deep space nine, staffel 01

felix schwenzel, , in gesehen    

nachdem netflix einen grossteil des star trek universums in sein programm gehoben hat (ds9, voyager, next generation, enterprise, das original) habe ich mir in den letzten wochen die erste staffel deep space nine angesehen.

abgesehen vom ungewohnten 4:3 seitenverhältnis und den schulterpolstern der kostüme, wirkt die serie eigentümlich aktuell — oder besser: zeitlos. thematisch werden alle grossen menschheitsfragen angeschnitten, die genauso aktuell erscheinen, wie damals (1993). es geht um krieg und frieden, versöhnung und widerstand, schuld und gerechtigkeit, religiösen fanatismus, wissenschaft, ethik und anstand.

das ist alles sehr dialoglastig und zum grossen teil kammerspielartig, die inszenierung und das schauspiel sind teilweise etwas brachial und unsubtil, aber eigentlich immer grandios geschrieben. bis auf den piloten, der sich über zwei folgen erstreckt und mir etwas zu mystisch und abgedreht daherkommt, sind die episoden rund und in sich abgeschlossen und behandlen (mehr oder weniger) immer ein politisches, ethisches oder moralisches problem. und am ende gewinnt (fast) immer die vernuft und der anstand.

einige der folgen kamen mir bekannt vor und ich habe sie wahrscheinlich irgendwann, zumindest in teilen, in den 90ern im nachtprogramm gesehen. da die chronologie, zumindest in der ersten staffel, eher unwichtig ist, auch wenn einige charaktere ein paar folgen vor ihrem auftritt aufgebaut werden, hat das zufallssehen im nachtprogramm meinen guten eindruck von der serie in den 90er-jahren nicht trüben können. aber jetzt, sozusagen zum wiederholten male, alle folgen in der vorgesehenen ordnung, im englischen original und in voller länge ohne werbeunterbrechungen zu sehen, war ein noch grösseres vergnügen.

die serie erinnerte mich wieder daran, warum ich die star-trek-welt und ihre serien so sehr schätze. sie verfolgen konsequent ein positives menschenbild und lassen uns unsere welt, unsere gesellschaftlichen probleme mit einem gewissen abstraktionsgrad reflektieren. die parallelen sind offensichtlich, aber nicht platt. die cardassianer zeigen parallen mit den deutschen oder den japanern, der widerstand der bajoraner zeigt parallelen zu widerstandsbewegungen im nahen osten oder dem besetzten frankreich, der religiöse fanatismus einiger bajoraner zeigt parallelen zu anti-sekulären bewegungen in der ganzen welt. rassismus, freiheit und grenzen der wissenschaft, diversität, gerechtigkeit, all das wird von folge zu folge debatiert. hört sich langweilig an: eine fernsehserie in der debatten zu sehen sind, aber ich finde der vergleich passt. in den erzählungen der einzelnen folgen werden immer mindestens zwei seiten eines problems gezeigt und immer der mühsame prozess, zu gerechten und praktikablen lösungen zu kommen. teilweise, wie in der folge progress, wird auch keine wirklich befriedigende lösung erreicht, sondern es werden die schwierigkeiten durchgespielt, zwischen pflicht und menschlichkeit, gemeinwohl und einzelinteressen, gehorsam und empathie abzuwägen.

es gibt gerüchte hinweise darauf, dass donald trump schwierigkeiten zu lesen habe, klare belege dafür, dass trump zu viel schrottfernsehen zur meinungsbildung schaut und entsprechende versuche von unternehmen, donald trump durch targeted advertising im fernsehen zu beeinflussen. würde donald trump deep space nine binge-gucken, würde mir die lage der welt wohl weniger sorge bereiten, als mit seiner gewohnheit müll-fernsehen zu gucken. allen anderen möchte ich die serie aber auch zum wieder- oder neu-gucken ans herz legen. läuft auf netflix.

100 jahre hausautomatisierung

felix schwenzel, in artikel    

die optimale hausautomatisierung ist implizit oder gestengesteuert. das grundprinzip ist wahrscheinlich um die 100 jahr alt und in jedem kühlschrank verbaut: wenn ich die türe öffne, geht das licht an, schliesse ich die türe geht’s aus. eigenartig, dass sich dieses prinzip nur für kühlschränke durchgesetzt hat. alle anderen schränke blieben bei öffnung mehr oder weniger dunkel, bis ikea die striberg leuchte auf den markt brachte. die kann man in pax- oder anderen schränken anbringen, so dass der schrank wie ein kühlschrank funktionieren — minus der kühlung.

auch für zimmer hat sich das prinzip bisher kaum durchgesetzt. um ein zimmer zu beleuchten muss man in der regel nicht nur die tür öffnen, sondern auch noch einen schalter betätigen.

wie sehr die haustechnik den eigentlichen bedürfnissen der menschen hinterher ist, zeigt dieser uralte witz:

— wo warst du denn?
— auf dem klo. irre. ich bin zum klo, hab die tür aufgemacht und das licht ging automatisch an! automatisch!
— ach hermann, hast du wieder in den kühlschrank gepinkelt?

(sorry)

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ich habe bei uns in der wohnung mittlerweile in fast jedem raum bewegungsmelder angebracht. im flur geht (auch tagsüber) ein nachtlicht an — und bleibt so lange an, wie jemand dort ist. in der küche geht die arbeitsplattenbeleuchtung an. auf dem klo und nachts im wohnzimmer geht ebenfalls ein nachtlicht an. meine letzte grosstat war die beleuchtungsmässige aufrüstung der speisekammer zum kühlschrank. wenn die tür aufgeht, geht das licht an und 30 sekunden später wieder aus. ausser jemand bewegt sich in der kammer, dann bleibt’s an.

das bewegungsdetektieren funktioniert seit monaten zuverlässig, ausser wenn das wlan zickt. aber wenn die bewegungsmelder ausfallen sollten, gibt es als notbehelf immer noch in jedem zimmer funktionierende lichtschalter.

natürlich zählen auch wasch- oder spülmaschinen zur heimautomatisierung: schmutzige sachen rein, knopf drücken, ein, zwei stunden später saubere sachen wieder rausholen. ebenso ein klassiker der hausautomatisierung: der türsummer. dank türsummern muss ich (oder mein diener) nicht mehr runter zur haustür laufen, um sie zu öffnen (auch wenn das genaugenommen eine fernbedienung ist und keine automatisierung).

aber ganz besonders mag ich implizite automatisierungen. mein telefon fängt eine tonaufnahme an, wenn ich es im chatmodus ans ohr halte — oder es spielt eine empfangene tonaufnahme ab, wenn ich’s ans ohr halte. es gibt autos, die öffnen den kofferraum wenn ich den schlüssel in der tasche habe und einen tritt unter die stossstange andeute. manche autos öffnen die verriegelung, wenn ich mich mit dem schlüssel in der tasche nähere. im coffeemamas hat man mir eine grosse melange gemacht, wenn ich vor 10 jahren den laden betrat — ohne dass ich ein wort sagen musste. bei real öffnen sich die türen, wenn ich den laden betrete.

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gestern auf dem weg nachhause hatte ich eine idee, wie ich den kaputten dash-button durch eine implizite geste ersetzen könnte. bisher mussten wir den dash button, einen button in der home-app drücken oder mit siri kämpfen, damit der ventilator nach einem grossen geschäft anging. beim duschen geht er, dank luftfeuchtigkeitssensor, alleine an. jetzt habe ich eben ausprobiert einen bewegungsmelder hinter dem klo zu positionieren, der auf die klobürste blickt. beim kleinen geschäft schlägt der bewegungsmelder nicht aus. beim grossen, wenn man wie vorgesehen, kurz mit der klobürste wischt, geht die lüftung an. das finde ich ungefähr zweitausend mal besser als einen knopf zu drücken.

ausserdem neu: wenn die firetv-fernbedienung gedrückt wird, schaltet sich automatisch der fernseher und der verstärker ein. der verstärker wählt ausserem den richtigen eingabekanal.

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was ich eigentlich sagen möchte: ich glaube die zukunft der hausautomatisierung ist nicht sprache, sondern implizite, subtile automatisierung. ich will nicht ausschliessen, dass ich hier zu sehr von meinem befindlichkeiten ausgehe und die verallgemeinere, aber ich bin sicher, dass ich nicht der einzige bin, der jedem navigationsgerät zuerst das sprechen verbietet. ich möchte in meinem stammkaffee nicht jeden morgen das gleiche bestellen, sondern das was ich ohnehin jeden morgen zu mir nehme still serviert bekommen. sinnvolle automatisierung sollte lernen können, muster in meinem (und anderer) verhalten erkennen. wie ein guter butler.

wenn ich schon sprechen muss, möchte ich das implizite botschaften erkannt werden und sie nicht explizit ausführen müssen.

siri, es stinkt

videotheklinks vom 02.02.2017

felix schwenzel, , in links    

ikea trådfri auseinandergenommen

felix schwenzel, , in notiert    

heise/make hat sich die trådfri-lampen von ikea näher angeguckt und auch auseinandergebaut (hier mein kurztest).

ich habe gelernt:

  • die trådfri fernbedienung lässt sich auch mit hue- und osram-lampen verbinden
  • wenn man die ein/aus-taste der trådfri-fernbedienung länger als 5 sekunden drückt, wird die lampe auf die grundeinstellung zurückgesetzt (100% helligkeit, 2700 K farbtemperatur)

obwohl im artikel fcc-unterlagen zitiert werden um hinter das innenleben der lampen zu kommen, behauptet der autor markus ulsaß:

Ob von Ikea noch eine Bridge oder ein Gateway kommen, ist bisher unbekannt.

gerüchteweise habe ich von einer eigenen ikea-bridge für die drahtlosen lampen schon im dezember gelesen. in diesem forum habe ich heute allerdings einen link zu fcc-unterlagen gefunden, der die ikea tradfri-bridge detailiert beschreibt. weil die seite auf der die fcc-zulassungsanträge und zeichnungen der ikea-tradfri-bridge zu sehen sind etwas komisch riecht, verlinke ich sie lieber nicht direkt. sicher scheint aber, es wird eine auf dem zigbee protokoll basierende bridge für ikea’s drahtlose lampen geben und eine iphone und android app.

wirklich spannend ist aber, was das make-magazin hier ankündigt:

Wer seine Ikea-Lampen über eine App steuern oder in die eigene Heimautomation einbinden möchte, kann dies mit einem ESP8266-Gateway machen (eine Anleitung dazu erscheint am 2. Februar 2017 auf make-magazin.de).

ich bin sehr gespannt, wie das aussehen wird, bzw. wie das funktionieren wird.

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[nachtrag 04.02.2017]
make hat hier eine anleitung veröffentlicht eine tradfri-fernbedienung per mqtt bedienbar zu machen. mich hätte tatsächlich mehr interessiert, die signale der fernbedienung aufzufangen. aber dafür müsste man wohl eine tradfri-lampe auseionandernehmen oder einen zigbee sniffer kaufen. oder auf die bridge von ikea warten und die dann belauschen.

mein vorschlag für einen vortrag auf der republica 2017

felix schwenzel, , in notiert    

zum ersten mal habe ich einen vorschlag für einen republica-vortrag eingereicht, der sich am republica-motto orientiert. das lautet dieses jahr: „love out loud“. mein vorschlag klingt ansatzweise pathetisch, was daran liegt dass er in den 80er jahren wurzelt: vor 30 jahren habe ich zum ersten mal erich fromm gelesen und das möchte ich in diesem jahr wieder aufwärmen.

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Update: Die Kunst des Liebens

Erich Fromm wird in der Wikipedia als „deutsch-US-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe“ beschrieben. Für mich ist er der Mensch mit dem grössten Einfluss auf mein Menschenbild, insbesondere sein Buch „Die Kunst des Liebens“. Für diesen Vortrag möchte ich die teilweise 60 Jahre alten Bücher und Texte von Fromm (wieder) lesen und auf Fragen und Antworten abklopfen, die uns helfen könnten aktuelle (politische) Krisen zu überwinden. Ich glaube wir müssen uns (wieder) sorgfältig mit einem humanistischen und demokratischen Welt- und Gesellschaftsbild beschäftigen — als Gegengewicht zu populistischen und unmenschlichen Bewegungen in Europa und der Welt. Ich glaube Erich Fromm kann dabei helfen.

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Alle paar Jahre stolpere ich im Internet über Erich Fromm. Weniger weil das Internet voller Erich Fromm Texte ist, sondern weil ich alle paar Jahre nach Texten von ihm suche, in der Hoffnung ein Zitat zu finden, das sich pointiert auf eine aktuelle Entwicklung beziehen lässt. Jedes Mal wenn ich mich im Internet auf die Suche nach Fromm-Texten mache, nehme ich mir vor mir endlich mal wieder seine Bücher in die Hand zu nehmen und durchzuarbeiten.
Die Titel seiner Bücher scheinen sich, trotz ihres Alters, Fragestellungen vorzunehmen die uns gerade wieder besonderes Kopfzerbrechen bereiten:

  • Die Furcht vor der Freiheit (1941)
  • Wege aus einer kranken Gesellschaft (1955)
  • Märchen, Mythen, Träume (1951)
  • Jenseits der Illusionen (1962)
  • Anatomie der menschlichen Destruktivität (1973)
  • Überfluss und Überdruss in unserer Gesellschaft (1983)
  • Über die Ursprünge der Aggression (1983)

Für diesen Vortrag möchte ich mich quer durch Erich Fromms Werk arbeiten, insbesonders durch Die Kunst des Liebens von 1956 und Haben oder Sein von 1976. Der Vortrag soll mindestens diese zwei Fragen beantworten:

  • Wie kann uns Erich Fromms Werk durch die aktuellen politischen Krisen helfen?
  • Wie können wir Menschenfreundlichkeit und Humanismus wieder zu mehr Popularität verhelfen?

süsskartoffeln mit orange und angostura und extravaganter coleslaw

felix schwenzel, in gekocht    

süsskartoffeln mit orange und angostura

die süsskartoffeln sahen super aus, wie im buch, waren aber eher so lala. die beifahrerin war sehr unterbegeistert. ich habe ihre reaktion auch fotografisch festgehalten, leider hat sie mir untersagt das foto zu veröffentlichen.

süsskartoffeln mit orange und angostura und extravaganter coleslaw

der coleslaw war aber sehr lecker, obwohl ich das rezept leicht abwandeln musste.

zwei karotten, in stiftchen geschnitten und einen kleinen schwenzel fenchel in hauchdünne scheiben geschnitten habe ich getrennt in zitronensaft mariniert. getrennt, weil ich auf keinen fall fenchel in meiner coleslaw portion haben wollte, die beifahrerin aber schon. nebenbei habe ich dann einen halben wirsingkopf kleingehobelt, eine rote paprika in streifen geschnitten, eine gelbe chilischote in feine ringe, 15 gramm dill und petersilie gehackt. estragon hatten wir nicht und weil wir auch keinen radicchio hatten, habe ich noch eine rote beete in stiftchen geschnitten und gewässert.

sehr lecker waren die gewürznüsse die ottolenghi empfiehlt auf den coleslaw zu streuen: 120 gramm cashewkerne mit einem dreiviertel teelöffel kurkuma, einem dreiviertel teelöffel gemahlenem kreuzkümmel, andertalb teelöffeln paprikapulver und etwas zucker und salz vermengen und mit einem esslöffel wasser an den nüssen verkleben. das alles habe ich dann ungefähr 20 minuten im ofen geröstet.

das dressing bestand aus etwas mehr als den angegeben 100 gramm (griechischem) sahnejogurt, 40 gramm mayonaise, je andertalb teelöffeln scharfem senf und honig und einem schuss olivenöl.

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beide rezepte aus yotam ottolenghis vegetarische köstlichkeiten.