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ziemlich ge­schick­ter spin von cleo abram, um den hand­lungs­be­darf an­ge­sichts des kli­ma­wan­dels als möglich dar­zu­stel­len. der kontext in den sie das stellt sind zwei er­eig­nis­se:

  1. der ant­ark­tis­ver­trag (antarctic treaty) von 1959, der die fried­li­che nutzung der antarktis regelte
  2. das mont­rea­ler protokoll (Montreal Protocol) von 1987, das den welt­wei­ten verzicht aufs stoffe regelte, die zu einem abbau der ozon­schicht führen

in beiden fällen gab es eine globale einigkeit und zu­sam­men­ar­beit. warum sollten wir das nicht auch beim kli­ma­wan­del schaffen?


der soft­ware­ent­wick­ler ni­ki­ta pro­ko­pov war (2024) frus­triert von web­sei­ten mit ki­no­pro­gram­men und pro­gram­mier­te sich und al­len men­schen in deut­schen städ­ten schnell eine schlan­ke web­sei­te mit al­len ki­nos in deutsch­land und al­len fi­lem und al­len spiel­zei­ten. kei­ne wer­bung, kei­ne coo­kies, kein logo, kein fir­le­fanz, nur das pro­gramm in fil­ter­ba­ren ta­bel­len. hier das pro­gramm des city-ki­nos im wed­ding, für das ich noch ei­nen gut­schein habe, hier das pro­gramm des ci­ne­ma­xx am pots­da­mer platz.

ob­wohl sol­che spon­ta­nen ex­pe­ri­men­te ja oft bei schwin­den­dem in­ter­es­se der ent­wick­ler ver­wai­sen, al­le­ki­nos.de läuft auch nach 2 jah­ren noch.

ni­ki­ta pro­ko­pov:

In the be­gin­ning, I wan­ted a simp­le web­site that sol­ved my pro­blem. I wan­ted a web­site that I’d en­joy using.

Ma­gic things hap­pen when you trust your users and just show them ever­y­thing you’ve got.

 

screenshot von allekinos.de mit einer klickbaren liste von städtenamen und links auf „demnächst im kino“ und „alle filme“
screen­shot von al­le­ki­nos.de mit ei­ner klick­ba­ren lis­te von städ­te­na­men und links auf „dem­nächst im kino“ und „alle fil­me“






man­che der wahl­pla­ka­te die mo­men­tan über­all in ber­lin rum­ste­hen oder hän­gen tref­fen ge­le­gent­lich ei­nen nerv bei mir. also in dem sinn, dass ich sie gut oder nicht dumm fin­de. die von der CDU sind meis­tens strunz­dumm und schei­nen von bil­li­gem po­pu­lis­mus ge­trie­ben. die von volt wir­ken nicht dumm, aber trotz­dem sehr un­sym­pa­thisch und selbst­ver­liebt.

an­de­rer­seits habe ich ein paar CDU-pla­ka­te ge­se­hen, die ich nicht dumm fand. wenn man ei­nen spit­zen­kan­di­da­ten hat, der aus­sieht wie ein 20-jäh­ri­ger stre­ber, ist es nicht dumm aus die­ser ver­meint­li­chen schwä­che, zu ver­su­chen eine stär­ke zu ma­chen: „ei­ner muss ver­nünf­tig sein“

das hier von der SPD hat mir ge­fal­len, auch wenn zet­tel mit sol­chen fra­gen frü­her™ zwei käst­chen zum an­kreu­zen hat­ten: ja und nein.

zwei wahlplakate auf der grünen mittelinsel am ende der seestrasse.
SPD wahl­pla­kat von ste­fan krach mit dem slo­gan: „wollt ihr mit mir ge­hen?“

aber ich sehe nicht, wie mich wahl­pla­ka­te, egal ob sie mir ge­fal­len oder nicht, in mei­ner wahl be­ein­flus­sen sol­len. aus­ser, dass ihre prä­senz si­gnal­si­ert, dass bald eine wahl an­steht, ent­hal­ten sie kei­ne für mich ver­wert­ba­re in­for­ma­ti­on.


fdp wahlplakta zur abgeordnetenhauswahl in berlin 2026 mit einem bild von batuhan temiz und dem slogan: „aufstieg durch leistung“
FDP wahl­pla­kat von batu­han te­miz mit dem slo­gan: „auf­stieg durch leis­tung?“

ich ver­mu­te, wenn man sich als po­li­ti­ker zum mär­chen „der hase und der igel“ äus­sern müss­te1, dann wäre batu­han te­miz be­stimmt im fan-la­ger des ha­sen. 


  1. ab­ge­se­hen da­von, schreck­li­ches mär­chen, miso­gyn und an­satz­wei­se xe­no­phob. oder an­ders ge­sagt: ich er­in­ne­re mich gar nicht dar­an, dass der igel so ein arsch­loch war und der an­ge­ber-stre­ber-hase im mär­chen bei­na­he sym­pa­thi­scher wirkt als der igel. ↑︎




“no ai” is re­al­ly just in­vi­si­ble ai

felix schwenzel in artikel

jo­nas us­sing hat in den letz­ten zwei jah­ren sechs vi­de­os ver­öf­fent­licht, in de­nen er ge­gen den mar­ke­ting-my­thos der mo­der­nen film in­dus­trie ar­gu­men­tiert, dass fil­me ohne com­pu­ter ge­ne­rier­te ef­fek­te (CGI) et­was gu­tes sei­en. sein haupt­ar­gu­ment ist auch der ti­tel sei­ner rei­he:

“NO CGI” is re­al­ly just IN­VI­SI­BLE CGI
(play­list al­ler 6 vi­de­os)

fast im­mer wenn beim mar­ke­ting ei­nes film be­haup­tet wird, al­les sei echt, alle stunts und ef­fek­te sei­nen „prak­tisch“ (prac­ti­cal) ge­filmt und nicht am com­pu­ter ge­ne­riert, stimmt das im­mer nur so halb. stun­den­lang se­ziert jo­nas us­sing in sei­nen vi­de­os sol­che be­haup­tun­gen von prac­ti­cal ef­fects. ich habe die fil­me von jo­nas us­sing imemr wie­der hier emp­foh­len und tue das nach wie vor.

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ich habe mir den ti­tel von jo­nas us­sings vi­deo-rei­he mal ge­borgt, weil ich glau­be, dass bei „CGI“ und „AI“ oder „KI“ die glei­chen ef­fek­te wir­ken.

zum ei­nen wirkt mar­ke­ting nur, wenn es auf frucht­ba­ren bo­den fal­len kann. die be­haup­tung: „kein CGI in die­sem film“ wird ja nur des­halb ge­macht, weil sie ein qua­li­täts­ver­spre­chen ist, das ei­nen wunsch des pu­bli­kums ab­bil­det. dass sich das ver­spre­chen dann bei ge­naue­rer be­trach­tung als klei­ne lüge her­aus­stellt ist nicht schlimm, so­lan­ge das CGI-ge­döns un­sicht­bar, un­merk­lich bleibt.

auch die här­tes­ten kri­ti­ker von KI ha­ben kei­ne oder kaum pro­ble­me mit dem, was un­se­re­re ta­schen­rech­ner­ka­me­ras (smart­pho­ne­ka­me­ras) seit vie­len jah­ren pro­du­zie­ren: bil­der die nicht mehr ein­fach das ab­bil­den was lin­sen und sen­so­ren ein­ge­fan­gen ha­ben, son­dern bil­der die eine al­go­rith­misch re­kon­stru­ier­te in­ter­pre­ta­ti­on der fo­to­gra­fier­ten sze­ne sind. mo­der­ne ta­schen­rech­ner­ka­me­ras re­kon­stru­ie­ren aus mess­da­ten ein bild, das dar­auf op­ti­miert wird un­se­re­re er­war­tung zu ent­spre­chen, wie die welt aus­sieht.

be­reits 2018, mit dem ipho­ne XR, sprach ap­ple da­von, dass die bild­ver­ar­bei­tungs­pipe­line auch die hil­fe ei­ner neu­ral en­gi­ne in an­spruch näh­me.

in un­se­ren ta­schen­rech­nern wer­kelt also seit fast 10 jah­ren KI (ma­chi­ne lear­ning) an un­se­rern bil­dern rum. aber das stört uns nicht, weil das was raus­kommt, ge­nau un­se­ren er­war­tun­gen ent­spricht und da­mit qua­si un­sicht­bar ist.


auf wired.com er­schien die­ser tage ein ar­ti­kel von max­well zeff mit dem ti­tel „Si­li­con Val­ley Does­n't Get Why You Hate AI“

The AI back­lash was not cau­sed by sca­ry war­nings about the fu­ture from tech CEOs, or the fact that Ope­nAI and An­thro­pic have not yet cu­red can­cer. It’s about the ways AI is al­re­a­dy start­ing to ch­an­ge so­cie­ty, which many Ame­ri­cans fear is for the worse.

oder mit an­de­ren wor­ten, der ge­gen­wind, den KI nicht nur in den USA, son­dern auch hier er­fährt, liegt nicht nur dar­an dass KI-slop die me­di­en ver­stopft oder KI-fir­men die tol­le zu­kunft, die uns KI brin­gen soll, nicht gut ge­nug kom­mu­ni­zie­ren, son­dern auch dar­an das wir jetzt schon be­ob­ach­ten kön­nen, wie die­se tech­no­lo­gie ver­trau­en ero­diert, ge­sell­schaft­li­che kon­flik­te schürt und un­si­cher­heit säät — so wie jede neue tech­no­lo­gie die ge­sell­schaft, ge­schäfts­mo­del­le, le­bens­wei­sen ver­än­dert.

al­ler­dings er­sch­ei­nen die ver­än­de­run­gen die KI ver­ur­sacht im un­ter­schied zu vor­he­ri­gen dis­rup­tio­nen durch tech­no­lo­gie­wan­del, of­fen­bar selbst hart­ge­sot­te­nen tech­no­lo­giefans und nerds un­heim­lich und un­be­re­chen­bar. mir auch.

wäh­rend das in­ter­net auch auf hef­ti­gen wi­der­stand bei der ge­sell­schaft­li­chen ad­op­ti­on traf, schie­nen im­mer ir­gend­wie die vor­tei­le zu über­wie­gen, auch wenn das in­ter­net die ge­sell­schaft und die wirt­schaft an vie­len stel­len auf den kopf stell­te.

bei KI sum­mie­ren sich die vor- und nach­tei­le of­fen­bar mehr und mehr zu ei­ner ne­ga­ti­ven sum­me. und da­ge­gen schei­nen KI-fir­men we­der mit PR-kam­pa­gnen, noch mit im­mer blu­mi­ge­ren ver­spre­chen an­zu­kom­men.


das un­be­ha­gen, was vie­le men­schen ge­gen­über KI ha­ben, gleicht dem un­be­ha­genm das vie­le men­schen ge­gen­über do­nald trump ha­ben. plötz­lich ist da et­was, das an wich­ti­gen schalt­stel­len der welt sitzt, das enor­me macht und wirk­mäch­tig­keit hat, aber gleich­zei­tug auch schlam­pig, ver­lo­gen, ge­schichts­ver­ges­sen ar­bei­tet — und kei­nen ge­schmack und an­stand hat. trump und KI ma­chen uns auch des­halb angst, weil es so vie­le men­schen gibt, die ih­nen ver­trau­en oder sich vor­tei­le von ih­nen er­hof­fen und sie in macht­vol­le oder po­ten­zi­ell all­mäch­ti­ge po­si­tio­nen he­ben. wir be­ob­ach­ten trump und KI beim di­let­tie­ren und dass sie sich kaum ein­he­gen oder kon­trol­lie­ren las­sen.


kon­stan­tin nutzt KI.

Jep. Ich set­ze KI ein. […] KI als Lek­tor. […] KI zum Aus­lo­ten von Op­tio­nen. Ja, ich liess manch­mal KI Ent­wuer­fe auf Ba­sis mei­ner Ideen schrei­ben, um Rich­tun­gen aus­zu­lo­ten. Na­tuer­lich habe ich da­nach die­se Roh­mas­se re­di­giert, neu­ge­schrie­ben, oder ver­wor­fen. Manch­mal kam ich auch mit ei­nem Pro­blem zum LLM, und wir ha­ben be­spro­chen, wel­che Loe­sun­gen es ge­ben kann.

aus mei­ner sicht ist eine sol­che nut­zung von KI ge­nau­so le­gi­tim, wie eine bild­ver­ar­bei­tungs­pipe­line in ei­nem ta­schen­rech­ner, so wie CGI kein CGI ist, so lan­ge es un­sicht­bar bleibt. oder bes­ser, so­lan­ge das an­thro­po­mor­phe, das mensch­li­che, das hand­ge­dach­te sicht­bar und klar er­kenn­bar bleibt.

an­de­rer­seits ist es ge­nau­so le­gi­tim über so eine ar­beits­wei­se zu den­ken: „Das ist mir zu viel KI.“

ben_ be­ob­ach­tet, dass KI dazu bei­trägt text zu ent­wer­ten.

Text ist und war schon im­mer ein Ge­we­be ei­ge­ner und frem­der Ge­dan­ken und Wor­te, ge­formt durch nicht-sim­pli­zis­ti­sche Pro­zes­se und Werk­zeu­ge. Im Wein­berg des Tex­tes und so …

… aber … [mit KI] sinkt der Wert al­ler Tex­te, au­to­ma­tisch. Egal, wie viel oder we­nig. Text fällt im Wert und Text ge­rät un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht und wird es fort­an blei­ben.

im prin­zip gehts wie­der um die wurst. ei­ner­seits in dem sinn, dass wir als ge­sell­schaft wie­der wege fin­den müs­sen die ver­wer­fun­gen der tech­no­lo­gie so zu na­vi­gie­ren, dass wir un­se­re ge­sell­schaf­ten zu­sam­men­hal­ten kön­nen und vor dem aus­ein­an­der­bre­chen be­wah­ren kön­nen. ge­sell­schaft­li­che kri­sen die durch tech­no­lo­gie­wan­del aus­ge­löst wur­den, ha­ben wir in der jün­ge­ren ge­schich­te ja schon öf­ter — mehr oder we­ni­ger er­folg­reich — na­vi­giert.

aber an­de­rer­seits gehts auch um die her­stel­lung der wurst. ich zi­tie­re alle paar mo­na­te die­ses zi­tat von tel­ler:

So­me­ti­mes, ma­gic is just so­meone spen­ding more time on so­me­thing than an­yo­ne else might re­ason­ab­ly ex­pect.

wenn wir wie­der „hand­den­ken“ (wort­schöp­fung: dvg), mehr ar­beit in tex­te ste­cken als sich ir­gend­wer vor­stel­len kann, ha­ben wir viel­leicht die chan­ce den wert von text wie­der zu stei­gern — auch wenn der ge­ne­ral­ver­dacht blei­ben wird.

text und an­de­re krea­ti­ve ge­wer­ke ha­ben noch chan­cen, wenn der her­stel­lungs­pro­zess ge­nau so sicht­bar ge­macht wird, wie es film­stu­di­os ge­le­gent­lich in ih­rem mar­ke­ting ver­su­chen, wenn sie be­haup­ten ein film ent­hal­te (an­geb­lich) „no cgi“.

wer wurst her­stellt und da­für kon­su­men­ten fin­den will, wird künf­tig mög­li­cher­wei­se nicht mehr um­hin kom­men, den her­stel­lungs­pro­zess so trans­pa­rent wie nur mög­lich dar­zu­stel­len. das heisst aber auch, ein ein­fa­ches la­bel „no AI“ / „kei­ne KI“ wird nicht rei­chen, da muss auch ganz viel dif­fe­ren­ziert wer­den. ein­fa­che la­bel wer­den nicht rei­chen. har­te und viel krea­ti­ve hand- und denk-ar­beit al­lein auch nicht.


so wie jo­nas us­sing mit viel mühe über 6 vi­de­os hin­weg die be­haup­tung „no CGI“ als klei­ne oder gros­se lüge ent­larvt hat, wer­den auch la­bel wie „no AI“ oder „kei­ne KI“ nie die gan­ze wahr­heit über die her­stel­lung krea­ti­ver ar­beit ehr­lich ab­bil­den. es ist im­mer kom­pli­zier­ter als man denkt. so wie „made in ger­ma­ny“, „selbst­ge­ba­cke­nes brot“ oder „ohne kon­ser­vie­rungs­stof­fe“ auch im­mer nur ei­nen teil der ge­schich­te er­zäh­len.

viel­leicht soll­ten wir uns statt auf la­be­l­ing, eher dar­auf kon­zen­trie­ren un­se­rer KI-nut­zung in bes­se­re wor­te zu fas­sen? eine spra­che da­für fin­den, um zu be­schrei­ben wie wir ar­bei­ten. viel­leicht lohnt es sich dar­über zu re­flek­tie­ren, was wir von kunst, text und kul­tur ei­gent­lich ge­nau er­war­ten, was uns ei­gent­lich wich­tig ist? was wir ei­gent­lich wol­len? wo die gren­zen ver­lau­fen, wo wir die pflö­cke ein­schla­gen?

schön und le­sens­wert in die­sem zu­sam­men­hang:


quel­len


aus­ser­dem