ich hatte das gefühl da plaudern zwei leute die mehr gemeinsam haben als sie trennt. oft hörte man von beiden, wie bei einem alten ehepaar: „das haben wir gemeinsam gemacht.“ entweder hat die merkel kreide gefressen oder ich habe noch zu viel von stoibers gekreische im ohr, so dass ich fast überrascht war von merkels moderaten positionen. ich hatte immer wieder das gefühl das beim duell merkel gegen schröder keine allzu grosse polarisierung stattfand. insofern hat schröder das duell klar verloren. seine kritik an merkel griff nur einmal beinahe, als er ihr vorwarf eine unsoziale politik zu vertreten. ich mochte die merkel nie besonders, die politik der union erst recht nicht, aber merkel bot schröder keinen richtigen angriffspunkt und konterte seine angriffe meist überraschend souverän und gut vorbereitet.
der versprecher des abends kam von dem ex-zdf, jetzt sat1-typen: „nochmal nachgefragt bei ihnen, frau kirchhof.“ schön war auch der dialog zwischen merkel und schröder wo denn ein zitat von paul kirchof herkäme:
- das zitat stammt aus einem vorwort. - das ist aus einem interview! - nein, das ist aus einem vorwort. - interview!
insgesamt wirkte schröder nervöser und fahriger als ich erwartet habe, er stammelte ein paar mal, wirkte stellenweise sogar aggresiv und altklug. merkel war viel ruhiger und gelassener als ich erwartet hätte, ihre argumente, auch wenn ich sie nicht teile, waren teilweise sogar überzeugender als die schröders. angenehm auch, dass merkel nicht ständig so komisch mit dem kopf wackelt wie stoiber vor 3 jahren. im gegenteil zu stoiber schaffte sie es auch ab und zu souverän zu gucken und ihrem gegner ins gesicht.
bei den moderatoren hat peter klöppel gewonnen. der konnte sich zwar gegen niemanden durchsetzen, aber mit abstand am wichtigsten und staatstragendsten gucken.
schon irre. heutzutage wird man ja schon antiamerikanisch genannt, wenn man george w. bush nicht mindestens einmal pro woche (öffentlich) als den grössten und klügsten führer der westlichen welt bezeichnet. auch menschlichkeit, mitgefühl und anstand kann man heutzutage nur für sich in anspruch nehmen, wenn man bedauern und mitgefühl schriftlich und im voraus ausdrückt. ansonsten muss man „weg“.
so ist das in heraufziehenden zeiten von „anstand und ehrlichkeit“. ehrlich und anständig ist, was mir im wahlkampf hilft.
eben kam aus meiner zahnpastatube eine blase als ich die zahnpastareste auf meine zahnbürste drückte. sie flog 4 sekunden in richtung badezimmerschrank und zerplatze dann in der luft. eine elmexblase.
heute bin ich wegen akuter politikmüdigkeit bis ungefähr drei uhr im bett geblieben. trotzdem phoenix geguckt. nicht schlecht einen parteitag im dem fernseher zu verfolgen. als stoiber alllerdings für eine laue runde applaus die faktenlage genauso verbog wie spiegel-online um trittin abzuwatschen (sich aber in wahrheit selbst ins knie zu ficken) bin ich wieder eingeschlafen.
drei „junge welt“-redakteurte haben bei der letzten bundestagswahl stoiber gewählt, einer davon nach eigener aussage „im affekt“.
scheitern macht spass.
stoiber riecht wirklich gerne an seinem zeigefinger. ständig.
merkel nannte den spd-parteitag laut tagesspiegel vom 2.9.2005 eine veranstaltung der „vergangenheit“. rrrichtiiisch! der csu-parteitag ist seit heute nachmittag übrigens auch eine veranstaltung der vergangenheit, is nämlich vorbei jetzt.
so ein parteitag ist kulisse. kulisse für reden, phrasen und selbstdarstellung, kulisse und gelegenheit politiker zu interviewen, zu filmen und zu fotografieren. kulisse und gelegenheit für journalisten sich zu profilieren, andere journalisten zu treffen („networken“), anzubaggern und nach hintergrundgesprächen oder hotelbar-exzessen zu pimpern. die industrie baut messestände auf und informiert, bezahlt die pressefütterung und präsentiert oder verschenkt die eigenen produkte. heute war der parteitag, den ich ja beobachten sollte, auch noch kulisse für eine beobachtung des beobachters. hanna grabbe, die „radio-tante“, von bayern2 wurde von ihrer redaktion (zündfunk) dazu verdonnert einen sieben-minuten-beitrag über mich als parteitagsblogger zu machen (sendetermin: montag, 5. september, irgendwann zwischen 19 und 20 uhr auf bayern2). ich wiederrum blogge über sie, wie sie mich beobachtet hat — wenn das mal kein metabloggen ist, meta-meta gar.
die dame war bestens vorbereitet, hatte sich gut eingelesen und sogar ausdrucke von dem zeug was ich schrob dabei — und sie war furchtbar nett. trotzdem stürzte sie mich in eine tiefe sinnkrise. durch ihr behaarliches und berechtigtes fragen nach dem warum, warum ich blogge, warum ich von parteitagen blogge, warum ich so schreibe wie ich schreibe, habe ich, je länger ich darüber nachdenke, keine antworten. habe ich eine aufgabe, hat das einen sinn, habe ich einen anspruch und wenn ja welchen? im vorfeld habe ich mich ja vorsorglich von jedem anspruch frei gemacht, jeglichen sinn und anspruch meines tuns auf den parteitagen geleugnet, mich geweigert auch nur ansatzweise journalistische masstäbe an mich anlegen zu lassen.
das ist ja auch ok, solange man ins stille stübchen bloggt, in klein bloggdings rumbloggt. aber wenn dann die pressefuzzis kommen und einen auf irgendeine beuteutungsebene heben indem sie über einen berichten, dann geht die unbekümmertheit doch irgendwie verloren. ich muss mich (zu recht) fragen lassen welche masstäbe ich beim schreiben anlege, welches selbstverständniss ich habe und ob ich bereit bin verantwortung zu tragen für die regeln die ich — bewusst oder unbewusst — breche (oder auch nicht).
meine ins dunkle gestellten rhetorischen fragen laufen alle auf die gute alte relevanz-frage zu, der ich eigentlich einfach aus dem weg gehen wollte. welche relevanz hat das blogdings, heute oder in ein paar jahren? wo positionieren sich die blogger, welche gesellschaftliche position wollen sie einnehmen?
nur — ein viel besseres beispiel als mein/unser teilweise sinnbefreites parteitagsgeblogge, ist jörg-olafsfleissarbeitscoop bei lautgeben.de. dieser artikel zeigt wo die blogdings-reise zukünftig in sachen relevanz und einfluss hingehen kann. deshalb, liebe presse-fuzzis, schmeisst euch an jörg-olaf ran und lasst mich am sonntag wieder in ruhe und unbeobachtet irrelevantes zeug vom fdp-parteitag bloggen. genauso hohl und beudeutungsleer wie die hohlen worthülsen und absichtserklärungen die mir vom rednerpult aus entgegengeschleudert werden. anders ausgedrückt: die musik spielt nicht auf parteitagen, sondern ganz woandershier. eat that, taz, tagesspiegel oder berliner zeitung (aber am montag abend trotzdem nicht vergessen bayern2 zu hören). ich gehe ab nächster woche eh wieder in mein stilles stübchen zurück und iche von dort aus weiter.
in der faz steht heute ein artikel von johannes leithäuser, übertitelt „In drei Wellen“:
Angeblich sind unterdessen knapp 20 000 mögliche Mitstreiter des „TeAMs“ registriert. Sie hatten ihren augenfälligsten Einsatz am Parteitagssonntag der CDU in dewr Dortmunder Westfalenhalle, wo mehrere 1000 von ihnen das Gerüst der orangenfarbenen Jubelkulisse bildeten, sie sind aber auch bei allen größeren öffentlichen Auftritten der Kanzlerkanditatin und anderer CDU-Spitzenpolitiuker präsent, schirmen sie bei ihrem Einzug auf öffentlichen Plätzen ab und versuchen gezielt und vorbereitet, die erwarteten Störattacken von Aktivisten der Linkspartei oder anderer Initiativen einzudämmen.
diese CDU/TeAM jubelperser (ich benutze das wort immer lieber, immer wenn ich es sage, grinst mich mein gegenüber an) sind heute nicht da. es ist auch kein orange zu sehen. auch keine roten teppiche. die veranstaltung ist recht übersichtlich und komplett in blau gehalten, sogar das blumenwasser ist blau eingefärbt. in der hallle im plenum sind ca. 30 sitzreihen, gefüllt mit delegierte, dahinter ein paar gäste, dahinter wiederum, oben auf einer tribüne, die fernsehsender. vorne reden bayerische politiker und die delegierten werden wie bei der bahn, von 1 euro-jobbern die mit wägelchen durch die gänge fahren, gefüttert.
insgesamt hat man das gefühl einer familiären veranstaltung beizuwohnen. man kennt sich halt. klein, übersichtlich, gemütlich. hier muss keiner fremdeln.
immer wieder fragt mich die radio-tante nach meiner motivation. warum ich hierher gefahren bin. warum ich blogge, warum ich parteitagsblogge. recht hat sie. es ist völlig unverständlich, warum ein gutausehender typ wie ich an einem solchen tag nicht ins freibad geht oder ins kino. nun, zum thema freibad ist die antwort natürlich leicht, im freibad mit einem kompressionsstrumpf rumzulaufen ist nämlich eher peinlich, auf parteitagen, zudem einem der csu, fällt man damit kaum auf.
warum also auf parteitage fahren? bin ich politisch? sind parteitage politisch? welchen sinn hat ein parteitag? ich hatte ja bereits beim linksparteitag gemutmasst, dass es ausschliesslich um „wortproduktion“ geht. mittlerweile bin ich aber zur überzeugung gekommen, dass parteitage eine art selbstreferenzielle endlosschleife sind. zugleich sind sie eine arbeitsbeschaffungsmassnahme erster güte, für „eventagenturen“, veranstaltungsorte, fernsehsender und journalisten. und natürlich für blogger.
auf so einem parteitag versichern sich leute die sich gut finden, dass sie sich gut finden. sie legitimieren sich in mehr oder weniger aufwenigen legitimationsverfahren die sie sich vorher ausgedacht haben. dabei beobachten und applaudieren sie sich gegenseitig und werden auch „von aussen“ heftig beobachtet. manche leute die das sich-gegenseitig-gutfinden beobachten werden wiederum beobachtet und gefragt was sie denn da beobachtet hätten. wer die besten worte findet hat gewonnen und kommt mit diesen worten auch ins fernsehen oder die zeitung. juriert werden die worte von beobachtern auf der tribüne. wer viele gute worte hat und damit am ende oft genug ins fernsehen kommt (und so „die themen“ setzen kann) wird am ende kanzler. oder kanzlerin.
das ist alles ein grosses und unglaublich aufwendiges spiel, von dem man nur ganz wenige, kleine teile sieht. um politik geht es nicht wirklich. es geht um stimmung, um die inszenierung, um bilder, um gesten und symbole.
ich gebe zu, ich habe den reden nicht allzu aufmerksam zugehört, räusper, kann ich ja morgen in der zeitung nachlesen. nur als die merkel sprach bin ich einmal ganz nah an sie (und die führungsriege der csu) rangegangen. angela merkel hat ganz kleine füsse die hinten ein bisschen aufgebockt sind, damit die beine länger wirken. sie trug (wieder) was rosa/flieder/orangiges und redet erstaunlich flüssig, in genau der richtigen lautstärke, mit fester stimme, die nicht so keifig, schrill und aufgeregt rüberkommt wie bei manchen spd- oder pds-politikern. komisch. ich empfinde sympathie. sie wirkt sympathisch wie sich einen abgrinst als sie den saal mit einer kirchhof-schmähungs-retourkutsche an schröder zum brodeln bringt. sie freut sich! das ist nicht das mühsam antrainierte ich-will-noch-fröhlicher-werden-grinsen das ich letztlich ständig im fernsehen sah. das ist echte freude.
überhaupt. die stimmung. cdu und csu strahlen siegesgewissheit und selbstbewusstsein aus. auch wenn ich überall las, dass schröder die genossen (und genossinen) mit seiner rede „mitriss und euphorisierte“, gegen die stimmung bei den unions-parteitagen war der spd-parteitag eine trauerveranstaltung ganz furchtbar sachlich. im herzen haben die anhänger der union die wahl schon gewonnen. ich kann mir vorstellen, stoiber macht heute abend wieder mal ein glas sekt auf. ich frage mich ob schröder, wenn er bald ins fernsehen kommt, noch irgendein ruder herumwerfen kann. die spd (nicht schröder) wirkt müde, cdu und csu hingegen wirken unglaublich euphorisiert und selbstbewusst und setzen auch noch die themen.
die radio-tante hat mich eben in der presselounge gefunden. wir haben uns eine weile unterhalten, über mein lieblingsthema, mich. dann der schock, sie will mir die ganze zeit über folgen. wie soll ich so arbeiten? glücklicherweise muss ich nicht arbeiten, nur bloggen. ich muss jetzt also immer erklären was ich mache und das kommt dann im radio.
in der halle wurden eben die jubelperser angeheizt. eine blondine (alles voll mit blondinen hier, doo) von sat1 versucht das: „und jetzt geben sie alles.“ jetzt kommt eine „poppige“ version der bayern-hymne. supa.
wo war ich? achja in der hallle. was mir auffällt: wie bei der linkspartei werden die delegierten, die gäste und die jouranlisten nicht getrennt aufbewahrt, alle laufen gemischt durch die halle (das habe ich eben auch schon im radio gesagt). was ich auch eben im radio gesagt habe; der glos beckstein ist ein lieber onkel. zumindest wenn man schräg vor ihm steht, 20 kameras auf ihn gerichtet sind und hinter einem eine grossbildleinwand ist. dann grinst der nämlich ganz super freundlich und man kann sich einbilden er grinst einen an.
jetzt redet der herr söder. statt zu kommentieren was er redet („gerd-show ist bald zuende“, „wechsel“, „blah“) link ich mal auf den herrn rossi, der hat den herrn söder bestens portraitiert. hanna (vom radio) ist gerade aufs klo gegangen. jetzt kann ich den scheiss endlich online stellen ohne die ganze zeit dabei zu reden.
ich fahre nach nürnberg. dort holt mich eine dame die für irgendein radio arbeitet vom bahnhof ab. mal gucken ob ich sie erkenne:
bin so ne große blonde evtl. mit pseudo-grafikdesignerbrille.
die damen und herren von der presse haben den speisewagen geentert. der eine versucht seinen beruf durch ein lautstark geführtes gespräch auch dem dümmsten speisewagenbenutzer klar zu machen. der typ labert die ihm gegenübersitzende blondine eiskalt tot. später liest er ihr seine lieblingszitate aus der zeitung vor. meiner bescheidenen meinung nach etwas zu laut. einwürfe kann sie nur machen, wenn er abgelenkt ist und über seine eigenen witzchen lacht. ein anderer arbeitet sich durch 7 tageszeitungen. der typ neben mir, trinkt weisswein und hustet lungenreste in sein stofftaschentuch. rechts sitzt auch ein spacko im anzug mit turnschuhen, wie ich. er ist allerdings noch ne nummer cooler als ich und frühstückt mit sonnenbrille.
mittlerweile bin ich in nürnberg, auf dem messegelände, hier gibts auch wlan, von der telekom. ich kauf mal zur sicherheit ne stunde für 9 euro, falls ich den herrn fresenius nicht finde oder eine dose wo ich mein antikes ethernetkabel mit RJ45 buchse anschliessen kann.
die blondine vom radio will mich jetzt um viertel vor drei am eingang treffen. eine brünette versucht gerade mit ihrem laptop über die bereitgestellten telefondosen ins internet zu kommen. der telekomtechniker hat pipi-langstrumpf als klingelton. was ist bloss mit der presse los? haben die noch nie was von wlan gehört? umts? ich guck mal was das buffet hergibt. bilder demnächst in diesem flickr-set.
eben in nürnberg angekommen, die „grosse blondine mit pseudo-grafikdesignerbrille“ vom radio hat sich mit ihren zügen vertan und mich deshalb nicht vom bahnhof abgeholt.
wlan gibts, allerdings teures, mal gucken ob ich den herrn fresenius noch finde, der mir wired lan versprochen hat. demnächst mehr auf wahlblog.de.
eigenartig in der vollen u-bahn neben einer nicht unattraktiven, grossen, blonden frau zu stehen, die in der zeitung die seite aufschlägt auf der man selbst, in nicht ganz vorteilhafter pose, abgebildet ist.
ok. ich gebe zu, es ist schon eigenartig, wenn drei mild adipöse blogger 5 euro eintritt für eine veranstaltung im nbi in der kulturbrauerei bezahlen um sich dann nach draussen, auf die terrasse zu setzen und dort nach und nach, von 9 bis 12 uhr insgesamt 12 bier trinken. dass diese bier jeweils mit 50 cent pfand belegt sind ist ja ok, wenn aber dann die spackige bedienung sich um 24 uhr weigert das pfand wieder herauszugeben, weil das bier seit 30 minuten ohne pfand ausgegeben wird, dann ist mir das ehrlichgesagt zu blöd mich mit einem blonden vollpfosten auf eine diskussion einzulassen, warum sie mir nicht „alles“ zurückgeben „kann“. da sie sich mit ihrer vorgesetzen absprach, gehe ich davon aus dass es nicht nur an der dummheit der bedienung lag, sondern dass das nbi ein veritabler saftladen ist.
erfreulich fand ich es hingegen, beim gehen von einem faz redakteur meine wäscheklammer auf die nase gesteckt bekommen zu haben und ausserdem frau passig vorgestellt geworden zu sein.
ich habe es befürchtet. die veranstaltung wurde furchtbar selbstbeschaulich. nicht nur dass ich eben fast 45 minuten mit einer journalistin vom tagesspiegel sprach (also ein interview) die hier unter schrecklichen arbeitsbedingungen arbeiten muss: ganz ohne online zugang! so musste ich ihr alles erzählen was ich unter mühen formuliert, aufgeschrieben und gebloggt habe. ich musste mich selbst erklären. wer mich kennt, weiss welche qualen ich durchlebte. dann war die gute frau auch ein bisschen in hektik, denn bis um halb fünf müsse ihr artikel fertig sein. mal schaun was die dame, ich nenne sie mal offlinelady, morgen in den tagesspiegel reinschreibt.
ein anderer blogger hatte ein rtl2 fernsehteam dabei, das ihn auf schritt und tritt begleitete.
der parteitag rauschte an mir vorbei. hängen blieb der eindruck einer staubtrockenen veranstaltung begewohnt zu haben. da war selbst der linksparteitag leidenschaftlicher und emotionaler. der unterschied bestand im wesentlichen in der grösse, der anzahl anwesender journalisten und gäste (bei der spd waren es ein paar mehr). der parteitag wurde eingeläutet von ein paar akkustisch und inhaltlich kaum zu ertragenden schreihälsen rednern, fand seinen flauen höhepunkt in schröders rede (die laut mitgehörtem journalistengespräch anderthalb stunden dauerte und 12 minuten applaus erntete). nach schröders rede stürmte der halbe saal nach draussen und schwang sich ans buffet. ich auch. ich wurde mit meinem teller strafreis mit hühnerfrikasse fast vom panzer überfahren. an den stehtischen im pressezentrum wurde ein bisschen gefachsimpelt („länger als sonst hat er geredet“) und alkoholfreies getrunken. die spd mutet es den zahlenden parteimitgliedern offenbar nicht zu den alkoholismus der anwesenden presse mit ihren beitragsgeldern zu unterstützen. saufen ja, aber nur auf eigene kosten (da fällt mir, ich weiss nicht warum, rüttgers ein: „ehrlichkeit und anstand!“). müntefering hielt eine gute rede, schnappte ich irgendwo auf. nur wollte kaum einer zuhören. am ende, als eine bergmannnkapelle rumsang, sass kaum noch einer im saal, die paar die noch da waren, standen und riefen, so hörte ich es von ganz hinten im saal: „schröder du weichei.“ sebastian reichel, der onlinewahlkampfkoordinator der sich um uns blogger kümmerte, antwortete mir, auf auf meine frage warum die spdler denn sowas sagen, dass sie „schröder für deutschland“ riefen. achso.
auch die eingeladenen weicheier „profiliertenblogger“ machten früh feierabend, die offlinelady schrieb an ihrem artikel für morgen und allle packten langsam zusammen.
der parteitag schlug, meiner bescheidenen meinung nach, wie eine trockene staubbombe ein.
ich habe eben, hier auf der pressetribüne des spd-parteitages eine email von tobias fresenius bekommen. der bloggt, glaube ich, für die csu und hat auf meinen vorwurf die csu habe zwar laptops, aber kein internet geantwortet: „Überzeugt Euch vom Gegenteil: Die CSU verfügt über Laptops und Internet!“
da ich das als einladung aufgefasst habe, habe ich mich für den csu-parteitag in nürnberg akkreditiert — ausdrücklich als blogger und nicht als journalist — und um wlan-zugang gebeten. die antwort spricht bände:
Ich habe persönlich gecheckt, ob Ihre Akkreditierung angekommen ist. Das ist der Fall. Danke. Jetzt haben wir ein klitzekleines Problem: In Nürnberg wird es nur wired-Lan geben. Als Journalist steht Ihnen ja dann aber ein Pressearbeitsplatz zu.
na das kann ja lustig werden. muss ich mich wirklich journalist nennen lassen? weiter gehts — gleich — mit spd-content.
[momentan ist hier eh nicht viel los; die leute schreien und klatschen, schröder hält die arme hoch, nimmt sie wieder runter, läuft auf und ab, kommt zurück in die mitte der bühne, hebt die arme, senkt sie, geht an seinen platz, etc, etc. ich geh mal apfelsaftschorle trinken.]
schröder bezeichnet kirchhof ständig als „jenen professor“, er vermeidet es seinen namen auszusprechen. statt dessen: „jener professor da aus heidelberg“, „jener professsor den ich erwähnt habe“. genauso nennt er merkel „die dame“. kirchof ist dann „jener professor der bei der dame für die steuern verantwortlich ist“.
schröder schiesst sich auf kirchhof ein, er suggeriert kirchof sei ein luxus-professor, habe keine vorstellung von der lebenswirklichkeit von schröders kleinem mann, bzw. vom leben einfacher menschen.
was mir gefällt ist wie er einen reuters oder dpa-meldung vorliest, in der kirchof von einer „durchschnittssekretärin“ mit 1,3 kindern redet um sein steuersystem zu erläutern. die sekrtärin sei zu einem gewissen prozentsatz verheiratet sei. als er vorliest und die menge schon beim sekretärinnen-jahresgehalt von 40.000 euro lacht und johlt, sagt er immer, „nee, passt auf, das wird noch besser …“. wenn schröder so bloggen würde, könnte das vielleicht noch was werden, mit der weltherschaft.
hab ich schon erwähnt, das schröder die menge mittlerweile mehrfach richtig heiss und dann wieder müde geredet hat?
bleibt ja nicht aus, so kurz vor der rede des bundekanzlers, sich mal zurückzulehnen und sich gediegen selbst zu betrachten. oder die anderen. don zum beispiel. der liest heimlich spiegel-online statt zu bloggen, ist aber noch feuchter am oberkörper als ich. johnny schwitzt auch, stöhnt aber zusätzlich ganz laut rum. ausserdem schreibt er sich den arsch ab. jetzt ist sein server kaputt. die anderen herren die hier neben mir bloggen, kenne ich zu meiner schande nicht. aber das blaue licht am wlanstick vom kollegen links von mir, macht mich noch fahriger als ich eh schon bin.
mich hat eben eine reporterin vom tagesspiegel erkannt. sie wolle mal mit mir reden. mhh. worüber bloss? was ich so mache wollte sie zwischedurch mal wissen. das was ich ihr sagte, verstand sie nicht, weil da gerade der schreihals ullbrichte. ich würde es ihr jetzt hierhinschreiben, was ich so mache, nur erinnere ich mich nicht mehr was ich ihr sagte. mein gedächnis ist eh nicht bei mir, sondern hier.
jetzt redet schröder. im gegenteil zu seinen vorrednern ist seine lautstärke auf ein einigermassen erträgliches level geregelt. er schreit auch nicht so keifig wie wowereit und uwe hück (ja wowereit schreit selbst tagesordnungspunkte). was mich wundert: der verhaltene, sporadische applaus für schröder. so richtig geil findet man den gerhard hier irgendwie nicht. vielleicht bin ich auch verwöhnt von den junge union-jubelarien und den achttausend jubelpersern in der westfalenhalle. dagegen ist es hier mucksmäuschen still. applaus, leichtes klatschen, mehr nicht. bin ich im falschen film? apropos stille. hinten rechts auf einer zuschauertribüne sitzt eine gebärdendolmetscherin und schaut und gestikuliert ins publikum.
vor ein paar minuten hat schröder gesagt, das was die opposition mache sei „eine inszenierung ohne jede substanz“. witzig, das scheint so eine art allzweckwaffe zu sein. ich bin substanzlos, rüttgers sagte vor ein paar tagen die regierung mache eine substanzlose „show“ und nun nennt der schröderkanzler die anderen substanzlos. ich probier das jetzt auch mal: das ist doch alles total substanzlos hier.
jetzt, nach 30 minuten redezeit, reagiert die menge ein bisschen spontaner und williger auf schröder. schröder wird lauter, das publikum auch. gleichzeitig hat die spd aber auch jubelperser mit roten tshirts in die reihen zwischen den delegierten getrieben. das sind sehr gut gelaunte junge menschen, die kehlig „juuuuuuuh“ rufen wenn ihnen etwas gefällt, aber sehr zickig reagieren wenn ihnen eine kameramann auf die schulter klopft um sich vorbeizuzwängen.
seitdem ich das letze mal hier war, hat sich die grösse der halle verdoppelt. auch die roten folien von den deckenscheinwerfern sind verschwunden, ausschliesslich weisses licht mit blauen akzenten. was sich nicht verändert hat; überall sitzen „genossen und genossinnen“. ziemlich viele.
ausserdem schwitze ich wie ein tier. viele leute, viele olf, viel abwärme. irgendwie ist das auch ein bisschen unentspannter als bei den gemütlichen onkels von der linkspartei. vielleicht liegts auch an den anderen bloggern die einen (wie ich) ungefragt fotografieren, die schneller und mehr (oder besser) schreiben (wettbewerb) und einen unter druck setzen: „schreib mal was, doo!“ ich kann so nicht arbeiten. nur rumschwitzen. mich selbstbetrachten. versuchen den etwas zu lauten stuss vom rednerpult auszublenden.
der herr reichel, der den onlinewahlkampf organisiert, hat sich eben etwas gewundert als ich ihn gefragt habe wo denn im pressezentrum das bier sei: „am vormittag?“ was ist bloss aus den genossen geworden. früher haben die doch alle gesoffen wie stiegler tiere.
gerade redet walter ullbricht. oder jemand der meint die stimme am ende eines vermeintlich wichtigen satzes laut quietschend und keifend nach oben ziehen zu müssen. funktioniert das? motiviert so ein fickriges gekeife die delegierten? der schlussapplaus lässt diese vermutung zu.
so. gerade angekommen, leicht feucht unter den achseln, blogge ich jetzt gleich auf dem wahlblogg.de vom spd-parteitag. aber erst mal emails lesen und blogstats angucken.
die taz schreibt über mich, ich sei „respektlos“. das stimmt natürlich nicht. sonst stimmt alles, ausser meiner url. [die taz redet davon, dass man mich auf meiner webseite „nach allen Seiten drehen“ könne. das geht übrigens hier.] [bild vom taz artikel bei frau frank und hier]
herr majica hat in der berliner zeitung auch über mich geschrieben. bei ihm stimmt ausnahmslos alles (sogar die url) ausser dass er „der“ blog schreibt. besonders gefällt mir, dass er mein substanzlosen parteitagsgeblogge ein „orthografisch mutiges Protokoll“ nennt.
neu beim parteitagsgeblogge ist eine quasi einladung nach nürnberg um von dort vom csu parteitag zu bloggen. wenn die mich (als „blogger“, nicht als „journalist“) akkreditieren, werde ich am freitag auch dorthin fahren und überprüfen ob es bei der csu, wie behauptet, auch cristsoziales wlan gibt.
auch wenn das wahlblog, bzw. nico mir zugesagt haben ein paar meiner spesen zu übernehmen, würde ich mich über (weitere) spenden freuen. bis jetzt ist das ganze mehr oder weniger ein privatvergnügen meinerseits. mit betonung auf vergnügen.
heute hat blogg.de/der haltungsturner ja eine pressemeldung veröffentlicht, in der ich um ein haar als „laienjournalist“ bezeichnet wurde. selbstverständlich erzeugte diese „PM“ ein riesiges echo: und zwar genau ein anruf von marin majica von der politik-redaktion der berliner zeitung.
er wollte mich interviewen, wir trafen uns um 18 uhr im starbucks am hackeschen markt. er kam fünf minuten zu spät, aber ich schleimbeutel lobte ihn für seine pünktlichkeit. ich wurde, parteitagsgestählt, gleich investigativ: „lesen sie blogs? welche?“. er log mich an: „ja. ein paar.“ na gut ein paar blogs kannte er, aber von jamba und spreeblick hatte er noch nix gehört. ich trug ihm mit meiner unverbesserlichen arroganz auf das zu googlen und drückte ihm den besten artikel über blogs (ever) in die hand, den ich zufällig (wirklich), ausgedruckt, dabei hatte. kurz darauf flickerte ich ihn noch.
natürlich ging es ums wahlblog und mein parteitagsbloggen, aber auch ums bloggen allgemein. auf seine frage warum ich blogge hatte ich keine gute antwort parat, aber ich erzählte ihm wahrheitsgemäss, dass das blogdings keine konkurenz zum journalismus sei, sondern, frei nach sixtus, etwas ganz anderes, eine art kommunikationsraum. auch wiederholte ich das kurz vorher gesagte, dass ich den klassischen medien nichteinmal ansatzweise konkurenz machen wolle — und auch überhaupt nicht könne. ein unterschied könne aber eventuell darin bestehen, dass ich das was ich auf den parteitagen bishersah, nicht so ernst nähme wie die etablierten und hoffe, eine leicht verschobene perspektive auf einen parteitag geben zu können. ich schwärmte ihm wie ein irrer vom blogdings vor, was ich gerne lese, wie sehr ich mario sixtus (und christof wolff) seine blogtour verehre und ausserdem die riesenmaschine. da! da war es, der funken sprang über. die kannte er. er kenne kathrin passig und holm friebe. puh, wenn er die göttliche passig und den genialen friebe kennt, kann der artikel ja eigentlich nicht scheisse werden.
überprüfen kann man das am mittwoch in der berliner zeitung.
keiner fragt sich das, ich auch nicht wirklich, trotzdem, anbei, eine antwort darauf. am samstag fuhr ich ins neuköllner estrel hotel, hörte und guckte mir an was man mir und der presse dort vormachte — und schrieb darüber was ich sah und hörte. am sonntag fuhr ich nach dortmund und machte dort das selbe. hören, sehen, drüber schreiben. dasselbe werde ich am mittwoch bei der spd und nächsten monat bei der fdp machen. dass der eine oder andere darüber enttäuscht sein mag, das was ich schreibe „substanzlos“ ist, juckt mich nicht. es stimmt nämlich. ich schreibe oberflächlich, ohne tiefere recherchere, ohne grosse vorbereitung und vor allem subjektiv und unausgewogen. vor allem schreibe ich ausschliesslich das auf was meine aufmerksamkeit oder mein interesse weckt.
sollte sich jemand für objektivere berichterstattung interessieren, die damen und herren von den etablierten medien machen das ganz hervorragend — und zwar aus allen möglichen blickwinkeln. das kann man dann morgens in verschiedensten geschmacksrichtungen am kiosk kaufen oder im fernsehen sehen.
was ich mache, ist das genaue gegenteil von professionell, aber es macht mir spass, sonst würde ich keine zeit und kein geld dafür investieren. die einzigen beide dinge auf die ich wert lege sind, dass ich nicht in peinliche jubelarien abgleite und die vorgedruckten phrasen wegblogge und dass ich nicht langweile. sollte ich das doch tun: basht mich, heftig.
heute früh geht eine pressemeldung (so, oder leicht modifiziert) raus (vom haltungsturner geschrieben), die das oben gesagte etwas formeller und für merkbefreite formuliert:
Erstmals Live-Blogging von den Parteitagen
Hamburg (ots)
Mit dem Blogger Felix Schwenzel (http://wirres.net) hat das Wahlblog (http://wahlblog.de) erstmals einen unabhängigen Blogger auf Parteitage geschickt. Dieses Wochenende berichtete Schwenzel unter dem Pseudonym "ix" von den Parteitag der Linkspartei (27.8) und der CDU (28.8). Es folgen am Mittwoch (31.8) der Parteitag der SPD. Am 9.9 ist Schwenzel live beim FDP-Parteitag dabei.
Mit den Berichten im Wahlblog betritt die Plattform Neuland. Erstmals in Deutschland ist ein unabhängiger Blogger als Laienjounalist bei allen großen Parteitagen akkreditiert und schreibt live und subjektiv im Blog.
Felix Schwenzel (http://wirres.net) gehört zu den bekanntesten Bloggern in Deutschland und bloggt seit sechs Jahren. Sein Blog gehört zu den Top 10 der meistverlinkten Blogs und zu den Top 50 in der Besucherstatistik. Der Berliner Informationsarchitekt und Entwickler ist von Anfang an Co-Autor im Wahlblog.
Das Wahlblog (http://wahlblog.de) ist am 1. Juni von den langjährigen Bloggern Nico Lumma ("Lummaland", http://lumma.de), Nico Brünjes ("Webpropaganda", http://webpropaganda.de/) und Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach ("Haltungsturnen", http://haltungsturnen.de) gegründet worden und hat zurzeit 20 Autoren aus allen politischen Richtungen. Die Technik stellt der Blogservice BLOGG.DE (http://blogg.de) zur Verfügung.
Was ist ein Weblog?
Ein Weblog oder "Blog" ist ein persönliches Online-Journal, das ähnlich einem Tagebuch chronologische Einträge aufweist und in der Regel frei zugänglich ist. Die Autoren der Weblogs werden "Blogger" genannt. In Deutschland gibt es ungefähr 70.000 aktive Weblogs.
Über BLOGG.DE
BLOGG.DE ist das deutsche Weblog-Portal und bietet seit 2003 zahlreiche Dienste rund um das Bloggen an. Unter anderem können Nutzer bei Blogg.de ein eigenes Weblog führen. Mit Blogstats.de (http://blogstats.de) hat BLOGG.DE die führende deutsche Suchmaschine für Weblogs geschaffen, die u.a. aktuelle Themen in Weblogs anschaulich aufbereitet und Verlinkungen darstellt.>