vom linksparteitag: lafontaine redet und redet und redet (teil 5)

(ursprünglich im „wahlblog“ veröffentlicht)
lafontaine hat sich ans rednerpult gestellt. mit ihm eine meute von ca. 60 presseleuten, die ihn angucken, filmen und fotografieren.**
lafontaines anzug sitzt hauteng. ich vermute er hat einen alten, bereits etwas abgetragenen anzug aus dem kleiderschrank gekramt. aber der knallenge sitz hat den vorteil, dass er lafontaines beim reden das baucheinziehen leichter macht. das faszinierende an lafontaines rede, alle paar sätze taucht das wort „ich“ auf. da scheint sich eine neue spielart im linken spektrum abzuzeichnen: sozialich**mus.
eben fiel mir auf, dass lafontaine nicht nur seine vergangenheit in der bundesregierung und seinen bauch zu kaschieren versucht, nein er versucht auch eine riesige glatze auf seinem haupt zu kaschieren. im fernsehen fällt einem das gar nicht auf, da sieht man nur eine komische frisur. in echt offenbart sich das ganze haarige elend, vielleicht ist es ja auch programmatisch gemeint: ich habe zwar nichts auf dem kopf, aber wenn ich woanders meine haare wachsen lasse, kann ich das verdecken. politisch ist die glatze der bundeshaushalt und sein defizit, die seitenhaare massive steuererhöhungen die dann das haushaltsdefizit mit einem kammstrich kaschieren.

interessant ist auch, wie beweglich lafontaine ist. er beugt sich vor, stützt sich mit dem linken ellenbogen ab, fuchtelt mit den armen und dem zeigefinger und er wackelt ständig mit dem kopf, manchmal nickt er sich selbst zu. die rechte hand wandert manchmal in die hosentasche.
fremdarbeiter hat er bis jetzt nicht gesagt. noch nichteinmal in anführungszeichen. ach. jetzt doch. er moniert, dass alle das wort benutzen dürfen (faz, spiegel, usw), nur er selbst nicht. wie gemein.
besonders gut gefällt allen anwesenden lafontaines schlusswort: „meine zeit ist zuende, dehalb, meine freunde, noch ein paar worte zum schluss.“ (wahrscheinlich falsch zitiert, trotzdem schön, diese selbstbewusste, selbstkritische haltung)