vom linksparteitag: nach der rede ist nach dem parteitag (teil 9)

(ursprünglich im „wahlblog“ veröffentlicht)
nach der rede von gysi habe ich ein bisschen ohrenschmerzen bekommen. das war sehr laut und sehr lange laut. glücklicherweise war der applaus recht entspannend, angenehm leise (weil unverstärkt) und kurz.
nach der rede inszenierten gysi und lafontaine noch ein bisschen verbrüderung auf dem podium, schüttelten sich die hände und wurden hundertfach dabei fotografiert. danach begann der teil auf den die linkspartei besonders stolz ist, nämlich dass ihr „entwurf“ des wahlprogramms vom parteitag per abstimmung gebilligt würde und erst dann zum endgültigen „wahlprogramm“ werde. damit demonstriere die linkspartei ihre abgrundtiefe verehrung von demokratie. allerdings verliessen zu diesem zweck fast alle führungspersonen das podium und überliessen den demokratischen prozess dem fussvolk. während der folgenden abstimmungen ist der einzige mir erkennbare pds- oder wasg-spitzenpolitiker auf dem podium, der pds-parteivorsitzende lothar bisky. allerdings kämpft gysi auch gerade an der mediefront, er ist bei phoenix im interview. danach gibt er noch ein radio-interview.
ich muss zwischenzeitlich eingeschlafen sein. lafontaine sitzt plötzlich wieder auf dem podium. er shakert mit ulrich maurer, während lothar bisky heftig mit der blondinen mit der wallenden mähne shakert. besonders alt ist die dame nicht, was selbstverständlich nichts zur sache tut, aber weiss jemand wie dei dame heisst und wie sie es in die erste reihe geschafft hat?
wo war ich?
gysi, viele worte, reden, reden, reden, abstimmungen, blondinen. mir wird langsam warm. und langweilig. den einzelnen änderungs-anträgen kann und mag ich nicht folgen. vielleicht sollte ich ein kurzes fazit ziehen?
so ein parteitag ist nicht besonders lustig. die paar witze die man hört sind grottenschlecht und auf eine sehr spezielle zielgruppe ausgerichtet. alle beteiligten, inklusive der anwesenden presse und blogger (ix), scheinen sich sehr ernst zu nehmen. es wird wahnsinnig viel geredet, zum teil auf einem niveau wie ich zuletzt im schülertheater erlebt habe. manche delegierte reden wie kleine kinder die ein gedicht aufsagen, manche schreien als ob es um leben und tod ginge. die farbe rot ist überall, in der saal-beleuchtung, auf oberkörper-bekleidung, socken, schlipsen und sehr oft, manchmal nur in spuren, in den haaren von delegierten.
sehr gerne wurde das wort „neoliberalismus“ benutzt, neu war mir das von gregor gysi benutzte wort „reregulierung“. es gibt nicht nur „genossen und genossinen“ (muss man ganz schnell sprechen, das hört sich dann an wie „gnossndgnissn“), sondern auch „zähler und zählerinnen“, „kaffeetrinker und kaffeetrinkerinnen“ usw. politisch voll korrekt.
ausserdem habe ich noch eine frage. nervt das, wenn ich alle paar stunden einen neuen beitrag schreibe und sollte ich überlegen einen parteitag in einem beitrag zusammenzufassen, also den beitrag ständig unten ergänzen?
ausserdem freue ich mich darauf am mittwoch zusammen mit nico und johnny vom spd-parteitag zu bloggen. morgen gehts erstmal weiter aus dortmund, dort redet mich dann die CDU müde.
mich drängt es jetzt dazu nach hause zu gehen. irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass hier nochetwas spannendes passiert. wenn doch, bitte in die kommentare damit. danke.
[nachtrag]
hier nochmal ein link zu einem kleinen linksparteitags-fotoset bei flickr.