alles



Blogs sind ein wenig aus der Mode gekommen und damit auch die Lesungen, die noch vor zwanzig Jahren zahlreich in ver­schie­de­nen Städten statt­ge­fun­den haben. Aber es gibt sie noch, die Menschen, die seit über zwanzig Jahren ins Internet schreiben, weshalb es Zeit wird, dass die Blog­gen­den wieder live vorlesen und zwar in München.

re­tro find ich (in die­sem fall) gut. die lo­ca­ti­on hört sich sen­sa­tio­nell an. im box-ring le­sen. und vor­le­sen find ich auch gut und wo heut­zu­ta­ge ja an­geb­lich nei­mand mehr selbst liest passt das ja auch wie die faust aufs auge. ich wür­de ger­ne hin, wenn mün­chen nicht so weit weg wäre.




bild von der grossen wiese in den rehbergen. der sonnenuntergang ist gleichzeitig eine parzielle sonnenfinsternis, aber das erkennt man nicht.

schö­ner son­nen­un­ter­gang


nach­trag 20:45: fri­da und ich sind heu­te um 19:30 uhr noch­mal in die reh­ber­ge ge­gan­gen. wir wa­ren nicht die ein­zi­gen, die die­se idee hat­ten. aus­ser uns woll­ten of­fen­bar noch ei­ni­ge an­de­re die par­zi­el­le son­nen­fins­ter­nis heu­te abend se­hen.

se­hen konn­te man nicht viel, aus­ser dass sich das licht merk­lich ver­än­der­te, es wur­de an­ders dun­kel als sonst, ge­dimm­ter. al­les sehr fried­lich und schön.

nach­trag 13.08.2026: koltack weist dar­auf hin, dass man die ver­deck­te son­ne in den ka­me­ra­re­fle­xio­nen sieht (ein win­zi­ges, leicht grün­li­ches bild)

bild von der grossen wiese in den rehbergen. wegen der sonnenfinsternis haben sich recht viele leute versammelt und sitzen im gras.
eine fussgänger allee in den regbergen, ein baum ist warm vom licht der untergehenden sonne zum teil beleuchtet, sonst ist das licht eher kalt. im hintergrund, auf dem weg, sieht man ein paar.


spa­ghet­ti mit ro­te be­te pes­to

felix schwenzel in rezepte

ich habe ir­gen­wann ge­merkt, dass man pes­to aus fast al­lem her­stel­len kann. kräu­ter oder ge­koch­tes ge­mü­se mit nüs­sen, par­me­san und öl schme­cken im­mer. das hier schmeckt be­son­ders le­cker.

wenns schneller gehen soll, kann man die „grundlage“ auch weglassen und einfach das pesto mit nudeln vermengen.

ein weisser teller mit von rote bete pesto rot gefärbten spaghetti mit etwas gehobeltem parmesan, patersilie und zitronenzesten

zutaten

    pesto

    • 3 rote beten (oder eine grosse)
    • 3 knoblauchzehen
    • 75 g mandeln
    • 1 zitrone (saft und abgeriebene schale) oder eine halbe eingelegte zitrone
    • 40 g parmesan (oder mehr)
    • 80 ml olivenöl

    nudeln

    • 250 g spaghetti

    grundlage

    • 1 grosse scharlotte
    • 2 knoblauchzehen in scheiben geschnitten
    • olivenöl

    ergibt: 2 portionen

    zubereitung

      pesto

      1. rote beete kochen, dämpfen oder im ofen rösten (ich dämpfe sie mit der schale 40-60 minuten im dampfgarer). danach schälen und in grobe würfel schneiden.

      2. rote bete stücken mit 3 knobklauchzehen, 75 g mandeln, dem zitronensaft und der schale der zitrone, 40 g parmesan und 60 ml olivenöl pürieren. wie immer bei pesto: mehr parmesan und öl nach gefühl.

      nudeln

      1. spaghetti in salzwasser kochen, ein, zwei tassen vom kochwasser aufheben.

      2. in einer pfanne die in ringe oder scheiben geschnittene scharlotte und knoblauch in öl andünsten, danach mit nudelwasser und pesto zu einer sosse rühren und mit den nudeln vermischen. nach dem transfer auf teller kann man das noch mit petersilie oder zitronenzesten und zusätzlichem parmesan dekorieren.


      (re­zept 2017 bei anke grö­ner ge­fun­den, ar­chi­ve.org-link)



      plötz­lich ist das ori­gi­nal wich­tig

      felix schwenzel in artikel

      beim bild­blog wies lo­renz mey­er heu­te auf die­ses 40 mi­nu­ten lan­ge vi­deo hin. das vi­deo ist über syn­chron­spre­cher und wie sie sich von KI be­droht füh­len.

      YouTube Video Vorschaubild
      youtube-video laden, info, direktlink

      ich habe mich durch das gan­ze vi­deo ge­quält und kann es nicht emp­feh­len. aber wenn ich über das vi­deo schrei­be, dach­te ich, muss ich da durch.

      ich bin kein fan von syn­chro­ni­sa­ti­on, im ge­gen­teil. ich ver­mei­de so gut ich kann. in den letz­ten 20 jah­ren ist mir das dank des tech­ni­schen fort­schritts auch ganz gut ge­lun­gen. die ers­ten 30 jah­re mei­nes le­bens war ich der syn­chro­ni­sa­ti­on von fil­men und fern­seh­se­ri­en hilf­los und al­ter­na­tiv­los aus­ge­lie­fert. je­der film, jede fern­seh­se­rie wur­de kon­se­quent mit deut­schen stim­men über­bü­gelt.

      DVD-cover die es 2007 in der DVDthek gab, the wire, heroes, damages, cloverfield und ein hinweis: „neuheiten im original“ (das waren importierte DVDs, die noch nicht in deutschland vertrieben wurden)
      se­ri­en­aus­wahl in mei­ner DVD­thek um das jahr 2007 her­um

      mit dem auf­kom­men der DVD wur­den ori­gi­nal­ver­sio­nen leich­ter zu­gäng­lich. wenn ich mich recht er­in­ne­re, wan­del­ten sich vi­deo­the­ken so um 2003 bis 2005 lang­sam aber si­cher zu DVD­the­ken und mit DVDs hat­te ich end­lich eine wahl mir fil­me und se­ri­en auch end­lich im ori­gi­nal an­zu­schau­en.

      auf eine art bin ich den 30 jah­ren zwangs­syn­chro­ni­sa­ti­on dank­bar. al­les was ich in den ers­ten 30 jah­ren an me­di­en kon­su­miert habe, kann ich jetzt noch­mal völ­lig neu im ori­gi­nal ent­de­cken. vor ei­nem jahr hab ich mir alle fol­gen der mup­pet show an­ge­se­hen, da­vor ma­gnum PI. vor 15 jah­ren war ich er­staunt dar­über was für eine wei­che, erns­te, sym­pa­thi­sche stim­me ed­die mur­phy hat und dass er eben kein af­fi­ger schrei­hals ist.

      im vi­deo oben ma­chen ei­ni­ge deut­sche syn­chron­spre­cher dar­auf auf­merk­sam, dass das was sie tun kunst sei. dem möch­te ich nicht wi­der­spre­chen, aber die­se kunst ist eine kunst mit der ich nichts zu tun ha­ben will. so wie ich nicht auf ein auf ein de­ath me­tal kon­zert ge­hen möch­te oder in die oper. ich habe nichts da­ge­gen wenn syn­chron­spre­cher ih­rer kunst nach­ge­hen, so­lan­ge sie mich mit ih­rer kunst in ruhe las­sen. da sie mich 30 jah­re mei­nes le­bens nicht in ruhe da­mit ge­las­sen ha­ben, habe ich in die­ser zeit — und da­nach — al­ler­dings ein emo­tio­na­les mei­nungs­bild über die­se kunst ent­wi­ckelt. kurz ge­sagt: ich er­tra­ge die­se stim­men nicht, weil sie so glatt und gleich­zei­tig über­zeich­net, ge­stelzt und auf­ge­tra­gen sind. kein mensch auf der welt re­det so, wie syn­chron­spre­cher re­den. ich den­ke im kunst­kon­text ist das auch OK, nie­mand singt so wie opern­sin­gen­de sin­gen, nie­mand malt so wie ma­le­rin­nen ma­len, nie­mand tanzt so wie bal­let­tän­ze­rin­nen tan­zen.

      der witz ist: als ich vor ei­ner wei­le mal test­wei­se die stim­me der chatgpt-app ak­ti­viert habe, dach­te ich so­fort an syn­chron­spre­cher: viel zu viel pa­thos, emo­ti­on, mühe. al­les et­was zu doll auf­ge­dreht und eine durch­gän­gi­ge nu­schel-pho­bie.

      im vi­deo sagt pe­ter flecht­ner, der un­ter an­de­rem ben af­fleck syn­chro­ni­si­ert, an ei­ner stel­le:

      ich glau­be die leu­te wer­den ir­gend­wann auch ge­nervt sein wie­der von den ki stim­men.

      das glau­be ich auch, aber ich glau­be auch das vie­le leu­te von den syn­chron­stim­men ge­nervt sind. be­stimmt nicht alle, im ge­gen­teil, ganz of­fen­sicht­lich mö­gen die vie­le auch, aber ich fand es frap­pie­rend wie in dem vi­deo die gan­ze zeit dar­auf hin­ge­wie­sen wird wie scheis­se und pa­ra­si­tär KI ist, aber kaum dar­über ge­re­det wird, dass syn­chro­ni­sie­rung das ori­gi­nal ver­zerrt und um­in­ter­pre­tiert. ich ver­mu­te, dass vie­le fil­me­ma­cher syn­chro­ni­sa­ti­on ih­rer wer­ke nur we­gen kne­bel­ver­triebs­ver­trä­gen zu­las­sen. ich kann mir zu­min­dest nicht vor­stel­len, dass je­mand der jah­re­lang für ei­nen di­rec­tors cut kämpft es toll fin­det, wenn das werk dann noch­mal von syn­chron­stu­di­os neu in­ter­pre­tiert wird.

      hol­ly­wood­schau­spie­ler sind of­fen­bar zu pro­fes­sio­nell um sich on the re­cord ne­ga­tiv über syn­chro­ni­sa­ti­on aus­zu­las­sen. jo­die fos­ter hat in ei­nem in­ter­view mal dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie sich selbst in fran­zö­sisch syn­chro­ni­si­ert. das sei ein schwie­ri­ger, an­stren­gen­der job.

      So, I wish more ac­tors could do it, but I got to tell you it's re­al­ly hard. It's re­al­ly hard.

      aber sie weist auch dar­auf hin, dass die fil­me eben um­in­ter­pre­tiert wer­den:

      I was […] su­per­vi­sing the Ita­li­an and the Ger­man and the Spa­nish and all of that. It was so in­te­res­t­ing to see how all the dif­fe­rent ro­mance lan­guages would in­ter­pret and how the cha­rac­ter ch­an­ges in some ways in all tho­se lan­guages.

      jo­die fos­ter fin­det das auf eine art auf­re­gend, ich find es eher scha­de. vie­le leu­te fin­den es auch auf­re­gend ihre au­tos tie­fer zu le­gen oder spoi­ler dran­zu­kle­ben oder kaf­fee mit sprüh­sah­ne zu trin­ken. ich fin­de meis­tens das ori­gi­nal auf­re­gend ge­nug.


      wenn es tat­säch­lich so ist, dass die men­schen ihre syn­chron­stim­men lie­ben, dar­auf wei­sen die syn­chron­spre­cher und spre­che­rin­nen mehr­fach im vi­deo hin, dann gibt es ja ei­gent­lich kei­nen grund zur sor­ge für die bran­che. dann lehnt die mehr­heit ar­ti­fi­zi­el­le stim­men ab und die gros­sen strea­ming­an­bie­ter, film­stu­di­os, ver­mark­ter müs­sen nach­zie­hen und wei­ter schau­spie­ler fürs syn­chro­ni­se­ren zah­len.

      mei­ne ver­mu­tung ist al­ler­dings dass es den meis­ten men­schen egal ist. zu­min­dest den men­schen die jetzt schon syn­chro­ni­sier­te fil­me und se­ri­en ak­zep­tie­ren oder dem ori­gi­nal (mit un­ter­ti­teln) vor­zie­hen. die von den syn­chron­spre­chern viel­be­schwo­re­ne „deut­sche syn­chron­spre­cher-kul­tur“ hat über vie­le jahr­zehn­te im wört­li­chen sin­ne das ori­gi­nal mar­gi­na­li­si­ert und ent­wer­tet. war­um soll­te sich die­se mehr­heit — der das ori­gi­nal egal ist — jetzt plötz­lich da­für in­ter­es­sie­ren, ob die stim­men ori­gi­nal, kunst oder KI sind?