vom links­par­tei­tag: la­fon­taine und un­ge­rech­tig­kei­ten (teil 4)

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

(ur­sprüng­lich im „wahl­blog“ ver­öf­fent­licht)

jetzt ist mit­tags­pau­se. sehr wit­zig fand ich die an­kün­di­gung eben­die­ser: „wir näh­ren uns in zwei mi­nu­ten der mit­tags­pau­se.“ wow. hier herrscht noch ord­nung. und ich kann jetzt end­lich mal in ruhe, ohne stän­di­ges ge­quat­sche schrei­ben.

ich habe in der zeit in der ich hier rums­ass, mehr­fach os­kar la­fon­taine be­ob­ach­tet. ein hob­by von vie­len an­we­sen­den jour­na­lis­ten, die ihn auch in ru­deln auf­such­ten um ihn zu fil­men oder fo­to­gra­fie­ren. kein wun­der, denn herr la­fon­taine sticht aus der men­ge auf der büh­ne her­aus (jetzt kommt mein lieb­lings­satz):

os­kar la­fon­taine ist sehr braun. tief­braun. wie je­der weiss, war er in mal­lor­ca. der auf­ent­halt dort hat sich de­fi­ni­tiv ge­lohnt, ei­ner­seits weil er jetzt hier auf dem par­tei­tag so toll auf­fällt und an­de­rer­seits, weil jetzt die pres­se so­viel über ihn schreibt. bodo ra­me­low fin­det es üb­ri­gens ok, dass os­kar la­fon­taine „ver­mö­gen“ habe. ja, er sol­le sein „ver­mö­gen“ auch ge­nies­sen, kei­ner kön­ne et­was da­ge­gen ha­ben — so­lan­ge er da­für ver­mö­gens­steu­er zah­le. auch en­gels hät­te ver­mö­gen ge­habt, auch marx habe ver­gnü­gen ge­kannt. be­ein­dru­cken­de rhe­to­rik, mit der ein für al­le­mal die lu­xus­al­lü­ren von os­kar „tos­ka­na“ la­fon­taine vom tisch ge­wischt sind. ge­ne­ral­ab­so­lu­ti­on vom par­tei­stra­te­gen für la­fon­taine.

lei­der habe ich ver­ges­sen wer es ge­sagt hat, aber ein red­ner be­klag­te bit­ter­lich, dass es für arme in deutsch­land kei­nen da­ten­schutz gäbe. ar­beits­lo­se müss­ten auf ih­ren an­trä­gen für ALG2 teil­wei­se äus­serst pri­va­te und in­ti­me an­ga­ben ma­chen. ein mil­lio­när müss­te das nicht ma­chen, das sei zu­tiefst un­ge­recht. über­haupt, ganz deutsch­land sei zu­tiefst un­ge­recht. bei die­ser rhe­to­rik bin ich mir im­mer nicht ganz si­cher was ei­gent­lich ge­meint ist. die an­pran­ge­rung der ver­hält­nis­se um zu­stim­mung und stim­men zu er­hei­schen, eine po­la­ri­sie­rung zwi­schen arm und reich? was wird ei­gemnt­lich ge­for­dert? die ab­schaf­fung der harz IV fra­ge­bö­gen oder die aus­wei­tung der fra­gen­ka­ta­lo­ge auch auf mil­lio­nä­re.

na gut, ich bin un­ge­recht. die an­wort ist klar. al­les ab­schaf­fen, ar­beits­lo­sen­geld zwei, harz vier, schrö­der und „sei­ne“ ar­beits­lo­sig­keit. ge­rech­tig­keit für alle, ver­mö­gens­steu­er für mil­lio­nä­re. fer­tig. die for­de­run­gen der de­li­gier­ten zer­ge­hen ei­nem alle wie sah­ne auf der zun­ge, aber beim run­ter­schlu­cken merkt man, dass sie nicht durch die spei­se­röh­re pas­sen. qua­si.

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