jens weinreich über die durch eine bürgerbefragung abgelehnte bewerbung von münchen für die olympischen winterspiele 2022:
Sport als Opium für aufgeklärte Bürger? Die Droge wirkt nicht mehr flächendeckend. Es ist ein Unterschied, ob man Fernsehsport konsumiert, Weltcup-Wettbewerbe ausrichtet, wie es Schönau am Königssee (Bob und Rodeln), Inzell (Eisschnelllauf), Ruhpolding (Biathlon) und Garmisch-Partenkirchen (Ski Alpin) im kommenden Winter selbstverständlich wieder tun, oder ob man sich auf ein viele Milliarden Euro verschlingendes Abenteuer einlässt.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat seinen in die Kritik geratenen Internet-Werbespot gegen den Einsatz von Glyphosat auf deutschen Äckern aus dem Netz entfernt. In einer Pressemitteilung begründet der Umweltverband den außergewöhnlichen Rückzieher damit, dass der 45-sekündige Film "seine Funktion offenbar nicht erfüllte".
bis auf die tatsache, dass der spot nicht funktioniert, meint der BUND, stimmt alles am spot. das wiederum finden nicht alle. /turi2.de
ich bin dafür die hysteriewellen die von spacken initiert werden und von ignoranten hirnlos durch das internet weitergetragen werden künftig nicht mehr shitstorms zu nennen sondern als das was sie sind: uninformierte hysteriewellen. oder wie mats schönauer das sagt:
Um es gar nicht so weit kommen zu lassen, täten Journalisten, Politiker, Kirchenvertreter und Leser also gut daran, sich bei solchen Debatten in Zukunft gründlich zu informieren -- und vielleicht einfach mal ein bisschen entspannt zu bleiben.
entspannt. bleiben. ist. nicht. schwer. ernsthaft. das abendland geht nicht so schnell unter wie einem das rechte spacken immer wieder weis zu machen versuchen.
Liest man die Argumente der Flughafen-Anwälte kommen Zweifel auf, ob der neue BER überhaupt gebraucht wird. Tatsächlich sei der Flughafen Tegel „vollständig funktionsfähig und einschränkungslos in der Lage, den für BER geplanten Flugbetrieb im Rahmen des Berliner Flughafensystems abzuwickeln“, heißt es dort. Und an anderer Stelle steht zu lesen: „Der Flugbetrieb der Klägerin erfährt auch keine Einschränkungen durch angeblich nicht durchführbare Flüge in den Tagesrandzeiten“.
ich finde das sehr grossartig, dass die anwälte des neuen flughafen zur verteidigung von bauverzögerungen, den sinn des gesamtprojekts in frage stellen.
haha. das ist gut: vor ein paar wochen hat die neue chefredakteurin der bild am sonntag marion horn angekündigt, dass deutschland ein bisschen tea party guttun würde und jetzt fängt sie an panik vor sozialismus und staatsbankrott zu verbreiten. fehlt jetzt eigentlich nur noch, dass sie in ihrem nächsten kommentar die geburtsurkunde von merkel zu sehen verlangt.
ich weiss nicht, ob das eine gute idee ist, bei öffentlichen äusserungen so zu tun, als habe man den intelligenzquotienten von sarah palin.
david baum fügte hier noch die frage an: „Ob man an klaren Tagen vom Springerhochhaus Russland sehen kann?“
Moral outrage is fine. But moral panic is dangerous. And when vigilance warps into vigilantism, it increases the dangers for a group of people already on the margins of mainstream society. We should be making far more effort to include people with learning difficulties in our lives. Instead, all too often they are being abused, damned, excluded and, in the very worst cases, lynched for being different.
Gegen dieses Geflecht, das innerhalb Europas und in Absprache mit unseren eigenen Regierungen agiert wird uns keine europäische Datenschutzreform, kein gekündigtes Save Harbour, kein Deutschlandrouting und kein mit wie vielen Milliarden auch immer gefördertes Suchmaschinenprojekt schützen. Der Feind ist nicht die NSA, der Feind liegt mit im Bett und lacht sich scheckig darüber, wie wir planen, uns mit ihm zusammen einzumauern.
Schirrmacher, Yogeshwar und viele andere Old-Media-Guys können fröhlich in ihre “amerikanische Internetdienste sind der Teufel"-Tröte blasen, die ihnen ja seit jeher ein Dorn im Auge sind. Rene Obermann kann neue Gewinne einstreichen, weil er den Technik-Nichtauskennern neue Pseudosicherheit verkaufen kann und wir Nutzer werden vielleicht sogar gezwungen sein, Telekomdienste zu nutzen, weil andere nur noch schlecht erreichbar oder sogar verboten sind. Willkommen im voll datengeschützten Schlandnet!
was für ein dreck. wenn man sich einen film im itunes store ausleiht, kann man den erst per airplay aufs apple tv beamen, wenn er komplett geladen ist. DRM ist in der tat das beste argument für befreite downloads mit lizenzverstössen.
der film den ausgeliehen habe, war übrigens eine insel namens udo. leider kann ich für den film nur 2 von 5 sternen geben. immer wenn ich deutsche filme sehe, wundere ich mich über die holzhammer-methoden der deutschen regisseure, also die völlige abwesenheit von subtilität. auf dem titelbild des films sieht man kurt krömer (als udo) mit einem hemd, das das gleiche muster wie die tapete hinter ihm hat. im film darf krömer, als er in einer szene mit diesem hemd vor der tapete steht nicht darauf verzichten, gestenreich darauf hinzuweisen, dass das so ist.
ausserdem leiden deutsche schauspieler bedauerlicherweise an der irrigen annahme, dass schauspielkunst sichtbar sein muss. das man ein besserer schauspieler ist, wenn jeder bemerkt wie gut man spielt. sowohl die dialoge an sich, aber auch das spiel drumherrum, sind unersträglich artifiziell. fast immer. ausser wenn krömer hin und wieder mal krömeresque sein darf.
was mich auch fertiggemacht hat, waren die wilden und sinnlosen schnitte mit denen der film aneinandergeklebt wurde. in manchen szenen wechselten die spielorte fünf bis sechsmal, aus keinerlei ersichtlichen gründen.
bei zwei oder drei szenen habe ich mich tatsächlich weggeschmissen vor lachen, was darauf hindeutet, dass der film ein gutes fundament hatte. aber die ausführung war leider grottig.
ich hab mich immer gefragt, wer ausser elizabeth teissier das wort „erotik“ ernsthaft benutzt. jetzt weiss ich es: christoph keese:
Erotik gibt es nicht in House of Cards, nur abstoßenden Instant-Sex machtgieriger Menschen, die sich gegenseitig für ihr Fortkommen benutzen.
und natürlich hat keese auch sonst unrecht. natürlich bietet house of cards nicht den pathos von the west wing. und vor allem schafft house of cards in einer staffel nicht das an charakterentwicklung, was breaking bad über fast 5 ½ geschafft hat. und dann moniert keese auch noch, dass ihm in house of cards folgendes fehlen würde:
Gute Menschen, die an den Umständen scheitern und zu schlechtem Verhalten gezwungen werden, oft ohne sich dessen bewusst zu sein oder - noch interessanter - in ständiger, aber aussichtsloser Auflehnung gegen die Schwerkraft der Verhältnisse zu leben.
dabei geht es gerade (auch) darum. peter russo ist der prototyp des guten menschen in politiker-haut, der von den verhältnissen und frank underwood zu schlechtem verhalten gezwungen wird. ich vermute, keese hat tatsächlich, wie er es allen anderen empfiehlt, nach der vierten folge aufgehört die serie zu gucken.
His real crime, as often is the case, is not that he leaked secrets. Government employees do that all the time, with impunity. His crime is that he subverted hierarchy. He's a lowly person. A mere sysadmin. How dare he challenge the great people who run this country.
darf ich ihnen erklären, warum sie nie für eine andere zeitung als die bild zeitung schreiben werden.
sie schreiben nie für eine andere zeitung, weil wir zur schule gegangen sind. bildung hat uns vom blinden vertrauen in obrigkeit befreit.
ja, vielleicht sind sie der gossen-goethe des boulevards, der hampelmann von diekmann und döpfner.
ich entscheide mich immer für das genaue hinsehen. wahrheit ist immer ein kompromiss.
zweifel ist mir lieber als glauben. menschen, die glauben im besitz der wahrheit zu sein, machen die welt zur hölle.
wie schön wäre es, wenn der kolumnist die zweifel die ihn plagen, nicht mehr hinter einer mauer aus ideologie und untertänigkeit verstecken müsste. dann könnte er auch für andere schreiben.
herzlichst,
ihr felix schwenzel
jetzt können Sie felix schwenzel auch eine e-mail schreiben: ix@wirres.net p.s.: sind sie bei facebook? werden sie fan von felix schwenzel!
die oberschenkellücke über die in letzter zeitso viel in meinen timelines geredet wurde, hat im übrigen zum zerwürfnis zwischen luis buñuel und salvador dalí geführt:
We all had a drink together that evening, and the French party decided to walk us back to Dali's house. Gala was walking next to me, and on our way we talked of various trivial things. At one point, I found myself saying that what repelled me more than anything else in the female anatomy was when a woman had a large space between her thighs. The next day we all went swimming, and, to my embarrassment, I saw that Gala had just this unfortunate physical attribute.
actio et reactio: ein paar leute bei google sind ziemlich sauer, dass die NSA sich in die google-interne kommunikation eingehackt hat. das ist gut. aber mike masnick merkt an, dass das allein nicht reicht:
Hopefully, we'll start to see that employee anger over this turn into much more: including better privacy tools for users and using Google's political pull to fight the NSA in DC as well.
oliver gehrs schreibt über den spiegel, was ich auch manchmal schreibe. gehrs:
Es hat erst des dramatischen Sturzes der Auflage bedurft und Matusseks entlarvenden Auftritt bei Kurt Krömer, um zu erkennen, dass Egomanen wie Matussek geschäftsschädigend sind - vor allem in einer Zeit, in der Journalisten durch die Konkurrenz wohlinformierter Blogs eine gewisse Demut zeigen sollten.
vielleicht ist das unerträglichste am spiegel der ständige versuch zu suggerieren, dass die autoren immer dabei waren, hautnah und meistens im kopf der protagonisten. statt authentizitäts-simulation wäre mir etwas distanz, von mir aus auch sarkastische oder überhebliche distanz lieber.
oder - aber das wäre wohl wirklich zu viel verlangt - wie wärs mal mit ein bisschen demut, von mir aus auch nur als attitüde?
Yasmina Banaszczuk ist aus der SPD ausgetreten, weil Sigmar Gabriel in einem stern-Gespräch Netzaktivistinnen die Kenntnis wahrer Lebensrealitäten absprach.
... und zeigt ein video, in dem sigmar gabriel ziemlich bräsig erklärt, dass die arschlöcher im internet alle keine ahnung haben.
sebastian reichel hat 5 bitten an junge politiktalente (kompromissfähigkeit, kooperationsfähigkeit, geduld, zielstrebigkeit, aufrichtigkeit)
da ich teilnehmer am amazon affiliate-programm bin, bekomme ich hin und wieder post von amazon, in der ich auf partnernetz-aktionen hingeweisen werde. vor einer weile bekam ich eine mail, in der mir eine relativ gute vergütung für partnerlinks zu neuen kindle-modellen angeboten wurde. amazon partnerlinks funktionieren, soweit ich das verstanden habe, wie folgt: man linkt auf ein produkt bei amazon.de und hängt seine partner-id an den link. amazon generiert einem, wenn man möchte, auch solche links, damit man hinterher genau auswerten kann, welche „kampagnen“ oder welche links die meisten verkäufe generiert haben.
diese links generieren einnahmen, wenn sie jemand klickt und auf amazon.de etwas kauft. das funktioniert 24 stunden lang oder solange, bis derjenige der den werbelink geklickt hat, einen anderen werbelink mit amazon-partner-id geklickt hat. dann bekommt der zuletzt geklickte partner die einnahmen. der letzte link, oder wie der profi das sagt, der letzte cookie, zählt. wichtig ist: für den käufer ist der artikel gleich teuer — egal ob über einen partnerlink gekauft wird oder ob man einfach so auf die amazon-seite geht. amazon knappst die werbeprämie, die bei ungefähr 5 prozent liegt (variert je nach produkt oder umsatz den man generiert), vom eignen umsatz ab.
ich habe früher hin und wieder solche einen partnerlinks in blogartikeln benutzt, nur war mir das irgendwann zu doof, links in blogartikeln zu haben, die einen vor- oder nachgestellten [werbelink]-hinweis haben. vor zwei monaten habe ich das zum ersten mal seit jahren wieder gemacht, weil ich mir dachte, dass das produkt über ich schreibe von vielen leuten gesucht werden wird und so einige besucher von google anspülen wird. meine rechnung ging auf, seit zwei monaten klicken und kaufen regelmässig leute sachen über den amazon-link in dem artikel. zuletzt wurde über diesen link sogar ein blauer, im dunkeln leuchtender und battereiebetriebener butt-plug gekauft.
nachdem ich die mach-doch-mal-werbung-für-den-kindle-mail von amazon bekommen habe, sah ich in meinen timelines auf twitter und facebook plötzlich lauter werbetreibende. an vorderster front — natürlich — nico lumma, gleich mit zwei reklametweets (eins und zwei):
konstantin winkler, der als moderator bei @SPORT1fm und social media manager arbeitet war auf seinem „privaten account“ auch fleissig (eins und zwei), nilz hitze, dirk olbertz, jens blond, alle warben für den kindle ohne einen hinweis, dass ihre tweets werbung sind und sie bei einem kauf eine finanzielle vergütung bekommen würden. dass es auch anders geht zeigte markus angermeier (@kosmar):
auch auf seiner webseite weist markus angermeier darauf hin, dass er an affiliate programmen teilnimmt:
Einige Links führen zu Amazon, iTunes oder anderen Händlern oder Dienstleistern. Dabei handelt es sich zum Teil um sogenannte Affiliate-Links. Dies bedeutet, dass mir ein geringer Teil Ihres eventuellen Einkaufswertes als Provision gutgeschrieben wird. Ich erfahre dabei auch teilweise welche Artikel gekauft wurden, jedoch nicht von wem.
das macht allerdings auch nico lumma, sowohl in seinem impressum als auch mit einem widget von seinem affiliate-dienstleister yieldkit, dass eine offenlegungsseite für seine programm-teilnehmen bereitstellt.
na und? wenn mir leute denen ich auf twitter oder facebook folge oder die ich persönlich kenne werbung vor den latz knallen, ohne dazu zu sagen, dass sie werbung betreiben dann fühl ich mich verarscht. das reicht dann manchmal schon, um einen blogartikel zu schreiben.
bevor ich diesen artikel schrieb, habe ich auf facebook gefragt, warum manche blogger oder twitterer hin und wieder amazon-links mit ihrer partner-id veröffentlichen, ohne diese als werbung zu kennzeichnen. der grundtenor der antworten war, wie ich vermutet habe, vor allem faulheit: „och, zu umständlich“ oder „stimmt, die zu kennzeichnen wäre besser“. jörg kantel hat meine frage gleich zum anlass genommen das für künftige links zu ändern. viele wiesen darauf hin dass sie in der regel kennzeichnen und anne schüßler schrieb: „Manchmal kennzeichne ich, manchmal nicht. Wenn nicht, dann aus reiner Faulheit […].“ eine „nicht bloggende Amazonkundin“ gab zu, dass sie den funktionsmechanismus gar nicht kennt und nicht wusste, dass, wenn man beispielsweise einen buchlink zu amazon gelangt, auch andere einkäufe bei amazon (auch von drittanbietern) dem ursprünglichen partner zugute kommen.
einigen war die kennzeichnung dieser werbelinks schnuppe, weil sie den amazonkunden ja nichts kosten würden oder weil das doch eh jeder wisse, dass viele blogger solche links verwenden um ein kleines zubrot zu verdienen. oder mario sixtus, der schrieb:
Wenn ein Blogger seinen Lesern ein Buch empfiehlt oder Musik, oder ein technisches Schnickschnack-Dings, dann gehe ich davon aus, dass er das tut, weil er dieses Buch, Musik, Schnickschnack toll findet. Wenn er dann auf Amazon linkt, wo ich das Dings bestellen kann, dann ist es mir egal, ob der Blogger daran etwas verdient oder nicht.
das funktioniert sicherlich bei vielen blogs die man im laufe der zeit kennengelernt hat und zu deren autoren man ein gewisses vertrauen aufgebaut hat. so bin ich mir beispielsweise sehr, sehr sicher, dass anke gröner wirklich nur bücher verlinkt und empfiehlt, die sie toll findet (anke gröner benutzt manchmal eine partner-id, kennzeichnet diese aber nicht gesondert), genau wie isabel bogdan (linkt zu amazon, aber soweit ich sehe ohne partner-id). maximilian buddenbohm kennzeichnet seine amazon-partner-links nicht, verlinkt aber eh nur seine eigenen bücher in der seitenleiste und benutzt die partner-id „nicht mehr“ in artikeln. seine eigenen bücher verlinkt auch thilo baum, der mir erstmals während einer wortmeldung auf der republica auffiel, in der er darauf hinwies wie wichtig es für blogger sei, sich an die vorschriften des telemediengesetzes zu halten. auf eine kennzeichnung von amazon-partnerlinks als werbung verzichtet er aber aus nicht ersichtlichen gründen. vielleicht steht dazu nichts im telemediengesetz. christoph koch passt bücher-links in den gastbeiträgen der „mein medien-menü“-kategorie an, damit sie seine amazon partner-id tragen. die links selbst kennzeichnet er nicht, aber in seinem impressum steht ein hinweis auf die teilnahme am amazon partner-programm.
witzigerweise ist genau das eine der vorraussetzungen für die teilnahme am amazon-partnerprogram: amazon verlangt von teilnehmern an seinem partnerprogramm, dass sie auf ihrer webseite „deutlich lesbar“ folgendes angeben „müssen“:
„[Bitte fügen Sie hier Ihren Namen ein] ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Websites konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu [bitte fügen Sie hier den zutreffenden Namen der Website ein (Amazon.co.uk / Javari.co.uk / Local.Amazon.co.uk / Amazon.de / Javari.de / de.BuyVIP.com / Amazon.fr / Javari.fr / Amazon.it / it.BuyVIP.com / Amazon.es / es.BuyVIP.com )] Werbekostenerstattung verdient werden kann.“
wie gesagt, einige teilnehmer an diesem partnerprogramm machen das. moeyskitchen.com, mobilegeeks.de, das upload-magazin.de. manche, wie spreeblick.de, netzwertig.com, kennzeichnen die links als werbe- oder partnerlinks, haben aber den hinweis weggelassen oder selbst formuliert. thomas knüwer legt auf gotorio zwar grossen wert darauf extra darauf hinzuweisen, dass er und seine koautoren nicht käuflich sind („Reisen, Restaurantbesuche, Shoppingtouren sind selbst bezahlt - denn wir sind nicht käuflich.“), verzichtet aber darauf, die fleissig eingesetzten affiliate-links als einnahmequelle anzugeben oder als werbung zu kennzeichnen.
ein anderes problem könnte sein, dass private blogs, die solche amazon-partnerlinks verwenden als gewerblich (und eben nicht mehr privat) angesehen werden müssen. amazon macht genau das zur voraussetzung zur teilnahme am partnerprogramm:
Aufgrund von geltenden Preisvorschriften für Bücher dürfen sich nur gewerbliche Unternehmen anmelden, um für die deutsche Amazon-Website zu werben.
das mag jetzt alles ziemlich erbsenzählerisch klingen, ist aber nicht so gemeint. von mir aus kann jeder seine twitter-account oder sein blog mit werbung vollknallen wie er oder sie es will — aber ohne einen hinweis auf die natur der sache fühlt sich das dem leser (oder follower oder facebookfreund) gegenüber ziemlich respektlos an. das formaljuristische, ob im impressum eine zauberformel aus den amazon-partnerprogramm-teilnahmebedingungen steht oder ob die datenschutzerklärung einer website der prüfung eines juristen standhält ist mir herzlich egal (meine eigene datenschutzerklärung weist grosse juristische lücken auf und die amazon partnernetz zauberformel habe ich auch erst seit einer woche im impressum). mir gehts eher um die haltung: was ich weiss, sollte der leser auch wissen.
und eigentlich ist das auch das einzige was mich an fehlender kennzeichnung von werbung stört: die mangelnde transparenz, oder genauer, dass die möglichkeit besteht, das weglassen einer nicht ganz unrelevanten information potenziell als versuchte täuschung missverstanden werden kann.
kurz gesagt: warum sollte ich als blogger etwas tun, das möglicherweise das vertrauen meiner leser in mich zerstört oder trübt? ehrlichgesagt bin ich da auch etwas überempfindlich, ich reagiere sogar auf aprilscherze empfindlich, weil ich es grundsätzlich nicht so irre lustig finde, andere zu täuschen oder zu belügen. aber das ist ein anderes thema.
markus bertling hat einen ziemlich eleganten weg formuliert, wie man amazon affiliate links per CSS ziemlich einfach und automatisch kennzeichnen kann (von mir etwas vereinfacht):
vice hat mit ein paar dealern im görlitzer park geredet. wenn man das liest, kann man danach besser differenzieren. differenzieren ist gut. /daniel bröckerhoff
ich finde michael seemanns argumente zum allergrössten teil sehr stimmig und überzeugend. ich mag ihm allerdings noch nicht in allen schlussfolgerungen folgen. ich halte seine gedanken aber für extrem wertvolle basis um über privatshäre und unseren gesellschaftlichen wandel weiter nachzudenken.
die beifahrerin über unser erstes jahr im wedding. (find ich auch deshalb lustig, weil sie ein paar einen meiner abgelegten gags verwurstet.)
solche texte zu lesen ist ein bisschen wie bei einer sehr klaren nacht in den sternenhimmel zu gucken. mich überkommen dann immer angenehme schauer der überforderung — oder genauer: das einzige was ich noch klar erkenne sind die grenzen meiner wahrnehmung und meines verstandes; unvorstellbare und unverständliche grösse und leere.
ich glaube das ist auch der grund warum mir gravity und die erste staffel battlestar galactica so gut gefallen haben: weil man die leere, die grösse und die unwirtlichkeit des alls in diesen filmen so sehr spürt.
heiko werning hat sich den MDR-tatort vom sonntag angesehen und (vorsichtig) verrissen. das ist ein grosses glück, jetzt brauch ich mir das doch nicht anzusehen. lieblingszitat:
Wer sich in den letzten Wochen beklagt hat, dass die Fälle in Münster und München sowohl von der Handlung als auch von der Inszenierung zu komplex, kompliziert, unübersichtlich waren, der kann hier beruhigt aufatmen. Man kann sich zwischendurch auch ganz in Ruhe in der Küche eine Salami-Pizza aufbacken und danach entspannt zum Fernseher zurückkehren, man wird nicht das geringste Problem haben, der Handlung zu folgen.
Aber ich erinnere mich auch noch gut an ein Interview, das ein junger Facebook-Mitarbeiter einmal gegeben hat. Er war ein Überflieger, hat richtig Karriere gemacht, sagte dann aber diesen tollen Satz: »Die besten Köpfe meiner Generation denken nur noch darüber nach, wie man Menschen dazu verleitet, auf Werbung zu klicken. Das ist doch beschissen.« Und ich finde, er hat recht.
martin ballaschk (@gedankenabfall) über einen unfassbar blöden werbefilm des BUND:
Wer sich das Video nicht ansehen will oder kann, dem sei es kurz beschrieben: Babys sind in Reih und Glied auf einem Acker eingegraben, die Sonne scheint, Vögel zwitschern. Dann nähert sich dröhnend ein Flugzeug im Tiefflug, das das Feld mit offenbar todbringenden Chemikalien besprüht. Es folgt der Schriftzug „Pestizide. Hergestellt, um zu töten. Jetzt aktiv werden. Für eine Zukunft ohne Gift.“
er differenziert:
Gründe für Pro-Contra-Abwägung einer Nutzung von Glyphosat sucht man vergebens, wir lernen nur: Glyphosat ist massiv schädigend für Mensch und Umwelt. Vermutlich sind wir alle eigentlich schon längst tot. Außerdem findet sich Verschwörungsdenken: Industrie und Behörden steckten unter einer Decke und das Zulassungsverfahren sei ungenügend. Es würde vertuscht und gemauschelt. Damit zeigt der BUND, dass er auch nicht offen für Diskussionen mit der Industrie oder Behörden ist.
Dabei unterschlägt der Verein zum Beispiel, dass Glyphosat andere, viel schädlichere Herbizide ersetzt hat. Oder dass Herbizide Bewirtschaftungsmethoden wie die Direktsaat möglich macht, bei der die Ackerkrume erhalten bleibt und nicht durch Umpflügen der Erosion durch Wind und Wetter ausgesetzt wird.
solche kampagnen sind genau der grund, warum ich im mai auf der republica meinen vortrag gehalten habe: der versuch menschen zu manipulieren und für dumm zu verkaufen, in panik oder angst oder schrecken zu versetzen um etwas vorgeblich gutes zu erreichen, unterminiert das ziel und diskreditiert den laden der soetwas macht. gutes erreicht man nicht mit den mitteln des bösen.
ich habe den BUND bisher für einen respektablen verein gehalten. aber einen verein der so manipulativ arbeitet und sich dabei auch noch so dumm anstellt, kann und will ich nicht mehr respektieren.
strassenmusiker singt den ollen bronski-beat song smalltown boy und zufällig kommt jimmy somerville mit seinem hund vorbei und singt mit. in berlin passiert.
[nachtrag: scheint abgesprochen gewesen zu sein, das video. als strenggenommen ein fake.]
ich will das auch im fernsehen haben. kluge leute die sich im grundsatz einig sind und von denen man „nicht zwei konträre Positionen, sondern etwas viel Interessanteres kennen[lernt]: zwei konträre Denkstile“.
michalis pantelouris nennt den bild-reporter paul ronzheimer einen „Reporter-Schisser“, der nicht nur schlecht sei, sondern auch noch feige — weil ronzheimer sich nicht traut mit pantelouris zu reden.
glückwunsch. fast alles falsch oder blödsinnig:
wochenenden sind nur 24 stunden lang?
300 euro für eine möblierte wohnung mit drei schlafzimmern?
alle fahren in berlin schwarz?
berliner u-bahnen sind „beautiful“?
wer, ausser vollhonks, benutzt das wort crazy um einen nachtclub zu bezeichnen? OK. joachim fuchsberger vielleicht.
mülltrennung in berlin? ach komm.
stimmt, es gibt museen auf der museumsinsel, aber wenn man schon aus der wikipedia abschreibt, dann richtig: die wikipedia spricht von 175 berliner museen und sammlungen
elektronische musik ist ein argument?
man kann in berlin überall fahrradfahren? ach komm.
alle trinken in berlin in der öffentlichkeit? in meppenheim aber auch.
berliner kindl würde ich nicht als beispiel für „besseres“ bier nehmen.
club-mate ist eine mischung aus redbull und kaffee? falscher kann es nur noch sein, nutella als mischung aus erdnussbutter und ketchup zu bezeichnen.
der flohmarkt am mauerpark bietet alles was man im leben jemals braucht? und was ist mit toastbrot?
ja. berlin ist ein einziger park. es gibt sogar ein park inn.
ja, das ist wahrlich ein grund nach berlin zu kommen, seen in denen man schwimmen kann.
wunderbare tirade von heiko werning über die bigotterie von peter hahne, dessen aussagen er folgendermassen zusammendampft:
Denn du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst - solange er nicht dein Sozialgefüge durcheinander bringt und dir nicht auf der Tasche liegt.
da ich andere leute nicht so gerne beleidige und ich mit beleidigungen besser umgehen kann, als ein christlich angehauchter fernsehfuzzi, beschimpfe ich mich jetzt ersatzweise selbst: ich bin ein bigottes arschloch.
(auf spiegel online traut sich ann-kathrin nezik nicht die sendung zu zerreissen, weil sie wahrscheinlich angst hat, man könne ihr sonst vorwerfen, sie verstünde die popkulturellen anspielungen in böhmermanns witzchen nicht.)
Keine Tierart, so erfahre ich in den Foren des Internets, zäunt Menschenweibchen ein, um sie zu melken. Wo die Empörten recht haben, haben sie recht. Die meisten lassen sich schlecht fangen, und manche klettern auch noch über'n Zaun. Aber bei kleineren Exemplaren klappt das besser. Ameisen haben sogar eine ausgesprochene Freude an der Viehhaltung. Sie umsorgen ganze Herden von Blattläusen, die sie regelmäßig melken; überflüssige Tiere töten sie. Manche Ameisen haben ihr Vieh so umgezüchtet, dass es nicht mehr laufen kann - die Beine der Läuse taugen nur noch dazu, sich auf dem Rücken ihrer Hirten festzuklammern. Die tragen sie von einer Weide zur nächsten.
Sogar der Bau von Ställen für das Vieh ist populär - wie sinnreich konstruierte Baumnester, in denen große Läuseherden auf engstem Raum gehalten werden: ein typischer Fall von Massentierhaltung. Einige errichten sogar Erdpavillons - zur Haltung von Bläulingsraupen. Faltenwespen wiederum halten und melken Buckelzirpen. Gefragt ist in der Tierwelt eine hohe Milchleistung. Spitzenergebnisse in Sachen süßer Läusemilch werden mit der Bunten Stängellaus erzielt - eine echte Hochleistungslaus
matthias dell hat ein interview mit der MDR-redakteurin maike götz geführt und dabei offensichtlich offenbar so viele kritische fragen zum kommenden MDR-tatort gestellt, dass der MDR das interview bis zum redaktionsschluss nicht freigegeben hat. das nimmt matthias dell zum anlass, über die entstehung von tatort sendungen allgemein zu schreiben — was ich ziemlich lesenswert fand. und ich fühle mich jetzt gezwungen den tatort am sonntag anzusehen und später etwas dadrüber zu schreiben.
Martin Vogel kämpft seit vielen Jahren gegen die Praxis der Verwertunggesellschaft VG Wort, pauschal einen erheblichen Teil der Tantiemen, die sie einnimmt, nicht an die Urheber der Werke auszuschütten, sondern an Verlage.
martin vogel in einem gastbeitrag bei stefan niggemeier über „Funktionäre, die unverhohlen gegen die Interessen der Urheber agieren“.
Mir ist aufgefallen, dass auch Leute, die behaupten, alles sei vorausbestimmt und wir könnten nichts ändern, sich umsehen, bevor sie über die Strasse gehen.
Prostitution ist nicht gleich Menschenhandel. Nicht nur deutsche Frauen, sondern auch Migrant_innen sind überwiegend freiwillig und selbstbestimmt in der Sexarbeit tätig. Prostituierte, egal welcher Herkunft, pauschal zu Opfern zu erklären, ist ein Akt der Diskriminierung.
Obwohl Prostitution im Volksmund als das älteste Gewerbe der Welt gilt, ist sie in den wenigsten Ländern als Arbeit anerkannt. Im Gegenteil, Sexarbeiter_innen werden in den meisten Teilen der Erde verfolgt, geächtet und von der Gesellschaft ausgeschlossen. Deshalb fordern Sexar-beiter_innen weltweit die Entkriminalisierung der Prostitution und ihre berufliche Anerkennung.
alice schwarzers appell, gegen den sich der verlinkte appell richtet, erinnert mich auf fatale weise an die sprüche des pastor solomon male, der sich nicht um den kontext und umstände von sexualität kümmert, sondern allein um die geschlechtsorgane („You are not using your penis the way you should have used it“). so konzentrieren sich schwarzer und freundinnen_e auch auf den akt, der angeblich erniedrigend und menschenunwürdig sei. /ruhrbarone.de
automatisch generierte liste (fast) aller tweets, an die ich im oktober ein sternchen gemacht habe. die meisten meiner quellen (neben meiner twitter-timeline) habe ich bei pinboard gesammelt. ein paar tweets habe ich auch über stellar gefunden. mehr lieblingstweetlisten bei anne schüßler.
jungen businesskaspern, die in wichtige telefonate vertieft sind, kneife ich ja gerne mal in die wange und sage "ja, feiiin machst du das!".