martensteins verdauung

felix schwenzel,    

über stefan niggemeiers vg-wort-tirade bin ich mal wieder auf ein martenstein-video gestossen. früher hat martenstein das ja regelmässig auf watch-berlin gemacht. da sass er immer in der küche und erzählte irgendwas. das war manchmal witzig, manchmal nicht, aber ich habe es mir regelmässig angesehen. jetzt sitzt er im treppenhaus:

youtube-video

direkt youtube-link

damals, zu watch-berlin-zeiten, habe ich auch ein buch mit gesammelten kolumnen von ihm gelesen, an das ich mich etwas besser als seine videos erinnere. ich fand das buch irre witzig und toll. ich fand eine von martensteins kolumnen sogar vor etwa einem monat witzig. damals schrieb ich:

wenn martenstein nicht über politik und korrektheit schreibt, sondern aus seinem badezimmer berichtet, ist er richtig witzig.

wenn man ihn über politik reden hört, eben über etwas dem nachdenklichkeit, abstraktionsvermögen und distanz gut täten, dann wirds für martenstein eng. er behauptet zwar in dem wir-geben-8-video, dass er für die arbeit seinen kopf benutze (er sagt, sein „werkzeug“ befinde sich im wesentlichen „hier“ und zeigt auf seinen kopf). wer etwas über die funktionalität von menschen weiss, dass auch automechaniker ohne ihren kopf keine autos reparieren können. martensteins wesentliches werkzeug ist auch für 99,9 prozent aller anderen menschen essenziell.

aber ohne jedes haarespalten merkt man (zum beispiel wenn man sich das video ansieht oder einige seiner jüngsten kolumnen durchliest oder stefan niggemeiers reaktionen darauf, hier oder hier), dass das was martenstein für sich reklamiert, über dinge intensiv nachzudenken, eben nicht seine stärke ist.

ich glaube martensteins stärke ist das verdauen des alltags. seine kolumen und reportagen sind dann (meistens) grossartig, wenn er sich auf das beobachten und leichte verdrehen des gesehenen konzentriert. so betrachtet, hätte er in dem video nicht auf seinen kopf zeigen sollen, sondern auf seinen verdauungstrakt.