nach­träg­lich vom csu-par­tei­tag: me­ta, me­ta, me­ta (teil 4)

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

so ein par­tei­tag ist ku­lis­se. ku­lis­se für re­den, phra­sen und selbst­dar­stel­lung, ku­lis­se und ge­le­gen­heit po­li­ti­ker zu in­ter­view­en, zu fil­men und zu fo­to­gra­fie­ren. ku­lis­se und ge­le­gen­heit für jour­na­lis­ten sich zu pro­fi­lie­ren, an­de­re jour­na­lis­ten zu tref­fen („net­wor­ken“), an­zu­bag­gern und nach hin­ter­grund­ge­sprä­chen oder ho­tel­bar-ex­zes­sen zu pim­pern. die in­dus­trie baut mes­se­stän­de auf und in­for­miert, be­zahlt die pres­se­füt­te­rung und prä­sen­tiert oder ver­schenkt die ei­ge­nen pro­duk­te. heu­te war der par­tei­tag, den ich ja be­ob­ach­ten soll­te, auch noch ku­lis­se für eine be­ob­ach­tung des be­ob­ach­ters. han­na grab­be, die „ra­dio-tan­te“, von bay­ern2 wur­de von ih­rer re­dak­ti­on (zünd­funk) dazu ver­don­nert ei­nen sie­ben-mi­nu­ten-bei­trag über mich als par­tei­tags­blog­ger zu ma­chen (sen­de­ter­min: mon­tag, 5. sep­tem­ber, ir­gend­wann zwi­schen 19 und 20 uhr auf bay­ern2). ich wie­der­rum blog­ge über sie, wie sie mich be­ob­ach­tet hat — wenn das mal kein me­ta­blog­gen ist, meta-meta gar.

die dame war bes­tens vor­be­rei­tet, hat­te sich gut ein­ge­le­sen und so­gar aus­dru­cke von dem zeug was ich schrob da­bei — und sie war furcht­bar nett. trotz­dem stürz­te sie mich in eine tie­fe sinn­kri­se. durch ihr be­haar­li­ches und be­rech­tig­tes fra­gen nach dem war­um, war­um ich blog­ge, war­um ich von par­tei­ta­gen blog­ge, war­um ich so schrei­be wie ich schrei­be, habe ich, je län­ger ich dar­über nach­den­ke, kei­ne ant­wor­ten. habe ich eine auf­ga­be, hat das ei­nen sinn, habe ich ei­nen an­spruch und wenn ja wel­chen? im vor­feld habe ich mich ja vor­sorg­lich von je­dem an­spruch frei ge­macht, jeg­li­chen sinn und an­spruch mei­nes tuns auf den par­tei­ta­gen ge­leug­net, mich ge­wei­gert auch nur an­satz­wei­se jour­na­lis­ti­sche mas­stä­be an mich an­le­gen zu las­sen.

das ist ja auch ok, so­lan­ge man ins stil­le stüb­chen bloggt, in klein blogg­dings rum­bloggt. aber wenn dann die pres­se­fuz­zis kom­men und ei­nen auf ir­gend­ei­ne beu­teu­tungs­ebe­ne he­ben in­dem sie über ei­nen be­rich­ten, dann geht die un­be­küm­mert­heit doch ir­gend­wie ver­lo­ren. ich muss mich (zu recht) fra­gen las­sen wel­che mas­stä­be ich beim schrei­ben an­le­ge, wel­ches selbst­ver­ständ­niss ich habe und ob ich be­reit bin ver­ant­wor­tung zu tra­gen für die re­geln die ich — be­wusst oder un­be­wusst — bre­che (oder auch nicht).

mei­ne ins dunk­le ge­stell­ten rhe­to­ri­schen fra­gen lau­fen alle auf die gute alte re­le­vanz-fra­ge zu, der ich ei­gent­lich ein­fach aus dem weg ge­hen woll­te. wel­che re­le­vanz hat das blog­dings, heu­te oder in ein paar jah­ren? wo po­si­tio­nie­ren sich die blog­ger, wel­che ge­sell­schaft­li­che po­si­ti­on wol­len sie ein­neh­men?

nur — ein viel bes­se­res bei­spiel als mein/un­ser teil­wei­se sinn­be­frei­tes par­tei­tags­ge­b­log­ge, ist jörg-olafs fleiss­ar­beit scoop bei laut­ge­ben.de. die­ser ar­ti­kel zeigt wo die blog­dings-rei­se zu­künf­tig in sa­chen re­le­vanz und ein­fluss hin­ge­hen kann. des­halb, lie­be pres­se-fuz­zis, schmeisst euch an jörg-olaf ran und lasst mich am sonn­tag wie­der in ruhe und un­be­ob­ach­tet ir­rele­van­tes zeug vom fdp-par­tei­tag blog­gen. ge­nau­so hohl und beu­deu­tungs­leer wie die hoh­len wort­hül­sen und ab­sichts­er­klä­run­gen die mir vom red­ner­pult aus ent­ge­gen­ge­schleu­dert wer­den. an­ders aus­ge­drückt: die mu­sik spielt nicht auf par­tei­ta­gen, son­dern ganz wo­an­ders hier. eat that, taz, ta­ges­spie­gel oder ber­li­ner zei­tung (aber am mon­tag abend trotz­dem nicht ver­ges­sen bay­ern2 zu hö­ren). ich gehe ab nächs­ter wo­che eh wie­der in mein stil­les stüb­chen zu­rück und iche von dort aus wei­ter.

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