Ich verstehe deshalb unter Freiheit auch nicht, dass ich nicht mehr von äußeren Einflüssen bestimmt und geprägt bin, sondern dass ich innerhalb dieser Verhältnisse meinen eigenen Wünschen und Vorstellungen folge (und nicht den Vorgaben anderer, zum Beispiel, um Konflikte zu vermeiden). Freiheit entsteht für mich aus einer inneren Haltung, sie ist eine politische Praxis im Umgang mit der „Welt, so wie sie nun einmal ist“ und ist nicht ein Ziel, das sich erst dann erreichen lässt, wenn die Welt ganz anders geworden ist. Oder anders gesagt: (ausgeübte) Freiheit ist die Voraussetzung dafür, dass die Welt sich zum Besseren verändert, nicht anders herum.
obwohl hundebesitzer seit ein paar tausend jahren feststellen, dass hunde gefühle und empathie besitzen, glauben wissenschaftler das erst, wenn sich jemand mit einem weissen kittel aufnahmen von spielenden hunden in zeitlupe ansieht.
schwierige gemengelage, ein konzern der produkte auf den markt wirft, die manchen menschen unbehagen bereiten, nutzer die glauben, dass menschen die unbehagen gegenüber diesen produkten doof, unwissend oder ungebildet sind und ein starkes sendungsbewusstsein haben und algoritmen, die entgegen aller beteuerungen, die eigenen produkte in suchergebnissen bevorzugen.
was ganz anderes: wie würde man glasshole am besten übersetzen? glassloch oder glarschloch?
wunderbar differenzierte auseinandersetzung mit dem öl und sand in unseren gesellschaftlichen getrieben von gregor keuschnig:
Eine Gesellschaft ist auf breiten Konsens angewiesen. Dieser muss herbeigeführt werden, zur Not im politischen Streit. Dies geschah beispielsweise in den 1970er Jahre offen und polarisierend, wenn es um die neue Ostpolitik und die aufgestauten Modernisierungsdefizite der Gesellschaft ging. Diese Politik wurde von Widerständen begleitet. Brandts Spruch, mehr Demokratie wagen zu wollen, führte am Ende zur Akzeptanz seiner Politik. Der politische Gegner akzeptierte dies; der Konflikt wurde ausgetragen unter Beteiligung des Bürgers. Die heutzutage von den sogenannten Populisten oftmals ins Feld geführten »schweigenden Mehrheiten« schwiegen nicht: sie wurden befragt. Die Politik stellte sich dem Ergebnis - mit dem Risiko des Scheiterns.
Zu Beginn der 1980er Jahren änderte sich dieser Stil. Die Politik suchte für seine großen Vorhaben keinen breiten Konsens mehr, sondern praktizierte mehr und mehr einen gut meinenden Paternalismus. Alle grundsätzlichen Entscheidungen über Projekte innerhalb der Europäischen Gemeinschaft bzw. später Europäischen Union wurden nicht im gesellschaftlichen und politischen Diskurs erörtert, sondern dekretiert.
in den kommentaren zu diesem artikel ist christoph keese sehr aufgebracht und meint stefan niggemeier habe unfair kritisiert. sehr lustig ist aber, dass keese im laufe seines zweiten oder dritten kommentars hans-ulrich jörges bescheidenheit unterstellt. sehr grosses kino.
judith holofernes singt eine ode auf dolly parton. natürlich völlig zu recht. neu auf meiner youtube-watchlist: Dolly Parton Platinum blonde von der BBC.
michel friedman ist sehr stolz darauf, sich nicht für details zu interessieren, sondern fürs ganze. wenn man die 20 minuten rumschreierei durchhält, erkennt man in jedem satz friedmans, dass seine vorurteile und überzeugungen nicht von „diesen details“ tangiert werden. nicht im geringsten. eine grässliche sendung.
Please paint a picture of David Attenborough sitting proudly atop a great white shark which has somehow evolved legs and is winning the men's 400 metre hurdles having eaten the other athletes.
Ich mag Amy Schumer. Ein Interview, dass in seiner Offenheit in Deutschland wahrscheinlich so nicht denkbar wäre. (Und in den USA wahrscheinlich auch nur bei Howard Stern.)
dieses interview ist in deutschland vor allem deshalb nicht möglich, weil es in deutschland niemanden gibt wie howard stern und amy schumer. oder hab ich was überhört?
I am struck by how fragile civilization is. Even if the war was over many people couldn't go home immediately because home isn't there. Sometimes the house that people lived in isn't there. Sometimes the town or district isn't there. Things that you think of as being so permanent are fragile and permeable. And I'm as struck by the things that you think of as fragile, like people, being so tough and so resilient. These people have endured tragedies and ordeals that are almost unthinkable. And yet they are smiling. These people are resilient. People are resilient. So it's a sort of weird ball of fragility and resilience. How incredibly fragile are the systems within which we exist.
quinn norton weist auf die komplexität und gefährlichkeit der welt hin, insbesondere der welt, die wir uns mit hilfe von computern zusammengedengelt haben.
The same human impulse that has kept lotteries alive for thousands of years keeps people fighting the man against the long odds. “Maybe I'll get away with it, might as well try!"
sehr frustrierend, sehr wahr, aber nichts desto trotz, so wars schon immer. die welt, das leben war immer schon gefährlich. mal mehr, mal weniger.
mich erinnerte der artikel an ein aha-erlebnis vor ungefähr 17 oder 18 jahren, als ich auf einem universitätsrechner eine php-forum-software installierte und mich der admin fragte, wie ich sicher sein könne, bei tausenden von zeilen PHP-code, dass die software sicher und fehlerfrei sei. weder war ich sicher, dass die software sicher oder fehlerfrei war (war sie natürlich nicht, ist sie auch heute nicht), noch bin ich sicher, wie ich jemals über irgendwas sicher sein kann. ich glaube eine unserer herausragenden eigenschaften als menschen ist, dass wir sehr gut ein gewisses mass an unsicherheit aushalten können. diese eigenschaft sollten wir stetig trainieren.
quinn nortons fazit lautet:
Computers don't serve the needs of both privacy and coordination not because it's somehow mathematically impossible. There are plenty of schemes that could federate or safely encrypt our data, plenty of ways we could regain privacy and make our computers work better by default. It isn't happening now because we haven't demanded that it should, not because no one is clever enough to make that happen.
So yes, the geeks and the executives and the agents and the military have fucked the world. But in the end, it's the job of the people, working together, to unfuck it.
neben vielen klugen kleinen und grossen gedanken (unter anderem, für uns alle ist das internet und das ding mit der sicherheit nach wie vor #neuland) und noch ein anderer, interessanter gedanke:
After spending some time with [the Intelligence Community, who call themselves the IC], I am pretty sure I understand why they don't care about the complaining. The IC are some of the most surveilled humans in history. They know everything they do is gone over with a fine-toothed comb -- by their peers, their bosses, their lawyers, other agencies, the president, and sometimes Congress. They live watched, and they don't complain about it.
die meisten nennen die überschriften von heftig.co click-baits, klickfallen oder likefallen. emotional aufgeladene überschriften, die neugierig machen sollen. mein problem mit den überschriften ist das pathos. ich finds eklig. eine überschrit wie
Diese Frau musste viel erleiden und ihr Lächeln ist ungewöhnlich. Der Grund ist einfach überwältigend.
oder der untertitel der seite
Dinge die wichtig sind. Erzähl' sie weiter!
ekeln mich, weil alles daran falsch ist und darauf angelegt unsere schwäche für pathos auszubeuten. letztes jahr hat sascha lobo auf der republica zu mehr pathos und wut aufgerufen. ich rufe: wir müssen pathos bekämpfen und lächerlich machen wo es nur geht. wir brauchen postpathos.
Durch die überraschende Dimension des Projekts - im Vergleich zu den erhofften 900.000 Euro Startkapital waren alle bisherigen Versuche, unterschiedliche Spieler-Persönlichkeiten unter einen gemeinsamen Online-Hut zu bringen, kleinere Vorübungen - könnte sich erstmals ein ernst zu nehmender Blogger-Markt mit entsprechenden Marktwerten und Ablösesummen bilden. Das spüren wohl auch die Kritiker, die jetzt nörgelnd auf der Ersatzbank sitzen oder nicht ins Team gewählt wurden (keine Sorge, es soll weitere Zukäufe geben). Doch die Fokussierung auf den Spieler- und Trainermarkt - nicht auf den Inhalt - macht das Projekt auch fragil, filterbabbelig und leicht angreifbar. Die Beteiligten werden eine hohe Frustrationstoleranz brauchen.
der spiegel (online) über einen wahlkampfauftritt von frank-walter steinmeier auf dem alexanderplatz:
"Weil wir den Frieden wollen, dürfen wir es euch nicht so einfach machen: Die Welt besteht nicht nur auf der einen Seite aus Friedensengeln und auf der anderen Seite aus Bösewichten", brüllt Steinmeier mit hochrotem Kopf. "Die Welt ist leider komplizierter."
den hochroten kopf sehe ich nicht. steinmeier verliert nicht eine sekunde lang die contenance. er redet ein bisschen lauter als zum beispiel im fernsehen, aber ungefähr genauso laut wie er immer redet wenn er hinter einem podium steht.
Google ist eine Bibliothek. Eine unfassbar große, unfassbar leicht zu bedienende, „universell zugängliche“ Bibliothek. Warum gilt für sie, was für keine andere Bibliothek außerhalb der Welt von „1984“ gilt? Warum gibt es für Google eine Pflicht zum Vergessen?
posener führt danach ein paar beispiele aus seinem eigenen leben an, die zeigen dass nicht die zugänglichkeit von daten und fakten ein problem ist, sondern deren missbrauch, deren fehlinterpretation und -- schlimmer -- das unvermögen sich dagegen zu wehren.
Mit einem Wort: nicht die Öffentlichkeit gefährdet die Freiheit, sondern das Geheimnis. Es sind immer Diktatoren, die Bibliotheken säubern wollen. Es sind selten die Guten, die Informationen über sich verschwinden lassen wollen. Meines Erachtens droht eine Welt wie in „1984“ nicht von Google. Sondern von den Google-Gegnern. Oder sagen wir vorsichtig (man weiß nie, wer alles mitliest): von einigen unter ihnen.
der absatz oben ist natürlich nicht ein wort. ein wort wäre: postprivacy.
die beifahrerin hat ein interview mit der malerin henrieke ribbe gemacht. und zwei tage lang geklagt, was für eine irre arbeit das sei. hat sich aber gelohnt.
und wenn das bild dem portraitierten dann am ende nicht so ähnlich sieht, wie reagieren die leute dann?
naja, die sind dann schon enttäuscht. es gibt eh nur sehr wenige, die am ende total begeistert reagieren. das liegt aber vielleicht auch nicht so sehr an mir bzw. dem bild. manche sind vielleicht auch eh nicht so die leidenschaftlichen spiegelkucker.
herm scheint so eine art hassliebe gegenüber der warschauerbrücke zu haben. ich habe eine liebesbeziehung zu solchen artikeln von herm.
People should go out and walk free of distractions, says Nicholson. "I do think there is something about walking mindfully. To actually be there and be in the moment and concentrate on what you are doing."
And this means no music, no podcasts, no audiobooks. It might also mean going out alone.
spazierengehen und duschen sind meine beiden lieblingsnachdenktätigkeiten.
Aber es gibt eben auch das Gegenteil. Also die Seiten, die Zeitungsleser am Frühstückstisch mit den Worten über den Tisch reichen: “Kuck mal, wat für'n Käseblatt."
Und weil es immer ganz gut ist, wenn man Beispiele hat, habe ich mal drei Texte rausgesucht. Das hier sind die ersten Sätze.
„Zur Jahreshauptversammlung lud am Samstagabend der Box Sportclub Münster 23 e.V. in der Gaststätte Nemann an der Metzerstraße.“
„Zu einem Werkstattkonzert unter dem Titel ,Neue Musik' lud die Musikschule Nienberge am Sonntagabend in das evangelische Lydia-Gemeindezentrum ein.“
„Eine durchweg positive Bilanz des vergangenen Jahres konnte auf der Generalversammlung des SV Concordia Albachten am Sonntag im Clubheim an der Hohen Geist 7 gezogen werden.“
ich möchte einen weiteren ersten satz ersten satz ins rennen werfen:
Friedemann Karig, praktisch erfahrener Zukunftsforscher, strategischer Planer, Autor, Moderator und Journalist, begeisterte auf der re:publica mit einem Vortrag über neue Narrative gegen Überwachung.
der satz stammt von elisabeth pohl und der zugehörige artikel wurde auf netzpolitik.org veröffentlicht. in der sache hat elisabeth pohl natürlich recht. der vortrag war sehr, sehr gut, wurde mit applaus bedacht, ist empfehlenswert und im rest des artikels auch gut zusammengefasst. aber den griff in die pressemitteilungs- oder käseblatt-phrasenkiste nimmt der leselust schon einiges an fahrt.
ich fand das unfassbar lecker. aber dieses wochenende hab ich mich gefragt, warum ich das für zwei euro fünfzig beim falaffel-mann kaufen soll, wenn man es mit zwei bund petersilie und einem scharfen messer auch selbst machen kann.
hier redet lars thomson angeblich über die zukunft der automobilindustrie, aber eigentlich ist es brilliante werbung für tesla, bzw. teslas model s. gefunden bei teachandtrain.de
wer solche käufer hat, braucht keine werbung. ich korrigiere, wer solche produkte hat, braucht keine werbung. wann und wo kann man die dinger mieten?
Auch ich musste zeitweise sehr die Zähne zusammenbeißen, um die Serie trotz meiner Enttäuschung weiterzuschauen. Gehalten hat mich hauptsächlich professionelles Interesse.
Treue Zuschauer wurden am Ende definitiv belohnt. Nicht nur, dass die Plotwendungen einem am Ende mehrfach den Boden unter den Füßen wegziehen - die Aufstockung des Casts durch Bill Paxton, Patton Oswalt und B. J. Britt als Agent Triplett fügt dem Ensemble tatsächlich mal ein paar Charaktere hinzu, die so wirken, als wüssten sie was sie tun.
ich würde es weniger drastisch ausdrücken. agents of shield ist ne ganz gute mittegute fernsehserie mit längen, hab sie aber meistens gerne gesehen.
christoph kappes unterstützt die krautreporter „bisher nicht“. aber:
Wer Lust dazu hat, ein Experiment zu fördern oder anderen Leuten bei der Selbständigkeit zu helfen, sollte sich von Kritik nicht abhalten lassen. So etwas ist eine Herzens- oder Haltungssache - und da es am Ende dann doch um ein Medienprodukt geht, das ohnehin noch niemand kennt, kann man sich auch analysefrei für oder dagegen entscheiden, wie man ein Buch kauft oder einen Film sieht. Genauso kauft man ja auch Medien sonst - und freuen oder ärgern kann man sich dann hinterher.
kritik an der startaufstellung, kritiker-kritik kritik auf diversen metaebenen hin oder her, es gibt eine gute chance, dass das #kraut zu einem bunten und ansehnlichen busch heranwächst und jede/r kann seine 60 euro dung dazu beitragen.
gute, nein sehr gute zusammenfassung der #rp14 von michael domsalla:
Die #rp hat keine Themenstränge, keine Zielgruppen, sondern eher Besuchercluster. Deshalb kann die FAZ ganz anders darüber schreiben, als die T3N und es stimmt doch.
Die #rp war immer eine Gesellschaftskonferenz und keine Internetkonferenz. Es ist ja nicht so, daß sich das Internet nicht immer schon der Gesellschaft geöffnet hätte. Es ist doch so, daß sich nun langsam die Gesellschaft dem Internet öffnet. Deswegen waren es nun über 6000 Besucher und nicht mehr 600. Nicht andersherum.
der verein deutsche sprache (VDS) sucht ein alternatives wort für podcast. anatol stefanowitsch schlägt podcast vor. und listet vorschläge anderer auf.
Greenwald's book is insightful, compelling, and absolutely shocking, but don't forget to exercise your skeptical muscles. This is, after all, a long-form essay from a single writer. It has, of course, been vetted and edited, but it is still one part of a broader picture.
Ich hab mal die Krautreporter unterstützt und ein Abo zugesagt. Für ein Jahr. Für 60 Euro. Wegen Stefan Niggemeier. Trotz Richard Gutjahr.
Stanley Kubrick's satirical masterpiece [...] remains as outrageously prankish, juvenile, and derisive as ever. Which, given the subject of nuclear annihilation, is exactly right.
oder in meinen worten: es gibt kein thema das so ernst ist, dass man darüber keine witze (oder witzige filme) machen sollte. /daringfireball.net
er ist durchgenudelt, aber trotzdem nicht aus der welt zu schaffen, der mythos mit den vielen inuit-wörtern für schnee. so wie der mythos mit dem frosch im langsam erwärmten wasser kaum aus der welt zu schaffen ist. aber ich wollts mal festhalten und diesen bald 10 jahre alten artikel verlinken.
nicholas carson über larry page und google. der artikel fühlt sich an wie ein buch und ich bin mir nicht sicher, ob ich den grössenwahn von page faszinierend finden soll, oder bedrohlich:
“Anything you can imagine probably is doable," Page told Google investors in 2012. “You just have to imagine it and work on it."
seit heute kann man das unterstützen (hier), was ich auch gleich gemacht versucht habe, wobei die erfolgsmeldung nach der bezahlung eher irritierend ist:
Die Bundesregierung könnte sich bei aller Sorge um die bilateralen Beziehungen zu den USA zumindest in diesem Punkt zurücklehnen: An die Entscheidung des Gerichts wäre sie gebunden. Eigentlich doch eine elegante Lösung für die Bundesregierung. Kanzlerin Angela Merkel könnte US-Präsident Barack Obama gewiss verständlich machen, dass sie wegen der Gewaltenteilung auf die richterliche Entscheidung keinen Einfluss nehmen kann. Und dass sie an den Richterspruch gebunden ist. Hierfür wird jedes Staatsoberhaupt mit Sympathie für Rechtstaatlichkeit größtes Verständnis aufbringen. Erst recht unter Freunden. Dass die deutsch-amerikanischen Beziehungen deswegen Schaden nähmen, ist nicht zu erwarten. Warum auch?
einer der besten artikel (von zeynep tufekci) zu den protesten in der türkei, über überwachung, tränengas und internetoptimismus. ausserdem toll illustriert und extrem gut zu lesen. die überschrift ist toll, aber man sollte diesen artikel wirklich weiter als die überschrift lesen.
auch wenn ströbele nicht fürs EU-parlament kandidiert und ich die grünen immer noch zu öko-papier-orientiert halte, wähle ich dieses jahr bei der europa-wahl wohl grün.
Wie kann man sich so sehr im eigenen Text widersprechen, nur weil man dem Filmpreis unbedingt eine Nackenschelle mitgeben will - und sei es auch gegen jede Logik? Denn wenn der Filmpreis doof ist, weil er nix erfolgreiches nominiert, dann aber immer noch doof ist, wenn er etwas erfolgreiches nominiert, wie soll er aus dieser, nennen wir sie “Wolfsche Zwickmühle", wieder herauskommen?
die berliner polizei führt ausweiskontrollen jetzt im sitzen durch und mindestens ein berliner polizist hat noch nie was von autismus gehört.
In other words, cephalopods--octopuses, cuttlefish, and squid--may be able to see with their skin.
gefunden bei kottke, der auch auf ein vier jahre altes video verlinkt, in dem ein oktupus ein schraubverschluss-glas öffnet. schraubverschlüsse öffnen, machen kraken übrigens auch in der wikipedia.
ein jahr alter text von joachim lottmann. ich kann in der regel mit lottmann wenig anfangen und mit brandauer gar nichts. und mit dem blatt, in dem der text steht erst recht nichts. aber diesen text habe ich tatsächlich mit grossem vergnügen gelesen. /umblaetterer.de
mikal gilmore redet mit george r.r. martin. sehr lesenswert. das ist meine lieblingstelle im interview:
We talked earlier about your unwillingness to fight in Vietnam. The Ice and Fire books are shot through with the horrors of war. As Ygritte says to Jon Snow, "We're just soldiers in their armies, and there's plenty more to carry on if we go down." It's true in virtually all wars through history. Shakespeare refers to it, in those great scenes in Henry V, where King Hal is walking among the men, before the Battle of Agincourt, and he hears the men complaining. "Well, I hope his cause is just, because a lot of us are going to die to make him king of France." One of the central questions in the book is Varys' riddle: The rich man, the priest and the king give an order to a common sellsword. Each one says kill the other two. So who has the power? Is it the priest, who supposedly speaks for God? The king, who has the power of state? The rich man, who has the gold? Of course, doesn't the swordsman have the power? He's the one with the sword - he could kill all three if he wanted. Or he could listen to anyone. But he's just the average grunt. If he doesn't do what they say, then they each call other swordsmen who will do what they say. But why does anybody do what they say? This is the fundamental mystery of power and leadership and war through all history. Going back to Vietnam, for me the cognitive dissonance came in when I realized that Ho Chi Minh actually wasn't Sauron. Do you remember the poster during that time? WHAT IF THEY GAVE A WAR AND NOBODY CAME? That's one of the fundamental questions here. Why did anybody go to Vietnam? Were the people who went more patriotic? Were they braver? Were they stupider? Why does anybody go? What's all this based on? It's all based on an illusion: You go because you're afraid of what will happen if you don't go, even if you don't believe in it. But where do these systems of obedience come from? Why do we recognize power instead of individual autonomy? These questions are fascinating to me. It's all this strange illusion, isn't it?
arne bensiek über olaf höhn und seine firma „florida-eis“:
Bis zu seinem 82. Lebensjahr wolle er arbeiten - genau wie sein Vater, Chef eines Bäckereibetriebs. Hobbys habe er nicht, das Eis sei sein Leben. Jeden Abend um 18 Uhr gehe er hinunter ins Lager, nehme sich eine kleine Packung Vanilleeis. Zurück im Büro höre er Rockmusik aus den 60er- und 70er-Jahren, esse sein Eis und schaue glücklich aus dem Fenster. „Das ist der schönste Moment meines Arbeitstages“, sagt Höhn. Dann denke er über die Zukunft nach, wie er zum Beispiel sein Vertriebsnetz ausweiten könnte.
angeblich hilft ein päckchen trockenhefe dagegen zu schnell betrunken zu werden. noch besser sollen histamin-H2-rezeptorenblocker (famotidin, randitin) helfen, die allerdings, im gegenteil zur trockenhefe, rezeptpflichtig sind. was auch ganz gut gegen trunkenheit hilft ist übrigens alkoholfreie ernährung.
ich finde ja den titel „Aufstocker im Bundestag“ für eine studie über die nebeneinkünfte unserer abgeordneten ziemlich treffend. aber ganz abgesehen davon von ich die arbeit von abgeordnetenwatch.de sehr erfreulich und habe deren budegt um einen kleinen beitrag aufgestockt.
Die Schiffe fahren noch immer in der Regel mit Schweröl, einem Abfallprodukt aus Raffinerien - und können wegen der Stromversorgung im Hafen ihren Motor nicht abschalten. Eine Versorgung mit Landstrom steckt seit Jahre noch immer in der Pilotphase. Rußpartikelfilter, in Autos seit Jahren Standard, sind gar nicht vorhanden. Nach Angaben des Nabu stößt allein ein einziges Kreuzfahrtschiff täglich rund 450 Kilogramm Rußpartikel aus, 5.250 Kilogramm Stickoxide und 7.500 Kilogramm Schwefeldioxide. "Fast alle Kreuzfahrtschiffe schaden Umwelt und Gesundheit", schlussfolgert der Nabu.
als ich noch in hamburg am hafen wohnte, konnte man die schiffe gut riechen und hören, wenn sie beispielsweise im trockendock standen. denn auch dort liefen ihre motoren meist weiter. aber auch in berlin fahren, trotz umweltzone, selbst die meisten touristendampfer ungefiltert (nur 4 von 100 schiffen sind angeblich mit russfiltern ausgestattet). die schiffe die baustellen versorgen, und dabei durch berlins mitte fahren, dürften aber dem geruch nach die absoluten russausstossweltmeister sein.
Das Stück dauert so lange wie meine Fahrt. Kurz vor Bahnhof Zoo Ende. Und dann Applaus. Ein nicht geringer Teil schenkt Beifall. Ich kann mich nur an ein einziges Mal in all den Jahren erinnern, dass jemand in der S-Bahn Applaus bekommen hat.
stefan willeke über zeit-leserreaktionen auf ijoma mangolds verriss von akif pirinçci kackbuch. schöner einstieg:
Wer setzt sich stärker über wessen Realität hinweg, wer ist kurzsichtiger - wir, die Journalisten meinungsbildender Blätter, oder die aufgebrachten Leser? Um es in der Sprache des Erfolgsautors auszudrücken: Wer fickt ins falsche Loch?
stefan willeke fährt zu ein paar leserbriefschreibern um sich mit ihnen zu unterhalten:
Die Reise zu Pirinçcis Anhängern ist eine Reise zu Menschen, die sein Buch kaum kennen - noch nicht oder gar nicht.
ein dokument des grauens, das ausnahmsweise mal ganz ohne internetschelte auskommt und zeigt, dass intoleranz und hass keine erfindung des internets sind.
uli hannemann klärt den streit zwischen jan delay und heino.
Ein Nazi ist ein Nationalsozialist. Zugleich (!) ein Deutschnationaler, ein Hitler-Verehrer, ein Anhänger einer sehr spezifischen, auf „rassischen“ und „völkischen“ Kriterien fußenden, reichlich deutschen Spielart des Faschismus. Das trifft auf den so jeweils Titulierten viel seltener zu als angenommen und behauptet. Der inflationäre Gebrauch des Worts verwässert dessen Ursprung. In der Regel gibt es jede Menge passenderer Bezeichnungen: reaktionär. Ewiggestriger. Blockwart. Rassist. Sexist. Faschist. Arschloch.
Insofern hat Heino durchaus recht mit seiner Klage: Er ist kein Nazi. Sein Anwalt und der des Herrn Delay sollten sich stattdessen in aller Ruhe auf einen (auch Mehrfachnennung ist möglich) geeigneteren Ausdruck aus oben stehendem Sortiment verständigen.
wobei ich mich ja immer frage: kann man kunstfiguren überhaupt beleidigen?
trevor timm über die jährliche „free the press“ kampagne des amerikanischen justizministeriums, das am gleichen tag einen antrag beim supreme court stellte, einen reporter in den knast zu stecken, der seine quellen nicht offenlegen will. wortgleich auch bei boingboing und techdirt veröffentlicht. wenn das nicht so traurig wäre, könnte man sich dadrüber scheckig lachen.
gerade harissa auf die einkaufsliste gesetzt um kurz darauf zu merken, dass das zeug schon bei uns im kühlschrank steht. dem wedding sei dank. dann eben nur noch penne kaufen.
nicht die überwachung an sich, oder schwarze listen oder uferlosedatensammlung sind das eigentliche problem, sondern die mangelnde transparenz um sie herum. hier wird die rechtstaatlichkeit ausgehebelt, indem man die sammlung, speicherung und auswertung dieser daten einfach aus dem rechtsystem herausnimmt und für geheim, sicherheitsrelevant oder sonstwas erklärt. viele demokratische staaten führen im prinzip eine über dem rechtssystem liegende schicht ein, gegen die sich niemand mehr mit rechtstaatlichen mitteln wehren kann. der rechtssaat wird zu einer art dualem system, die eine seite behält ihr freundliches, rechtsstaatliches gesicht, die andere hälfte wird feudal betrieben, im dunkeln, unsichtbar für die öffentlichkeit. ein optimales biotop für missbrauch, willkür und ungerechtigkeit.
diese szene aus fargo s01e02 ist möglicherweise eine der besten szenen der fernsehgeschichte. und fargo hat das zeug zu meiner neuen lieblingsfernsehserie zu werden.
morgens (gestern) auf facebook gelesen, abends fasst der kölner stadtanzeiger die sache und die reaktionen zusammen. /torsten kleinz, siehe auch spon.
ich hab den ganzen text gelesen, aber keine ahnung was der kiezneurotiker eigentlich sagen will. möglicherweise weiss er das auch nicht. ich glaube aber, um mal ein paar worte zu seiner überschrift zu sagen, dass wir alle eine schere im kopf haben, immer, ob mit überwachung oder ohne, ob pseudonym, anonym oder mit klarnamen. ich glaube auch, dass es keine absolute freiheit gibt, sondern immer nur freiheitsräume, die wir uns als gesellschaft gewähren. die sind mal kleiner und mal grösser, je nach zeit in die wir geboren werden. freiheit ist wie eine skibindung. ist sie zu fest, brechen wir uns die beine, ist sie zu locker, fliegen wir ständig auf die fresse. (ich bin übrigens dem fernseher den ich als kind in meinem zimmer stehen hatte und in dem ich den vorherigen satz gehört habe, auf ewig dankbar.)
und das mit den gedanken die frei sind, ist natürlich auch quatsch. nicht erst seit freud wissen wir, dass der erfolgreichste zensor irgendwo zwischen unseren ohren sitzt.
meine hoffnung, dass es irgendwann mal ne sendung oder einen film geben wird, in dem engel ihre flügel nicht irgendwie an die schulterblätter geklebt bekommen, sondern so, wie es anatomisch richtig wäre, dass die arme als flügel benutzt würden (zur not mit kleinen fledermaushänden an den flügelspitzen), diese hoffnung scheint „dominion“ zumindest nicht zu erfüllen.
der typ auf dem bild hier unten (oder wo auch immer facebook das hinpackt) ist ja super muskulös, aber seine flügel scheint er nicht mit muskelkraft zu bewegen (und wenn doch, welche muskeln wären das?), sondern mit magie.
immerhin gab es kürzlich einen film, in dem tatsächlich keine geräusche im luftleeren raum übertragen wurden. vielleicht dann auch irgendwann mal einen mit einigermassen realistischer anatomie?
martin weigert hat einen trend entdeckt (siehe überschrift). ich habe mich an meinen ersten digitalen assistenten, einen palm pilot, erinnert. der war 1996 keinesfalls der leistungsfähigste handrechner auf dem markt, aber er war der spezialisierteste. der apple newton konnte alles (ausser telefonieren, aber das konnte der palm auch nicht), der palm konnte (mehr oder weniger) nur adressen, termine und notizen verwalten und synchronisieren. das konnte er aber dafür sehr gut. ich glaube das erfolgsrezept funktioniert auch heute noch sehr gut: eine einzige, überschaubare funktion die sich idiotensicher und einfach bedienen lässt, zuverlässig funktioniert und jede komplexität vor den augen des betrachters verbirgt.
für mich subsumiert diese geschichte das problem des spiegels aufs allerbeste. ein bis zur arroganz aufgeblasenes selbstbewusstsein das einem aus dem grossteil der print-texte beim lesen auf die füsse tropft und im heft irre selten durch eine prise demut oder humor gebrochen wird. das hat bis vor 20 oder 30 jahren noch ganz gut funktioniert, eine zeit in der sich die leser noch an den spiegel wenden mussten um mehr zu wissen als andere. mittlerweile funktioniert das mit dem aufgeblasenen selbstbewusstsein nicht mehr so gut, weil auch beim spiegel die ahnungslosigkeit der redakteure ständig durchscheint.
erfreulich ist an der ganzen geschichte jedoch, dass man sieht wie radikal beim spiegel redaktion und anzeigenvertrieb voneinander getrennt sind. die trennung von redaktion und anzeigenvertrieb ist mittlerweile so ausgeprägt, wie die trennung mancher journalisten von der lebenswirklichkeit vieler potenzieller leser.
wirbt der spiegel eigentlich noch mit „spiegelleser wissen mehr“? oder hat man das mittlerweile angepasst zum passenderen „spiegelleser wissen mehr über hitler“?
bei gawker sind die kommentare oft um ein vielfaches besser als die artikel selbst. oder andersrum; bei gawker werden diese kommentare zuverlässig mit ein bisschen techno-vodoo nach oben gespült.