alles
angst schüren

sascha lobo schreibt auf spiegel.de über das irrsinnige vorhaben, bargeldzahlungen über 5000 euro zu verbieten. er schreibt in dieser kolumne, wie immer, viele richtige sachen. vor allem beschreibt er (wieder) eine politische idee, eine ideologie, die glaubt, immer mehr überwachung, würde zu mehr sicherheit und bessere erkenntnisse über bedrohungslagen führen. in einer früheren kolumne hat er das sehr schön als „gefühlte Rationalität“, bzw. als „Scheinrationalität“ bezeichnet.
Wenn also diese Daten offensichtlich nicht ausreichen, um einen Anschlag zu verhindern - welche Daten um alles in der Welt hofft man dann per Generalüberwachung zu bekommen? Die rationale Herangehensweise wäre das Eingeständnis, dass es nicht darum geht, neue Daten zu bekommen, sondern die längst vorhandenen besser auszuwerten. Die scheinrationale Herangehensweise aber wird sich durchsetzen: mehr Überwachung. Mehr Daten. Die Irrationalität dahinter lautet: Wir finden die Nadel im Heuhaufen nicht, also brauchen wir mehr Heu.
in dieser kolumne variert er den gedanken:
Das Ziel der Abschaffung des Bargelds ist die tausendste Variante der Überzeugung, dass man alle Menschen engmaschig und automatisiert kontrollieren müsse, um Sicherheit gewährleisten zu können. Diese autoritäre Ideologie, Kontrolle durch flächendeckende Überwachung, steht hinter der Radikalität von BND und NSA ebenso wie hinter der Vorratsdatenspeicherung. Es geht um eine verstörende und für eine aufgeklärte, offene Gesellschaft unwürdige Haltung. Wer nicht laufend aufs Neue beweist, dass er unschuldig ist, muss als verdächtig, also potenziell schuldig gelten.
soweit so richtig und so beunruhigend. denn diese mechanik, immer mehr kontrolle, immer mehr überwachung, ist nicht nur einer aufgeklärten, offenen gesellschaft unwürdig, sondern vor allem, nach allem was wir wissen, mehr oder weniger nicht der demokratischen kontrolle unterworfen. die gewaltenteilung, die checks and balances, das zentralste element einer funktionierenden demokratie, wird durch die wachsenden freiräume für geheimdienste und sicherheitsbehörden unterwandert.
cory doctorow hat das in einem sehr langem essay kürzlich sehr passend beschrieben:
The security services are a system with a powerful accelerator and inadequate brakes. They’ve rebranded “terrorism” as an existential risk to civilization (rather than a lurid type of crime). The War on Terror is a lock that opens all doors. As innumerable DEA agents have discovered, the hint that the drug-runner you’re chasing may be funding terror is a talisman that clears away red-tape, checks and balances, and oversight.
The story of terrorism is that it must be stopped at all costs, that there are no limits when it comes to the capture and punishment of terrorists.
überwachung gilt als allheilmittel und geheimhaltung und das fernhalten von demokratischen, kontrollierenden prozessen ist der schutzmantel. das wort terrorismus wirkt wie ein zauberspruch, um lästige demokratische und rechtsstaatliche mechanismen ausser kraft zu setzen. eine weitere schutz- und wachstumsschicht, für die freiräume der überwachungsapparate, ist natürlich die angst, angst vor anschlägen, angst vor mangelnder sicherheit:
Jeder neue Anschlag und auch jede neue (egal wie falsche) Geschichte über die Terrorgefahr durch mangelnde Überwachung sät Angst und macht die Bevölkerung empfänglicher für technikgläubige Heilsversprechen.
ängste strategisch zu nutzen, um politische vorhaben umzusetzen, ist ein klassisches populistisches instrument. wir können dieser strategie derzeit in verschiedenen wahlkämpfen, vor unserer haustür, aber auch in übersee, quasi live zuschauen. wer die gefühle der bevölkerung geschickt anspricht, kann sich zumindest ganz ordentlicher umfragewerte sicher sein. und natürlich sind wir uns alle einig, dass das hinterlistige hantieren mit ängsten, realistischen oder eingebildeten ängsten, einer aufgeklärten, offenen gesellschaft unwürdig ist.
nach neun absätzen überlegt sich sascha lobo dann, das mit den ängsten auch mal auszuprobieren und kommt auf das beliebte totalitarismus-argument:
Was würde eine totalitäre Regierung mit den Gelddaten machen?
[…]
[M]it jeder neuen Technologie, die neue, verhaltensbeschreibende Datenströme hervorbringt, wird zunächst die Möglichkeit der gesellschaftlichen Kontrolle geschaffen. Im Hintergrund immer drohend die Frage: Was würde eine an die Macht geratene rechtspopulistische Partei mit den Datenströmen tun, die durch die Überwachung aller Geldflüsse entstünde?
ich habe mich sehr geärgert, über dieses strohmann-argument. einerseits weil es mit unseren ängsten spielt und auf mich wie aus dem populismus-baukasten genommen wirkt. andererseits, weil es so absurd ist: wenn wir uns auf diesem niveau gedanken über die zukunft unserer gesellschaft machen, müssten wir auch über die abschaffung der polizei und des militärs nachdenken?
denn welche schlimmen dinge könnte eine „totalitäre Regierung“ mit diesen instrumenten umsetzen? wir müssten präventiv unsere elektronische infrastruktur zurückbauen, und die deutsche waffenindustrie abwracken, für den fall der fälle, dass plötzlich totalitarismus oder rechtspopulisten in deutschland herrschten.
die absurdität des gedankens, dass bargeld ein wichtiges werkzeug gegen totalitarismus sei, wird aber spätestens klar, wenn man sich vorstellt, was eine totalitäre regierung wohl machen würde, wenn sie an die macht käme. sie könnte zum beispiel, in einem totalitären handstreich, das verbliebene bargeld abschaffen. dann hätten wir, in unzähligen kolumnen und blogeinträgen, verfasst unter einer noch nicht totalitären regierung, ganz umsonst für dessen beibehaltung gekämpft.
ich bin auch gegen die abschaffung von bargeld. aber das problem ist nicht das bargeld, oder die überwachung an sich, sondern dass die balance des politischen systems aus den fugen geraten ist; die gewaltenteilung funktioniert nicht mehr und ein verfassungsorgan, die exekutive, hat einen apparat geschaffen, der ganz offensichtlich nicht mehr wirksam von den anderen verfassungsorganen kontrolliert und eingeschränkt werden kann. nochmal aus der wikipedia über checks and balances:
Checks and Balances ist eine Bezeichnung für die gegenseitige Kontrolle, die Machthemmnis (englisch checks) von Verfassungsorganen eines Staates, zur Herstellung eines dem Erfolg des Ganzen förderlichen Systems partieller Gleichgewichte (engl. balances), zunächst im Wesentlichen, um einer Diktatur vorzubeugen.
wir sollten nicht den totalitarismus an die wand malen, sondern für ordentliche „Machthemmnisse“ sorgen. und vor allem sollten wir versuchen, den populismus und die angeblich einfachen lösungen, nicht mit populismus zu bekämpfen — sondern mit validen argumenten. so wie sascha lobo das üblicherweise tut. wenn er es unterlässt, schmerzt es mich.
bildquelle, actio und reactio.
[nachtrag 06.02.2016]
sascha lobo hat auf facebook geantwortet (auch hier hin syndiziert). leider hat er in allen punkten, die er in seiner antwort erwähnt, recht. ich hatte es ohnehin geahnt: sobald er mir antwortet, würde ich ihm wieder in allen punkten zustimmen müssen, obwohl ich ihm gerne weiter widersprechen würde. dafür müsste ich aber so viel nachdenken und differenzieren, dass ein ordentlicher widerspruch wahrscheinlich erst zur republica fertig wäre.
neo magazin royal ab minute 36:00

weil stefan niggemeier sagte:
Ja, gut, das ist alles völliger Mumpitz, aber bei 36:10 gibt es einen kurzen Moment der Schönheit, Klarheit und Würde.
also habe ich gesehen, dass sarah kuttner sagte, dass der hund von stefan niggemeier „ganz süss“ sei, aber stefan niggemeier auch. danach bin ich hängengeblieben und habe noch gesehen wie jan böhmermann und sarah kuttner fragen von zetteln ehrlich beantworten sollten und bei unehrlicher beantwortung vom publikum mit bonbons beworfen werden sollten. das war natürlich völliger mumpitz, aber auch ein ganz klein bisschen witzig.
(in der mediathek)
berlin, 4. februar 2016

der himmel posierte am morgen kurz für mich. die inszenierung täuscht aber, der himmel war den ganzen tag über viel unspektakulärer, als er auf diesem blick erscheint.
schön einerseits, dass sich wetter sich nicht immer schwarz-weiss zeichnet und in die extreme schwenkt, sondern immer wieder mal mit grau, mit zwischentönen und subtilen signalen arbeitet. die meisten leute machten den eindruck, dass ihnen dieses wetter egal ist. grau macht unsichtbar, lässt die dinge in den hintergrund treten. eigentlich sollten tarnanzüge auch grau sein. wie dieser tag.
the big bang theory s09e14

sheldon bekommt besuch von seiner meemaw, also seiner grossmutter. raj verliebt sich in eine frau, die sich in den comic book store verirrt hat und amy kommt nicht mit sheldon’s grossmutter aus. das führt zu einer reihe langweiliger witze, gleich am anfang, einen über die einparkkompetenzen von frauen.
normale big-bang-theory-kost also.
über einen witz musste ich aber doch lachen, als sheldon seiner meemow ein glas whiskey bringt: „i made just as you like it: a lot, in glas.“
damit habe ich quasi die gnaze folge gespoilert. sorry.
the magicians s01e02

wie nach der ersten folge vermutet, wurde die figur, der im letzten teil der ersten folge beide augen ausgerissen und die halsschlagader durchgebissen wurde, wieder aufgepäppelt. auch der rest der handlung der folge war durchsichtig, vorraussehbar und leider zum grössten teil ziemlich billig. die serie gibt sich grosse mühe die zuschauer zu verwirren und auf falsche fährten zu setzen, mir ist das einfach zu viel auf einmal. ausserdem langweilen mich die figuren, die alle irre einseitig und stereotyp gezeichnet sind. es macht kein vergnügen ihnen bei dem was sie machen zuzusehen. ausserdem sind sie alle furchtbar glatt besetzt worden.
ich schaue mir the magicans nicht weiter an, aber ein zitat hab ich mir notiert:
magic doesn’t come from talent, it comes from pain.
nach der logik müsste ich zaubern lernen, wenn ich the magicians weiterschauen würde, denn die serie schmerzt. tatsächlich passt das zitat viel besser auf humor, als auf magie. ich bild mir ein, dass das war, was ich in funny bones gelernt habe. aber das ist jetzt auch schon 21 jahre her und ich kann dazu kein konterzitat googeln. auch egal. wie the magicians.
das kind macht french toast
@diplix Seth channels Jon youtu.be/4FoYEAeUk7k?t=…
I'm so used to posting on my own site first and syndicating to Twitter and Facebook that I'd find it so weird to post natively. #indieweb
just a test. no webmention sent to aaronparecki.com/2016/02/03/6/. (see also → github.com/aaronpk/Telegraph/issues/10)
(i’m pinging google pubsubhubbub-server, not superfeedr, but maybe it’ll track down the link anyways.)
offside, wedding

das offside nennt sich selbst eine „pub & whisky bar“ und hat, in der tat, die beste whisky-auswahl, die ich jemals irgendwo gesehen habe. da ich allerdings noch nicht viele whisky-bars von innen gesehen habe, möchte ich nicht ausschliessen, dass es anderswo eine noch bessere auswahl gibt. wenn man sich jedoch die whisky-karte ansieht, ist es schwer vorstellbar, dass es irgendwo eine bessere auswahl gibt. selbst aus der mittlerweile geschlossenen caperdonich destillery, von der ich zu weihnachten eine 19jährige fassabfüllung probiert habe, hat das offside eine reiche auswahl.
ich habe zuerst den 16 jahre alten lagavulin probiert, der, glaube ich, als ein klassischer, rauchiger islay-whisky gilt. mein erster gedanke war: „aha, lecker u-boot-treibstoff“ was daran liegen kann dass es einfach der erste whisky-schluck des tages war, oder weil er tatsächlich leichte spiritus-noten hat. die folgenden schlücke zeigten dann aber ein sehr ausgeglichenes, harmonisches geschmacksbild, ohne ausgeprägte eigene charakteristik. bei islay-whiskys bleiben meine sympathien vorerst wohl bei laphroaig und bunnahabhain.
den bunnahabhain hatte ich ja vor einer weile in einer hotelbar in der provinz entdeckt und wollte im offside überprüfen, ob meine begeisterung von damals berechtigt war. war sie. die komplexität und die subtilen fruchtnoten des 18 jährigen bunnahabhain haben mich wieder sehr begeistert.
ebenfalls aus erinnerungsgründen nahm ich danach ein glas des 10 jährigen talisker. kein talisker sky, kein storm, den ganz normalen, der den ruf hat, sehr teerige noten zu haben. der 10 jährige talisker war der erste whisky den ich auf unserer schottlandreise vor 5 monaten probiert hatte (auf skye). die teer-noten sind unverkennbar, wirken aber erst im abgang und gestern fand ich sie sehr subtil und angenehm. aus den storm- und sky-varianten ist der teer ja ganz gut weggemixt und auch wenn ich den talisker storm für einen guten whisky halte, wird die nächste flasche talisker definitiv wieder ein 10 jähriger sein. obwohl ich vor dem nächsten talisker-kauf vielleicht nochmal den 18 jährigen oder den talisker dark storm probiere.
zum abschluss wollte ich gerne den glen moray nochmal probieren, den ich bei unserem besuch dort mal probiert hatte. es gab dort eine besonders stark getorfte spezial-edition, die angeblich auch nur in schottland vertrieben würde. damals habe ich nur einen kitzekleinen schluck davon probiert, weil ich noch fahren musste, aber er war mir stark in erinnerung geblieben. im offside merkte die bedienung zu recht an, dass die whiskys aus der gegend eher weniger getorft seien, bzw. dass sie eben von glen moray keine getorfte variante hätte (obwohl es wohl auch einen klassischen glen moray in peated gibt).
jedenfalls empfahl er mir einen ben riach 17 years septendecim. die ben riach destillerie ist auch in der speyside-region, wie der glen moray oder der glenfiddich, und er schmeckte mir aussergewöhnlich gut. er ist sehr hell und nach angaben der destillerie weder gefärbt noch kaltgefiltert. ich hätte mir den ben riach liebend gerne im whisky-store gekauft, auch wenn er dort ziemlich rot aussieht, aber bei amazon bekomme ich ihn 17 euro günstiger und ohne die 6 euro versandkosten, die mich der versand der 79,90€-flasche bei whisky.de kosten würde. auch wenn mir die youtube-verkostungen von horst lüning immer grosses vergnügen bereiten, 23 euro extra sind mir dann doch zu viel.
ich habe beim schreiben des artikels den falschen whisky gefunden. der benriach septendecim bei whisky.de kostet tatsächlich (gerade) 5 euro weniger als bei amazon. auch wenn ich etwas mehr für den versand bezahle, werde ich dann wohl doch mal bei whisky.de bestellen.
die bedienung im offside hatte ich eben ja schonmal kurz am rande erwähnt, sie verdienen aber alle eine besondere erwähnung. ich war sehr beeindruckt von der effizienz, aufmerksamkeit und der kompetenz der bedienungen dort. die bestellungen waren schneller auf dem tischen als das whisky-getrübte auge folgen kann, mehrfache platzwechsel konnten unsere bedienung nicht mal im ansatz irritieren und freundlich waren sowieso alle. ich glaube ich habe am ende 20% trinkgeld gegeben.
im offside gibt’s auch kleinigkeiten zu essen, darauf habe ich gestern verzichtet, aber der käse, der dort serviert wird, hat mich laut auflachen lassen. wer möchte, kann im offside ein stück camembert bekommen, das so gross ist wie eine viertel torte. ich habe auch teller gesehen auf denen drei grosse würste waren, zwei fleischfarbene und eine grüne, die sich bei näherer betrachtung als gigantische saure gurke herausstellte.

gäste im offside werden, wie die whiskys die ich gerne mag, stark geräuchert. ich war glaube ich seit 20 jahren nicht mehr in einer kneipe in der so kräftig geraucht wurde. ein gast paffte sogar an einer zigarre. um 20 uhr war der laden zum bersten voll, mit menschen und mit rauch. das entspannte sich alles im laufe des abends, aber ich kam am abend als räuchermännchen nachhause.
offside
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13357 berlin
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orrr. heute ist getting-things-not-done-tag und mailbox thousand.
nach 10 folgen the expanse muss ich nach dem staffelfinale sagen: das war ordentliche science-fiction, auch wenn es am ende etwas ins mystery-genre abrutschte und sehr „die hard“ wurde. aber abraten das anzusehen, würde ich niemandem.
gibt’s sowas? eine iOS-app (whitelabel, vllt. sogar open source), die einen oder mehrer RSS-feeds einliest (vllt. mit pubsubhubbub-unterstützung) und benachrichtigung bei neuem artikeln?
amp-indexierungs-status
update zum status von vor 12 tagen:

die meisten der von wirres.net-servierten amphtml-seiten sind jetzt fehlerfrei, aber noch nicht reindexiert. trotzdem immer wieder faszinierend, google bei der arbeit zuzuschauen.
the expanse s01e09 und s01e10

zum abschluss eine doppelfolge. habe ich mich noch vor ein paar folgen über den kammerspielcharakter der serie beklagt, konnte ich jetzt zwei folgen lang dabei zusehen wie ein paar hundert menschen erschossen und vergiftet wurden. die zwei folgen waren ein bisschen wie eine doppelfolge die hard oder die zusammengeschnittenen schlussszenen aus der terminatorreihe.
die zwei oberchecker hauptcharaktere, holden und miller, verwandeln sich in verstrahlte versionen von bruce willis, der am ende von die hard ja bekanntlich immer leicht zerfetzt aussah.
der gegener scheint allmächtig, wie hydra aus dem marvel universum, die verschwörungstheorien erreichen fletcher’s visionen-niveau. ein bisschen the maze ist auch drin.
the expanse hat jetzt 10 folgen gebraucht um die exposition hinzubekommen. jetzt wissen wir, dass es eine riesige verschwörung gibt, dass alles zusammenhängt, die vermeintlich guten auch dunkle seiten haben und die geheimnisvolle macht neben der erde, dem mars und den „beltern“ ist fertig skizziert. und auch die waffe, mit der diese geheimnissvolle macht ihren sieg zu erreichen gedenkt, ist ausskizziert.
das war alles unterhaltsam und auch wenn ich parallel zur serie die episoden-zusammenfassungen lesen musste, um alles zu verstehen, hab ich das gerne angesehen, auch wenn es viele kleine technische schwächen gab.
wenn ich die serie kurz umschreiben müsste, würde ich mittlerweile sagen: game of thrones im all. die längere umschreibung überlasse ich der wikipedia. ich würde auch niemandem davon abraten, sich the expanse anzugucken. aber wer damit anfängt muss sich auf einige staffeln einstellen.
lucifer s01e02

eigentlich ne ganz lustige serienidee (bzw. comic-adaption): dem teufel isses in der hölle langweilig und er macht ein bisschen urlaub in los angeles. er materialisiert sich als schmieriger, schlanker und zu gut aussehender schwerenöter mit einem schmierigen englisch-pseudo-aristokratischen akzent. die verwaltung der hölle ist nicht sonderlich glücklich mit lucifers entscheidung und versucht wahrscheinlich die ganze staffel lang, ihn zurück in die hölle zu befördern.
besonders viele fähigkeiten hat der teufel allerdings nicht. in der ersten folge (die ich vor ein paar wochen gesehen habe, als ich noch nicht jeden scheiss aufschrieb, den ich sah) beschriebt lucifer sich unter anderem so:
i got an ability to draw out peoples hidden desires.
seiner therapeutin (!) gegenüber behauptet er (in der zweiten folge):
i don’t have insecurities.
einen kleinen dreh bekommt die serie dadurch, dass lucifer eine polizistin kennenlernt, die viel zu gutaussehend besetzt wurde, aber vor allem seinen bezirzungen und psychotricks zu widerstehen im stande ist. ihr kann er gegen ihren willen keine versteckten sehnsüchte und begehrlichkeiten aus der nase ziehen, aber vor allem schafft er nicht sie zu bezirzen — was ihn natürlich total verunsichert.
hört sich alles total albern an, die serie schafft es aber einigermassen, an den grössten peinlichkeiten vorbei zu tänzeln. ich muss leider zugeben, die serie zu gucken, macht stellenweise sogar spass. das liegt einerseits daran, dass sie eigentlich eine stinknormale, klassiche krimiserie ist — in der eben der teufel mit begrenzten, aber ungewöhnlichen fähigkeiten mitspielt.
diese konstellation produziert hin und wieder auch ein paar, gar nicht mal so dumme, witzige situationen. denn natürlich macht lucifer keinen hehl daraus, dass er der teufel persönlich ist — nur dass ihm das wegen seiner sympathischen, jovialen und leicht schmierigen art niemand glaubt. die serie bietet auch eine prima gelegenheit die grundsatzfragen zu stellen, die im prinzip alle guten und mittelguten serien stellen: was macht uns menschen aus, was unterscheidet uns von ausseririschen (star trek) und göttern (griechische mythologie), was macht menschlichkeit aus, was ist gut und was ist böse, wie können wir uns weiterentwickeln, wie werden aus guten schlechte menschen (und umgekehrt)?
theoretisch ergibt sich hier auch die gelegenheit stereotypen und rollenerwartungen umzudrehen und aus anderen perspektiven zu betrachten, aber das schafft die serie, zumindest in den ersten beiden folgen, nur mässig.
vor allem ist es ein bisschen schade, dass der teufel offenbar immer nur ans ficken und bezirzen von frauen zu denken scheint und sich extra für fox, dem sender, auf dem die serie läuft, seine mutmasslich ausgeprägten bi- bzw. homosexuellen neigungen verkneift — auch wenn man ihn einmal (züchtig bekleidet) aus einem bett steigen sieht, in dem eine frau und ein mann liegen.
der teufel den die serie zeichnet ist schon ziemlich handzahm und freundlich und seine fähigkeiten scheinen, wie gesagt, irritierend limitiert zu sein. aber diese harmlosigkeit macht die serie auch leicht und angenhem konsumierbar. alles schön niedrig dosiert.
natürlich ist lucifer nur eine mittelgute serie, aber unter den mittelguten serien eine der besseren. deshalb war ich kurz davor vier punkte zu geben, ziehe aber einen ab, wegen zu gutaussehender hauptdarsteller.
hatte nachdem du zum erstenmal gefragt hattest starke lust und versucht eindeutig jein zu sagen (wirres.net/9099), was dann (technisch) nicht klappte und jetzt weiss ich, dass es terminlich am 16./17. april nicht klappen wird. aber bei der nächsten gelegenheit versuche ich dabei zu sein.
berlin, 3. februar 2016

der wind drückte überall dort kräftig, wo es die bebauung oder der bewuchs zuliessen. an der seestrasse war es dank der bäume relativ windstill. als ich nach oben, in den fleckigen himmel, schaute und die kälte spürte, hatte ich einen gedanken. den gleichen gedanken, den ich oft habe, wenn ich in den sternenhimmel blicke. unser planet schwebt nicht nur in einem unendlich grossen raum, sondern auch in unvorstellbarer kälte. eine kugel, die sofort auskühlt, wenn sie sich von der wärmenden sonne wegdreht oder die strahlen der sonne blockiert werden. für einen moment bildete ich mir ein, die eisige kälte des weltraums an meinen wangen zu spüren. für einen weiteren moment, dachte ich an das unendliche schwarz hinter dem blau. dann kam die bahn und schottete mich ab vom wind, der weltraumkälte und meinen naiven vorstellungen vom weltall. den rest des tages werde ich nicht viel von der sonne sehen.
sophie hunger
in der letzten schulz-und-böhmermann-sendung bin ich noch nicht zum @sophiehunger-fan geworden, aber sie ein bisschen zu googeln, machte mich fast sofort zum fan.
google.com: sophie hunger - Google-Suche #
wer assistenz beim googeln braucht, mit diesem link geht’s.
nzz.ch: Interview: Ehrfurcht vor dem Glück #
tolles interview mit der sängerin sophie hunger und der triathletin nicola spirig:
Nicola Spirig: Ich habe noch eine Frage. Du singst in vier Sprachen, wenn man Schweizerdeutsch dazuzählt. Gibt es eine Sprache, in der du dich am besten ausdrücken kannst?
Sophie Hunger: Nein, es sind verschiedene Persönlichkeiten: Wie wenn ich vier Personen wäre. Jede Person hat ihre Sprache.
Nicola Spirig: Und wenn du eine Idee hast …
Sophie Hunger: … dann ist sie automatisch mit einer Sprache verknüpft. Eine Person tritt in den Vordergrund, und die anderen gehen ein bisschen zurück. Ich fand es schon als Kind schade, dass man nur eine Person sein kann. Oder sogar eine Zumutung. Aber mit der Phantasie kannst du ausbrechen. Wir können den Körper nicht verlassen, aber in der Phantasie kannst du mehrere Leben haben. Das hat mich sehr beruhigt, es hat mir viel Geborgenheit gegeben.
und über schulz und böhmermann (die erste staffel wurde zwischen dem 13. und 16. dezember in köln aufgezeichnet):
Sophie Hunger: In meinem Beruf verschieben sich die Grenzen ständig. Manchmal habe ich das Gefühl, ich hätte meinen Weg, meinen Stil gefunden. Ich glaube zu wissen, welche Dinge ich mache. Aber kürzlich habe ich zum Beispiel in Deutschland an einer Talkshow mitgemacht. Das war so ein Moment, in dem ich dachte: Hey, das ist entsetzlich. Es ist schlimm, dass ich hier sitze. Ich möchte nicht Teil dieser Welt sein. Unterhaltung nur um des Unterhaltens willen, völlig leer. Ich konnte nachher kaum schlafen, es hat mich richtig lange beschäftigt. Ich kam an eine Grenze, ich sah: Das war zu viel. Diese Entscheide muss ich immer wieder neu treffen.
welt.de: Sophie Hunger über ihr neues Album Supermoon in Berlin #
sophie-hunger portrait von hannah lühmann, die ein bisschen zu doll versucht selsbt poetisch zu klingen, die sympathische sprödigkeit von sophie hunger aber trotzdem ganz gut einfängt.
Ihre Lieder sind Gedichte, und Gedichte, wenn sie gut sind, sind manchmal Fragen, sie sind „weit draußen“, könnte man mit Celan sagen, und es ist nur ein ganz wenig übertrieben, Sophie Hunger in die Nähe von Paul Celan zu rücken. Jedenfalls ist sie eine sehr gute Lyrikerin. Die ersten Takte ihres „Walzers für Niemand“ sind ein Stück Weltraum im Dreivierteltakt, rau, verloren, wie vor dem Regen.
youtube.com: Sophie Hunger - The Rules of Fire #
kurzer trailer zu sophie hungers experimenteller bio-doku.

