alles

wir sa­gen ja ger­ne: „ver­ar­schein kann ich mich selbst“. ich be­zweif­le das schon län­ger und mei­ne über­zeu­gung, dass wir gar nicht mal so gut da­drin sind uns selbst ge­zielt was vor­zu­ma­chen, wur­de heu­te si­gni­fi­kant ge­stärkt. aus­ser­dem bin ich jetzt der mei­nung, dass die­se fä­hig­keit in der tat wün­schens­wert ist.

be­reits ges­tern bin ich we­gen ja­son kott­ke über ein se­hens­wer­tes vi­deo von da­vid epstein ge­stol­pert. kott­ke schrieb:

BTW, Epstein just star­ted his You­Tube chan­nel a few months ago, but it’s al­re­a­dy fil­led with gre­at stuff like Why The Fas­test Way To Im­pro­ve Is To Sub­tract, Why The Smar­test Peo­p­le I Know Set Cons­traints, Not Goals, and Why The Best Kids Are Ra­re­ly The Best Adults. I’ve got some cat­ching up to do.

ich habe heu­te auch „some cat­ching up“ ge­tan und bin sehr an­ge­tan von epsteins vi­de­os. „Why The Fas­test Way To Im­pro­ve Is To Sub­tract“ an­zu­se­hen hat sich al­lein schon we­gen die­ses zi­tats gel­lohnt:

I don’t need time.
What i need is a dead­line.
Duke El­ling­ton

im vi­deo spricht da­vid epstein vor al­lem über ei­nen ko­gni­ti­ven bias den psy­cho­lo­gen „ad­di­ti­ve bias“ oder „sub­trac­ti­ve ne­gle­ct“ nen­nen. wir ten­die­ren dazu pro­ble­me durch hin­zu­fü­gen von et­was zu lö­sen und tun uns oft schwer da­mit pro­blem­lö­sun­gen in be­tracht zu zie­hen, die et­was ent­fer­nen.

zum bei­spiel: bes­ser fer­tig wer­den mit we­ni­ger zeit, statt mehr. die bei­spie­le die er im vi­deo auf­zählt und il­lus­triert sind ein­gän­gig und über­zeu­gend. und das was er er­zählt und wie er es rü­ber­bringt macht ei­nen gros­sen bo­gen um die üb­li­chen selbst­op­ti­mie­rungs tipps & tricks und geht eher in die rich­tung: guck mal wie an­de­re sich ef­fi­zi­ent und er­folg­reich selbst ma­ni­pu­lie­ren („selbst ver­ar­schen“).

als ich dann wei­ter im ka­nal rum­schau­te und mir „I Stu­di­ed Eli­te Per­for­mers For 20 Ye­ars So You Don't Have To“ an­sah (was sich vom ti­tel her schon ein biss­chen „tsch­ak­ka!“ an­hört), merk­te ich, dass ich vie­le der me­tho­den die da­vid epstein auf­zähl­te und mit bei­spie­len il­lus­trier­te, schon seit ewig­kei­ten prak­ti­zie­re. ich bin zwar weit da­von ent­fernt „eli­te per­for­mer“ in ir­gend­was zu sein, aber ich kann mitt­ler­wei­le be­quem auf kom­man­do ein­schla­fen, habe mein le­ben du­trchri­tu­li­si­ert und ver­su­che mir durch ri­tua­le und ge­wohn­hei­ten so viel men­ta­le mi­cro-las­ten zu er­spa­ren wie mög­lich.

aus­ser­dem er­zäh­le ich al­len im­mer wie­der, dass ich der fes­ten über­zeu­gung bin, dass man in der aus­bil­dung oder bes­ser auf dem weg zum be­ruf, den man ir­gend­wann mal aus­übt, kei­ne zeit ver­schwen­den kann. um­we­ge, er­fah­run­gen in mög­lichst vie­len be­rei­chen — auch zum bei­spiel gas­tro­no­mie — kom­men ei­nem in je­dem be­ruf zu gute. epstein be­stärkt so vie­le mei­ner über­zeu­gun­gen, dass ich schon fast fürch­te hier op­fer ei­nes har­ten falls von con­fir­ma­ti­on bias zu sein.

sei­ne schluss­wor­te il­lus­trie­ren ganz gut wie un­dog­ma­tisch und frisch er an sei­ne the­men geht:

None of that re­al­ly sounds like con­ven­tio­nal pro­duc­ti­vi­ty ad­vice. Some of it sounds like quite the op­po­si­te. And that, I think, is the point. The peo­p­le who per­form at the hig­hest le­vel across all the fields that I've stu­di­ed or been in­vol­ved with have fi­gu­red out so­me­thing that the rest of us, I think, of­ten re­sist, at least for a while. Peak per­for­mance does­n't come from grin­ding har­der. It co­mes from un­der­stan­ding how you and your mind and your rhyth­ms ac­tual­ly work and de­sig­ning ha­bits and en­vi­ron­ments that work with ra­ther than against them. The weir­dest sound­ing ha­bit on this list, it may ac­tual­ly turn out to be the one that ch­an­ges how you work.

oder an­ders ge­sagt: statt selbst­dis­zi­plin und schuff­te­rei muss man nur gute wege fin­den sich ge­schickt selbst zu ver­ar­schen um krea­ti­vi­tät und neu­gier und spass am tun aus sich her­aus zu lo­cken.


schön fand ich auch die klei­nen de­tails; in ei­nem vi­deo spricht er von vin­cent van gogh (und sei­nen „long win­ding path“) zu dem be­ruf, der ihn be­rühmt mach­te, und il­lus­triert das eben nicht mit ei­nem der be­kann­ten selbst­por­traits die wir sonst im­mer se­hen, wenn von van gogh ge­spro­chen wird.

auch schön: im vi­deo von da­vid epstein fie­len zum teil die glei­chen be­grif­fe, wie in die­sem vi­deo von ralph cas­pers (de­fault mode net­work). das hat­te ich kurz vor­her ge­se­hen und mich ge­freut, wie das zu­sam­men­spiel von you­tube-al­go­rith­mus, blog­emp­feh­lun­gen und zu­fall ei­nen ge­le­gent­lich — mit wechs­len­den per­spek­ti­ven — zu den glei­chen the­men führt.




die bei­fah­re­rin über das kind, kunst und sich selbst. epischer text, gern gelesen — auch beim vierten mal.

malerei erklärt sich nicht durch sprache, weder in die eine noch in die andere richtung. in die eine richtung kommen il­lus­tra­tio­nen heraus, in die andere werden äpfel zu birnen. was gemalte bilder sind und was sie zeigen kann sprache nur umkreisen. wer seine malerei tat­säch­lich voll­stän­dig in sprache über­set­zen kann der braucht aus meiner sicht ei­gent­lich nicht malen.


scheis­se vor der tür

felix schwenzel in notiert

heu­te rief mich die bei­fah­re­rin wäh­rend des mor­gen­spa­zier­gangs an: „weil du mei­ne nach­rich­ten ja nie liest.“ das stimmt, also wäh­rend des spa­zier­gangs nor­ma­ler­wei­se nicht. aber ich sehe da­für die ra­ben in den reh­ber­gen, jog­ger die von hin­ten kom­men, an­de­re hun­de und manch­mal auch eich­hörn­chen be­vor fri­da sie sieht.

„da liegt ein rie­sen­gros­ser hau­fen men­schen­sch­eis­se vor der tür! fri­da darf da auf kei­nen fall dran schnüf­feln!“

sie er­zähl­te mir in den fol­gen­den 20 mi­nu­ten die ori­gin-sto­ry des kack­hau­fens, dass sie sich kurz mit dem pro­du­zen­ten un­ter­hal­ten hat­te und dass sie auf dem weg zum fit­ness­stu­dio ein paar freund­li­che BSR-kehr­frau­en dar­auf an­ge­spro­chen habe. die mein­ten: „ei­gent­lich sind für für mensch­li­che ex­kre­men­te nicht zu­stän­dig, aber aus ku­lanz kön­nen wir ge­ge­be­nen­falls sand drü­ber­streu­en.“

als fri­da und ich nach­hau­se ka­men lag der hau­fen noch jung­fräu­lich da und gab ei­nen über­ra­schend ste­chen­den ge­ruch ab. als ich 10 mi­nu­ten spä­ter vom bal­kon run­ter­schau­te war die ku­lanz be­reits er­le­digt und die ka­cke un­ter sand be­gra­ben.

die haus­in­ter­ne mie­te­rin­nen-whats­app-grup­pe, an der die bei­fah­re­rin teil­nimmt, in­for­mier­te uns dar­über, dass glei­ches vor ein paar ta­gen be­reits im flur des hin­ter­hau­ses pas­siert war. das foto las­se ich hier weg (kann man in der bei­la­ge se­hen), was ich aber in­ter­es­sant fand: es wur­de nicht ein­fach auf den bo­den ge­kackt, son­dern an die wand. das kann­te ich von den ter­ras­sen am wohn­block an der karl-lieb­knecht-stras­se, wo ich vor 24 jah­ren mein büro hat­te.

heu­te also ge­lernt:

  • die BSR ent­fernt kei­nen mensch­li­chen kot. (es gibt aber eine te­le­fon­num­mer die man an­ru­fen kön­ne)
  • man kann scheis­se mit sand ab­de­cken
  • wenn man ohne sitz­schüs­sel ka­cken muss, scheint es emp­feh­lens­wert den hin­tern beim ka­cken an ei­ner wand ab­zu­stüt­zen
  • wir brau­chen mehr öf­fent­li­che toi­let­ten


aus den ma­schi­nen­räu­men

felix schwenzel in über wirres

ges­tern mach­te mich der übel­lau­nig ins in­ter­net schrei­ben­de, aber sehr freund­lich in emails schrei­ben­de un­sto­ry.eu dar­auf auf­merk­sam, dass er ge­le­gent­lich sei­ten löscht und jetzt ei­ner mei­ner links ins lee­re zei­gen wür­de. das ver­an­lass­te mich dazu eine funk­ti­on hier nach­zu­rüs­ten, die nach der ver­öf­fent­li­chung ei­nes bei­trags eine war­te­schlan­ge mit al­len links des bei­trags füllt und bei ar­chi­ve.org an­fragt ob die ver­link­ten sei­ten im ar­chi­ve.org ge­spei­chert wer­den kön­nen.

vor­her hat­te ich mal über­legt ob ich das html von links oder book­marks ein­fach bei mir si­chern soll­te, aber das er­schien mir bei nä­he­rer be­trach­tung im­mer zu kom­plex und kom­pli­ziert.


VW hat die API bei der ich und vie­le an­de­re ihre fahr­zeug­da­ten ab­ge­holt ha­ben mehr oder we­ni­ger ge­killt. die be­grün­dung ist wohl mehr si­cher­heit oder so, aber de fac­to kann ich jetzt we­der den la­de­stand, das odo­me­ter, bzw. den sta­tus un­se­res au­tos nicht mehr in au­to­ma­tio­nen ver­wen­den. auch die na­vi­ga­ti­ons- und la­de­pla­nungs app pump, die wir seit ei­nem jahr nut­zen, funk­tio­niert da­mit für uns nicht mehr. sie zeigt den la­de­stand un­se­res au­tos jetzt kon­stant mit 27% an. die ver­kack­te VW-app funk­tio­niert na­tür­lich wei­ter­hin, was bes­ser als gar nichts ist, aber das ist schon ziem­lich arschig von VW so zu agie­ren.

ein biss­chen re­cher­che zeig­te, dass es ein paar work­arounds gibt, der work­around den ich am in­ter­es­san­tes­ten fand war, dass der strom­an­bie­ter tib­ber of­fen­bar als ei­ner der we­ni­gen „part­ner“ wei­ter­hin (oder wie­der) zu­gang zu VW-fahr­zeug­da­ten hat. und tib­ber bie­tet wie­der­um ei­nen API zu­gang zu sei­nen da­ten an. die zap­fe ich jetzt er­satz­wei­se an und habe jetzt zu­min­dest wie­der den la­de­zu­stand, die reich­wei­te und die info ob das auto ge­ra­de lädt oder nicht im home as­sistant. da­mit kann ich wie­der­um die API von abrp be­spie­len und wie­der mit abrp la­de­pla­nung ma­chen.


seit dem ich vie­le sei­ten als mark­down an­bie­te und eine llms.txt an­bie­te, habe ich das ge­fühl, dass der druck den KI-craw­ler auf die web­site aus­üben stark nach­ge­las­sen hat. da­vor kam es im­mer wie­der vor, dass craw­ler sich durch die ar­chiv-pa­gi­nie­rung wühl­ten und da­mit den ser­ver quäl­ten.


shel­lies sind wirk­lich klein. ich habe eine alte ikea-lam­pe, die ei­gent­lich mit ha­lo­gen-leucht­mit­teln be­trie­ben wer­den soll auf LEDs um­ge­stellt. da­für muss­te ein neu­er tra­fo her und da­mit man die lam­pe dim­men und schal­ten kann, habe ich ne­ben dem neu­en tra­fo auch noch ei­nen shel­ly ins lam­pen­ge­höu­se ein­ge­baut be­kom­men.




sch­ein­dring­lich­keit

felix schwenzel in notiert

The more of­ten we suc­cumb to the ur­gen­cy of the mo­ment, the more ur­gen­cy we crea­te.

seth go­din

wenn man durch ak­zep­tanz von dring­lich­keit eben­die­se ver­mehrt, kann man sie dann durch ab­leh­nung oder igno­ranz re­du­zie­ren?

ich bil­de mir ja ein re­gen igno­rie­ren zu kön­nen. das funk­tio­niert draus­sen, im re­gen, ganz gut, aber wenn ich dann wie­der zu­hau­se bin und mer­ke dass ich trop­fe, wer­de ich dann doch un­si­cher ob sich re­gen wirk­lich ihno­rie­ren lässt.

kann man dring­lich­keit igno­rie­ren? ich glau­be schon, al­lein des­halb, weil sich die hälf­te al­ler an­lie­gen von al­lei­ne er­le­digt. egal ob das an­lie­gen drin­gend oder nicht war. für die an­de­rem an­lie­gen die mir be­geg­nen ist igno­ranz ei­gent­lich gar nicht nö­tig, weil ich oh­ne­hin im­mer eine wei­le be­nö­ti­ge um die na­tur oder den hin­ter­grund und kon­text des an­lie­gens zu ver­ste­hen. oder an­ders ge­sagt auf dring­li­ches so­fort zu re­agie­ren ist oh­ne­hin nichts an­de­res als ak­tio­nis­mus. eine lö­sung braucht zeit, ko­or­di­nie­rung, re­fle­xi­on.

dring­lich­keit ist auch sel­ten eine ei­gen­schaft des pro­blems, son­dern eher re­sul­tat un­se­rer wahr­neh­mung oder der er­war­tung an­de­rer. des­halb ist es viel­leicht am bes­ten dring­lich­keizt mit sorg­falt zu be­geg­nen, dann ver­mehrt sich dring­lich­keit auch nicht.



check­ins

felix schwenzel in notiert

dass es fours­qua­re und swarm noch gibt ist ein klei­nes wun­der. ich habe nie ver­stan­den, war­um man sich an or­ten ein­che­cken soll­te und ver­su­chen soll­te ma­yor zu wer­den. trotz­dem habe ich das spiel vor vie­len jah­ren, als fours­qua­re neu war, exes­siv mit­ge­spielt.

in ur­lau­ben war das tat­säch­lich ganz prak­tisch eine spur zum spä­te­ren nach­ver­fol­gen zu hin­ter­las­sen und fours­qua­re hat uns in ur­lau­ben ei­gent­lich auch ganz gute emp­feh­lun­gen für orte, re­stau­rants, ca­fés oder bars ge­ge­ben.

war­um man in swarm ir­gend­wann auch „co­ins“ für check­ins be­kom­men konn­te ver­ste­he ich auch nicht — und trotz­dem nut­ze ich swarm seit märz wie­der in­ten­siv. vor al­lem des­halb, weil es eine der schnells­ten und zu­ver­läs­sigs­ten me­tho­den ist, bil­der mit text hier im blog zu pos­ten (mit own­y­ours­warm, lan­det al­les in /check­ins). seit märz che­cke ich mich je­den mor­gen an ei­nem baum, den ich pho­to­gen fin­de, ein und pos­te ein bild: the baum

mitt­ler­wei­le sind das um die 60 fo­tos.

heu­te dach­te ich, mal gu­cken ob man dar­aus ei­nen ei­ni­ger­mas­sen an­sehn­li­chen stop-mo­ti­on film draus ma­chen kann. geht so.

mitt­ler­wei­le gibts in der AT­mo­sphe­re ei­nen swarm-klon. der heisst be­a­con­bits.app. den baum hab ich da auch mal ge­pos­tet, aber ei­gent­lich nur um zu tes­ten wie das geht. theo­re­tisch kann ich die da­ten ein­fach in den PDS schrei­ben und der che­ckin das be­a­con ist ge­setzt. um noch ein foto dazu zu pos­ten, muss man das foto auf blues­ky pos­ten. theo­re­tisch kann ich also au­to­ma­tisch ei­nen own­y­ours­warm-che­ckin zu be­a­con­bits syn­di­zie­ren. aber da mei­ne check­ins schon auf swarm nie­man­den in­ter­es­sie­ren, in­ter­es­sie­ren sie auf be­con­bits wahr­schein­lich noch we­ni­ger leu­te.