
IFTTT dreht jetzt am ganz grossen rad. faszinierend wie sich das projekt entwickelt.

IFTTT dreht jetzt am ganz grossen rad. faszinierend wie sich das projekt entwickelt.

einerseits kann ich der geschichte mit ihren vielen zeitsprüngen und ortswechseln, die nie erklärt werden, sondern einfach passieren, nicht richtig nachvollziehen, es fehlt der rhytmus, die auswahl der spielorte und geschehnisse folgt einer mir nicht nachvollziehen logik. andererseits ist die erzähllogik von wolf hall manchmal extrem durchsichtig. gleich am anfang wird diese infotafel gezeigt, die nochmal den hintergrund der letzten 3 folgen zeigt:

heinrich der VIII. trennt sich von seiner frau und von der römisch katholischen kirche um anne boleyn zu heiraten, in der hoffnung dass sie ihm einen männlichen nachkommen zur welt bringt. anne wird schwanger und kehrt mit ihrem neugeborenen zurück nach whitehall:
an dieser stelle ist auch ohne historisches hintergrundwissen klar, was als nächstes auf der tafel stehen wird. und tatsächlich:
abgesehen davon dass die serie deutlich zeigt, was die gesellschaft damals von frauen oder mädchen hielt, nämlich entweder gar nichts, oder dass sie als lästiger balast angesehen wurden, die dooferweise für die reproduktion benötigt werden, muss man der serie hoch anrechnen, dass sie die zeit zwar als rau und sehr gesundheitsschädlich zeigt, aber nicht als völliges irrenhaus. auch wenn in gesellschaft und politik (aber-) glaube und irrsinn durchaus eine grosse rolle spielen, spielt in der gezeigten zeit das parlament und das „common law“ — und seine befolgung — bereits auch eine grosse rolle. gerechtigkeit nach unseren massstäben ist das noch nicht mal ansatzweise, aber menschlichkeit, mitgefühl und vernunft hatten durchaus ihren platz in der zeit unter heinrich dem VIII. — und cromwell ist in der serie das symbol dafür.
auch wenn mir die erzählstruktur und geschwindigkeit missfällt, gefiel mir in dieser folge, dass sie sich um die entwicklung und zuendeführung eines konkreten politischen vorhabens drehte. ganz so wie damals bei the west wing. wen ziehe ich wie auf meine seite, wem könnte ich etwas ins ohr flüstern um eine entwicklung in gang zu bringen, wie gehe ich mit den konsequenzen um, falls der plan scheitert?
am ende driftet die serie, wie ich schon vor ein paar tagen ausversehen sah, etwas ins konfuse ab, aber ich gebe trotzdem nochmal 4 sterne, weil mir der scheiss irgendwie gefällt.
#feelthebern #Bernie #berniesanders #bernie2016 #berniesanders2016
das plakat ist ja relativ minimalistisch, aber ich zähl trotzdem 4, bzw. 5 verschiedene schriftarten.
notes.computernotizen.de: Willkommen in der Alkoholmetropole Köln #
torsten kleinz erklärt den alkoholmissbrauch karneval:
„Der Karneval ist ein riesiges Massenbesäufnis. Leute kommen aus Hunderten Kilometern Entfernung nach Köln, um drei bis fünf Tage sich dem Alkoholrausch hinzugeben, zu singen und zu tanzen. Das ist weitgehend legal. Allerdings darf man alkoholisiert keine Autos oder Motorräder fahren, auch Fahrräder sind ab einem gewissen Alkoholpegel Tabu.
[…]
Passen Sie auf. Menschen unter Alkoholeinfluss werden oft aggressiv oder verlieren die Selbstkontrolle. Wir haben uns bemüht, Kinder vor Alkohol zu schützen, indem wir zum Beispiel Händlern bei Strafe verbieten, alkoholische Getränke an Kinder zu verkaufen. Doch es klappt nicht völlig. Jedes Jahr landen Kinder und Jugendliche wegen Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Sollte Ihr Kind zu viel Alkohol getrunken haben und nicht mehr ansprechbar sein, wenden Sie sich an einen Arzt. Es gibt auch Veranstaltungen in denen Jugendliche beaufsichtigt ohne Alkohol feiern können. Karnevalsvereine erteilen gerne Auskunft.
tagesspiegel.de: Woher der Mensch kommt: „Krieg und Gewalt fingen vor ungefähr 10000 Jahren an“ #
lesenswertes interview mit dem paläoanthropologen friedemann schrenk. das ist der letzte absatz:
Warum haben wir alle anderen Menschenarten überlebt?
Uns zeichnet eine enorme Vielfalt aus: kulturell, aber auch anatomisch. Das macht uns anpassungsfähiger als andere. Und diese Vielfalt ist gerade nicht eine Folge von Isolation, sondern von Vermischungen. Wenn Homo sapiens sich weiter entwickeln möchte, dann geht das sicher nicht durch Abschottung.
trotzendorff.de: Die Snapchat-Falle #
florian blaschke sehr ausführlich und verständlich über snapchat und journalismus.
turi2.de: Blattkritik: Ruth Fend, Redaktionsleiterin der „Business Punk“, über „Dummy“. #
ein bisschen ist das, was ruth fend der dummy vorwirft, die selbstverliebtheit, ja der ganze witz an der dummy — gepaart mit gelegentlicher brillianz. andererseits: „business punk“ hört sich ein bisschen an wie ein fachmagazin für selbstverliebte karrieristen.
dasnuf.de: Wir differenzieren uns zu Tode #
ein text den das nuf im fieber geschrieben hat, an dem einerseits was dran ist und andererseits auch nicht. denn differenzierung muss weder langweilig, noch tödlich sein und allgemein mangelt es in der welt eher an differenzierung, als an wut und streit und wilder spekulation.
pxlnv.com: Localized Hardware #
kathodenstrahlröhrenmonitore mussten an das magnetfeld der erde angepasst werden, dass überall auf der erde leicht variiert. deshalb mussten die geräte auf die nordhalbkugel, die südhalbkugel oder äquatorialregionen geeicht werden.
serienjunkies.de: The Good Wife: Margulies deutet Serienende nach Staffel 7 an #
wundert mich jetzt nicht. seit mindestens zwei folgen (s07e11, s07e12) ist auf the good wife die luft raus. mindestens jedoch den drehbuchautoren scheint die serie keinen spass mehr zu machen. was schade ist, denn für eine ganze weile gehörte die serie zum besten was man sich regelmässig anschauen konnte. the good wife schaffte es gute geschichten zu erzählen, die oft bezug auf reale debatten oder ereignisse nahmen, und sie kommentierte. und zudem zog sich ein gut gesponnener, interessanter roter faden durch die serie.
soulzeppel.in: Schlagloch #
ein schlagloch, das wie texas aussieht!
techniktagebuch.tumblr.com: Heizung in Manhattan #
wie im osten. ach ja, nyc liegt ja im osten …
Optimist: The glass is half full.
Pessimist: The glass is half empty.
Publicist: The glass looks amazing. Everyone loved it. Really great.
(wobei ich dazu sagen sollte: publicist bedeutet in diesem zusammenhang keinesfalls publizist, sondern presseagent oder -sprecher.)
dc’s legends of tomorrow musste ich nach 13 minuten beenden, weil es so bescheuert und stumpf war, dass mir der die galle hochkam. ich vermute die legenden-genese in den ersten 15 minuten sollte rasant und spannend sein und die zuschauer auf eine schwungvolle serie einstimmen, aber auf mich wirkte das alles abgeschmackt, wichtigtuerisch und dümmlich. andere superhelden-serien oder -filme bekommen das besser hin, ihre wichtgtuerei und dümmlichkeit unter einigermassen interessanten geschichten zu verbergen — so gut zu verbergen, dass ich sie mir sogar gerne ansehe.
den reboot von the x-files hab ich knapp 25 minuten ausgehalten. die konsequente abwesenheit auch des geringsten hauchs von ironie oder subtilität beleidigte mich als zuschauer. ja, ich bin wirklich beleidigt, dass x-files exakt der gleiche scheiss, wie vor 14 jahren geblieben ist. ich muss dazu sagen, dass ich akte-x schon damals scheisse fand, aber bei diesem neustart einen etwas zeitgenössischeren ansatz erwartet habe. schliesslich hat gillian anderson in der zwischenzeit ja respektable sachen gemacht.
die ironie mag irgendwo, unsichtbar, tief im inneren der x-akten verborgen sein, unsichtbar für alle, ausser leuten, die das wort kult im zusammenhang mit serien wie knight rider, baywatch oder den alten mission: impossible folgen benutzen.
auch wenn ich den scheiss jetzt gar nicht gesehen habe, ordne ich es mal in die kategorie gesehen ein.
jetzt überleg ich, ob ich mal ein buch lesen sollte.
Bisher nur ein Gerücht: Am Hackeschen Markt könnte ein neuer #Apple-Store entstehen. Adresse würde passen. #Berlin pic.twitter.com/wQnAY4bfF1
(mit axel petermann, samuel koch, katrin bauerfeind, dem langen tünn (anton claaßen), micaela schäfer, oli p., willi herren und nem kölner hai)
am anfang dachte ich: super, endlich mal sowas wie das bemühen um gesprächsführung, übergänge, konzentration, ein paar versuche nicht nur fragen zu stellen, sondern auch antworten auszuhalten. im laufe der sendung ging das dann aber leider wieder im metaebenengequatsche der moderatoren unter. besonders krass fiel das beim umgang mit samuel koch auf. bevor er etwas länger zu wort kommen durfte, fühlten sich olli schulz und jan böhmermann bemüssigt, erst mal darüber zu referieren, wie schwer es doch für sie sei, sich für ein gespräch mit ihm, samuel koch, „frei zu machen“ und nicht in die „lanz-falle“ zu tappen.
hi samuel, schön dass du da bist, leider fürchten wir, dass wir uns nicht frei machen können von dieser „betroffenheitsebene“ und einfach ein „cooles gespräch“ mit dir führen können. wir haben da intern sehr intensiv drüber geredet … — so, jetzt erzähl du mal was lustiges!
dieses metaebenen-gedöns liegt wie ein schleier auf der ganzen sendung — was einerseits ja auch die qualität von allem was böhmermann und schulz tun ausmacht, aber bei überdosierung unerträglich wird.
wirklich ärgerlich fand ich einen späteren einwurf von katrin bauerfeind, in dem sie samuel koch die schuld für die verklemmte gesprächsführung in die schuhe schieben wollte. sinngemäss sagte sie: die behinderten, die sie kennt, würden auch mal witzchen über sich selbst machen, um es ihrem gegenüber leichter zu machen mit ihnen umzugehen. was für ein blödsinn. als katrin bauerfeind ihr fernseh-praktikum bei tim mälzer machte hat der es ihr auch nicht leicht gemacht, im gegenteil, da stand sie kurz vor ihrem rauswurf, weil sie die ihr gestellten aufgaben nicht ernst nahm und mälzer davon tierisch genervt war. mit mälzers aktiv-aggressiver art konnte sie als moderatorin richtig umgehen (indem sie sich stärker anstrengte). einer eher passiv-aggressiven art, meint sie offensichtlich, müssten nicht etwa die moderatoren gewachsen sein, sondern der interviewte solle sich doch bitteschön zurücknehmen oder entgegenkommen zeigen.
was ich übrigens an katrin bauerfeind ganz grossartig finde: ich kann sie in einem moment total scheisse finden und im nächsten moment, oder eher, in der nächsten sendung, wieder ganz grossartig. obwohl das eventuell weniger mit ihr zu tun hat, als mit meiner rezeption. in die gleiche kategorie fällt übrigens sibylle berg. vieles von dem was sie schreibt, finde ich totalen mumpitz, manches finde ich ausgezeichnet — und als ich ihren text über den ex-zuhälter „de lange tünn“ (anton claaßen) hörte, wollte ich eine ode auf sie und ihre grossartigkeit verfassen. aber statt die grossartigkeit ihrer kleinen texte über die gäste der sendung zu besingen, lass ich sibylle bergs worte über herrn tünn für sich sprechen (youtube-version):
Bevor es den Rap gab, also damals™, führte der Weg aus dem Elend junge, von der Welt gekränkte Männer, ins Rotlichtmilieu. Mit anderen geilen Typen raufen, viel Geld, schnelle Autos, Bodybuilding, Goldketten und die Frauen hatten ihren Platz: an der Bar und nackig an Kletterstangen, als Schlampen oder herzensgute Huren. Heute hat Herr Tünn, der sehr drollig einen Dialekt nachahmt, der vermutlich Friesisch ist, sich von diesem Leben verabschiedet, in einen anderen Bereich, der Männern ohne Eigenschaften Heimat ist, den Fußball. Vielleicht als Kommentator, oder Trainer, oder, pfft, egal, denn es geht die Legende, dass Herr Tünn Legenden aus seinen Lebensgeschichten macht, was wieder sehr sympathisch ist — man kann nicht genug lügen in diesem kurzen Leben. Und bestimmt ist er ein netter Kerl, denn nett sind sie ja alle, im Fernsehen.
die texte von berg sind nicht immer auf den punkt, aber immer präzise und aufs wesentliche kondensiert. das ist ein sehr schöner kontrast zu den relativ unkondensierten plauderwellen, die aus den beiden moderatoren herausbrechen.
nett war herr tünn dann zwar nicht, wohl aber nervig. aber nervig sind sie ja auch irgendwie alle, im fernsehen. obwohl eigentlich war nicht der herr tünn/claaßen nervig, sondern die redezeit, die ihm gewährt wurde und die vielen fragen die an ihn gerichtet wurden. bei deren beantwortung konnte er dann sein leben, seine zuhälterei und gewalt in schönsten relativierendem kölsch weisswaschen. über seinen umgang mit den frauen, die für ihn anschaffen gingen, sagte er zum beispiel sinngemäss:
jeschlagen hab isch die fast nie, jedroht fast jeden tag.
wenn se jelaufen sind, dann gabs aber rambazamba! die gehn ja nich weg um abzuhauen, die gehen weg, wenn se nen anderen typen kennenjelernt haben. die müssen dann aber abstand bezahlen!
und zack, bin ix in die schulz-und-böhmermann-falle getappt! ich habe dem typen redezeit gegeben. jetzt entziehe ich ihm das wort und vor allem, ich vergesse ihn wieder.
eine ganz besondere fähigkeit hatte der kriminalist axel petermann, der ein bisschen wie werner herzog redet und wie bernhard paul aussieht: er schaffte es mehrfach in der sendung, dass sowohl olli schulz als auch jan böhmermann sehr ernst guckten und länger als 30 sekunden schwiegen. ausserdem konnte axel petermann ironie, was jan böhmermann völlig aus dem konzept brachte und seine ironiedetektoren deaktivierte. der platz auf dem axel petermann sass, vom zuschauer aus vorne links, ist jetzt schon in der zweiten sendung in folge der platz, auf dem jemand sitzt, der länger hätte reden sollen. witzigerweise ist das nicht nur meine ansicht, sondern auch das was olli schulz und jan böhmermann in ihrer nachbesprechung sagten.
die nachbesprechung, wenn gäste und publikum gegangen sind, wurde in dieser sendung von larissa rieß verwässert. sie ist im abspann als „assistenz“ gelistet und sonst offenbar radiomoderatorin. auch larissa rieß schloss sich der moderatoren-protektion von katrin bauerfeind an, als sie jan böhmermann’s klage, dass samuel koch ihn auflaufen liess, assistierte (sic!) und sagte: „das ist auch gemein, weil er wusste, dass du nicht zurückschiessen kannst.“
immerhin ein gutes hat diese absurde böhmermann-verteidigung: in dieser sendung hat jan böhmermann mehr mitleid abbekommen, als samuel koch.
olli schulz wird übrigens immer besser. er greift böhmermann in schwachen momenten gnadenlos an, kann mit einer winzigen geste, ohne worte, ohne rumgekasper grossartige witze machen (siehe oben, in der sendung bei minute 53:39) und er bezieht deutlich stellung, wenn er es für nötig hält. zweimal brachte er seine ansichten über die relativierung und mythologisierung des rotlichtmilieus deutlich und ohne ironiesicherheitsnetz zur sprache.
in der sendung gabs übrigens noch 4 extra-gäste (micaela schäfer, oli p., willi herren und nen kölner hai). die idee finde ich gut, micaela schäfer durfte einen brust-witz machen („ich verkaufe nicht mein gesicht in mallorca, ich verkaufe meine brüste!“), aber ich finde in der durchführung sollte man mehr konsequnz und härte zeigen und den ersatz-gästen nur dann mehr als 3 minuten geben, wenn ein anderer gast dann auch endgültig gehen muss. oder anders gesagt: statt nach der sendung respektlos über die gäste her zu ziehen, lieber gleich in der sendung haltung zeigen und gäste oder moderatoren, die nerven, einfach austauschen.
(in der zdf-mediathek gesehen, .mp4-datei und hier noch ein teaser zur sendung)
Habe früher Banner-Ads gesammelt. Bitte fragt nicht nach dem Warum. Fragt niemals nach dem Warum. pic.twitter.com/WTq6hE3TBt
sleek-mag.com: Why Are All-Female Exhibitions So Problematic?
an paenhuysen über eine ausstellung in der saatchi gallery, die 14 frauen vorstellt:
[2010] the Brooklyn Museum showed “Seductive Subversion: Women Pop Artists, 1958-1968” and since then many have followed suit. Auction houses have also jumped on the bandwagon and last year Sotheby’s put on the exhibition “Cherchez la femme: Women and Surrealism”.
The droll thing is that it’s never the other way around: “Men and Pop”, “Men and Surrealism”. Why not? Because it’s considered to be norm, no need to emphasise the male gender. If Saatchi Gallery would have mounted an exhibition with 14 male artists, nobody would call it a male exhibition. I remember the shock I got in 2014 at the Hans Richter show in Martin Gropius Bau in Berlin, curated by Timothy Benson of LACMA. In this exhibition they showed Richter together with his colleagues Laszlo Moholy-Nagy (no, not his artist wife Lucia!), Viking Eggeling, Walter Ruttmann, Theo van Doesburg, John Cage, Marcel Duchamp, Fernand Léger, and Max Ernst. There was one woman who made it onto the wall, Irene Bayer-Hecht, for making a portrait of her husband Herbert Bayer. The preface of the exhibition catalogue was written by the five (male) directors of major institutions stating that Hans Richter worked with the “who’s who” of the 20th century avant garde – they were all male artists.
(hervorhebung von mir)
neben der tatsache, dass frauen sehr oft, sehr unberechtigterweise ignoriert werden, sei es bei der ausstellungskuratierung, besetzung von diskussionspanels oder der organisation von konferenzen, ist es eben immer noch bei vielen von uns so, dass wir wir einen männerüberschuss bei ausstellungen, konferenzen, führungspositionen, abgeordnetenplätzen oder regierungsämtern als normal empfinden — weil wir es so gewohnt sind. nun ist aber das argument „haben wir schon immer so gemacht“, das schlechteste, denkbare argument um etwas zu tun. eigentlich ist es auch kein argument, sondern ein hinweis darauf, dass man sehr an seinen gewohnheiten hängt und in gewisser weise faul und ignorant ist.
bequemlichkeit und ignoranz sind dinge, an denen wir alle leiden — und ich nehme mich da explizit nicht aus. ich hänge auch sehr an meinen gewohnheiten — und weil ich das weiss, versuche ich mich hin und wieder dazu zu bringen, bestimmte gewohnheiten und verhaltensmuster zu ändern. und ich freue mich über hinweise, die mir diese muster gelegentlich vor augen halten.
in diesem sinne nehme ich an paenhuysen’s oben verlinkten text auch nicht (in erster linie) als kritik an der saatchi-galerie wahr, sondern als hinweis, als aufforderung die alten denkmuster und gewohnheiten mal zu überdenken. und sie tut das auch sehr konstruktiv, wenn sie am ende sagt:
Okay, all good, but what exactly would be a radical thing to do for Saatchi Gallery? Well, it would have been, for instance, much more radical of them to make an exhibition about something as random as eyeglasses in the 20th century that just happened to feature only works by women artists. Would anybody notice? As it is, talking male and female seems to be so 20th century. Aren’t we living in a time that it’s generally acknowledged that there are more than two genders? Putting on an all-women exhibition is as original as making a show about let’s say Belgian artists – it repeats the boundaries in society and it pigeonholes artists. I personally have nothing against quotas and I would have loved it if Saatchi had declared that from now on 50% of every group exhibition will comprise works by female artists. And that would be the moment when we could start talking about a real shift in the art world.
eine quote.
ich habe mir in den letzten 10 jahren, in denen (gesetzliche) quoten hier diskutiert wurden, nie eine abschliessende meinung gebildet. allerdings haben mich die argumente pro quote stets besser überzeugt, als die gegenargumente. das schäbigste argument ist bekanntlich der spruch, dass es nicht ums geschlecht gehen solle, sondern stets um die qualifikation. dem widerspricht eine quote meiner meinung nach überhaupt nicht, natürlich soll es auch mit einer quote stets um die qualifikation gehen, aber eben unter berücksichtigung (auch) des geschlechts. das mag die suche nach geeigneten kandidaten und kandidatinnen erschweren oder in die länge ziehen, aber mangel an Geeigneten* heisst ja nicht, dass es keine gäbe, sondern dass es schwerer, aufwändiger oder teurer ist, welche zu finden die den vorgaben, erwartungen, qualifikationen und der quote entsprechen.
aber genau das, die einschränkung von optionen, das verbot von einfachen, bequemen oder gewohnten lösungen, ist genau das, was kreativität freisetzt und umdenken, neudenken anregt. das funktionsprinzip von solchen einschränkungen kann man bei twitter beobachten, wo das tägliche abkämpfen am 140-zeichen-limit teilweise zu kreativen höchstleistungen führt. genauso führt das abkämpfen an physikalischen gegebenheiten (siehe auch →gravitation) oder gesetzlichen vorgaben bei der architektur immer wieder zu lösungen, auf die man sonst nie und nimmer gekommen wäre (siehe auch →fractional horsepower).
sich an vorschriften oder einschränkungen abzukämpfen ist einerseits dünger für ideereichtum, aber andererseits alltag, in jedem bereich, in der wirtschaft, in der kultur, in der freizeit. in der wirtschaft hat derjenige am meisten erfolg, der sich durch den dschungel an vorschriften und einschränkungen besser durchwuselt, als die konkurenz. ohne rahmen, ohne einschränkungen und vorschriften oder spielregeln, gibt es keine exzellenz.
eine (frauen) quote wäre, aus meiner sicht, in sehr vielen bereichen ein hervorragendes hilfsmittel um unseren blick zu schärfen und eine aufforderung, uns von vermeintlichen normen zu lösen und besser hinzuschauen, anders hinzuschauen und am ende gerechter und fairer zu handeln.
im kleinen kann man meiner meinung nach aber auch viel tun, nämlich jedes mal laut darauf hinzuweisen, wenn veranstaltungen es vergessen auf ein ausgeglichenes teilnehmenfeld zu achten, oder diversität als unwichtg, niedrig priorisiert erachten. das passiert derzeit recht lautstark bei der oscar-verleihung, das passiert hin und wieder bei konferenzen, die ihre männer-only-teilnehmerliste stolz vorstellen, um dann später hinterherzuschieben, dass die liste natürlich nur vorläufig gewesen sei und dann nach und ein paar alibi-frauen nachschieben.
ich werde es mir jedenfalls zur gewohnheit machen, jedes mal wenn veranstalter (oder produzenten oder kuratoren) das mit der ausgeglichenheit oder diversität vergessen, etwas zu sagen und es danach unter „pimmelfechten“ zu kategorisieren.
*) grossbuchstabe fürs verständnis eingefügt
heute beim blättern im neuen kochbuch auf die armen ritter gestossen, die ottolenghi aus brioche zu machen vorschlägt. da dachte ich mir, warum nicht einfach mal wieder brioche machen? eigentlich brauchen brioche wirklich lange, der teig muss gehen, nach einer stunde bei zimmertemperatur, am besten für 24 stunden, gut gekühlt — und dann in der form auch nochmal 2-3 stunden.
aber wir hatten es eilig, wir wollten sie ja frühstücken, die brioche. also habe ich gegen alles was ottolenghi in seinem brioche-rezept vorschlug, verstossen. ich hab die doppelte menge gemacht, ich habe die butter mit öl ergänzt (es herrschte buttermangel im haus) und die aufgehphasen radikal verkürzt. den fertigen teig hab ich nur 45 minuten gehen lassen, dann, in der form, nochmal 30 minuten und das ergebnis war trotzdem sehr lecker. kann ja auch nicht anders sein, bei den zutaten.
sorgfältig verkneten, das ergibt einen klebrigen teig, den man 2-3 minuten in der maschine kneten sollte (ich habs per hand gemacht) und dann langsam, nach und nach, 150 gramm butter unterkneten. das wiederrum ergibt einen schön gnätschigen teig. nach 45 minuten hab ich den teig nochmal leicht geknetet und in eine gefettete form gefüllt. dadrin liess ich ihm nochmal 30 minuten, aber er bockte und ging nicht besonders toll auf. die 15 minuten im ofen bei 180° haben nicht ganz gereicht um alles durch zu garen, aber wir haben nach knapp 30 minuten die aussenstücke abgeschnitten und die mitte nochmal 15 minuten im ofen belassen.
das alles ergab dann ein eher spätes frühstück, aber ich glaube wir sind jetzt bis heute abend satt.
schon in der vorschau zeigt armin eine kleine sachgeschichte zur funktion des kölner pegelstandanzeigers in der altstadt. in der sendung selbst geht’s um hochwasserschutzmassnahmen vor elbhochwassern in sachsen (in lödderitz). armin erklärt wie deiche gebaut werden und wie deiche funktionieren. man sieht sehr viele bagger, viel sand und viele LKWs. und alles wird wunderbar anhand von filmaufnahmen und modellen erklärt.
so muss das sein, ganz klassich, ganz toll erklärt. was mir bisher noch nie auffiel: die musik in den sachgeschichten. diesmal ist mir die musik aber aufgefallen, vielleicht weil sie nen tacken zu schmissig und, hm, unpassend war.
auch beim kleinen maulwurf gab’s hochwasser. eine kleine lektion in gemeinschaftssinn und am ende gabs für alle erdbeermarmeladebrot. bei dem maulwurffilm fiel mir auf, dass alle tiere den gleichen synchronsprecher haben.
bei shaun das schaf gab’s nen wasserrohrbruch. auch nett, wie fast immer.
(auf wdrmaus.de gesehen)
[nachtrag 17.04.2016]
ich bin nicht sicher, seit wann die ARD sachgeschichten bis 2099 in die mediathek stellt, aber hier steht es: „Verfügbar bis 30.12.2099“
und weil die .mp4-datei verlinkbar ist, ist sie natürlich auch einbettbar.
deichbau in der sendung mit der maus vom 24.01.2016
(mit ice cube, kevin hart, hugh laurie, olivia colman, sir david attenborough und elle king)
man vergisst ja immer wieder, dass talk-sendungen, oder wie graham norton das sagt, „chat shows“, immer in erster linie werbesendungen sind. werbesendungen deren deal lautet, dass stars in die sendung kommen und dafür ihren neuesten film, ihr neuestes buch, platte, sendung oder was auch immer sie gerade gemacht haben, promoten. das war in dieser sendung natürlich nicht anders, aber dieses mal recht angenehm, weil ausschliesslich für sachen werbung gemacht wurde, die mir gut gefallen würden. eine echte verbraucherinformationssendung sozusagen. ha, wäre verbraucherinformationssendung nicht ein guter eingedeutschter name für talkshows?
[wie kommt das eigentlich, dass wir nach so vielen jahren deutschen fernsehens immer noch keine guten, eingedeutschten namen für talkshow haben? schon klar, dass redesendung nicht schön ist. hätten die fernsehmacher in den 50er jahren solche sendungen plauderschau genannt, hätten wir uns vielleicht an das wort gewöhnt, so wie wir uns mittlerweile an tagesschau (aka daily show) gewöhnt haben.]
olivia colman (die eine alte, goldene quarzuhr zu tragen schien) und hugh laurie kamen, um werbung für die BBC miniserie the night manager zu machen. das ist die verfilmung eines john le carré romans und könnte allein schon wegen des ensembles sehenswert sein. der trailer sieht jedenfalls ganz vielversprechend und gut produziert aus (auch wenn er etwas dick aufträgt). olivia colman und hugh laurie sind auf dem sofa einer plauderschau aber sehr unterhaltsam und alles andere als dick auftragend.
genau wie ice cube und kevin hart, die allerdings auf eine amerikanischere art unterhaltsam sind (lauter, sehr viel lauter). die beiden promoteten ihren neuen ride along 2-film (trailer), in dem auch ken jeong mitspielt, der mir bei der letzten jimmy fallon plauderschau sehr positiv auffiel. nebenbei sagte ice cube noch ein paar worte über die jüngste oscar-diskussion, als ihn norton danach fragte, ob er die auch boykottieren wolle. sinngemäss sagte ice cube, dass er nichts boykottieren könne wo er eh nicht hingehe und dass preise und auszeichnungen zwar nett seien, aber man shows und filme ja für das publikum und nicht für gutachter mache.
was ich nie verstehen werde, ist die auftrittsreihenfolge und paarungspolitik auf dem sofa von graham norton. mal kommen zwei gäste, die dann verschwinden wenn die nächsten zwei kommen, mal kommen alle gemeinsam aufs sofa. andererseits: wozu soll ich etwas verstehen wollen, was immer ausnehmend gut funktioniert? in dieser sendung kam nach 20 minuten sir david attenborough dazu. der wird demnächst 90 und ist für seine fast 90 jahre erstaunlich mobil, witzig und schlagfertig. und interessant sowieso. solche menschen möchte ich übrigens viel öfter im fernsehen sehen. sie helfen einem ungemein, die angst vorm altern zu überwinden.
die musikalischen auftritte schalt ich bei graham norton eigentlich immer weg, bzw. überspringe sie. die youtubeversion der sendung erledigt das meisten gleich für mich mit, weil die uploader die musik rausschneiden, vermutlich aus angst vor youtube’s content-id-mechanik, die die musik identifizieren könnte und die musikverlage dann zum löschen des videos inspirieren könnte.
in dieser sendung habe ich ausversehen die musik weiterlaufen lassen — und mir gefiel was ich da hörte. graham norton gefiel das (natürlich, wie immer) auch: „i love that song“. das lied (ex’s & oh’s) war von elle king, die ihre platte nach einem sex-shop in florida benannt hat: lovestuff.
(hier das offizielle video von ex’s and oh’s)
nach ihrem auftritt durfte elle king auch nochmal auf dem sofa platz nehmen und komplimentierte gleich ice cube („big fan!“), was deshalb witzig war, weil kevin hart so tat als sei das kompliment für ihn gedacht. elle king inspirierte david attenborough dann noch dazu, von einer begegnung mit einer ratte auf einem indischen klo zu erzählen und, was mich sehr beruhigte, ellen king verstand, wie ich, kein wort der geschichte des kandidaten auf dem roten schleuderstuhl.
(auch auf youtube)
eine folge in der cromwell die ganze zeit ans ficken denkt und nebenbei ein paar besorgungen und deals für den könig macht. ein paar seiner privaten intrigen scheitern und er kann einen seiner freunde nicht vor dem scheiterhaufen bewahren. parallel fängt cromwell an, vom empfänger von drohungen, zum sender für drohungen zu werden.
insgesamt bin ich nach wie vor leicht verwirrt. in einer szene fängt cromwell an, an lady ann, der künftigen königin rumzufummel. offenbar ein kurz eingeschobener tagtraum, eine botschaft des regisseurs an den zuschauer: cromwell denkt die ganze zeit ans ficken. die botschaft kam an, aber ich war erstaunt wie schlecht diese szene inszeniert war. auch die zeitsprünge sind undeutlich inszeniert — eigentlich gar nicht inszeniert, sie passieren einfach. man kann sich nach dem schnitt von der krönungszeremonie auf die schwangere lady ann schon vorstellen, dass da jetzt ein paar monate zeit vergangen sind, aber vielleicht könnte man das auch einfach, nunja, inszenieren? ein bisschen wenigsten?
ansonsten altert cromwell jetzt kräftig, vielleicht ist sein aussehen aber auch nur ein zeichen dafür, dass er einen freund nach dem anderen verliert und trauert? andererseits scherzt er ständig mit den leuten, mit denen er redet.
so recht weiss ich nicht, woran ich bei dieser serie bin. ein, zwei folgen schau ich mir jetzt noch an, dann entscheide ich mich, ob mir das zu langweilig, zu langsam oder stockend zum weitersehen erzählt ist.
ausserdem ist mir noch ein detail aufgefallen, eine möglicherweise kleine, historische inakkuratesse: viele fassaden der häuser die man sieht, sind aus nacktem sandstein. wenn ich mich recht erinnere ist das ihr heutiger zustand. beim bau, zur damaligen zeit, liebte man es, diese fassaden zu verputzen und zu bemalen. dafür hat das produktionsbudget wohl nicht mehr gereicht.
mein tagewerk: eine transportkiste für die beifahrerin.
der „da passt sie doch gar nicht rein“-witz, kam bis jetzt erst dreimal (siehe).
2 statt 6 personen. aber stimmt schon, suppen werden ja oft als vorspeisen genutzt; wir haben uns dran satt gegessen.
ich glaube ich hab an dem rezept alles anders gemacht als ottolenghi es in seinem nopi-kochbuch beschrieben hat — hat aber trotzdem geschmeckt.
lammrücken gabs beim türken nebenan nicht mehr, also hab ich lammkeule gekauft, sie entbeint und entfettet und die stücken wie den lammrücken zubereitet. ernüsse hatten wir keine mehr im haus, also hab ich das pesto mit haselnüssen gemacht. kokosmilch wollte ich keine ganze dose aufmachen, also hab ich etwas wasser und kokosflocken genommen, auch weil ich mal gelesen habe, dass kokosmilch aus kokosflocken und wasser bestehe. das salsa habe ich allerdings fast nach der anleitung gemacht: nur etwas mehr zwiebel, keine geröstete paprika aus dem glas, sondern die kleinen paprika im glas aus polen, die sich seit wochen im kühlschrank langweilten, weil sie keiner mochte. im salsa waren sie aber super. das pesto mochte die beifahrein nicht, die lamkeule so mittel.
die beifahrerin hat eine sehr grosse palette.














