Differenzieren ist mühsam, aber noch mühsamer ist es zu akzeptieren, dass es sich immer lohnt zweimal oder zumindest genauer hinzuschauen. Leider leiden wir alle, nicht nur Jasper von Altenbockum, an angeborenem confirmation bias [eigentlich Bestätigungs-Befangenheit, offiziell aber „Bestätigungsfehler“, bei dem es uns leicht fällt Quatsch als Fakt zu akzeptieren, wenn er in unser Weltbild passt] — und das einzige was dagegen hilft ist Mühe, genauer Hinschauen oder Recherchieren.
[Recherchieren ist übrigens eine Tätigkeit die dem Prokrastinieren nicht unähnlich ist. Recherche, genaues Hinsehen, hinerfragen wird übrigens müheloser und niedrigschwellig, wenn man dafür andere wichtige Tätigkeiten auf später verschiebt.]
Manchmal macht sich auch jemand anders die Mühe zu recherchieren, dann muss man nur noch lesen:
Ende April lauteten bereits die Schlagzeilen vieler Medien „AfD jetzt stärkste Partei im Osten“. Auch in den letzten Tagen wird immer wieder vermeldet, dass die AfD in Brandenburg die stärkste Kraft sei. Das ist besonders bedeutend, da in Brandenburg, Sachsen und Thüringen in diesem Jahr gewählt wird. Die AfD hofft auf und alle andere befürchten einen „blauen Herbst“, wie es die Tagesschau gestern schrieb. Man könnte meinen, zumindest in den ostdeutschen Bundesländern würde die AfD immer stärker werden.
Doch das Gegenteil ist der Fall. Wie wir bereits vor ein paar Wochen erklärten: Dass die AfD im Osten stark und auch die stärkste Partei ist, ist nichts Neues. Bereits im Sommer 2018 war die AfD im Osten die stärkste Partei. Die Berichterstattung täuscht darüber hinweg, dass die AfD in einem halben Jahr in Wahrheit 4 Prozentpunkte (2018: 27% – 2019: 23%) verlor.
[Es kann natürlich sein, dass ich hier auch einem Bestätigungsfehler erliege und Thomas Laschyks Analyse Quatsch ist, und ich mir nur wünsche, dass es im Osten keinen Rechtsruck, sondern Wählerwanderungen nach Links gibt. Sicher aber ist: übersichtlich und klar ist die politische Lage nicht.]
Mit den anstehenden Wahlen in Sachsen und Brandenburg und der Berichterstattung, die sich vor allem um die AfD dreht, könnte man meinen, die Rechtsextremen würden im Osten immer stärker werden. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Tatsächlich könnte man sogar eher von einem Linksruck sprechen.
seit gestern sehe ich haufenweise stadtführungen, angeführt von gelb-fliegen und gefolgt von gelbwesten („security guide“). allein heute früh #aufdemwegzurarbeit 5 gruppen überholt.
#speisekammergarten stand nach 13 wochen: die normale kopfsalat-produktion hab ich runtergefahren: nimmt zuviel platz weg, wächst gut, ist aber nur mittelbefriedigend. sehr schön nach wie vor der alte mangold, seit wochen ernte ich den immer wieder ab. pak chois sehen gut aus, passen in alle salate, die rauke schmeckt am besten, will aber nicht so brutal spriessen wie der mangold. die basilikum-anzuchten kommen langsam, der supermarkt-basilikum lebt und spriesst auch nach 10 wochen noch. koriander kommt auch langsam. #ikeaväxer#växer
pak choi dahinter kopfsalat
in die rauke setze ich grosse hoffnungen
hinten rechts der „alte“ mangold, der sich bereitwillig pro woche 2-3 blätter anschneiden lässt. die anderen mangolds haben ein umtopf-massaker gut überlebt.
unten einer der letzten kopfsalate, ein endivien-test und ein anderer test
vorne verschiedene basilikum-sorten, hinten pak choi und rauke
Dieser Auftritt der EU-Wettbewerbskomissarin Margarethe Vestager auf der Republica-Bühne war einer der langweiligsten, aber vielleicht auch einer der thematisch wichtigsten Auftritte dieses Jahr. So wie ihr Job als Wettbewerbskomissarin eben auch irre langweilig & -wierig ist — aber gleichzeitig einer der wichtigsten und effizientesten Jobs gegen die überbordende Macht und Einfluss großer Konzerne zu sein scheint.
Vestager ist aktuell wohl das einzige scharfe Messer das Europa gegen die Übermacht und die strukturelle Zerstörungswut („Disruption“) amerikanischer Plattformkonzerne in Betrieb hat.
Vestager hat sich in den vergangenen 5 Jahren erfolgreich mit vielen Großkonzernen angelegt und Milliardenstrafen verhängt, sie hat sich mit ihren kartellrechtlichen Bemühungen aber auch unbeliebt gemacht. (In Deutschland vor allem, als sie eine Fusion von Siemens und Alstom verhinderte, in der Befürworter »eine Chance auf ein europäisches Großunternehmen, ein „Airbus für die Schiene“« sahen.)
Vestager weist wiederholt darauf hin, dass es an der Zeit sei, dass unsere Demokratien die Möglichkeiten in die Zukunft unserer Gesellschaften selbst formen, die derzeit in fast allen Bereichen in der Hand von Firmen liegen, die oft außerhalb demokratischer Kontrolle agieren.
Ich hoffe Vestager hat noch lange Einfluss auf die Ausrichtung der EU-Politik, nicht nur weil sie angstfrei und unabhängig zu sein scheint, sondern weil sie auch als eine der wenigen EU-Spitzenpolitikerïnnen den Ernst der Lage begreift und entsprechend pragmatisch agiert.
Nur: auch wir müssen mit unseren Konsumentscheidungen mitwirken & mitsteuern — und dabei unter Umständen auch lieb gewonnene Bequemlichkeiten aufgeben und viel intensiver nach Alternativen zu den Diensten der großen Plattformen suchen.
Ich empfehle, sich dieses (oder dieses) teilweise schmerzhaft trockene Gespräch reinzuziehen oder sich zumindest mit Lobeshymnen und Kritik an Vestager auseinander zu setzen. Weil: „This is now.“
faszinierend. nach dem #RezoVideo, schallt es aus der #CDU aus allen ecken: „ungenau! undifferenziert!“
wenn die vorsitzende der CDU was sagt, muss die halbe CDU ausrücken und erklären, was genau sie gemeint haben könnte.
genauigkeit predigen aber selbst schwadronieren & raunen.
| schwadronieren, ʃvadroˈniːrən |
HERKUNFT eigentlich = beim Fechten wild und planlos um sich schlagen wortreich, laut, lebhaft, unbekümmert, oft auch aufdringlich reden von seinen Heldentaten schwadronieren
einigermassen gutes automatisieren ist schwer und braucht viele daten, hier am beispiel unserer speisekammer. sensor-ebene eins: ein tür-sensor, der das licht an und aus macht, wie beim kühlschrank. wenn aber mindestens eine person (zweite ebene: anwesenheits-zähl-sensor) in der kammer ist, geht das licht nicht aus, wenn die tür zu geht. wenn ich die kammer verlasse, oder genauer, alle aus der kammer rausgehen, geht das licht aus, auch wenn die tür offen ist. ein bewegungssensor in der kammer ist die dritte sensor-ebene: sollten der anwesenheits-zähl-sensor oder der tür-sensor versagen, schaltet sich das licht nach 10 minuten ohne bewegung aus. die vierte ebene ist der lichtschalter: wird das licht ausgeschaltet, geht nicht nur das licht aus, sondern auch der zählsensor zurückgesetzt. anschalten kann man das licht natürlich auch mit dem lichtschalter.
beim kühlschrank ist das alles einfacher, weil man da nicht reingehen kann. (der anwesenheits-zähl-sensor ist ein einzelner time-of-flight-laser-sensor an einem arduino-nano der per mysensors kommuniziert. es gibt ein kommerzielles produkt, das so ähnlich funktioniert und das man für $160 vorbestellen kann. meine lösung, mit hilfe vieler toller leute und open-source-projekten im internet — und einem freien wochenende und viel geduld— kostet um die €15.)
Ihr werdet euch noch wünschen wir wären politikverdrossen.
Meine leisen Hoffnungen auf Wandel, auf eine kluge Digital- und Gesellschaftspolitik, zerbrachen bei der Bundestagswahl 2009 am „weiter so!“ der Mehrheit. Die Piraten landeten bei 2 % und damit in der Bedeutungslosigkeit (mit mindestens einer erfreulichen Ausnahme).
Jetzt habe ich wieder Hoffnung, weil sehr viele junge Menschen sehr wütend sind — auf eine konstruktive Art. Diesmal geht es nicht nur um verfehlte Digitalpolitik, sondern auch um realitätsverachtende, shruggige Klimapolitik. Der aktuelle Höhepunkt dieser Jugendwut ist ein einstündiges Video, das derzeit durch alle Timelines rauscht und viele Politikerïnnen wieder eine politikverdrossene Jugend herbeiwünschen lässt. Jugendwut äußert sich, ganz anders als vor 40 Jahren mit introvertierter Wut und No Future, jetzt extrovertiert, konstruktiv und fordernd unter dem Motto For Future.
Das Video des 26-jährigen YouTubers Rezo erzürnt derzeit Groß und Klein in der CDU, aber Hannes Schrader erklärt auf Zeit Campus warum Politikerïnnen der CDU sich genau überlegen sollten, „wie sie damit umgehen, dass ein junger Mensch mit seiner Kritik an ihnen sehr erfolgreich ist“. (Tipp von mir: die Kritik Ernst nehmen.)
Hannes Schrader erklärt auch, was an der Kritik Rezos „überspitzt, wütend und unfair“ ist — und warum das gut so ist:
Seine Zuschauer [sind] junge Menschen, die das Gefühl haben, die alten Politiker, die keine Ahnung von ihrem Leben haben, machen ihnen das Internet und ihre Zukunft kaputt. Sie sind Teil einer Generation, die gemerkt hat: Nur wenn wir wütend sind, hört uns jemand zu.
dank der html5-vorschau der @t3n kann man meine kolumne am ende des hefts auch dieses mal vor erscheinen des hefts lesen. @papierjunge fand, dass es eine meiner besseren kolumnen sei. ix auch.
Auch unter Präsident Donald Trump lautet das offizielle Staatsmotto der USA: „aus den Vielen das Eine“. So steht es seit 1776 (auf Latein) im Staatswappen der USA: „E pluribus unum“. Aus den folgenden knapp 250 Jahren amerikanischer Geschichte kann man ablesen, dass sich dieses Motto als eine Art Zauberformel für wirtschaftlichen und politischen Erfolg bewiesen hat.
Diese Zauberformel, Stärke durch Einheit und Vielfalt, ist ein universelles Prinzip. Komplexe, diverse Ökosysteme funktionieren stabiler als Monokulturen, Staatsgebilde, die offen, pluralistisch und integrativ organisiert sind, die das Gemeinsame, statt Unterschiede betonen, sind stärker — und innovativer — als solche die Vielfalt zu ersticken versuchen.
Nationalisten, Protektionisten und Spalter haben nie verstanden wie Stärke (und Innovation) entsteht: sie entsteht nicht durch Gleichschaltung, Ordnung, Trennung, Reinheit oder Entschlossenheit, sondern, im Gegenteil, durch Vielschichtigkeit, kontrolliertes, kreatives Chaos und das richtige Mass an Unordnung und Freiheit.
Eine der Stärken der Vereinigten Staaten von Amerika war und ist ihre Fähigkeit zur Integration. Nur zur Erinnerung, Elon Musk wurde in Südafrika geboren, Nikola Tesla war Österreicher, Steve Jobs war der Sohn eines syrischen Politikstudenten, Sergey Brin wurde in Moskau geboren und einer der erfolgreichsten Investoren der Digitalökonomie, Peter Thiel, wurde in Frankfurt am Main geboren. Auf einer anderen Ebene hat auch China diese Fähigkeit zur Integration: in China hat man es geschafft ausländische Technik und Technologie so gut zu integrieren, dass China zu einem unverzichtbaren Teil industrieller und digitaler Lieferketten geworden ist. In China adaptiert man Technologie und Technik schneller, als ein deutscher Minister das Wort Strukturwandel auch nur aussprechen kann.
Die Integration von Fremden und Fremdem, gepaart mit einer ausgeprägten Willkommenskultur, die Fähigkeit aus Vielem Eines zu machen — ohne die Vielfalt zu zerstören — dürfte eine der wichtigsten Antworten auf die Frage sein, wie Europa im weltweiten Wettbewerb mit den grossen Blöcken USA, China und Russland bestehen kann.
Das grösste Hindernis auf dem Weg zu so etwas wie den Vereinigten Staaten von Europa ist allerdings die Überwindung einer Art Denkblockade: der Glaube dass wir verlieren (Identität, Sicherheit), wenn wir uns Fremdes und Veränderungen zu eigen machen und integrieren. Aber das Gegenteil ist der Fall, was bereits die jüngere Geschichte der bisher eher zaghaft verlaufenden europäischen Einigung zeigt. Wissenschaftliche Erfolge wie die European Space Agency oder das CERN, wirtschaftliche Erfolge wie Airbus oder politische Erfolge wie innereuropäische Grenzöffnungen und langanhaltender Frieden, werden all zu schnell als Selbstverständlichkeiten gesehen.
Die Skepsis gegenüber grundlegenden Veränderungen sitzt tief in uns allen, weshalb immer wieder nach neuen, besseren, mitreissenderen Visionen für Europa und die europäische Einigung gerufen wird. Aber vielleicht reicht ja schon ein bildlicher Vergleich, zum Beispiel Europa als Mischwald. Ein gesunder Mischwald ist nicht besonders übersichtlich, bietet aber auch zarten Pflanzen Nischen, genauso wie grossen Bäumen. Und auch umgefallene Bäume sind keine Katastrophe, sondern bilden weitere Nischen, in denen Neues und Frisches entstehen kann. Auch ein Mischwald muss gehegt und vor allzu invasiven Arten geschützt, also reguliert werden. Aber anders als ein reiner Fichtenforst, ist ein Mischwald viel robuster und kann auch mal ein paar Jahre lang sich selbst überlassen werden.
Erstaunlicherweise ist die Förderung von Mischwäldern inzwischen sogar ein politisches Ziel im multikulturell eher skeptischen Bayern. Wenn man sich vorstellen kann, dass eine Eiche auch in einem Mischwald keinesfalls ihre Eichen-Identität verliert, sondern im Gegenteil, viel bessere Lebensbedingungen in der Vielfalt eines Mischwaldes vorfindet, müsste man sich doch eigentlich auch mit der Idee eines vereinten Europas anfreunden können, ein Europa, das aus Vielen Eines schafft und die Vielfalt als Wert an sich schätzt und schützt.
Wenn wir wirtschaftlich, digital, sozial und weltpolitisch erfolgreich sein wollen, müssen wir uns, um es mit Konrad Adenauer zu sagen, aus der Enge und Kleinheit Europas „herausdenken“.
So wie ein Wald mehr ist als die Summe der Bäume, ist auch Europa mehr als die Summe der europäischen Staaten und Regionen — und funktioniert doch dann am besten wenn es genau Eins ist.
auf piqd.de poste ich in unregelmässigen abständen meine liebsten republica-vorträge. in den letzten tagen diese beiden:
sollte ich irgendwann in die politik gehen, dürfte das an diesem #rp19-vortrag gelegen haben. pragmatismus, praxis und daten sind glaube ich mächtige und schwer unterschätzte politische werkzeuge.
wegen erreichen der maximalen zeichenzahl passte dieser link, dieses video und 2000 andere gedanken nicht mehr in den piq. aber dieses beispiel zeigt einleuchtend, was gutes design bewirken kann (das eingebettete video fasziniert mich seit tagen, es ist fast meditativ. „meditativ“ als adjektiv für eine grossstadt-kreuzung ist gewagt, passt aber in diesem fall).
Auf der republica wurde dieses jahr (zu Recht) viel über Aktivismus geredet. Ein paar Stunden bevor Sascha Lobo seinen Vortrag mit Greta Thunbergs Aktivismus-wirkt-Zitat beendete, zeigte Mikael Colville-Andersen was Aktivismus erreichen kann. Er skizzierte nicht nur die Zukunft der Stadt, sondern zeigte sie auch, unter anderem am Beispiel Kopenhagens.
Ich fand es extrem inspirierend und augenöffnend, wie Anderson von den ziemlich erfolgreichen Bemühungen erzählte, um das Auto in Kopenhagen und anderen Städten zurückzudrängen und damit die Lebensqualität für alle zu heben. Er zeigte keine politischen Visionen, sondern seit Jahrzehnten erprobte Erfahrungen, best practices und Erfolge. Kopenhagen ist so fahrradfreundlich, dass sogar im Winter über 70 Prozent der Fahrradfahrer weiter mit dem Rad zur Arbeit fahren. Fast zwei Drittel der Politiker in Kopenhagen nutzen Fahrräder, um zur Arbeit zu kommen.
Anderson setze bei seinem Vortrag weniger auf Wut als Motor um Aktivismus zu säen, sondern tatsächlich auf Inspiration, beinahe Wehmut — und Daten. Er zeigte, dass Städte und Straßen wieder zu demokratischen Räumen werden können, statt Spielwiesen für Straßenbauingenieure und Verkehrslenker und dass man, um schnell von A nach B zu kommen, eben nicht unbedingt ein Auto braucht, sondern kluge Infrastruktur, die allen nützt und nicht nur ein paar Autofahrern.
Alles was Anderson zeigte war schlüssig, logisch und keine Spur radikal. Nach dem Vortrag war ich überzeugt, dass die Zukunft der Städte nicht im Hofieren des Autoverkehrs liegt und das Zurückdrängen des Autoverkehrs aus Städten auf eine Art alternativlos und zwangsläufig ist.
Eine gewisse Dosis Wut kam dann doch noch in mir auf, vor allem angesichts der Tatsache, dass sich in unseren Nachbarländern die Bürger schon seit Jahrzehnten die Städte und Strassen von den Autos zurückholen und wir uns hier aus unerfindlichen Gründen weiter scharenweise von Autos von den Fahrrädern fegen lassen und das offenbar als normal empfinden.
eins der wenigen geräte denen ich erlaube sich in die cloud zu verbinden (nach hause zu telefonieren) ist unser reinigungsroboter markus. damit bekommt man nach jeder „mission“ eine karte in der irobot-app serviert. lokale karten oder sogar „live-maps“ sind über die homeassistant roomba komponente, bzw. die python-bibliothek von nick waterton auch möglich, aber ziemlich resourcen-fressend. der server auf dem die roomba-bibliothek ausgeführt wird, muss ständig ein bild generieren, was bei meinen letzten versuchen zu einer stetigen server-auslastung von 80 prozent geführt hat. das ist nicht wirklich praktikabel.
weil die bibliothek aber die koordinaten des roomba ständig erfasst, dachte ich diese koordinaten könnte man doch auch vielleicht meiner seit jahren auf dem server laufenden owntracks-recorder-instanz übergeben. owntracks läuft immer im hintergrund auf meinem (und dem beifahrerinnen) handy und erfasst unsere position. das nutze ich vor allem für die anwesenheitserkennung der automatischen wohnung. wenn wir beide weg sind, gehen alle lichter aus, die heizung fährt runter und eine kamera, die die balkontür erfasst, schaltet sich ein. mit dem recorder kann man unsere positionsdaten permanent, lokal, speichern. so sieht das für meine positionsdaten der letzten zwei jahre aus:
für meine berlin-daten eignet sich das tool ganz gut, um die schwarzen flecken zu finden, in denen ich mal die stadt kennenlernen könnte oder spazieren gehen könnte.
für ausflüge in fremde städte eignet sich das tool ganz gut, um zu sehen, wo man überall war — und wo nicht.
und warum sollte ich das tool nicht auch benutzen, um die fahrten des putzroboters zu erfassen? die roomba komponnete/bibliothek gibt koordinaten aus, die sich immer relativ zum startpunkt befinden, in millimetern, positiv oder negativ zum startpunkt (oder zur ladestation). die relativen roomba-koordinaten lassen sich relativ leicht in geokoordinaten umrechnen. owntracks erwartet mindestens werte für lon und lat, nimmt aber auch die orientierung dankend an, die der roomba auch liefert. wenn die koordinaten in sensordaten vorhanden sind, kann ich eine automation bauen, die diese daten umrechnet und an den owntracks recorder schickt:
(kleines technisches problem: die homeassistant komponente aktualisiert die koordinaten nur alle 20 sekunden. weil die bibliothek von nick waterton aber auch die roomba-daten kontinuierlich per mqtt versenden kann — und da alle 1-2 sekunden aktualisiert — greifen die koordinaten-sensoren die daten dort ab.)
nehme ich die variable, die den radius der erde speichert (earth_r_mm) mit einen millimeter-wert, bekäme ich im recorder eine korrekt skalierte bewegungskarte. ich fand den kilometerwert aber anschaulicher, mit dem aus den roomba millimeter-werten kilometer werden. dann sieht eine „spot-reinigung“ des roomba in owntracks so aus:
normale reinigungsvorgänge sollten dann von schweden, über polen bis nach bayern reichen. das beste ist aber, dass hier zwar sehr viele daten anfallen, aber, soweit ich sehe, passiert das äusserst resourcenschonend — und zur not lässt sich die datenübertragung zum owntracks recorder auch deaktivieren.
ok, das schlafzimmer reicht nicht ganz bis schweden. aber bis dänemark.
ups, gerade gemerkt, das bild hatte die falsche zeiteinstellung. markus ist natürlich viel gründlicher, als es auf dem vorherigen bild scheint.
stand nach 10 wochen #speisekammergarten: der pak choi macht sich nach anfänglichem zögern prächtig, dahinter nochmal frischer mangold.
nach 3 wochen keimzeit ist der koriander endlich gekommen, der ahorn aus dem wald spriesst wie unkraut. den haltlosen mangold habe ich letzte woche, beim reinigen der schüssel, komplett umgepflanzt. dabei musst er so gut wie alle wurzeln verlieren. dafür steht er jetzt gut und offensichtlich hat er mir den wurzelverlust und das umtopfen nicht überlgenommen: unten spriessen schon wieder drei neue blätter. die beifahrerin meint zum mangold: sieht toll aus, schmeckt aber leider langweilig. ich widerspreche energisch!
der basilikum stellt sich je nach sorte ein bisschen an, aber ganz grossartig ist die rauke. sieht ein bisschen schlimm aus, schmeckt aber irre würzig (habe gestern ein blatt zum probieren abgeschnitten). davon mach ich künftig mehr (statt kopfsalat).
ganz unten in joghurteimern: kopfsalat, langsamer endiviensalat und der supermarkt-basilikum, der jetzt schon zwei monate mit uns lebt. #växer
Dieser Vortrag auf der republica von Christian Mio Loclair triggerte bei mir ein ganzes Set an Aversionen: ein Deutscher der Englisch spricht, um eine bessere Reichweite zu erzielen, die explizite, plakative Behauptung mit seiner Arbeit nach Bedeutung und Poesie im Digitalen Raum zu suchen, statt potenzielle Fundstücke einfach zu zeigen und sich auf die implizite Wirkung und potenzielle Poesie der eigenen Arbeit zu verlassen, sowie die Verwendung von Kitsch, Überästhetisierung und gefälliger Musik, um Emotionen im Publikum zu wecken.
Ich habe den Vortrag trotz der Überdosis Pathos, der bedeutungslosen übersteigerten Schönheit der Einspielfilme, nicht verlassen, weil Loclair irgendwann auf Technologien kam, die mich brennend interessieren. Unter anderem: lernende, künstliche, neuronale Netzwerke oder genauer: Generative Adversarial Networks (GANs). Ein Ergebnis dieser selbst oder unüberwacht lernenden neuronalen Netzwerke fegte kürzlich durch alle meine Timelines: Synthetisch erzeugte Bilder von Gesichtern, die de facto nicht von echten zu unterscheiden sind. Beeindruckende Beispiele hier: thispersondoesnotexist.com
Loclair jagt in seinem Waltz Binaire Studio alle möglichen Datensets durch GANs, um zu sehen, ob das, was die Algorithmen am Ende ausgeben, ästhetisch verwertbar ist oder mit bombastischer Musik poetisch wirkt.
Und dann passierte gegen Ende des Vortrags doch noch ein Wunder und es wurde, auf eine Art, wirklich poetisch. Als Loclair und sein Team nämlich versuchten ein GAN auf Kinderbilder zu trainieren, versagte das maschinelle Lernen und produzierte nichts anderes als poetisch unverwertbaren Farbmatsch. Konfrontiert mit der kreativen Willkür kindlicher Kreativität oder der potenziell immer noch vorstellbaren, indeterministischen Willensfreiheit des Menschen, kommen Algorithmen ins Schleudern. Das ist nicht nur poetisch, sondern in gewisser Weise auch beruhigend.
weisskohl-ernte war ein bisschen mager (ca. 50 gramm), hat sich aber gut im curry gemacht. #ikeaväxer#växer
heute den 9 wochen alten salatkopf geköpft und zu spargelsalat angemacht. erntehewicht ca. 100 gramm. hat zwei menschen gesättigt. #ikeaväxer#växer
der #rp19 vortrag von @papierjunge hatte alles was ein guter vortrag braucht (sorgfältige vorbereitung, eine gute folienchoreografie, logik, erkenntnisgewinn, struktur) — ausser witz. pic.twitter.com/iWvEHl5bHg
vergessen habe ich im tweet oben noch, dass sein vortrag auch „selbstkritisch“ war. ich weiss wie schwierig das thema ist, weil ich mich auch schon mehrfach daran abzuarbeiten versucht habe, vor vielen jahren mal auf der republica in der kalkscheune. sein vortrag war gut strukturiert, pragmatisch und hilfreich, um künftig hypes und technologien besser einschätzen zu können. das mit dem „mangelnde witz“ fiel dann vor allem im kontrast zum folgenden vortrag von theobald fuchs auf.
der hatte sich auch ein dankbareres thema ausgesucht, nämlich das ridikülisieren von vergangenen zukunftsvisionen. auch wenn das allgemein schon nicht allzu schwer ist — meistens reicht es einfach nur die zukuntsvisonen zu zeigen um lacher zu bekommen — wies er immer wieder gekonnt auf einzelne details hin, die besonders witzig waren. aber details waren auch theobald fuchs selbst nicht so wichtig, weil er wiederholt die doofheit von elon musk herauszuarbeiten versuchte, der seiner meinung bei seinem hyperloop-projekt wichtige pysikalische details ausser acht liess oder zur späteren lösung verschob. das problem ist allerdings, dass elon musk mit der hyperloop-projekt, bzw. dessen umsetzung so gut wie nichts zu tun hat und die illustrationen die fuchs nutzte ein ganz anderes musk-projekt zeigten.
netter, unterhaltsamer #rp19 vortrag von theobald fuchs auf #stage5 mit teilweise recht naheliegenden, teilweise grandiosen witzen. aber das bild zeigt keine hyperloop-tunnel, sondern tunnel der boring company. musk hat operativ nix mit dem hyperloop zu tun. pic.twitter.com/u5QfZ4lZcQ
danach kam felix hartenstein 15 minuten zu spät, um über amazons rolle als städtebauer zu reden. darin erfuhr ich zwar nicht viel neues, aber das nachdenken darüber, wie amazon mit seinem vergangenen und aktuellen agieren städte verändert, wie grossunternehmen städte formen, und ob und wie wir das als gesellschaft mitgestalten oder ertragen wollen, scheint mir wichtiger denn je. von daher: inspirierender vortrag.
danach blieb ich natürlich sitzen, weil danach die frage „Raumfahrt und Gesellschaft – wohin geht die Reise?“ von alexander gerst und seinem chef diskutiert werden sollte. der chef von gerst, jan wörner, der generaldirektor der european space agency, ist eine ziemlich lustige und manchmal ein bisschen nervige rampensau. im kontrast zu gersts tiefenentspannter art und mit den moderationsversuchen von chiara manfletti wurde das aber zu einer sehr unterhaltsamen und bewegenden veranstaltung. fürs bewegen der raumfahrzeuge sind manfletti und wörner zuständig, fürs herz gerst. und wie letztes mal, als er auf der republica sprach, bewegte mich gerst tief. nicht mit den bildern aus dem nahen erdorbit oder aus der saturn-umlaufbahn (auch), sondern mit der art wie er nachwuchsfürderung praktiziert. seine aufgabe sehe er hauptsächlich darin, jungen menschen, jungen mädchen, frauen und kindern (männer sind mitgemeint) klar zu machen: das was der gerst kann, kann ich schon lange oder besser. diese selbstmarginalisierung seiner leistungen fand ich so sympathisch, so beeindruckend, dass mir kurz (beinahe) die tränen kamen.
am ende wurde mir klar, dass das grösste kompliment, was ix der #rp19 machen kann lautet: dass trotz immer grösser, immer mehr, immer prominenter alles wie immer war.
es ist erstaunlich, wie die republica ständig wächst, dieses jahr auch noch die tincon mit aufnahm, immer diverser wird, im publikum wie auf den bühnen und es doch weiter schafft eine art safespace zu sein, in dem sich alle wohl fühlen, respektiert oder geschätzt fühlen. was sich allerdings verändert hat: auf der republica wird nicht mehr nur das wesen ursprünglich digital entstandener blasen und gemeinschaften gesucht, nicht mehr nur die räume des digitalen exploriert oder versucht die grenzen der digitalen räume zu verschieben. auf der republica versuchen die anwesenden, wir, gemeinsamkeiten und verbindendes zu finden, statt unterschiede oder trennendes zu konstruieren. und das über immer mehr gesellschaftsschichten hinweg.
ich mag es sehr gerne auf dem hof der #rp19 zu sitzen und die verschiedenen geh- und steharten zu studieren.
anders als gedacht fing das streitgespräch zwischen axel voss und markus beckedahl nicht um 10:15, sondern um 11:15 an. so früh an bühne 2 zu sein war aber sehr gut, einerseits weil ich mir dann ein panel über „made in europe“ ansehen konnte und vor allem weil ix so überhaupt in die voss vs. beckedahl veranstaltung reinkam. die türen wurden nämlich schon kurz nach dem ende des made-in-europe-panels wegen überfüllung verrammelt. aus dem made in europe-panel blieb nicht viel hängen, ausser dass china einen plan hat und europa nicht (felix lee) oder dass man in europa ja (quell) offene, modulare, „nachhaltige“ hardware fördern könnte und damit einen offenbar bestehenden bedarf bedienen könnte (anke domscheid-berg). anke domscheid berg zitierte in anderem zusammenhang auch gregor gysi mit „opposition ist zeitgeist“ (so habe ichs verstanden), meinte aber wahrscheinlich: „In Opposition kann man Zeitgeist verändern.“ wenn ich mir die derzeitige opposition im bundestag so angucke, zumindest die rechts sitzende, hoffe ich doch sehr dass das entweder nicht stimmt oder zeitgeist stärker aus der gesellschaft verändert wird, als aus dem parlament. die vertreterin der telkom auf der bühne, claudia nemat (verantwortet im vorstand der telkom das ressort technologie und innovation), stimmte grundsätzlich allem und jedem zu, sogar zwei kritsch fragenden aus dem publikum. die kunst des lauten „ja“, kombiniert mit einem leisen „aber“ habe ich jetzt schon mehrfach auf der republica beobachtet und sie wird ausschliesslich von frauen beherrscht.
das streitgespräch voss vs. beckedahl begann mit einer dreifach anmoderation; zuerst der bühnen-moderator, dann der gesprächsmoderator jo schück, der erklärte dass das gespräch als zdf-kultur-sendung aufgezichnet würde und dass er gleich, „absurderweise“, nochmal auf die bühne kommen würde, als würde er das zum ersten mal tun. das tat er auch und moderierte das panel dann wirklich brilliant, gut vorbereitet und unterhaltsam durch.
bei voss vs. beckedahl hat der moderator gewonnen. (beckedahl und voss haben sich beide gut geschlagen, aber jo schück hat das wirklich sehr brilliant moderiert) pic.twitter.com/LR9h0FKOfv
neben mir sass jens schröder und sagte vor dem voss vs. beckedahl-gespräch, dass er ein bisschen angst vor dem gespräch habe. diese angst, dass das publikum all zu höhnisch und unfair mit axel voss umgehen könnte teilte ich mit ihm, es zeigte sich aber, dass sie unbegründet war. bei markus beckedahl brachen zwar ein, zwei mal kurz emotionen und polemische ansätze durch, aber das gespräch empfand ich als zivilisiert und erhellend — und das publikum als fair. anders als erwartet, brabbelte axel voss nicht nur unzusammenhängendes zeug vor sich hin, sondern schaffte es beinahe eine schlüssige argumentation dafür abzuliefern, warum artikel 13 eben so verabschiedet wurde, wie er verabschiedet wurde. der artikel, der das urheberrecht beträfe sei eben nur eine grobe vorgabe (richtline), die, im gegensatz zu verordnungen, eben nicht eins zu eins, sondern mit grossem spielraum national umgesetzt werden könnten. man muss mit dem inhalt und dem geist der richtlinie nicht übereinstimmen, aber dass es spielraum bei der umsetzung gibt ist relativ unbestreitbar. dass auch gut geschriebene gesetze rechtsunsicherheiten schaffen, und nicht nur schlecht geschriebene wie die von ihm begleitete richtlinie, hat er leider nicht gesagt, aber auch das dürfte relativ unbesteritbar sein. ganz abgesehen davon zog markus beckedahls kernargument wesentlich besser, nämlich dass das urheberrecht ganz grundsätzlich an das digitale zeitalter angepasst werden müsste und grosszügigere, explizitere schrankenregelungen umfassen müsste, damit das kreieren, dass publizieren im netz unkomplizierter, verständlicher und nachvollziehbarer wird.
axel voss beharrte im gespräch auch darauf, dass die ausnahmeregelungen die man in der richtlinie festgelegt habe (artikel 5?), auch ausnahmen im zitatrecht von bildern („memes“) beinhalten würde: wenn das nicht so umgesetzt würde, meinte voss zu beckedahl, könne man sich mnochmal zusammensetzen und das dann wieder ändern. das ist aus dem mund von jemandem, der in der zeit behauptete, dass man fremde texte auf privaten homepages in gänze veröffentlichen dürfe (weil „privatkopie“) nicht so irre beruhigend, aber immerhin eine deutliche festlegung. der passend zynische kommentar, der in etwa lautete: „anpassungen lassen sich dann ja problemlos vom europaparlament verabschieden“ kam dann glaube ich von jo schück.
danach blieb ich für bernhard pörksen sitzen. eigentlich ertrage ich dessen vortragsstil nicht — auch wenn er den vorteil gegenüber vielen anderen vortragenden hat, dass er sich sorgfältig vorbereitet, bzw. seinen text auswändig lernt.
alles was pörksen eben auf #stage2 sagte haben andere auch schon mal gesagt, nur nicht so geschwiffen und gedrechselt — und auch wenn er wie eine eitle akademiker-karikatur wirkt, habe ich heute seinen #rp19 vortrag ertragen und gut gefunden.wahrscheinlich weil ich gut sass. pic.twitter.com/PNlw3tvhmR
beim „The Algorithmic Boss“ von alex rosenblat wurde auf eine art davon abgeraten für uber zu fahrenZzu arbeiten, aber das problem, das sie beschrieb, dürfte uns allen noch im alltag begegnen; nicht nur dass wir in der einen oder anderen form anweisungen von algorithmen erhalten werden, sondern eben auch, dass wir künftig hilfestellungen eher von algorithmen als menschen bekommen werden. und wenn wir doch mal an menschen geraten, dürften das meist menschen sein, die sehr weit von uns und unseren problemen sitzen und auch algorithmische chefs haben.
bei „Building Joyful Futures“ von alexis hope habe ich dann wieder geschlafen, obwohl das thema eigentlich gut und wichtig ist. nämlich dass apparate, maschinen, hilfsmittel oft von menschen gebaut werden, die sie gar nicht benutzen. diese apparate und maschinen dann gemeinsam selbst zu entwickeln ist auch meiner meinung nach eine der grössten chancen der digitalisierung und weht natürlich auch schon länger unter dem label maker-movement durch das netz, die welt und die republica. letztendlich sehe ich auch das bloggen als ein ergebnis dieser bewegungen. wenn nicht über die welt, die blasen, die gemeinschaften berichtet wird, deren teil man ist, macht man es eben selbst. so ist das bloggen entstanden und diese idee steht eben auch hinter facebook und twitter (wenn man das werbegedöns mal ausblendet).
nach einer weiteren kurzen pause im hinterhof, bzw. der hinteren freifläche, ging ich in christian mio loclairs vortrag artificial vanity. den vortrag hielt er aus gründen der eitelkeit besseren werbewirkung/reichweite auf englisch, obwohl das nicht seine stärkste muttersprache ist.
zugleich furchtbar pathetisch, die arbeit und #rp19 präsentation von christian @Mio_Loclair in „artificial vanity“ auf #stage1, als auch tief beeindruckend und faszinierend. und am ende gabs nen schönen talk-twist und ne befriedigendes fazit. pic.twitter.com/tt8p5zpgBA
seine arbeiten und das was sein studio walz binaire macht sind grösstenteils wirklich wunderschön, sehr digital, sehr cutting edge, aber zum teil eben auch sehr inszeniert, leer und willkürlich. was mir aber sehr gefallen hat, war die kurve die er am ende hinbekommen hat. nachdem er zwei drittel seines vortrags damit zugebracht hat zu zeigen, wie maschinen — oder genauer systeme zum maschinellen lernen — offenbar schöpferisch tätig sein können, wie man sie auf bestimmte stile oder ziele trainieren kann — mit teilweise erstaunlichen ergebnissen — zeigte er am ende eben auch die grenzen dieser technologie auf. die waren nämlich genau dann erreicht, als er und sein team versuchten die systeme auf kinderbilder zu trainieren. weil kinder eben keinen stil haben, oder besser, die bilder von kindern eben alles sein können, kinder eben keine lieblingsfarbe haben (sondern alle farben mögen), keine bestimmte art tiere zu malen (sondern alle vorstellbaren und unvorstelbaren arten tiere zu malen nutzen), ist das was aus dem trainingsset von tausenden (millionen?) kinderbildern herauskam einfach nur farb-matsch. diese magie der kindlichen, der menschlichen kreativität, diese potenzielle unberechenbarkeit des menschlichen geistes, die maschinen zur verzeiflung bringen kann und die auch schon charlie chaplin visualisiert hat, waren ein starkes fazit von loclairs vortrag, das jeden vorhergehenden pathos entschuldigt und wett macht. wenn das video online ist: unbedingt nachschauen!
@publictorsten kleinz gewohnt fachkundig und verpeilt bei seinem #rp19 vortrag über adblocker. fühlte sich an wie in einem der seminarräume in der kalkscheune. pic.twitter.com/IygcIAbPhp