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ATproto 101
guter, ausführlicher erklär-artikel von jan montag über die „gute Idee“ ATproto, also das protokoll das hinter blue-, black- oder eurosky steckt.
[Damit wird] theoretisch möglich […], dass du deine Identität endlich mitnehmen kannst. Überleg dir die Löschung deines Instagram oder Facebook oder X Accounts. Das wars. nicht so jetzt. Hier kann du die App wechseln und trotzdem alles mitnehmen.
auf einem PDS, dem „personal data server“, sind beim ATprotokoll alle daten gesichert, in verschiedenen schichten, die identität, der soziale graph, beiträge, app-daten. der PDS wird von jemandem zentral betrieben, lässt sich aber umziehen, mit allen daten und (im prinzip) auch mit dem benutzernamen. APPs sind im prinzip das schaufenster auf diese daten.
mein PDS liegt derzeit noch bei bluesky, in den USA. weils geht und aus prinzip werde ich den in nächster zeit zu eurosky migrieren. damit sollte sich weder etwas an meinem bluesky-konto ändern, noch auf irgendeinem anderen konto das ich mit meinem ATmosphere-konto nutze (zum beispiel standard-reader, blento, sill oder popfeed).
so einen PDS kann jeder betreiben, allerdings ist das genauso undankbar und viel arbeit, wie einen eigenen mail- oder mastodon-server zu betreiben:
Föderation ist nicht schwer, weil Protokolle schwer sind. Föderation ist schwer, weil Betrieb schwer ist. Updates, Abuse, Spam, DDoS, Moderation, rechtliche Geschichten, Kosten, Backups – das ist nicht romantisch, das ist Alltag. Und dieser Alltag führt fast automatisch dazu, dass sich wieder zentrale Anlaufstellen bilden.
jans fazit, trotzdem und mit einem aufruf zur wachsamkeit:
ATProto ist eine wirklich elegante Idee: Schichten trennen, Identität portabel machen, Apps austauschbar machen. Bluesky hat damit ein Fenster geöffnet.
Aber Fenster sind nur Fenster. Wenn du nicht durchgehst, wird es wieder zugemauert.
und seine kurzfassung um den unterschied zwischen ATproto (atmosphere) und ActityPub (fediverse) zu erklären:
Fediverse = „viele Dörfer, Post wird zwischen Rathäusern ausgetauscht“;
ATProto = „du hast dein eigenes Haus (PDS), aber die großen Straßenkarten (Index/AppView) entscheiden, wer dich findet.“
ich würde ergänzen:
fediverse: viele autonome dörfer, die sich auf ein austauschformat geeinigt haben, die daten aber im dorf speichern.
atmosphere: grosse datenlagerhäuser die mit glasfaser vernetzt sind, an die sich dörfer, bastler, werkstätten oder konzerne andocken können und geregelten zugriff auf die lagerbestände bekommen und auch selbst lagerfläche anmieten können. die inhalte (fast) aller lagerbestände sind — nach bestimmten regeln — auch wieder für alle anderen zugänglich.
beide protokolle haben ihre vor und nachteile. wir brauchen keine monokulturen, im gegenteil, RSS ist nicht durch activitiPub überflüssig geworden, standard.site wird RSS auch nicht verdrängen. protokolle können nebeneinander existieren, man kann brücken bauen, protokolle könnnen zusammenwachsen oder sich spezialisieren. in beiden genannten protokllen stecken ungehobene potenziale — und das ist das eigentlich spannende.
ich für meinen teil spreche gerne mit allen. ich mag es, wenns ein bisschen kompliziert ist.
p.s.: hier kann man jan montags artikel (wie ich) hochvoten: https://bubbles.town/entry/38217373
(man muss sich nur mit seinem fediverse handle anmelden)
durch die nacht fahren
ich habe 40 minuten dieses achtstündigen videos gesehen und gehört, das volker weber bei sich eingebettet hat. nach zwei minuten habe ich aus unerklärlichen gründen damit gerechnet, dass sich der balkon, auf dem lewis hamilton sitzt, als der balkon eines kreuzfahrtschiffs herausstellt und langsam aus dem hafen von monaco herausgleitet.
ich sitze sehr gerne auf balkonen, aber noch lieber hinter geöffneten balkontüren. hinter balkontüren kommt mir die möblierung meistens mehr entgegen als auf dem balkon. ich sitze gerne am schreibtisch, auf einem sofa oder liege gerne im bett. auf dem balkon selbst ist das meistens nicht möglich. der stuhl auf dem lewis hamilton im video sitzt, sieht auch nicht besonders gemütlich aus. ich vermute hinter der balkontüre könnte er gemütlicher sitzen.
im winter sehne ich die zeit herbei, in der ich zuhause die balkontür wieder öffnen kann. ich mag es, wenn vor dem balkon die welt vorbeizieht. die geräusche die von draussen nach innen dringen sind nicht immer angenehm oder entspannend, aber das sind sie in cafés auch nicht immer — und trotzdem finden fast alle menschen café-geräuschkulissen angenehm. so wie fast alle menschen kaffeehaus-geräuschkulissen angenehm finden, finde ich strassenlärm angenehm. vielleicht auch, weil diese geräuschkulisse den kontrast zur relativen ruhe der nacht deutlich macht. ruhe ist ja immer relativ. oder anders gesagt absolute ruhe ist unangenehm. ruhe bei der es plätschert, zwitschert, glocken klingen oder menschen leise reden ist die beste.
nachts gemütlich, bei (relativer) ruhe hinter einer geöffneten balkontür zu sitzen ist toll, aber noch besser ist es, wenn der balkon leise durch wasser gleitet. genau das ist die eindrücklichste erinnerung die ich an meine letzte, erste und einzige kreuzfahrt habe. da sass ich nachts, bei (relativ) absoluter rühe hinter der geöffneten balkontür meiner kabine, draussen plätscherte das wasser leise und am horizont sah ich lichter von siedlungen an land vorbeiziehen. das war toll und ich denke da oft dran.
mit dem zug durch die nacht zu fahren ist auch toll. aber züge sind zu schnell, als das man länger als fünf minuten gemütlich hinter einem geöffneten zugfenster sitzen könnte.

(via)
nachzügler, aber gerne gelesen.
tolles bild, laut dem geotag im amerikanischen schilder-museum in cincinnati.
Es interessiert keinen, ob du Zucker isst. Nur dich selbst



