making a murderer s01e02

felix schwenzel, , in gesehen    

ich kann nicht wirklich sagen „die spannung steigt“, weil die spannung war auch schon in der ersten folge sehr präsent. aber zu sehen, wie sich diese geschichte entwickelt, ist auf sehr vielen ebenen erschütternd. und durchaus ambivalent und offen erzählt. nichts ist klar, aber ein ganz mieses gefühl tropft aus allen ritzen.

bones s11e05

felix schwenzel, , in gesehen    

bones ist so berechenbar und vorhersehbar, wie es die deutsche bahn mal war. immer der gleiche ablauf. leichenfund, ermittlungen, ein bisschen hin und her, ein paar verhöre, ein kleiner dreh, fall gelöst. das ist einerseits nervig und auch ein bisschen langweilig, aber meist gerade so gut erzählt, dass ich mich nicht gezwungen fühle abzuschalten. im gegenteil. die berechenbarkeit beruhigt ungeheuer. am ende der folge ist der fall immer gelöst und alles, mehr oder weniger beim alten. manchmal dauert ein fall auch zwei folgen, aber äusserst selten.

diese folge war keine ausnahme, ein bisschen vorgeplänkel, ein leichenfund, ein, zwei harmlose, ein bisschen eklige fleisch- und leichenstücke. ermittlungen, fertig. diese folge hatte allerdings einen kleine serienüberschenidung mit der serie sleepy hollow. das war ein bisschen witzig, aber insgesamt unspektakulär. jetzt weiter mit making a murderer.

making a murderer s01e01

felix schwenzel, , in gesehen    

erstmal das angenehme: kein sprecher im off, kein dramatischer erzähler und erst recht kein sprecher der die übersetzten aussagen der menschen, die im bild zu sehen sind, über das bild quatscht (obwohl man das auf netflix zuschalten kann, wenn einem danach sein sollte). die dramtik, die ganze erzählung, setzt sich allein durch den schnitt des rohmaterials zusammen, dass laura ricciardi und moira demos über 10 jahre hinweg gesammelt haben. natürlich werden auch neuere HD-aufnahmen regelmässig in das alte bildmaterial geschnitten, inklusive der unvermeindlichen steadycam stimmungsaufnahmen

gerade wegen der sprecherlosigkeit, dadurch dass sich die geschichte quasi selbst erzählt und der erzähler nur im hintergrund (stumm am schnittpult) in erscheinung tritt, wirkt und geht einem die geschichte sehr nah. niemand sagt einem direkt, was man von dem, was man sieht, halten soll — oder wie man die protagonisten finden solle. der zuschauer, ich, muss alle bewertungen selbst vornehmen. wie bei einem guten film.

dass der regisseur, die drehbuchschreiber, die schauspieler einen dabei steuern, dinge auslassen (könnten), der geschichte einen drall geben ist wohl auch einer der gründe warum die serie derzeit sehr kontrovers diskutiert wird. (der hauptgrund dürfte allerdings sein, dass man beim zusehen zeuge himmelschreiender ungerechtigkeit und justizwillkür wird.)

dustin rowles hat beispielsweise auf pajiba ein stück veröffentlicht, das in der überschrift fragt, ob making a murderer wirklich alle beweise gezeigt hat. ich lese den text erst, wenn ich die serie zuende gesehen habe, das empfiehlt rowles auch:

Do yourself a favor, and don’t spoil anything about the series before watching it. It’s easy enough to do a Google search and ruin the ending, but the ending doesn’t tell the real story, because the real story is about our messed up legal system and how it deprives the socioeconomically disadvantaged and the uneducated of the presumption of innocence. It’s a crazy story, and viewers of Making a Murderer will find themselves pulling their hair out in furious anger. You will yell “Fuck that guy,” or “Fuck everybody” at least half a dozen times over the course of the series. It’s also wildly addictive, the kind of 10-hour series you’ll inadvertently find yourself binge-watching in a day […].

If you haven’t watched it, go do so now. Everything below will contain spoilers for those who have already watched it.

die beifahrerin ist bereits bei folge 6 und ist völlig fassungslos, was sie dort zu sehen bekam. ich fürchte ich werde mich auch aufregen und habe mir ehrlich gesagt gewünscht, die serie hätte nach dieser ersten folge aufgehört: ein mann der 18 jahre unschuldig im gefängnis sass, freigelassen wird und gegen die polizei klagt. das ist, wie es in der ersten folge gezeigt wurde, für meine verhältnisse schon erschüternd genug. aber soweit ich mitbekommen habe, ist das eben erst der anfang. ich fürchte zur entspannung und zur restaurierung meines glaubens an die gerechtigkeit und effektivität des amerikanischen justizsystems, muss ich mir zwischen den einzelnen folgen von making a murderer immer wieder ein, zwei folgen bones reinpfeifen.

auf netflix gesehen, auch auf youtube:

youtube-video
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billions s01e01

felix schwenzel, , in gesehen    

in der ersten szene lässt sich der gefesselte staatsanwalt chuck rhoades von einer domina auf die brust pinkeln. danach lässt er sich auf mehrere indirekte und ein direktes pimmelfechten mit dem billionär bobby axelrod ein. viel mehr passiert nicht. ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die serie gut finden werde, aber der kontrast zu, beispielsweise, morgen hör ich auf ist frappierend. während in der deutschen serie gleich in der ersten folge die halbe geschichte erzählt und der rest hektisch angelegt wird, kümmert sich billions ein stunde lang, fast ausschliesslich, um das zeichnen der charaktere. eine stunde lang wer ist wie, statt was passiert.

sehr erfrischend und glänzend besetzt und gespielt. nur die besetzung von rhoades frau mit maggie siff irritiert mich, weil ich, immer wenn ich ihr gesicht sehe, an das grässliche sons of anarchy erinnert werde. aber das geht vorbei, zumal ihre rolle in billions, ganz andere klischees bedient, als die in SOA und die beiden rollen, ausser ihrem gesicht, nichts gemeinsam haben.

die machart der serie gefällt mir, der oben etwas despektierlich beschriebene grundkonflikt zwischen dem staatsanwalt und dem billionär, verspricht gute und spannende unterhaltung. ich glaub das guck ich erstmal weiter.

* * *

[nachtrag 09.01.2016]
trailer für billions:

youtube-video
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die sendung mit der maus vom 03.01.2016

felix schwenzel, , in gesehen    

eine sendung mit der maus ganz nach meinem geschmack. zwei gute sachgeschichten: eine über das geweih eines hirsches, über ein jahr hinweg gefilmt, in der man sehen konnte, wie der hirsch sein altes geweih zunächst verlor und wie es dann, bis zur brunftzeit, nachwuchs.

ausserdem der auftakt zu einem mindestens acht jahre langen projekt (pressemitteilung dazu), die begleitung des neubaus (und des abrisses) einer rheinbrücke bei leverkusen. in dieser sendung wurde erklärt, warum die brücke erneuert werden muss, welche schäden weshalb entstanden und wie die brücke befahrbar gehalten wird.

(in der ARD-mediathek, .mp4-datei, abrufbar bis zum 10.01.2016)

morgen hör ich auf (zdf), erste folge

felix schwenzel, , in gesehen    

leider total vorhersehbar, schrecklich geschauspielert und klischeehaft. die eindimensionalität der figuren kommt mir vor, wie frisch aus einem alten derrick entsprungen. lieblos gezeichnet und auf schultheaterniveau gespielt (mit ein paar ausnahmen).

die grundidee und ein paar inszenierungsideen der miniserie sind ganz offensichtlich von breaking bad übernommen, mit einem entscheidenden unterschied. war, zum beispiel, der teddy im swimmingpool bei breaking bad eine hintergründige, viele folgen lang unverständliche, andeutung an den verlauf der geschichte, ist der schwimmende geldschein bei morgen hör ich auf ein tapsiger, unsubtiler, viel zu oft eingeblendeter versuch zu suggerieren, die serie könnte noch spannend werden.

man merkt der serie jede sekunde die mühe an, die die macher in sie gesteckt haben. morgen hör ich auf ist ein ehrenwerter versuch unterhaltung ein bisschen anders aufzuziehen als üblich — der aber leider nicht besonders weit vom üblichen wegführt. ein paar der „action“-szenen sind ganz flüssig inszeniert, was auch daran liegt, dass pastewka hier sein (subtiles) komisches talent ausleben kann und seine ungelenken, unkoordinierten (flucht) bewegungen tatsächlich unterhaltsam sind. aber sobald die serie dialoge zeigt, offenbaren sich alle schwächen des deutschen fernsehens: schlecht geschrieben, schlecht gespielt und nur mit zugehaltenen ohren auszuhalten. szenen wie die, in der lehmanns tochter mit einer freundin in der fussgängerzone sitzt und ein skateboardfahrender jüngling seine hello-ladies-anbaggermasche abspult, sind so klischeegeladen, so gestrig, so sinnlos und stumpfsinnig, dass man dem produktionsteam nur zurufen möchte: habt ihr sie noch alle?

ich habe mitunter das gefühl, dass die macher der serie die neueren amerikanischen fernsehserien gar nicht selbst gucken, um sich dann von ihnen „inspirieren“ zu lassen, sondern dass sie das von praktikanten erledigen lassen und dann, ohne sinn und verstand, äusserlichkeiten oder einzelelemente kopieren.

das interesse an den figuren, an ihren motiven ordnet sich komplett der vorhersehbaren geschichte unter. das ist bei (guten) amerikanischen (oder französischen) serien genau anders herum. dort sieht man interessante menschen, um die herum sich eine geschichte kristalisiert. hier sieht man eine geschichte, um die herum sich charaktere versuchen zu kristalisieren — und dabei scheitern.

auch wenn das gegenteil von gut immer noch gut gemeint ist, gebe ich einen stern für die mühe und den versuch, mal etwas anders zu machen. eines ist jedenfalls sicher: ich höre heute auf, die serie zu gucken.

(in der ZDF mediathek gesehen, serienseite bei zdf.de, eine etwas wohlwollendere kritik auf spiegel online.)

sherlock: the abominable bride

felix schwenzel, , in gesehen    

leider total überkandidelt. überreizt und zu hoch gestapelt. man sieht das produktionsteam, den regisseur, die drehbuchautoren den ganzen film über im hinterkopf, wie sie sich die hände reiben und sich für ihre genialen einfälle, schnitte oder inszenierungsideen selbst gratulieren. das ist leider schwer anzusehen und auszuhalten.

täuschungen, tricks, illusionen, andeutungen sind, wie alle anderen unterhaltungsformen (und substanzen), eine frage der dosis. sherlock ist definitiv überdosiert.

leider muss ich zugeben, dass mir einige der einfälle der selbstzufriedenen sherlock-ausdenker ganz gut gefallen haben. trotzdem hat das nur für zwei sterne gereicht.

(ohne zu viel zu verraten, am ende wird der samen für mindestens eine weitere folge sherlock gelegt. leider.)

[nachtrag 03.01.2016]
bei den serienjunkies eine längere kritik, die zwar die ganze geschichte spoilert, aber etwas ausführlicher und begeisterter als meine ist.

the graham norton show, new years eve 2015/16 (s18)

felix schwenzel, , in gesehen    

(jennifer lawrence, eddie redmayne, will ferrell und mark wahlberg)

jennifer lawrence war wieder zuverlässig witzig und self deprecating, eddie redmayne hab ich kaum verstanden, aber ich glaube er war auch witzig. will ferrel ist irre komisch, aber auch ein bisschen mitleidserregend, weil er offenbar seine witzboldrolle nicht verlassen kann und an schwerer witzelsucht leidet. mark wahlberg hat sich in der sendung viermal bekreuzigt, einmal nachdem er einen witz auf kosten von will ferrell gemacht hat, der die worte „shit“, „fuck“ und ich glaube auch „asshole“ enthielt. die jungen musikanten, die später auf die bühne kamen, mochten ihn aber sehr, sehr gerne.

(auch auf youtube)