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ein polohemd mit einer brosche am kragen. die brosche sieht aus wie eine ausgedrückte zigarettenkippe

die bei­fah­re­rin hat mir eine kra­gen­bro­sche ge­macht. ich fin­de sie sehr schön und un­auf­fäl­lig.


kopf­ki­no

felix schwenzel in artikel

heu­te beim mor­gen­spa­zier­gang hat­te ich in­ten­si­ves kopf­ki­no. die film­aus­schnit­te be­stan­den aus er­in­ne­run­gen, die von ein­strö­men­den um­welt­rei­zen aus­ge­löst wur­den. auf dem foot­ball­feld der ber­lin ad­ler plärr­te de­pe­che mode aus den laut­spre­chern. laut­spre­cher die un­ter frei­en him­mel spie­len ha­ben ei­nen ganz cha­rak­te­ris­ti­schen klang. die mu­sik ver­weht ein biss­chen, wab­bert und sam­melt sich ge­le­gent­lich zu echos. vor mei­nem in­ne­ren ohr und auge lie­fen er­in­ne­run­gen, die mich an den his­to­ri­schen jahr­markt in kor­neli­müns­ter1 den­ken lies­sen. auf die­sem jahr­markt habe ich ei­nen teil mei­ner kind­heit ver­bracht. vor mei­ner in­ne­ren nase zog grill- und pony­ge­ruch auf.

das open-air-ge­schrei der eher jün­ge­ren men­schen auf dem weit­läu­fi­gen foot­ball-platz in kom­bi­na­ti­on mit ein paar har­ten son­nen­strah­len auf mei­nemn ge­sicht spül­te dann auch noch er­in­ne­run­gen an die som­mer-zelt­la­ger2 hoch.

ich staun­te wäh­rend des spa­zier­gangs was da al­les in mir aus der ver­gan­gen­heit auf­schwamm. das pas­siert mir nicht im­mer, aber heu­te fan­den die sen­so­ri­sche in­puts wohl ei­nen weg sich in mei­nem kopf aus­zu­brei­ten. ich spiel­te ir­gend­wann so­gar aus­schnit­te ei­nes you­tube-vi­de­os, das ich am vor­abend ge­se­hen hat­te, vor mei­nen in­ne­ren au­gen ab.

wäh­rend ich fri­da be­ob­ach­te­te, mich ge­rü­che, ge­räu­sche, der wind im ge­sicht und in der nase reiz­ten, ein paar son­nen­strah­len, eine küh­le bri­se, was­ser­ge­ruch, kin­der­ge­schrei, open­air laut­spre­cher mei­ne sin­ne sti­mu­lier­ten dach­te ich: schon er­staun­lich, was ich al­les ab­ge­spei­chert habe. ich staun­te auch, dass nur schö­ne er­in­ne­run­gen auf­schwam­men. die er­in­ne­run­gen wa­ren far­ben­froh, po­si­tiv, ein biss­chen nost­al­gisch.

ges­tern schrieb mir mei­ne mut­ter, der ge­ra­de plötz­lich zwei gute freun­de weg­ge­stor­ben wa­ren, wie schön sie es fand, dass sie mit vol­ker, der ge­ra­de ge­stor­ben ist, noch vor zwei wo­chen beim „por­tu­gie­sen“ es­sen wa­ren und vol­ker, wie im­mer, gut­ge­launt trank und ass und er­zähl­te. das müs­se wohl die­ses car­pe diem („oder so“) sein, von dem alle spre­chen. ich ant­wor­te­te ihr dass ver­meint­lich lang­wei­li­ge oder er­eig­nis­lo­se tage mei­ner mei­nung nach und in die­sem sin­ne auch ok sei­en, müs­se ja nicht al­les eine wil­de ver­gnü­gungs­fahrt sein.

heu­te fällt mir auf, die­ses car­pe diem kann man auch im kopf­ki­no ma­chen. so kann auch ein lang­wei­li­ger mor­gen­spa­zier­gang zu ei­ner wil­den ver­gnü­gungs­fahrt wer­den. ich bin mir auch si­cher dass ich mit die­ser er­fah­rung nicht al­lein war und es fri­da ganz ähn­lich ging. ihre sen­so­rik ge­gen­über um­welt­rei­zen und ge­rü­chen dürf­te um ei­ni­ges bun­ter und dif­fe­ren­zier­ter sein und ich will nicht wis­sen was für ein kopf­ki­no in ih­rem kopf ab­geht, wenn sie sich durch die um­welt schnüf­felt.

zu­hau­se muss­te ich na­tür­lich gleich in mei­ner al­ten, ana­lo­gen fo­to­kis­te kra­men. da­bei fiel mir auf, die bil­der die ich vor­her im kopf hat­te wa­ren bun­ter, le­ben­di­ger, mehr­di­men­sio­na­ler als die auf dem fo­to­pa­pier. zu­mal mir da­bei auch auf­fiel, wie zu­rück­hal­tend wir da­mals mit der an­zahl fo­tos wa­ren. 36 bil­der hat­ten die fil­me da­mals, da knippst man nicht wie wild rum.

beim blät­termn in der fo­to­kis­te fie­len ir dann aber noch zwei fo­tos aus mei­nem stu­den­ten­zim­mer in die hand. stras­sen­lärm, vor al­lem höl­lisch laut klap­pern­de LKW, we­cken nor­ma­ler­wei­se er­in­ne­run­gen an die­ses zim­mer das di­rekt an ei­ner der haupt­ein­fall­stras­sen des stutt­gar­ter kes­sels lag (heil­bron­ner stras­se). auch der ge­ruch des zim­mer-öl­ofens hat sich bei mir ein­ge­brannt, wird aber sel­ten aus­ge­löst weil man öl heut­zu­ta­ge ja fast nur noch völl­stän­dig und russ­frei ver­brennt und in sei­nem un­ver­brann­tem ag­gre­gat­zu­stand kaum noch be­geg­net.


  1. eine fo­to­ga­le­rie des his­to­ri­schen jahr­markts in kor­neli­müns­ter auf com­mons.wi­ki­me­dia.org, die­ses und die­ses und die­ses un die­ses foto tref­fen mei­ne 80er-jah­rer-er­in­ne­run­gen ganz gut. 

  2. die zelt­la­ger wa­ren sehr li­be­ral und wur­den da­mals vom li­be­ra­len ju­gend­werk aa­chen und hei­ner jütt­ner or­ga­ni­sis­ert. die zelt­la­ger gabs wohl noch län­ger oder gibts ge­ge­be­nen­falls im­mer noch. ich hab, wenn ich mich recht er­in­ne­re, an meh­re­ren zelt­la­gern zwi­schen 1981 und 1986 teil­ge­nom­men und sehr viel über den ver­ant­wor­tungs­vol­len um­gang mit ta­bak und al­ko­hol ge­lernt. 

mit route …




man­che din­ge schei­nen sich nicht zu än­dern. ich sehe im­mer wie­der el­tern mit ih­ren kin­dern, die vor müll­au­tos oder bau­stel­len ste­hen blei­ben, weil die kin­der die müll­wa­gen, bau­ma­schi­nen oder die müll­ar­bei­ter oder bau­ar­bei­ter fas­zi­niert be­ob­ach­ten (wol­len). geht mir auch oft noch so: ich fra­ge mich wie die müll­men­schen in ber­lin von den hun­der­ten haus­tür­schlüs­seln, die sie in ei­nem rie­si­gen bün­del mit sich her­um­tra­gen, den rich­ti­gen fin­den. bau­stel­len und gros­se ma­schi­nen sehe ich mir wei­ter­hin ger­ne an. bau­stel­len sind ja qua­si real-life-wim­mel­bil­der.

ge­nau­so fas­zi­niert, wie ich mir ge­le­gent­lich wim­mel­si­tua­tio­nen an­se­he, bin ich ir­ri­tiert dar­über, dass so we­ni­ge men­schen die ins in­ter­net schrei­ben selbst­ge­mach­te ani­mier­te bil­der be­nut­zen. ich mein: je­des ipho­ne hat live-bil­der stan­dard­mäs­sig ak­ti­viert. das heisst bei ei­nem foto, nimmt das ipho­ne vor­her und nach­her ein paar se­kun­den­bruch­tei­le vi­deo mit auf, die man, wenn man will zu ei­ner end­los­schlei­fe um­wan­deln kann, ider so ei­nem „ab­pral­ler“. man kann auch eine lang­zeit­be­lich­tung da­mit si­mu­lie­ren.

sehr, sehr vie­le men­schen ha­ben sol­che bil­der also auf ih­ren te­le­fo­nen, aber im in­ter­net sieht man die trotz­dem sel­ten bis nie. war­um?

ich pos­te sol­che bil­der re­gel­mäs­sig mit dem hash­tag #live fo­tos und vor ei­ner wei­le habe ich so­gar er­klärt wie ich das ma­che, bzw. dass ich ne­ben ei­ner mp4-end­los­schlei­fe auch fall­back-gifs baue um die end­los­schlei­fen auch im RSS feed an­zei­gen zu kön­nen. ich hab so­gar mal eine sei­te er­stellt, die alle bei­trä­ge auf­lis­tet die (ech­te) gifs ver­wen­den. das hat­te ich völ­lig ver­ges­sen, funk­tio­niert aber.

fra­gen an die hie rmit­le­sen­den:

  • habt ihr „live fo­tos“ auf eu­rem ipho­ne/eu­rer ka­me­ra ak­ti­viert?
  • er­stellt ihr in der fo­to­me­dia­thek ge­le­gent­lich auch end­los­schlei­fen oder ab­pral­ler?
  • wollt ihr die nicht der welt zei­gen?