel,    

weil ich im radio erwähnt wurde und mehrfach darauf hingewiesen wurde (siehe @stoewhase oder @textundblog), habe ich mir eben die mühe gemacht, die url des aktuellen fluxfm.de spreeblick podcasts mit christian jakubetz zu erraten. denn die sendung wird erst nachdem sie heute abend zum zweiten mal ausgestrahlt wird (22 bis 24 uhr) als podcast-datei auf fluxfm.de veröffentlicht.

in der offiziellen podcast-rss-datei steht zur letzten sendung:

<enclosure url="http://www.fluxfm.de/wp-content/uploads/audio/spreeblick/20140126-spree-laberenz-web.mp3" length="41600171" type="audio/mpeg"/>

also müsste die aktuelle datei der sendung vom 02. februar mit christian jakubetz fiolgerichtig so lauten:

www.fluxfm.de/wp-content/uploads/audio/spreeblick/20140202-spree-jakubetz-web.mp3

tut sie auch. keine ahnung warum man bei flux fm den podcast 2 tage nicht verlinken mag. egal, die wege des managements sind unergründlich.

ab ca. minute 20:45 reden johnny haeusler und christian jakubetz über mich. christian jakubetz outet sich als fan von mir und johnny haeusler sagt, er unterschätze mich nicht. ausserdem nennt er die offenlegung, dass er die republica mitorganisiert, ausversehen haftungsausschluss („disclaimer“). trotzdem, prima sendung, die man sich mit musik heute abend anhören kann und ohne musik jetzt.

mein vortragsvorschlag für die #rp14

felix schwenzel,    

eigentlich wollte ich dieses jahr auf der republica nicht über überwachung, snowden oder sascha lobo reden. ich fand das thema wahrheit und wahrnehmung in zeiten der vernetzung eigentlich viel spannender. dafür hätte ich aber ein drittes w-wort finden müssen, um eine einigermassen konsequente titel-alliteration hinzubekommen. andererseits passt das thema auch in den rahmen, den ich mit meinem vorschlag für einen rücktrittsvortrag für die republica 2014 abgesteckt habe. irgendwie.

Wie ich lernte, die Überwachung zu lieben
Die fiktionale Figur Andrew (Ender) Wiggins sagt in Orson Scott Cards Buch (und Film) Das große Spiel:

In dem Moment in dem ich meinen Feind verstehe, ihn gut genug verstehe um ihn zu schlagen, in genau diesem Moment liebe ich ihn auch.

Hilft uns diese pop-philosophische Erkenntnis möglicherweise den Überwachungsstaat zu schlagen und zu überwinden und wieder mehr Grundrechte garantiert zu bekommen?

Oder ist die überbordende staatliche Überwachung, die mit Hilfe von Edward Snowden aufgedeckt wurde, nicht einfach nur eine weitere Disruption, die uns die Vernetzung, das Internet gebracht haben? Ist das was Amazon mit dem Buchmarkt, das Internet mit dem stationären Einzelhandel macht, vergleichbar mit dem was die Geheimdienste der Welt mit unserer Privatsphäre anstellen?

Warum heissen wir die Disruption etlicher Wirtschaftszweige durch das Internet willkommen und fordern Veränderung und Anpassung an die neuen Gegebenheiten, weigern uns aber, unser Bild von Privatsphäre an die neuen Gegebenheiten anzupassen?

Anders gefragt, sind wir von glühenden Internet-Fans zu Fortschrittsskeptikern geworden, weil wir uns plötzlich persönlich vom Fortschritt bedroht fühlen — oder ist die Lage wirklich ernst?

dank an kathrin passig, die mir das wort disruption ins ohr gesetzt hat und patrcia cammarata, die mir ihre ideen so geschickt in den kopf gebracht hat, dass ich sie für meine eigenen hielt.

kurz vor ende …

felix schwenzel,    

ich glaube das ist, ohne übertreibung, einer der spannensten kurzfilme die ich je (in HD) gedreht habe. inklusive einem kurzen schreckmoment und einem happy end.

youtube-video

direkt youtube-link

indieweb und reclaim social media

felix schwenzel,    

anmerkung/nachtrag 04.02.2014: zum aktuellen repository vom reclaim social media plugin gehts hierlang. meine reclaim-testsite ist hier: wirres.net/reclaim/.

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vor ein paar tagen hat daniel nix mich auf POSSE hingewisen („POSSE is an acronym/abbreviation for Publish (on your) Own Site, Syndicate Elsewhere“). POSSE bedeutet, man solle auf seiner eigenen website publizieren und diese inhalte dann in die passenden kanäle (twitter, facebook, gemneinschaftsblogs, flickr, …) verteilen.

die indiewebcamp-seite zum thema ist schwerer lesestoff. ich habe daran lange gelesen gekaut und gedacht: WTF? bis ichs einigermassen verstanden hatte.

im prinzip ist POSSE das gegenteil von dem was wir uns für reclaim social media ausgedacht haben. das was reclaim macht, nennen die leute vom indieweb nämlich PESOS („Publish Elsewhere, Syndicate (to your) Own Site“).

der prototyp des neuen reclaim social media-plugins (entwicklung auf github) zieht mittlerweile ganz zuverlässig und einigermassen leicht zu konfigurieren alle eigenen instagram-bilder aus dem silo, ebenso alle eigenen facebook-statusmeldungen, vines, tweets oder google-plus-einträge. das kann man unter anderem hier sehen oder hier. (das ist alles nicht so furchtbar neu, ansätze und plugins gibts dafür bereits einige. ein beispiel weiter unten.)

mir gefällt nach wie vor die reclaim-idee, inhalte mit optimierten apps, webanwendungen, webinterfaces zu erstellen, zu teilen oder ins netz zu laden und diese dann in kopie auf einem eigenen server permanent zu speichern. jeweils mit möglichst vielen metadaten, wie den bildern, geokoordinaten, original-adresse, eventuell nativem embedcode. was dabei unter umständen auf der strecke bleibt ist der kontext. die kommentare, die likes, favs, shares oder re-publizierungen. instagrate pro macht das ähnlich (also auf PESOS-art) und synchronisiert seit der neuesten version auch kommentare und likes auf den eigenen server. da aber alle social-media-silos eine spezielle schneeflocke sind, müsste man diesen mechanismus, der abgesehen davon auch nicht annährend in echtzeit funktioniert, für jedes silo neu programmieren. kann man machen, aber …

POSSE ist wahrscheinlich auch nicht die lösung, aber der ansatz ist eben genau umgekehrt. zum beispiel twitter: statt einen tweet zu schreiben, schreibt ein guter POSSEr eine notiz auf dem eigenen server. so macht das beispielsweise aaron parecki, hier. diese notiz wird dann von p3, pareckis CMS, auf twitter kopiert, hier. so hat man im prinzip eine art twitlonger, lange tweets, die auf dem eigenen server leben (hier zum beispiel twitter und aaronparecki.com).

besonders schön ist aber, dass dieser ansatz es erlaubt, replies oder favoriten oder retweets einzufangen.

POSSE

das geht mit einem webmention-proxy wie brid.gy, auf den matthias pfefferle hier hinweist. im prinzip basiert das auf einem vereinfachten pingback-, bzw. trackback-protokoll, webmention genannt.

nächstes beispiel: anstatt auf sebastian gregers twitter-frage auf twitter zu antworten, tut aaron parecki es auf seiner eigenen seite. trotzdem taucht die antwort auch (verkürzt) auf twitter auf:

mit ein, zwei plugins kann man das auch mit wordpress nachbilden. der manuelle arbeitsablauf sieht so aus:

  • notiz schreiben
  • notiz mit einem backlink twittern
  • (ich glaube optional) den tweet in der notiz verlinken (mit rel="syndication"-auszeichnung)

die antworten drudeln dann, wenn man sich bei brid.gy registriert hat, automatisch unter der notiz ein.

grundsätzlich geht das auch mit instagram-bildern, ist aber viel komplizierter.

so viele möglichkeiten, so viele potenziale. mir raucht der kopf.

die welt ausserhalb der kaffeetasse

felix schwenzel,    

1989 war in sachen nachrichtenströmen keine allzu wilde zeit. es gab einige tageszeitungen, wochenblätter und im fernsehen die tagesschau und ein paar andere nachrichtenmagazine. trotzdem fiel mir 1989/90 während meines zivildienstes auf, wie angenehm es sich leben lässt, wenn man von aktuellen nachrichtenströmen abgeschnitten ist. radio mochte ich schon damals nicht und fernseher gab es bei den antroposophen, bei denen ich zivildienst machte, auch (angeblich) nicht. was ich aus der welt erfuhr, erfuhr ich wöchentlich über mein zeit-abo und gelegentlich aus der regionalen lokalblatt. mir fiel damals auf, wie viel weniger aufregend die welt sich darstellte, wenn nachrichten ein paar tage abhängen konnten.

seit 1989 haben sich die nachrichtenströme um ein vielfaches verdichtet und beschleunigt. gleichzeitig sind auch die recherchemöglichkeiten für journalisten sehr viel besser geworden, aber der echtzeitwahn produziert doch soviele halbwahrheiten, ungenauigkeiten und spekulatives, dass der feuerwehrschlauch aus dem die nachrichten sprudeln auch einen steten empörungswellenberg vor sich her treibt.

empörung bildet sich meistens im affekt. das macht für die echtzeit nachrichtenströme auch so anstrengend. kaum hat man sich echauffiert, kommen wieder 20 andere gründe nachgesprudelt, die empörenswert sind. nachrichtenströme fordern uns ständig zur reaktion auf. das war auch schon ohne technische möglichkeiten wie twitter oder facebook so, man kann sich nämlich auch sehr gut nicht-öffentlich aufregen. ich beobachte das immer an familienangehörigen, die bei der tagesschau oft vor empörung gar nicht sitzen- oder stillbleiben können.

für ein zuckerkristall ist eine tasse kaffee eine ziemlich aufregende sache. erst wird es aufgelöst und dann ständig von strömungen und der brownschen molekularbewegung herumgewirbelt. derjenige der die tasse kaffee trinkt bekommt nichts von der aufregung die der zucker elebt mit. er geniesst seinen kaffee einfach.

dass es ganz sinnvoll sein kann, sich als zuckerkristall eine welt ausserhalb der kaffeetasse vorzustellen, zeigen die moorschen newsbewegungen der letzten tage, die die rhein-zeitung oder die ruhrnachrichten dankenswerter weise nachgezeichnet haben. ich habe von der ganzen sache erst bei 6vor9 erfahren. aber ich lebe ja auch hinter dem mond. die links unten sind aus dem jonet medienlog vom 3. februar und ich habe nur die beiden ersten selbst gelesen.

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sensor-computer zum an den arm schnallen

felix schwenzel,    

zu weihnachten habe ich erfahren, dass meine mutter immer einen schrittzähler am körper trägt. sie möchte wissen, wieviel sie sich bewegt, wieviele schritte sie am tag läuft. meine eltern sind in der adaption neuer technologien oder geräte meisten ähnlich langsam und skeptisch wie ich. meistens war mein vater sogar etwas schneller als ich, weil er mehr geld zur verfügung hatte als ich. er hat seit dem anfang der neunziger jahre ein handy. als ich mich noch mit einem performa herumschlug, hatte er bereits einen bunten bonbon-imac. er ist ein paar jahre früher auf macbooks, genauer ibooks, umgestiegen als ich. meine mutter besitzt mittlerweile ihren vierten apple laptop und nutzt diesen eifrig.

zum ipad sagte mein vater, als es herauskam, wozu soll man das denn brauchen? wie ich. mittlerweile weiss ich wozu man ein ipad gebrauchen kann und welche grandiosen anwendungen sich durch den formfaktor und die benutzeroberfläche ergeben. als das macbook air rauskam, konnte ich mich vor lachen kaum noch halten: warum mehr zahlen für weniger?

mittlerweile weiss ich das macbook air zu schätzen, auch wenn ich selbst keins habe, sondern ein 2012er retina macbook. aber: ich weiss mittlerweile auch, dass ich niemand bin der den nutzen technologischer trends früh erkennt. oder vielleicht sollte ich es anders formulieren: ich tendiere wohl bei der technologie-adaption abzuwarten, bis die produkte einigermassen ausgereift sind und die preise auf ein erträgliches niveau gesunken sind. mein erstes iphone war ein iphone 4S. ich habe das iphone also 4 jahre reifen lassen, bevor ich zuschlug (und es jetzt nicht mehr aus der hand geben würde).

was ich aber sehr deutlich spüre ist folgendes: ultra-kleine, smartfone-artige, mit sensoren vollgepackte geräte, die am körper getragen werden können, sind unausweichlich. vor 10 monaten habe ich mal drüber nachgedacht, marcel weiss vor 2. und jetzt hat mir meine mutter gezeigt, dass der markt dafür da ist. sich selbst zu quantifizieren, die eigene schrittzahl und die aufenthaltsorte aufzuzeichnen ist nicht nur ein spielzeug für abgehobene hippster oder nerds. und natürlich kann man das auch alles mit einem smartfone machen, so wie man auch alles was man mit einem ipad machen kann, mit einem laptop machen könnte. aber der formfaktor und die möglichkeit sich so ein gerät ans handgelenk zu machen, damit zu duschen, zu schlafen, zu rennen, zu fahren ist dann doch ein entscheidender faktor.

natürlich gibt es das alles schon, smartwatches, fuelbands, schrittzähler. aber ich vermute apple wird das ähnlich machen, wie die letzten male: idiotensichere bedienbarkeit und anfangs sehr eingeschränkte funktionalität, die dann von generation zu generation verbessert wird. anfangs werden alle, mich eingeschlossen, sagen: „braucht kein mensch, gibts doch schon!“ und nach ein paar jahren folgt die ganze industrie dem konzept von apple.

ich stelle mir die funktion von so einem apple-armbandsensor wie folgt vor: auspacken, mit dem telefon und/oder einem rechner koppeln, aktivieren, fertig. die uhr sammelt dann daten ohne ende, schrittzahl, arm und körperbewegungen, geodaten, vielleicht die temperatur und den hautwiderstand und überlässt es ios- oder osx-apps, diese daten auszuwerten. das display des dings zeigt lediglich die uhrzeit an und vielleicht eine zusammenfassung der schritte die man den tag über gelaufen ist. gadgets wie kamera, projektor, mikrofon oder lautsprecher kann ich mir derzeit nicht vorstellen. wohl aber die möglichkeit über die bewegungssensoren und damit über gesten bestimmte aktionen auszulösen, sei es auf dem armbanddings oder einem gekoppelten gerät. der traum wäre eine gestenerkennung für die apple-tv-bedienung.

aber ich wiederhole mich:

wenn apple einen computer zum an den arm schnallen verkaufen würde, dann wäre „uhr“ oder „smartwatch“ sicher nicht die richtige bezeichnung. das ding wäre eher ein persönlicher sensor, der natürlich auch die position, uhrzeit oder das wetter anzeigen könnte. aber die hauptaufgabe dieses geräts wäre es, persönliche daten zu sammeln und eine mensch-computer kommunikation zu ermöglichen, bei der sich der computer wie ein körperorgan anfühlt.

und meine mutter hat mich in dieser ansicht unabsichtlich bestätigt. der markt für soetwas ist reif.

händchenhalten von obama und biden

felix schwenzel,    

schönes bild von den händen von barack obama und joe biden auf flickr:

original upload von pete souza

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(nachtrag 16:10 uhr: hat sich erledigt. ursprünglicher titel dieses artikels: „doch kein händchenhalten von obama und biden“)

ich folge auf flickr dem weissen haus per RSS. heute waren in meinem RSS-reader wieder eine ladung bilder von barack obamas hausfotografen pete souza. unter anderem dieses:

joe biden und barack obama halten in meinem RSS-reader händchen

das bild zeigt wie barack obama und sein vizepräsidenten joe biden hände halten. die originalbildunterschrift lautet:

The President was meeting with faith leaders to discuss immigration reform. At the end of the meeting, everyone held hands during a group prayer. I got close to frame the hands of the President and Vice President.

der RSS-link führt mittlerweile zu einer 404 seite. im stream des weissen hauses ist das bild nicht mehr zu sehen.

allerdings ist das bild noch in verschiedenen auflösungen auf den flickr-servern: 1024x683, 500x333, 240x160.

warum hat man dieses bild nach weniger als zwei stunden wieder entfernt?