rp14, mein plan für tag eins

felix schwenzel,    

beim tagesspiegel-interview hatte ich meine session-planung natürlich noch nicht gemacht und deshalb lediglich die rede zur lage der nation empfohlen. heute sieht mein plan für die republica so aus:

reeder vs. unread

felix schwenzel,    

ich bin ein grosser fan der RSS-leseapp reeder. ich synchronisiere sie seit ein paar jahren mit meiner fever-installation. morgens und abends im bett, sowie auf dem weg zur und von der arbeit verbringe ich täglich ein paar stunden mit der reeder-app. ich kann nicht sagen dass ich unzufrieden bin, die app funktioniert hervorragend offline, also in den berliner u-bahn schächten, die eine no-go-area für das internet von o₂ zu sein scheinen. reeder speichert die meisten beitragsbilder für offline-zugriff und vor allem funktioniert auch das abspeichern von pinboard- oder instapaperlinks in der u-bahn zuverlässig (indem die links an die jeweiligen server übertragen werden, wenn wieder netz verfügbar ist).

reeder

ansonsten mag ich es sehr, dass ich mit dem reeder einerseits angenehm lesen kann und andererseits wirklich schnell durch die feeds huschen kann.

es gibt aber auch ein paar sachen die mich am reeder nerven.

  • er stürzt er zu oft ab. aus meiner sicht grundlos, meistens wenn ich ein bookmark speichern möchte
  • wenn ich den reeder aus dem hintergrund zurückhole zeigt er mir meistens den letzten offenen artikel an (leider oft nicht an der letzten leseposition). manchmal tauscht er diesen offenen artikel dann aber während des synchronisierens im hintergrund aus unerfindlichen gründen mit einer weissen seite aus.
  • ein bookmark zu speichern benötigt mindestens 3 klicks (noch mehr, wenn der reeder abstürzt): klick auf das sharing-symbol, klick auf das pinboard-symbol, klick auf das ok-speichern-symbol. zudem sind die beiden ersten symbole im unteren bildschirmbereich, das OK-symbol aber ganz oben rechts. das überfordert leider meistens meinen daumen und erfordert ein umgreifen.
  • der entwickler silvio rizzi hat die app schon seit monaten nicht mehr aktualisiert was ich angesichts der offensichtlichen bugs ein bisschen enttäusched finde.
unread

wegen dieser problemchen war ich offen den RSS-leser unread auszuprobieren, von dem ich gestern erstmals hörte. tatsächlich macht diese app einiges besser. bei der einrichtung der accounts (bei mir fever und pinboard) bietet die app einen link zur 1password-app, zum nachsehen des passworts. sehr praktisches detail. das speichern eines links bei pinboard erfordert nur noch zwei klicks ohne daumenverrenkung — und einen wisch. die artikel lassen sich auf dem gesamten iphone-bildschirm lesen, überflüssige bedienelemente sind komplett ausgeblendet.

durch den (zeitweiligen) wechsel der app sind mir aber auch gleich wieder die sachen aufgefallen die ich am reeder sehr zu schätzen gelernt habe:

  • im reeder kann ich bilder mit einer (pinch-) handbewegung vergrössern (sehe gerade, in unread gehts per klick und pinch)
  • im reeder gibt es eine readability-funktion mit der ich (solange ich online bin) gekürzte RSS-feed-artikel nach einem klick im volltext lesen kann
  • unread scheint pinboard links die ich abspeichere während ich u-bahn offline bin nach einem vergeblichen versuch und einem hinweis zu verwerfen. das ist leider ein K.O-kriterium. explizit gespeicherte informationen dürfen beim heutigen stand der technik nicht einfach verloren gehen. da nützt auch eine hochglanzoberfläche nichts, wenn dahinter scherben liegen. beim reeder ist mir bisher, trotz vieler abstürze, noch nichts verlorenen gegangen.
  • uninteressante artikel kann ich im reeder mit einem button überspringen. in unread muss ich sie wegwischen, bei langen artikel unter umständen sehr weit.
  • reeder aktualisiert sich nicht von alleine im hintergrund. unread schon. das heisst wenn ich morgens oder abends in die u-bahn gehe und vergessen habe den reeder vorher 3 minuten laufen zu lassen, sitz ich mit stunden- oder tage-alten artikeln in der u-bahn.

unread ist super detailverliebt und ambitioniert. eine wunderbare app. ich glaube, ich könnte mich an die minimalistische art zu lesen gewöhnen. reeder scheint gerade nicht besonders viel aufmerksamkeit vom entwickler zu bekommen — obwohl ich finde dass er diese aufmerksamkeit gut gebrauchen könnte, wenn er die beste RSS-leseapp bleiben will. denn unread ist ihm dicht auf den fersen, spätestens wenn unread keine daten mehr verliert, drohe ich umzusteigen.

heinsberg

felix schwenzel,    

symbolbild für heinsberg (in heinsberg aufgenommen)

zu ostern sind wir wieder zu den schwiegereltern der beifahrerin gefahren. über cardelmar habe ich bei europcar ein auto für 153 euro vom karfreitag bis zum dienstag nach ostern gemietet. die mietwagenqualifizierung war CDMR, was laut mietwagen-talk.de bedeutet, dass das auto c-ompact sei, 4 d-üren hat, m-anuell geschaltet wird und klimatisiert sei. bei europcar bekäme man dafür ein auto wie den skoda yeti, einen opel meriva oder einen golf 1.6 TDI. ausgehändigt wurd mir dann aber ein golf GTI. die beifahrerin sagte, als sie das auto sah, nur ein wort: „spoiler!“.

mich hats gefreut, weil an dem auto fast alles automatisch ist. die temperatur im innenraum, die scheibenwischer, die aussenbeleuchtung, stauanzeige und umfahrung — ausser gas geben, einen der 7 gänge einschalten und bremsen muss man fast nichts tun. man kommt auch sehr schnell voran, bis die beifahrerin einen anschreit, man solle jetzt bitte sprit sparen.

jedenfalls stand ich mit dem golf GTI und der beifahrerin auf der rückbank gestern vor einer filiale der kreissparkasse heinsberg. wir warteten auf meinen vater, der sich gerade am geldautomaten bargeld kaufte. in der sparkasse sprach ihn eine frau an, die sich sorgen über den golf GTI vor der tür machte. sie meinte zu meinem vater, dass der wagen aus hamburg sei und der fahrer „eigenartig“ aussähe.

die dame machte sich sorgen, überfallen zu werden. da die leute in heinsberg meinem vater zu vertrauen scheinen, konnte er sie mit dem hinweis beruhigen, dass der eigenartige typ draussen im golf sein sohn sei.

interessant finde ich jedenfalls, dass es tatsächlich leute gibt, die golf GTI ernst nehmen.

the barn

felix schwenzel,    

no laptops

dinge die in the barn verboten oder ungern gesehen sind:

  • kinderwagen
  • laptops
  • hunde
  • aufs klo gehen (es gibt kein klo)
  • milch und zucker im filterkaffee
  • kaffee vor 8:30 uhr
  • reservierungen

wenn auch nicht explizit ausgeschlossen wie die oben genannten punkte, vermute ich, dass in the barn auch weisse socken, sandalen, shorts, basballschläger, clownskostüme und motorsägen ungern gesehen sind. gern gesehen scheinen jedoch vollbärte und dicke brillengläser, baseballkappen und wollmützen zu sein.

witzigerweise, auch wenn der erste teil dieses textes so interpretiert werden könnte, stören mich die vorschriften der barn-betreiber nicht im geringsten. im gegenteil. mich erinnert der besuch in the barn ein bisschen an einen besuch in einem restaurant im new yorker china town vor ein paar jahrzehnten. dort sprach niemand englisch (oder alle taten so), die speisekarte war ausschliesslich chinesisch und niemand machte sich die mühe auf meine gewohnheiten einzugehen. wenn ich mich recht erinnere suchte ich mir zwei sachen von der karte nach preis aus und liess mich überraschen.

der deal lautete: euer laden, eure regeln, ich lasse mich da heute gerne drauf ein und wenn ich glück habe, erlebe oder schmecke ich etwas, was ich vorher noch nie geschmeckt habe. eigentlich ist das bei fast jedem restaurantbesuch (nicht nur im ausland) so und andererseits natürlich auch der grund, warum mcdonalds und subway (oder starbucks) international so erfolgreich sind: das risiko des unbekannten und neuen will nicht jeder ständig eingehen. weil experimente oder sich auf fremde oder neue geschmäcker und gewohnheiten einzulassen auch schiefgehen und im ekel enden kann.

soll mir also recht sein, wenn man in the barn sagt:

Our handbrewed coffees have a spectacular range of notes and flavours. They are roasted lightly and with great care to bring out the individual characteristics of a bean. We only serve these coffees without milk or sugar to showcase those fantastic flavours.

am samstag hab ich mir dort dann also (auf empfehlung von bosch) einen kaffee aus der aeropress bestellt. der wurde mit erstaunlich wenig kaffeepulver und erstaunlich viel wasser zubereitet, so dass ich am ende ein kännchen duftenen filterkaffee hatte. die barista meinte, als sie ihre nase über das fertige produkt hielt, dass der kaffee nach sherry röche. auf meine frage, ob das was gutes sei, nickte sie.

wie ich das bereits von meinen eigenen aeropress-experimenten kenne fehlte dem kaffee jede bitterkeit. er hatte in der tat einiges an aromen zu bieten, aber leider auch ein paar saure noten. nicht unangenehm, im gegenteil, aber merklich. in der asiatischen küche kontert man die sauren noten mit süsse, aber das ist bei den filterkaffees in the barn, wie gesagt, verboten:

We do advise not to use sugar for various reasons but mainly because it distracts from wonderful coffee flavours. However, if you must we offer Whole Cane Sugar from dried unrefined natural sugarcane juice.

weil zucker vom geschmack ablenkt, bietet man also zur not eine zuckerart an, die einen sehr starken (karamelligen) eigengeschmack hat. ich benutze auch seit jahren fast ausschliesslich vollrohrzucker im kaffee, aber das mit der logik ist bei the barn wohl eher zweitrangig.

wie gesagt, ich mag das konzept der barn: einen laden um ein gutes produkt herum aufbauen und das so pur wie möglich zu verkaufen, auch auf die gefahr hin damit bevormundend oder elitär zu wirken. trotzdem werde ich wohl nicht zum stammkunden dort werden. einerseits weil ich mir mittlerweile zuhause nicht nur guten kaffee machen kann, sondern auch, weil ich den dann auch so trinken kann wie ich es mag: vor einem laptop, vorm fernseher, mit zucker, ohne zucker, mit milch, ohne milch, mit bier oder ohne bier. und nach dem kaffee aufs klo gehen ist auch was tolles.

obwohl einen flat white, ich glaube das ist ein kaffee mit demeter-milchschaum, werde ich dort irgendwann nochmal probieren.

übersetzungslücken

felix schwenzel,    

  • original: „Now, if you’ll excuse me, I have to go grind a gap in my front teeth.“
  • übersetzung von faz-redakteur michael hanfeld: „Wenn Sie mich nun entschuldigen, ich muss die Lücke zwischen meinen Vorderzähnen schließen.“
  • übersetzung google translate: „Nun, wenn Sie mich entschuldigen, 1 müssen an Dann gehen die von der Lücke in der My vorderen Zähne.“
  • übersetzung vom bing-übersetzer: „Jetzt, wenn Sie mich entschuldigen, ich muss gehen, eine Lücke in meine Vorderzähne zu mahlen.“
  • meine übersetzung: „wenn Sie mich nun entschuldigen würden, ich muss mir eine lücke zwischen die vorderzähne schleifen“
  • übersetzung der serienjunkies: „Nun entschuldigt mich bitte, ich muss mir eine Zahnlücke in meine Schneidezähne scharben.“

(alternativ ginge natürlich auch ein denglischer gag: „ich muss mir einen briefschlitz in die vorderzähne schleifen“)

ich hab mir kürzlich übrigens auch eine zahnlücke geschliffen, aus gründen.

wettbewerberverzerrung in der faz

felix schwenzel,    

robert m. maier, der gründer eines shopping-portals, dass mittlerweile zu axel-springer gehört, durfte im feuilleton der faz einen text veröffentlichen, der offenbar von niemandem gegengelesen wurde (wie bei mir übrigens auch).

man kann google von sehr vielen seiten aus kritisieren, aber aus der ecke eines sich benachteiligten fühlenden, direkten wettbewerbers verliert kritik sehr schnell an überzeugungskraft. erst recht wenn die kritik so unpräzsise, unstrukturiert und arm an argumenten verfasst wird, wie in diesem fall. anbei ein paar stellen, die mir beim lesen besonders ins auge fielen.

Google baut auf den Suchergebnisseiten immer mehr und immer prominenter Werbung für eine Produkte ein (Google AdWords, Google Shopping).

das mag schon stimmen, aber was sind „eine Produkte“?

So zahlt Google an die Herstellerfirma des wichtigen Ad-Blockers Eyoe, damit diese bestimmte Werbungen nicht mehr blockt. Das ist sicherlich nicht zum Wohle aller Nutzer.

die firma heisst eyeo, der adblocker adblock plus und wenn man sich die mühe macht an adblock plus rumzukonfigurieren, kann man „diese bestimmten Werbungen“ durchaus blocken. beeindruckend finde ich jedenfalls, dass robert m. maier adblocker in der faz als weg zum benutzerwohl bezeichnet und ihm firmen, die gegen adblocker vorgehen, angst machen.

am rande bemerkt, faz.net macht sowohl werbung für adblocker („Fazit: Adblock IE ist eine gelungene Antwort auf Dauerwerbung im Netz“), als auch dagegen.

Über die Einhaltung der Google Guidelines scheint hingegen Google ganz allein zu entscheiden, wie es aussieht, hinter verschlossenen Türen, ohne anderen Website-Betreibern die Chance zu geben, sich zu verteidigen. Was für ein Satz: sich vor Google verteidigen!

finde ich gut, wenn man sich über seine eigenen formulierungen freuen kann. ich frage mich nur, wie sich das mit den journalistischen qualitätsstandards der faz vereinbaren lässt, über die soweit ich weiss auch hinter verschlossenen türen entschieden wird. aber vielleicht gelten die standards bei werbebeiträgen von unternehmern in eigener sache nicht. auch bezahlte werbung redigiert die faz ja nicht, warum sollte sie dann unbezahlte werbung redigieren?

Und wenn sich jemand im Google-Kalender einen Termin mit mir einträgt, kann es wissen, wen ich wann wo treffe, ohne dass ich den Google-Kalender nutzen muss. Damit wird das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung ausgehebelt.

das ist harter tobak, scharf an den grenzen menschlicher und juristischer logik. denn die „informationelle Selbstbestimmung“ würde nach dieser logik möglicherweise auch verletzt, wenn „jemand“ einen termin mit robert m. maier in sein icloud-synchronisiertes iphone oder outlook oder eine klowand einträgt. so gesehen sind adressbücher und kalender wohl unvereinbar mit der informationellen selbstbestimmung.

erstaunlich jedenfalls, eine so fundamentalistische datenschutzansicht in einem blatt zu lesen, dass ganz gut vom adresshandel lebt und dafür kräftig mitlobbyiert hat.

Die Steuern, die Google gegenüber seinen deutschen und europäischen Wettbewerben spart, nutzt es, um in mehr Mitarbeiter, mehr Forschung und Entwicklung sowie mehr Unternehmenszukäufe zu investieren. Dies schwächt die europäischen Firmen, Staaten und letzten Endes Bürger.

mehr mitarbeiter, mehr forschung, entwicklung und unternehmenszukäufe schwächen europa? ich vermute der implizite vorwurf von robert m. maier ist hier, dass google legale steuerspartricks aus den suchergebnissen filtert um die wettbewerber, europa und die bürger zu schwächen.

* * *

nur mal so aus interesse und apropos verschlossene türen. kennt jemand die qualitätsstandards der frankfurter allgemeinen zeitung? sei es beim rausredigieren von fehlern oder dem streichen von sätzen, die so tun als enthielten sie argumente. und kann neuerdings tatsächlich jeder unternehmer einen unredigierten text in der faz unterbringen, wenn er grob in die politische agenda der herausgeberschaft passt?

* * *

nachtrag:

angeblich ist das eine antwort auf robert m. maiers artikel von eric schmidt („Der Google-Verwaltungsratschef antwortet auf alle Kritiker.“): „Die Chancen des Wachstums

kurzkritik the machine (und smaugs einöde)

felix schwenzel,    

the machine: leider ziemlich guter film. itunes fasst ihn so zusammen:

With an impoverished world plunged into a Cold War with a new enemy, Britain’s Ministry of Defense is on the brink of developing a game-changing weapon. Lead scientist Vincent McCarthy (Toby Stephens) provides the answer with his creation, ‘The Machine’- an android with unrivalled physical and processing skills. When a programming glitch causes an early prototype to destroy his lab, McCarthy enlists artificial intelligence expert Ava (Caity Lotz) to help him harness the full potential of a truly conscious fighting machine.

die geschichte (im film, nicht in der kurzbeschreibung) ist überaschend gewendet, zumindest gegenüber den normalen genre-filmen. auch erholsam: ausnahmweise erzählt der trailer mal nicht die halbe geschichte, sondern führt auf falsche fährten. was mir besonders gut gefiel war, dass die musik eindeutig bezug auf frühe 70er und 80er-jahre filme nahm. diese art synthesizer-sounds habe ich schon lange nicht mehr in einem film gehört. auch die anspielungen an west-world, den ich mir vor kurzem extra nochmal angesehen habe, erfreuten mich. ich war von westworld zwar mittelschwer enttäuscht, was aber an veränderten sehgewohnheiten lag, zumindest meinen. die haben sich in den letzten 41 jahren doch sehr verändert. das 2DF hat also, auf ne art, voll recht.

the machine wurde meinen sehgewohnheiten von 2014 sehr gerecht. das ende vom ende ist zwar ein bisschen überpathetisiert, aber der film ist alles andere als doof geschrieben und ein grosses, relativ kurzes vergnügen.

wo ich gerade dabei bin, apropos doof geschrieben. der hobbit teil 2 (smaugs einöde) war ja ganz unterhaltsam und technisch makellos. aber einen solchen bescheuerten quatsch hab ich mir schon lange nicht mehr von einem film erzählen lassen. dutzende genetisch modifizierte kampfmaschinen, ein drachen und dutzende andere gegner werfen sich teilweise schwer bewaffnet auf einen haufen zwerge und einen hobbit und denen ist am ende des filmes nicht ein haar gekrümmt? unverwundbarer ist in der filmgeschichte eigentlich nur ein filmheld: james bond. der ist auch seit fast 50 jahren jung und sportlich wie eh und je.

aber im ernst; der hobbit wäre vielleicht etwas überzeugender gewesen, wenn die zwerge und der hobbit ihre stärke aus esprit und geistiger beweglichkeit gezogen hätten und der film sich nicht auf gigantomanische bond-spielereien und unglaubwürdige technikspielereien verlassen hätte, um die haare seiner helden zu schonen. die technikgläubigkeit im hobbit nahm so absurde formen an, dass ich mehrfach beinahe genervt weggeschaltet und gekotzt hätte.

kurz: the machine ist kurzweiliger, intelligenter quark, smaugs einöde eine zumutung für den gesunden menschenverstand.

brand eins eifert schlecky silberstein nach

felix schwenzel,    

heute auf facebook diesen eintrag im brand-eins-facebook-strom gesehen. ein ziemlich witziges video von einem menschen der sagt, dass ihn viele leute fragen würden, wie es sei ein sexsymbol zu sein und dann voll auf die fresse fällt.

* * *

ich finde das von der brand eins eingebettete video sehr, sehr witzig und meine erste reaktion war: „das muss ich auch üben!“ in aller bescheidenheit habe ich kürzlich auch so etwas in der art versucht. leider sehr viel unüberzeugender:

die brand eins schreibt auf facebook:

Wir waren uns uneinig, ob das unter unserem Niveau ist. Wahrscheinlich schon, aber lustig ist es trotzdem.

selbst auf schleckysilberstein.de bekommt man als leser einen tacken mehr information geliefert, nämlich, dass es sich im video „um Schauspieler und Model Taye Diggs“ handelt.

was mich aber ärgert wundert: niemand macht sich die mühe nach dem original und dem kontext dieses videos zu suchen, das, wie man auf den ersten blick erkennt, brilliant inszeniert ist.

nach 2 minuten google-bildersuche und ein bisschen klicki-klicki findet man das original vine-video:

spätestens wenn man sich ein video in der vine-zeitleiste von taye diggs weiter zurück bewegt, wird auch dem letzten horst klar, dass der umfall im video inszeniert war:

* * *

die entscheidende frage ist aber: warum macht sich niemand die mühe die quelle zu finden und zu nennen und postet/shared stattdessen wie ein kopfloser teenager alles stumpf ins facebook oder seine wordpress-installation rein? dass die hohlbirnen von schlecky silberstein christian brandes statt 3 minuten lang das original zu suchen, lieber den von einem trittbrettfahrer auf youtube hochgeladenen abzug postet ist klar. aber die brand eins?

nicht der witz, der humor oder die potenziell erzeugte (falsche) schadenfreude des videos ist unter dem niveau der brand eins, sondern die mangelnde journalistische neugier und der mangelnde journalistische ehrgeiz. wer ist das auf dem video? was macht der da? warum macht er das? fake oder echt? hat der typ noch andere witzige sachen im peto? stattdessen: „harharhar! guckt mal! harharhar.“ — das ist genau das was ich von der brand eins nicht lesen und hören will, genau das gegenteil dessen, was ich an der brand eins schätze.

prat übersetzt leo.org übrigens mit „trottel“.

doppelt zahlen im aldi

felix schwenzel,    

es gibt freundliche und unfreundliche aldis. gestern waren wir mal wieder im unfreundlichen aldi einkaufen. dort fiel irgendwann einer älteren dame ein glas instant-kaffee auf den boden, das zerbrach und ein bisschen kaffeeduft im aldi verteilte. sie sagte auch gleich dem personal bescheid, dass die reste beseitigte und sich für ihre ehrlichkeit damit bedankte, ihr an der kasse zwei gläser instantkaffee zu berechnen: einmal für das kaputte glas und einmal für das glas, was sie dann tatsächlich mitnahm.

die ältere dame fand dann, dass es eine gute idee sei, das zerbrochene glas mitzunehmen, um es „zu reklamieren“. sie wollte zwar nicht sagen wo sie es reklamieren würde oder warum es für die reklamation nötig sei im besitz von scherben zu sein, aber die kassierinnen wollten ihr das zerbrochene glas so oder so nicht geben.

was mich aber wunderte, war die erklärung der kassiererin, warum die kundin den zerbrochenen kaffee würde zahlen müssen: weil kunden angehalten seien einkaufswagen zu nutzen, müssten kunden die keinen einkaufswagen nutzen dinge die ihnen runterfallen eben zahlen. rein rechtlich hatte die kassiererin wohl recht. der jurist peter derleder meint, dass es keinen „Rechtsgrundsatz“ gäbe, nach dem man waren die einem im supermarkt kaputtgehen vor der bezahlung auch nicht zahlen müsse.

trotzdem scheint es sehr viele supermärkte zu geben, auch aldi-filialen, die das kulanter handhaben und mehr wert auf wiederkehrende kunden legen, als auf erbsenzählerei und rechthaberei. manch ein supermarktbesitzer ersetzt sogar gelegentlich kaputte waren aus anderen geschäften.

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ganz anderes thema. interessant wie springer-medien mitunter arbeiten, leistungsschutzrecht hin oder her. das interview mit dem juristen peter derleder erschien am 29.03.2005 auf test.de (und wahrscheinlich auch in der zeitschrift der stiftung warentest). am 7. april erschien diese zusammenfassung des interviews in der bz-berlin.de. abgesehen davon, dass die aussage von peter derleder hier als aussage der stiftung warentest ausgelegt wird, fügt der artikel dem original nicht das geringste hinzu. aus der interviewantwort

Eltern müssen ihre Kinder aber auch belehren. In jedem Fall ist eine Haftpflichtversicherung sinnvoll.

macht die bz einen gefetteten absatz:

Experten-Tip: In jedem Fall ist eine Haftpflichtversicherung sinnvoll.

aber eins muss man springer lassen: kürzen, fetten und suchmaschinenoptimiert schreiben können sie.