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alles
wunder(n)
ich mag keine lamentos und deshalb werde ich mich auch nicht, zum beispiel, dem lamento, dass niemand mehr liest anschliessen. aber mir ist aufgefallen, dass wir uns sehr wenig wundern.
zunächst kann man sich ja schon allein über die schönheit des wortes „wundern“ freuen. wenn man ein wunder erlebt oder empfindet, wundert man sich. dann ist es wahrscheinlich auch so, dass der mangel am wundern bestimmt auch nichts neues ist. uns erscheint ja nach einer gewissen zeit der gewöhnung alles um uns herum als normal. anders kann man wahrscheinlich auch nicht bei sinnen bleiben und deshalb nennt man diese gewöhnung ja auch sozialisation. ohne sozialisation, also gewöhnung an den alltag, an die umwelt, wären wir wahrscheinlich permanent überfordert.
aber genau genommen, mangelt es nicht an dingen über die es sich zu wundern lohnt. mir fiel das heute früh beim morgenspaziergang auf, als ich (unter anderem) auch mal kurz an meine letzte darmspiegelung denken musste. der wohnte ich bei vollem bewusstsein bei und verfolgte sie verwundert auf dem fernseher. heute früh dachte ich, dass wir ja mittlerweile erstaunlich viel davon verstehen wie menschliche körper funktionieren, aber gleichzeitig auch nicht.
was für ein wunder, dass sich aus zellen, einer eizelle und einem spermium, kohlenhydraten, wasser, luft und viel liebe so ein komplexes geflecht aus zellen bildet, dass mit ein bisschen wartung achtzig, neunzig jahre lang funktionsfähig bleibt? wir haben das über tausende jahre beobachtet und angefangen zu verstehen, aber verwunderlich ist das weiterhin.
irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass wissenschaft eine viel bessere methode ist als religion um an wunder zu glauben. jede wissenschaftliche frage die wir klären, wirft immer neue fragen und wunderlichkeiten auf. es ist soviel spannender sich in gedanken über schwarze löcher und das ende der zeit in der singularität zu verlieren, als sich gedanken über die jungfräulichkeit von maria oder die vermeintliche auferstehung eines leichnams vor 2020 jahren zu wundern.
als wir frida vor 6 jahren bei der züchterin abgeholt haben, hat sie sich auch über alles gewundert, aber ständiger körperkontakt, eine unersättliche jugendliche neugier und viel schlaf haben ihr geholfen diese druckbetankung mit eindrücken zu verarbeiten. so dürfte das bei uns alle in den ersten lebensjahren auch gewesen sein, aber es ist gut, wenn man da nochmal dran erinnert wird.
ich vergesse das wundern auch immer wieder. was mich gelegentlich triggert und in einen zustand des staunens versetzt, sind technische details die ich entdecke und mich unnötig stark beschäftigen. wie jetzt zum beispiel in den letzten tagen, dass ich mit ein bisschen json einfach ganze artikel, inklusive bilder und metadaten in die welt blasen kann, die auch lesbar bleiben, wenn ich mein blog kaputt-optimiere oder irgendwann nicht mehr bezahlen kann.
aber wie gesagt, das soll kein lamento sein, sondern nur eine erinnerung daran, wie aufregend es sein kann, sich gelegetlich über vermeintliche selbstverständlichkeiten zu wundern.
lesen
What an interesting article to read, if you still can
der von volker verlinkte artikel von tyler jagt hat den titel: „My Students Can’t Read“ und geht darum, dass jede generation von lehrkräften darüber klagen würde, das ihre studierenden nicht lesen könnten. tyler jagt meint das sei immer übertrieben gewesen, aber jetzt könne man das auch mit daten belegen.
was ich witzig fand: über dem artikel ist ein player eingebettet, der dafür sorgen soll, dass man den artikel nicht lesen muss, sondern ihn sich vorlesen lassen kann.

das ist schon sehr, sehr witzig.
der player lädt über archive.li nicht, aber wenn man auf die originalseite des artikels auf chronicle.com geht, kann man den artikel weder lesen, noch anhören, sondern muss sich erstmal anmelden. nach der anmeldung konnte ich den artikel immer noch nicht lesen, weil chronicle.com wollte, dass ich mein pi.hole deaktivier.
das ist ein untrügliches zeichen für einen weiteren grund, dass angeblich niemand mehr liest: weil einem das lesen zunehmend schwer gemacht wird.
es sind nicht nur die telefone, algorithmischen feeds oder LLMs, sondern auch die unfähigkeit und der unwille texte überhaupt ablenklungsfrei zum lesen anzubieten.
ich muss beim lamentieren darüber, dass niemand mehr lesen kann, auch immer an neil postman denken. der hat das ende der lesekultur schon alles vor 40 jahren postuliert (SNCNR). ein paar hundert jahre vorher wurde das lesen noch als schädlich eingestuft, zumindest dann, wenn alte weisse männer den lesetext nicht für hochwertig genug hielten. jetzt wirds lesen und denken zum „luxusgut“:
In July 2025, the journalist Mary Harrington argued in The New York Times that “thinking is becoming a luxury good.”
die bild zeitung ist jetzt über 70 jahre alt. zumindest in den 60er und 70er jahren hatte die bild ein vielfaches, teils ein fünf bis 20 faches der auflage von zeitungen und zeitschriften mit etwas längeren texten und normal grossen buchstaben. ich glaube zu behaupten, dass lesen auf eine gewisse art immer schon ein luxusgut war ist nicht übertrieben.
dazu kommt, dass lesen meiner meinung nach sowohl überschätzt, als auch interschätzt wird. mit der fähigkeit zu lesen konnte man sich immer schon grosse vorteile verschaffen. oder gute unterhaltung. mittlerweile (eigentlich aber auch schon immer) kann man auch ohne zu lesen vorteile und wissen und unterhaltung sowieso verschaffen.
ich habe dem lesen viel zu verdanken, aber gelernt habe ich neben dem lesen schon immer auch visuell, verbal oder haptisch. die fähigkeit zu denken oder sich auszukennen allein an lesebefähig festzumachen ist auf jeden fall etwas kurz gegriffen. das mag in akademischen oder wissenschaftlichen bereichen anders sein und was tyler jagt und diverse studien beobachten wird im jeweiligen kontext sicher alles stimmen, aber vor generalisierungen sollte man sich immer hüten (pun intented).
Das Gedankenspiel, was eigentlich anders wäre, wenn Frauen an der Macht wären, führt Ladies First in eine Welt, in der Frauen sich komplett egoistisch verhalten und nur auf ihr eigenes Wohl bedacht sind. Sie übernehmen keine Verantwortung für Sorgearbeit, belegen selbstverständlich alle Führungspositionen, fördern sich nur gegenseitig. Männer betrachten sie als ungleichwertig, als Lustobjekte, die hübsch anzusehen, aber nicht ernstzunehmend sind.
Selbst als Spiegel des Patriarchats wäre das äußerst plump und vielleicht in den 1950ern als gelungene Satire durchgegangen.
google reader v3, ohne google, verteilt
ich will nicht übertreiben, aber wenn ich potenzial sehe, sehe ich potenzial. die beschäftigung mit dem #standard.site-gedöns hat jetzt dazu geführt, dass ich artikel hier oder hier sehen oder hier finden kann. also quasi überall wo man das AT-protokoll und standard.site-schemata spricht.
das protokoll, aber auch die implementierung von beispielsweise der standard-reader.app hat alles was der google reader damals™ konnte: feeds folgen, menschen folgen und abonnieren, weiter-empfehlen und teilen. derzeit ist die anmeldung relativ exklusiv über bluesky, aber das protokoll dahinter ist offen und es sollte entsprechend auch irgendwann alternativen oder erweiterungen geben. und natürlich ist auch das standards.site-format noch nicht besonders verbreitet, aber matthias pfefferle und automatic arbeiten daran, dass alle wordpressblogs das können wenn sie wollten.
und es ist schön zu sehen, wie sich dinge manchmal fügen. vor dem wochenende habe ich mir eine markdown-ausgabe für beiträge gebaut, jetzt nutze ich markdown um (neue) beiträge im markdown-volltext in die ATmosphere zu blasen.

ATmosphere
das ist ein veritables rabbit hole in das ich mit dem standard.site-gedöne gestern gefallen bin.
ich habe gelernt, dass es neben dem fediverse auch eine ATmosphere gibt, hinter dem fediverse steckt das activity-pub protokoll und hinter der ATmosphere steckt das AT-protokoll. und nachdem ich mich gestern durch die spezifikationen und umsetzungsoptionen gewühlt habe, zeigt sich, dass die ATmosphere bereits gut mit inhalten aus wordpress-blogs gefüllt ist, weil der umtriebige matthias pfefferle nicht nur das activity-pub protokoll in form eines wordpress-plugins einem breiten blog-publikum zugänglich gemacht hat, sondern auch einen plugin namens wordpress-atmosphere baut. wer das nutzt und konfiguriert hat landet in der ATmosphere firehose.
ich habe mich mal imn der standard-reader.app angemeldet und ein paar abos gesetzt. dort findet man alle blogs die ihre beiträge im standard.site-format im AT-protokoll veröffentlichen oder anteasern.
ich bin ein viel zu grosser fan von RSS um RSS in naher zukunft abzuschreiben, aber dieses neue format auf basis des AT-protokolls ist schon „RSS done right“, wie ich gestern irgendwo gelesen habe. neue beiträge müssen nicht abgerufen werden, sondern werden gepusht, die nutzung mit einem client hat das potenzial kindereinfach zu sein und die inhalte in die ATmosphere zu blasen ist dank matthias pfefferle (für wordpress-nutzende) auch kinderleicht. ich hab weiter RSS, aber jetzt auch was im AT-protokoll. nächster schritt: auch mit volltext. dann steige ich aber für ein paar wochen aus dem rabbit hole aus und schau mir die entwicklung dann später nochmal an.
wassermelonensalat nach ottolenghi
das ist ein sehr dankbarer und einfacher salat aus ottolenghis nopi. man kann einfach alle zutaten zusamenschmeissen und verrühren oder die melone auf einem teller oder einer schale drappieren und mit dem dressing dressen und dem feta bestreuen. genauso kann man beliebige zutaten weglassen. mehr geht auch immer, ich glaube wir nehmen immer mindestens 250 g feta.
schmeckt immer.
wir haben heute den basilikum weggelassen und statt einer chili, sambal olek genommen. kräuter hatten wir heute nur minze, getrockneten thymian und rosmarin. auf die eingelegten zitronen aus dem arabischen supermarkt (oder mit etwas vorlauf selbstgemacht), möchten wir allerdings ungern verzichten.

zutaten
- 1 kleine wassermelone
- 50 ml olivenöl
- 1 mittelgroße rote chilischote (in dünne ringe geschnitten) oder 1 el sambal olek
- 1 kleine knoblauchzehe (oder mehr)
- 3 thymianzweige (oder getrockneter thymian)
- 1 rosmarinzweig (oder getrocknet)
- 25 g eingelegte zitronen
- 25 schwarze Kalamaza-Oliven (100g)
- grobes meersalz und schwarzer pfeffer
- 100 g feta
- 10 g basilikumblätter
- 10 g minzblätter
zubereitung
-
wassermelone schälen und in würfel schneiden und in schalen oder teller verteilen.
-
aus den restlichen zutaten, ausser dem feta, ein dressing rühren.
knoblauch quetschen, eingelegte zitronen in feine streifen oder würfelchen schneiden, oliven auch kleinschneiden, frische kräuter sehr fein schneiden, getrocknete kräuter ein bisschen verreiben. -
dressing auf den melonenstücken verteilen, feta darüber krümeln oder vorher in würfel schneiden und dann über der melone verteilen.
hier und hier hatte ich den salat schonmal gepostet. aber ehrlichgesagt tun die alten fotos dem salat etwas unrecht.
standard.site
bei maurice habe ich vor ein paar stunden diesen artikel gelesen: IndieConnector und standard.site. standard.site? nie gehört, also hab ich angefangen mich einzulesen und LLMs meines vertrauens um erklärungshilfe gebeten.
bevor ich die frage was das eigentlich genau ist beantwortet, bzw. verstanden hatte, fragte ich chatGPT wie ich das nutzen könnte. ich verstehe technisches gedöns am besten während des machens. also habe ich mich an der doku entlanggehangelt und erstmal in einem „PDS“ einen site.standard.publication eintrag (record) angelegt.
PDS ist ein personal data server, also ein server auf dem meine daten für das AT-protokoll liegen. in meinem fall ist der bluesky-server der einzige AT-protokoll server den ich derzeit nutze. da ich mit der web-app von bluesky nicht auf die site.standard oder irgendwelceh anderen einträge schreibend zugreifen kann, nutze ich pdsls.dev. dort kann ich mich mit meinen bluesky-konto authentifizieren und dann einträge anlegen und editieren.
später habe ich dann gesehen, dass mat marquis den prozess hier genau erklärt hat: Implementing Standard.Site
aber ich habe mich da mit LLM-hilfe erstmal selbst durchgehangelt. so sehen meine einträge bei pdsls.dev aus.

unterwegs habe ich dann langsam verstanden was das ganze soll.
- site.standards.publication verknüpft wirres.net mit meiner bluesky identität (@wirres.net)
- ich kann blogeinträge im AT-protokoll registrieren und damit mit meiner bluesky identität verknüpfen
hört sich erstamal unspektakulär an und ist es auch. der direkt sichtbare nutzen ist eine extra zeile bei der link-vorschau.

im prinzip kann ich meine blogbeiträge jetzt ins AT-protokoll auf den bluesky-server kopieren. praktisch übermittle ich momentan nur ein paar metadaten von neuen artikeln, aber mit dem veröffentlichen eines neuen artikels kann ich genauso gut den volltext mitschicken. ob und wer das dann konsumiert ist eine andere frage, aber die artikel sind dann, wie RSS, mit den entsprechenden clients konsumierbar.
warum das relevant ist, oder warum mich das interessiert, erklärt steve dylan:
Thankfully, atproto is paving a different path. Instead of using the old platforms owned by the 1%, people are building solutions that are owned by everyone. One community built solution is Standard.site, a set of JSON schemas known as lexicons that finally give hope to solving the content distribution problem. When a blog, or any app for that matter, uses the Standard.site lexicons, the published content can be indexed by just about anyone. That index can be used to build so many mechanisms for distribution, and none of it is controlled by one individual or organization. You can control how you explore and consume that content.
ich bin ja der überzeugung dass jeder meine inhalte so lesen soll wie er oder sie es will — und vor allem wo er oder sie das will. um meine beiträge zu lesen muss niemand im browser auf wirres.net vorbeikommen. rss reicht. als man bei facebook (vor vielen jahren) instant articles veröffentlichen konnte, hab ich das gemacht und man konnte wirres.net in der facebook-app oder website lesen. würde es einfacher gehen oder würde noch irgendwer medium.com nutzen, würde ich alle meine artikel dorthin syndizieren — aber da ist ja, soweit ich sehe, neimand mehr. die quelle ist immer hier auf wirres.net, korrekturen, edits oder ergönzungen werden automatisch per RSS weitergegeben und so verspricht auch das standard.site-protokoll zu funktionieren. finde ich also gut und spiele da ab jetzt mit rum.
mal schauen wo das hinführt, auf jeden fall sind solche technologien für das offene web gut und spannend.
nachtrag 08.06.2026:
wenn ich meine blogposts ins AT-protokoll kopiere, was ich bis jetzt nur mit den metadaten mache, sind sie öffentlich zugänglich und mit entsprechenden clients auffindbar. das hab ich oben ja schon geschrieben. und so sieht das dann für die beiden beiträge, mit denen ich das bisher gemacht habe, aus, hier auf pckt.blog, docs.surf und standard-search
standard-reader.app ist wie ein RSS-reader für publikationen die per standard.site veröffentlichen. man meldet sich mit seinem bluesky-konto an (bzw. dem AT-protokoll handle) und kann dann einzelnen publikationen folgen oder suchen.














gleich nachgekocht, auf ne art, und es war gut. vor allem gelernt: für so ein gericht ist es wirklich von vorteil alle zutaten in etwas gleich grosse stücke zu schneiden, die pfanne muss ordentlich heisse sein und alles ständig in bewegung bleiben. dann wird aus dem fried rice sogar ohne reis ein leckeres gericht.