Die­ser Auf­tritt der EU-Wett­be­werbs­ko­mis­sa­rin Mar­ga­re­the Ves­ta­ger auf der Re­pu­bli­ca-Büh­ne war ei­ner der lang­wei­ligs­ten, aber viel­leicht auch ei­ner der the­ma­tisch wich­tigs­ten Auf­trit­te die­ses Jahr. So wie ihr Job als Wett­be­werbs­ko­mis­sa­rin eben auch irre lang­wei­lig & -wie­rig ist — aber gleich­zei­tig ei­ner der wich­tigs­ten und ef­fi­zi­en­tes­ten Jobs ge­gen die über­bor­den­de Macht und Ein­fluss gro­ßer Kon­zer­ne zu sein scheint.

Ves­ta­ger ist ak­tu­ell wohl das ein­zi­ge schar­fe Mes­ser das Eu­ro­pa ge­gen die Über­macht und die struk­tu­rel­le Zer­stö­rungs­wut („Dis­rup­ti­on“) ame­ri­ka­ni­scher Platt­form­kon­zer­ne in Be­trieb hat.

Ves­ta­ger hat sich in den ver­gan­ge­nen 5 Jah­ren er­folg­reich mit vie­len Groß­kon­zer­nen an­ge­legt und Mil­li­ar­den­stra­fen ver­hängt, sie hat sich mit ih­ren kar­tell­recht­li­chen Be­mü­hun­gen aber auch un­be­liebt ge­macht. (In Deutsch­land vor al­lem, als sie eine Fu­si­on von Sie­mens und Al­s­tom ver­hin­der­te, in der Be­für­wor­ter »eine Chan­ce auf ein eu­ro­päi­sches Groß­un­ter­neh­men, ein „Air­bus für die Schie­ne“« sa­hen.)

Ves­ta­ger weist wie­der­holt dar­auf hin, dass es an der Zeit sei, dass un­se­re De­mo­kra­tien die Mög­lich­kei­ten in die Zu­kunft un­se­rer Ge­sell­schaf­ten selbst for­men, die der­zeit in fast al­len Be­rei­chen in der Hand von Fir­men lie­gen, die oft au­ßer­halb de­mo­kra­ti­scher Kon­trol­le agie­ren.

Ich hof­fe Ves­ta­ger hat noch lan­ge Ein­fluss auf die Aus­rich­tung der EU-Po­li­tik, nicht nur weil sie angst­frei und un­ab­hän­gig zu sein scheint, son­dern weil sie auch als eine der we­ni­gen EU-Spit­zen­po­li­ti­kerïn­nen den Ernst der Lage be­greift und ent­spre­chend prag­ma­tisch agiert.

Nur: auch wir müs­sen mit un­se­ren Kon­sum­entsch­ei­dun­gen mit­wir­ken & mit­steu­ern — und da­bei un­ter Um­stän­den auch lieb ge­won­ne­ne Be­quem­lich­kei­ten auf­ge­ben und viel in­ten­si­ver nach Al­ter­na­ti­ven zu den Diens­ten der gro­ßen Platt­for­men su­chen.

Ich emp­feh­le, sich die­ses (oder die­ses) teil­wei­se schmerz­haft tro­cke­ne Ge­spräch rein­zu­zie­hen oder sich zu­min­dest mit Lo­bes­hym­nen und Kri­tik an Ves­ta­ger aus­ein­an­der zu set­zen. Weil: „This is now.“

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