alles
willkommen zuhause, echo dot

tl;dr: ein amazon echo dot der zweiten generation lässt sich auch als esphome-voice satellit nutzen. ganz ohne internet, cloud oder amazon.
vor fast 10 jahren hab ich mir bei amazon einen echo dot gekauft. für ein paar jahre hatte ich spass damit, vor acht jahren zog dann ivanka bei uns ein. leider konnten wir ivanka nicht ivanka nennen, weil die wake-word-erkennung mit ivanka nie richtig funktionierte. deshalb nannten wir sie am anfang weiter alexa und später dann snips. snips war ein (quasi) open source projekt mit dem man sich einen lokalen, also nicht in der cloud laufenden, sprachassistenten selbst bauen konnte. der lokale teil war vorteilhaft, weil wir ivanka einfach weiterverwenden konnten, als sonos vor sieben jahren snips aufkaufte und dann im folgenden jahr abwickelte. snips funktionierte monatelang weiter, das blöde war, ohne die snips-infrastruktur könnte man nichts mehr am setup und den spracheinstellungen ändern.
in den folgenden jahren hab ich ivanka dann trotzdem mit verschiedenen unterbauten zuhause weiterbetreiben können. für ein paar jahre mit rhasspy und seit ein paar jahren geht das alles auch mit homeassistant alleine, auch weil der maintainer von rhasspy, michael hansen ins team home assistant wechselte.
jedenfalls hab ich den amazon echo dot nach der dekommisionierung nicht weggeschmissen, weil: man weiss ja nie. letzte woche hab ich mitbekommen, dass es ein projekt gibt, mit dem man echo dots der dritten und zweiten generation rooten und mit neuer firmware bespielen kann. den echo dot der zweiten generation, den wir haben, sogar ohne löten, nur mit einem micro-usb kabel an einer linux kiste.

das hab ich jetzt gemacht und damit ist ein traum in erfüllung gegangen: die ziemlich guten mikrofone, der okaye lautsprecher und das überragende gut trainierte wake-word „alexa“ kann ich jetzt ohne amazon komplett in home assistant benutzen. damit reiht er sich in die reihe meiner früher benutzten raspberry pis und jetzt genutzten home assistant voice pe voice satellites ein und lässt sich alles sagen, was ich mir in den letzten jahren ausgedacht habe. zum beispiel: „airfryer für 20 minuten einschalten.“ er funktioniert als mediaplayer, also home-assistant lautsprecher und auch weiterhin als bluetooth-lausprecher, wenn mans braucht.
das ganze funktioniert mit einer firmware die sich als esphome ausgibt, bzw. mit der esphome-api mit home assistant verbindet. mit den home assistant voice pe funktioniert das erfahrungsgemäss sehr stabil, mal sxhauen wie stabil die firmware auf dem echo dot läuft, ich gehe aber davon aus, dass das mindestens so gut funktioniert wie mit dem ha voice pe (der immerhin um die 60 € kostet).
das einspielen der firmware von echo-dot-assist sollte theoretisch ganz einfach gehen: repo clonen und scripts/setup.sh ausführen. nach dem rooten und dem vermeintlichen einspielen der neuen firmware oder firmware-ergänzung blieb die aber hängen und ich musste mich von chatGPT durch ein debugging und einen fix führen lassen. im prinzip war das aber reasonably einfach — und vor allem ohne löten oder adapter.
nach solchen erlebnissen wird es mir künftig noch schwerer fallen alte geräte wegzuschmeissen.
Turn Amazon Echos (Echo Dot 3, Echo Dot 2, Echo 2) into local Home Assistant voice satellites. Keeps Amazon's mic processing and wake word engine, replaces Alexa with a small C daemon speaking ESPHome or Wyoming. Multiroom music via Music Assistant, Bluetooth speaker and proxy, no cloud.
ich hasse smarthome apps

ich bin sehr froh, dass es endlich1 eine home-assistant-komponente für unseren airfryer gibt. die app, mit der man den airfryer fernbedienen und „programmieren“ könnte ist eine katastrophe und eigentlich, wie alle hersteller-spezifischen smarthome-apps, eine mit werbung und tracking vollgepackte frechheit. ich ärgerte mich also, seit dem der airfryer bei uns steht, mit dem berührungsempfindlichen plastik des airfryers rum und tippte für 20 minuten garzeit eben 20 mal auf die rechte ▲-„taste“.
nicht dass ich den airfryer, jetzt wo ich ihn endlich über home assistant steuern kann, grossartig automatisieren wollen würde. aber ich kann jetzt in der küche stehen und einfach sagen: „heissluftfriteuse 20 minuten“ und das ding geht für 20 minuten an. sollte ich es es heisser als die standardmässigen 180° haben wollen, kann ich (natürlich) auch: „heissluftfriteuse für 20 minuten auf 200 grad“ sagen.
- trigger: conversation
command:
# zeit + temperatur (für/auf … minuten, bei/auf/mit … grad)
- "[stell[e] ][den ]air[-]fryer [für |auf ]{1..60:minuten} [minuten] (bei|auf|mit) {40..200:temperatur} [grad]"
- "[stell[e] ][die ](heißluftfritteuse|heissluftfritteuse|heißluftfriteuse|heissluftfriteuse|fritteuse|friteuse) [für |auf ]{1..60:minuten} [minuten] (bei|auf|mit) {40..200:temperatur} [grad]"
- "air[-]fryer [für |auf ]{1..60:minuten} [minuten] (bei|auf|mit) {40..200:temperatur} [grad]"
- "(heißluftfritteuse|heissluftfritteuse|heißluftfriteuse|heissluftfriteuse|fritteuse|friteuse) [für |auf ]{1..60:minuten} [minuten] (bei|auf|mit) {40..200:temperatur} [grad]"
# nur Zeit → 180 °C
- "[stell[e] ][den ]air[-]fryer [für |auf ]{1..60:minuten} [minuten]"
- "[stell[e] ][die ](heißluftfritteuse|heissluftfritteuse|heißluftfriteuse|heissluftfriteuse|fritteuse|friteuse) [für |auf ]{1..60:minuten} [minuten]"
- "air[-]fryer [für |auf ]{1..60:minuten} [minuten]"
- "(heißluftfritteuse|heissluftfritteuse|heißluftfriteuse|heissluftfriteuse|fritteuse|friteuse) [für |auf ]{1..60:minuten} [minuten]"
der airfryer macht mich schon eine ganze weile sehr froh. das hatte ich vor der anschaffung nicht für möglich gehalten. seit wir den haben, läuft die kiste fast jeden tag. aber das ding jetzt endlich programatisch steuern zu können macht mich noch froher.
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das reverse engineering der homeID-infrastruktur hat ungewöhnlich lange gedauert. mittlerweile kaufe ich netzwerkfähige geräte ohne vorher gossartig zu prüfen ob sie mit home assistant funktionieren — einfach weil ich die erfahrung gemacht habe, dass sich alles integrieren lässt. beim philips-gedöns war das über ein jahr lang nicht der fall. ↑︎
morgenspaziergang 04.10.2026
gestern beim morgenspaziergang über dinge nachgedacht, die ich relativieren könnte. ich war ja vor ner weile mal genervt von einer kampagne die dazu aufrief weniger (filme und fernsehserien) zu streamen um die welt zu retten. abgesehen davon dass sich das shift project, das die studie damals veröffentlichte und zur internet-enthaltsamkkeit gegen die klimakatastrophe aufrief, sich ordentlich verrechnet hatte.
ich hab beim morgenspaziergang unter anderem darüber nachgedacht, dass die kino-vorführung eines films ja auch nicht gerade klimaneutral ist. so ein kinosaal wird klimatisiert, der projektor und der raum brauchen strom, nicht alle vorstellungen sind ausverkauft und zuschauer müssen anreisen. wenn sie das mit dem auto tun sind auch schnell ein paar kilogramm CO₂ produziert.
solche CO₂ rechnungen und unkenrufe zu neuen technologien ermüden mich nicht allein wegen ihrer gelegentlichen unüberschaubarkeit und komplexität, sondern auch weil sie — und vor allem die berichterstatung darüber — so selten den gewinn, die vorteile, mögliche positive entwicklungen mit in betracht ziehen.
mir fiel jedenfalls wieder ein, wie schwierig es früher™ überhaupt war an informationen zu kommen. ich hatte das glück in einem haushalt zu leben, in dem ständig sehr viel bedrucktes papier gekauft wurde und fand so relativ viel lesestoff vor. als ich so um die 15 jahre alt war entdeckte ich auch die stadtbibliothek aachen. ich erinnere mich noch gut daran, dass ich beim browsen in den regalen laufend potenzielle antworten auf die grossen fragen des lebens entdeckte. eins der ersten bücher, das ich mir als junger teenager dort auslieh, war ein buch über zufall und wahrscheinlichkeitsrechnung. ich kämpfte mich durch das buch und bekam damit eine grobe vorstellung der wahrscheinlichkeitsrechnung, der gaußschen normalverteilung und lernte ein paar tricks fürs spielkasino.
natürlich bekamen wir auch in der schule bücher, aber wirklich mit büchern zu arbeiten, mir themen aus büchern zu erarbeiten oder das was man recherche nennt, das hab ich erst 18 jahre nach meiner geburt in einer amerikanischen highschool gelernt. die highschool die ich dort besuchte war eigentlich nicht besonders gross oder fancy, aber sie hatte eine jederzeit zugängliche, gut sortierte bibliothek mit einer eigenen bibliothekarin. das kannte ich aus deutschland nicht. im prinzip habe ich dank der bibliothek und der möglichkeit, ein term-paper zu einem frei wählbaren thema zu schreiben, in der amerikanischen highschool das recherchieren und schreiben gelernt.
diese bibliothek an der steilacoom highschool war damals genauso wie heute das internet ein angebot das man wahrnehmen oder ignorieren konnte. so wie ich mich heute im internet zu einem thema durchschlängeln kann — zum beispiel von einem veritasium video zu bayes theorem zu einem wikipedia artikel zu nate silvers the signal and the noise oder zu weiterer literatur — genauso kann ich mich auch in meinem instagram-feed dummscrollen.
abgesehen davon, dass ich froh bin nicht mehr jung zu sein, wenn ich nochmal jung sein müsste, würde ich eine jugend in unserer internet- und KI-welt meiner jugend in der papier- und gatekeeper-welt vorziehen. gezielte informationsbeschaffung und ungezielte neugierbefriedigung sind in unserer vernetzten welt potenziell so viel besser, zugänglicher und vielfältiger. sogar bibliotheken sind durch die vernetzung besser geworden.
aber eigentlich wollte ich ja relativieren.
mir fiel beim querlesen des archiv des pessimismus wieder auf, wie wir mit dem aufkommen fast jeder neuen technologie und mit jeder neuen generation das schlimmste erwarten: verdummung, krankheit, verarmung, zerstörung der welt. pessimismus hat oft einen wahren kern, genau wie populismus sich auch oft an tatsächlichen problemen kristallisiert. genauso haben werkzeuge und technologien meistens sowohl das potenzial zum zerstören als auch zum kreieren. ich habe jahrelang als schreiner mit grossmaschinen gearbeitet mit denen man sich und anderen furchtbare verletzungen zufügen könnte. aber weil ich einerseits (ein bisschen) in ihre bedienung eingearbeitet wurde und ich andererseits um ihre gefährlichkeit wusste, habe ich sie mit respekt und umsicht bedient.
messer, schere, licht, sind für kleine kinder nicht ist kein besonders nützlicher tipp. meideverhalten ist nicht immer die beste lösung. besser ist oft den umgang mit vermeintlich gefährlichen dingen zu verändern oder pragmatisch anzugehen. licht ist mittlerweile extrem kindersicher seit wir es nicht mehr in öllampen mit streichhölzern einschalten, es gibt kinderscheren und kindern den respektvollen und umsichtigen umgang mit messern (unter aufsicht) beizubringen scheint mir klüger und erfolgversprechnder als ein pauschalverbot.
richtig — glaube ich zumindest — ist es, fortschrittpessimismus mit geanau so viel skepsis zu begegnen wie fortschrittsoptimismus. aber bei skepsis sollten wir, wie bei allem anderen im leben, mass halten. gutgläubigkeit ist genauso ungünstig wie absolute ablehnung, zuviel salz genauso ungeniessbar wie keins.
ich frage mich immer ob menschen, die der jugend von heute dummheit oder faulheit oder verweichlichung oder radikalität (oder das gegenteil, je nachdem was gerade in der pessismus-szene en vogue ist) andichten, eigentlich merken, dass sie sich mit ihrer einschätzung in eine jahrtausende alte tradition einreihen. natürlich kann man die jugend kritisieren, natürlich muss die gesellschaft grenzen setzen und (immer wieder neu) ausloten wohin wir uns bewegen wollen und was wir bewahren wollen und was wir bereit sind aufzugeben. aber dabei sollte man nie die neugier aufs neue und unbekannte verlieren, nur weil das alte, bekannte so bequem oder eben bekannt ist.
steve jobs sagte in seiner stanford commencement speech von 2005 sinngemäss, dass der tod wahrscheinlich die beste erfindung des lebens sei: er schaffe platz für neues, indem das alte verschwinde. insofern könnte man die geringschätzung der jugend oder von neuen formen der sprache oder neuen technologien und medien sicherlich auch als furcht vor der eigenen bedeutungslosigkeit sehen. also letztenendlich als furcht vor dem tod.
andererseits kann man furcht vor stillstand oder rückschritt natürlich genauso als furcht vor bedeutungslosigkeit sehen; schnell mal was neues/grosses/irres schaffen um mich unvergessen zu machen. aber mein punkt ist glaube ich eher, dass ich extremen gewissheiten aus prinzip misstraue. wobei wir wieder bei der gaußschen normalverteilung sind und ich am ende meiner überlegungen vom morgenspaziergang.

es gibt glaube ich nicht viele, die in meinem ziemlich unstrukturierten bookmark-fluss mitlesen. freut mich dass du da offenbar nicht nur gelegentlich reinschaust, sondern auch ein via setzt.




