nach­träg­lich vom csu-par­tei­tag: ju­bel­per­ser (teil 3)

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

in der faz steht heu­te ein ar­ti­kel von jo­han­nes leit­häu­ser, über­ti­telt „In drei Wel­len“:

An­geb­lich sind un­ter­des­sen knapp 20 000 mög­li­che Mit­strei­ter des „TeAMs“ re­gis­triert. Sie hat­ten ih­ren au­gen­fäl­ligs­ten Ein­satz am Par­tei­tags­sonn­tag der CDU in dewr Dort­mun­der West­fa­len­hal­le, wo meh­re­re 1000 von ih­nen das Ge­rüst der oran­gen­far­be­nen Ju­bel­ku­lis­se bil­de­ten, sie sind aber auch bei al­len grö­ße­ren öf­fent­li­chen Auf­trit­ten der Kanz­ler­kan­di­ta­tin und an­de­rer CDU-Spit­zen­po­li­ti­uker prä­sent, schir­men sie bei ih­rem Ein­zug auf öf­fent­li­chen Plät­zen ab und ver­su­chen ge­zielt und vor­be­rei­tet, die er­war­te­ten Stör­at­ta­cken von Ak­ti­vis­ten der Links­par­tei oder an­de­rer In­itia­ti­ven ein­zu­däm­men.

die­se CDU/TeAM ju­bel­per­ser (ich be­nut­ze das wort im­mer lie­ber, im­mer wenn ich es sage, grinst mich mein ge­gen­über an) sind heu­te nicht da. es ist auch kein oran­ge zu se­hen. auch kei­ne ro­ten tep­pi­che. die ver­an­stal­tung ist recht über­sicht­lich und kom­plett in blau ge­hal­ten, so­gar das blu­men­was­ser ist blau ein­ge­färbt. in der hall­le im ple­num sind ca. 30 sitz­rei­hen, ge­füllt mit de­le­gier­te, da­hin­ter ein paar gäs­te, da­hin­ter wie­der­um, oben auf ei­ner tri­bü­ne, die fern­seh­sen­der. vor­ne re­den baye­ri­sche po­li­ti­ker und die de­le­gier­ten wer­den wie bei der bahn, von 1 euro-job­bern die mit wä­gel­chen durch die gän­ge fah­ren, ge­füt­tert.

ins­ge­samt hat man das ge­fühl ei­ner fa­mi­liä­ren ver­an­stal­tung bei­zu­woh­nen. man kennt sich halt. klein, über­sicht­lich, ge­müt­lich. hier muss kei­ner frem­deln.

im­mer wie­der fragt mich die ra­dio-tan­te nach mei­ner mo­ti­va­ti­on. war­um ich hier­her ge­fah­ren bin. war­um ich blog­ge, war­um ich par­tei­tags­blog­ge. recht hat sie. es ist völ­lig un­ver­ständ­lich, war­um ein gut­au­se­hen­der typ wie ich an ei­nem sol­chen tag nicht ins frei­bad geht oder ins kino. nun, zum the­ma frei­bad ist die ant­wort na­tür­lich leicht, im frei­bad mit ei­nem kom­pres­si­ons­strumpf rum­zu­lau­fen ist näm­lich eher pein­lich, auf par­tei­ta­gen, zu­dem ei­nem der csu, fällt man da­mit kaum auf.

war­um also auf par­tei­ta­ge fah­ren? bin ich po­li­tisch? sind par­tei­ta­ge po­li­tisch? wel­chen sinn hat ein par­tei­tag? ich hat­te ja be­reits beim links­par­tei­tag ge­mut­masst, dass es aus­schliess­lich um „wort­pro­duk­ti­on“ geht. mitt­ler­wei­le bin ich aber zur über­zeu­gung ge­kom­men, dass par­tei­ta­ge eine art selbst­re­fe­ren­zi­el­le end­los­schlei­fe sind. zu­gleich sind sie eine ar­beits­be­schaf­fungs­mass­nah­me ers­ter güte, für „event­agen­tu­ren“, ver­an­stal­tungs­or­te, fern­seh­sen­der und jour­na­lis­ten. und na­tür­lich für blog­ger.

auf so ei­nem par­tei­tag ver­si­chern sich leu­te die sich gut fin­den, dass sie sich gut fin­den. sie le­gi­ti­mie­ren sich in mehr oder we­ni­ger auf­we­ni­gen le­gi­ti­ma­ti­ons­ver­fah­ren die sie sich vor­her aus­ge­dacht ha­ben. da­bei be­ob­ach­ten und ap­plau­die­ren sie sich ge­gen­sei­tig und wer­den auch „von aus­sen“ hef­tig be­ob­ach­tet. man­che leu­te die das sich-ge­gen­sei­tig-gut­fin­den be­ob­ach­ten wer­den wie­der­um be­ob­ach­tet und ge­fragt was sie denn da be­ob­ach­tet hät­ten. wer die bes­ten wor­te fin­det hat ge­won­nen und kommt mit die­sen wor­ten auch ins fern­se­hen oder die zei­tung. ju­riert wer­den die wor­te von be­ob­ach­tern auf der tri­bü­ne. wer vie­le gute wor­te hat und da­mit am ende oft ge­nug ins fern­se­hen kommt (und so „die the­men“ set­zen kann) wird am ende kanz­ler. oder kanz­le­rin.

das ist al­les ein gros­ses und un­glaub­lich auf­wen­di­ges spiel, von dem man nur ganz we­ni­ge, klei­ne tei­le sieht. um po­li­tik geht es nicht wirk­lich. es geht um stim­mung, um die in­sze­nie­rung, um bil­der, um ges­ten und sym­bo­le.

ich gebe zu, ich habe den re­den nicht all­zu auf­merk­sam zu­ge­hört, räus­per, kann ich ja mor­gen in der zei­tung nach­le­sen. nur als die mer­kel sprach bin ich ein­mal ganz nah an sie (und die füh­rungs­rie­ge der csu) ran­ge­gan­gen. an­ge­la mer­kel hat ganz klei­ne füs­se die hin­ten ein biss­chen auf­ge­bockt sind, da­mit die bei­ne län­ger wir­ken. sie trug (wie­der) was rosa/flie­der/oran­gi­ges und re­det er­staun­lich flüs­sig, in ge­nau der rich­ti­gen laut­stär­ke, mit fes­ter stim­me, die nicht so kei­fig, schrill und auf­ge­regt rü­ber­kommt wie bei man­chen spd- oder pds-po­li­ti­kern. ko­misch. ich emp­fin­de sym­pa­thie. sie wirkt sym­pa­thisch wie sich ei­nen ab­grinst als sie den saal mit ei­ner kirch­hof-schmä­hungs-re­tour­kut­sche an schrö­der zum bro­deln bringt. sie freut sich! das ist nicht das müh­sam an­trai­nier­te ich-will-noch-fröh­li­cher-wer­den-grin­sen das ich letzt­lich stän­dig im fern­se­hen sah. das ist ech­te freu­de.

über­haupt. die stim­mung. cdu und csu strah­len sie­ges­ge­wiss­heit und selbst­be­wusst­sein aus. auch wenn ich über­all las, dass schrö­der die ge­nos­sen (und ge­nos­si­nen) mit sei­ner rede „mit­riss und eu­pho­ri­sier­te“, ge­gen die stim­mung bei den uni­ons-par­tei­ta­gen war der spd-par­tei­tag eine trau­er­ver­an­stal­tung ganz furcht­bar sach­lich. im her­zen ha­ben die an­hän­ger der uni­on die wahl schon ge­won­nen. ich kann mir vor­stel­len, stoi­ber macht heu­te abend wie­der mal ein glas sekt auf. ich fra­ge mich ob schrö­der, wenn er bald ins fern­se­hen kommt, noch ir­gend­ein ru­der her­um­wer­fen kann. die spd (nicht schrö­der) wirkt müde, cdu und csu hin­ge­gen wir­ken un­glaub­lich eu­pho­ri­si­ert und selbst­be­wusst und set­zen auch noch die the­men.

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