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bris­tol stuhl­for­men­ska­la

felix schwenzel in notiert

fri­da hat ei­nen emp­find­li­chen darm. bei je­der fut­ter­um­stel­lung kriegt sie dünn­schiss — bis sich ir­gend­wann ihre ver­dau­ung sta­bi­li­si­ert. es gibt auch vie­le ge­mü­se und fleisch­sor­ten an die sie sich nicht ge­wöhnt. we­gen fri­das fra­gi­ler ver­dau­ung ist die qua­li­tät von fri­das stuhl­gang ein stän­di­ges the­ma zwi­schen mir und der bei­fah­re­rin.

nor­ma­le men­schen wür­den nach dem mor­gen­spa­zier­gang be­rich­ten: „ka­cki war su­per“ (oder die kon­sis­tenz be­schrei­ben, wenns nicht so su­per war). ich kann mir na­ür­lich nicht ver­knei­fen je­den tag den glei­chen gag zu ma­chen: „ka­cki war su­per! [kur­ze pau­se] das von fri­da auch!“

na­tür­lich ist der ei­gent­li­che gag die wie­der­ho­lung und die kon­sis­tenz der dar­bie­tung.

je­den­fallls ist das ka­cki von fri­da seit mo­na­ten bom­big gut. mor­gens kom­men zu­erst fes­te köt­tel raus (ich nen­ne sie „den pfrop­fen“) und danch wei­te­re würs­te mit im­mer wei­cher wer­den­der kon­sis­tenz. sie kackt sich so­zu­sa­gen je­den mor­gen auf der bris­tol-stuhl­for­men­ska­la1 von typ 1 bis typ 4.

bristol stuhlformenskala in wissen macht ah!

auf das the­ma bin ich heu­te ge­kom­men, weil john gru­ber hims­elf heu­te (oder ges­tern) auch über ka­cke ge­schrie­ben hat:

My first thought upon re­a­ding this was, What a load of shit. Then I rea­li­zed, well, yes, li­te­ral­ly.

der load of shit sind äus­se­run­gen zu er­näh­rung und stuhl­gang von sean o’mara die in ei­nem NYT-ar­ti­kel zi­tiert wer­den.

At one point in our con­ver­sa­ti­on he pul­led up the Bris­tol Stool Chart, which ran­ges from Type 1 (“se­pa­ra­te, hard pel­lets”) to Type 7 (“wa­tery, no so­lid pie­ces”). O’Mara is con­sis­t­ent­ly de­li­ve­ring Type 4 (“smooth, soft, like a sna­ke”), with poin­ted ends, in­di­ca­ti­ve of he­alt­hy rec­tal func­tion, he told me. “When you start ea­ting he­alt­hy, you don’t need toi­let pa­per,” he clai­med. “Ani­mals in the wild have no re­si­du­al stool on their anus.

seit ich mei­ne er­näh­rung auf zu­cker­frei, viel ge­mü­se, TK-obst, sehr we­nig fleisch, viel öl, hül­sen­früch­te, röst­aro­men und um­a­mi um­ge­stellt habe, kann ich o'­ma­ras be­ob­ach­tung teil­wei­se be­stä­ti­gen, muss ihr aber zu­gleich hef­tig wi­der­spre­chen: die stuhl­gän­ge ei­ni­ger wild­tie­re in den reh­ber­gen ha­ben hun­dert­pro­zen­tig spu­ren an de­ren anus­sen hin­ter­las­sen!


glei­ches, aber an­de­res the­ma: ganz stimmt „kein zu­cker“ na­tür­lich nicht. seit dem se­maglut­id ist mein ap­pe­tit auf süs­ses meis­tens non­e­xis­tenz, bzw. lässt sich (ab­sur­der­wei­se) mit ein paar ge­sal­ze­nen nüs­sen wirk­sam stil­len, soll­te er mal kurz auf­flam­men. und der milch­zu­cker in mei­ner mor­gen­lat­te mei­nem mor­gen­kaf­fee mit milch ist na­tür­lich auch zu­cker, ganau­so wie der zu­cker in man­chen asia­ti­schen sau­cen die ich ge­le­gent­lich noch be­nut­ze. aber ich schei­ne mich vom zu­cker ex­trem ent­wöhnt zu ha­ben, wie ich kürz­lich merk­te als das kind, das ge­ra­de zu be­such war, uns und sei­ner freun­din ein paar mac­a­rons back­te. na­tür­lich muss­te ich ei­nen pro­bie­ren. er war sehr le­cker, aber da­nach habe ich zum ersten­mal seit mo­na­ten ma­gen­schmer­zen be­kom­men. 


  1. den link auf die „wis­sen macht ah!“ pdf hab ich aus ei­nem ar­ti­kel von 2016 ge­prö­kelt. die way­back-ma­chi­ne-ver­si­on hält so­gar noch das ein­ge­bet­te­te mp4 der sen­dung über ex­kre­men­te ab­spiel­be­reit vor. ↑︎


At one point in our con­ver­sa­ti­on he pulled up the Bristol Stool Chart, which ranges from Type 1 (“separate, hard pellets”) to Type 7 (“watery, no solid pieces”). O’Mara is con­sis­t­ent­ly de­li­ve­ring Type 4 (“smooth, soft, like a snake”), with pointed ends, in­di­ca­ti­ve of healthy rectal function, he told me. “When you start eating healthy, you don’t need toilet paper,” he claimed.


jim­my carr

felix schwenzel in notiert

ich fin­de jim­my carr wahn­sin­nig un­sym­pa­thisch. aber auch wit­zig. sei­ne mo­de­ra­ti­on des bri­ti­schen lol (last one laug­hing) war gut und wit­zig. er lacht ko­misch. ob­wohl ich ihn un­sym­pa­thisch fin­de, mag ich ihn.

das ist ein phä­no­men, das ich im al­ter öf­ter er­le­be. ich muss leu­te nicht mö­gen um sie zu mö­gen. viel­leicht is­ses aber auch nicht das al­ter, son­dern die bri­ten. zum bei­spiel die bri­ten im bri­ti­schen lol: se­hen ko­misch aus, sind nicht wirk­lich sym­pa­thisch aber sind doch alle ir­gend­wie lie­bens­wert.

vor ein paar ta­gen habe ich die­sen schlim­men pod­cast mit jim­my carr und ka­the­ri­ne ryan ge­se­hen. das ge­spräch ist sehr in­spi­rie­rend für fremd­schäm-afi­ci­o­na­dos, aber weil bei­de es schaf­fen ihre pein­li­chen hal­tun­gen und an­sich­ten auf ver­schie­de­nen me­ta­ebe­nen zu re­flek­tie­ren habe ich bis mi­nu­te 40 durch­ge­hal­ten.

pein­li­cher­wei­se tei­le ich ei­ni­ge an­sich­ten von jim­my carr und eine idee ge­fiel mir be­son­ders gut. sinn­ge­mäss lau­tet sie:

What could you do to­day that you to­mor­row would be hap­py you did?

das ist in der tat ein wun­der­ba­res werk­zeug zur selbt­ma­ni­pu­la­ti­on. mei­ne, sehr viel pri­mi­ti­ve­re, ver­si­on die­ser idee re­sul­tier­te aus ei­ner be­ob­ach­tung: wenn man scho­ko­la­de oder süs­sig­kei­ten an ei­nem ab­sur­den ort la­gert, schafft man es manch­mal sie zu ver­ges­sen und sei­nem zu­künf­ti­gen ich eine gros­se freu­de zu ma­chen, wenn es die süs­sig­keit wie­der fin­det.

mir hilft die­se idee auch ge­le­gent­lich we­ni­ger zu es­sen. denn al­les was ich auf dem tel­ler oder der schüs­sel las­se, über das kann ich mich dann am nächs­ten tag beim res­tees­sen zum früh­stück freu­en.

die fra­ge, was man für sein mor­gi­ges ich heu­te tun könn­te, über das es sich mor­gen freu­en wür­de, scheint jim­my carr bei je­der ge­le­gen­heit zu wie­der­ho­len. zum bei­spiel bei die­sem auf­ttritt in frank­furt. dort zeigt sich jim­my carrs stär­ke, die viel­leicht auch sein schwä­che ist. er ist nicht nur vor­be­rei­tet wit­zig, son­dern auch spon­tan wit­zig und ernst. er schafft es nicht nur mit zwi­schen­ru­fern sou­ve­rän um­zu­ge­hen, er kul­ti­viert und or­ga­ni­si­ert in sei­nen shows of­fen­bar so­gar das zwi­schen­ru­fen. da­bei wan­delt er re­la­tiv ge­konnt zwi­schen wit­zig, ernst und be­lei­di­di­gend. aber ir­gend­wann er­schien mir carrs erns­te sei­te dann so pa­the­tisch, dass ich auch das vi­deo vom fran­fur­ter auf­tritt schlies­sen muss­te.

viel­leicht ist ge­plan­te am­bi­va­lenz heut­zu­ta­ge die ei­gent­li­che kunst? 




qt­vr re­kon­struk­ti­on

felix schwenzel in ix über wirres

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beim stö­bern im ar­chiv ges­tern ei­nen al­ten quick­time VR film ge­fun­den. mit QTVR konn­te man da­mals pan­ora­men sphä­risch dar­stel­len oder ob­jek­te dre­hen. das liess sich da­mals auch mit ei­nem quick­time plug­in im brow­ser im web dar­stel­len. mitt­ler­wei­le kann noch nicht mal mehr ma­cos sol­che fi­lem dar­stel­len.

mit ob­ject2vr und der hil­fe von cur­sor habe ich das wie­der re­kostru­iert, bzw. re­ani­miert: ix be­wegt. 





2005, als blog­gen noch po­ten­zi­al hat­te

felix schwenzel in artikel, teil der sammlung: #wahl05

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ich ge­hö­re nicht zu den leu­ten die die al­ten zei­ten im in­ter­net ver­mis­sen. ich fin­de das in­ter­net so wie es ist im­mer noch gut. ist halt noch un­über­sicht­li­cher ge­wor­den. 2005 war das in­ter­net klei­ner, aber auch schon gross und un­über­sicht­lich.

2005 hat­te sa­scha lobo noch kei­nen iro­ke­sen und er­klär­te an­de­ren das in­ter­net noch nicht. das hat 2005 ma­rio six­tus ge­tan, zum bei­spiel hier in der zeit.

im ar­ti­kel lässt er doc searls blogs er­klä­ren:

»Blog­gen ist wie Schnee­bäl­le ei­nen Hang her­un­ter­rol­len, man­che blei­ben lie­gen, an­de­re rol­len wei­ter, man­che wer­den so­gar rie­sig«, sagt Searls. Ein ein­zi­ger in­spi­rier­ter Ein­trag kann in der Welt der Blogs eine Ei­gen­dy­na­mik oh­ne­glei­chen ent­wi­ckeln. Da­her gilt die Blogo­sphä­re als Früh­warn­sys­tem für The­men, Trends und manch­mal so­gar Nach­rich­ten. »Blogs sind Ge­sprä­che«, per­si­fliert sich Searls selbst. Mit der Phra­se »Märk­te sind Ge­sprä­che« hat­te er vor sechs Jah­ren die Grund­la­ge des Clue­train Ma­ni­fests ge­legt.

heu­te sind blogs nur noch schnee­flo­cken.

2004 hat­ten „der ehe­ma­li­ge MTV-Mo­de­ra­tor Adam Cur­ry zu­sam­men mit dem Web-Ent­wick­ler und Blog-Guru Dave Wi­ner eine Me­tho­de, Au­dio­da­tei­en zeit­ver­setzt und au­to­ma­ti­si­ert in den Spei­cher von MP3-Spie­lern zu über­mit­teln“ er­son­nen. so lan­ge ist das schon her.

weil 2005 das wort „so­cial me­dia“ noch nicht ge­läi­fig war, schrieb ma­rio six­tus da­mals von ei­nem „hu­ma­ni­sier­tem netz“, da­mals be­stand die hoff­nung, dass das in­ter­net von men­schen ge­prägt wer­den kön­ne. kom­mu­ni­ka­ti­on, zu­sam­men­ar­beit, ver­trau­en und per­sön­li­che be­zie­hun­gen wür­den sich in und um blogs bün­deln — so die hoff­nung.

2005 fand ich, dass die­ser ar­ti­kel von ma­rio six­tus der „bes­te ar­ti­kel über blogs (ever)“ sei. so hab ich das da­mals auf­ge­schrie­ben in ei­nem ar­ti­kel den ich über ein in­ter­view schrieb, das ma­rin ma­ji­ca da­mals mit mir ge­fürhrt hat.

er woll­te mich in­ter­view­en, wir tra­fen uns um 18 uhr im star­bucks am ha­cke­schen markt. er kam fünf mi­nu­ten zu spät, aber ich schleim­beu­tel lob­te ihn für sei­ne pünkt­lich­keit. ich wur­de, par­tei­tags­ge­stählt, gleich in­ves­ti­ga­tiv: „le­sen sie blogs? wel­che?“. er log mich an: „ja. ein paar.“ na gut ein paar blogs kann­te er, aber von jam­ba und spree­blick hat­te er noch nix ge­hört. ich trug ihm mit mei­ner un­ver­bes­ser­li­chen ar­ro­ganz auf das zu goog­len und drück­te ihm den bes­ten ar­ti­kel über blogs (ever) in die hand, den ich zu­fäl­lig (wirk­lich), aus­ge­druckt, da­bei hat­te.

ma­rin ma­ji­ca in­ter­es­sier­te sich da­mals für mich, weil im (bun­de­tags-) wahl­kampf 2005 die da­ma­li­ge blog­platt­form um nico lum­ma blogg.de ein wahl­blog or­ga­ni­sisr­te, dass ein paar blog­ger, un­ter an­de­rem mich, zu par­tei­ta­gen schick­te. mit ein biss­chen pres­se­ar­beit mach­te das da­mals eine klei­ne wel­le in der jour­na­lis­ten­welt.

das press­echo zu mir hab ich da­mals hier fest­ge­hal­ten: re­spekt­los?

der ar­ti­kel von ma­rin ma­ji­ca ge­fiel mir da­mals (und heu­te) am bes­ten: Manch­mal schläft er ein (ar­chi­ve.org link)

Bei ei­nem Tref­fen in ei­nem Ber­li­ner Café de­mons­triert Schwen­zel ganz ne­ben­bei sei­ne Ar­beits­me­tho­den. Un­ge­fragt macht er mit dem Han­dy ein Foto des Ge­gen­übers, das er di­rekt in sei­nen Blog lädt. "Flick­rn" heißt das, be­nannt nach der da­für be­nutz­ten Soft­ware Flickr. Am Nach­mit­tag wird er noch ei­nen Kom­men­tar zu dem Ge­spräch mit dem Jour­na­lis­ten da­zu­stel­len. Für den ist das ge­wöh­nungs­be­dürf­tig: be­schrie­ben zu sein, be­vor man selbst be­schreibt.

auch die taz schrieb da­mals über mich und zi­tier­te mich:

Auch dass La­fon­taine so häu­fig das Wort „ich“ ver­wen­de­te, wur­de von Schwen­zel kom­men­tiert: „Da scheint sich eine neue Spiel­art im lin­ken Spek­trum ab­zu­zeich­nen: So­zia­lich­mus.“


so war das da­mals: das in­ter­net steck­te noch vol­ler hoff­nungs­froh stim­men­dem po­ten­zi­al und man konn­te auf­merk­sam­keit er­re­gen, in­dem man ein­fach ins in­ter­net schrob.

von der pro­gnos­ti­zier­ten hu­ma­ni­sie­rung des net­zes ist im grös­se­ren mas­stab — aus­ser pod­casts — nicht mehr all­zu­viel üb­rig. aber viel­leicht ja doch, nur eben et­was an­ders als wir uns das da­mals vor­ge­stellt ha­ben. das in­ter­net be­steht nach wie vor vor al­lem aus men­schen, mit all sei­nen vor- und nach­tei­len.

viel­leicht soll­ten wir wie­der mehr dar­über nach­den­ken wie wir die auf­merk­sam­keits­strö­me wie­der hu­ma­ni­sie­ren und aus den klau­en der gros­sen platt­for­men und al­go­rith­men be­frei­en — oder un­se­re klei­nen, über­sicht­li­chen re­so­nanz­räu­me aus­bau­en, wie ich es vor ein paar mo­na­ten mal hier skiz­ziert habe: ela­bo­rier­te kul­tur­tex­te