Dif­fe­ren­zie­ren ist müh­sam, aber noch müh­sa­mer ist es zu ak­zep­tie­ren, dass es sich im­mer lohnt zwei­mal oder zu­min­dest ge­nau­er hin­zu­schau­en. Lei­der lei­den wir alle, nicht nur Jas­per von Al­ten­bo­ckum, an an­ge­bo­re­nem con­fir­ma­ti­on bias [ei­gent­lich Be­stä­ti­gungs-Be­fan­gen­heit, of­fi­zi­ell aber „Be­stä­ti­gungs­feh­ler“, bei dem es uns leicht fällt Quatsch als Fakt zu ak­zep­tie­ren, wenn er in un­ser Welt­bild passt] — und das ein­zi­ge was da­ge­gen hilft ist Mühe, ge­nau­er Hin­schau­en oder Re­cher­chie­ren.

[Re­cher­chie­ren ist üb­ri­gens eine Tä­tig­keit die dem Pro­kras­ti­nie­ren nicht un­ähn­lich ist. Re­cher­che, ge­nau­es Hin­se­hen, hi­ner­fra­gen wird üb­ri­gens mü­he­lo­ser und nied­rig­schwel­lig, wenn man da­für an­de­re wich­ti­ge Tä­tig­kei­ten auf spä­ter ver­schiebt.]

Manch­mal macht sich auch je­mand an­ders die Mühe zu re­cher­chie­ren, dann muss man nur noch le­sen:

Ende April lau­te­ten be­reits die Schlag­zei­len vie­ler Me­di­en „AfD jetzt stärks­te Par­tei im Os­ten“. Auch in den letz­ten Ta­gen wird im­mer wie­der ver­mel­det, dass die AfD in Bran­den­burg die stärks­te Kraft sei. Das ist be­son­ders be­deu­tend, da in Bran­den­burg, Sach­sen und Thü­rin­gen in die­sem Jahr ge­wählt wird. Die AfD hofft auf und alle an­de­re be­fürch­ten ei­nen „blau­en Herbst“, wie es die Ta­ges­schau ges­tern schrieb. Man könn­te mei­nen, zu­min­dest in den ost­deut­schen Bun­des­län­dern wür­de die AfD im­mer stär­ker wer­den.

Doch das Ge­gen­teil ist der Fall. Wie wir be­reits vor ein paar Wo­chen er­klär­ten: Dass die AfD im Os­ten stark und auch die stärks­te Par­tei ist, ist nichts Neu­es. Be­reits im Som­mer 2018 war die AfD im Os­ten die stärks­te Par­tei. Die Be­richt­er­stat­tung täuscht dar­über hin­weg, dass die AfD in ei­nem hal­ben Jahr in Wahr­heit 4 Pro­zent­punk­te (2018: 27% – 2019: 23%) ver­lor.

[Es kann na­tür­lich sein, dass ich hier auch ei­nem Be­stä­ti­gungs­feh­ler er­lie­ge und Tho­mas La­schyks Ana­ly­se Quatsch ist, und ich mir nur wün­sche, dass es im Os­ten kei­nen Rechts­ruck, son­dern Wäh­ler­wan­de­run­gen nach Links gibt. Si­cher aber ist: über­sicht­lich und klar ist die po­li­ti­sche Lage nicht.]

 






mei­ne klei­ne man­gold-farm (links fri­sche rau­ken-an­zucht)
mei­ne klei­ne man­gold-farm (links fri­sche rau­ken-an­zucht)

#spei­se­kam­mer­gar­ten stand nach 13 wo­chen: die nor­ma­le kopf­sa­lat-pro­duk­ti­on hab ich run­ter­ge­fah­ren: nimmt zu­viel platz weg, wächst gut, ist aber nur mit­tel­be­frie­di­gend. sehr schön nach wie vor der alte man­gold, seit wo­chen ern­te ich den im­mer wie­der ab. pak chois se­hen gut aus, pas­sen in alle sa­la­te, die rau­ke schmeckt am bes­ten, will aber nicht so bru­tal spries­sen wie der man­gold. die ba­si­li­kum-an­zuch­ten kom­men lang­sam, der su­per­markt-ba­si­li­kum lebt und spriesst auch nach 10 wo­chen noch. ko­ri­an­der kommt auch lang­sam. #ike­a­v­ä­xer #vä­xer 

pak choi da­hin­ter kopf­sa­lat
pak choi da­hin­ter kopf­sa­lat
in die rau­ke set­ze ich gros­se hoff­nun­gen
in die rau­ke set­ze ich gros­se hoff­nun­gen
hin­ten rechts der „alte“ man­gold, der sich be­reit­wil­lig pro wo­che 2-3 blät­ter an­schnei­den lässt. die an­de­ren man­golds ha­ben ein um­topf-mas­sa­ker gut über­lebt.
hin­ten rechts der „alte“ man­gold, der sich be­reit­wil­lig pro wo­che 2-3 blät­ter an­schnei­den lässt. die an­de­ren man­golds ha­ben ein um­topf-mas­sa­ker gut über­lebt.
un­ten ei­ner der letz­ten kopf­sa­la­te, ein en­di­vi­en-test und ein an­de­rer test
un­ten ei­ner der letz­ten kopf­sa­la­te, ein en­di­vi­en-test und ein an­de­rer test
vor­ne ver­schie­de­ne ba­si­li­kum-sor­ten, hin­ten pak choi und rau­ke
vor­ne ver­schie­de­ne ba­si­li­kum-sor­ten, hin­ten pak choi und rau­ke

Die­ser Auf­tritt der EU-Wett­be­werbs­ko­mis­sa­rin Mar­ga­re­the Ves­ta­ger auf der Re­pu­bli­ca-Büh­ne war ei­ner der lang­wei­ligs­ten, aber viel­leicht auch ei­ner der the­ma­tisch wich­tigs­ten Auf­trit­te die­ses Jahr. So wie ihr Job als Wett­be­werbs­ko­mis­sa­rin eben auch irre lang­wei­lig & -wie­rig ist — aber gleich­zei­tig ei­ner der wich­tigs­ten und ef­fi­zi­en­tes­ten Jobs ge­gen die über­bor­den­de Macht und Ein­fluss gro­ßer Kon­zer­ne zu sein scheint.

Ves­ta­ger ist ak­tu­ell wohl das ein­zi­ge schar­fe Mes­ser das Eu­ro­pa ge­gen die Über­macht und die struk­tu­rel­le Zer­stö­rungs­wut („Dis­rup­ti­on“) ame­ri­ka­ni­scher Platt­form­kon­zer­ne in Be­trieb hat.

Ves­ta­ger hat sich in den ver­gan­ge­nen 5 Jah­ren er­folg­reich mit vie­len Groß­kon­zer­nen an­ge­legt und Mil­li­ar­den­stra­fen ver­hängt, sie hat sich mit ih­ren kar­tell­recht­li­chen Be­mü­hun­gen aber auch un­be­liebt ge­macht. (In Deutsch­land vor al­lem, als sie eine Fu­si­on von Sie­mens und Al­s­tom ver­hin­der­te, in der Be­für­wor­ter »eine Chan­ce auf ein eu­ro­päi­sches Groß­un­ter­neh­men, ein „Air­bus für die Schie­ne“« sa­hen.)

Ves­ta­ger weist wie­der­holt dar­auf hin, dass es an der Zeit sei, dass un­se­re De­mo­kra­tien die Mög­lich­kei­ten in die Zu­kunft un­se­rer Ge­sell­schaf­ten selbst for­men, die der­zeit in fast al­len Be­rei­chen in der Hand von Fir­men lie­gen, die oft au­ßer­halb de­mo­kra­ti­scher Kon­trol­le agie­ren.

Ich hof­fe Ves­ta­ger hat noch lan­ge Ein­fluss auf die Aus­rich­tung der EU-Po­li­tik, nicht nur weil sie angst­frei und un­ab­hän­gig zu sein scheint, son­dern weil sie auch als eine der we­ni­gen EU-Spit­zen­po­li­ti­kerïn­nen den Ernst der Lage be­greift und ent­spre­chend prag­ma­tisch agiert.

Nur: auch wir müs­sen mit un­se­ren Kon­sum­entsch­ei­dun­gen mit­wir­ken & mit­steu­ern — und da­bei un­ter Um­stän­den auch lieb ge­won­ne­ne Be­quem­lich­kei­ten auf­ge­ben und viel in­ten­si­ver nach Al­ter­na­ti­ven zu den Diens­ten der gro­ßen Platt­for­men su­chen.

Ich emp­feh­le, sich die­ses (oder die­ses) teil­wei­se schmerz­haft tro­cke­ne Ge­spräch rein­zu­zie­hen oder sich zu­min­dest mit Lo­bes­hym­nen und Kri­tik an Ves­ta­ger aus­ein­an­der zu set­zen. Weil: „This is now.“

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fas­zi­nie­rend. nach dem #Re­zo­Vi­deo, schallt es aus der #CDU aus al­len ecken: „un­ge­nau! un­dif­fe­ren­ziert!“

wenn die vor­sit­zen­de der CDU was sagt, muss die hal­be CDU aus­rü­cken und er­klä­ren, was ge­nau sie ge­meint ha­ben könn­te.

ge­nau­ig­keit pre­di­gen aber selbst schwa­dro­nie­ren & rau­nen.


| schwa­dro­nie­ren, ʃva­droˈ­niːrən |

HER­KUNFT
ei­gent­lich = beim Fech­ten wild und plan­los um sich schla­gen
wort­reich, laut, leb­haft, un­be­küm­mert, oft auch auf­dring­lich re­den von sei­nen Hel­den­ta­ten schwa­dro­nie­ren 

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ei­ni­ger­mas­sen gu­tes au­to­ma­ti­sie­ren ist schwer und braucht vie­le da­ten, hier am bei­spiel un­se­rer spei­se­kam­mer. sen­sor-ebe­ne eins: ein tür-sen­sor, der das licht an und aus macht, wie beim kühl­schrank. wenn aber min­des­tens eine per­son (zwei­te ebe­ne: an­we­sen­heits-zähl-sen­sor) in der kam­mer ist, geht das licht nicht aus, wenn die tür zu geht. wenn ich die kam­mer ver­las­se, oder ge­nau­er, alle aus der kam­mer raus­ge­hen, geht das licht aus, auch wenn die tür of­fen ist. ein be­we­gungs­sen­sor in der kam­mer ist die drit­te sen­sor-ebe­ne: soll­ten der an­we­sen­heits-zähl-sen­sor oder der tür-sen­sor ver­sa­gen, schal­tet sich das licht nach 10 mi­nu­ten ohne be­we­gung aus. die vier­te ebe­ne ist der licht­schal­ter: wird das licht aus­ge­schal­tet, geht nicht nur das licht aus, son­dern auch der zähl­sen­sor zu­rück­ge­setzt. an­schal­ten kann man das licht na­tür­lich auch mit dem licht­schal­ter.

beim kühl­schrank ist das al­les ein­fa­cher, weil man da nicht rein­ge­hen kann. (der an­we­sen­heits-zähl-sen­sor ist ein ein­zel­ner time-of-flight-la­ser-sen­sor an ei­nem ar­dui­no-nano der per my­sen­sors kom­mu­ni­ziert. es gibt ein kom­mer­zi­el­les pro­dukt, das so ähn­lich funk­tio­niert und das man für $160 vor­be­stel­len kann. mei­ne lö­sung, mit hil­fe vie­ler tol­ler leu­te und open-source-pro­jek­ten im in­ter­net — und ei­nem frei­en wo­chen­en­de und viel ge­duld— kos­tet um die €15.) 


2009 dach­te ich, wir wä­ren wü­tend. Ur­su­la von der Ley­en woll­te das In­ter­net sper­ren, die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung wur­de durch­ge­peitscht und „wir“, Men­schen, die im In­ter­net leb­ten, po­li­ti­sier­ten uns (ein biss­chen). Vie­le, ich auch, set­zen Hoff­nun­gen auf die 2006 ge­grün­de­te Pi­ra­ten­par­tei und die­ser Tweet von Max von We­bel, fass­te das vor­herr­schen­de Ge­fühl da­mals per­fekt zu­sam­men:

Ihr wer­det euch noch wün­schen wir wä­ren po­li­tik­ver­dros­sen.

Mei­ne lei­sen Hoff­nun­gen auf Wan­del, auf eine klu­ge Di­gi­tal- und Ge­sell­schafts­po­li­tik, zer­bra­chen bei der Bun­des­tags­wahl 2009 am „wei­ter so!“ der Mehr­heit. Die Pi­ra­ten lan­de­ten bei 2 % und da­mit in der Be­deu­tungs­lo­sig­keit (mit min­des­tens ei­ner er­freu­li­chen Aus­nah­me).

Jetzt habe ich wie­der Hoff­nung, weil sehr vie­le jun­ge Men­schen sehr wü­tend sind — auf eine kon­struk­ti­ve Art. Dies­mal geht es nicht nur um ver­fehl­te Di­gi­tal­po­li­tik, son­dern auch um rea­li­täts­ver­ach­ten­de, shrug­gi­ge Kli­ma­po­li­tik. Der ak­tu­el­le Hö­he­punkt die­ser Ju­gend­wut ist ein ein­stün­di­ges Vi­deo, das der­zeit durch alle Time­lines rauscht und vie­le Po­li­ti­kerïn­nen wie­der eine po­li­tik­ver­dros­se­ne Ju­gend her­bei­wün­schen lässt. Ju­gend­wut äu­ßert sich, ganz an­ders als vor 40 Jah­ren mit in­tro­ver­tier­ter Wut und No Fu­ture, jetzt ex­tro­ver­tiert, kon­struk­tiv und for­dernd un­ter dem Mot­to For Fu­ture.

Das Vi­deo des 26-jäh­ri­gen You­Tubers Rezo er­zürnt der­zeit Groß und Klein in der CDU, aber Han­nes Schr­a­der er­klärt auf Zeit Cam­pus war­um Po­li­ti­kerïn­nen der CDU sich ge­nau über­le­gen soll­ten, „wie sie da­mit um­ge­hen, dass ein jun­ger Mensch mit sei­ner Kri­tik an ih­nen sehr er­folg­reich ist“. (Tipp von mir: die Kri­tik Ernst neh­men.)

Han­nes Schr­a­der er­klärt auch, was an der Kri­tik Re­zos „über­spitzt, wü­tend und un­fair“ ist — und war­um das gut so ist:

Sei­ne Zu­schau­er [sind] jun­ge Men­schen, die das Ge­fühl ha­ben, die al­ten Po­li­ti­ker, die kei­ne Ah­nung von ih­rem Le­ben ha­ben, ma­chen ih­nen das In­ter­net und ihre Zu­kunft ka­putt. Sie sind Teil ei­ner Ge­ne­ra­ti­on, die ge­merkt hat: Nur wenn wir wü­tend sind, hört uns je­mand zu.

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In Viel­falt ge­eint (t3n 56)

felix schwenzel in t3n, teil der sammlung: t3n

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dank der html5-vor­schau der @t3n kann man mei­ne ko­lum­ne am ende des hefts auch die­ses mal vor er­schei­nen des hefts le­sen. @pa­pier­jun­ge fand, dass es eine mei­ner bes­se­ren ko­lum­nen sei. ix auch.


Auch un­ter Prä­si­dent Do­nald Trump lau­tet das of­fi­zi­el­le Staats­mot­to der USA: „aus den Vie­len das Eine“. So steht es seit 1776 (auf La­tein) im Staats­wap­pen der USA: „E plu­ri­bus unum“. Aus den fol­gen­den knapp 250 Jah­ren ame­ri­ka­ni­scher Ge­schich­te kann man ab­le­sen, dass sich die­ses Mot­to als eine Art Zau­ber­for­mel für wirt­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Er­folg be­wie­sen hat.

Die­se Zau­ber­for­mel, Stär­ke durch Ein­heit und Viel­falt, ist ein uni­ver­sel­les Prin­zip. Kom­ple­xe, di­ver­se Öko­sys­te­me funk­tio­nie­ren sta­bi­ler als Mo­no­kul­tu­ren, Staats­ge­bil­de, die of­fen, plu­ra­lis­tisch und in­te­gra­tiv or­ga­ni­si­ert sind, die das Ge­mein­sa­me, statt Un­ter­schie­de be­to­nen, sind stär­ker — und in­no­va­ti­ver — als sol­che die Viel­falt zu er­sti­cken ver­su­chen.

Na­tio­na­lis­ten, Pro­tek­tio­nis­ten und Spal­ter ha­ben nie ver­stan­den wie Stär­ke (und In­no­va­ti­on) ent­steht: sie ent­steht nicht durch Gleich­schal­tung, Ord­nung, Tren­nung, Rein­heit oder Ent­schlos­sen­heit, son­dern, im Ge­gen­teil, durch Viel­schich­tig­keit, kon­trol­lier­tes, krea­ti­ves Cha­os und das rich­ti­ge Mass an Un­ord­nung und Frei­heit.

Eine der Stär­ken der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka war und ist ihre Fä­hig­keit zur In­te­gra­ti­on. Nur zur Er­in­ne­rung, Elon Musk wur­de in Süd­afri­ka ge­bo­ren, Ni­ko­la Tes­la war Ös­ter­rei­cher, Ste­ve Jobs war der Sohn ei­nes sy­ri­schen Po­li­tik­stu­den­ten, Ser­gey Brin wur­de in Mos­kau ge­bo­ren und ei­ner der er­folg­reichs­ten In­ves­to­ren der Di­gi­ta­l­öko­no­mie, Pe­ter Thiel, wur­de in Frank­furt am Main ge­bo­ren. Auf ei­ner an­de­ren Ebe­ne hat auch Chi­na die­se Fä­hig­keit zur In­te­gra­ti­on: in Chi­na hat man es ge­schafft aus­län­di­sche Tech­nik und Tech­no­lo­gie so gut zu in­te­grie­ren, dass Chi­na zu ei­nem un­ver­zicht­ba­ren Teil in­dus­tri­el­ler und di­gi­ta­ler Lie­fer­ket­ten ge­wor­den ist. In Chi­na ad­ap­tiert man Tech­no­lo­gie und Tech­nik schnel­ler, als ein deut­scher Mi­nis­ter das Wort Struk­tur­wan­del auch nur aus­spre­chen kann.

Die In­te­gra­ti­on von Frem­den und Frem­dem, ge­paart mit ei­ner aus­ge­präg­ten Will­kom­mens­kul­tur, die Fä­hig­keit aus Vie­lem Ei­nes zu ma­chen — ohne die Viel­falt zu zer­stö­ren — dürf­te eine der wich­tigs­ten Ant­wor­ten auf die Fra­ge sein, wie Eu­ro­pa im welt­wei­ten Wett­be­werb mit den gros­sen Blö­cken USA, Chi­na und Russ­land be­stehen kann.

Das gröss­te Hin­der­nis auf dem Weg zu so et­was wie den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Eu­ro­pa ist al­ler­dings die Über­win­dung ei­ner Art Denk­blo­cka­de: der Glau­be dass wir ver­lie­ren (Iden­ti­tät, Si­cher­heit), wenn wir uns Frem­des und Ver­än­de­run­gen zu ei­gen ma­chen und in­te­grie­ren. Aber das Ge­gen­teil ist der Fall, was be­reits die jün­ge­re Ge­schich­te der bis­her eher zag­haft ver­lau­fen­den eu­ro­päi­schen Ei­ni­gung zeigt. Wis­sen­schaft­li­che Er­fol­ge wie die Eu­ro­pean Space Agen­cy oder das CERN, wirt­schaft­li­che Er­fol­ge wie Air­bus oder po­li­ti­sche Er­fol­ge wie in­ner­eu­ro­päi­sche Grenz­öff­nun­gen und lang­an­hal­ten­der Frie­den, wer­den all zu schnell als Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten ge­se­hen.

Die Skep­sis ge­gen­über grund­le­gen­den Ver­än­de­run­gen sitzt tief in uns al­len, wes­halb im­mer wie­der nach neu­en, bes­se­ren, mit­reis­sen­de­ren Vi­sio­nen für Eu­ro­pa und die eu­ro­päi­sche Ei­ni­gung ge­ru­fen wird. Aber viel­leicht reicht ja schon ein bild­li­cher Ver­gleich, zum Bei­spiel Eu­ro­pa als Misch­wald. Ein ge­sun­der Misch­wald ist nicht be­son­ders über­sicht­lich, bie­tet aber auch zar­ten Pflan­zen Ni­schen, ge­nau­so wie gros­sen Bäu­men. Und auch um­ge­fal­le­ne Bäu­me sind kei­ne Ka­ta­stro­phe, son­dern bil­den wei­te­re Ni­schen, in de­nen Neu­es und Fri­sches ent­ste­hen kann. Auch ein Misch­wald muss ge­hegt und vor all­zu in­va­si­ven Ar­ten ge­schützt, also re­gu­liert wer­den. Aber an­ders als ein rei­ner Fich­ten­forst, ist ein Misch­wald viel ro­bus­ter und kann auch mal ein paar Jah­re lang sich selbst über­las­sen wer­den.

Er­staun­li­cher­wei­se ist die För­de­rung von Misch­wäl­dern in­zwi­schen so­gar ein po­li­ti­sches Ziel im mul­ti­kul­tu­rell eher skep­ti­schen Bay­ern. Wenn man sich vor­stel­len kann, dass eine Ei­che auch in ei­nem Misch­wald kei­nes­falls ihre Ei­chen-Iden­ti­tät ver­liert, son­dern im Ge­gen­teil, viel bes­se­re Le­bens­be­din­gun­gen in der Viel­falt ei­nes Misch­wal­des vor­fin­det, müss­te man sich doch ei­gent­lich auch mit der Idee ei­nes ver­ein­ten Eu­ro­pas an­freun­den kön­nen, ein Eu­ro­pa, das aus Vie­len Ei­nes schafft und die Viel­falt als Wert an sich schätzt und schützt.

Wenn wir wirt­schaft­lich, di­gi­tal, so­zi­al und welt­po­li­tisch er­folg­reich sein wol­len, müs­sen wir uns, um es mit Kon­rad Ade­nau­er zu sa­gen, aus der Enge und Klein­heit Eu­ro­pas „her­aus­den­ken“.

So wie ein Wald mehr ist als die Sum­me der Bäu­me, ist auch Eu­ro­pa mehr als die Sum­me der eu­ro­päi­schen Staa­ten und Re­gio­nen — und funk­tio­niert doch dann am bes­ten wenn es ge­nau Eins ist. 


auf piqd.de pos­te ich in un­re­gel­mäs­si­gen ab­stän­den mei­ne liebs­ten re­pu­bli­ca-vor­trä­ge. in den letz­ten ta­gen die­se bei­den:

soll­te ich ir­gend­wann in die po­li­tik ge­hen, dürf­te das an die­sem #rp19-vor­trag ge­le­gen ha­ben. prag­ma­tis­mus, pra­xis und da­ten sind glau­be ich mäch­ti­ge und schwer un­ter­schätz­te po­li­ti­sche werk­zeu­ge.

we­gen er­rei­chen der ma­xi­ma­len zei­chen­zahl pass­te die­ser link, die­ses vi­deo und 2000 an­de­re ge­dan­ken nicht mehr in den piq. aber die­ses bei­spiel zeigt ein­leuch­tend, was gu­tes de­sign be­wir­ken kann (das ein­ge­bet­te­te vi­deo fas­zi­niert mich seit ta­gen, es ist fast me­di­ta­tiv. „me­di­ta­tiv“ als ad­jek­tiv für eine gross­stadt-kreu­zung ist ge­wagt, passt aber in die­sem fall).

piqd.de: #rp19: We­ni­ger Au­tos wa­gen!

aus­ser­dem, von vor­letz­ter wo­che:

piqd.de: #rp19: Die Äs­the­tik und die Gren­zen des Ma­chi­ne Lear­ning 


Auf der re­pu­bli­ca wur­de die­ses jahr (zu Recht) viel über Ak­ti­vis­mus ge­re­det. Ein paar Stun­den be­vor Sa­scha Lobo sei­nen Vor­trag mit Gre­ta Thun­bergs Ak­ti­vis­mus-wirkt-Zi­tat be­en­de­te, zeig­te Mi­ka­el Col­ville-An­der­sen was Ak­ti­vis­mus er­rei­chen kann. Er skiz­zier­te nicht nur die Zu­kunft der Stadt, son­dern zeig­te sie auch, un­ter an­de­rem am Bei­spiel Ko­pen­ha­gens.

Ich fand es ex­trem in­spi­rie­rend und au­gen­öff­nend, wie An­der­son von den ziem­lich er­folg­rei­chen Be­mü­hun­gen er­zähl­te, um das Auto in Ko­pen­ha­gen und an­de­ren Städ­ten zu­rück­zu­drän­gen und da­mit die Le­bens­qua­li­tät für alle zu he­ben. Er zeig­te kei­ne po­li­ti­schen Vi­sio­nen, son­dern seit Jahr­zehn­ten er­prob­te Er­fah­run­gen, best prac­ti­ces und Er­fol­ge. Ko­pen­ha­gen ist so fahr­rad­freund­lich, dass so­gar im Win­ter über 70 Pro­zent der Fahr­rad­fah­rer wei­ter mit dem Rad zur Ar­beit fah­ren. Fast zwei Drit­tel der Po­li­ti­ker in Ko­pen­ha­gen nut­zen Fahr­rä­der, um zur Ar­beit zu kom­men.

An­der­son set­ze bei sei­nem Vor­trag we­ni­ger auf Wut als Mo­tor um Ak­ti­vis­mus zu säen, son­dern tat­säch­lich auf In­spi­ra­ti­on, bei­na­he Weh­mut — und Da­ten. Er zeig­te, dass Städ­te und Stra­ßen wie­der zu de­mo­kra­ti­schen Räu­men wer­den kön­nen, statt Spiel­wie­sen für Stra­ßen­bau­in­ge­nieu­re und Ver­kehrs­len­ker und dass man, um schnell von A nach B zu kom­men, eben nicht un­be­dingt ein Auto braucht, son­dern klu­ge In­fra­struk­tur, die al­len nützt und nicht nur ein paar Au­to­fah­rern.

Al­les was An­der­son zeig­te war schlüs­sig, lo­gisch und kei­ne Spur ra­di­kal. Nach dem Vor­trag war ich über­zeugt, dass die Zu­kunft der Städ­te nicht im Ho­fie­ren des Au­to­ver­kehrs liegt und das Zu­rück­drän­gen des Au­to­ver­kehrs aus Städ­ten auf eine Art al­ter­na­tiv­los und zwangs­läu­fig ist.

Eine ge­wis­se Do­sis Wut kam dann doch noch in mir auf, vor al­lem an­ge­sichts der Tat­sa­che, dass sich in un­se­ren Nach­bar­län­dern die Bür­ger schon seit Jahr­zehn­ten die Städ­te und Stras­sen von den Au­tos zu­rück­ho­len und wir uns hier aus un­er­find­li­chen Grün­den wei­ter scha­ren­wei­se von Au­tos von den Fahr­rä­dern fe­gen las­sen und das of­fen­bar als nor­mal emp­fin­den.

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own­room­ba­tracks

felix schwenzel in artikel

eins der we­ni­gen ge­rä­te de­nen ich er­lau­be sich in die cloud zu ver­bin­den (nach hau­se zu te­le­fo­nie­ren) ist un­ser rei­ni­gungs­ro­bo­ter mar­kus. da­mit be­kommt man nach je­der „mis­si­on“ eine kar­te in der iro­bot-app ser­viert. lo­ka­le kar­ten oder so­gar „live-maps“ sind über die ho­me­as­sistant room­ba kom­po­nen­te, bzw. die py­thon-bi­blio­thek von nick wa­ter­ton auch mög­lich, aber ziem­lich re­sour­cen-fres­send. der ser­ver auf dem die room­ba-bi­blio­thek aus­ge­führt wird, muss stän­dig ein bild ge­ne­rie­ren, was bei mei­nen letz­ten ver­su­chen zu ei­ner ste­ti­gen ser­ver-aus­las­tung von 80 pro­zent ge­führt hat. das ist nicht wirk­lich prak­ti­ka­bel.

weil die bi­blio­thek aber die ko­or­di­na­ten des room­ba stän­dig er­fasst, dach­te ich die­se ko­or­di­na­ten könn­te man doch auch viel­leicht mei­ner seit jah­ren auf dem ser­ver lau­fen­den own­tracks-re­cor­der-in­stanz über­ge­ben. own­tracks läuft im­mer im hin­ter­grund auf mei­nem (und dem bei­fah­re­rin­nen) han­dy und er­fasst un­se­re po­si­ti­on. das nut­ze ich vor al­lem für die an­we­sen­heits­er­ken­nung der au­to­ma­ti­schen woh­nung. wenn wir bei­de weg sind, ge­hen alle lich­ter aus, die hei­zung fährt run­ter und eine ka­me­ra, die die bal­kon­tür er­fasst, schal­tet sich ein. mit dem re­cor­der kann man un­se­re po­si­ti­ons­da­ten per­ma­nent, lo­kal, spei­chern. so sieht das für mei­ne po­si­ti­ons­da­ten der letz­ten zwei jah­re aus:

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für mei­ne ber­lin-da­ten eig­net sich das tool ganz gut, um die schwar­zen fle­cken zu fin­den, in de­nen ich mal die stadt ken­nen­ler­nen könn­te oder spa­zie­ren ge­hen könn­te.

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für aus­flü­ge in frem­de städ­te eig­net sich das tool ganz gut, um zu se­hen, wo man über­all war — und wo nicht.

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und war­um soll­te ich das tool nicht auch be­nut­zen, um die fahr­ten des putz­ro­bo­ters zu er­fas­sen? die room­ba kom­pon­ne­te/bi­blio­thek gibt ko­or­di­na­ten aus, die sich im­mer re­la­tiv zum start­punkt be­fin­den, in mil­li­me­tern, po­si­tiv oder ne­ga­tiv zum start­punkt (oder zur la­de­sta­ti­on). die re­la­ti­ven room­ba-ko­or­di­na­ten las­sen sich re­la­tiv leicht in geo­ko­or­di­na­ten um­rech­nen. own­tracks er­war­tet min­des­tens wer­te für lon und lat, nimmt aber auch die ori­en­tie­rung dan­kend an, die der room­ba auch lie­fert. wenn die ko­or­di­na­ten in sen­sor­da­ten vor­han­den sind, kann ich eine au­to­ma­ti­on bau­en, die die­se da­ten um­rech­net und an den own­tracks re­cor­der schickt:

(klei­nes tech­ni­sches pro­blem: die ho­me­as­sistant kom­po­nen­te ak­tua­li­siert die ko­or­di­na­ten nur alle 20 se­kun­den. weil die bi­blio­thek von nick wa­ter­ton aber auch die room­ba-da­ten kon­ti­nu­ier­lich per mqtt ver­sen­den kann — und da alle 1-2 se­kun­den ak­tua­li­siert — grei­fen die ko­or­di­na­ten-sen­so­ren die da­ten dort ab.)

neh­me ich die va­ria­ble, die den ra­di­us der erde spei­chert (earth_r_mm) mit ei­nen mil­li­me­ter-wert, be­kä­me ich im re­cor­der eine kor­rekt ska­lier­te be­we­gungs­kar­te. ich fand den ki­lo­me­ter­wert aber an­schau­li­cher, mit dem aus den room­ba mil­li­me­ter-wer­ten ki­lo­me­ter wer­den. dann sieht eine „spot-rei­ni­gung“ des room­ba in own­tracks so aus:

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nor­ma­le rei­ni­gungs­vor­gän­ge soll­ten dann von schwe­den, über po­len bis nach bay­ern rei­chen. das bes­te ist aber, dass hier zwar sehr vie­le da­ten an­fal­len, aber, so­weit ich sehe, pas­siert das äus­serst re­sour­cen­scho­nend — und zur not lässt sich die da­ten­über­tra­gung zum own­tracks re­cor­der auch de­ak­ti­vie­ren.

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ok, das schlaf­zim­mer reicht nicht ganz bis schwe­den. aber bis dä­ne­mark.

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ups, ge­ra­de ge­merkt, das bild hat­te die fal­sche zeit­ein­stel­lung. mar­kus ist na­tür­lich viel gründ­li­cher, als es auf dem vor­he­ri­gen bild scheint. 

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stand nach 10 wo­chen #spei­se­kam­mer­gar­ten: der pak choi macht sich nach an­fäng­li­chem zö­gern präch­tig, da­hin­ter noch­mal fri­scher man­gold.

nach 3 wo­chen keim­zeit ist der ko­ri­an­der end­lich ge­kom­men, der ahorn aus dem wald spriesst wie un­kraut. den halt­lo­sen man­gold habe ich letz­te wo­che, beim rei­ni­gen der schüs­sel, kom­plett um­ge­pflanzt. da­bei musst er so gut wie alle wur­zeln ver­lie­ren. da­für steht er jetzt gut und of­fen­sicht­lich hat er mir den wur­zel­ver­lust und das um­top­fen nicht über­l­ge­nom­men: un­ten spries­sen schon wie­der drei neue blät­ter. die bei­fah­re­rin meint zum man­gold: sieht toll aus, schmeckt aber lei­der lang­wei­lig. ich wi­der­spre­che en­er­gisch!

der ba­si­li­kum stellt sich je nach sor­te ein biss­chen an, aber ganz gross­ar­tig ist die rau­ke. sieht ein biss­chen schlimm aus, schmeckt aber irre wür­zig (habe ges­tern ein blatt zum pro­bie­ren ab­ge­schnit­ten). da­von mach ich künf­tig mehr (statt kopf­sa­lat).

ganz un­ten in jo­ghur­tei­mern: kopf­sa­lat, lang­sa­mer en­di­vi­en­sa­lat und der su­per­markt-ba­si­li­kum, der jetzt schon zwei mo­na­te mit uns lebt. #vä­xer 


Die­ser Vor­trag auf der re­pu­bli­ca von Chris­ti­an Mio Lo­clair trig­ger­te bei mir ein gan­zes Set an Aver­sio­nen: ein Deut­scher der Eng­lisch spricht, um eine bes­se­re Reich­wei­te zu er­zie­len, die ex­pli­zi­te, pla­ka­ti­ve Be­haup­tung mit sei­ner Ar­beit nach Be­deu­tung und Poe­sie im Di­gi­ta­len Raum zu su­chen, statt po­ten­zi­el­le Fund­stü­cke ein­fach zu zei­gen und sich auf die im­pli­zi­te Wir­kung und po­ten­zi­el­le Poe­sie der ei­ge­nen Ar­beit zu ver­las­sen, so­wie die Ver­wen­dung von Kitsch, Über­äs­the­ti­sie­rung und ge­fäl­li­ger Mu­sik, um Emo­tio­nen im Pu­bli­kum zu we­cken.

Ich habe den Vor­trag trotz der Über­do­sis Pa­thos, der be­deu­tungs­lo­sen über­stei­ger­ten Schön­heit der Ein­spiel­fil­me, nicht ver­las­sen, weil Lo­clair ir­gend­wann auf Tech­no­lo­gien kam, die mich bren­nend in­ter­es­sie­ren. Un­ter an­de­rem: ler­nen­de, künst­li­che, neu­ro­na­le Netz­wer­ke oder ge­nau­er: Ge­ne­ra­ti­ve Ad­ver­sa­ri­al Net­works (GANs). Ein Er­geb­nis die­ser selbst oder un­über­wacht ler­nen­den neu­ro­na­len Netz­wer­ke feg­te kürz­lich durch alle mei­ne Time­lines: Syn­the­tisch er­zeug­te Bil­der von Ge­sich­tern, die de fac­to nicht von ech­ten zu un­ter­sch­ei­den sind. Be­ein­dru­cken­de Bei­spie­le hier: this­per­son­does­not­exist.com

Lo­clair jagt in sei­nem Waltz Bi­n­aire Stu­dio alle mög­li­chen Da­ten­sets durch GANs, um zu se­hen, ob das, was die Al­go­rith­men am Ende aus­ge­ben, äs­the­tisch ver­wert­bar ist oder mit bom­bas­ti­scher Mu­sik poe­tisch wirkt.

Und dann pas­sier­te ge­gen Ende des Vor­trags doch noch ein Wun­der und es wur­de, auf eine Art, wirk­lich poe­tisch. Als Lo­clair und sein Team näm­lich ver­such­ten ein GAN auf Kin­der­bil­der zu trai­nie­ren, ver­sag­te das ma­schi­nel­le Ler­nen und pro­du­zier­te nichts an­de­res als poe­tisch un­ver­wert­ba­ren Farb­matsch. Kon­fron­tiert mit der krea­ti­ven Will­kür kind­li­cher Krea­ti­vi­tät oder der po­ten­zi­ell im­mer noch vor­stell­ba­ren, in­de­ter­mi­nis­ti­schen Wil­lens­frei­heit des Men­schen, kom­men Al­go­rith­men ins Schleu­dern. Das ist nicht nur poe­tisch, son­dern in ge­wis­ser Wei­se auch be­ru­hi­gend.

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rp19, drit­ter tag

felix schwenzel in artikel

ers­te ses­si­on am letz­ten tag war die von luca ca­rac­cio­lo (der für mei­ne ko­lum­ne im t3n-ma­ga­zin zu­stän­dig ist), des­sen vor­trag über hy­pes und das ver­ständ­nis neu­er tech­no­log­hien ich auch ohne die­se so­eben of­fen­ge­leg­te ver­bin­dung zu ihm gut ge­fun­den hät­te. denn:

der #rp19 vor­trag von @pa­pier­jun­ge hat­te al­les was ein gu­ter vor­trag braucht (sorg­fäl­ti­ge vor­be­rei­tung, eine gute fo­li­en­cho­reo­gra­fie, lo­gik, er­kennt­nis­ge­winn, struk­tur) — aus­ser witz. pic.twit­ter.com/iW­vEHl5bHg

fe­lix schwen­zel (@di­plix) 08.05.2019 11:48

ver­ges­sen habe ich im tweet oben noch, dass sein vor­trag auch „selbst­kri­tisch“ war. ich weiss wie schwie­rig das the­ma ist, weil ich mich auch schon mehr­fach dar­an ab­zu­ar­bei­ten ver­sucht habe, vor vie­len jah­ren mal auf der re­pu­bli­ca in der kalk­scheu­ne. sein vor­trag war gut struk­tu­riert, prag­ma­tisch und hilf­reich, um künf­tig hy­pes und tech­no­lo­gien bes­ser ein­schät­zen zu kön­nen. das mit dem „man­geln­de witz“ fiel dann vor al­lem im kon­trast zum fol­gen­den vor­trag von theo­bald fuchs auf.

der hat­te sich auch ein dank­ba­re­res the­ma aus­ge­sucht, näm­lich das ri­di­küli­sie­ren von ver­gan­ge­nen zu­kunfts­vi­sio­nen. auch wenn das all­ge­mein schon nicht all­zu schwer ist — meis­tens reicht es ein­fach nur die zukunt­svi­so­nen zu zei­gen um la­cher zu be­kom­men — wies er im­mer wie­der ge­konnt auf ein­zel­ne de­tails hin, die be­son­ders wit­zig wa­ren. aber de­tails wa­ren auch theo­bald fuchs selbst nicht so wich­tig, weil er wie­der­holt die doof­heit von elon musk her­aus­zu­ar­bei­ten ver­such­te, der sei­ner mei­nung bei sei­nem hy­per­loop-pro­jekt wich­ti­ge py­si­ka­li­sche de­tails aus­ser acht liess oder zur spä­te­ren lö­sung ver­schob. das pro­blem ist al­ler­dings, dass elon musk mit der hy­per­loop-pro­jekt, bzw. des­sen um­set­zung so gut wie nichts zu tun hat und die il­lus­tra­tio­nen die fuchs nutz­te ein ganz an­de­res musk-pro­jekt zeig­ten.

net­ter, un­ter­halt­sa­mer #rp19 vor­trag von theo­bald fuchs auf #stage5 mit teil­wei­se recht na­he­lie­gen­den, teil­wei­se gran­dio­sen wit­zen. aber das bild zeigt kei­ne hy­per­loop-tun­nel, son­dern tun­nel der bor­ing com­pa­ny. musk hat ope­ra­tiv nix mit dem hy­per­loop zu tun. pic.twit­ter.com/u5QfZ4lZcQ

fe­lix schwen­zel (@di­plix) 08.05.2019 11:35

da­nach kam fe­lix har­ten­stein 15 mi­nu­ten zu spät, um über ama­zons rol­le als städ­te­bau­er zu re­den. dar­in er­fuhr ich zwar nicht viel neu­es, aber das nach­den­ken dar­über, wie ama­zon mit sei­nem ver­gan­ge­nen und ak­tu­el­len agie­ren städ­te ver­än­dert, wie gross­un­ter­neh­men städ­te for­men, und ob und wie wir das als ge­sell­schaft mit­ge­stal­ten oder er­tra­gen wol­len, scheint mir wich­ti­ger denn je. von da­her: in­spi­rie­ren­der vor­trag.

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da­nach ein vor­trag, des­sen an­kün­di­gung („Klein ge­druckt und grob ge­hackt – Wor­über sich Ver­brau­cher*in­nen in der di­gi­ta­len Welt är­gern“) sich nach ei­nem lus­ti­gen screen­shot-ritt an­hör­te, im prin­zip aber die vor­stel­lung und „part­ner“-ver­an­stal­tung der „markt­wäch­ter“-in­itia­ti­ve der ver­brau­cher­zen­tra­len ent­pupp­te. die markt­wäch­ter ma­chen und küm­mern sich durch­aus um sinn­vol­le und wich­ti­ge din­ge, wit­zig war der vor­trag aber nicht. im­mer­hin kann ich mir vor­stel­len, den markt­wäch­tern mal das ei­gen­ar­ti­ge ver­hal­ten von o₂ beim DSL-an­bie­ter­wech­sel vor­zu­stel­len, dass är­ger­lich und sys­te­ma­tisch zu sein scheint. und zu dem sich o2 mir ge­gen­über nicht äus­sern will.

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nach­dem ich 20 mi­nu­ten lang leu­te auf dem hof be­ob­ach­te­te, habe ich ver­geb­lich ver­sucht in­ter­es­se an ei­nem pa­nel zur di­gi­ta­li­sie­rung und wie­der­be­sied­lung bran­den­burgs zu ent­wi­ckeln. das funk­tio­nier­te aber nicht so recht und ich lan­de­te im letz­ten ach­tel des vor­trags von jo­han rock­ström: „Safe Fu­ture for Hu­ma­ni­ty on Earth“. das was er zeig­te und auch die an­schlies­sen­de dis­kus­si­on war sehr in­ter­es­sant und kennt­nis­reich und ich wer­de es mir de­fi­ni­tiv spä­ter auf you­tube in gän­ze an­se­hen.

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da­nach blieb ich na­tür­lich sit­zen, weil da­nach die fra­ge „Raum­fahrt und Ge­sell­schaft – wo­hin geht die Rei­se?“ von alex­an­der gerst und sei­nem chef dis­ku­tiert wer­den soll­te. der chef von gerst, jan wör­ner, der ge­ne­ral­di­rek­tor der eu­ro­pean space agen­cy, ist eine ziem­lich lus­ti­ge und manch­mal ein biss­chen ner­vi­ge ram­pen­sau. im kon­trast zu gersts tie­fen­ent­spann­ter art und mit den mo­de­ra­ti­ons­ver­su­chen von chia­ra man­flet­ti wur­de das aber zu ei­ner sehr un­ter­halt­sa­men und be­we­gen­den ver­an­stal­tung. fürs be­we­gen der raum­fahr­zeu­ge sind man­flet­ti und wör­ner zu­stän­dig, fürs herz gerst. und wie letz­tes mal, als er auf der re­pu­bli­ca sprach, be­weg­te mich gerst tief. nicht mit den bil­dern aus dem na­hen erd­or­bit oder aus der sa­turn-um­lauf­bahn (auch), son­dern mit der art wie er nach­wuchs­für­de­rung prak­ti­ziert. sei­ne auf­ga­be sehe er haupt­säch­lich dar­in, jun­gen men­schen, jun­gen mäd­chen, frau­en und kin­dern (män­ner sind mit­ge­meint) klar zu ma­chen: das was der gerst kann, kann ich schon lan­ge oder bes­ser. die­se selbst­mar­gi­na­li­sie­rung sei­ner leis­tun­gen fand ich so sym­pa­thisch, so be­ein­dru­ckend, dass mir kurz (bei­na­he) die trä­nen ka­men.

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am ende wur­de mir klar, dass das gröss­te kom­pli­ment, was ix der #rp19 ma­chen kann lau­tet: dass trotz im­mer grös­ser, im­mer mehr, im­mer pro­mi­nen­ter al­les wie im­mer war.

es ist er­staun­lich, wie die re­pu­bli­ca stän­dig wächst, die­ses jahr auch noch die tin­con mit auf­nahm, im­mer di­ver­ser wird, im pu­bli­kum wie auf den büh­nen und es doch wei­ter schafft eine art safe­space zu sein, in dem sich alle wohl füh­len, re­spek­tiert oder ge­schätzt füh­len. was sich al­ler­dings ver­än­dert hat: auf der re­pu­bli­ca wird nicht mehr nur das we­sen ur­sprüng­lich di­gi­tal ent­stan­de­ner bla­sen und ge­mein­schaf­ten ge­sucht, nicht mehr nur die räu­me des di­gi­ta­len ex­plo­riert oder ver­sucht die gren­zen der di­gi­ta­len räu­me zu ver­schie­ben. auf der re­pu­bli­ca ver­su­chen die an­we­sen­den, wir, ge­mein­sam­kei­ten und ver­bin­den­des zu fin­den, statt un­ter­schie­de oder tren­nen­des zu kon­stru­ie­ren. und das über im­mer mehr ge­sell­schafts­schich­ten hin­weg. 



rp19, zwei­ter tag

felix schwenzel in artikel

an­ders als ge­dacht fing das streit­ge­spräch zwi­schen axel voss und mar­kus be­cke­dahl nicht um 10:15, son­dern um 11:15 an. so früh an büh­ne 2 zu sein war aber sehr gut, ei­ner­seits weil ich mir dann ein pa­nel über „made in eu­ro­pe“ an­se­hen konn­te und vor al­lem weil ix so über­haupt in die voss vs. be­cke­dahl ver­an­stal­tung rein­kam. die tü­ren wur­den näm­lich schon kurz nach dem ende des made-in-eu­ro­pe-pa­nels we­gen über­fül­lung ver­ram­melt. aus dem made in eu­ro­pe-pa­nel blieb nicht viel hän­gen, aus­ser dass chi­na ei­nen plan hat und eu­ro­pa nicht (fe­lix lee) oder dass man in eu­ro­pa ja (quell) of­fe­ne, mo­du­la­re, „nach­hal­ti­ge“ hard­ware för­dern könn­te und da­mit ei­nen of­fen­bar be­stehen­den be­darf be­die­nen könn­te (anke dom­scheid-berg). anke dom­scheid berg zi­tier­te in an­de­rem zu­sam­men­hang auch gre­gor gysi mit „op­po­si­ti­on ist zeit­geist“ (so habe ichs ver­stan­den), mein­te aber wahr­schein­lich: „In Op­po­si­ti­on kann man Zeit­geist ver­än­dern.“ wenn ich mir die der­zei­ti­ge op­po­si­ti­on im bun­des­tag so an­gu­cke, zu­min­dest die rechts sit­zen­de, hof­fe ich doch sehr dass das ent­we­der nicht stimmt oder zeit­geist stär­ker aus der ge­sell­schaft ver­än­dert wird, als aus dem par­la­ment. die ver­tre­te­rin der tel­kom auf der büh­ne, clau­dia ne­mat (ver­ant­wor­tet im vor­stand der tel­kom das res­sort tech­no­lo­gie und in­no­va­ti­on), stimm­te grund­sätz­lich al­lem und je­dem zu, so­gar zwei krit­sch fra­gen­den aus dem pu­bli­kum. die kunst des lau­ten „ja“, kom­bi­niert mit ei­nem lei­sen „aber“ habe ich jetzt schon mehr­fach auf der re­pu­bli­ca be­ob­ach­tet und sie wird aus­schliess­lich von frau­en be­herrscht.

das streit­ge­spräch voss vs. be­cke­dahl be­gann mit ei­ner drei­fach an­mo­de­ra­ti­on; zu­erst der büh­nen-mo­de­ra­tor, dann der ge­sprächs­mo­de­ra­tor jo schück, der er­klär­te dass das ge­spräch als zdf-kul­tur-sen­dung auf­ge­zich­net wür­de und dass er gleich, „ab­sur­der­wei­se“, noch­mal auf die büh­ne kom­men wür­de, als wür­de er das zum ers­ten mal tun. das tat er auch und mo­de­rier­te das pa­nel dann wirk­lich bril­li­ant, gut vor­be­rei­tet und un­ter­halt­sam durch.

bei voss vs. be­cke­dahl hat der mo­de­ra­tor ge­won­nen. (be­cke­dahl und voss ha­ben sich bei­de gut ge­schla­gen, aber jo schück hat das wirk­lich sehr bril­li­ant mo­de­riert) pic.twit­ter.com/LR9h0FKOfv

fe­lix schwen­zel (@di­plix) 07.05.2019 11:13

ne­ben mir sass jens schrö­der und sag­te vor dem voss vs. be­cke­dahl-ge­spräch, dass er ein biss­chen angst vor dem ge­spräch habe. die­se angst, dass das pu­bli­kum all zu höh­nisch und un­fair mit axel voss um­ge­hen könn­te teil­te ich mit ihm, es zeig­te sich aber, dass sie un­be­grün­det war. bei mar­kus be­cke­dahl bra­chen zwar ein, zwei mal kurz emo­tio­nen und po­le­mi­sche an­sät­ze durch, aber das ge­spräch emp­fand ich als zi­vi­li­siert und er­hel­lend — und das pu­bli­kum als fair. an­ders als er­war­tet, brab­bel­te axel voss nicht nur un­zu­sam­men­hän­gen­des zeug vor sich hin, son­dern schaff­te es bei­na­he eine schlüs­si­ge ar­gu­men­ta­ti­on da­für ab­zu­lie­fern, war­um ar­ti­kel 13 eben so ver­ab­schie­det wur­de, wie er ver­ab­schie­det wur­de. der ar­ti­kel, der das ur­he­ber­recht be­trä­fe sei eben nur eine gro­be vor­ga­be (richt­li­ne), die, im ge­gen­satz zu ver­ord­nun­gen, eben nicht eins zu eins, son­dern mit gros­sem spiel­raum na­tio­nal um­ge­setzt wer­den könn­ten. man muss mit dem in­halt und dem geist der richt­li­nie nicht über­ein­stim­men, aber dass es spiel­raum bei der um­set­zung gibt ist re­la­tiv un­be­streit­bar. dass auch gut ge­schrie­be­ne ge­set­ze rechts­un­si­cher­hei­ten schaf­fen, und nicht nur schlecht ge­schrie­be­ne wie die von ihm be­glei­te­te richt­li­nie, hat er lei­der nicht ge­sagt, aber auch das dürf­te re­la­tiv un­besterit­bar sein. ganz ab­ge­se­hen da­von zog mar­kus be­cke­dah­ls kern­ar­gu­ment we­sent­lich bes­ser, näm­lich dass das ur­he­ber­recht ganz grund­sätz­lich an das di­gi­ta­le zeit­al­ter an­ge­passt wer­den müss­te und gross­zü­gi­ge­re, ex­pli­zi­te­re schran­ken­re­ge­lun­gen um­fas­sen müss­te, da­mit das kre­ieren, dass pu­bli­zie­ren im netz un­kom­pli­zier­ter, ver­ständ­li­cher und nach­voll­zieh­ba­rer wird.

axel voss be­harr­te im ge­spräch auch dar­auf, dass die aus­nah­me­re­ge­lun­gen die man in der richt­li­nie fest­ge­legt habe (ar­ti­kel 5?), auch aus­nah­men im zi­tat­recht von bil­dern („me­mes“) be­inhal­ten wür­de: wenn das nicht so um­ge­setzt wür­de, mein­te voss zu be­cke­dahl, kön­ne man sich mnoch­mal zu­sam­men­set­zen und das dann wie­der än­dern. das ist aus dem mund von je­man­dem, der in der zeit be­haup­te­te, dass man frem­de tex­te auf pri­va­ten home­pages in gän­ze ver­öf­fent­li­chen dür­fe (weil „pri­vat­ko­pie“) nicht so irre be­ru­hi­gend, aber im­mer­hin eine deut­li­che fest­le­gung. der pas­send zy­ni­sche kom­men­tar, der in etwa lau­te­te: „an­pas­sun­gen las­sen sich dann ja pro­blem­los vom eu­ro­pa­par­la­ment ver­ab­schie­den“ kam dann glau­be ich von jo schück.

splan­ge das ur­he­ber­recht aber ka­putt ist, kann man hier bei der bun­des­zen­tra­le für po­li­ti­sche bil­dung im­mer­hin zwei bro­schü­ren mit je­weils un­ge­fähr 400 sei­ten zur ein­füh­rung in die the­ma­tik run­ter­la­den.

da­nach blieb ich für bern­hard pörk­sen sit­zen. ei­gent­lich er­tra­ge ich des­sen vor­trags­stil nicht — auch wenn er den vor­teil ge­gen­über vie­len an­de­ren vor­tra­gen­den hat, dass er sich sorg­fäl­tig vor­be­rei­tet, bzw. sei­nen text aus­wän­dig lernt.

al­les was pörk­sen eben auf #stage2 sag­te ha­ben an­de­re auch schon mal ge­sagt, nur nicht so ge­schwif­fen und ge­drech­selt — und auch wenn er wie eine eit­le aka­de­mi­ker-ka­ri­ka­tur wirkt, habe ich heu­te sei­nen #rp19 vor­trag er­tra­gen und gut ge­fun­den.wahr­schein­lich weil ich gut sass. pic.twit­ter.com/PNlw3tvhmR

fe­lix schwen­zel (@di­plix) 07.05.2019 12:21

da­nach in der mit­tags­pau­se ge­se­hen wie fle­xi­bel wer­bung sein kann und kai bier­mann im ma­ker­space ge­trof­fen.

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beim „The Al­go­rith­mic Boss“ von alex ro­sen­blat wur­de auf eine art da­von ab­ge­ra­ten für uber zu fah­renZ­zu ar­bei­ten, aber das pro­blem, das sie be­schrieb, dürf­te uns al­len noch im all­tag be­geg­nen; nicht nur dass wir in der ei­nen oder an­de­ren form an­wei­sun­gen von al­go­rith­men er­hal­ten wer­den, son­dern eben auch, dass wir künf­tig hil­fe­stel­lun­gen eher von al­go­rith­men als men­schen be­kom­men wer­den. und wenn wir doch mal an men­schen ge­ra­ten, dürf­ten das meist men­schen sein, die sehr weit von uns und un­se­ren pro­ble­men sit­zen und auch al­go­rith­mi­sche chefs ha­ben.

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bei „Buil­ding Joyful Fu­tures“ von al­exis hope habe ich dann wie­der ge­schla­fen, ob­wohl das the­ma ei­gent­lich gut und wich­tig ist. näm­lich dass ap­pa­ra­te, ma­schi­nen, hilfs­mit­tel oft von men­schen ge­baut wer­den, die sie gar nicht be­nut­zen. die­se ap­pa­ra­te und ma­schi­nen dann ge­mein­sam selbst zu ent­wi­ckeln ist auch mei­ner mei­nung nach eine der gröss­ten chan­cen der di­gi­ta­li­sie­rung und weht na­tür­lich auch schon län­ger un­ter dem la­bel ma­ker-mo­ve­ment durch das netz, die welt und die re­pu­bli­ca. letzt­end­lich sehe ich auch das blog­gen als ein er­geb­nis die­ser be­we­gun­gen. wenn nicht über die welt, die bla­sen, die ge­mein­schaf­ten be­rich­tet wird, de­ren teil man ist, macht man es eben selbst. so ist das blog­gen ent­stan­den und die­se idee steht eben auch hin­ter face­book und twit­ter (wenn man das wer­be­ge­döns mal aus­blen­det).

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nach ei­ner wei­te­ren kur­zen pau­se im hin­ter­hof, bzw. der hin­te­ren frei­flä­che, ging ich in chris­ti­an mio lo­clairs vor­trag ar­ti­fi­ci­al va­ni­ty. den vor­trag hielt er aus grün­den der ei­tel­keit bes­se­ren wer­be­wir­kung/reich­wei­te auf eng­lisch, ob­wohl das nicht sei­ne stärks­te mut­ter­spra­che ist.

zu­gleich furcht­bar pa­the­tisch, die ar­beit und #rp19 prä­sen­ta­ti­on von chris­ti­an @Mio_Lo­clair in „ar­ti­fi­ci­al va­ni­ty“ auf #stage1, als auch tief be­ein­dru­ckend und fas­zi­nie­rend. und am ende gabs nen schö­nen talk-twist und ne be­frie­di­gen­des fa­zit. pic.twit­ter.com/tt8p5zpg­BA

fe­lix schwen­zel (@di­plix) 07.05.2019 16:48

sei­ne ar­bei­ten und das was sein stu­dio walz bi­n­aire macht sind gröss­ten­teils wirk­lich wun­der­schön, sehr di­gi­tal, sehr cut­ting edge, aber zum teil eben auch sehr in­sze­niert, leer und will­kür­lich. was mir aber sehr ge­fal­len hat, war die kur­ve die er am ende hin­be­kom­men hat. nach­dem er zwei drit­tel sei­nes vor­trags da­mit zu­ge­bracht hat zu zei­gen, wie ma­schi­nen — oder ge­nau­er sys­te­me zum ma­schi­nel­len ler­nen — of­fen­bar schöp­fe­risch tä­tig sein kön­nen, wie man sie auf be­stimm­te sti­le oder zie­le trai­nie­ren kann — mit teil­wei­se er­staun­li­chen er­geb­nis­sen — zeig­te er am ende eben auch die gren­zen die­ser tech­no­lo­gie auf. die wa­ren näm­lich ge­nau dann er­reicht, als er und sein team ver­such­ten die sys­te­me auf kin­der­bil­der zu trai­nie­ren. weil kin­der eben kei­nen stil ha­ben, oder bes­ser, die bil­der von kin­dern eben al­les sein kön­nen, kin­der eben kei­ne lieb­lings­far­be ha­ben (son­dern alle far­ben mö­gen), kei­ne be­stimm­te art tie­re zu ma­len (son­dern alle vor­stell­ba­ren und un­vor­stel­ba­ren ar­ten tie­re zu ma­len nut­zen), ist das was aus dem trai­nings­set von tau­sen­den (mil­lio­nen?) kin­der­bil­dern her­aus­kam ein­fach nur farb-matsch. die­se ma­gie der kind­li­chen, der mensch­li­chen krea­ti­vi­tät, die­se po­ten­zi­el­le un­be­re­chen­bar­keit des mensch­li­chen geis­tes, die ma­schi­nen zur ver­zei­flung brin­gen kann und die auch schon char­lie chap­lin vi­sua­li­siert hat, wa­ren ein star­kes fa­zit von lo­clairs vor­trag, das je­den vor­her­ge­hen­den pa­thos ent­schul­digt und wett macht. wenn das vi­deo on­line ist: un­be­dingt nach­schau­en!

da­nach tors­ten kleinz …

@pu­blic­tors­ten kleinz ge­wohnt fach­kun­dig und ver­peilt bei sei­nem #rp19 vor­trag über ad­blo­cker. fühl­te sich an wie in ei­nem der se­mi­nar­räu­me in der kalk­scheu­ne. pic.twit­ter.com/Iyg­cIAb­Php

fe­lix schwen­zel (@di­plix) 07.05.2019 16:50

… und die pod­cast-auf­zeich­nung der lage der na­ti­on ge­schaut. das ge­spräch mit chris­ti­na schmidt war su­per in­ter­es­sant, aber mit je­dem wei­te­ren gast wur­de ich schläf­ri­ger und ging dann, als le­on­hard do­busch auf die büh­ne kam.

cory doc­to­row habe ich mir ge­spart, auch wenn er si­cher­lich in­ter­es­san­tes ge­sagt hat und alex matz­keit ver­spre­che ich nach­zu­gu­cken.

ob­wohl ich ei­gent­lich zu müde war, hab ich mir zu­hau­se dann noch eine fol­ge kil­ling eve an­ge­se­hen.