freier tag heute

felix schwenzel, , in artikel    

auf dem weg zum flughafen tegel, um sieben uhr morgens am kurt-schumacher-platz
auf dem weg zum flughafen tegel, um sieben uhr morgens am kurt-schumacher-platz

heute sehr früh zum flughafen gefahren um dort nen mietwagen zu holen. bis jetzt hab ich am flughafen tegel immer grössere autos bekommen als ich bestellt und bezahlt habe und vor allem hat nie einer der autovermietungsschalterangestellten versucht sein verkaufsscript auf mich anzuwenden. na gut, den vollkasskoschutz mit null euro selbstbeteiligung versuchen mir immer alle anzudrehen. heute kam ich dann doch wieder in den genuss einer sales-script-aufführung: „ihnen kann ich heute etwas besonderes anbieten, für nur 16 euro ein upgrade auf ne e-klasse …“

das ist eigentlich schon der todesstoss für ein verkaufsgespräch, weil der herr mit 16 euro eigentlich 48 euro meinte: 16 euro pro tag. aufs glatteis geführt zu werden mag ich nur unter bestimmten umständen. heute jedenfalls war ich nicht in diesen umständen und sagte „nö danke“.

„mit dem vollkaskoschutz mit null euro selbstbeteiligung bekommen sie die e-klasse kostenlos.“

natürlich kostet das vollkasko-upgrade mehr als 16 euro pro tag. diese sales-tricks funktionieren bei mir sehr gut, wenn ich nach 17 stunden flug aus einem flugzeug steige, heute um sieben war ich ausgeschlafen. ich lehnte erneut dankend ab.

„ok, ich mache ihnen ein angebot und gebe ihnen das upgrade für 7 euro.“

weil die e-klasse ein diesel mit harnstoff-technologie war, die ja so umweltfreundlich sein soll, aber auch um endlich ins auto steigen zu können, sagte ich dann ja.

* * *

um neun sind wir losgefahren, pünktlich um zwölf, wie vom navigationssystem vorausgesagt kamen wir im „hotel freigeist“ in northeim an. wir waren hier mit meiner mutter, meinem vater und meiner schwester verabredet, um meinen opa, der vor zwanzig jahren gestorben war, umzubetten, damit er neben seiner frau, die letztes jahr gestorben war, liegen konnte.

vorher gabs natürlich noch mittagessen. auf der speisekarte wird novalis zitiert:

Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß, wie Wolken schmecken.

meine mutter mochte den spruch.

ich nahm als vorspeise ein rinder-tartare, von regionalen rindern glaube ich, dass mir etwas zu pompös ornamentiert war, aber sehr, sehr lecker schmeckte.

tartare im hotel freigeist
tartare im hotel freigeist

als hauptgang hab ich mir ein pilzrisotto kommen lassen. das war auch sehr lecker und es kam viel bescheidener auf den tisch.

ruhewald bürgerholz in northeim
ruhewald bürgerholz in northeim

meine oma haben wir letztes jahr im „ruhewald bürgerholz“ bestatten lassen. sie sprach nicht gerne über ihren tod, vor allem weil sie ihn auch mit 92 für sehr unwahrscheinlich hielt. ihr einziger ausgesprochener wunsch war, neben ihrem mann bestattet zu werden. letzte jahr liess sich dieser wunsch aus irgendwelchen bürokratischen oder organisatorischen gründen noch nicht umsetzen, dieses jahr konnten wir ihr den wunsch erfüllen.

blick vom ruhewald bürgerholz in northeim auf einen anderen wald
blick vom ruhewald bürgerholz in northeim auf einen anderen wald

das grab im wald zu finden war gar nicht so einfach. die bestatter warteten eigentlich am „andachtsplatz“ auf uns, kamen dann aber zu uns rüber, als sie merkten, dass wir eher daran dachten, am grab selbst ein bisschen andächtig zu sein. einer der herren brachte dann die urne, in die mein opa umgebettet wurde, sehr andächtig, zu uns rüber. ich kam mir vor wie im film:

die urne war sehr schön (und kompostiert sich in den nächsten jahren selbst), auch die kleine andacht war stilvoll, aber vor allem lagen die beiden jetzt wieder zusammen. darüber freuten sich auch die beiden bestatter.

auf dem rückweg sahen wir die vorbereitungen für einen schulklassenausflug in den wald, für den (offensichtlich) eine falknerin aus dem kreis northeim engagiert worden war, die den kindern einen rotschwanzbussard, eine schleiereule und einen uhu mitgebracht hatte.

mein vater, der sich mit vögeln eigentlich sehr gut auskennt [sic!] erkannte den rotschwanzbussard nicht, was aber daran liegt, dass er nicht heimisch ist, sondern aus nordamerika kommt. die schleiereule war relativ jung, der uhu hingegen um die 36 jahre alt. in der wikipedia steht, dass uhus in gefangenschaft bis zu 68 jahre alt werden können. in freiheit werden sie bei weitem nicht so alt. eine häufige todesursache von eulen in deutschland ist hunger. es gibt immer weniger möglichkeiten für eulen im winter mäuse zu jagen, einerseits weil die schädlichsbekämpfung die zahl der mäuse kräftig reduziert (und die nahrung vergiftet), andererseits weil eulen kaum noch zugang zu scheunen haben, um dort auch im winter zu jagen. wegfliegen wollten die schleiereule und der uhu, als wir so um sie rumstanden, trotzdem ständig.

* * *

nach dem abendessen habe ich die speisekarte nach whisky abgesucht. im „freigeist“ gabs nur einen schottischen single malt, bunnahabhain. der kommt wie mein lieblingswhisky laphroiag auch aus islay und in der tat hat er mir auch sehr gut geschmeckt: viel weniger torfig als der laphroiag, aber ähnlich ätherisch-leicht. im whisky-store wird er als „leicht mit Früchten, einem Hauch Vanille“ beschrieben und ich muss sagen das stimmt. vor allem schmeckt er sehr viel komplexer, beinahe würde ich sagen komplizierter, als der laphroiag. gerne wieder.

ranwanzen statt interessieren

felix schwenzel, , in artikel    

ich lese auf spiegel.de rum. einen agenturtext über einen alten, wahnsinnigen nazi. unter dem text wird ein bento-text angeteasert:

„Vierundzwanzig: Jetzt fangen auch die Letzten an, mich im Supermarkt zu siezen“

Älterwerden: Jetzt also Mitte Zwanzig“ interessiert mich nicht so irre, aber was solls, ich klick drauf. ich lese den text und fühle mich unglaublich alt. der text könnte so auch in einem schlechten blog stehen. gibt’s ja auch. schlechte blogs. steht aber auf bento, der webseite vom spiegel, die sich angeblich an junge menschen wendet.

ich kann mir vorstellen, dass es menschen gibt die solche texte, wie den von bianca xenia mayer, gut finden. die sich über sätze freuen wie diesen: „Wenn ich einsam bin, hier, öffne ich eine Dose Tomatensoße. Die ohne Kräuter.“ die gibt’s bestimmt.

diejenigen die sich die mühe gemacht haben, den text zu kommentieren, fanden allerdings eher keinen gefallen am text (einer hat aber extra ein symbolbild gemalt). aber vielleicht waren das ja auch nur frustrierte, alte leute über 24, oder gar über 30. 72% der spiegelleserinnen sind zwischen 20 und 49 jahre alt. ich interpretier die zahlen vom spiegel mal freihändig: im schnitt sind spiegel.de-leserinnen überdurchnittlich männlich und um die 40. und frage mich, ob es eine gute idee ist, leserinnen mit eigenanzeigen von spiegel.de auf bento.de zu locken und ihnen dann texte wie den von bianca xenia mayer vorzusetzen.

der text ist jetzt über 24 stunden alt und wurde etwa 60 mal auf facebook geshared. steht drunter.

auf facebook finde ich mit der suchfunktion lediglich einen einzigen share, von einer 23 jährigen. vollzitat:

Bento (Spiegel Online), Zett (Zeit), Orange (Handelsblatt) et cetera sind verzweifelte Versuche, dem Journalismus eine falsche, billige Verjüngungskur zu verschaffen. Das wirkt ungefähr so gut wie Botox bei SchauspielerInnen: Mit dieser lächerlichen Maske werden die Alten ihr Ansehen nicht retten, im Gegenteil, sie ruinieren ihre Glaubwürdigkeit.

Dieser kleine Befindlichkeitstext hier soll nur ein Beispiel sein für tausende Unfälle, die man gerne in sein Tagebuch oder persönliches Blog schreiben kann. Doch am meisten gruselt es mich, wenn die dauergelangweilten Hipster ihre geschriebenen Selfies mit Texten der Beat-Generation vergleichen. Hunter S. Thompson & Co hatten Themen, Inhalte, Geschichten - sie haben nicht darüber geschrieben, dass sie mit "Klaus und Luise" Kartoffelgratin essen und zu ihrem Bankberater gehen, weil die Kohle von Mama, Papa und Bento gut angelegt werden muss.
Ab sofort boykottiere ich diesen egomanischen Unsinn. Ihr hoffentlich auch.

hm. vielleicht ist sind 23 jahre lebenserfahrung ja auch schon zu viel um bento-texte ertragen zu können?

andererseits: warum halte ich es jeden sonntag aus, mir die sendung mit der maus anzusehen? da bin ich auch nicht die zielgruppe, im gegenteil. da werde ich auch geduzt, aber es stört mich nicht. manche moderatoren verfallen auch in der sendung mit der maus eine art babysprache, aber die meisten nicht. armin maiwald und ralph caspers reden mit ihrer zielgruppe wie mit erwachsenen. sie bemühen sich alles möglichst konkret und unkompliziert zu erklären, achten aber nicht nur darauf ihr publikum nicht zu überfordern, sondern hüten sich auch vor unterforderung. vor allem aber: die themen sind keine typischen kinderthemen, sondern themen die jeden interessieren. was wiegt eine wolke, wie funktioniert ein hubschrauber, was ist in nutella, warum werden im herbst die blätter gelb oder rot, was ist krieg, was ist mit dem tod? um befindlichkeiten, ohnmachtsgefühle, einsamkeit, freundschaft geht’s auch, aber meistens abstrahiert, in geschichtenform oder in fabeln.

warum regt sich keiner über die sendung mit der maus auf, wohl aber über die versuche grosser verlage sich an eine junge zielgruppe ranzuwanzen?

gute frage, die ich wahrscheinlich genauso wenig beantworten kann wie die verantwortlichen für diese versuche. ich hab nur so ne ahnung und versuche mich mal mit nem schlenker anzunäheren:

mcdonalds hat über jahre sehr erfolgreich versucht sich an junge menschen ranzuwanzen und bietet zum beispiel die möglichkeit kindergeburtstage in mc-donalds-restaurants zu feiern. der frass den die kinder dort bekommen, ist exakt der gleiche wie der, den die erwachsenen bekommen. lediglich die verpackung ist unter umständen ein bisschen angepasst; man packt die burger und die nuggets für die kinder eben in ne „juniortüte“ und legt für kinder noch ein plastikstück spielzeug dazu. für die kinder gibt’s keine glitzer-sunshine-burger oder rosa elfen-shakes oder strawberry-pommes. der grund dafür ist natürlich das macdonalds kinder möglichst früh auf sein essen konditionieren möchte, so dass sie auch im fortgeschrittenen alter treue kunden bleiben. aber andererseits dürfte mcdonalds es auch erkannt haben, dass kinder keinen anderen geschmack als erwachsene haben, sondern lediglich einen anderen zugang benötigen, anders herangeführt werden müssen.

die interessen (oder der geschmack) von menschen richten sich nicht unbedingt nach ihrem alter. selbst die zugänglichkeit ist nicht unbedingt altersabhängig. ein halbgares spargelsoufflé mit ingwercrême ist nicht nur für die meisten kinder indiskutabel, sondern auch für einen grossteil der erwachsenen — auch wenn es von einem sternekoch zubereitet wurde. ohne eine vorsichtige heranführung an bestimmte nahrungsmittel (oder themen), isst der bauer sie nicht — egal wie alt er ist.

altersgerechtigkeit sollte sich nicht nach themen oder interessen richten, sondern um zugänglichkeit bemühen. wenn man komplexität reduziert, muss das ncht bedeuten, dass man sein publikum für doof hält, sondern im gegenteil, dass man sich um ein möglichst diverses publikum bemüht und sich allergrösste mühe mit der didaktischen aufarbeitung seines materials gibt.

und das ist auch die mögliche erklärung für die teilweise sehr aggressiven reaktionen auf diese jugendportale. zu glauben, dass sich 24-jährige für das interessieren, was eine 24 jährige sich aus den fingern saugt, nur weil sie eben 24 ist. zu glauben dass man komplexe themen einfach in kurze sätze packen und mit eingebetteten tweets oder GIFs dekorieren kann, um das interesse auch von jungen menschen daran zu wecken.

das sind natürlich alles nur vermutungen die auf zwei oder drei schmerzhaften kurzbesuchen bei bento.de und ze.tt basieren. bestimmt finden sich da auch ein paar perlen und vor allem viel mühe. aber ich glaube mit einiger sicherheit einen kardinalfehler all dieser ranwanzversuche an eine junge zielgruppe entdeckt zu haben: die alleine ausrichtung auf das alter der zielgruppe.

ich glaube man sollte zielgruppen nicht nach alter sortieren (jedenfalls solange man kein werbefuzzi ist), sondern nach interessen. genaugenommen macht die sendung mit der maus das auch. da geht es um sachgeschichten, also kleine erklärstücke, meistens mit technischem hintergrund — nicht um kinderthemen. die nido funktioniert nicht, weil sie sich an eine altersgruppe richtet, sondern an eltern, egal wie alt sie sind. deshalb sind pixar filme so erfolgreich, weil sie ihre geschichten nicht infantilisieren, sondern sich mühe geben attraktiv für jeden zu sein. oder mein lieblingsbeispiel: die verfilmung eines 40-seitigen kinderbilderbuchs, die mich auch als über vierzigjährigen umgehauen hat.

oder ganz kurz: menschen richten ihre interessen nicht nach ihrem alter aus.

* * *

der text enthält generische femminina, männer sind natürlich mitgemeint.

vom potsdamer platz zum teufelsberg

felix schwenzel, , in artikel    

potsdamer platz

weil die beifahrerin in der boticelli-ausstellung verabredet war und es eilig hatte, hab ich sie heute zur gemäldegalerie gefahren, den mietwagen dort abgestellt und mich zu fuss auf den weg zum teufelsberg gemacht. auf dem teufelsberg ist diese ehemalige abhörstation mit den kugeln, die man aus film und fernsehen und netzpolitischen interviews kennt. ausserdem ist der teufelsberg quasi ex-berlin. laut wikipedia liegen unter der ex-abhörstation „26 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt“. das entspreche „grob einem Drittel der Trümmer zerbombter Berliner Häuser“. tatsächlich sah ich bei meinem aufstieg auf den teufelsberg immer wieder schutt und baumaterial zwischen den pflanzen liegen.

fenster

zuerst kam ich auf meinem weg an dem gebäude vorbei, in dem holtzbrinck vor sieben jahren mit einem nachrichtenportal für junge menschen (zoomer.de) gescheitert ist. genau, ausgewachsene journalisten, die ihre leser duzen und ihnen bunte texte vorwerfen, in der hoffnung, dass sie von der zielgruppe geteilt werden, gibt’s nicht erst seit ze.tt oder bento.de. zoomer ist lediglich sieben jahre früher gescheitert als ze.tt und bento.

damals erklärte man mir bei zommer.de, dass das geduze so sein müsse:

das rumgeduze will die zielgruppe übrigens so haben, liess ich mir erklären. 21 bis 35 jährige sind so. sie wollen auf nachrichtenportalen geduzt werden. marktforschung, doo!

der witz ist, dass bento.de und ze.tt den gleichen quark wie zommer.de damals machen: in artikeln und überschriften wild duzen, aber im impressum und der datenschutzerklärung — why so serious? — wird plötzlich steif gesiezt.

bento:

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ze.tt:

ze.tt versichert Ihnen, dass Ihre Daten gemäß den geltenden Datenschutzbestimmungen, gemäß dem Telemediengesetz des Rundfunkstaatsvertrages, dem Bundesdatenschutzgesetz sowie weiteren datenschutzrechtlicher Bestimmungen genutzt werden.

ein paar häuser weiter gabs das gleiche fassaden-motiv an einem neu gebauten wohnhaus.

balkone

unten in dem haus streiften ein paar sehr junge sicherheits-/wachmänner rum, einer von ihnen sass an einem kleinen tisch und schaute auf einem portablen DVD-spieler filme an. hätte der arme mann nen laptop gehabt, hätte er ein bisschen ze.tt oder bento lesen können.

ein paar blöcke weiter, ich glaube nach dem verteidigungsministerium, war noch ein junger mann zu sehen, auf ein ex-mauerstück gemalt:

weil ich kurz danach pinklen musste, bin ich ins intercontinental aufs klo gegangen. in grossen hotels kann man prima aufs klo gehen. eigentlich sollte das in jedem reiseführer stehen. die toiletten grosser hotels sind immer top gepflegt, bieten gute privatshäre — wo bekommt man die heutzutage sonst noch? — und fast immer ordentliche handtücher. und blumen.

pinkelpause im hotel

selbst in den USA, wo man auf toiletten wegen der grossen spaltmasse der türen quasi im freien sitzt, haben die grossen hotels meist sehr angenehm geschlossene WC-kabinen.

an der hardenberg-/kantstrasse spriessen derzeit die hochhäuser. dort wird so viel gebaut, dass man sich fast in den osten versetzt fühlt. leider muss ich sagen, finde ich das sogar relativ schick.

kleinmanhatten
kleinmanhatten

auch das bikini-einkaufszentrum hat dem viertel gut getan, selbst das zoo-palast-kino sieht wieder vorzeigbar aus. neben dem zoo-palast hat kürzlich ein jim-block-restaurant aufgemacht, wie in hamburg, direkt unter dem vater-restaurant, dem block haus. weil ich jim block mag und ausserdem hunger hatte, hab ich mir dort einen burger gekauft. zum burger gabs einen winzigen gurkensalat aus gurken-würfeln, was ich schade fand, den das coleslaw im jim block war früher überragend gut.

leider konnte ich die kleine schale gurkensalat nicht aufessen, da sie mir nach dem ersten bissen aus der hand glitt. offenbar ist der salat mit viel glitschiger sahne angemacht. der burger (bbq) war leider auch scheisse. roch komisch, schmeckte komisch und die brötchenhälften waren eiskalt. die pommes und die mayonaise waren allerdings super. was mir auch auffiel: das licht dort hat das potenzial einen in den wahnsinn zu treiben; als ich mir das berühmt-berüchtigte block-steak-pfeffer-salz auf die pommes streute, gab es einen optischen effekt wie bei disko stroboskoplicht. man sah die pfefferkörner beim fallen immer nur kurz aufblitzen, dann wurden sie unsichtbar. das müssen irgendwelche interferenz-effekte der LED oder neon-beleuchtung dort gewesen sein.

der steak-pfeffer ist übrigens das einzige was bei jim block umsonst ist, bzw. was es ohne zu fragen gibt. auch nach servietten muss man fragen, von ketchup und mayo gar nicht erst zu sprechen.

* * *

verlässt man den kudamm über die joachimstaler strasse, bzw. bundesallee wird’s wieder typisch westberlinerisch schrottig und abgenutzt. erstaunlich wie ein paar hundert meter fussweg den charakter eines quartiers verändern können. trashig kann man die möbelgeschäfte an der bundesallee übrigens ungestraft nennen:

müll

an den wohnblocks in der gegend kann man aber immerhin immer wieder hübsche schatten- und lichtspiele beobachten:

herbstbäume
herbstbäume

am hohenzollerndamm dann das symbolbild für west-berlin schlechthin:

hohenzollerndamm

weiter nach (ich glaube) zehlendorf. ich glaube dort gibt es viele antroposophische einrichtungen, die architektur bemüht sich dort jedenfalls sehr um die vermeidung von rechten winkeln:

weihnachtsmarkt

auch die adams family hat hier offenbar eine berlin-residenz:

das haus der adams family

zuckersüsse, farbenpralle herbstbilder sind heute wahrscheinlich zehntausende entstanden, ich habe auch einige gemacht. siehe auch oben. hier noch zwei:

herbstbäume

am s-bahnhof grunewald habe ich mir eine flasche frischgepressten orangensaft gekauft und mir vorgenommen den auf dem teufelsberg zu trinken. der bahnhofsvorplatz fühlte sich an wie in der düsseldorfer city. altgewordene, arrivierte popper in segelschuhen, sauberen luxus-SUVs, die mal eben draussen ein sektchen schlürfen gehen, wenn das wetter so prall ist. auf dem bahnhofsvorplatz! ich staunte sehr. den bahhofsvorplatz habe ich nicht fotografiert, dafür aber die unterführung.

gleis 17

hinter dem bahnhof geht’s direkt in den grunewald. alles sehr unspektakulär, wald eben. den teufelsberg liefen neben mir auch sehr viele andere spaziergänger hoch. oben angekommen sah ich, dass die anlage mit den kugeln sehr gewissenhaft umzäunt ist. ich war zu erschöpft um eine runde um die anlage zu drehen, um zu sehen ob es da irgendwo einen einlass gab.

vom teufelsberg runter in die sonne fotografiert

also setzte ich mich auf eine bank in die pralle sonne, fotografierte die sonne, trank meinen orangensaft und instagrammte ein paar bilder. gregor klar kündigte an, dort wo ich sass, auch bald vorbeizukommen, ich war dann aber schon lange wieder auf dem weg zur s-bahn, als er dann da war.

insgesamt war ich heute 16 kilometer und 5 stunden zu fuss unterwegs.

photochrome

felix schwenzel, , in artikel    

schöne fotos von „um 1900“ auf eines tages: Als Deutschland Farbe bekam

die fotos sind aus aus der privatsammlung des grafikers marc walter, der laut taschen-werbung „eine der größten Sammlungen [von] Reisefotografien, vor allem Photochrome“ besitzt. offenbar sind viele der bilder postkarten von „um 1900“, die damals millionenfach gedruckt wurden.

da das 19te jahrhundert jetzt schon ein paar jahre her ist, ist auf den meisten (allen?) dieser bilder auch der urheberschutz abgelaufen. aufgefallen ist mit das vor ein paar wochen, als philipp jahner einige genau der bilder die auch bei eines tages zu sehen sind für buzzfeed aufarbeitete. als lizenz-/quellenangabe hat philipp jahner bei den meisten bildern ein flickr-account angegeben, dass die bilder aus der wikipedia zu flickr importiert hat. leider ist die suchfunktion von flickr total kaputt, so dass ein klick auf einzelne schlagworte, zum beispiel dieses bildes, ins leere führt (nachtrag: funktioniert jetzt).

google findet einige der bilder, aber in diesem fall scheint mir die wikipedia am besten sortiert: die kategorie „19th century photochrome prints of Germany“ ist prall gefüllt mit über 2000 dateien (von denen allerdings viele gedoppelt sind). dort zu blättern macht bestimmt auch spass und man spart sich die 150 euro für das buch. und die bilder aus der wikipedia kann man im gegenteil zu denen aus dem buch leicht teilen, verlinken oder kopieren.

die wissower klinken auf rügen

die wissower klinken auf rügen

der kölner hauptbahnhof

der kölner hauptbahnhof

der kölner dom

der kölner dom

der aachener dom

der aachener dom

schiffe im hamburger hafen

schiffe im hamburger hafen

noch mehr schiffe im hamburger hafen

noch mehr schiffe im hamburger hafen

blick auf aachen

blick auf aachen

elisenbrunnen in aachen

elisenbrunnen in aachen

erste erfahrungen mit apple news

felix schwenzel, , in wirres.net    

in einem wort: örgs.

meine apple-news-abos

vor etwa einem monat habe ich mich über den news publisher auf icloud.com für die teilnahme beworben. ich habe dafür einen englischen kanal angemeldet und ein logo nach den strengen apple-richtlinien gebaut. am montag, also nach ca. 30 tagen, wurde mein kanal freigeschaltet.

nach der freischaltung war mein kanal (link funktioniert nur auf ios und apple news lässt sich nur benutzen, wenn man die region auf dem ios-gerät auf USA eingestellt hat) erstmal leer, obwohl der RSS feed für die englischen news-items bereits mit ein paar artikeln gefüllt war.

nach ein oder zwei stunden wurde dann der RSS-feed abgerufen und der kanal füllte sich. was mir auffiel:

  • die artikel waren nicht umgekehrt chronologisch nach dem veröffentlichungsdatum sortiert, sondern nach offenbar nach gutdünken.
  • ein eingebettetes video (in diesem artikel) lässt die news-app abstürzen
  • der RSS-feed wird nicht besonders oft aktualiisiert, das letzte update brauchte andertalb stunden bis es in der app auftauchte.
  • die artikel werden nicht aktualisiert. vor zwei tagen haben ich diesen artikel leicht verändert, die änderungen sind in der apple-news-app noch immer nicht sichtbar.
  • der letzte artikel wird in der apple-news-app angezeigt, aber ohne bild. das scheint erratisch, da es mit diesem bild kein problem gab.
  • einen zugang zur apple-news-api habe ich noch nicht bekommen, kann also auch noch nicht aber mit meiner channel-id und der news-preview-app kann ich bereits mit dem apple-news-format experimentieren.
  • der vorhandene wordpress-plugin für apple news funktioniert im moment, mit verlaub, miserabel.
  • für das apple-news-format hat sich apple etwas ganz besonderes einfallen lassen. kein html, alle styling-informationen und inhalte möchte apple per json geliefert bekommen, die inhalte können aber mit markdown formatiert werden. insgesamt kommt mir das alles furchtbar kompliziert vor.
  • die suche in apple-news funktioniert derzeit nicht, weder auf dem telefon, noch im ios-simulator.

technisch finde ich die ansätze der facebook-instant-articles und amp sehr viel interessanter, allerdings scheinen alle drei ansätze eines gemeinsam zu haben: sie scheinen alle noch sehr beta, wenn nicht sogar alpha zu sein. was wohl auch der grund dafür ist, dass der zugang zu ihnen noch so eingeschränkt gewährt wird. um damit zu experimentieren, muss man sehr, sehr geduldig und gleichmütig sein. immerhin wurde mein bug report sehr freundlich von einem menschen beantwortet: „We appreciate your patience.“

mangel als geschäftsidee

felix schwenzel, , in artikel    

timotheus höttges, vorstandsvorsitzender deutsche telekom, in einer pressemitteilung zur netzneutralität (via):

Gegner von Spezialdiensten behaupten, kleine Anbieter könnten sich diese nicht leisten. Das Gegenteil ist richtig: Gerade Start-Ups brauchen Spezialdienste, um mit den großen Internetanbietern überhaupt mithalten zu können. Google und Co. können sich weltweite Serverparks leisten, damit die Inhalte näher zu den Kunden bringen und die Qualität ihrer Dienste so verbessern. Das können sich Kleine nicht leisten. Wollen sie Dienste auf den Markt bringen, bei denen eine gute Übertragungsqualität garantiert sein muss, brauchen gerade sie Spezialdienste. Nach unseren Vorstellungen bezahlen sie dafür im Rahmen einer Umsatzbeteiligung von ein paar Prozent. Das wäre ein fairer Beitrag für die Nutzung der Infrastruktur. Und es sorgt für mehr Wettbewerb im Netz.

till faida, geschäftsführer der eyeo gmbh, in einem interview über die ziele seines produkts adblock plus:

Wir haben sehr gute und erfolgreiche Ideen, wie Online-Werbung besser und nachhaltiger werden kann. Das können wir allerdings nicht alleine umsetzen, weil wir selbst keine Werbung gestalten, suchen daher nach Partnern, um mit ihnen an der Zukunft der Online-Werbung zu arbeiten. Dazu zählt jeder Vermarkter, jedes Werbenetzwerk, große Publisher und jeder Marktteilnehmer, der die Möglichkeit hat, Werbeformen zu bestimmen und an neuen und altenativen Produkten zu arbeiten.

erstaunlich wie ähnlich beide aussagen klingen. man könnte den eindruck gewinnen, faida und höttges arbeiteten für hilfsorganisationen oder beratungsunternehmen, der eine für verlage, der andere für „startups“.

über die aussagen von faida sagt ursula scheer in der faz:

Mafiamethoden? Wegelagerei? […] Wie anders soll man das Geschäftsmodell seiner Firma Eyeo beschreiben?

Faida würde niemals von Erpressung sprechen. Er nennt es „Zusammenarbeit mit Partnern“ und formuliert Sätze wie: „Wir schaffen Lösungen für Publisher.“ Lösungen für ein Problem allerdings, das Eyeo selbst mit seinem Produkt allein zu dem Zweck schafft, um es für zahlende Kunden wieder aus der Welt zu räumen.

über die suchfunktion der faz findet man die worte „mafiamethoden“, „wegelagerei“ oder „erpressung“ im zusammenhang mit der telekom in der faz nicht. dabei liegt die assoziation nicht weit entfernt:

die grundsätzliche geschäftsidee hinter adblocker-geschäft von eyeo und dem internet-zugangsgeschäft der telekom ähnelt sich erstaunlich. eigentlich steckt dahinter eine uralte idee: aktiv die verknappung von resourcen vorantreiben und die knapp gewordenen resourcen für gutes geld an resourcen-abhängige verkaufen.

eyeo limitiert die auslieferung von anzeigen sehr erfolgreich, so erfolgreich, dass es sich für die durchleitung von „akzeptablen“ anzeigen sehr gut bezahlen lassen kann.

die telekom (und mehr oder weniger alle deutschen telekommunikationsanbieter) limitieren und verteuern den internetzugang seit jahren so erfolgreich, dass deutschland neben ungarn offiziell das teuerste mobile internet in europa hat und man sich jetzt, mit gesetzlicher flankierung, für die „ungestörte“ durchleitung von inhalten bezahlen lassen kann.

wobei die telekom dieses prinzip nicht nur gegenüber kunden praktiziert, sondern das auch schon länger gegenüber ihren „partnern“ aus der wirtschaft durchzusetzen probiert. so teaserte golem vor über zwei jahren:

Wenn Unternehmen wie Googles Youtube an die Deutsche Telekom zahlen, würde ihr Angebot „nicht das Datenvolumen der Nutzer verbrauchen“ und sei nicht von der Drosselung betroffen, sagt die Telekom.

fürs internet sollen alle zahlen, die kunden an den endgeräten, die grossen plattformen, kleine startups und natürlich sollen auch steuergelder in den breitbandausbau fliessen.

magel schaffen und dann kassieren, das scheint das grundprinzip erfolgreichen wirtschaftens im innovationsmüden deutschland zu sein.

* * *

wobei der begriff der erpressung mittlerweile in der wirtschaftsberichterstattng inflationär benutzt wird. verlage beklagen sich, dass amazon sie erpresse, gewerkschaften, bzw. journalisenverbände beklagen sich, dass verlage ihre freien autoren erpressen, die verleger fühlen sich von google erpresst, wirtschaftlich stärkere länder erpressen schwächere länder gewohnheitsmässig (oder umgekehrt), mit TTIP angeblich bald noch effektiver. überall erpressung? oder bedeutet der begriff einfach nur „harte verhandlungen“? oder rücksichtslosigkeit?

twitter und instagram widgets

felix schwenzel, in über wirres    

ich versuche auf wirres.net so wenig tracker wie möglich einzubauen. standardmässig sollte hier beispielsweise von ghostery nur mein piwik und typekit gemeldet werden. von typekit lade ich die brevia, auf die ich nicht verzichten möchte und deren anderen lizensierungen mir zu teuer oder unbequem sind. ansonsten sollten in der regel keine tracker geladen werden. ausnahmen bestätigen die regel, wie zum beispiel dieser artikel in dem (zur demonstration der neuen twitter „kuratierungs“-funktion) javascript von twitter nachgeladen wird. damit erhält twitter theoretisch einiges an browser-informationen und setzt wohl auch cookies, die aber, sagt twitter, nach 10 tagen gelöscht oder anonymisiert werden. whatever. ich versuche diese dritt-scripte so gut es geht zu vermeiden.

wenn ich einen tweet einbette, mache ich das ohne javascript, nur mit html. das hat den vorteil, dass es auch im RSS funktioniert (allerdings lade ich eventuell im tweet eingebettete bilder nach wie vor von twitter):

das gleiche gilt für instagram einbettungen, bei denen ich das bild durch ein bisschen zauberei allerdings selbst ausliefere:

Last night was fun!

#angeflixt #breakingbad #narcos

Maria (@mariaplays) 30.10.2015 12:02

eigentlich ist das so nicht vorgesehen. twitter (und instagram) möchten, dass man eingebettete tweets mit solchen javascripten versieht:


<script async src="//platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>


<script async defer src="//platform.instagram.com/en_US/embeds.js"></script>

mit dem widget.js oder embed.js scripten werden dann aus meinen html-embeds aufgehübschte twitter-tweets (oder instgram embeds):

html vs. javascript tweet embed
html vs. javascript instagram embed

ok, ok, das ist jetzt nicht soo ein grosser unterschied, ausser eben, dass man mit der rechten variante ein paar kilogramm extra code lädt und sich ein bisschen mehr tracken lässt.

* * *

weshalb ich das alles aufschreibe; wenn einem die native, die twitter- oder instagram-javascript-variante besser gefällt, kann man sich den jeweiligen javascript-code jetzt permanent aktivieren, so dass meine twitter- und instagram-embeds so aussehen, wie sie auch überall sonst aussehen. das hier ist der schalter:

das gleiche funktioniert für instagram embeds, wer die nativ, so wie instagram sich das vorstellt sehen möchte, kann sie sich hier ebenfalls aktivieren. die einstellung oben wird mit einem cookie permanent gespeichert, standardmässig sind die widgets (natürlich) weiterhin deaktiviert. die einstellung lässt sich auch in den einstellungen vornehmen.

mf2 geotagging mashup

felix schwenzel, , in artikel    

seit einiger zeit geotagge ich einige der fotos die hier auf wirres.net erscheinen. anfangs habe ich die geodaten, also den ort an dem das bild aufgenommen wurde, nur ausgelesen und gespeichert, wenn ich das foto per email veröffentlicht habe („moblog“), seit einiger zeit, wenn ich bilder über instagramm, bzw. ownyourgram veröffentliche, sind sie auch geogetagged. hier die liste von artikeln und bildern mit angehängten ortsdaten. dieser artikel ist auch mit ortsdaten versehen, wobei das natürlich nur so mittel-sinnvoll ist.

ausserdem habe ich, seit ich das indieweb ansatzweise verstanden habe, meine übersichts- und artikelseiten mit microformaten formatiert, dass heisst sie sind maschinenlesbar, bzw. lassen sich mit einem microformat-parser lesen. zum beispiel meine startseite, so sieht sie aus sicht eines mf2-parsers aus.

in den auslesbaren daten stecken (natürlich) auch die geodaten. also hab ich mir gedacht, wenn mein HTML meine API ist (frei nach aaron parecki), kann ich doch auch mal einen mashup machen. also hab ich mir an zwei abenden dieses script programmiert zusammengesucht: mf2-to-gmap.php es hat keine abhängigkeiten, ausser einer javascript-erweiterung für google maps, „Overlapping Marker Spiderfier for Google Maps“ von george mackerron.

das script funktioniert in etwa so:

  • zuerst werden die microformate der zielseite ausgelesen und
  • die relevanten daten in einen array geschrieben,
  • der als json-datei zwischengespeichert wird.
  • die json-daten werden von einem javascript eingelesen und
  • mit der standard-google-maps-API als markierungen auf einer karte dargestellt.

das ist alles sehr unspektakulär und eigentlich die grundübung für die google-maps-API benutzung. allerdings überlagern sich natürlich viele marker. in der übersicht sieht man ein riesiges cluster in berlin, wo ich natürlich die meisten bilder und artikel erstelle, aber auch ein riesiges cluster in schottland, wo wir in diesem sommer eine fotosafari gemacht haben.

übersichtskarte einiger meiner bilder

aber selbst wenn man die karte ganz nah ran zoomt, gibt es orte, an denen besonders viele markierungen liegen, teilweise auf exakt dem gleichen punkt. google bietet für seine maps zwar diverse cluster-funktionen an, aber die räumen das bild lediglich ein bisschen auf und lösen das problem der übereinanderliegenden markierungen nicht. mit dem „Overlapping Marker Spiderfier“ lässt sich das problem aber lösen:

das vorläufige ergebnis sieht so aus: eine karte aller geogetaggten bilder seit ca. 24 monaten oder eine karte aller geogetaggten artikel die auf der startseite gelistet sind.

besonders praktisch ist aber, dass die microformate nicht nur die geo-daten leicht auslesbar machen, sondern auch die inhalte. so kann ich direkt auf der karte auch gleich die bilder, mitsamt den anmerkungen anzeigen:

artikel in der karte anzeigen

natürlich funktioniert das ganze auch bei anderen seiten die ihre daten mit microformaten markieren und auslesbar machen, zum beispiel mit einer karte von aaron pareckis reise-seite.

ausser meiner seite und der von aaron parecki habe ich allerdings keine seite mit eingebetteten mf2 geodaten gefunden. falls es noch andere gibt, über http://wirres.net/widgets/geo/?url=[hier url eingeben] könnte man die daten dann visualisieren.

sind adblock-benutzer „pack“?

felix schwenzel, , in artikel    

adblocker symbolbild

ich finde es völlig OK benutzer von adblockern auf werbefinanzierten seiten auszuschliessen. zumindest ist das blockieren von adblockern folgerichtig, wenn man sich als autor oder inhalte-produzent von adblock-nutzern „beklaut“ fühlt. so wie stephan goldmann:

Das Miese an Adblockern ist aus meiner Sicht, dass sie dem Leser erlauben, dass er meine Dienste (Inhalte) in Anspruch nimmt, ohne mir dabei eine Finanzierung dieser Inhalte zu ermöglichen.

Kurz: Alles nehmen, nichts da lassen – eine solche Haltung bezeichnete Kollege Jan Gleitsmann wiederholt als asozial.

ich finde es eine faire lösung technische massnahmen zu treffen um inhaltsbetrachtung nur gegen das annehmen von trackern und werbung zu ermöglichen.

die folge davon ist dann genau die, die sich die seitenbetreiber wünschen: leute die keine werbung sehen möchten, besuchen die seite dann nicht mehr. laut einer untersuchung von goldmedia verlässt die mehrheit der adblock-nutzer abblock-geblockte seiten wieder (via).

jetzt könnten eigentlich alle zufrieden sein. ausser stephan goldmann vielleicht, der es dann vielleicht auch wieder „mies“ findet, dass plötzlich weniger leute seine dienste in anspruch nehmen und es ihm damit schwer machen, seine inhalte zu finanzieren.

nochmal stephan goldmann:

Finden Sie es richtig, eine Leistung in Anspruch zu nehmen, ohne dem Dienstleister etwas dazulassen?

keine scherzfrage: hat schonmal jemand darüber nachgedacht, für aufmerksamkeit zu bezahlen? die werbetreibenden machen das. sie zahlen viel geld dafür, um an aufmerksamkeit zu kommen, sie kennen den wert von aufmerksamkeit. bisher zahlen sie eher aufmerksamkeitserreger, als aufmerksamkeitsgeber. aber aufmerksamkeit zu geben, sich zeit und konzentration aus dem alltag abzuzwacken, um sie jemandem zu geben, ist doch auch eine leistung die medienschaffende in anspruch nehmen. ok, ok, sie geben dafür etwas: unterhaltung, oder, wie constantin seibt das nennt: komprimierte zeit:

Das Konzept von komprimierter Zeit ist auch das der Grund, warum Leute gern lesen: Sie machen ein blendendes Geschäft. In einer Minute haben sie eine Stunde fremde Denkarbeit oder mehr gewonnen.

zugegeben: die aufmerksamkeit der leser/nutzer wird also in einigen fällen grosszügig kompensiert, durch komprimierte zeit oder unterhaltung, für deren erstellung der hersteller entlohnt werden möchten, zum beispiel per aufmerksamkeitsabzwackung durch werbung.

also ein fairer deal?

james williams findet das nicht. er warnt in einem etwas abenteuerlichen artikel davor, die systematische ausrichtung von vielen webseiten auf werbung und aufmerksamkeitserregung als gegeben hinzunehmen.

Think about the websites, apps, or communications platforms you use most. What behavioral metric do you think they’re trying to maximize in their design of your attentional environment? I mean, what do you think is actually on the dashboards in their weekly product design meetings?

Whatever metric you think they’re nudging you toward—how do you know? Wouldn’t you like to know? Why shouldn’t you know? Isn’t there an entire realm of transparency and corporate responsibility going undemanded here?

I’ll give you a hint, though: it’s probably not any of the goals you have for yourself. Your goals are things like “spend more time with the kids,” “learn to play the zither,” “lose twenty pounds by summer,” “finish my degree,” etc. Your time is scarce, and you know it.

Your technologies, on the other hand, are trying to maximize goals like “Time on Site,” “Number of Video Views,” “Number of Pageviews,” and so on. Hence clickbait, hence auto-playing videos, hence avalanches of notifications. Your time is scarce, and your technologies know it.

But these design goals are petty and perverse. They don’t recognize our humanity because they don’t bother to ask about it in the first place. In fact, these goals often clash with the mission statements and marketing claims that technology companies craft for themselves.

gerade die ziele der grossen webseiten und plattformen richten sich im kern nicht nach menschlichen bedürfnissen, sondern nach der logik der aufmerksamkeitsvermarktung. james williams sieht werbung nicht als ornament oder übergestülpte monetarisierungsform, sondern als treibende und manipulative kraft hinter den inhalten. abenteuerlich bis gewöhnungsbedürftig ist sein begriff der aufmerksamkeitsfreiheit (freedom of attention), den man sicherlich noch bekloppter als attentionale selbstbestimmung übersetzen könnte. seine schlussfolgerung lautet, dass man sich nicht nur fragen sollte, ob es in ordnung sei werbung zu blockieren, sondern ob es nicht auch eine moralische pflicht sei.

Given all this, the question should not be whether ad blocking is ethical, but whether it is a moral obligation. The burden of proof falls squarely on advertising to justify its intrusions into users’ attentional spaces—not on users to justify exercising their freedom of attention.

ganz so absurd wie sich james williams these denkaufforderung auf den ersten blick anhört, ist sie aber vielleicht doch nicht. gerade die grossen plattformen tun wirklich alles um ihre benutzer solange wie möglich auf der plattform zu halten. vordergründig, indem sie menschliche bedürfnisse, vor allem das nach kommunikation und austausch mit freunden und bekannten ermöglichen. im hintergrund und als gestaltungs-maxime der plattformen gilt aber die steuerung, maximierung und ausbeutung der aufmerksamkeit.

aber auch die grossen plattformen bieten, wie kleinere werbefinanzierte inhalteproduzenten, einen deal an: unterhaltung, optimierte kommunikation über die ganze welt, bewegte bilder, emotionen und emoticons oder „komprimierte zeit“ gegen aufmerksamkeit.

ob der deal wirklich so gut ist, ob wir einen angemessenen preis für unsere aufmerksamkeit zurückbekommen, darüber sollten wir alle mal nachdenken. ich glaube ja, aber ich irre mich gerne.

* * *

nochmal zurück zu stephan goldmann, der behauptet, adblock-benutzer würden „Alles nehmen, nichts da lassen“. ist das wirklich so? erstmal lassen goldmanns leser, egal ob mit oder ohne adblocker, zeit zurück. viel zeit. manche hinterlassen auch kommentare, anregungen, fragen, wofür sie nicht bezahlt werden, aber goldmann als seitenbeschreiber und -betreiber sich auch nichts kaufen kann. aber was ist, wenn ein adblock-benutzer eine seite von stephan goldmann seinen freunden und bekannten empfiehlt? per email oder auf einer (social media) plattform? oder per link in einem blog, wie hier. was ist mit google, das die webseite indexiert und in seinen suchergebnissen auflistet ohne den seitenbetreiber dafür zur kasse zu bitten? was ist mit den lesern, die zwar anzeigen und tracker blocken, aber goldmanns vg-wort-pixel durchlassen? nicht nur seinen vg-wort-zähler inkrementieren adblock-nutzer, sie tauchen auch in der benutzerzählung auf, mit der es unter umständen einfacher wird, neue werbekunden zu akquirieren. selbst „asoziale“ adblock-nutzer hinterlassen also durchaus etwas.

es ist übrigens auch bei journalisten gang und gäbe, zu nehmen ohne dafür eine gegenleistung zu geben. in interviews mit fachleuten wird deren wissen und expertise abgesaugt, ein bisschen aufbereitet und dann monetarisiert. journalisten nehmen alles, lassen dem interviewpartner aber nie etwas da, ausser ein paar krümelchen aufmerksamkeit, von dem sich ein interviewter aber ebenfalls nichts kaufen kann.

ich will hier natürlich nicht vorschlagen, dass interviews bezahlt werden müssten, es ist nur faszinierend zu beobachten, wie journalisten pampig werden, wenn sie sich mit aufmerksamkeit abspeisen lassen sollen und ihre anzeigen geblockt werden, bei anderen aber darauf bestehen, sich doch bitte aus gründen™ mit ein bisschen aufmerksamkeit zufrieden zu geben. ich will auch nicht behaupten, dass anzeigen-blockierung eine moralische verpflichtung sei, aber genauso wenig kann ich eine moralische verpflichtung sehen, sich den scheiss anzugucken.

wenn man seine texte und bilder schützt, kann man interessierten regeln vorschreiben: einen kaufpreis, abogebühren, werbung, eine bestimmte körperhaltung beim lesen, whatever. wenn man sein werk aber frei zugänglich und maschinenlesbar in die öffentlichkeit stellt, sollte man damit leben können, dass die leute es ignorieren, blockieren, lesen wie und wo sie es lesen möchten, es teilen, kommentieren, es nach belieben umformatieren, indexieren, durchsuchbar machen, verlinken oder es gar ausdrucken und abheften.

waldorf und statler thomas stadler weist übrigens nochmal darauf hin, dass die diskussion für oder gegen werbeausblendung rechtlich völlig unerhebich ist. niemand kann per gesetz dazu gezwungen werden sich frei zugängliche webseiten nur mit einer bestimmten technischen konfiguration anzusehen. wem das nicht passt, kann ebenfalls nicht daran gehindert werden technische (oder absurde juristische) gegenmassnahmen einzuleiten, wenn er das für richtig hält.

worauf ich aber unbedingt noch hinweisen wollte: das geben und nehmen im netz, wie in der welt, ist etwas komplexer als „etwas da lassen“, indem man sich werbung ansieht. das erzeugen und lenken von aufmerksamkeit ist tief in unserer gesellschaft verankert und werbung reitet da lediglich parasitär mit. wie weit wir diesem aufmerksamkeitsparasiten gestaltungshoheit über die welt geben wollen, sollten wir uns eventuell öfter fragen.

und: wer den charakter von menschen danach beurteilt, ob sie bereit sind sich werbung anzusehen, dürfte noch ganz andere probleme als die finanzierung seiner webseite haben.

* * *

ich benutze keinen adblocker. bis vor ein paar monaten habe ich ghostery benutzt (artikel dazu von vor zwei jahren), das tracker deaktiviert und damit auch diverse werbeformate ausblendet, vor allem die, die von dritten ausgeliefert werden. für recherchezwecke und aus neugier, habe ich den blocker seit ein paar wochen deaktiviert — und sehe nun mehr von allem — und bin gleichzeitig besser sichtbar. hier auf wirres.net blende ich gelegentlich auch werbung ein, die ich als wenig störend empfinde, aber deren blockierung mir auch ziemlich egal ist. ich biete meinen lesern bereits seit 10 jahren die möglichkeit, diese gelegentlich eingeblendete werbung dauerhaft auszublenden. ich finde das ausblenden auch nicht „asozial“, sondern freue mich über jeden der mir oder meinen texten aufmerksamkeit schenkt.

* andreasvongunten.com: Die bardgeldlose Gesellschaft und ihr totalitäres Potenzial

ich glaube auch, wie andreas von gunten, dass es keine gute idee ist, das bargeld abzuschaffen.

bargeld

aber … andreas von gunten sagt:

In einer bargeldlosen Gesellschaft mit staatlicher digitaler Währung wäre es jederzeit möglich – per Knopfdruck quasi – einem Bürger oder einer Bürgerin das Bezahlen zu verunmöglichen, oder die Geldmittel zu konfiszieren.

so wie ich das verstehe, ist das jetzt schon sehr einfach möglich jedem per knopfdruck das bezahlen zu „verunmöglichen“. ausser man hat ein paar tausend euro bargeld irgendwo unauffindbar versteckt, ist man mit der pfändung seines kontos im prinzip zahlungsunfähig. oder andersrum, jedem dem in deutschland die teilnahme an bargeldlosen zahlungsverfahren verweigert wird, jedem dem ein girokonto verweigert wird, ist ein normales leben so gut wie unmöglich. gehälter werden in deutschland schon lange nur noch in absoluten ausnahmefällen in bar ausgezahlt, mieten nimmt kaum noch ein vermieter in bar an. im netz, in das sich unser leben mehr und mehr verlagert, funktioniert bargeld auch eher schlecht.

ich glaube, wir haben uns in der westlichen welt schon sehr, sehr weit vom bargeld entfernt — weiter als andreas von gunten es offensichtlich wahr haben will. ich weiss zwar, dass es auch andere möglichkeiten gibt an bargeld zu kommen, ausser es am geldautomaten zu kaufen, aber soweit ich das verstehe ist es zum beispiel bereits heute (in deutschland) so, dass man grössere mengen bargeld kaum unbemerkt durch die gegend schleppen kann, geschweige denn über landesgrenzen bringen kann. es ist bereits heute so, dass jede versicherung, jede bank, aber auch rechtanwälte, notare oder wirtschaftprüfer die hohe bargeldeinzahlungen entgegennehmen, eine verdachtsanzeige wegen geldwäsche aufgeben müssen.

[W]enn finanzielle Transaktionen nur noch innerhalb eines digitalen und überwachten Systems stattfinden können, ist eine elementare Grundlage für eine totalitäre Gesellschaft gelegt.

so argumentieren übrigens auch die befürworter des zweiten zusatz zur US-verfassung. wenn den bürger das recht genommen wird waffen zu tragen, wie sollen sie sich dann gegen eine totalitäre regierung wehren?

unser wohlergehen ist, ob wir das wollen oder nicht, sehr eng mit staatlichem handeln verknüpft. im laufe der letzten jahrhunderte haben wir unzählige freiheitsrechte an den staat abgetreten, in der (berechtigten) hoffnung, dass sie dort besser aufgehoben sind und zu mehr gerechtigkeit führen. streitigkeiten können wir nicht mehr mit gewalt oder nach stärke oder gutdünkten beenden, wir können nicht einfach entscheiden unsere kinder nicht zur schule zu schicken, wir müssen unser gesamtes einkommen dem staat offenlegen und einen erheblichen teil davon abegeben. wir können noch nichtmal einfach so ein haus bauen oder einen baum pflazen ohne die entsprechenden genehmigungen dafür einzuholen. selbst die heizung muss jedes jahr einmal von einem staatlich geprüften schornsteinfeger geprüft werden, der für diesen zweck, staatlich legitimiert, unsere wohnung betreten darf.

andreas von gunten macht wikileaks, bzw. die wikileaks „banking-blockade“, zum kronzeugen für seine these, dass ohne bargeld alle freiheit den bach runtergeht:

Die US-Behörden haben sofort mit massivem Druck reagiert und haben innert weniger Tage erreicht, dass die Geldflüsse von und zu Wikileaks unterbrochen wurden. Paypal, Visa, Mastercard und in der Schweiz die Postfinance haben damals kurzerhand entschieden, keine Zahlungen mehr an Wikileaks anzunehmen oder haben zum Teil sogar die Vermögenswerte eingefroren, ohne dass eine Verurteilung durch ein Gericht, ja nicht einmal eine formale Anklage vorhanden war. Diese Banking-Blockade, wie Wikileaks sie nennt, gibt uns einen Vorgeschmack darauf, was uns blüht, sollte das Bargeld dereinst wirklich abgeschafft bzw. verboten werden.

der witz ist allerdings, dass wikileaks auf seiner spendenseite keine bargeldzahlungen vorsieht. dort sind lediglich bargeldlose zahlungsverfahren vorgesehen.

bargeld

ich bin gerne dabei, beim freiheitskampf kampf gegen die bargeldabschaffung, wichtiger ist es meiner meinung nach aber sich für den due process, für die rechtstaatlichkeit beim einfrieren von vermögenswerten einzusetzen. dass wir uns dafür einsetzen, dass bei der verbrechensbekämpfung nicht alle rechtstaatlichen grundsätze über bord geworfen werden, nur weil es „organisiertes verbrechen“ oder „terrorismus“ gibt. auch wenn es kaum noch jemand glaubt, der staat sind nicht „die da oben“, sondern wir alle. wir müssen und können der angstmache der rechten law-und-order-fraktionen etwas entgegensetzen, aber bitte keine angstmache, auch wenn sie dem guten zweck dient.

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ich habe vor einer weile geschrieben, dass bargeld nervt, womit ich mich möglicherweise indirekt als bargeld-abschaffungs-„Befürworter aus der Tech-Szene“ qualifiziere. ich würde mir die hose in dieser form allerdings nicht anziehen wollen.

(bildquelle: friedrich.kromberg potograpo: w.j.pilsak [GFDL, CC-BY-SA-3.0])

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hier geht’s weiter …