wuschu maki
ziemlich witzig und für den webvideo-preis nominiert . / dasnuf
ziemlich witzig und für den webvideo-preis nominiert . / dasnuf
veit medick und annett meiritz zitieren im spiegel-online forsa-chef manfred güllner zu den wählern der piraten im saarland:
Das ist ein Phänomen. […] Während die Grünen in ihrer Anfangszeit nur ein sehr schmales Segment des deutschen Bildungsbürgertums aktivieren konnten, sind die Piraten in allen Schichten zu finden. Es ist falsch, ihre Wählerschaft nur auf die Internet-Nerds zu reduzieren. Sie ist sehr heterogen.
meine worte, allerdings in bezug auf sogennante „blogger“: die sind auch sehr heterogen. wie das netz. heterogen ist gut.
heterogen treibt die etablierten (wasauchimmer) in den wahnsinn. heterogen bietet keine angriffsfläche. (oder anders gesagt: warum die piraten zur dritten volkspartei zu werden drohen.)
heute bin ich mal wieder durch die hafencity gelaufen. architektonisch ist das was man dort sieht ja eher pop und kein rock’n’roll (wie sven auf#regener sagen würde). ich würde vielleicht noch hinzufügen, dass alles wirkt wie swarovski-pop. viel glitzer und das starke bemühen den neuen stadtteil leuten die auf swarovski und anderen wertvoll aussehenden glitzerkram stehen, attraktiv zu erscheinen.
bei sonne und am wochenende funktioniert es aber. die leute bevölkern das retorten-viertel wie die fliegen die scheisse. auch sonst scheint es zu funktionieren. vor den schaufenstern der immobilien-händler herrscht andrang. der leerstand ist nicht auf den ersten blick zu erkennen.
ein paar der häuser halte ich durchaus für gelungen, aber ob die mischung des neuen viertels ausgewogen genug ist um das viertel über das promenieren und das besuchen der philharmonie hinaus attraktiv zu machen wird sich zeigen. ich hab leise zweifel. aber zum promenieren und fotografieren eignet es sich hervorragend.


ich habe in meinem artikel in der taz.de mal wieder behauptet, dass es gar keine „kostenloskultur“ im internet gebe, sondern im gegenteil, eine ziemlich ausgeprägte bereitschaft im netz für kreative werke zu zahlen. ich habe für meine these in der taz.de nicht so irre viele argumente aufgeschrieben, ebenso wie für meine zweite these, dass gegenseitiger respekt eigentlich nur durch gegenseitigen respekt möglich wird.
mich würde es wirklich mal interessieren, welche argumente oder konkreten hinweise es dafür gibt, dass internetnutzer pauschal nicht zu zahlen bereit sind, also eine kostenloskultur im netz grassiert. kann mir jemand echte argumente oder zahlen dafür nennen oder darauf hinweisen? meiner erinnerung nach existiert die kostenloskultur lediglich als behauptung — ich kann mich gerade zumindest an kein einziges stichhaltiges argument erinnern, das diese these stütze. auch im kommentarbereich zu meinem artikel auf taz.de finde ich lediglich die wiederholte behauptung, dass es eine kostenloskultur gibt oder geben muss, immer ohne auch nur einziges stichhaltiges argument. möglicherweise bin ich aber auch zu blöd um die argumente zu erkennen.
ich sammel mal eben kurz und lieblos linkreich ein paar argumente, warum ich glaube, dass es eine grosse zahlungsbereitschaft im internet gibt:
in letzter zeit gibt es dafür einige beispiele. zefrank hat für seine show, die er neu auflegen will auf kickstarter die dreifache summe an startkapital zusammengetragen als er ursprünglich wollte.
daniel lieske hat vor einem jahr einen comic (kostenlos) ins netz gestellt und sich damit mittlerweile selbststädnig gemacht. rené walther schrob dazu: „Der Mann [hat] sich damit selbständig gemacht, einen Verlag dafür gefunden, eine App per Kickstarter finanziert, das Teil in drölf Sprachen übersetzen lassen und 2012 soll das Comic in Buchform erscheinen.“
tim schafer, adventurespiel-designer von spielen wie monkey island oder day of the tentacle fragte auf kickstarter nach 400tausend dollar um ein neues adventurespiel zu machen (etwas hintergrund bei nerdcore). er konnte keine spielefirma für das projekt begeistern. finanziert haben ihm die anhänger der ksotenloskultur fast 3,5 millionen dollar.
itunes music store, app store, amazon music, netflix, hulu-plus und viele andere dienste die einfache bezahlung, faire preise und guten kundenservice bieten machen ständig steigende schrillionenumsätze. wie kann soetwas bei einer ausgeprägten kostenloskultur passieren?
louis ck hat eine bühnenshow> aufwändig produziert und abfilmen lassen. auf eigene kosten. er hat die topaktuelle show im dezember zum download angeboten für 5 dollar. ungewöhlich daran war, dass er weder einschränkte von wo die show zu kaufen ist (region code), dass die aufzeichnung keinen kopierschutz oder andere gängelungsmethoden (DRM) beinhaltete, so dass man sie sich ansehen konnte wo und wie man wollte und dass er zwar darum bat die show nicht ohne seine zustimmung per torrent oder download anzubieten, ihm das aber andererseits auch egal war (mehr dazu hier und hier).
louis ck beschimpft sein publikum in seiner show teilweise aufs übelste. als kunden beschimpft er seine fans nicht, im gegenteil, er bietet ihnen einen fairen deal an. der erfolg? louis ck nahm mit der show soviel ein, dass er mehr als die hälfte der einnahmen spendete und an seine mitarbeiter ausschüttete.
was ich eigentlich auch nur fragen wollte: welche argumente gibt es für das existieren einer kostenloskultur? ich freue mich im kommentarbereich oder per email über argumente die über das blosse behaupten hinausgehen (auch gerne links dahin) und ich werde mich bemühen sie gegen meine these abzuwägen.
[nachtrag 24.03.2012]
nina paley (via) hat mit 15-17 jährigen jugendlichen gesprochen und sie gefragt wie sie künstler unterstützen würden. sehr lesenswert. nina paleys lieblingszitat von einer fünfzehnjährigen:
We don’t want everything for free. We just want everything.
[nachtrag 24.03.2012]
jemand schrob mir per mail folgendes:
vorab: ich halte den Begriff "Kostenloskultur" für falsch.
Ich glaube aber, dass er sich schlicht und einfach dem Umstand verdankt, dass die Nutzung gewisser Dienste (Suchmaschinen, Archive ...) nicht auf dieselbe Art und Weise bezahlt werden muss, wie man es vor der Existenz dieser Dienste gewohnt war, für eine Dienstleistung bezahlen zu müssen. Tatsächlich kann ich Informationen erhalten, ohne dafür Geld auszugeben, für die ich früher Geld ausgeben musste.
Mich überzeugen weder Ihre Crowdfundingbeispiele, noch Ihre unermüdlichen Hinweise auf die Bereitschaft im Netz für kreative Werke zu zahlen. Erstens ist ein Beispiel kein Beweis. Zweitens hängt die Bereitschaft, für kreative Werke zu bezahlen, wesentlich vom Einkommen ab.
Mir persönlich wäre es viel lieber, es gäbe tatsächlich eine Kostenloskultur im Sinne von "teilen statt tauschen". Mit "teilen" meine ich nicht nur, dass ich meine Urlaubsfotos auf einer sogenannt "sozialen" Plattform mit anderen Usern teile, sondern dass ich mein kreatives Werk zum kostenlosen Download anbiete. Stellen Sie sich bloß mal vor, wir würden uns alle daran gewöhnen, und es würde vom Netz in die materielle Welt übergreifen, weil wir nicht mehr einsehen wollen, für etwas bezahlen zu sollen. Das wäre doch herrlich. Waren und Dienstleistungen hätten dann keinen Tauschwert mehr, und infolgedessen wären wir alle unermesslich reich, weil uns alles zur Verfügung steht, und niemand könnte sich mehr an der Arbeit anderer, und vor allem auf Kosten jener Arbeitenden bereichern. Aber selbst wenn es nicht auf die materielle Welt übergriffe: Ist doch toll, wenn Menschen Zugang zu kreativen Werken haben, den sie nicht hätten, wenn sie dafür bezahlen müssten.
Und schließlich kann nicht oft genug die Frage "Cui bono?" gestellt werden, in diesem Fall an diejenigen, die so eifrig gegen die Kostenloskultur wettern.
Ich finde, man sollte die Vorzüge der Kostenloskultur, auch wenn sie noch gar nicht richtig existiert, loben, anstatt gegen sie zu argumentieren.
ich habe darauf geantwortet:
ja, das ist auch ein aspekt: was ist schlecht an den vielen dingen die es im internet, mit voller absicht und durchaus trifftigen gründen, gibt. wenn sich also entwickler beispielsweise entscheiden ihre software als lizenzgebührenfreie open source software zu veröffentlichen um so anderen die gelegenheit zu geben, darauf aufzubauen oder sie zu verbessern? wenn leute die etwas zu sagen haben, das ohne bezahlschranke, sondern zum gedankenaustausch und dazulernen machen. wenn musiker ihre musik in CC-lizenz veröffentlichen oder video, wie früher im radio, im dritten auf formel1 oder auf MTV veröffentlichen um aufmerksamkeit und auch geld zu verdienen.
so gesehen, wie ein kommentator unten in den kommentaren schrob, gibt es eben beides. eine ausgeprägte kostenloskultur, ebenso wie eine ausgeprägte bezahl-, crowdfunding- oder sonstwie-bezahlkultur. und, auch wenn sie das bezweifeln, ich glaube es gibt ein bedürfnis dafür, leuten die einem eine freude bereiten, ebenso eine freude zu bereiten. derzeit noch vornehmlich mit geld, eintrittsgeld, kaufpreise, spenden, merchandise. es mag freilich auch sein, dass sich die gesellschaftliche konvention für was man anständigerweise bezahlt stetig ändert. schliesslich bezahlen verleger und fernsehproduzenten interviewpartnern, egal wieviel geistiges eigentum diese absondern, niemals honorare. niemand zahlt (bildende) künstler nach der qualität ihrer arbeit, die preise am kunstmarkt sind spekulationspreise. je teurer die vorherigen arbeiten eines künstlers verauft wurden, desto mehr sind seine aktuellen wert.
ja. möglicherweise sind beispiele keine beweise, aber eben doch starke hinweise auf eine tendenz. die milliardenumsätze von apple und amazon und vielen mehr sind meiner meinung nach aber mehr als beispiele. sie zeigen deutlich: es wird bezahlt wenn der preis stimmt, der komfort und die qualität kostenlos überlegen ist oder wenn man das gefühl hat, dass geld kommt beim künstler und nicht bei irgendwelchen BWL-fuzzis an. tatsächlich sind die einzigen „beweise“ für eine angebliche kostenloskultur die ich bisher gehört habe eben auch beispiele. ja, es gibt viele die nicht für A zahlen wollen, aber vielleicht für B. genauso wie es viele gibt die kokain oder speed oder crystal meth konsumieren — und man trotzdem daraus nicht auf eine ausgeprägte drogenkultur in deutschland schliessen kann.
die vorzüge einer kostenlos-kultur preise ich übrigens ziemlich unermüdlich an (finde ich zumindest). aber vielleicht sollte man das viel aggressiver machen.
zu sven regeners wutanfall kürzlich im radio kann man alles mögliche sagen und das meiste wurde auch schon gesagt. das was dazu gesagt wurde und ich bemerkens- und lesenswert fand, habe ich eben hier verlinkt.
gestern abend hab ich für die taz in ungefähr 5000 zeichen etwas zum thema geschrieben, die eben veröffentlicht wurden: „Das Gefühl, verarscht zu werden“
diesen absatz hab ich mir selbst aus dem taz-artikel rausgestrichen, bzw. nicht mehr im taz-artikel unterbringen können:
Regener sagt, dass Rock’n’Roller wie er jede einzelne Mark (sic!) von Leuten bekommen, die sagen: ja das ist mir das wert, ich gebe 99 Cent für dieses Lied aus. Alles andere sei „Subventionstheater“ oder „Strassenmusik“. Wenn mich mein juristisches Halbwissen nicht ganz trügt stimmt das so nicht. Jeder Mensch in Deutschland der einen Computer oder ein Smartfone kauft, zahlt Abgaben an die Verwertungsgesellschaften. Es gibt Abgaben für CD-Laufwerke, für CD- und DVD-Rohlinge, Speichersticks, für Fernseher und Radios und mittlerweile auch Computer und Smartfones wird sogar eine monatliche Gebühr fällig die anteilig auch Rock’n’Rollern wie Regener zugute kommen. Selbst wenn ich Element of Crime hasste und nie hören wollte, hätte ich bereits mehrfach die eine oder andere Mark an Sven Regener abgegeben.
zum thema urheberrecht hat sven regener schon öfter was gesagt, unter anderem hier.
manchmal gibts tage, da läuft ein video von abends bis morgens (oder umgekehrt) durch meine timeline. und ich ignoriere es. bis eben, da las ich auf onlinejournalismus.de:
Ein beeindruckendes Video aus dem ansonsten internetmäßig nicht so spannendem US-Wahlkampf:
und sah es mir dann doch an. und fand es nicht schlecht.
eben las ich auf meedia, dass holger liebs, der chefredakteur von monopol, sich entschieden habe einen artikel über damien hirst mit leeren bildern zu illustrieren, weil das studio von hirst die bilder erst freigeben wollte, nachdem ihnen der komplette, fertige artikel vorgelegt würde. dazu sagte er:
Dass das Unternehmen eines Künstlers unsere redaktionelle Berichterstattung kontrollieren will, bevor es die Bilder zum Abdruck freigibt, überschreitet eine Grenze.
statt bildern, weisse flächen. ich musste mir dann vorstelen wie google auf eine presse-leistungsschutzrecht reagieren könnte:

rené stellt fest, dass „das darmrohr“ von giulia enders „seit ein paar Tagen […] durch die Blogs“ gehe. stimmt. hier auch. aber rené legt nach, mit dem furzenden rambo:
denn leg ich wiederum den absoluten klassiker nach, den furzenden prediger (fating preacher), über den ich mich seit über 10 jahren fast jedes jahr einmal scheckig lache:
ich gebe zu, ich lese spiegel online gerne. die seite ist voll mit müll, aber es gibt auch sehr viele artikel die mit journalistischer leidenschaft geschrieben oder originell sind und einen guten überblick über die nachrichtenlage geben. ich lese spiegel online fast täglich und ärgere mich trotzdem nur alle 3 oder 4 tage.
als ich dann heute bei spiegel-online diesen artikel („Brandbrief von Goldman-Sachs-Manager — Die Abrechnung“) auf der startseite sah und anklickte, las ich natürlich erstmal das original („Why I Am Leaving Goldman Sachs“, lobenswerterweise prominent von spon verlinkt. [nachtrag 02:40h] für einen link auf diesen the-daily-mash-artikel der später erwähnt wird reichts dann aber schon nicht mehr). durchaus lesenswert, aber halt englisch und ausser 214 kommentaren drunter ohne weiteren kontext.
danach habe ich den spon-artikel gelesen. er bot tatsächlich ein bisschen einordnung, leider etwas arg naheligend („Der Brandbrief sorgte in den USA und Großbritannien prompt für eine Masse an Kommentaren.“). na gut es folgen noch zwei absätze mit zitaten zur einordnung:
"Jeder an der Wall Street hat das gelesen", sagt Erik Schatzker, Moderator beim Wirtschaftssender Bloomberg TV. Seine Kollegin Sara Eisen ergänzt: "Es ist ein Desaster für Goldman Sachs."
In Internetforen, Blogs und auf Twitter wird fleißig über die Bank gespottet. Der Blog "Business Insider" nennt den Abschiedsbrief von Smith "einen weiteren PR-Albtraum" für Goldman. Die britische Webseite "The Daily Mash" veröffentlichte bereits eine Satire: "Warum ich das Imperium verlasse, von Darth Vader".
der rest des artikels belässt es dabei teile des „brandbriefs“ zu zitieren, grossenteils in indirekter rede. was hat spiegel-online also genau getan?
einen absatz geschrieben in dem steht, dass jemand einen brief schrob. ein absatz in dem zusammengefasst steht was in dem brief stand. einen absatz mit einer platitüde („viele reaktionen“) und zwei zitaten von fernsehjournalisten. ein absatz mit weiteren reaktionen. drei absätze übersetzte zitate aus dem brief. ein absatz in dem eine sprecherin von goldman sachs zitiert wird. ein absatz mit einer einschätzung der lage von goldman sachs, wahrscheinlich aus presseagenturmeldungen rausgeschnipselt und ein weiterer absatz mit zitaten aus dem brief.
das soll jetzt keine kritik oder ein text über den spiegelverlag werden, ich finde den spon-brief-agentur-mashup total OK. tägliches journalistisches handwerk („was machst du beruflich?“ „zusammentragen und zusammenstückeln.“).
faszinierend finde ich nur, dass verleger heutzutage für soetwas einen besonderen schutz zu beanspruchen versuchen. die arbeit von zusammenträgern und zusammenstücklern soll nach ansicht der verlage (die mit soetwas hoffen werbung besser verkaufen zu können) von einem „leistungsschutzrecht“ gedeckt werden. die verlage meinen, dass niemand anders ausser ihnen selbst mit solchem patchwork geld verdienen dürfe. das leistungsschutzrecht soll auch für „journalistische inhalte“ gelten, die zu 90 prozent aus zusammengeklauten zusammengetragenen material bestehen. die verleger selbst bezahlen (ausser den nachrichtenagenturen und dem zusammenstücklern autoren) niemanden und bedienen sich freizügig an den inhalten anderer. wenn ihnen das selbst passiert, nennen sie es oft diebstahl oder unrechtmässige kommerzielle nutzung und wollen lizenzgebühren dafür sehen.
mir scheint es absurd, lizenzgebühren für etwas zu verlangen, für das man selbst keine lizenzgebühren zu zahlen bereit ist. vielleicht können wir über das leistunsgschutzrecht nochmal reden, wenn verlage für interviews (also das absaugen von geistigem eigentum aus interviewpartnern), tweets des tages auf dem titelblatt oder paraphrasierungen von fremden inhalten (aus zeitungen, büchern, fernsehen oder blogs) lizenzgebühren oder honorare zahlen.
zumal ordentliche journalistische arbeit heutzutage ja auch bei einer veröffentlichung im internet durch das urheberrecht geschützt ist. auch wenn die verlage auch das sehr eigennützig und selbstverliebt auslegen.
matthias spielkamp stellt sich im handelsblatt ähnliche fragen, allerdings um einiges eleganter als ix.
jens schröder beerdigt die deutschen blogcharts:
Profi-Blogs mit 20-Mann-Redaktionen und einem Inhalte-Ausstoß von 30 oder mehr Texten pro Tag lassen sich doch eher mit Spiegel Online vergleichen als mit einem 1-Personen-Hobby-Blog, in dem vielleicht alle zwei Tage ein Text erscheint. Zudem wird es oftmals nicht leichter, überhaupt einzuordnen, was ein Blog ist und was schon längst ein Magazin.
stattdessen bastelt jens schröder an einer liste von „deutschsprachigen Internet-Leitmedien“ auf basis seiner monatlichen hyperland charts. ich glaube ja mittlerweile, dass das alles quark ist. die neuen charts sollen auf basis von „Likes, Shares und Tweets bei Facebook und Twitter“ erstellt werden. nur messen likes, shares und tweets ja nicht die beliebtheit (oder gar qualität) eines „mediums“, sondern die beliebtheit eines einzelnen beitrags.
aber selbst das unterfangen die beliebtheit einzelner artikel an drei faktoren zu messen halte ich für quark. rivva hat das früher mal gemacht unter rivva.de/leitmedien. dort wurden damals allerdings, wie bei den deutschen blocharts, nur die verlinkungen von blogs (oder genauer rivva-quellen) gemessen. ich glaube die qualität einer solchen liste wächst nicht durch das hinzufügen oder ändern der rankingfaktoren.
und: wenn also nun likes, shares und tweets gemessen und verglichen werden sollen, was ist mit flattrs, pinterest pins, bookmarks bei delicious oder pinboard, +1, quote.fm-quotes oder der anzahl leser oder kommentare? und selbst wenn jens schröder (oder ein künftiges rivva) all diese faktoren erfassen könnte, wie würden die einzelnen faktoren gewichtet werden?
vor allem frage ich mich aber: wozu oder wem nützen solche listen überhaupt? um irgendeine qualität zu messen? relevanz? interessanz? selbst wenn das gelänge, wen, ausser denen die auf der liste stehen*, interessierte das? kann eine solche liste überhaupt für mich interessante inhalte oder „medien“ finden? ich glaube ausser zu schwanzvergleichen führen solche charts zu nichts, für dass sich die arbeit und mühe lohnen würde.
auch bei rivva hat mich eigentlich nie gross interessiert was nach oben gespült wird, sondern der kontext den rivva aufzeigte. nicht die quantifizierung ist interessant, sondern die kontextualisierung. das war früher schon so und ist es jetzt ganz besonders, wo jedem twitter-, facebook-, pinterest- oder-was-weiss-ich-nutzer die interessanten artikel so oder so in die timeline gespült werden.
quantifizierung ist möglicherweise für outsider interessant um sich einen überblick zu verschaffen, für insider ist sie nur so lange interessant wie sie selbst quantifiziert werden und sich einbilden, sich so vergleichen oder ihre releschwanzlänge messen zu können.
wenn jens schröder jetzt eine liste von „deutschsprachigen Internet-Leitmedien“ erstellt, wird das eine totgeburt. tu es nicht, jens.
*) ich verlor nach dem letzten relaunch der deutschen blogcharts schlagartig das interesse an den blogcharts. interessante blogs fand ich dort nicht, nur blogs die in irgendetwas gut abschnitten oder populär und damit ohnehin bekannt waren.
eckart von hirschhausen kann einpacken, das hier ist im gegenteil zu eckhart von hirschhausen mal ne witzige ärztin medizinstudentin:
/+gregor klar und +ralf hildebrandt
weil jemand fragte: icloud-kalender kan man freigeben, damit man sie abonieren kann. ical (oder icloud.com) erzeugt dafür eine obskure url, die man theoretisch mit jedem ical-fähigen kalender abonnieren kann. etwa ist dieser art:
webcal://p01-calendarws.icloud.com/ca/subscribe/1/x-dsoiufhsdoifhdsoifhfoisdhfo_dsofiH-dsfd-fsdfs4-sdfhiudshfisdfhids-fdsifh
versucht man nun die url (statt webcal: http: benutzen!) im google kalender zu abonnieren, beklagt sich google (zu recht) dass die datei über eine robots.txt geschützt ist und google die URL deshalb nicht lesen könne. das ist ein „known issue“. wenn man die kalender url jetzt aber über proxy leitet gehts. manche schlagen vor das über eine yahoo-pipe zu machen, ich würde es über ein php-script machen:
acta einmal von einem erklärbären erklärt und einmal von einem klugscheisser:
via:
[in diesem etwas älteren artikel von 2005 kommen die worte arschloch, dieter und nuhr (allerdings ohne zusammenhang).]
[per mail von tobias g.]
nachdem ich eben einen artikel von zwei der deutschen sprache leider nicht besonders mächtigen werbefuzzis gelesen habe, in dem sie darauf bestehen, dass der scheiss, den sie produzieren unterhaltsam ist und mindestens so gut wie die superbowl-werbung die sie kopiert haben, bin ich auf dieses spiegel-interview von 1994 mit herbert feuerstein gestossen. in dem interview sagt feuerstein unter anderem:
Mir sind Leute suspekt, die ihre Moral als Serviette umgebunden haben, um sich nicht selber schmutzig zu machen. Bei uns setzt sich keiner ans Klavier und singt dazu ein Lied für die Freiheit und gibt dem Türken die Hand. Auch der Behinderte hat bei uns ein Recht auf Verarschung.
[die beiden werbefuzzis meinen, dass harald schmidt und „dem großen Herbert Feuerstein […] der weise Satz […], auch Behinderte hätten ein Recht auf Verarschung“ zugeschrieben werde. dabei ist feuerstein eher klein, oder wie er selbst sagt: „Mir war das egal [dass Schmidt sich die Haare kurz geschnitten hatte], weil ich Schmidt nur bis zum Adamsapfel wahrnehme. Höher guck’ ich nicht.“]
und apropos alte herbert-feruerstein-interviews, hier ist noch eins aus der titanic von 1995, über feuersteins zeit als MAD-macher.
eigentlich sollte die überschrift lauten: „links mit ausdrucksschwachen werbefuzzis die meinen man könne prügelnde männer ruhig lustig finden und sich nicht entscheiden können, ob ein zitat von schmidt oder feuerstein ist“
leider ist mein CMS nicht in der lage überschriften die länger als 100 zeichen sind zu verarbeiten. das habe ich jetzt auf meine todo-liste gesetzt. sobald das nachprogrammiert ist, mach ich ganz oft ganz lange überschriften.
vor ein paar tagen schrob ich eine replik zu peer schaders überschwänglicher kritik von tim mälzers „grossem ernährungscheck“:
vielleicht bin ich aber auch einfach zu konservativ. ich mag wie die maus mir fakefrei sachen erklärt. oder wie hoimar von ditfurt oder volker arzt mir früher sachen erklärt haben.
dazu wollte ich eigentlich noch schreiben, wie sehr mir die talkshows im fernsehen fehlen, in denen gequartzt wird, der hintergrund nicht irgendwelche holzgetäfelten kulissen oder publikumsbänke sind, sondern einfach nur schwarz und wo, wie an einem billiardtisch, das licht knallhart von oben runterscheint und man im prinzip nur die rauchenden und sprechenden oberkörper von redenden leuten sah. das war mir dann aber zu kompliziert auszudrücken und ich liess es weg. ausserdem weiss ich gar nicht, ob talkshows früher wirklich so aussahen, oder ob ich mich nur so an sie sie erinnere.
kurzkritik roche und böhmermann e01: super!
18 minutes ago via web Reply Retweet Favorite
@diplix felix schwenzel
eben habe ich roche und böhmermann gesehen (hier in der 2DF-mediathek) und ich muss sagen, meine sehnsucht nach einer schwarz weiss abgefilmten talkshow am billiardtisch, mit schwarzem, publikumslosen hintergrund hat sich soeben erfüllt. allein für den eindruck, dass die sendung schwarz-weiss abgefilmt wurde muss ix roche und böhmermann überschwänglich loben. obwohl in der sendung niemand geraucht hat und die sendung in farbe gefilmt wurde, blieb in meiner erinnerung das bild eines verrauchten schwarz-weissen studios hängen.
allein wegen des bühnenbilds und der bildfarben hat roche und böhmermann das potenzial meine lieblingstalkshow im fernsehen zu werden.
charlotte roche und jan böhmermann sind der andere grund, warum die sendung meine lieblingstalkshow werden könnte. meistens ist es ja so, dass konzeptionelle vorankündigungen einer sendung nichts als phrasendrescherei sind. bei roche und böhmermann sind alle ankündigungen die ix gelesen habe umgesetzt worden. die gäste wurden unterbrochen wenns langweilig wurde, die moderatoren sperrten sich gegen jeden journalistendarstellerischen anspruch und waren hemmungslos subjektiv und hochgradig beleidigend ihren gästen und sich selbst gegenüber.
böhmermann, der an schwerer witzelsucht leidet, verhastpelte sich kräftig, als er britt hagedorn auf die füsse treten wollte und sich beim vorwurf, sie würde in ihrer sendung „menschen am rande zur geistigen behinderung“ vorführen, völlig verargumentierte. man merkte, er hatte sich fest vorgenommen diesmal britt hagedorn vorzuführen und es war ein fremdschäm-vergnügen ihm dabei zuzusehen. das ganze war deshalb ein vergnügen, weil böhmermann sich nicht versuchte rauszuwulffen, sondern seine niederlage und sein versagen eingestand.
charlotte roche ist so uneitel, dass man sich auch dafür beinahe fremdschämt. nur zum fremdschämen kommt es dann doch nicht, weil man es ihr abnimmt, dass sie eben so ist. überhaupt. alle teilweise deftigen gäste-beleidigungen, alle überinszenierungen und blöden spielchen wie der pseudo-zensur-knopf in der mitte des tischs die sich die redaktion ausgedacht hat, wurden durch die schlagfertigkeit und die auf-den-punktigkeit der beiden moderatoren kompensiert.
ich erwischte die beiden mehrfach dabei, wie sie im laufe der gespräche meine gedanken laut aussprachen und meine angedachten witzchen ausformulierten (ein grösseres kompliment habe ich glaube ich noch nie jemandem gemacht).
am anfang der sendung bekam ich einen leichten schreck, als zur vorstellung des ersten gastes ein einspielfilm angekündigt wurde. glücklicherweise blieb der einspieler im hermetischen retro-rahmen der sendung. besonders schön die einspiel-beleidigung für den nuklearökologen und top-model-dings jorge gonzález:
jeder einspieler beinhaltete mindestens eine deftige beleidigung. ich mag den versuch, die gäste so aus der reserve zu locken, der teilweise sogar ein bisschen zündete. überhaupt die gäste. keine ahnung ob ich mich von dem retro-gedöns und der schlagfertigket der moderatoren habe einlullen lassen, aber ich fand die mischung der gäste und das draufsein der gäste enorm passend. alle brachten ein mindestmass an interessanz mit — aber eben auch jeweils eine riesenportion eigenschaften über die man sich lustig machen konnte und die man ihnen um die ohren schlagen konnte — und das auch tat.
ich tue mir etwas schwer das folgende kompliment auszusprechen, aber ich lehne mich mal weit aus dem fenster. wenn es etwas gibt, mit dem man roche und böhmermann vergleichen könnte, dann ist es das was craig ferguson in seinen sendungen macht: albern und fäkalwortverliebt verbalhochseilbalancieren und seine gäste respektlos, aber sehr liebevoll aus der reserve zu locken versuchen und das scheitern und jeden misglückten witz als sendungszweck zu verkaufen. scheitern als sendung, ohne heckmeck. so muss das sein.
ich habe bevor ich das hier schrob keine andere kritik von roche und böhmermann gelesen. ich habs eigentlich auch nicht vor. aber wenns eine kritik gibt die ix lesen sollte, freu ich mich über hinweise.
prima interview mit charlotte roche und jan böhmermann auf dwdl.de in dem sie für ihre neue fernsehshow werben, die heute abend irgendwann irgendwo im fernsehen läuft und nächste woche hoffentlich auch im internet zu sehen sein wird. [nachtrag: hier in der 2DF-mediathek]
Frage: Sie schauen derzeit also gar keine Talkshows?
Roche: Ich schaue fast alle Talkshows, aber rege mich meistens darüber auf, weil die Gäste zu lange reden dürfen. Es stört mich sehr, nie zu wissen, was der Moderator eigentlich denkt. Ganz gleich ob man nun Barbara Schöneberger oder Giovanni di Lorenzo nimmt: Alle nehmen sich journalistisch total zurück. Das macht mich wahnsinnig.
Böhmermann: Dabei sind das alles gar keine Journalisten. Besonders nicht dieser Giovanni di Lorenzo.
Roche: Was ist er denn?
Böhmermann: Ich glaube, er ist Italiener.
alexander krei gibt einen guten stichwortgeber, roche und böhmermann sind aber ganz offenbar selbstläufer. sehr lesenswert: Wir machen Fernsehen für die Generation „Gefällt mir“.
den artikel hab ich oben nicht mit der original-url verlinkt, sondern mit einen durch das „clear read API“ gerenderten link, der das auf drei seiten zerissene interview auf einer seite darstellt.
die drei-seiten-darstellung auf dwdl.de hat übrigens zwei gründe: laut alex legge und thomas lückerath hat das „in erster Linie was mit dem Design zu tun - die rechte Spalte wäre sonst erheblich zu kurz.“ kein witz. so hat legge mir das in den kommentaren zu diesem artikel erklärt. thomas lückerath sekundierte damals (ebendort), dass „ausführliche und arbeitsintensive Inhalte wie exklusive Interviews“ halt auf mehrere seiten aufgeteilt werden müssen, sonst mache das „weder designtechnisch Sinn“, noch sei es „betriebswirtschaftlich sinnvoll“. da ich laut lückerath „albern“ argumentiere, „ein erstaunliches Unverständnis“ für die „Finanzierung journalistischer Inhalte“ habe und neben reichtlich „Naivität“ eine „erschreckend kurz greifende Sicht“ demonstriere, wenn ich nach leser- und lesefreundlichkeit frage, verlinke ich DWDL.de-artikel ab jetzt nur noch designlos und ohne verständnis für die finanzierung journalistischer inhalte. vor allem überzeugt mich aber lückeraths phrasendrescherei wenig.
aber ich glaube alex legge geällt dieser link. denn ohne design ergibt dwdl.de dann nämlich auch auf einer seite sinn. oder so.
jaja. solche links (z.b. mit der clear-API) machen das internet kaputt. google kann keine empfehlungen mehr erkennen, rivva (und andere aggregatoren) kann den link nicht einordnen. genau der gleiche mist wie das bit.ly, sm.fy, j.mp oder was weiss ich.y-gedöns. nur eins noch. ich habe das interview heute zuerst auf dem iphone gelesen und den link dann (auf dem iphone) bei pinboard gespeichert. so ist der dort gelandet: http://mobile.dwdl.de/?storyid=35058. der witz daran ist, dass die url auf einem desktop-browser kaputt ist und auf www.dwdl.de/mobilportal/ landet. ich glaube was mich bei dwdl.de so fassungslos macht ist die diskrepanz zwischen lautstark behaupteter professionalität und webaffinität und der wirklichkeit, die sich dann in wort und bild und technik zeigt. gruselig.
das instapaper-bookmarklet war immer schon nicht nur praktisch, sondern auch fazsinierend, weil es auch im google-reader funktionierte. solche bookmarklets sind der grund, warum ich bis heute javascript als „zauberei“ bezeichne.
vor allem habe ich mich immer gefragt, wenn das instapaper bookmarklet das kann, warum kann das kein anderes bookmarklet? ein one-click-pinboard-bookmarklet, das im google reader funktionierte (und vielleicht noch konfigurierbar wäre) hielte mich künftig davon ab den gekillten killerfeatures des readers hinterherzutrauern.
also ich das instapaper-bookmarklet heute benutze, hab ich mich kurz ein bisschen erschrocken. vom 90er-jahre-style, ist das bookmarklet plötzlich in den bonbon-hochglanz-style gewechselt. marco arment hat es aktualisiert und ihm ein neues feature spendiert: es kann jetzt auch arschlochseiten seiten erfassen, die zur klickmehrung auf mehrere seiten verteilt sind. und man muss es nicht neu installieren:
You don’t need to reinstall your Read Later bookmarklet to get this update. It applies automatically to the one you already have.
weil das instapaper-bookmarklet so einfach und idiotensicher funktioniert, erwische ich mich übrigens immer dabei, wie ich es benutze um mal eben urls vom rechner zum iphone (und umgekehrt) zu schicken. obwohl es seit kurzem auch einen anderen eleganten, kostenlosen weg gibt, der aber ein paar klicks mehr erfordert.
ich glaube das reverse engineering des instapaper-bookmarkelt wäre ein super fortgeschrittenen javascript-lehrgang.
richard gutjahr wollte ein thema „ins Licht der Öffentlichkeit rücken“, das, wie er sagt, „über die letzten Jahre während der ganzen Internet-Hysterie in den Medien und in der Politik komplett ausgeblendet wurde.“
nein, nicht das schicksal der nacktmulle das seit mindestens fünf jahren aus den augen der (netz)öffentlichkeit verschwunden ist, sondern die sache mit dem adresshandel. ich finde zwar nicht, dass das thema „komplett ausgeblendet“ wurde, wenn selbst ich in den letzten zwei jahren zweimal drüber schrob, muss das als thema irgendwo anderes eingeblendet gewesen sein, damit ich überhaupt drauf komme.
trotzdem ist das thema natürlich interessant, weil es die bigotterie — oder besser zerissenheit — von uns allen zeigt, nicht nur die der medienkonzerne, auf die richard gutjahr nicht ganz zu unrecht und drastisch hinweist:
Neben käuflicher Liebe und Waffenexporten dürfte das Geschäft mit Kundendaten zu den verschwiegensten Branchen überhaupt gehören. Mindestens einmal im Jahr klärt uns der Spiegel über das Böse im Netz auf. Wann aber haben wir zum letzten mal eine Spiegel-Titelstory zum Thema Adresshandel Deutscher Firmen gelesen? Warum bringen deutsche Medien Artikel zu diesem Thema – wenn überhaupt – unter ferner liefen?
Die Antwort ist so primitiv wie einfach: Weil die deutschen Medienhäuser selbst Teil dieses Systems sind. Das Kundenregister des größten Datenhändlers des Landes liest sich wie das Who-is-Who der deutschen Medienszene: Axel Springer, Frankfurter Allgemeine, Financial Times, Gruner und Jahr, Gong Verlag, Handelsblatt, Manager Magazin, Readers Digest, Ringier Verlag, Süddeutsche Zeitung, sky, Der Spiegel, Weltbild. Als (freier) Mitarbeiter des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks möchte ich hierbei ausdrücklich betonen: Auch die GEZ arbeitet mit gehandelten Adressdateien.
in den kommentaren unter richard gutjahrs artikel wird schön herausgearbeitet wo das eigentlich problem liegt könnte. nämlich dass vielleicht nicht die gesammelten und gehandelten daten das problem darstellen, sondern unsere völlige unentschlossenheit was jetzt gutes datensammeln und was schlechtes datensammeln sein könnte. mal lassen wir uns aufs datensammeln ein, sehen es als faires geschäft, wenn unsere daten genutzt, gesammelt und aggregiert werden, verteidigen die datensammler sogar, wenn sie von politik und medien angegriffen werden, mal empören wir uns darüber.
einerseits geben wir irgendwelchen webapplikationen vollen zugriff auf unser facebook-konto, regen uns aber auf, wenn eine webaplikation unser adressbuch mit facebook abgleicht. oder auch nicht. ich habe mich auch schon am briefkasten „informationelle selbstbestimmung“ schreien gehört, wenn mir jemand, den ich nicht kenne einen brief schreibt.
wenn man richard gutjahrs artikels liest regt man sich dann erstmal über „die adresshändler“, „die politik“ und „die medien“ auf, weil die händler mit unseren daten geld verdienen, die medien schweigen und uns aussaugen auch mit unseren daten handeln und die politiker unter lobbydruck listenprivilegien nicht abschaffen mögen.
vermutlich spiegeln die politik und medien aber nur unsere eigene schizophrenie beim thema datenschutz wieder. wir sind einerseits ein volk von datenschutz-hysterikern (siehe zum beispiel google streetview) und gleichzeitig als datenschutz-phlegmatiker bald mehrheitlich bei facebook, twitter und payback. rabattkarten sind super, abowerbung aber scheisse? die facebook-timeline ist schlimm, bei groupon gibts aber super deals?
ich glaube wenn man 3 deutsche zum thema datenschutz befragt, bekommt man 12 diametral entgegengesetzte antworten:
ich glaube jeff jarvis nennt das das deutsche paradoxon. ich würde dafür den doppelten pseudo-plural wählen: deutsche datenschutz paradox-paradoxien.
richard gutjahrs artikel löst wie die meisten seiner artikel emotionale reaktionen aus. bei mir schafft das fast immer starke aversionen, ich mag das manipulative element von gutjahrs schreibe nicht. dieses mal hat er mich aber gepackt, weil ich mich auch immer irre über leute aufrege, die sich meine adresse besorgen und sich dann an mich ranwanzen*.
was ich aber sagen wollte, man sollte diesen artikel von richard gutjahr aufmerksam und mit ein bisschen skepsis lesen (nicht die kommentare vergessen) und gut drüber nachdenken (ohne das differenzieren zu vergessen). ein paar dinge sind wirklich bedenkenswert.
*) ich ärgere mich auch über darüber wenn die FAZ mich für blöd verkaufen will und meint ich würde mich von ihren verkackten täuschungsversuchen einlullen lassen, oder der FTD-chefredakteur steffen klusmann mir ohne rot zu werden einen vom pferd erzählt um mir ein abo zu verticken.
ehrlichgesagt ist adresshandel aber immer noch vor allem komisch. ein paar business-kasper oder chefredakteure laden schrotgewehre mit glaskugeln, schiessen damit durch die gegend und freuen sich wenn sie nach 2000 schuss drei deppen gefunden haben die fragen „boah, ham se noch mehr von den glasperlen?“.
noch nie nen unrasierten mann der die luft anhält gesehen?
(hier geklaut geliehen)
[an die feedleser: das ist ein mittelmässiger witz, der nicht im feedreader funktioniert. auf iphones handys und ipads tablets übrigens auch nicht.]



