nachträglich vom csu-parteitag: meta, meta, meta (teil 4)

(ursprünglich im „wahlblog“ veröffentlicht)
so ein parteitag ist kulisse. kulisse für reden, phrasen und selbstdarstellung, kulisse und gelegenheit politiker zu interviewen, zu filmen und zu fotografieren. kulisse und gelegenheit für journalisten sich zu profilieren, andere journalisten zu treffen („networken“), anzubaggern und nach hintergrundgesprächen oder hotelbar-exzessen zu pimpern. die industrie baut messestände auf und informiert, bezahlt die pressefütterung und präsentiert oder verschenkt die eigenen produkte. heute war der parteitag, den ich ja beobachten sollte, auch noch kulisse für eine beobachtung des beobachters. hanna grabbe, die „radio-tante“, von bayern2 wurde von ihrer redaktion (zündfunk) dazu verdonnert einen sieben-minuten-beitrag über mich als parteitagsblogger zu machen (sendetermin: montag, 5. september, irgendwann zwischen 19 und 20 uhr auf bayern2). ich wiederrum blogge über sie, wie sie mich beobachtet hat — wenn das mal kein metabloggen ist, meta-meta gar.
die dame war bestens vorbereitet, hatte sich gut eingelesen und sogar ausdrucke von dem zeug was ich schrob dabei — und sie war furchtbar nett. trotzdem stürzte sie mich in eine tiefe sinnkrise. durch ihr behaarliches und berechtigtes fragen nach dem warum, warum ich blogge, warum ich von parteitagen blogge, warum ich so schreibe wie ich schreibe, habe ich, je länger ich darüber nachdenke, keine antworten. habe ich eine aufgabe, hat das einen sinn, habe ich einen anspruch und wenn ja welchen? im vorfeld habe ich mich ja vorsorglich von jedem anspruch frei gemacht, jeglichen sinn und anspruch meines tuns auf den parteitagen geleugnet, mich geweigert auch nur ansatzweise journalistische masstäbe an mich anlegen zu lassen.
das ist ja auch ok, solange man ins stille stübchen bloggt, in klein bloggdings rumbloggt. aber wenn dann die pressefuzzis kommen und einen auf irgendeine beuteutungsebene heben indem sie über einen berichten, dann geht die unbekümmertheit doch irgendwie verloren. ich muss mich (zu recht) fragen lassen welche masstäbe ich beim schreiben anlege, welches selbstverständniss ich habe und ob ich bereit bin verantwortung zu tragen für die regeln die ich — bewusst oder unbewusst — breche (oder auch nicht).
meine ins dunkle gestellten rhetorischen fragen laufen alle auf die gute alte relevanz-frage zu, der ich eigentlich einfach aus dem weg gehen wollte. welche relevanz hat das blogdings, heute oder in ein paar jahren? wo positionieren sich die blogger, welche gesellschaftliche position wollen sie einnehmen?
nur — ein viel besseres beispiel als mein/unser teilweise sinnbefreites parteitagsgeblogge, ist jörg-olafs fleissarbeit scoop bei lautgeben.de. dieser artikel zeigt wo die blogdings-reise zukünftig in sachen relevanz und einfluss hingehen kann. deshalb, liebe presse-fuzzis, schmeisst euch an jörg-olaf ran und lasst mich am sonntag wieder in ruhe und unbeobachtet irrelevantes zeug vom fdp-parteitag bloggen. genauso hohl und beudeutungsleer wie die hohlen worthülsen und absichtserklärungen die mir vom rednerpult aus entgegengeschleudert werden. anders ausgedrückt: die musik spielt nicht auf parteitagen, sondern ganz woanders hier. eat that, taz, tagesspiegel oder berliner zeitung (aber am montag abend trotzdem nicht vergessen bayern2 zu hören). ich gehe ab nächster woche eh wieder in mein stilles stübchen zurück und iche von dort aus weiter.