vom spd-par­tei­tag: „die spd hat im in­ter­net die na­se vorn“ (teil 6)

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

ich habe es be­fürch­tet. die ver­an­stal­tung wur­de furcht­bar selbst­be­schau­lich. nicht nur dass ich eben fast 45 mi­nu­ten mit ei­ner jour­na­lis­tin vom ta­ges­spie­gel sprach (also ein in­ter­view) die hier un­ter schreck­li­chen ar­beits­be­din­gun­gen ar­bei­ten muss: ganz ohne on­line zu­gang! so muss­te ich ihr al­les er­zäh­len was ich un­ter mü­hen for­mu­liert, auf­ge­schrie­ben und ge­bloggt habe. ich muss­te mich selbst er­klä­ren. wer mich kennt, weiss wel­che qua­len ich durch­leb­te. dann war die gute frau auch ein biss­chen in hek­tik, denn bis um halb fünf müs­se ihr ar­ti­kel fer­tig sein. mal schaun was die dame, ich nen­ne sie mal off­line­la­dy, mor­gen in den ta­ges­spie­gel rein­schreibt.

ein an­de­rer blog­ger hat­te ein rtl2 fern­seh­team da­bei, das ihn auf schritt und tritt be­glei­te­te.

der par­tei­tag rausch­te an mir vor­bei. hän­gen blieb der ein­druck ei­ner staub­tro­cke­nen ver­an­stal­tung be­ge­wohnt zu ha­ben. da war selbst der links­par­tei­tag lei­den­schaft­li­cher und emo­tio­na­ler. der un­ter­schied be­stand im we­sent­li­chen in der grös­se, der an­zahl an­we­sen­der jour­na­lis­ten und gäs­te (bei der spd wa­ren es ein paar mehr). der par­tei­tag wur­de ein­ge­läu­tet von ein paar ak­kus­tisch und in­halt­lich kaum zu er­tra­gen­den schrei­häl­sen red­nern, fand sei­nen flau­en hö­he­punkt in schrö­ders rede (die laut mit­ge­hör­tem jour­na­lis­ten­ge­spräch an­dert­halb stun­den dau­er­te und 12 mi­nu­ten ap­plaus ern­te­te). nach schrö­ders rede stürm­te der hal­be saal nach draus­sen und schwang sich ans buf­fet. ich auch. ich wur­de mit mei­nem tel­ler straf­reis mit hüh­ner­fri­ka­sse fast vom pan­zer über­fah­ren. an den steh­ti­schen im pres­se­zen­trum wur­de ein biss­chen ge­fach­sim­pelt („län­ger als sonst hat er ge­re­det“) und al­ko­hol­frei­es ge­trun­ken. die spd mu­tet es den zah­len­den par­tei­mit­glie­dern of­fen­bar nicht zu den al­ko­ho­lis­mus der an­we­sen­den pres­se mit ih­ren bei­trags­gel­dern zu un­ter­stüt­zen. sau­fen ja, aber nur auf ei­ge­ne kos­ten (da fällt mir, ich weiss nicht war­um, rütt­gers ein: „ehr­lich­keit und an­stand!“). mün­te­fe­ring hielt eine gute rede, schnapp­te ich ir­gend­wo auf. nur woll­te kaum ei­ner zu­hö­ren. am ende, als eine berg­mannn­ka­pel­le rumsang, sass kaum noch ei­ner im saal, die paar die noch da wa­ren, stan­den und rie­fen, so hör­te ich es von ganz hin­ten im saal: „schrö­der du weich­ei.“ se­bas­ti­an rei­chel, der on­line­wahl­kampf­ko­or­di­na­tor der sich um uns blog­ger küm­mer­te, ant­wor­te­te mir, auf auf mei­ne fra­ge war­um die spd­ler denn so­was sa­gen, dass sie „schrö­der für deutsch­land“ rie­fen. ach­so.

auch die ein­ge­la­de­nen weich­ei­erpro­fi­lier­ten blog­ger“ mach­ten früh fei­er­abend, die off­line­la­dy schrieb an ih­rem ar­ti­kel für mor­gen und all­le pack­ten lang­sam zu­sam­men.

der par­tei­tag schlug, mei­ner be­sch­ei­de­nen mei­nung nach, wie eine tro­cke­ne staub­bom­be ein.

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