vom links­par­tei­tag: nach der re­de ist nach dem par­tei­tag (teil 9)

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

nach der rede von gysi habe ich ein biss­chen oh­ren­schmer­zen be­kom­men. das war sehr laut und sehr lan­ge laut. glück­li­cher­wei­se war der ap­plaus recht ent­span­nend, an­ge­nehm lei­se (weil un­ver­stärkt) und kurz.

nach der rede in­sze­nier­ten gysi und la­fon­taine noch ein biss­chen ver­brü­de­rung auf dem po­di­um, schüt­tel­ten sich die hän­de und wur­den hun­dert­fach da­bei fo­to­gra­fiert. da­nach be­gann der teil auf den die links­par­tei be­son­ders stolz ist, näm­lich dass ihr „ent­wurf“ des wahl­pro­gramms vom par­tei­tag per ab­stim­mung ge­bil­ligt wür­de und erst dann zum end­gül­ti­gen „wahl­pro­gramm“ wer­de. da­mit de­mons­trie­re die links­par­tei ihre ab­grund­tie­fe ver­eh­rung von de­mo­kra­tie. al­ler­dings ver­lies­sen zu die­sem zweck fast alle füh­rungs­per­so­nen das po­di­um und über­lies­sen den de­mo­kra­ti­schen pro­zess dem fuss­volk. wäh­rend der fol­gen­den ab­stim­mun­gen ist der ein­zi­ge mir er­kenn­ba­re pds- oder wasg-spit­zen­po­li­ti­ker auf dem po­di­um, der pds-par­tei­vor­sit­zen­de lo­thar bis­ky. al­ler­dings kämpft gysi auch ge­ra­de an der me­dief­ront, er ist bei phoe­nix im in­ter­view. da­nach gibt er noch ein ra­dio-in­ter­view.

ich muss zwi­schen­zeit­lich ein­ge­schla­fen sein. la­fon­taine sitzt plötz­lich wie­der auf dem po­di­um. er shakert mit ul­rich mau­rer, wäh­rend lo­thar bis­ky hef­tig mit der blon­di­nen mit der wal­len­den mäh­ne shakert. be­son­ders alt ist die dame nicht, was selbst­ver­ständ­lich nichts zur sa­che tut, aber weiss je­mand wie dei dame heisst und wie sie es in die ers­te rei­he ge­schafft hat?

wo war ich?

gysi, vie­le wor­te, re­den, re­den, re­den, ab­stim­mun­gen, blon­di­nen. mir wird lang­sam warm. und lang­wei­lig. den ein­zel­nen än­de­rungs-an­trä­gen kann und mag ich nicht fol­gen. viel­leicht soll­te ich ein kur­zes fa­zit zie­hen?

so ein par­tei­tag ist nicht be­son­ders lus­tig. die paar wit­ze die man hört sind grot­ten­schlecht und auf eine sehr spe­zi­el­le ziel­grup­pe aus­ge­rich­tet. alle be­tei­lig­ten, in­klu­si­ve der an­we­sen­den pres­se und blog­ger (ix), schei­nen sich sehr ernst zu neh­men. es wird wahn­sin­nig viel ge­re­det, zum teil auf ei­nem ni­veau wie ich zu­letzt im schü­ler­thea­ter er­lebt habe. man­che de­le­gier­te re­den wie klei­ne kin­der die ein ge­dicht auf­sa­gen, man­che schrei­en als ob es um le­ben und tod gin­ge. die far­be rot ist über­all, in der saal-be­leuch­tung, auf ober­kör­per-be­klei­dung, so­cken, schlip­sen und sehr oft, manch­mal nur in spu­ren, in den haa­ren von de­le­gier­ten.

sehr ger­ne wur­de das wort „neo­li­be­ra­lis­mus“ be­nutzt, neu war mir das von gre­gor gysi be­nutz­te wort „re­re­gu­lie­rung“. es gibt nicht nur „ge­nos­sen und ge­nos­si­nen“ (muss man ganz schnell spre­chen, das hört sich dann an wie „gnossndg­nis­sn“), son­dern auch „zäh­ler und zäh­le­rin­nen“, „kaf­fee­trin­ker und kaf­fee­trin­ke­rin­nen“ usw. po­li­tisch voll kor­rekt.

aus­ser­dem habe ich noch eine fra­ge. nervt das, wenn ich alle paar stun­den ei­nen neu­en bei­trag schrei­be und soll­te ich über­le­gen ei­nen par­tei­tag in ei­nem bei­trag zu­sam­men­zu­fas­sen, also den bei­trag stän­dig un­ten er­gän­zen?

aus­ser­dem freue ich mich dar­auf am mitt­woch zu­sam­men mit nico und john­ny vom spd-par­tei­tag zu blog­gen. mor­gen gehts erst­mal wei­ter aus dort­mund, dort re­det mich dann die CDU müde.

mich drängt es jetzt dazu nach hau­se zu ge­hen. ir­gend­wie kann ich mir nicht vor­stel­len, dass hier no­chet­was span­nen­des pas­siert. wenn doch, bit­te in die kom­men­ta­re da­mit. dan­ke.

[nach­trag]

hier noch­mal ein link zu ei­nem klei­nen links­par­tei­tags-fo­to­set bei flickr.

kommentare