blindspot ist eine der schlechteren mittelguten fernsehserien. typische, weichgekochte NBC-network-kost, die noch den alten genre-regeln folgt und sich nicht zu schade ist, die serie mit klischees und ritual-handlungen vollzustopfen.
die serie hatte ein paar monate pause, folge 10 lief ende november 2015. in dieser staffel-pause habe ich blindspot nicht allzu sehr vermisst. ich bin eigentlich schon länger genervt von der serie (hier kurz notiert), vor allem weil die hauptrolle, jane doe, unglaublich eindimensional und flach von jaimie alexander gespielt wird. im ensemble sind ein paar klasse schauspieler, aber auch ein paar sehr, sehr üble. mir gefällt marianne jean-baptiste (bekannt aus robocop und broadchurch) sehr gut und in dieser folge hat john hodgman einen gastauftritt als arschloch.
ich mag hodgman sehr, sehr gerne, aber sein auftritt war, wie die handlung der sendung, feuchte, warme luft um die sendung aufzublasen. die drehbuchautoren haben sich zwar mühe gegeben der handlung sinn und substanz zu geben, aber leider völig vergeblich. jeder handlungsstrang muss durch ellenlange dialoge und symbolhandlungen erklärt werden, die häufig ins pathetische und helden-epos-artige abdriften.
„geh du vor und rette die passagiere, ich lenke die schwer bewaffneten terroristen derweil ab und opfere mein leben, wenns sein muss.“
„nein, ich lese das nicht vor, sterben muss ich sowieso!“
„ich weiss nicht ob ich das schaffe!“ [schafft es mit leichtigkeit und leidendem gesicht]
„ich habe gerade die flugbahn des flugzeugs im kopf berechnet. unser plan funktioniert, wenn ihr die nase des flugzeugs im letzten moment nach oben zieht … waaartet … waartet … JETZT!“
in blindspot werden manche der charaktere immerhin nicht völlig schwarz weiss gezeichnet, aber die meisten gehorchen dann eben doch einem primitiven, vorhersehbaren gut-böse-schema. ganz besonders die handlung die den roten faden der sendung bildet, erscheint von folge zu folge langweiliger. eigentlich sollte das gegenteil der fall sein, und die mysteriöse vergangenheit von jane doe die spanung auf dauer hochhalten, aber je mehr man erfährt, desto öder wird’s.
es gibt wirklich nicht mehr viel, was mich an der serie noch interessiert, deshalb vermute ich, dass das die letzte folge war, die ich mir von blindspot angesehen habe.
tim urban hat die vorbereitungen zu seinem TED-vortrag aufgezeichnet. im wahrsten sinne.
ich finde ja, im gegenteil zu tim urban, dass man vorträge durchaus auch komplett vorlesen kann,ohne dass es sich abgelesen anhört. ich zumindest, manchmal. als ich zum 75. geburtstag meines vaters eine kleine ode auf ihn vortrug — komplett abgelesen — lachten alle, denen ich hinterher sagte, dass das komplett vorgelesen war. niemand wollte mir das glauben. fürs ablesen ist natürlich auch eine gewisse textsicherheit notwendig — zumindest, wenn man so ein schlechter vorleser ist, wie ich es bin.
oder vielleicht kann man auch sagen, dass neben den groben — und sehr schlüssigen — einteilungen, die tim urban in seinem text und den zeichnungen vorgenommen hat, noch eine menge zwischentöne und alternativen möglich sind.
Noch vor wenigen Wochen schien die Lage klar. Sämtliche Polit-Profis waren sich einig, dass nur ein Wunder die Initiative verhindern könnte. Die SVP hatte die Wahlen gewonnen. Und die Gegner waren kraftlos. Die anderen Parteien waren vom Wahlkampf erschöpft. Und die Wirtschaftsverbände, die sonst für jede Abschaffung einer Stempelsteuer Millionen ausgeben, investierten keinen Rappen. Und die Umfragen zeigten 66 Prozent Ja. Alles schien gelaufen. Und dann kippte die Debatte.
Sie kippte, weil für die SVP ein völlig unerwarteter Gegner auftauchte: die Bevölkerung.
die schweiz wird mir ewig ein rätsel bleiben. aber ein schönes rätsel.
In dem Brief, um den es ging, hat Daimler gedroht, Sie auf Schadenersatz zu verklagen, wenn Sie auch nur den Eindruck erwecken, dass das Unternehmen Abgaswerte manipuliert. Ist Ihnen so etwas schon mal passiert?
Ich habe in meinen 29 Jahren bei der Deutschen Umwelthilfe viele Bedrohungen aus der Industrie erlebt. Aber so einen dreisten Versuch, einen Verband von seiner Arbeit abzuhalten, noch nie. Gedroht wird eindeutig mit der Vernichtung unseres Verbands. Denn wenn man uns dafür haftbar machen würde, dass die Mercedes-Verkaufszahlen zurückgehen oder der Aktienkurs abrutscht, geht es schnell um einen Streitwert von einigen Hundert Millionen Euro. Im Fall eines Prozesses müssten wir dafür mehr Geld zurückstellen, als der Verband schultern kann. Wir müssten Konkurs anmelden.
interessant, wie aggressiv und offenbar nervös daimler ist und wie untätig die politik zu sein scheint. (via)
da wird sich tim mälzer aber freuen, dass thomas knüwer bei ihm abbitte leistet. trotzdem werde ich ich mir das mal ansehen (link an mich selbst).
entweder war diese zweite folge einfach viel besser als die erste oder ich bin mit einer anderen, entspannteren erwartung an die sendung rangegangen. craig ferguson jedenfalls war in dieser sendung weniger entspannt. er war die ganze sendung über, als hätte er eine akute hyperaktivitäts-störung entwickelt oder sich einen liter ritalin injeziert.
und ich muss sagen, fergosons monolog am anfang war bereits so grandios, dass sich die sendung schon allein deshalb gelohnt hat. laut, selbstironisch und gut vorbereitet. vielleicht war aber auch einfach das thema besser geeignet oder die gästerunde besser auf fergosons stimmung abgestimmt.
die wortwechsel waren laut, teilweise wirklich witzig und alle teilnehmer hatten den mut, ständig steile thesen aufzustellen, was der sendung gut tat. craig ferguson gefiel das alles, ganz offensichtlich, besser als in der letzten sendung. er stellte selbst steile thesen auf und konnte sich die sendung über kaum in seinem sessel halten.
das gäste-panel war zwar rein männlich besetzt, aber immerhin zeichnet sich ein besetzungsmuster ab: ein gast kennt sich ein bisschen aus mit dem thema der sendung, in dieser sendung war das der wissenschaftsnerd bob pflugfelder, einer soll witzig sein, in dieser sendung jordan carlos, und einer ist ein allrounder mit prominenz und der fähigkeit ferguson aus der reserve zu locken, in dieser sendung der allround-moderator chris hardwick.
insgesamt fand ich diese ausgabe unterhaltsamer, temporeicher und sowohl besser besetzt — und ich habe was gelernt. vor allem, an craig ferguson-sendungen nie mit allzu grosser erwartungshaltung ranzugehen, dann überrascht er einen manchmal.
in dieser folge fiel mir auf, wie detailverliebt better call saul ist. in einer der anfangsszenen, raschelt unaufhörlich die ins jacket eingenähnte metalfolie von jimmys bruder charles. das ist extrem witzig, auch weil er sich gegenüber seinem bruder aufführt wie ein arschloch. eine andere szene am schluss, als mike zu seinem neuen auftrag vorfährt und aussteigt, knistern die abgasrohre seines autos vernehmbar. better call saul steckt voller kleiner, liebevoller details, akkustisch und visuell. trotzdem habe ich mich in dieser folge doch ein bisschen gelangweilt. die kundenwerbungsansprache von jimmy mcgill in texas zog sich unerträglich in die länge, die paranoia von mike ehrmantrauts schwiegertochter vor phantomkugeln war ein bisschen zu sehr an den haaren herbeigezogen, und diente ganz offensichtlich einzig der eskalation der halblegalen jobs, die mike anzunehmen bereit ist. mike muss jetzt ganz offensichtlich tiefer in den illegalen sumpf herabsteigen, um den umzug der schwiegertochter zu finanzieren.
drei folgen dauert die exposition der sich abzeichnenden dramen nun schon, langsam könnte jetzt mal wirklich schwung in die geschichte kommen. die cliffhanger deuten zwar an, dass sowohl mike, als auch saul schon in der nächsten folge in rauheren gewässern unterwegs sein werden als bisher, aber es ist nicht zu leugnen, dass diese folge längen hatte.
vielleicht ist the night manager schuld an dieser wahrnhemung, dessen geschichte bereits nach zwei folgen in vollem gang ist und bei dem ich mich bisher keine sekunde gelangweilt habe. oder es ist einfach zunehmende ungeduld.
in der besprechung des piloten habe ich das wort nachvollziehbarkeit dreimal verwendet. es ist tatsächlich genau das wort, das diese serie am besten beschreibt. natürlich bildet die serie nur einen teil der realität ab, natürlich ist es eine fiktionale geschichte, die sich john le carré ausgedacht hat und natürlich wohnt kein hotelangestellter in einer postmodern karg eingerichteten hütte auf über 3000 meter höhe. aber dass ich als zuschauer die handlungen der protagonisten zu jeder minute nachvollziehen kann, das ist im fernsehen eher selten und ein zeichen für ein ziemlich gutes drehbuch und eine ziemlich gute serie.
dank der nachvollziehbarkeit wirkt die serie in jeder sekunde authentisch, auch wenn sie, natürlich, wie jede andere film- oder fernsehproduktion abkürzungen nimmt, auslassungen vornimmt und alle möglichen erzähltricks anwendet um ihre geschichte an die zuschauer zu bringen. aber solange das wohdosiert geschieht und ich als zuschauer nicht das gefühl bekomme, mit ausgelutschten dramaturgischen tricks auf falsche fährten (zur erhöhung der spannung) geführt zu werden, ist das alles völlig ok.
und ich bin nach wie vor begeistert vom ensemble. olivia colman spielt die rolle der gezielt tiefstapelnden geheimdienstfrau brilliant, das ensemble ist wunderbar divers und die bösewichter sind bis in die niederen ränge nicht übertrieben klischeehaft gezeichnet. auch in der zweiten folge passte einfach alles, die erzählung, und ihre zeitliche staffelung und zusammenführung der verschiedenen erzählebenen.
ich kann auch nach dieser folge nichts anderes sagen, als dass es an dieser folge nichts auszusetzen gibt. alles stimmig, wunderschön und spannend.
grossartig. habe nichts auszusetzen an dieser serie — bzw. dieser pilotfolge. eigentlich stimmt alles, die kamera ist grossartig, die produktion aufwändig und auf spielfilm-niveau, das ensemble grandios und nahezu perfekt besetzt und die geschichte ist nachvollziehbar und erschreckend realistisch erzählt.
in der pilotfolge wird in zwei teilen erklärt, warum der nachtportier jonathan pine den waffenhändler richard roper zu fall bringen will. das ist alles in james bond-maier gefilmt und inszeniert, mit einigen entscheidenden unterschieden: zum einen ist die motivation der handelnden personen nachvollziehbar, zum anderen werden einem nicht nur klischees an den kopf geworfen und stur die genre-regeln von agenten-filmen durchdekliniert. das ist alles keinesfalls action-arm, aber eben auch nicht so bombastisch und überkandidelt inszeniert, wie in bond-filmen. ich will auf dem bond-vergleich nicht rumreiten, aber weil ich den letzten bond so scheisse fand, kann ich mir das einfach nicht verkneifen.
das beeindruckenste an the night manager ist, wie gesagt, die nachvollziehbare, unaufgeregt und detailiert erzählte geschichte. die serie ist von interessanten charakteren bevölkert und verspricht spannende unterhaltung in den kommenden folgen. das ist alles eingepackt in wunderbar fotografierte spielorte rund um die welt, gespielt von knuffigen schauspielern und sauber gedreht und produziert.
ich finde olivia colman und ihr gesicht wirklich knuffig. sie war nicht nur in broadchurch die idealbesetzung, sie passt auch auch hier perfekt, zumal ihr die rolle auch ein bisschen auf den schwangeren leib geschneidert wurde. hugh laurie und tom hiddleston sind aus meiner sicht ebenfalls idealbesetzungen. laurie als überzeugender, paranoider bösewicht und hiddleston als ehrlich besorgter ex-soldat und nachtportier, mit extrem einem angenehmen und distinguierten britischen akzent.
ich freue mich sehr auf die kommenden folgen und gebe, sehr beeindruckt von der pilotfolge, gleich von anfang an die volle punktzahl.
craig ferguson ist zurück auf dem bildschirm. diese nachricht entzückte mich, denn ich vermisse seine late late show show sehr. seine neue sendung läuft auf dem history channel und hat eigentlich ein schlüssiges konzept: ferguson diskutiert altuelle politische themen mit einem panel aus drei (wechselnden) gästen. in dieser sendung war das thema: „histories biggest political blunders“, also die grössten politischen fehlleistungen der geschichte.
am anfang lässt sich ferguson nicht nehmen, erstmal viereinhalb minuten lang im stehen in die kamera zu reden. ich fand das sehr erfrischend, wahrscheinlich weil ich es so lange nicht mehr gesehen habe, dass craig fergoson gut gelaunt, wild gestikulierend, kichernd und oft fluchend, in eine kamera spricht. was ferguson wirklich kann — und was kaum ein anderer moderator kann — ist zugleich aufrichtig und albern, gut vorbereitet und improvisierend zu wirken und sowohl sehr witzig zu sein, als auch ständig über die eigenen witze zu kichern — ohne peinlich zu wirken.
sein gespräch mit mit drei mehr oder weniger prominenten ging auch gleich so weiter, mit einer überdosis ironie. für 10 minuten war das noch erträglich, ging mir dann aber schnell auf die nerven. das hin und her vermatschte zu einem leichten gag- und ironie-salat ohne viel substanz. jetzt könnte man natürlich sagen: wer von craig ferguson substanz erwartet, dem sei nicht zu helfen — und vielleicht ist das auch so (dass mir nicht zu helfen ist). aber ich habe craig ferguson oft genug gesehen, um zu wissen, dass er durchaus substanz abliefern kann, wenn er sich für seine gäste oder ein thema interessiert.
für einen seiner gäste, jimmy kimmel, interessierte er sich auch (zu recht), weil kimmel die seltene fähigkeit besitzt, aus wirklich jeder vorlage einen witz zu machen und auf jeden ferguson-gag noch einen draufzusetzen. seine beiden anderen gäste interessierten ihn aber leider kaum. der pr-mensch howard bragman versuchte hier und da ein bisschen substanz mit selbstbeweihräucherung zu verbinden und ferguson liess ihn auch gewähren, aber die komikerin jen d’angelo kam eigentlich so gut wie nicht zu wort.
ferguson ist immer dann am besten, wenn er einen starken partner oder gegenpart hat. das war in dieser sendung jimmy kimmel, aber die sendung war trotzdem weniger gut, als ich gehofft hatte. etwas mehr vorbereitung, ein bisschen, nur ein ganz bisschen, tiefgang, bzw. kluges würden schon reichen. stattdessen ist das einzige was ich in dieser sendung dazugelernt habe, dass es gold-stern-schwule (gold star gays) gibt. das sind männer, die nie sexuellen kontakt mit einer frau hatten. howard bragman ergänzte, dass es auch platin-schwule (platiunum gay) gäbe, dass sind gold star gays, die per kaiserschnitt entbunden wurden, also selbst bei der geburt keinen kontakt zu den primären sexualorganen einer frau hatten.
ich habe mich wirklich gefreut craig ferguson wieder zu sehen, aber ich habe wohl ein bisschen zu viel erwartet. ohne grosse erwartungen, kann die sendung durchaus 20 unterhaltsame und kurzweilige minuten bieten — und theoretisch ist das konzept auch gar nicht mal so schlecht. deshalb: das ganze kann nur besser werden — und wird es sicherlich audh.
In dieser Folge porträtiert der „Meisterfälscher“ Wolfgang Beltracchi den deutschen Humoristen und Schriftsteller Hape Kerkeling in seiner italienischen Wahlheimat Umbrien.
die zusammenfassung von 3sat fasst die sendung schon ganz gut zusammen. die zusammenfassung ist, ganz offensichtlich, das werk eines meisterredakteurs.
in der reihe der meisterfälscher portraitiert der kunstfälscher wolfgang beltracchi (mädchenname wolfgang fischer) prominente im stil von verschiedenen malern. in der ersten staffel, im sommer 2015, zum beispiel harald schmidt oder christoph waltz. ich fand die sendung so mittel unterhaltsam, auch wenn mir die idee ausserordentlich gut gefällt. was ein bisschen nervt ist das ständige, pseudodokumentarische reinschneiden von beltracchis vergangenen heldentaten und die konzentration auf seine arbeit, statt auf die arbeit des gastes. ich habe mir die anderen folgen der reihe (noch) nicht angesehen, aber wenn ich mir jetzt in jeder folge die fälscher-geschichte und beltracchis hang zu engeln ansehen muss, wäre ich schon etwas genervt.
auch die oft überdramatisierende off-sprecherstimme nervt und, natürlich, auch die selbstverliebtheit von beltracchi. hape kerkeling hingegen ist knuffig und liebenswert wie immer. hape kerkeling scheint es gerade ziemlich gut zu gehen (er hat kräftig zugenommen) und auch wenn er einmal anmerkt, dass solche langen sitzungen vor der kamera teuflisch seien, weil man irgendwann vergisst, dass die kameras laufen und man sich potenziell um kopf und kragen reden könnte, merkt man am ende wieder, dass er voll der fernsehmensch ist, als er kurz mit der kamera shakert und subtil in sie rein grimassiert.
in der reihe erfährt man nicht nur, wie prominente auf beltracchis provokationen und selbstverliebtheit reagieren, man lernt auch potenziell etwas über den künstler, den beltracchi jeweils in der folge imitiert. in dieser folge war es toulouse-lautrec. das bild, das beltracchi am ende präsentierte war nicht schlecht, vor allem scheint es aber in rekordzeit entstanden zu sein. aber dem bild fehlte auch ein bisschen die leichtigkeit oder der esprit. es fing hape kerkelings persönlichkeit so effektiv ein, wie ein extravaganter instagram-filter.
der fehlende esprit des bildes ist sicherlich auch dem tempo der aufzeichnung geschuldet, aber auffällig war, wie uninteressiert beltracchi an hape kerkeling war. das ist auch der entscheidende unterschied zwischen beltracchis selbstwahrnehmung als kunstfälscher, der sich, wie er in der sendung behauptet, in die zeit und denkweise des zu fälschenden malers einarbeitet und zurückversetzt, als sei er dabei gewesen. so sehr seine analyse von lautrecs arbeiten auf den punkt war, nämlich dass ein grossteil der kraft seiner bilder daraus resultierte, dass er quasi im moulin rouge und den bordellen lebte, dass er sich brennend für seine subjekte interessierte, so sehr scheitert er genau daran; hape kerkeling ist für ihn nichts, als ein weiterer zu grosser kopf, den er irgendwie zu papier auf die leinwand bringen muss.
diese woche eine wiederholung der sachgeschichte über artur fischer und wie er den kunstoffdübel erfunden hat und wie die dinger funktionieren. vor allem sieht man auch kurz, welchen aufwand es vor fischers erfindung bedeutet hat, dinge in wänden zu befestigen. den beitrag habe ich leider nicht öffentlich zugänglich oder verlinkbar gefunden, was sehr schade ist. ich fände es eine viel bessere würdigung von artur fischers lebenswerk, die dübel-sachgeschichte öffentlich und dauerhaft zugänglich zu machen, als die sachgeschichte jetzt, nach seinem tod, einfach einmal im fernsehen zu versenden und in einer oder zwei wochen wieder zu depublizieren.
ich kannte die (10 jahre alte) sachgeschichte natürlich schon, aber sie ist nach wie vor wirklich beeindruckend. welches kind, das diesen film sieht, möchte danach nicht unbedingt erfinder oder schwabe werden?
nicht gelöscht, bzw. „depubliziert“, werden von der ARD übrigens die filme über das flüchtlingskind tiba. teil 1 bis 4 habe ich hier verlinkt, die links funktionieren alle noch. teil 5 aus dieser sendung hat auch einen permanenten link bekommen. zu sehen ist in dieser folge, unter anderem, tibas erster schultag.
kapitän blaubär habe ich wie immer übersprungen.
grossartiger, sehr langer text von matt taibbi über donald trump, der es erstaunlicherweise schafft, nochmal neue perspektiven auf trump zu öffnen und seinen erfolg einleuchtend zu erklären. allein um diesen text zu lesen, lohnt es sich englisch zu lernen. und ein deutsches wort kommt auch drin vor: „backpfeifengesicht“
Trump isn't the first rich guy to run for office. But he is the first to realize the weakness in the system, which is that the watchdogs in the political media can't resist a car wreck. The more he insults the press, the more they cover him: He's pulling 33 times as much coverage on the major networks as his next-closest GOP competitor, and twice as much as Hillary.
Trump found the flaw in the American Death Star. It doesn't know how to turn the cameras off, even when it's filming its own demise.
The problem, of course, is that Trump is crazy. He's like every other corporate tyrant in that his solution to most things follows the logic of Stalin: no person, no problem. You're fired! Except as president he'd have other people-removing options, all of which he likes: torture, mass deportations, the banning of 23 percent of the Earth's population from entering the United States, etc.
stefan niggemeier antwortet auf die kritik von albrecht müller von den nachdenkseiten. ich fand den text nicht nur unterhaltsam, sondern auch vorbildlich präzise: fehler zugeben wo die kritik recht hat, aber gleichzeitig auch präzision von der kritik zu fordern:
Natürlich kann man viel kritisieren an diesem Preis, an der Wahl, der Zusammensetzung der Jury, dem Rahmen, den Sponsoren, der Dankesrede, unserer Berichterstattung (und, wie gesagt, teilweise auch zu recht). Aber Müller hat erkannt, dass es noch viel brisanter ist, zum Beispiel nicht das konkrete Sponsoring zu kritisieren, sondern in den Raum zu stellen, wer das wohl gesponsert habe und warum man das wohl nicht ohne Mühe erfahre. Es ist ein Schattenboxen. Er liefert den Lesern seiner „kritischen Website“ die Zutaten, mit denen sie sich eine Westentaschenverschwörungstheorie basteln können. Er verlässt sich nicht auf die Macht der Aufklärung. Er nutzt die Macht des Raunens.
dieser text besiegelt auch das enfgültige ende von stefan niggemeiers blog auf stefan-niggemeier.de. früher hätte er einen solchen text nämlich dort veröffentlicht. mit uebermedien.de hat er endlich eine (eigene) plattform, die das alles fasst — ausser, vielleicht, die flausch-, schaf- und hundebilder.
ich habe den hanns joachim friedrichs spruch: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.“ auch nie verstanden.
einige der tipps, um nicht opfer einer hacking-attacke zu werden, sind nach dem altbewährten muster gestrickt: „trag einfach keinen minirock, wenn du in ruhe gelassen werden willst!“
→ werde nicht berühmt, verrate nicht zu viel über dich selbst, meide die öffentlichkeit.
im eröffnungsstandup hat trevor noah gute arbeit geleistet, um den streit zwischen apple und dem FBI um entschlüsselungshilfe eines iphones (oder zehn, oder hunderten) einzuordnen (wer die sache auch gut eingeordnet hat, bzw. viel lesestoff zum thema gesammelt hat, ist john gruber. diese suchanfrage verschafft einen ganz guten überblick).
danach, auch im stehen, fragen sich roy wood jr. und jordan klepper, ob schwarze wähler („the black vote“) eher für hillary clinton oder bernie sanders stimmen würden. ich mag diese korrespondenten-sketche meistens nicht so gerne, aber der hier war ok. ungewöhnlich fand ich, dass noah danach gar nicht mehr am schreibtisch rumgekaspert hat. seinen news-teil hatte er offenbar schon im stehen absolviert. als er wieder am schreibtisch sass, gings gleich rüber zu seinem einzigen gast, dem ehemaligen CIA- und NSA-chef michael hayden. offenbar befindet sich hayden gerade auf PR-tour für ein buch, das er verfasst hat.
im gespräch war trevor noah freundlich-bissig und schlug den naheliegenden weg ein, indem er michael hayden nach seinem gewissen fragte. die antworten von hayden fühlten sich einstudiert an, wie in diesen gestellten gerichtsdramen, die früher mal im nachmittagsprogramm liefen. ich habe gelernt, dass michael hayden vor allem ein schlechter laienschauspieler ist, der den rest seines lebens wohl damit verbringen wird, zu versuchen, der welt klarzumachen, was für ein schnaffter kerl er doch ist. er wird für den eindruck kämpfen, dass er alles für die sicherheit der vereinigten staaten getan hat und das land und seine leute und ihre sicherheit über alles liebt. leider hat er nicht gesagt: „ich liebe … ich liebe doch alle! alle menschen!“
besonders unbefriedigend fand ich, dass die zeit der sendung gerade mal für zwei oder drei fragen reichte. vielleicht waren es auch fünf. im netz gibt’s noch längere fassungen des gesprächs, aber die sind alle geogeblockt.
ich finde, nach wie vor, dass trevor noah eine gute show abliefert, aber ich bleibe auch dabei, dass mich seine art zu moderieren und zu lachen irritiert. es ist auch nicht nur die noch nicht ganz ausgereifte souveränität und merkliche unsicherheiten, ich habe vor allem das gefühl, dass trevor noah noch nicht einfach präsent ist, sondern die ganze zeit daüber nachdenkt, wie er wirken könnte. trotzdem sehr okaye sendung.
nicht mal die beifahrerin liest meine wetter-rezensionen. ich fühle mich mit dem ins-netz-schreiben wieder wie vor 20 jahren. wie anke gröner das seit 100 jahren in ihrem blogkopf stehen hat: „blog like nobody’s watching“. oder wie ich es sagen würde: bloggen als selbstbefriedigung, schreibübung und welt- und wahrnehmungs-verdauungshilfe.
mit blogsoftware ins internet zu schreiben (bloggen), wird ja schon lange, immer wieder mit neuen gründen, totgesagt. in den frühen zweitausendern war push statt pull das grosse ding, in den frühen zweitausendzehnern waren es die sozialen netzwerke (twitter, facebook), die dem bloggen den todesstoss verliehen und heute sind newsletter der grosse, heisse scheiss. kürzlich wurde mir, aus gründen die mir schon wieder entfallen sind, der newsletter von lorenz maroldt empfohlen. der ist wirklich lesenswert und schön rotzig geschrieben. sogar wenn lorenz maroldt von stefan jacobs vertreten wird, wie vor drei tagen. da fing der newsletter so an:
Die Zeiten werden immer verwirrender: Wird Air Berlin arabisch oder italienisch? Werden die Mars-Riegel nun zurückgerufen, weil in einem Kunststoff drin war oder weil er in den anderen fehlt? Und gelingt mit den Riegeln die Energiewende oder werden sie in jener Gegend zwischen Berlin und Böhmen verklappt, von der der lokale CDU-General Kretschmer sagt, das sei „nicht Sachsen“, und sein MP Tillich, das seien „keine Menschen“? Das Karrierebarometer für Geografen, Biologen und Lebensmittelchemiker steigt. Und der Säxit scheint attraktiver denn je.
alles wunderbar, nahezu lehrbuchhaft. aber weitergelesen hab ich dann nicht. mein email-eingangsfach läuft morgens über, mit gut gemachten, mit lesestoff und links vollgepackten newslettermails, aber über die erste seite dieser mails, komme ich mittlerweile nur noch selten hinaus. andererseits: auch mein RSS-reeder quillt derzeit über, aber immerhin lese ich den immer noch in der bahn, vorm einschlafen und vorm aufstehen. kann natürlich auch sein, dass ich gerade in einer wenig-lese-phase bin, aber newsletter sind gerade echt schwer unterzubringen in meinem lesefluss.
wirres hat übrigens als newsletter angefangen, vor über 14 jahren. statt meinen freunden einzelne mails oder briefe zu schreiben, hatte ich mir damals™ überlegt, dass so eine sammelmail doch ne super idee sei. ich glaube den meisten empfängern, die dem empfang der sammelmail übrigens nicht explizit zugestimmt hatten, ging es damals schon so, wie mir jetzt: wer soll das denn (wann) alles lesen?
yahoo hatte damals ein werkzeug am start, mit dem die verwaltung der abos, der versand und die archivierung wirklich einfach funktionierten. nach ein paar jahren wurde der dienst eingestellt, irgendwann wurde er dann wieder reaktiviert. jedenfalls sind die sammelemails alle noch im archiv vorhanden.
auf eine bestimmte art bin ich froh, bei dem was ich hier mache, nicht darüber nachdenken zu müssen, ob das jemandem gefällt oder interessiert. in der regel reicht es, dass es mich interessiert oder dass es mir hilft, sachen besser zu verstehen oder im blick zu behalten, wenn ich sie aufschreibe und wichte.
ich wiederhole das gebetsmühlenartig seit jahren: ich bin froh, nicht von dem leben zu müssen, was ich ins netz schreibe. ich muss meine seitenansichten nicht nach oben jazzen, indem ich auf irgendetwas optimiert schreibe. ich muss keine erwartungen erfüllen und texte auf keine zielgruppe optimieren. ich merke zwar, dass es immer wieder überschneidungen zwischen meinen interessen und denen eines grösseren publikums gibt und manche themen besser ankommen als andere. aber ich muss nichts zuspitzen oder aggressiv bewerben, weil ich ausser meiner lebenszeit, kaum kosten decken muss. wenn ich zuspitze, dann weil ich bock drauf habe oder zu faul zum differenzieren oder zuende-denken bin. wenn ich aufträge für werbeartikel annehme, mache ich das nur, wenn mir das produkt oder das thema zusagt oder ich glaube dass es zu mir passt. ich greife die positionen von anderen nicht an, um lesermassen zu lenken oder aufmerksamkeit zu erzeugen, sondern um mir persönliche satisfaktion zu verschaffen.
was mir aber die grösste befriedigung verschafft, sind die technischen möglichkeiten, die sich mir hier öffnen. ich kann mit technologien experimentieren und deren auswirkungen beobachten. so weiss ich jetzt, dass man veröffentlichte artikel innerhalb von wenigen minuten auf google suchergebnisseiten hieven kann. ich weiss wie man strukturierte daten einsetzen kann, um suchergebnisse bunter erscheinen zu lassen oder aus artikeln übersichtslandkartenbauen kann. ich habe gelernt, wie man reaktionen aus sozialen netzwerken einfangen kann oder wie man aus dem eigenen blog heraus bei anderen leuten kommentieren kann.
die beste idee, die ich seit langem hatte, war alle fernsehsendungen oder filme, die ich sehe, mit ein paar eindrücken aufzuschreiben. das ist mitunter nervig und anstrengend und interessiert eher wenige, aber es hat mich daran erinnert, warum ich überhaupt angefangen habe zu bloggen: zu versuchen das eigene leben nicht einfach vorbeirauschen zu lassen, sondern den einen oder anderen moment festhalten, daran zu knabbern, ihn aus verschiedenen perspektiven zu betrachten und aufzuschreiben, festzuhalten, zu fotografieren oder zu filmen. dass genau das dazu führt, dass das eigene leben noch schneller an einem vorbeizieht und ich noch weniger zeit habe, ist ein nebeneffekt mit dem ich leben kann. auch weil das ganze dann doch hin und wieder den effekt hat, dass es andere inspiriert oder anderen hilft oder auf neue sichtweisen bringt. und neben all der selbstbefriedigung und verdauungshilfe mit der ich mein „blog like nobody’s watching“ weiter oben rationalisiert habe, sind dieser gelegentliche zuspruch, feedback oder überhaupt das ansehen meiner auswürfe, natürlich auch motivierend und befriedigend.
eigentlich hatte ich diesen artikel angefangen, um über die alte push vs. pull debatte nachzudenken. das ist mir offensichtlich nicht wirklich gelungen. aber seit den frühen newsletter-tagen von wirres, bin ich gegenüber push-modellen skeptisch. mein vorherrschendes gefühl ist: ich will mich eigentlich nicht aufdrängen. auch weil ich eben weiss, dass nicht alles was ich aufschreibe, jeden interessiert. oder umgekehrt, weil ich mich thematisch oder konzeptionell nicht festlegen möchte. deshalb wird es auf absehbare zeit auch keinen regelmässigen newsletter von mir geben. wer sich für meine thematische wundertüte interessiert kann mir auf twitter oder facebook folgen oder mich per RSS abonnieren (zum beispiel mit feedly) oder von mir aus auch die microformate dieser seite parsen.
trotz meiner reserviertheit gegenüber dem push-konzept, habe ich in den letzten monaten ein bisschen darüber nachgedacht, wie eine mobile wirres.net-app aussehen könnte. in meiner vorstellung müsste sie eigentlich nur eins können: den hauptfeed oder einzelne kategorie-feeds abonnierbar machen und bei neuen artikeln eine benachrichtigung anzeigen, bei deren auswahl man auf dem artikel landet. natürlich können das bereits unzählige RSS-reader-apps, aber sie verlangen immer noch ein gewisses technisches grundverständnis, bzw. ein explizites abonnieren: download und installierung der app, app starten, feed eingeben oder suchen, abonnieren. feedly hat das bereits mit links wie diesem relativ reibungslos gemacht, aber auch feedly verlangt vor dem abo zuerst eine anmeldung bei feedly, die man dann nach der installation der feedly-app auf dem mobiltelefon nochmal durchführen muss.
ich fand die idee reizvoll einfach einen app-download anbieten zu können, in dem das abonnement bereits voreingestellt ist und dass sonst keinerlei klicks oder interaktionen mehr nötig sind. subscribe by download, sozusagen.
technisch geht das in der theorie alles problemlos; einfach eine app bauen die RSS parsen kann, app-icon einstellen, eine benachrichtigungsfunktion und vielleicht noch eine liste, mit den letzten artikeln. wenn die app pubsubhubbub verstünde, könnte sie auch augenblicklich bescheid sagen, wenn das abonnement aktualisiert wurde.
es gibt nicht wenige anbieter, die für so etwas white-label-lösungen anbieten, bei denen man sich quasi eine app zusammenklicken kann. solche apps lassen sich dann per rss füttern und zeigen eine übersicht der veröffentlichten artikel an. ich fand die ergebnisse dieser app-bausätze aber alle sehr unbefriedigend. alle, die ich ausprobierte, hatten zu viel visuellen ballast und offensichtliche technische schwächen.
ich habe mir auch ein paar opensource lösungsansätze angesehen, aber genau das, was ich mir vorstelle, hab ich (natürlich) nicht gefunden. aber wäre das nicht toll, wenn es einen generischen app-bausatz gäbe, den man auf sein blog, bzw. seinen feed, konfigurieren könnte, kompilieren und im app-store einreichen könnte?
ist die app installiert, macht sie nichts anderes als den benutzer zu benachrichtigen, wenn der abonnierte feed neue einträge aufweist (ein klick öffnet die seite im browser), wenn man den feed, das abonnierte blog, nicht mehr lesen möchte, löscht man einfach die app. keine aufwändig gerenderten artikelübersichten in der app, keine verhunzten leseansichten, einfach nur eine bescheid-app pro abo oder blog für das man sich interessiert. so könnte ich mich auch mit push anfreunden.
limitless ist in den letzten folgen wirklich erwachsen geworden. immer noch verspielt, aber mittlerweile wirklich ambitioniert. die geschichte in dieser folge ist relativ komplex, reicht weit in die vergangenheit und schliesst ein paar lücken zum film. das ist erstaunlich ambitioniert, aber geschickt gemacht. um die produktionskosten im rahmen zu halten, werden die vielen rückblenden und hintergründe von mr. sands (mittelprächtig bis ziemlich gut von colin salmon gespielt) in comic-form aufgearbeitet. das sieht teilweise wie aus wie tom und das erdbeermarmeladebrot, manchmal wie colorierte kugelschreiberskizzen und manchmal wie pappkameraden. aber das ist vollkommen OK, weil sich die drehbuchautoren wirklich mühe gegeben haben, mit der geschichte an sich.
sehr schön ist das thema der serie, bzw. das thema von brian finchs charkakter, wieder in die folge eingebettet: menschlichkeit. auch wenn die moralischen dilema sich vor ihm auftürmen, brian finch versucht sich durchzumogeln und ein guter zu bleiben. oder wie sands einmal zu ihm sagt: „warum musst du alles so kompliziert machen?“
ich war ja schon in der letzten folge beeindruckt davon, wie sehr limitless auf die tube drückt — und ich muss sagen, sie drücken weiter. mittlerweile kommt die serie beinahe an das niveau von person of interest heran, zumindest was die komplexität der hintergrundgeschichten angeht. wenn man jetzt noch ein bisschen den bisweilen etwas kindischen humor zurückfährt, kann das eine sehr, sehr gute mittelgute serie werden.
als ich heute aus der haustür trat, dachte ich, dass der schnee ein witz sei, von irgendeinem scherzkeks verteilt. er schien aber echt zu sein, auch wenn es unerklärlich war, woher er kam und warum es bei diesen angenehmen temperaturen überhaupt schneien sollte.
im laufe des tages drehte sich das wetter aber noch mehr ins absurde; sonne, blauer himmel und schaumiger schnee, wie aus der schneekanone. ich musste an die letzte folge better call saul denken, in der sich jimmy mcgill spontan eine geschichte und fachtermini eines sexualfetischs ausdachte und auf den einwand, dass er sich das wohl ausgedacht hätte antwortete: „als ob ich mir sowas absurdes ausdenken würde.“
so ein wetter wie heute kann man sich auch nicht ausdenken. ich vermute immer noch, dass es ein scherz war. ich weiss nur nicht von wem.
normalerweise lese ich keine anderen rezensionen, bevor ich meine eigene schreibe. was ich mit dieser folge anfangen sollte, war mir nach dem abspann aber nicht mal ansatzweise klar. nicht schlecht, sehr schönes hin und her, aber wieder, am ende, astreines pimmelfechten, maskulines duftmarken setzen, knurren und drohen. nur — das schrieb ich ja schon nach fast allen der letzten fünf folgen. also hab ich die zusammenfassung von scott tobias in der new york times gelesen. der fasst den kern der serie aber auch nicht anderes zusammen, ausser das er das pimmelfechten „maskuline unzivilisiertheit“ nennt:
This is a show about masculine savagery, and Wall Street just happens to be the arena for it.
eigentlich war die folge gar nicht mal so schlecht inszeniert, jedenfalls der verlauf der geschichte an sich. es geht hin und her und auf und ab. zwischendurch haben die drehbuchautoren maggie siff ziemlich kluge psychologische beobachtunegn ins drehbuch geschrieben, mit denen sie (erfolglos) versucht die beiden pimmelfechter zu zivilisieren und zur vernunft zu bringen.
so gut die geschichte selbst von den autoren zum wabbern gebracht wurde, so sinnlos erscheinen manche szenenbilder. axelrod hat einen geheimen luxuspool im keller eines verlassenen gebäudes, in dem man sich aus sicherheitsgründen nur nackt unterhalten kann und von einem schmierigen privatdedektiv hingefahren wird, als wären es die 80er und die folge hiesse 9½ wochen und nicht the deal?
chuck rhoades trifft sich mitten in der nacht vor seinem haus auf der strasse mit seinem stellvertreter, um ihm halblegale vorgaben zu machen, die niemand hören darf?
andererseits fand ich die schnitte zwischen axelrod’s pep-talk vor der belegschaft von axe capital und dem verhör von bill „dollar“ stearn bei der staatsanwaltschaft ganz gelungen.
und die musik in dieser folge fand ich zum ersten mal passend, auch wenns metallica war, aber immerhin master of puppets (youtube-, wikipedia-link)
ob ich die szene gut finden soll, in der axelrod seinen chauffeur rausschmeisst und selbst über die autobahn braust, weiss ich noch nicht. metallica passte, aber die sin-city-optik? srsly?
diese folge war (trotzdem wieder) ziemlich unterhaltsam, teilweise klug, aber teilweise eben auch nervig. deshalb nur 3 sterne.