seitdem ich das letze mal hier war, hat sich die grösse der halle verdoppelt. auch die roten folien von den deckenscheinwerfern sind verschwunden, ausschliesslich weisses licht mit blauen akzenten. was sich nicht verändert hat; überall sitzen „genossen und genossinnen“. ziemlich viele.
ausserdem schwitze ich wie ein tier. viele leute, viele olf, viel abwärme. irgendwie ist das auch ein bisschen unentspannter als bei den gemütlichen onkels von der linkspartei. vielleicht liegts auch an den anderen bloggern die einen (wie ich) ungefragt fotografieren, die schneller und mehr (oder besser) schreiben (wettbewerb) und einen unter druck setzen: „schreib mal was, doo!“ ich kann so nicht arbeiten. nur rumschwitzen. mich selbstbetrachten. versuchen den etwas zu lauten stuss vom rednerpult auszublenden.
der herr reichel, der den onlinewahlkampf organisiert, hat sich eben etwas gewundert als ich ihn gefragt habe wo denn im pressezentrum das bier sei: „am vormittag?“ was ist bloss aus den genossen geworden. früher haben die doch alle gesoffen wie stiegler tiere.
gerade redet walter ullbricht. oder jemand der meint die stimme am ende eines vermeintlich wichtigen satzes laut quietschend und keifend nach oben ziehen zu müssen. funktioniert das? motiviert so ein fickriges gekeife die delegierten? der schlussapplaus lässt diese vermutung zu.
so. gerade angekommen, leicht feucht unter den achseln, blogge ich jetzt gleich auf dem wahlblogg.de vom spd-parteitag. aber erst mal emails lesen und blogstats angucken.
die taz schreibt über mich, ich sei „respektlos“. das stimmt natürlich nicht. sonst stimmt alles, ausser meiner url. [die taz redet davon, dass man mich auf meiner webseite „nach allen Seiten drehen“ könne. das geht übrigens hier.] [bild vom taz artikel bei frau frank und hier]
herr majica hat in der berliner zeitung auch über mich geschrieben. bei ihm stimmt ausnahmslos alles (sogar die url) ausser dass er „der“ blog schreibt. besonders gefällt mir, dass er mein substanzlosen parteitagsgeblogge ein „orthografisch mutiges Protokoll“ nennt.
neu beim parteitagsgeblogge ist eine quasi einladung nach nürnberg um von dort vom csu parteitag zu bloggen. wenn die mich (als „blogger“, nicht als „journalist“) akkreditieren, werde ich am freitag auch dorthin fahren und überprüfen ob es bei der csu, wie behauptet, auch cristsoziales wlan gibt.
auch wenn das wahlblog, bzw. nico mir zugesagt haben ein paar meiner spesen zu übernehmen, würde ich mich über (weitere) spenden freuen. bis jetzt ist das ganze mehr oder weniger ein privatvergnügen meinerseits. mit betonung auf vergnügen.
heute hat blogg.de/der haltungsturner ja eine pressemeldung veröffentlicht, in der ich um ein haar als „laienjournalist“ bezeichnet wurde. selbstverständlich erzeugte diese „PM“ ein riesiges echo: und zwar genau ein anruf von marin majica von der politik-redaktion der berliner zeitung.
er wollte mich interviewen, wir trafen uns um 18 uhr im starbucks am hackeschen markt. er kam fünf minuten zu spät, aber ich schleimbeutel lobte ihn für seine pünktlichkeit. ich wurde, parteitagsgestählt, gleich investigativ: „lesen sie blogs? welche?“. er log mich an: „ja. ein paar.“ na gut ein paar blogs kannte er, aber von jamba und spreeblick hatte er noch nix gehört. ich trug ihm mit meiner unverbesserlichen arroganz auf das zu googlen und drückte ihm den besten artikel über blogs (ever) in die hand, den ich zufällig (wirklich), ausgedruckt, dabei hatte. kurz darauf flickerte ich ihn noch.
natürlich ging es ums wahlblog und mein parteitagsbloggen, aber auch ums bloggen allgemein. auf seine frage warum ich blogge hatte ich keine gute antwort parat, aber ich erzählte ihm wahrheitsgemäss, dass das blogdings keine konkurenz zum journalismus sei, sondern, frei nach sixtus, etwas ganz anderes, eine art kommunikationsraum. auch wiederholte ich das kurz vorher gesagte, dass ich den klassischen medien nichteinmal ansatzweise konkurenz machen wolle — und auch überhaupt nicht könne. ein unterschied könne aber eventuell darin bestehen, dass ich das was ich auf den parteitagen bishersah, nicht so ernst nähme wie die etablierten und hoffe, eine leicht verschobene perspektive auf einen parteitag geben zu können. ich schwärmte ihm wie ein irrer vom blogdings vor, was ich gerne lese, wie sehr ich mario sixtus (und christof wolff) seine blogtour verehre und ausserdem die riesenmaschine. da! da war es, der funken sprang über. die kannte er. er kenne kathrin passig und holm friebe. puh, wenn er die göttliche passig und den genialen friebe kennt, kann der artikel ja eigentlich nicht scheisse werden.
überprüfen kann man das am mittwoch in der berliner zeitung.
keiner fragt sich das, ich auch nicht wirklich, trotzdem, anbei, eine antwort darauf. am samstag fuhr ich ins neuköllner estrel hotel, hörte und guckte mir an was man mir und der presse dort vormachte — und schrieb darüber was ich sah und hörte. am sonntag fuhr ich nach dortmund und machte dort das selbe. hören, sehen, drüber schreiben. dasselbe werde ich am mittwoch bei der spd und nächsten monat bei der fdp machen. dass der eine oder andere darüber enttäuscht sein mag, das was ich schreibe „substanzlos“ ist, juckt mich nicht. es stimmt nämlich. ich schreibe oberflächlich, ohne tiefere recherchere, ohne grosse vorbereitung und vor allem subjektiv und unausgewogen. vor allem schreibe ich ausschliesslich das auf was meine aufmerksamkeit oder mein interesse weckt.
sollte sich jemand für objektivere berichterstattung interessieren, die damen und herren von den etablierten medien machen das ganz hervorragend — und zwar aus allen möglichen blickwinkeln. das kann man dann morgens in verschiedensten geschmacksrichtungen am kiosk kaufen oder im fernsehen sehen.
was ich mache, ist das genaue gegenteil von professionell, aber es macht mir spass, sonst würde ich keine zeit und kein geld dafür investieren. die einzigen beide dinge auf die ich wert lege sind, dass ich nicht in peinliche jubelarien abgleite und die vorgedruckten phrasen wegblogge und dass ich nicht langweile. sollte ich das doch tun: basht mich, heftig.
heute früh geht eine pressemeldung (so, oder leicht modifiziert) raus (vom haltungsturner geschrieben), die das oben gesagte etwas formeller und für merkbefreite formuliert:
Erstmals Live-Blogging von den Parteitagen
Hamburg (ots)
Mit dem Blogger Felix Schwenzel (http://wirres.net) hat das Wahlblog (http://wahlblog.de) erstmals einen unabhängigen Blogger auf Parteitage geschickt. Dieses Wochenende berichtete Schwenzel unter dem Pseudonym "ix" von den Parteitag der Linkspartei (27.8) und der CDU (28.8). Es folgen am Mittwoch (31.8) der Parteitag der SPD. Am 9.9 ist Schwenzel live beim FDP-Parteitag dabei.
Mit den Berichten im Wahlblog betritt die Plattform Neuland. Erstmals in Deutschland ist ein unabhängiger Blogger als Laienjounalist bei allen großen Parteitagen akkreditiert und schreibt live und subjektiv im Blog.
Felix Schwenzel (http://wirres.net) gehört zu den bekanntesten Bloggern in Deutschland und bloggt seit sechs Jahren. Sein Blog gehört zu den Top 10 der meistverlinkten Blogs und zu den Top 50 in der Besucherstatistik. Der Berliner Informationsarchitekt und Entwickler ist von Anfang an Co-Autor im Wahlblog.
Das Wahlblog (http://wahlblog.de) ist am 1. Juni von den langjährigen Bloggern Nico Lumma ("Lummaland", http://lumma.de), Nico Brünjes ("Webpropaganda", http://webpropaganda.de/) und Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach ("Haltungsturnen", http://haltungsturnen.de) gegründet worden und hat zurzeit 20 Autoren aus allen politischen Richtungen. Die Technik stellt der Blogservice BLOGG.DE (http://blogg.de) zur Verfügung.
Was ist ein Weblog?
Ein Weblog oder "Blog" ist ein persönliches Online-Journal, das ähnlich einem Tagebuch chronologische Einträge aufweist und in der Regel frei zugänglich ist. Die Autoren der Weblogs werden "Blogger" genannt. In Deutschland gibt es ungefähr 70.000 aktive Weblogs.
Über BLOGG.DE
BLOGG.DE ist das deutsche Weblog-Portal und bietet seit 2003 zahlreiche Dienste rund um das Bloggen an. Unter anderem können Nutzer bei Blogg.de ein eigenes Weblog führen. Mit Blogstats.de (http://blogstats.de) hat BLOGG.DE die führende deutsche Suchmaschine für Weblogs geschaffen, die u.a. aktuelle Themen in Weblogs anschaulich aufbereitet und Verlinkungen darstellt.>
stoiber und merkel waren ja die hauptattraktionen der grossen parteitagsshow. leider war ich von den vielen reden der ministerpräsidenten schon ziemlich ausgelaugt. glücklicherweise sagten stoiber und merkel nicht viel anderes als die ministerpräsidenten. stoiber würzte seine rede mit einem kräftigen und häufig verwendeten „meine damen und herren“. er ist ja, äh, bekannt, als ein freund der, äh, klaren, äh, worte, meine damen und herren. bei seiner rede schaffte er es tatsächlich weitesgehend auf äh und öh zu verzichten, er benutzte statt dessen einfach, „meine damen und herren“. pfiffig. stoiber gab aber auch wieder perlen von sich. über angela merkel sagte er, „die menschen schenken ihr nicht nur vertrauen, nein, sie vertrauen ihr auch.“ gut fand ich auch den satz: „schröder hat zu allem alles gesagt — meine damen und herren — aber auch das gegenteil.“ ja. nein. das würde einem profi wie ihm nicht passieren. alles zu sagen, aber auch das gegenteil.
lustig, wie im kindergarten, wurde es auch, als stoiber versuchte helmut kohl und seine politik vom schwarzen peter zu säubern. den eigentlich sei schröder schuld daran, dass kohls wichtige und richtige reformen gescheitert seien — er habe sie im bundesrat blockiert und sabotiert. am scheitern der regierung-kohl ist also der damals spd-dominierte bundesrat schuld, am scheitern der regierung-schröder ist nach stoiberscher logik der bundesrat unbeteiligt und allein die schröder-regierung schuld. dass rot-grün technikfeindlich sei und kulturelle selbstverleumdung betreibe und kein „nationales wir-gefühl“ zulasse, der hauptgrund warum es deutschhland schlecht gehe also mangelnde gesinnung sei, ist wahrscheinlich teil jeder stoiber-rede.
auch merkel hieb kräftig in die nationalstolz-kerbe. das wichtigste seien ausserdem werte, deshalb müsse „selbstverständlich“ überall am religionsuntericht festgehalten werden. auch annette schavan wurde heftig gelobt. sie habe im „kopftuchstreit“ deutlich gezeigt wie werte in einer modernen gesellschaft zu „setzen“ seien. ehrlichkeit und anstand. mir wurde das irgendwann zu blöd, klappte meinen laptop zusammen, fotografierte noch ein bisschen im saal rum und enterte dann das halbe-brötchen buffet im pressezentrum. das bier war ja, wie erwähnt, nicht zu geniessen.
nach dem parteitag, als ich im nh hotel endlich ein bisschen wlan gefunden hatte (10 euro), fand noch ein kleines mini-blogger treffen statt, als ich mich mit dirk hesse traf. leider konnten wir uns nur ca. 30 minuten unterhalten, war trotzdem nett. ausserdem habe ich gesehen, dass mir 3 spenden zugekommen sind, vielen dank dafür, ich habe davon die 3 bier für mich und dirk bezahlt.
die westfalenhalle ist sehr, sehr gross. nach meinem besuch im pressezentrum, das ein bisschen abseits lag, begab ich mich erstmals in die halle selbst. wie bereits erwähnt lief dort eine abgrundtief schlechte show aus dem repertoire des weltbekannten europa park rust. davor spielte eine coverband alte queen-lieder. „we are the champions“, „we will rock you“ und „wir werden kanzlerin“ und son zeug. die beiden shows demonstrierten eindrucksvoll worum es bei diesem parteitag ging: einheizen und aufheizen, die reihen schliessen, sich „wie ein mann“ hinter angela merkel stellen. der satz „wie ein mann“ hinter angela merkel stellen stammt von carsten-carsten carstensen, oder wie der heisst. ach ja, peter-harry carstensen glaube ich. dieser satz aus seinem mund, scherzte er, habe gewicht.
apropos scherze. die cdu-ministerpräsidenten die alle, quasi zur eröffnung des parteitages, eine kleine ansprache („grussworte“) halten durften, strengten sich alle sehr an, mindestens ein, zwei witzchen in ihre reden einzubauen. so gesehen war der cdu-parteitag im vergleich zum linksparteitag beinahe lustig. wenn die witze nicht alle so grottenschlecht gewesen wären. ich hatte zeitweilig das gefühl bei oleoleole.de live on stage dabei zu sein. anbei ein beispiel von christian wulff, dem ministerpräsidenten von niedersachsen und derzeit, angeblich, beliebtesten deutschen spitzenpolitker. sein witz sollte die unglaublich effektivität seiner regierung untermauern, die er kurz vorher wortreich und mit sichtlichem stolz vortrug: wenn ich mich recht erinnere trug er den witz in der ich-form vor. er erzählte wie er einst bei einer jagd zugegen war. einer der jäger hatte ein wildschwein erlegt und zog es hinter sich her. er, wulff, fragte den jäger warum er denn das schwein gegen den strich, gegen die borsten hinter sich herzöge? das sei doch viel anstrengender als es andersherum zu ziehen. als er, wulff, den jäger kurz darauf wiedertraf fragte er, wulff, ihn, wie es denn jetzt ginge, das schweineziehen. der jäger sagte es gehe jetzt viel besser, nur fände er es doof, dass er jetzt von seinem auto weglaufen würde. riesen brüller, der saal kochte. apropos kochen. roland koch war meiner meinung nach der beste einpeitscher. schon sein begrüssungsapplaus war der lauteste und heftigste (nach helmut kohl), obwohl er meiner festen überzeugung nach von der zeremonienmeisterin anette schavan mit der „hässliche ministerpräsident“ vorgestellt wurde.
roland koch war erstaunlich pragmatisch und liess sich sogar darauf ein konkrete forderungen an eine künftige bundesregierung zu stellen, so müssten genehmigungsverfahren beschleunigt werden und dem europäischem standard angepasst werden. selbst mit staubtrockenen themen peitscht dieser mann die menge auf. danach griff er zwar nochmal in die ganz alte, staubige mottenkiste und bashte holger börner („ein ministerpräsident wie ein dachlatte“) dafür, dass er vor 250 jahren mal gesagt habe nicht mit den grünen zu koalieren und das dann kurz darauf doch gemacht habe. das parteivolk liebt roland „schlabberlippe“ koch. ich würde jetzt gerne einen absatz lang spekulieren und fabulieren, kann man also überspringen, den nächsten absatz.
koch ist ziemlich klug. wenn ich für die fuldaer zeitung schreiben würde, hätte ich sogar gesagt, er ist ein „schlitzohr“. er kann seinen ehrgeiz und machtwillen aber viel besser verbergen als der ungeschickte, nervöse und fahrige edmund stoiber, bei dem man immer das gefühl hat er platze gleich vor ehrgeiz. koch platzt auch vor ehrgeiz, aber er zeigt es keinem. er ist politisch und mit dem was er so von sich gibt auch weniger ungeschickt als stoiber. sein politisches meisterstück besteht im übrigen daraus, dass er eine bezugsquelle für teflonhaut gefunden hat, er benutzt sie seitdem ähnlich geschickt wie bill clinton. vorwürfe und skandale perlen an ihm ab als sei er ständig in latex gekleidet. sein grösster vorteil gegenüber stoiber (und merkel) ist, dass er die sprache der basis spricht. nicht nur der basis, er schafft es auch, ähnlich wie schröder, stimmungen in letzter minute zu seinen gunsten zu mobilisieren. und dafür braucht er noch nichtmal eine flut, ihm reicht es ein paar unterschriftenlisten auszuteilen und auf der generierten welle von empörung und emotionalisierung zu reiten. sollte es merkel nicht schaffen die bundestagswahl zu gewinnen, der nächste kandidat der union wird roland koch sein. sollte angela merkel gewinnen wird er ihr schlimmster alptraum.
roland koch scheint übrigens eine weibliche personenschützerin zu haben. sie stand bei einem interview im flur der westfalenhalle hinter ihm, knopf im ohr, klein, zierlich, nadelstreifenanzug, blonder pferdeschwanz, knopf im ohr. es gab übrigens mehrere weibliche personenschützerinnen. eigenartige attraktion die diese versteckte, potenzielle weibliche brutalität auf verwirrte wie mich ausüben.
zurück zum thema. die ministerpräsidenten. alle durften reden. auch die die es nicht können, günther h. oettinger zum beispiel, der typ der mich an einen von den beiden mtv-stars von damals, beavis und butthead, erinnert. oettinger redet nicht, er bellt. das ist immer noch eleganter als der redestil von seinem baden-württembergischen landsmann volker kauder, der nach jedem wort einen punkt setzt und versucht jede modulation der stimme zu vermeiden. oettinger bellt also seine rede. ich frage mich was es mit dem schwarzen stoffpanther auf sich hat, den er mit auf die bühne gebracht hat. er spannt das publikum und mich bis zum ende auf die folter. als er aufhört zu bellen, überreicht er den panther tatsächlich angela merkel, weil kein tier so „gut und zielgenau“ springe wie ein panther. aha. beavis hätte noch ein „hähä“ drangehängt. oettinger geht still von der bühne.
beim ministerpräsidenten müller staune ich ein wenig. er fängt an eine art schwanzvergleich unter den ministerpräsidenten zu initieren: er behauptet, als er im saarland die amtgeschäfte von der spd übernahm, sei das saarland das land mit der bundesweit elft-höchsten arbeitslosenquote gewesen. jetzt sei man bereits auf platz fünf und wolle schauen wer bayern zuerst überhole, das saarland oder sachsen. auch herr milbrandt, der ministerpräsident von sachsen, hat ein faible fürs schwanzvergleichen. gleich am anfang seiner unglaublich langweiligen rede verkündete er stolz: sachsen ist nummer zwei bei pisa! einen extgem lauten und begeisterten jubelsturm konnte müller übrigens noch mit einem extrem schlechten witz auslösen. oskar lafontaine geriere sich ja in letzter zeit als willi brands enkel. das habe er überprüfen lassen und könne versichern, dass das auf gar keinen falll stimme. nicht mit absoluter sicherheit ausschliessen könne er allerdings, dass oskar lafontaine der sohn von erich honecker sei. bei solchen witzen bebte die ganze halle.
als grossen kämpfer versuchte sich jürgen rüttgers darzustellen. er hat ganz offensichtlich einen guten redenschreiber, die rede lief wie heisse butter durch sämtliche konservativen klischees, liess überall ein bisschen fett hängen. leider bemerkten aber auch die cdu-anhänger, dass rüttgers einen leichten sprachfehler hat und äfften ihn ständig nach. während der rede zischelte und kicherte es von den rängen — wenn nicht frenetisch gebrüllt wurde. rüttgers pinselte den delegierten und cdu-fans ihre bäuche und brüllte ihnen gut verständliche populistische platitüden entgegen: ehrlichkeit und anstand, leistung müsse sich „wieder“ lohnen, ehrlichkeit und anstand, ehrlichkeit und anstand, ausserdem seien pünktlichkeit, fleiss und diziplin keine sekundärtugenden, sondern „notwendig“. dass er danach nach linkspartei.pds-muster sozialneid schürte und den rentnern für ihre stimmen in den enddarm sprang fand ich ein bisschen eklig; zum arbeitslosengeld zwei sagte er, dass es nicht sein könne das derjenige der 30 jahre „eingezahlt“ habe bei alg2 das gleiche rausbekomme wie „einer der noch nie eine schippe in der hand gehabt habe“.
weil ich rüttgers rede so asozial fand, bin ich jetzt auch mal ganz unkorrekt. im tagesspiegel las ich heute, dass es ein ungeschriebenes gesetz ist, keine witze über namen von politikern zu machen. schon gar keine schlechten. fischer habe das gebot gebrochen und gesagt: „auf diesem kirchhof liegt der sozialstaat begraben.“ ich hingegen werde jetzt das gebot brechen, sich nicht über behinderungen lustig zu machen, aber ich habe jürgen rüttgers heute diesen satz sagen hören: „bei der cdu können die menschen sicher sein, dass das was man ihnen schuh gesagt hat auch umgesetzt wird.“
den hammergag brachte jürgen rüttgers redenschreiber am ende, offensichtlich wurde die rede geschrieben, bevor das rahmenprogramm für die bundesparteitagsshow (mit tänzern, trapezkünstler, gauklern, viel und wenig licht, lasershow, einer coverband mit queen-liedern, einem lied der rolling stones und einem „lied der deutschen“) feststand. denn rüttgers las vor, was sich in deutschland unter der cdu ändern werde: „[…] erwirtschaften statt auszahlen […], substanz statt show.“
es fing schon am hauptbahnhof an. vorwiegende kleidungsart war hemd, jacket und jeans. die junge union prägte die strassenbahn zur westfalenhalle mit ihrer auffassung von „leger“. den cdu-parteitag in dortmund genoss ich offline, schrob die beiträge im wahlblogg nach der veranstaltung in einem wlan-fähigen hotel und im zug. deshalb ist das zeug heute im wahlblogg nicht besonders live. auch nicht live on tape. einfach nur nachträglich.
die cdu war bei der akkreditierung auch relativ unbürokratisch. ein herr hennewig musste das mit dem blogger auf dem parteitag zwar erst mit der „pressestelle“ besprechen, aber die akkreditierung sei kein problem. ich solle mich einfach bei der frau schell am akkreditierungscounter melden und auf herrn henning verweisen. bevor ich den satz am akkreditierungsschalter vorgetragen hatte, drückte frau schell mir den presseausweis mit dem neckischem, orangenem cdu-band in die hand und das wars. keine ausweiskontrolle, nix. durch die schleuse gings auch fix, da ich noch kein künstliches hüftgelenk habe.
das „pressezentrum“ hatte vollaustattung, buffet mit käse- und wurstbrötchen, erbsensuppe, kaffee und — selbstverständlich — freibier, wahrscheinlich um den mislaunigen journalisten das schreiben zu erleichtern. oder den mislaunigen bloggern die hier ohne wlan festsassen. punkt 16 uhr habe ich mal eins probiert, leider war das brinkhoffs nummer eins schal wie edmund stoibers lächeln. wenigsten war es auch so kalt wie sein lächeln. aber auch so ungeniessbar.
das vorprogramm wurde von einer truppe des europa park rust bestritten. pathetische, bunte scheisse. die show wurde kurz unterbrochen als helmut kohl den saal betrat. er wurde jubelnd empfangen. man rief, nein man schrie überall seinen namen (helmut), immer wieder. wohl ein ausdruck von freude, dass sich auch mal ein grosser staatsmann auf einem parteitag blicken lässt. „helmut, helmut, helmut, …“ minutenlang. ich habs mal aufgenommen (helmut.amr). erschütterndes tondokument kindlicher freude.
von der anschliessenden lasershow habe ich ein überzeugendes bild angefertigt. weitere bilder befinden sich in einem eigenen cdu-set.
im zug schreibe ich weiter, im laufe des abends kommt also noch der eine oder andere beitrag. live bloggen macht mehr spass als retro bloggen. mal schaun wie die technikfeindlichen spdler das hinbekommen. versprochen haben sie vollen und kostenlosen wlan zugang. was sie davon haben sind mittlerweile vier blogger die sich angemeldet habe von dort zu bloggen. neben nico lumma, johnny haeusler und mir, wird wohl auch don dahlmann anwesend sein.
edmund stoiber sagte eben in der westfalenhalle: „rot-grün ist technikfeindlich“. er meinte das natürlich, weil die gegen den transrapid, gegen atomkraft und „grüne“-gentechnik seien. die cdu hingegen ist ganz und gar nicht technikfeindlich, einfach nur technikinkompetent. da veranstaltet die cdu einen parteitag mit viel brimborium und trallala und nirgendwo wlan. ein hotel nebenan hätte eventuell wlan, sagten die damen an der information, aber das täte es wohl nicht.
so ist das nichts geworden mit dem „live-bloggen“ vom cdu parteitag. ich sitze jetzt noch zwei stündchen im nh hotel und blogge mal soweit ich komme, bevor ich zurück nach berlin fahre.
cdu: die partei ohne wlan, csu: die partei mit laptops, ohne internet.
was in so einer katze drin ist interessiert natürlich keinen. wohl aber offensichtlich die katze an sich als „content“. die papiernen medien und wir arrogant-blogger halten katzen-bilder ja für ein verachtenswertes phänomen des blogdings. stimmt aber gar nicht. zur zeit ist ganz berlin voll mit rosa und lila katzen(futter) werbung und wenn man genau hinguckt sind auch die proleten-magazine.
als ich kürzlich bei der sushi-happy-hour beim japaner an der ecke adalbert-/oraniienstrasse sass (sehr zu empfehlen übrigens, auch wenn die kein katzenfleisch zubereiten) und meinen 4 euro sushi teller im mich reindrückte, blätteret ich in den anerkannten proleten-fachmagazinen „bz“ und „freizeit revue“: alles voll mit katzen und anderen haustieren. wer ist bloss daruf gekommen das als blogphänomen zu bezeichnen?
dielinkspartei erweitert nun auch die deutsche sprache. bisher gab es nur tiefe, hohe, laute oder belegte stimmen, ab jetzt auch gibt es auch beratende stimmen:
nach der rede von gysi habe ich ein bisschen ohrenschmerzen bekommen. das war sehr laut und sehr lange laut. glücklicherweise war der applaus recht entspannend, angenehm leise (weil unverstärkt) und kurz.
nach der rede inszenierten gysi und lafontaine noch ein bisschen verbrüderung auf dem podium, schüttelten sich die hände und wurden hundertfach dabei fotografiert. danach begann der teil auf den die linkspartei besonders stolz ist, nämlich dass ihr „entwurf“ des wahlprogramms vom parteitag per abstimmung gebilligt würde und erst dann zum endgültigen „wahlprogramm“ werde. damit demonstriere die linkspartei ihre abgrundtiefe verehrung von demokratie. allerdings verliessen zu diesem zweck fast alle führungspersonen das podium und überliessen den demokratischen prozess dem fussvolk. während der folgenden abstimmungen ist der einzige mir erkennbare pds- oder wasg-spitzenpolitiker auf dem podium, der pds-parteivorsitzende lothar bisky. allerdings kämpft gysi auch gerade an der mediefront, er ist bei phoenix im interview. danach gibt er noch ein radio-interview.
ich muss zwischenzeitlich eingeschlafen sein. lafontaine sitzt plötzlich wieder auf dem podium. er shakert mit ulrich maurer, während lothar bisky heftig mit der blondinen mit der wallenden mähne shakert. besonders alt ist die dame nicht, was selbstverständlich nichts zur sache tut, aber weiss jemand wie dei dame heisst und wie sie es in die erste reihe geschafft hat?
wo war ich?
gysi, viele worte, reden, reden, reden, abstimmungen, blondinen. mir wird langsam warm. und langweilig. den einzelnen änderungs-anträgen kann und mag ich nicht folgen. vielleicht sollte ich ein kurzes fazit ziehen?
so ein parteitag ist nicht besonders lustig. die paar witze die man hört sind grottenschlecht und auf eine sehr spezielle zielgruppe ausgerichtet. alle beteiligten, inklusive der anwesenden presse und blogger (ix), scheinen sich sehr ernst zu nehmen. es wird wahnsinnig viel geredet, zum teil auf einem niveau wie ich zuletzt im schülertheater erlebt habe. manche delegierte reden wie kleine kinder die ein gedicht aufsagen, manche schreien als ob es um leben und tod ginge. die farbe rot ist überall, in der saal-beleuchtung, auf oberkörper-bekleidung, socken, schlipsen und sehr oft, manchmal nur in spuren, in den haaren von delegierten.
sehr gerne wurde das wort „neoliberalismus“ benutzt, neu war mir das von gregor gysi benutzte wort „reregulierung“. es gibt nicht nur „genossen und genossinen“ (muss man ganz schnell sprechen, das hört sich dann an wie „gnossndgnissn“), sondern auch „zähler und zählerinnen“, „kaffeetrinker und kaffeetrinkerinnen“ usw. politisch voll korrekt.
ausserdem habe ich noch eine frage. nervt das, wenn ich alle paar stunden einen neuen beitrag schreibe und sollte ich überlegen einen parteitag in einem beitrag zusammenzufassen, also den beitrag ständig unten ergänzen?
ausserdem freue ich mich darauf am mittwoch zusammen mit nico und johnny vom spd-parteitag zu bloggen. morgen gehts erstmal weiter aus dortmund, dort redet mich dann die CDU müde.
mich drängt es jetzt dazu nach hause zu gehen. irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass hier nochetwas spannendes passiert. wenn doch, bitte in die kommentare damit. danke.
leute, ich brauche dringend einen parteitagsblogger-sponsor. von einem parteitag zu bloggen ist fast so teuer wie den ganzen tag in einem luxusrestaurant zu sitzen. fürs wlan hab ich nun schon 15 euro bezahlt, dass mittagessen 5 euro (würstchen aus wien, kartoffelwinkel) und das bier in neukölln ist teuerer als in mitte, 2 euro achtig für ein kleines berliner kindl.
momentan redet gregor gysi. brutto und netto bringt ihn zwar auch ein paarmal ins stottern, aber er macht das parteitagsvolk munter. der saal grölt. kann auch sein dass er ausgelacht wird. ich weiss es nicht. der im entwurf des wahlprogramms beschlossene mindestlohn von tausend euro scheint es ihm aber angetan zu haben. findet er „richtig und wichtig“.
jetzt spricht auch er (nach bodo ramelow) von „dem foto“. er freut sich: „wenigstens sehen wir nicht frustriert aus“. bodo ramelow meinte zu dem foto, dass es zeige man könne auch mit einem schalk im nacken das land verändern. meine theorie ist ja, dass lafontaine gysie in die eier kneift und gysi ihn darum bittet sie wieder loszulassen.
gysi glänzt sitzend auf der bühne. also er sitzt glänzend auf der bühne, bzw. seine glatze glänzt. bei lafontaine glänzt nicht die glatze, die ist ja verdeckt, sondern die ganze person. ja, sobald er sich durch den saal bewegt, was er in der letzten halben stunde ca. 5mal gemacht hat, blitzt es und murmelt. sobald er durch den saal stolziert folgt ihm eine meute von 40 journalisten und ca. 5 personenschützern, er wird von mehreren videokameras bestens ausgeleuchetet. ständig wird er interviewt, als ob die ganzen fersehsender nur für ihn gekommen wären.
gysi bleibt sitzen. ständig, immer in der ersten reihe. mal schauen ob er sich nach seiner rede interviewen lässt.
ich werde jetzt mal, wie die meisten delegierten, ein bierchen trinken. die genossen (und genossinen) haben zwar einen unaufholsamen vorsprung (die saufen seit 9 uhr), aber wenn ich ulrich maurer weiter zuhöre schlafe ich sofort ein. der letzte satz von ihm, unglaublich langsam und monoton gesprochen: „wir haben leidenschaft […] und das ist wichtig.“
[was ham die politiker bloss immer mit ihren haaren?]
lafontaine hat sich ans rednerpult gestellt. mit ihm eine meute von ca. 60 presseleuten, die ihn angucken, filmen und fotografieren.**
lafontaines anzug sitzt hauteng. ich vermute er hat einen alten, bereits etwas abgetragenen anzug aus dem kleiderschrank gekramt. aber der knallenge sitz hat den vorteil, dass er lafontaines beim reden das baucheinziehen leichter macht. das faszinierende an lafontaines rede, alle paar sätze taucht das wort „ich“ auf. da scheint sich eine neue spielart im linken spektrum abzuzeichnen: sozialich**mus.
eben fiel mir auf, dass lafontaine nicht nur seine vergangenheit in der bundesregierung und seinen bauch zu kaschieren versucht, nein er versucht auch eine riesige glatze auf seinem haupt zu kaschieren. im fernsehen fällt einem das gar nicht auf, da sieht man nur eine komische frisur. in echt offenbart sich das ganze haarige elend, vielleicht ist es ja auch programmatisch gemeint: ich habe zwar nichts auf dem kopf, aber wenn ich woanders meine haare wachsen lasse, kann ich das verdecken. politisch ist die glatze der bundeshaushalt und sein defizit, die seitenhaare massive steuererhöhungen die dann das haushaltsdefizit mit einem kammstrich kaschieren.
interessant ist auch, wie beweglich lafontaine ist. er beugt sich vor, stützt sich mit dem linken ellenbogen ab, fuchtelt mit den armen und dem zeigefinger und er wackelt ständig mit dem kopf, manchmal nickt er sich selbst zu. die rechte hand wandert manchmal in die hosentasche.
fremdarbeiter hat er bis jetzt nicht gesagt. noch nichteinmal in anführungszeichen. ach. jetzt doch. er moniert, dass alle das wort benutzen dürfen (faz, spiegel, usw), nur er selbst nicht. wie gemein.
besonders gut gefällt allen anwesenden lafontaines schlusswort: „meine zeit ist zuende, dehalb, meine freunde, noch ein paar worte zum schluss.“ (wahrscheinlich falsch zitiert, trotzdem schön, diese selbstbewusste, selbstkritische haltung)
jetzt ist mittagspause. sehr witzig fand ich die ankündigung ebendieser: „wir nähren uns in zwei minuten der mittagspause.“ wow. hier herrscht noch ordnung. und ich kann jetzt endlich mal in ruhe, ohne ständiges gequatsche schreiben.
ich habe in der zeit in der ich hier rumsass, mehrfach oskar lafontaine beobachtet. ein hobby von vielen anwesenden journalisten, die ihn auch in rudeln aufsuchten um ihn zu filmen oder fotografieren. kein wunder, denn herr lafontaine sticht aus der menge auf der bühne heraus (jetzt kommt mein lieblingssatz):
oskar lafontaine ist sehr braun. tiefbraun. wie jeder weiss, war er in mallorca. der aufenthalt dort hat sich definitiv gelohnt, einerseits weil er jetzt hier auf dem parteitag so toll auffällt und andererseits, weil jetzt die presse soviel über ihn schreibt. bodo ramelow findet es übrigens ok, dass oskar lafontaine „vermögen“ habe. ja, er solle sein „vermögen“ auch geniessen, keiner könne etwas dagegen haben — solange er dafür vermögenssteuer zahle. auch engels hätte vermögen gehabt, auch marx habe vergnügen gekannt. beeindruckende rhetorik, mit der ein für allemal die luxusallüren von oskar „toskana“ lafontaine vom tisch gewischt sind. generalabsolution vom parteistrategen für lafontaine.
leider habe ich vergessen wer es gesagt hat, aber ein redner beklagte bitterlich, dass es für arme in deutschland keinen datenschutz gäbe. arbeitslose müssten auf ihren anträgen für ALG2 teilweise äusserst private und intime angaben machen. ein millionär müsste das nicht machen, das sei zutiefst ungerecht. überhaupt, ganz deutschland sei zutiefst ungerecht. bei dieser rhetorik bin ich mir immer nicht ganz sicher was eigentlich gemeint ist. die anprangerung der verhältnisse um zustimmung und stimmen zu erheischen, eine polarisierung zwischen arm und reich? was wird eigemntlich gefordert? die abschaffung der harz IV fragebögen oder die ausweitung der fragenkataloge auch auf millionäre.
na gut, ich bin ungerecht. die anwort ist klar. alles abschaffen, arbeitslosengeld zwei, harz vier, schröder und „seine“ arbeitslosigkeit. gerechtigkeit für alle, vermögenssteuer für millionäre. fertig. die forderungen der deligierten zergehen einem alle wie sahne auf der zunge, aber beim runterschlucken merkt man, dass sie nicht durch die speiseröhre passen. quasi.
ich wollte es nur mal ausprobieren und es funktioniert: man dreht komplett durch wenn man auf der pressebühne sitzt, einer mittels mikro und verstärker sehr laut sprechenden rednerin zuhört und sich gleichzeitig den phoenixlive-stream vom linksparteitag anguckt und anhört. kaum auszuhalten das. bringt ja auch nix.
der stream hat übrigens ca. 20 sekunden lag, also zeitverzögerung.
ich weiss ja nicht viel über parteitage. im fernsehen gibt es immer sondersendungen von parteitagen, meist ganz spät abends. der parteitag selbst dient im fernsehen eigentlich vor allem als hintergrund um einen a-blogger partei-leithammel zu interviewen und ein bisschen rumzumoderieren.
der eigentliche sinn von parteitagen — soweit ich das nach 2 stunden beurteilen kann — scheint aber die produktion von worten zu sein. es werden sehr, sehr viele worte in reden gesprochen, diese worte werden bei manchen rednern auch auf papier gedruckt verteilt, zum nachlesen, wenn man zum beispiel aus den reden einen neuen text machen möchte, für eine zeitung oder ein weblog.
der wahlkampfmanager der linkspartei, ein heiserer herr ramelow hat meine vermutung übrigens eben in seiner ansprache bestätigt; er bat (wortreich) darum nicht zu viel zu reden (oder zu diskutieren), damit man „zügig“ zu ergebnissen komme. denn diese ergebnisse sollen „sofort“ nach dem parteitag in 100 000den exemplaren gedruckt werden. der parteitag ist also dazu da am ende eine art wortsammlung (wahlprogramm) zu drucken.
ein weiterer sinn von parteitagen ist möglichst viel aufmerksamkeit zu erregen. denn aufmerksamkeit hat weitere worte zur folge. einer rednerin ist bereits aufgefallen, dass das bereits im vorfeld geklappt hat. soviel presse, soviele kameras, das hätte man noch nie gehabt.