das tolle an rivva waren gar nicht die stories die es oben, oder auf der startseite, anzeigte, sondern die links drunter, die meta-ebene, wer was über die stories sagte die nach oben schwommen.
nicht die dinge die oben schwammen waren das wirklich interessante, sondern die, die es zum schwimmen brachten. das war die magie von rivva. und das ist der wahre verlust. das salz. rivva hat das salz des ozeans der information sichtbar gemacht. jetzt sieht man das salz nicht mehr, sondern schmeckt es nur noch. schade.
apropos oben schwimmen, apropos pathos und poesie. mein liebster satzfetzen den ich jemals am anfang eines romans las lautet: „sorrow floats“. und „sorrow“ war ein furzender hund.
in meinem vorherigen artikel habe ich ja behauptet, dass spiegel-online links verkauft und damit das suchmaschinen-ranking der verlinkten site erhöht. frank patalong, leiter des netzwelt-ressorts bei spiegel-online, stellte das in dem artikel den ix kritisierte lediglich als eine „weit verbreitete Praxis“ in der „Blog-Szene“ dar, und vergass zu erwähnen, dass es ebenfalls eine weit verbreitete praxis im gesamten internet und insbesondere auch auf webseiten grosser medienhäuser und eben spiegel-online ist. christoph kappes wollte das in einem kommentar bei mir gerne differenzieren:
Die beiden Fälle sind unterschiedlich, weil in einem Falle die Suchmaschine "getäuscht" wird. In anderem Fall bilden die Links die wirtschaftliche Kooperation ab.
ich sehe das nicht so. suchmaschinen (so sehen die das zumindest) werden in jedem fall von bezahlten links getäuscht. egal ob das blogger machen oder, beispielsweise, spiegel-online. egal ob werbung drübersteht oder nicht.
Search engine guidelines require machine-readable disclosure of paid links in the same way that consumers online and offline appreciate disclosure of paid relationships (for example, a full-page newspaper ad may be headed by the word "Advertisement")
auf deutsch: bezahlte links müssen maschinenlesabr gekennzeichnet werden. man markiert bezahlte links mit dem rel="nofollow" attribut.
spiegel-online macht das nicht, was auch verständlich ist, denn sonst würden die werbetreibenden, bzw. link-käufer natürlich weniger bezahlen. einerseits sorgt spiegel-online durch „kooperationsseiten“ wie dieser natürlich für einen transfer von traffic und kunden zum partner. aber eben auch google-juice wird transferiert, also, in patalongs worten, spiegel-online trägt dazu bei „das Ranking dieser Webseiten in den Listen der Suchmaschinen zu verbessern“.
wirft man einen blick auf den quelltext der parship-werbeseite bei spiegel-online, findet man zunächst tatsächlich mehrere links zu parship.de. unter anderem diesen:
kein nofollow-attribut, ein klarer verstoss gegen die suchmaschinen-regeln. spiegel-online oder parship verstehen aber ihr geschäft. damit die parship.spiegel.de-seite nicht in den google suchergebnissemn auftaucht, wurde noch ein canonical-link hinzugefügt:
damit kann man suchmaschinen auf doppelt vorhandene inhalte hinweisen („duplicate content“), dass heisst, die parship.spiegel.de-seite wird von google ignoriert, weil die spiegel-seite sagt, dass das original bei parship.de liegt. das funktioniert ganz gut:
damit ist die spiegel-parship-seite in den suchergebissen unsichtbar, der google-juice der spiegel-domain wird aber weitergegeben.
ich bin kein allzugrosser SEO-experte und die wege von google sind sowieso unergründlich. es kann also durchaus sein, dass das canonical-attribut so wirkt, dass die seite parship-spiegel.de den suchmaschinen-richtlinien entspricht, der offiziellen dokumentation und regeln von google ist das aber so nicht zu entnehmen.
zumal spiegel-online auch „partner“-seiten hat wie diese, auf denen das canonical-attribut nicht verwendet wird und die links ebensowenig mit „nofollow“ gekennzeichnet sind.
tatsache ist: spiegel-online verkauft links und kennzeichnet diese nicht wie von suchmaschinen gefordert als bezahlte links. aus googles sicht ist das klares suchmaschinen-spamming. möglicherweise ist das auch der grund für die subdomains auf denen spiegel-online dieses spielchen spielt: um die cashcow-domain spiegel.de mit einem pagerank 8 vor einer möglichen abwertung zu schützen. suchmaschinen-spam mit airbag eben.
übrigens, robert basic sah das vor drei jahren anders. den lesern gegenüber achtet er auf grösste transparenz und offenlegung, gegenüber google aber nicht. also keine maschinenlesabare offenlegung, dass die links bezahlt sind mittels „nofollow“. warum?
Annahme: Ich verkaufe Paid Links, siehe Sidebar rechts unten. Das mag Google nicht leiden. Und ich mag Google nicht leiden, die sich null kooperativ zeigen, Argumente dazu habe ich durchgekaut, alter Hut. Kurzum: Ich sehe es nicht ein, warum wir für Google die Drecksarbeit machen, dafür letztlich nur ein bescheidenes Suchranking “geschenkt” bekommen, Google aber Milliarden nicht zu einem geringen Anteil durch unsere Arbeit einsackt.
basic legt lobenswerterweise grossen wert auf transparenz. wenn er wirbt oder geschäfte macht, sagt er was er tut. auch beim verkauf von links tut er das. meiner meinung nach (wenn das oben noch seine meinung ist), täuscht er mit dieser haltung zwar nicht seine leser, wenn die den „anzeige“-text sehen, dafür aber suchmaschinenbenutzer, die dann durch gekaufte links manipulierte schergebnisse zu sehen bekommen.
da christoph kappes den artikel angeregt hat, hier gleich noch seine anmerkung zu meinem hinweis, dass spiegel-online auch (wie angeblich auch die „blogs-zene“) google-juice weitergibt:
frank patalong, eine wie sascha pallenberg kürzlich meinte, „technische Flachpfeife“, der das netzwelt-ressort von spiegel online verantwortet, schrieb heute den wahrscheinlich beklopptesten artikel seiner karriere.
den artikel schrob er er auf eine seite, auf der es unten von bezahlten und kryptisch als „Serviceangebote von SPIEGEL-ONLINE-Partnern“ gekennzeichneten spam werbelinks wimmelt (kleine auswahl: routenplaner, „Ein Service von Navteq“, arztsuche, „Ein Angebot von imedo.de“, jobsuche, „Ein Service von Monster.de“). patalong:
Seine angekündigte und inzwischen erfolgte Skandal-Veröffentlichung bezieht sich auf eine in der Blog-Szene weit verbreitete Praxis, den sogenannten bezahlten Backlink […]. Dabei kassieren Blogger in der Regel kleine Summen dafür, bestimmte Webseiten in ihren Blogs zu verlinken und so dazu beizutragen, das Ranking dieser Webseiten in den Listen der Suchmaschinen zu verbessern. Denn Teil der Suchlogik von Crawler-Suchmaschinen wie Google ist das Prinzip: je mehr Links dorthin, desto wichtiger die Seite".
der spiegel macht nichts anderes. bezahlte backlinks, teilweise getarnt durch sub-domains wie spiegel.monster.de, manchmal aber auch monster.spiegel.de, en masse, auf jeder einzelnen redaktionellen seite. das ist nicht ungewöhnlich, denn diese praxis ist in der medienszene weit verbreitet. die welt.de machts, die zeit.de machts — alle machen es. dabei kassieren die onlineautritte der medienhäuser in der regel grössere summen dafür, das ranking dieser webseiten in den listen der suchmaschinen zu verbessern. vor nicht allzulanger zeit wurde der pagerank diverser webseiten dafür von google massiv zurückgesetzt, weil google diese art der werbung als spam und suchmaschinenmanipulation sieht.
aber immerhin ist patalong auch ansatzweise selbstkritisch:
Die Steigerung dieses Prinzips ist die so genannte Pre-Sell-Page. Sie ist eine quasi eingeschleuste Seite eines Werbekunden in den redaktionellen Kontext eines Blogs - so wie die Sonderbeilage der Zeitung zum Thema "Autofrühling". Das ist okay, solange "Werbung" darübersteht.
beim spiegel steht „Serviceangebote“ drüber oder „Winterreifenspecial“. ist das okay?
patalong scheint an einer art offenlegungsallergie zu leiden. aber er hat nicht nur den finger in der nase, während er das nasenbohren kritisiert, er lässt auch andere das sagen, was er gerne selbst sagen würde, weil er aus journalistischen gründen um objektiv zu wirken, das nicht selbst sagen kann:
Ein von uns kontaktierter Blogger wollte dazu öffentlich nichts sagen, um sich nicht mit dem als konfliktfreudig bekannten "Disser" Pallenberg anzulegen.
na gut, muss er ja nicht verraten, dass pallenberg ihn verletzt hat. trotzdem liest sich dass jetzt wie eine billige retourkutsche und ein beleidigtes abwatschen, weil pallenberg nicht mit patalong sprechen wollte:
Die 'Qualitaet' des Contents (von SPIEGEL ONLINE, Red.) laesst mich einfach nicht ueber meinen Schatten springen, um sie bei ihrer Recherche auch nur annaehernd zu unterstuetzen.
also flott unter die fussmatte gucken, um zu sehen, ob da vielleicht etwas dreck liegt:
Uns lagen Informationen vor, dass Pallenbergs Motive nicht ganz uneigennützig sein könnten.
natürlich! pallenberg bettelt, ganz eigennützig, um aufmerksamkeit und anerkennung. wie jeder journalist das auch tut. und ja, er stellt sich im vorfeld ungeschickt, grosskotzig und unproffesionell an, wie er mittlerweile selbst einräumt. aber oh schreck! es „rumort in Bloggerkreisen“! patalong raunt: eine kampagne, gegen einen wettbewerber könnte das ganze sein! und pallenberg sitzt laut patalong im glashaus, weil er selber links zu unternehmen setzt, google-anzeigen einbindet, „in denen die Produkte, über die er schreibt, beworben werden“, gewinnspiele veranstaltet und affiliate-werbung macht. alles dinge die das glashaus, in dem patalong sitzt und schreibt, natürlich niemals machen würde.
ach je, ich habe pillepallenberg (sorry) auch ans bein gepinkelt, weil ich genervt war von seinem tschaka-getue und seinen aufgeblasenen ankündigungen und seinem ungeschickten gezappel. aber so eine billige retourkutsche, ohne jede selbstreflektion und eleganz ist nochmal ne nummer peinlicher. ich plädiere für eine strafversetzung von patalong zu onlinekosten.de.
allein für diesen satz, sollte patalong bei der wortspielpolizei angeklagt werden und zur strafe sechs wolf schneider bücher lesen:
Doch ist das wirklich ein Skandal? Wenn, dann ist wäre es ein szeneweiter, denn natürlich sind die Zeiten der unbefleckten Informationsempfängnis auch in Blogginghausen lange Zeit vorbei.
ich glaube ernsthaft, dass ein schwachsinnigerer satz inhaltlich, wie sprachlich, noch nie gesagt wurde.
das ist ein lauer furz, kein tsunami, und schon gar kein ultimativer. hier sieht man deutlich, was für ein aufgeblasener tschka-fatzke und journalistendarsteller sascha pallenberg ist, wenn man bedenkt, was er im vorfeld für einen wind um diesen lauen furz gemacht hat. dass basicthinking und onlinekosten.de auf ihrem verzweifelten monetarisierungsweg sich schon lange in eine öde-popöde-gasse manövriert haben, erkennt eine flügellahme taube auf den ersten blick. wer gesteht dem content-, linkbait- und werbequark auf basicthinking.de oder onlinekosten.de auch nur ein quentchen glaubwürdigkeit zu? ausser leuten die sch zum beispiel auch musicals angucken?
„tsunami“. tz.
oder kann mir mal jemand erklären, wo genau die brisanz von pallenbergs „enthüllungen“ steckt? und was enthüllt pallenberg demnächst? eine enthüllung die die medienwelt erschüttern wird? kai diekmann pinkelt im stehen?
[nachtrag 28.01.2010] ah. sascha pallenberg rudert kräftig zurück und distanziert sich von seinem verbal-tschaka-grossankündigungs-gedöns:
Ja, ich habe offenbar zu heftig getrommelt und muss nun damit leben, dass mir aus dem Tsunami ein Wellchen in einem Tuempel gemacht wird. Ich haette da professioneller agieren und gewisse Begrifflichkeiten vermeiden sollen. Das war nicht richtig und die Konsequenzen trage ich nun. [quelle]
in der telepolis schreibt jens berger jetzt etwas ausführlicher zum thema. der artikel wirkt, zumindest bei mir, wie ein brechmittel und zeigt deutlich und detailiert, wie deutsche reeder völlig ungeniert gewinne durch steuerflucht und steuertricks privatisieren, aber die risiken und die übernahme der kosten dafür vergesellschaften und dem steuerzahler aufdrücken wollen.
Die Forderung der deutschen Reeder, ihre Schiffe künftig durch bewaffnete Polizisten oder Marinesoldaten an Bord absichern zu lassen, ist nicht nur realitätsfern, sondern auch unanständig. Es ist ja nicht nur so, dass die Reeder bereits bis zur Hutkrempe vom deutschen Steuerzahler subventioniert werden. Die Ausflaggung der Schiffe hat eine völkerrechtliche Situation geschaffen, die die Wünsche der Reeder ohnehin ad absurdum führt.
[…] Es stellt sich ohnehin die Frage, warum ein Staat eine bestimmte Branche auf Kosten der Arbeitnehmer und des Fiskus weiterhin in diesem absurden Maß unterstützen sollte. Doch das ist keine Thema der öffentlichen Diskussion. Vielleicht wäre zunächst zu klären, wer denn hier die Piraten sind.
als ich heute sascha lobos leser-wahl-vorschläge für seinen vortrag auf der republica gelesen habe, bin ix aus dem staunen nicht mehr rausgekommen.
nachdem jens scholz und ix letztes jahr die gleiche idee (jens, ix) für einen vortrag hatten („warum das internet scheisse ist“), hatten dieses jahr sascha lobo und ix die gleiche idee. OK. ich hatte nur eine idee, sascha hat drei. anfang januar hab ich meinen vorschlag eingereicht und kann damit reinen gewissens behaupten, mich bei der ideenfindung nicht an sascha lobo orientiert zu haben.
wenn ich allerdings das glück habe, dass erstens mein vortragsvorschlag von den republica-organisatoren angenommen wird, kann ich zweitens, wenn saschas vortragstermin vor meinen gelegt wird, seine besten ideen klauen und dann selbst verwursten.
natürlich muss sein vortragsvorschlag „welt 2026“ erstmal gewählt werden, was er aber mit sicherheit wird, weil er natürlich das beste thema von allen ist.
hier ist der text meiner bewerbung für die republica 2011 von anfang januar:
die zukunft des internet, der welt und des ganzen rest
1996 hatte ich mir fest vorgenommen einen text über die potenziale und die zukunft des internet schreiben. damals war der internet-hass noch nicht erfunden, bzw. man nannte internet-hass damals gleichgültigkeit. ich war damals feuer und flamme für die möglichkeiten die das internet bot und in zukunft bieten würde. ein paar jahre später habe ich mich geärgert, den text nicht geschrieben zu haben. hätte ich ihn geschrieben, gälte ich jetzt sicherlich als visionär. so hat mich meine faulheit und unentschlossenheit davon abgehalten früh visionär zu werden. also habe ich mir gedacht, werde ich eben später visionär. auf der republica 2011 möchte ich über die potenziale und die zukunft des internet (und der welt) reden, um dann in einem vortrag auf der republica 2021 zu zeigen, dass ich in jedem einzelnen punkt recht behalten haben werde.
In fünfzehn Jahren sieht die Welt zweifellos anders aus, aber wie? Atombetriebene MacBooks? Digitale Demokratur? Alles augmented? Das Internet eine Facebook-App? Oder der Börsengang des Internet? Apple führt die Todesstrafe ein? In diesem Vortrag soll über diese zugegeben plumpen Fragen hinaus in Szenarien erforscht werden, wie die Digitale Welt sich entwickeln könnte und in ihrem Fahrwasser die Kohlenstoffwelt. Zusätzlich zu den Szenarien werden drei bis fünf Geschäftsmodelle der Zukunft vorgestellt (mit 97% Erfolgsgarantie ab 2026).
blackberry bewirbt den neuen blackberry torch auf seiner homepage mit dem beeindruckend blöden werbespruch „Alles in einem Design“. ich finde das eine prima idee, den blackberry mal mit einem design herzustellen. das ist mal ein alleinstellungsmerkmal.
und weil ich gerade dabei war, einen test des blackberry torch zu schreiben, hab ich auch gleich noch einen kurzen film mit dem blackberry aufgenommen.
da der blackberry den ich in den letzten wochen getestet habe mit einer vodafone SIM kam, hatte ich auch die gelegenheit „deutschlands bestes netz“, so nennt vodafone sein netz, zu testen. und was soll ich sagen, es hat mich nicht enttäuscht. in meiner berliner wohnung, mitten im prenzlauerberg, zeigte mir das vodafone-netz die GPRS-nase. kein umts-empfang, das o2-netz zeigt mir dagegen zuhause UMTS-vollausschlag an. weitere stichproben zeigten mir, dass das vodafone-netz fast überall dort wo das o2-netz schwächelte, ebenfalls schwächelte. selbst am alexanderplatz, mitten in berlin, im kaufhof-restaurant, schwächelte das vodafone-netz und zeigte mir (wie o2) keinen empfang an. einen punkt konnte das vodafone-netz lediglich auf dem firmen-klo holen. da hatte es, im gegenteil zu o2, guten empfang.
noch erschüternder fand ich, dass das vodafone-blackberry-portal (www.mobileemail.vodafone.de) vom blackberry aus nicht zu bedienen ist. um dort mein vorbereitetes blackberry-account „fertigzustellen“, musste ich einen normalen browser auf einem normalen computer (allerdings mit ungültigem betriebssystem) benutzen. aber wie gesagt: schön wenn sich die vorurteile die ix gegen vodafone habe, bestätigen.
gestern hab ix post von der FAS bekommen. mal wieder die altbekannte und unfassbar dumme anwanz-tour „Sie wurden ausgewählt um“ ein paar als meinungsumfrage getarnte unsinnige fragen zu beantworten und um ihnen ein abo anzudrehen. verlage wanzen sich auch gerne mit folgender variation an: „Ihre Meinung ist uns wichtig“ und deshalb wollen wir ihnen ein abo verticken.
lobenswerterweise war ein rückumschlag beigelegt, dessen porto die „marktforschung“ der faz gerne übernimmt. was spricht eigentlich dagegen, den rückumschlag leer zuzukleben und in den briefkasten zu werfen? was wäre wenn das alle, die solchen werbemüll bekommen, tun würden?
warum ist online werbung so scheisse und im wahrsten sinne des wortes daneben? nachdem johnny haeusler kürzlich drüber räsoniert hat, nimmt louis gray das neue google opt-out plugin zum anlass, werbetreibende darum anzuflehen seine profildaten auszuwerten, um ihm endlich passende werbung zu zeigen. oder zumindest keinen nervigen müll mehr.
For almost two years now, I've been asking ad companies to leverage my social profiles online. I am tired of getting singles ads, or mortgage ads or used car ads or any type of ads that don't match me as an individual. […] I would be more than eager to put more data into the system to make it a better system, including all the ads everywhere I go.
So instead of embracing these ad blockers and cookie strippers, let's find a way to make the quality of the ads more personal, more relevant, and simply better overall. Please.
ix hab mir vor ner weile auch mal gedanken dazu gemacht, wobei ich mich nicht gefragt habe, warum werbung fast nie passt, sondern warum werbung eigentlich blinken und quäken muss. hat werbung früher nicht auch ohne anklicken, doofe facebookseite und langweilige landingpages funktioniert?
und nein, ich will mit getränken keinen dialog führen, sondern sie einfach nur trinken. oder eben nicht. ich trink eh nur dialogfreies leitungswasser und flaschenbier.
drei sachen haben mich in den letzten beiden wochen genervt.
1) was der duzende ikea-katolg sagt 2) was der freundliche, siezende, info-schalter-mitarbeiter von ikea moorfleet sagte 3) was der showprofi hinter dem tresen von von der ah und lunk bei der rückgabe von zwei türdämpfern sagte
zu 1) ikea sagt:
Wie machen wir das nur, dass wir Jahr für Jahr günstiger werden? Ganz einfach: Je mehr Produkte wir verkaufen und Platz sparend verpacken, desto mehr sparen wir bei Produktion und Transport. Diese Ersparnis geben wir sofort an dich weiter.
zum beispiel türdämpfer. zwei stück davon kosten bei ikea 5,00 euro. die dinger sind zugegebenermassen toll, passen auf die „INTEGRAL“ scharniere mit 110° öffnungswinkel, die für 4,00 euro für zwei stück verkauft werden.
im lignoshop.de kosten zwei tüdämpfer der gleichen marke (ikea verkauft bänder und dämpfer von blum) 3,06 euro.
mit anderen worten, ikea verkauft ein produkt dass sie bei einem fremdhersteller einkaufen (wahrscheinlich zu einem einkaufspreis von unter einem euro) für 2,50 euro. peanuts, klar, aber der vollmundige spruch mit der ersparniss die ikea an die kunden weitergibt, schmeckt plötzlich leicht schal.
zu ikeas verteidigung muss man sagen, dass sie die türbänder selbst zu einem preis verkaufen, der mit den preisen, beispielsweise des lignoshops, mithalten kann. zwei integral standardbänder mit 110° öffnungswinkel verkauft ikea für 4,00 euro, bei lignoshop kosten zwei baugleiche bänder 4,68 euro und man muss noch zwei montageplatten für 1,10 euro kaufen, die bei ikea bei den 4,00 euro bereits inklusive sind.
die bänder mit 155° öffnungswinkel kosten bei ikeapro stück 5,00 euro, bei lignoshop zahlt man dafür 5,62 euro (5,07 plus montageplatte für 0,55 euro).
wobei man sich durchaus berechtigt darüber aufregen kann, dass ikea in die tüte mit den 155° bändern nur eins legt, in die 110° band-tüte aber zwei. diese verbraucher-täuschung täuscht sogar das küchen-beratungspersonal-frau die uns nach der küchenplanung zwei bänder zuwenig auf die einkaufsliste gesetzt hat — wohl weil sie wie jeder normale mensch davon ausgeht, das je zwei bänder pro verpackungseinheit verkauft werden.
zu 2) der man an der infotheke beantwortete meine frage, ob es für die 155° bänder auch dämpfer gäbe mit nein. na toll. da kauft man bei ikea ne küche wo fast alle türen leise zufallen, bis auf die mit grossem öffnungswinkel, die knallen dann.
besonders ärgerlich und unverständlich ist, dass der hersteller der 155° bänder, die firma blum, diese dämpfer zum aufstecken durchaus führt. hier, bei lignoshop kann man sie einzeln für 2,12 euro kaufen.
nochmal langsam zum mitschreiben und für die mitlesenden suchmaschinen-crawler:
die ikea integral scharniere (so nennt ikea türbänder, bzw. topfbänder) mit 153° öffnungswinkel (so nennt ikea einen 155° öffnungswinkel) können mit blum blumotion aufsteck-türdämpfern 973A (bestellnummer 973A7000) gedämpft werden. kaufen kann man die dinger unter anderem hier.
hier ein paar bilder der ikea, bzw. blum scharniere mit und ohne blum blumotion türdämpfer.
zu 3) ungeduld gibt immer probleme, genauso wie der glaube im internet oder auf möbelhersteller-webseiten selbst alles recherchieren zu können. ich wollte dem ikea-typen natürlich nicht glauben, dass es keine dämpfer für die weitwinkel-scharniere gäbe. alles was ich bei blum auf den webseiten passendes fand, waren türdämpfer zum einschrauben (blumotion 971A). bestellnummer 971A05E0. zwischen weihnachten und neujahr bei ah und lunk angerufen, „ja haben wir, jaja, wir machen nur gerade inventur, kommen sie im neuen jahr!“ also in der ersten januar-woche zu von der ah und lunk gefahren: „nee, die haben wir nicht, nur welche von hettich“. also haben wir die dinger zum einschrauben von hettich gekauft. die waren aber aus zwei gründen scheisse. sie machten fiese klack-geräusche bei öffnen der tür, passten nicht 100% (die tür fiel zuerst zu, bevor sie gebremst wurde, statt einfach sanft zuzufallen) und sie waren katastrophal kompliziert auszurichten.
dann traf es mich wie der blitz. ich erinnerte mich an einen werbedisplay von blum auf dem verkaufstresen von ah und lunk wo die blum 155° bänder gezeigt wurden mit genau diesem aufclip-dämpfer. also der beifahrerin aufgetragen die hettich-dämpfer zurückzubringen und die neuen zu kaufen. ich habe der beifahrerin extra einen ausdruck dieser seite mitgegeben und die bestellnummer 973A7000 rot umrandet. kann nix schiefgehen, denkt man, screenshot, foto, bestellnummer und demo-display auf dem verkaufstresen. ging aber schief, der fachverkäufer meinte es besser zu wissen und gab ihr dämpfer für 110° öffnungswinkel-bänder mit. die seien richtig.
also bin ich selbst hingefahren um die falschen bänder zurückzugeben und zu versuchen die richtigen zu kaufen. man muss dazu wissen, dass ah und lunk einer der wenigen händler in hamburg ist, die überhaupt blum-produkte führen. ah und lunk hat überhaupt die tollsten produkte die es für schreiner überhaupt gibt. wachskit, makita-maschinen, schubladen-auszüge, bänder, werkzeugkisten — lauter sachen, die man einmal kauft und die nie kaputtgehen, weil sie für profis gemacht sind. also genau das zeug, was man im baumarkt nicht bekommt. wo alles was man kauft toll verpackt ist, aber nach genau 2 jahren kaputtgeht und wo man noch nie von wachskit oder makita gehört hat. weil die produkte bei ah und lunk so toll sind und man sie in hamburg fast nirgendwo anders bekommt, ist der laden immer voll und hat öffnungszeiten wie in den siebziger jahren und sehr gewöhnungsbedürftiges verkaufspersonal. dort gibt es auch mindestens 10 verkäufer, von denen aber immer 80 prozent in hinterzimmern oder im lager aufhalten.
um es kurz zu machen, als ich die falschen dämpfer zurückbrachte, machte sich der verkäufer ersten über mich lustig, was ich immer sehr amüsant finde weil ich blogger bin und das danach aufschreiben kann und sagte mir, dass sie die dämpfer nicht vorrätig hätten. ich entgegnete, dass sie die dämpfer aber mit einem beispielwerkstück auf dem verkaufstresen bewerben würden und fragte ob er die dämpfer nicht bestellen könne. der verkäufer erklärte mir, dass man ihn auslachen würde, wenn er zwei dämpfer bestellen würde. in anderen worten, mit laufkundschaft oder schnöseligen privatkunden möchte man bei ah und lunk nichts zu tun haben. bei ah und lunk verkauft man eben nur das was gerade vorrätig ist und was der chef persönlich für gut oder betsellenswert hält.
ich hab die dinger dann bei lignoshop bestellt. da musst eich zwar 4,95 euro versandkosten bezahlen, musste aber nicht dreimal hinfahren, habe bekommen was ich bestellt habe, niemand machte sich über mich lustig und niemand wurde ausgelacht.
eben hat mir stefan niggemeier den link zu diesem artikel von johanna adorján geschickt. ob ich den schon gelesen hätte. hatte ich nicht, ich lese gerade fast nix, weil ich den grossteil meiner freizeit damit verbringe möbel hin und her zu schieben, küchen aufzubauen oder passende türdämpfer zu finden oder mir amerikanische fernsehserien aus der konserve anzusehen (hätte mir meine verwandschaft doch bloss nicht gesagt, dass „two and a half men“ lustig ist, isses nämlich wirklich).
also hab ich den artikel gelesen. der artikel ist natürlich, wie alles was johanna adorján schreibt, lesenswert. der teaser des artikels, der möglicherweise gar nicht von johanna adorján stammt, sondern von einem redakteur, weiss man ja nie so genau, fasst den artikel tatsächlich pointiert zusammen:
Mitten in Berlin, am sogenannten Spreedreieck, steht ein Gebäude von überwältigender Hässlichkeit. Keiner wollte es so. Trotzdem wurde es gebaut. Wie konnte das geschehen?
jetzt frage ich mich, was macht eigentlich eine stadt aus? schönheit? muss eine stadt, müssen die gebäude einer stadt schön sein, um einer stadt zu dienen? heidelberg ist schön, freiburg auch und tübingen glaube ich auch. aber sind das städte, oder pittoreske provinzkäffer?
ist es nicht vielleicht so, dass die attraktivität einer stadt mit deren hässlichkeit steigt? oder moderater gefragt: kann einer gut funktionierenden stadt hässlichkeit überhaupt etwas anhaben? new york ist, wie berlin, abgrundtief hässlich. und trotzdem liebt jeder diese beiden städte. oder genauer, jeder hass-liebt beide städte. eine richtig gute stadt wird ständig beschimpft. das alljährliche gejammer der einwohner gehört zu einer attraktiven stadt einfach dazu. die berliner jammern wie die new yorker über den mangelhaften winterdienst, in new york stapelt sich im winter — und manchmal auch im sommer — der müll meterhoch in den strassen und alle jammern ständig über den öffentlichen nahverkehr.
aber hat sich schonmal jemand gefragt, warum die schwaben in massen nach berlin kommen? vielleicht weil sie die schnauze voll haben von der kehrwoche, den abgeleckten gehwegen, dem funtionierenden nahverkehr und den pittoresken schwäbischen vorstädten?
hat die schön-, hässlich- oder sauberkeit vielleicht gar nichts mit der attraktivität einer stadt zu tun, sondern viel eher faktoren wie dichte, funktionalität, vielfalt oder sogar gigantismus?
zurück zum spreedreieck. einerseits finde ich den bau gar nicht so hässlich. ich fahre jede woche ein paarmal mit der s-bahn an dem bau vorbei. und wenn ich so an dem teil vorbeifahre denke ich immer, „gar nicht mal so schlecht“. ich mag wie die fassade sich beim vorbeifahren öffnet und schliesst, je nach position der s-bahn, ich mag wie die friedrichstrasse sich in eine schlucht verwandelt hat, die einem eine ahnung von grossstadt gibt. ich mag wie die frische fassade jetzt schon oll und abgeranzt wirkt und ich mag die etwas missratenen proportionen. im vergleich zum wirklich abgrundtief hässlichen alexa am alexanderplatz (oder jedem anderen in den letzten jahren an einer s-bahn-linie gebauten einkaufszentrum) würde ich mich sogar dazu hinreissen lassen, das gebäude, im vergleich, als meisterwerk zu bezeichnen.
überhaupt, wenn man schon über hässlichkeit klagt, finden sich in berlin tatsächlich hundertmal mehr beispiele auf denen man berechtigt herumhacken und mäkeln könnte. allein der historisierende kotzbrocken namens „hotel adlon“ am pariser platz: was für eine peinliche posse dieses gebäude ist! und was passiert mit diesem peinlichen machwerk? günter behnisch pinkelt dem hässlichen ding einfach ans bein und klebt einen glaspalast an dessen rückwand. jetzt steht die akademie der künste am pariser platz und schreit laut und deutlich: guck mal wie peinlich romantisierend und aus der zeit gefallen das gebäude neben mir ist. behnischs bau wirkt auf mich, als hätte ein spöttischer sprayer „miniatur wunderland“ auf die brandwand des adlon gesprüht.
gewöhnung, dichte und vielfalt gleichen die hässlichkeit aus. einfach so. über das alexa rege ich mich schon lange nicht mehr auf. es steht da, ist hässlich — und funktioniert. der laden ist immer voll. es ist hässlich, lebt aber. die schönhauser-allee-arkaden: hässlich wie die nacht, aber sie funktionieren. ich geh da städig rein.
vor einer weile war der kaufhof am alexanderplatz ein hässlicher betonklotz mit waben-fassade. dann kam kleihues und wollte das haus schön machen und es hagelte proteste. auch von mir. jetzt steht da ein wunderschöner klotz, lebt und ist immer voll.
hässlichkeit in der stadt ist sowas von relativ.
besonders interessant finde ich ja, dass johanna adorján in ihrem artikel ständig mies van er rohe an die wand malt:
Für eben jenen Ort hatte Ludwig Mies van der Rohe 1921 seinen gläsernen Wolkenkratzer „Wabe“ entworfen, der, obwohl nie gebaut, zu einer Ikone der Moderne wurde, einem der wichtigsten Gedankengebäude des 20. Jahrhunderts.
mies entwurf sei „kühn“ gewesen und, so zitiert sie den architekten arno brandlhuber, der jetzige entwurf sei jetzt zu einem „Quasimodo“, einem zwitter aus „Mies und dem 19. Jahrhundert“ geworden. also eben nicht kühn, nicht ikonisch und total unwichtig. mag ja alles sein, aber mies entwurf wäre sicher noch hässlicher geworden. den vorplatz vor dem seagram building das mies van der rohe 1950 in new york baute, nutzen übrigens auch keine skateboardfahrer.
das was wir heute als die bausünden der sechziger und siebziger jahre in modernen metropolen wahrnehmen, geht zu nicht unwesentlichen teilen auf die bauphilosophie von ludwig mies van der rohe zurück. uniforme, schmucklose bauten, industrialisierte baumethoden die sich nach den bedürfnissen der technik und nicht denen der menschen richteten sind wurden in den letzten jahren nicht als kühn oder ikonisch wahrgenommen, sondern als das traurige elend der moderne. der amerikanische architektur-kritiker peter blake veralberte das motto der modernen bauphilosophie „form follows function“ mit „form follows fiasco".
nochmal: gewöhnung, dichte und vielfalt gleichen die hässlichkeit aus. als ich in stuttghart architektur studierte, befand sich die architektur-fakultät in einem ausgesprochen hässlichen gebäude namens k2. über die jahre begann ich das gebäude zu lieben. die grundrisse waren genial auf die nutzung zugeschnitten, das gebäude war irre funktional und hatte — auf den zweiten blick — echte qualitäten. im übrigen (jetzt versteige ich mich zu einer ganz steilen these) würde ich behaupten, dass gutes design oder gute gestaltung sich oft dadurch offenbart, dass sie auf den ersten blick hässlich wirkt. mir ist beispielsweise (bis auf wenige ausnahmen) noch keine neue modelreihe von mercedes oder BMW auf den ersten blick schön vorgekommen. immer erst nach ein paar jahren, offenbarten sich mir die details, die gestaltungsgrundsätze, so dass ich, immer erst nach einer ganzen weile, sagen konnte: schönes auto. neues oder ungewohntes wirkt auf den ersten blick immer hässlich. leben wir ein paar jahre mit dem neuen, gewöhnen wir uns nicht nur daran, hat es die richtigen qualitäten, schätzen wir es am ende vielleicht sogar.
mit kunst verhält es sich meiner meinung nach ähnlich. mein verhältnis zur kunst ist seit früher kindheit vom gleichen mechanismus geprägt: als meine eltern einen fuss von joachim bandau anschleppten (etwa in der art des kleinen fusses hier, etwas minimalistischer und matter) fand ich das als kind maximal bescheuert und geld-verschwenderisch. mittlerweile liebe ich die plastik über alles und streichle sie jedesmal wenn ich zuhause bei meinen eltern bin. kunst verändert sich, oder genauer die rezeption von kunst verändert sich, wenn man mit ihr zusammen lebt. viele qualitäten von kunst offenbaren sich erst, wenn man ihnen eine weile ausgesetzt ist. hässliches verwandelt sich oft in bewundernswertes, wunderschönes.
das soll jetzt nicht heissen, dass alles hässliche mit der zeit und der gewöhnung schön wird, oder dass das spreedreieck schön sei, sondern es soll heissen, dass wir manchen dingen zeit geben müssen. und: das wirklich hässliche lässt sich in einen funktionierenden (stadt) organismus trefflich integrieren (und auch ignorieren).
was ich sagen wollte: der bau am spreedreieck ist ausdruck unserer zeit. die verkrüppelten proportionen sind ausdruck der unfähigen verwaltung, von kompromissen, mauscheleien, inkompetenz, bescheuerten bauvorschriften und grössenwahn. vielleicht ist der bau auch wirklich hässlich. wenn man allerdings bedenkt, dass sich, als der eiffelturm gebaut wurde, alle pariser darin einig waren, dass er abgrundtief hässlich sei, ist das was johanna adorján über das spreedreieck schrob vielleicht das grösste kompliment was man einem gebäude machen kann. schön hässlich und eben urban.
[p.s.: die urls von faz-artikeln sind wirklich hässlich. keiner wollte es so. trotzdem sehen die URLs so aus. wie konnte das geschehen?]
vor zwei jahren haben die beifahrerin und ix am heiligabend in las vegas geheiratet, dieses jahr haben wir am heiligabend eine küche geliefert bekommen. die küche hatten wir am tag vorher bei ikea gekauft, geliefert wurde sie von hermes in einem lieferwagen von sixt, die beiden hermes-mitarbeiter kamen aus russland, der mietwagen aus münchen.
die küche betrachtete ich als mein bisher grösstes und kompliziertestes weihnachtsgeschenk. als kind bekam ich lego geschenkt, was im prinzip recht einfach aufzubauen ist. komplizierter wurde es, als ich zwölf oder dreizehn wurde und einen kosmos elektrotechnik-experimentierkasten geschenkt bekam. die experimente waren teilweise derart schwer aufzubauen, dass ich schier daran verzweifelte. so war ein experiment in dem elektrotechnik-baukasten ein elektromotor (bzw. generator) mit selbst aufzuwickelnden spulen. wickeln sie mal als 12jähriger dreimal 6000 spulenwindungen per hand!
eine ikea-küche aufzubauen ist sowas wie die königsklasse der weihnachtsgeschenk-montage, nicht ganz unähnlich der komplexität, elektromotorspulen selbst zu wickeln. man braucht zeit, geduld und sorgfalt. fehlt die sorgfalt, dreht sich der motor nicht oder — im fall der küche — hängen die türen schief.
in meiner zeit als schreinerlehrling haben wir nie länger als einen tag für eine küchenmontage gebraucht. allerdings waren die küchen damals auch schon fertig gestrichen und elektro- oder klempnerarbeiten mussten wir nicht durchführen. ausserdem waren die meisten küchen die wir damals montierten von poggenpohl und nicht von ikea. poggenpohl-küchen erlauben es im gegenteil zu ikea küchen, einmal aufgehängte oberschränke noch mit einer genialen mechnik nachzujustieren. bei ikeaküchen ist das ein frommer wunsch. eine höhenverstellung ist zwar theoretisch möglich (siehe symbolwunschbild), praktisch ist es aber so, dass der schrank immer auf der schraube aufliegt.
bei den bauchigen altbauwänden in unserer küche ist es ausserdem so, dass sowohl die ober-, als auch die unterkante der oberschränke etwa ein bis zwei zentimeter abstand zur wand hielten und nur die mitte an der wand auflagen. wie gut dass ich vorher eine riesige tüte ziemlich genialer keile gekauft hatte. keile sind neben der säge dem akkuschrauber und dem hammer (und der hoffnung dass es passt) die hauptwerkzeuge eines schreiners. alle paar wochen schnitt ich als lehrling einen sack voll keile aus abfallholz zu, die wir dann für die möbelmontage benutzten. holzkeile haben ihre vorteile, aber diese plastikkeile die ich bei bauhaus in der parkett-abteilung kaufte auch.
einen einzelnen keil kann man normal als keil benutzen, zwei aufeinanderliegende als abstandshalter mit fester dicke.
das tolle an diesen keilen ist aber, dass man die dicke des abstands mit zwei keilen zwischen wenigen milimetern und andertalb zentimetern varieren kann (oder mit vier keilen bis zu drei zentimeter)
insgesamt habe ich bei der montage der oberschränke wohl 30 bis 40 keile verballert. die küche liegt also nicht auf der wand auf, sondern auf keilen.
erschütternd ist, was man bei ikea alles selbst machen muss. klar, dass man die korpusse der schränke selbst zusammenbaut, ebenso wie man sich selbst techniken einfallen lassen muss, um die schränke auszurichten. auch die schmuckseiten und fussleisten der schränke muss man sich selbst zusägen, die küche vorher selbst streichen, das loch für den wasserhahn in die spüle schneiden, löcher für die spüle in die arbeitsplatte schneiden und sich ausdenken, wie man die kabel der beleuchtung verschwinden lässt, ohne die kabel durch den schrank zu führen (sieht scheisse aus und ist unpraktisch) oder hinter dem schrank zu führen (geht nicht, die rückwand ist bündig).
den trick mit der kabelführung hab ich mir in der ikea küchenaustellung abgeguckt. dort hat man hinter den lampen ein verdecktes loch gebohrt und die kabel in einer nut unter der unteren schmuckseite zur seite nach hinten geführt um sie dann in einer nut in der seitlichen schmuckleiste nach oben zu führen.
ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe mich auf all die schwierigkeiten und herausforderungen bei der montage gefreut. auf keinen fall wollte ich die küche von jemand anderem montieren lassen (die spulen für den elektromotor hat mir vor dreissig jahren mein opa gewickelt). die küche von einem dienstleister liefern zu lassen fand ich angemessen. den einkauf, das verladen, der transport und das nach oben in die wohnung schleppen, zumal an einem heiligabend, für 89 euro erledigen zu lassen würde ich auch nicht teuer nennen. einen lieferwagen bei sixt zu mieten und zwei russen zum schleppen organisieren, kann schnell teurer werden.
auch wenn mir das niemand glaubt: ich baue ikea-möbel leidenschaftlich gerne zusammen. der schreiner in mir freut sich, wenn ix konstruktionskniffe entdecke, die sich ikea zur kosteneinsparung ausgedacht hat oder wenn ix sehe, wie komplexität der konstruktion der einfachheit wich. beim vereinfachen ist ikea apple ebenbürtig (auch das glaubt mir niemand, stimmt aber). möglicherweise bin ich auch der einzige mensch auf der welt, der die ikea montageanleitungen, die zu 99 prozent ohne worte auskommen, genial findet.
der aufbau der küche hat dann doch etwas länger gedauert. am heiligabend und am ersten weihnachtsfeiertag war nicht viel zu machen, da mussten wir bei verwandten spachteln. in der küche haben wir am zweiten weihnachtfeiertag auch ein bisschen gespachtelt und den grundanstrich erledigt. am montag haben wir im internet gelesen, dass tiefgrund das anstreichen ganz ungemein erleichtert und der putz beim farbe anrollen nicht abbröckelt. dienstag habe ich die erste hälfte der oberschränke und keile montiert, mittwoch die zweite hälfte und die unterschränke, donnerstag die arbeitsplatte zugeschnitten, das spülbecken ausgeschnitten und montiert und angeschlossen und am freitag den neuen esstisch montiert, die türen ausgerichtet und die küche wieder eingeräumt.
vom einkauf bei ikea bis zur fertigen, neuen küche sind so immerhin neun tage vergangen. aber ich finde es hat sich gelohnt. in der küche, in der wir vor kurzem zu dritt kaum stehen konnten, können wir jetzt zu dritt am tisch sitzen. ich komme von meinem platz aus an die teller, die gläser, die tassen, die kaffeemaschine und das olivenöl — ohne aufzustehen! zum kühlschrank ist es ein schritt, zum herd andertalb. ich habe eine ganze nacht wachgelegen und darüber nachgedacht woher die massen an platz plötzlich kommen, bzw. wo sie vorher verschwendet waren. ich kann es mir auch nicht erklären, aber durch das mehr an platz, lässt sich sogar das kind zu freudengesängen hinreissen.
ich bin mir nicht ganz sicher was mein lieblingsfeature an der neuen küche ist. mehr platz ist schonmal ganz vorne. ganz vorne auch das küchenbrett, dass sich auf das spülbecken legen lässt. ganz gross ist auch der auszug (schublade) unter der spüle, der voll ausfährt, gut rollt, gedämpft schliesst und 25 jahre garantie hat. möglicherweise sind es aber die türdämpfer von blum die man auf die türbänder aufknipsen kann (zwei stück für 5 euro) und die für leise schliessende türen sorgen. damit kann man die türen so fest zupfeffern wie man will, sie schliessen sich leise und langsam — 25 jahre lang.
in einen oberschrank haben wir einen auszug eingebaut, deshalb haben die türen dort statt der üblichen bänder die 120° weit öffnen, bänder die 153° weit öffnen. das doofe: ikea meint dafür gäbe es keine türdämpfer. blum, der hersteller der bänder und der dämpfer die ikea verkauft, meint aber, dass es die gäbe, zwar nicht zum aufklipsen, sondern zum einschrauben. leider ist es gar nicht so einfach nach weihnachten, zwischen den jahren, einen geeigneten eisenwarenfachhändler zu finden, der gerade keine inventur macht. dadurch dass zwei türen der neuen küche jetzt noch ungedämpft schliessen, verstärkt sich aber bei mir der eindruck, dass das gedämpfte schliessen der türen mein absolutes lieblingsfeature an der neuen küche ist.
über weihnachten bis zum 1.1.2011 habe ich drei kilo abgenommen. ich hatte zwar auch einen tag die scheisserei, aber ich bin der festen überzeugung, dass ich, arbeitete ich wieder regelmässig als schreiner, wieder rank und schlank wäre.
volker kauder hat der berliner zeitung ein interview gegeben. aufmerksam darauf wurde ich durch sebastian reichl, der sich bereits treffend und lesenswert darüber aufregte. was sebastian reichel nicht kommentierte ist folgender satz von volker kauder:
Meine Erfahrung ist, dass alles was möglich ist, gemacht wird.
dieser satz ist eigentlich sensationell. denn kauder ist beispielsweise ein grosser befürworter der vorratsdatenspeicherung, bei der bekanntlich verdachtsunabhängig daten von allen bürgern erhoben, gespeichert und verarbeitet werden. diese daten sind, wie jeder der sich im bereich von informations-technologie auskennt, auch missbräuchlich zu nutzen. wenn ich mich recht erinnere hat volker kauder auch dem „zugangserschwerungsgesetz“ zugestimmt, einem gesetz, das im prinzip die grundlagen einer zensurinfrastruktur legen würde, indem es dem BKA ohne weitere gerichtliche überprüfung erlauben würde, webseiten zu sperren.
und wenn nun, frei nach volker kauder, alles was möglich ist, auch gemacht wird, wie kann er dann reinen gewissens gesetzen zustimmen deren missbrauchspotenzial so hoch ist?
der wissenschaft muss man misstrauen, der politik nicht?
sein glaube?
interessant.
apropos glaube. das zitat von volker kauder dass sich sebastian reichel vorgeknöpft hat lautet:
Ich glaube nicht, dass sich Kinder wünschen, in einer homosexuellen Partnerschaft aufzuwachsen.
ich finde das in mehrfacher hinsicht bemerkenswert (hab ich schon gesagt, dass man den artikel von sebastian reichel dazu unbedingt lesen sollte?). einerseits: seit wann ist politik eine glaubensfrage? oder anders formuliert: sollten politiker wie volker kauder nach ihrem gutdünken entscheiden oder bewerten, wie kinder aufzuwachsen haben? was ist, wenn ein politiker glaubt, dass kinder sich nicht wünschen in einem haushalt mit fernseher aufzuwachsen? sollte dann der gesetzgeber dafür sorgen, dass familien, in denen ein fernseher vorhanden ist, keine kinder adoptieren dürften? sollte familien die in der nähe von atomkraftwerken leben, das recht kinder zu adoptieren entzogen werden?
auch wenn volker kauder offenbar aus christlichen leitkulturgründen der wissenschaft tief missraut („was möglich ist wird auch gemacht“), ich finde es gut, dass es wissenschaftliche untersuchungen gibt. zum beispiel untersuchungen darüber, wie „Kinder mit zwei Müttern oder mit zwei Vätern“ sich entwickeln. das erstaunliche ergebnis:
Nach den neuesten Erkenntnissen von Stacey und Biblarz ist auch weiterhin davon auszugehen, dass Kinder in homosexuellen Familien so glücklich (oder unglücklich) sind wie in heterosexuellen Familien auch.
mehr noch:
Doch die Studien zeigten, so die beiden Soziologen, dass die Kinder homosexueller Eltern demgegenüber "eine beeindruckende psychische Stärke an den Tag zu legen scheinen."
und kinder die von homosexuellen paaren aufgezogen werden, neigen weniger zu stereotypen. ich glaube ja, dass dass es volker kauder zu wünschen ist, dass er in einer homosexuellen partnerschaft aufgewachsen wäre. das hätte ihn vor seiner piefigen ignoranz, arroganz und peinlichen arschkriecherei in konservative ärsche selbstdarstellung als konservativer bewahrt.
vor allem wo es doch eigentlich ganz einfach ist:
Kinder sind dort glücklich, wo sie mit Liebe, Respekt und klaren Linien erzogen werden […].
ach so, eins noch. zum thema volksentscheide weist kauder auf die schweiz als abschreckendes beispiel und sagt:
Schauen Sie sich die Schweiz an: Da gibt es Entscheide über den Rausschmiss von Asylbewerbern. Das kann man doch Deutschland gar nicht wünschen.
[wie man sieht, schreibe ich wieder klein. ich breche das experiment mit gross- und kleinschreibung nicht aus faulheit oder weil ich es schön finde ab, sondern weil meine leser das so wollen.]
Es ist so kalt, dass die rumänischen Bettlerinnen nicht mehr die Hilfsbereitschaft von anderen Touristen auszunutzen versuchen indem sie fragen „Do you speak English?“ sondern nur noch entnervt „English?“ fragen.
Das beste Netz der Welt Deutschlands, mit dem Vodafone für sich wirbt, ist, wenn man von Berlin nach Hamburg fährt, genauso löchrig wie das von O2. Nun gut, ich gebe zu, die Tunnelausfahrt aus dem Hauptbahnhof Berlin ist bei Vodafone etwas besser abgedeckt als bei O2.
Bei mir zuhause im Prenzlauer Berg strahlte mich heute früh auf dem Test-Blackberry mit Vodafone-Netz ein fröhliches „Vodafone GPRS“ an. Der Pre zeigte Vollausschlag von „O2 G3“ an. Werbung ist so scheisse.
Obwohl, heisst „Arbeiten“ auf schwäbisch wirklich „Arbieten“?
der lupenreine JournalistJosef Joffe Bill O’Reilly spricht bei David Letterman (Sendung vom 09.12.2010) über Wikileaks und vom „Hochverrrat“. Witzig fand ich, dass der Verfechter von „Smaller government, less government spending, less intrusion at the federal level“ die Macht der amerikanischen Regierung für grenzenlos hält:
Here's the interesting thing. The US government knew that this was happening and they could have closed this down [er meint Wikileaks]. We have the capacity to close down any website in the world that we want to. But they didn't. So that’s a really interesting deal. Why didn’t they close it down, if it’s so bad?
udo vetter hat hier (bei ca. 23 minuten) ein paar sehr nette sachen über dieses blog und mich gesagt. ein bisschen musste ich auch lachen, als udo sich auf die frage, ob „man“ mich wegen meiner „flotten sprüche“ auch schon mal „rauspauken“ müsse weigerte über mandantenverhältnisse zu reden.
udo meinte auch, dass meine kleinschreibung „schwer erträglich“ und ein grosser fehler sei. Zur Feier des Tages werde ich zunächst die nächsten zehn Artikel in ordentlicher Gross- und Kleinschreibung verfassen. Mit korrekter Rechtschreibung oder Zeichensetzung werde ich nicht dienen können, die kann ich nämlich nicht.
Trotzdem nochmal ein zwei Worte zur Kleinschreibung. Einerseits finde ich sie seit ich Otl Aicher las einfach wunderschön. Aicher schrob ja alle seine Bücher in konsequenter Kleinschreibung, zumindest die, die ich las. Andererseits sollte man seine eigenen Vorstellungen von Schönheit anderen nicht übermässig aufzwingen. Dann wiederum, habe ich nie das Bedürfnis verspürt, das zu machen was andere von mir erwarten, im Gegenteil, ich schreibe hier genau das was mich interessiert — was ja auch der Reiz an diesem Blogdings ist. Etwas zu polemisch vielleicht, habe ich die Kleinschreibung auch hin und wieder als hocheffektiven „Arschlochfilter“ wahrgenommen. Mit anderen Worten, hier lesen (vermutlich) vor allem Leute mit, die das was ich schreibe interessiert und nicht wie gross oder klein ich es schreibe.
Wie gesagt, ich probiere es mal mit Gross- und Kleinschreibung — ausser, was ich nicht wirklich erwarte, es outen sich mehr als 10 Fans meiner Kleinschreibung in den Kommentaren.
Dieses Video aus der ersten Staffel der Muppets-Show fasst ungefähr alles das zusammen, was ich bis vor ein paar Jahren zum Thema Öffentlichkeit, Privatshäre, Internet und Preisgabe von persönlichen Informationen gedacht habe. Kurz: je mehr Informationen man über sich selbst preisgibt, desto unklarer wird das was wahr ist. Bis vor kurzem glaubte ich, dass man die Menschen mit Informationen über sich selbst zukippen kann und es damit immer schwerer wird die eigentliche Substanz dahinter klar zu erkennen. Seitdem Google die Kraft des Brute-Force Datenminings und der Algorithmen dahinter immer eindrucksvoller demonstriert, denke ich langsam anders dadrüber.
Aus diesem und ein paar anderen Gründen habe ich übrigens seit ein paar Jahren äusserst gute Erfahrungen damit gemacht, Artikel auf wirres.net die älter als drei Jahre sind für die Google-Indexierung zu sperren. Mit anderen Worten, Artikel auf wirres.net die älter als drei jahre sind, sind über Google (und alle Suchmaschinen die sich an die Robots-Anweisungen halten) nicht mehr auffindbar. Einerseits bilde ich mir ein, dass mich diese Massnahme das eine oder andere mal davor bewahrt hat Udo Vetters Dienste in Anspruch zu nehmen, andererseits müssen Google und seine Benutzer ja nicht alles von mir wissen.
Friedemann Karig schreibt äusserst differenziert und unknüwerig über Wolfang Joop und Bill Kaulitz die kürzlich irgendwann mal gemeinsam durch die Nacht in Paris zogen und dabei auch über das Internet redeten. Sein Fazit, dem ich, nachdem ich die Sendung gesehen habe, absolut zustimmen würde, lautet:
Bill Kaulitz würde das Internet also gerne abschalten. Und zwar für alle. Jedoch nicht aus sturer Technikfeindlichkeit oder Altruismus. Nicht, weil er die Welt besser machen wollte. Nicht, weil er zu alt dafür ist oder es nicht bedienen kann. Nicht, weil er zu viel von seiner eigenen Musik gehört hat und jetzt die Stille sucht. Sondern aus banalem ökonomischen Egoismus.
Dass es ihm nicht (nur) um die Kunst geht, um sein kreatives Schaffen das er durch das Internet gefährdet sieht, merkte man spätestens dann, als er sich bitterlich darüber beklagte, dass vor der Veröffentlichung einer Tokio Hotel-Platte, bereits neun stücke im Internet zu haben waren und er meinte, dass sie die Platte dann ja fast nix mehr wert sei.
Auch witzig dass sich Kaulitz unter heftigem Nicken von Joop darüber beklagte, dass im Internet jeder alles kommentiere könne und damit jede „Magie“ zerstöre. Kurz vorher tratschte Wolfang Joop noch über Iman Bowie, die sich „alles machen liess, alles, die Titten, das Gesicht, alles“. Auch wie sie die Schönheitsoperationen der Titten, des Gesichts und allem anderen finanzierte tratsche Joop freimütig ins Fernsehen. Im Internet, dem grossen Magiezerstörer, haben die Menschen immerhin noch den Anstand das Thema Schönheitschirurgie mit einem Fragezeichen zu garnieren. Joop zerstört die „Magie“ von Imans Aussehen während er in einem teuren pariser Restaurant mampft und beklagt sich dann darüber, wenn es andere auch machen.
Ähnlich widersprüchlich empfand ich Wolfgang Joops Spruch, dass er ja in letzter Zeit sehr, sehr kamerascheu geworden sei, weil er das was die Kameras produzierten nicht mehr mit seinem Bild von sich selbst vereinbaren könne. Mit anderen Worten, er hält sich für zu alt und unschön um noch vor die Kamera zu treten, was ihn freilich nicht davon abhält mit Bill Kaulitz eine einstündige Sendung zu produzieren („Hab ich für dich getan, Bill“) oder peinliche Fotos von Andre Rival anfertigen zu lassen, damit ich morgens, wenn ich auf den Bus warte, eine Portion Mitleid Fremdschämen empfinden kann.
Die Sendung anzusehen lohnt sich übrigens allein deshalb, um einmal zu sehen wie Patricia Riekel sich (gegen Ende der Sendung) an Promis ranwanzt. Überhaupt ist der Titel der Sendung leicht daneben. „Durch die Nacht mit Wolfgang Joop und Bill Kaulitz“ hätte auch der Einfacheit halber „Das grosse Ranwanzen“ genannt werden können.
gestern abend war ich mit einigen kollegen in der, wie sie sich selbst beschreibt, „komödiantischen dinnershow“ la famiglia. von diesen „dinnershows“ gibt es ja mittlerweile einige, hab ich gehört. konzeptionell habe ich diese shows nie verstanden. soweit ich mir das bis vor kurzem zusammenreimte, bekommt man dort etwas zu essen und wird von schauspielern oder schaustellern oder irgendwelchen anderen künstlern beim essen gestört. seit gestern halte ich es auch für möglich, dass es umgekehrt ist, dass man mit seinen niederen bedürfnissen wie störungsfreier kommunikation mit dem kellner, getränkewünschen und getränkeentsorgung, essgeräuschen und -gerüchen die künstler bei ihrer vorführung stört.
ähnlich wie bei musicals, die in der regel eine geschichte, die sich auf einer halben dina4-seite erzählen lässt, durch exessives rumgesinge und rumgehampel auf zwei bis drei stunden länge strecken und mit bunten kostümen ausschmücken, verstehe ich nicht wirklich warum man sich eine solche veranstaltung eigentlich ansehen sollte.
aber nun war ich gestern nunmal zu dieser „komödiantischen“ essveranstaltung eingeladen. ich habe lange überlegt, ob ich diesem geschenkten gaul ins maul schauen soll (ein bis zwei stunden) und ob ich etwas, in das viele menschen extrem viel arbeit, herzblut und energie gesteckt haben, mit einem federstrich mit fehlerhafter rechtschreibung und mäandernden satzungetümen niedermachen soll.
ich habe mich entschieden es zu tun, weil ich mich geärgert habe. aus mehreren gründen — und die müssen jetzt mal eben raus.
erstens war das essen kalt. also nicht die antipasti oder das tiramisu, sondern die nudeln. und nicht nur die nudeln an unserem tisch, sondern die nudeln an mindestens drei tischen um uns herum. und mit kalt meine ich nicht lauwarm, sondern kühlschrank-kalt. die antipasto bestanden aus einem streifen eingelegter roter und einem streifen gelber paprika, einer scheibe zuccini, einer karottenscheibe, einer scheibe aubergine und zwei unfassbar subtil angemachten blättern salat. immerhin war die marinade ganz lecker und ich hatte den ganzen abend was davon, wenn ich mal aufstiess.
zweitens fand ich die show ganz furchtbar. langweilig, unwitzig und viel zu lang. dafür, dass ich die show furchtbar fand, können die schauspieler oder die produzenten der show natürlich nichts. woher sollen die auch wissen, dass ich nicht auf siebziger-jahre partykeller-humor stehe, der sich fast ausschliesslich um titten, ärsche und das ficken dreht? woher sollen die produzenten wissen, dass ein humor der sich auf das paraphrasieren von sexuellen handlungen und die bedienung von ausgeleierten klischees beschränkt, mich vor fremdscham beinahe paralysiert?
ganz im ernst, es ist völlig OK, dass es leute gibt, die zum beispiel einen solchen humor (von einem der drei hauptdarsteller der show) zum schreien komisch finden (youtube direktqual) oder sich eben auch bei „la famiglia“ königlich amüsieren. in der tat wurde gelacht und auch ein bisschen applaudiert.
seit gestern wünsche ich mir deshalb eine klare vorab-humor-klassifizierung, wie es das zur klassifizierung von musik bereits gibt. so würde ich mir mit ziemlicher sicherheit keine volksmusik- oder marschmusikkonzerte ansehen, weil schon von weitem am namen erkennbar ist, dass die veranstaltung und ix nicht kompatibel sein werden.
nun gut, bei der show-selbstbeschreibung hätte ix schon verdacht schöpfen können:
Musica, Pasta e Teatro! Eine herrlich spritzige Komödie mit kulinarischen und musikalischen Highlights!
wenn die adjektivdichte sich in einem absatz 50% nähert, sollte man sehr, sehr vorsichtig werden. und eigentlich sind solche pressezitate ein unübersehbares warnzeichen:
"Amouröse Verwicklungen, es fliegen die Fetzen - rasend komisch!", so urteilt begeistert die Presse.
wobei es aus meiner sicht sogar eine glatte lüge ist, „komisch“ fand ich es nur sporadisch und erst recht nicht rasend, sondern schleppend — obwohl man über humor ja streiten kann (äh, kann man über humor streiten?).
zumindest hätte ich mich wohl weniger geärgert, wenn im flyer statt „rasend komisch“ gestanden hätte: „leute die mario barth und fips asmussen mögen, mögen auch diese volkshumordinnershow.“
ganz wichtig neben der humorklassifizierung wäre noch eine vorherige längenangabe. denn drittens hat die show von 19:30 bis ungefähr 23:30 uhr gedauert. das sind qualvolle vier stunden unterbrochen nur von einer kurzen bestellphase vor der show und einer kurzen pause, in der es kalte pasta gab.
würde die show mit einer solchen angabe werben, kämen vielleicht insgesamt weniger leute, aber am ende blieben mehr zufriedene: „die show besteht aus zwei einstündigen, etwas zähen und in die länge gezogenen akten, für das essen, getränkebestellungen und diskussionen mit dem küchenpersonal haben sie insgesamt 45 minuten zeit. nach dem schlussapplaus und drei freiwilligen, ungebetenen zugaben, nehmen wir uns nochmal 30 minuten zeit um alle mitwirkenden einzeln vorzustellen.“
aber es gab auch positive aspekte. die kellnerin war etwas witziger und schlagfertiger als robert louis griesbach, die in die show eingearbeitete schleichwerbung für fiat wurde in witzchen verpackt, die show war in 3D (witz bei griesbach.de geliehen), ich habe tatsächlich insgesamt viermal lachen müssen (einmal allerdings auf dem klo, wegen dem typen mit brechdurchfall nebenan) und die kalten nudeln liessen mich ziemlich kalt, weil sie trotzdem lecker waren.
so viel arbeit, soviel mühe von sovielen menschen die in dieser show steckt. doof nur, dass man das merkte — so urteilt relativ unbegeistert der schwenzel.
Mit „Sicherererer“ bringe PayPal alles auf den Punkt, was die von der Finanzkrise und Phishing-Mails verunsicherten Kunden vom Online-Handel erwarten.
falsch. was die kunden erwarten ist anständiges verhalten. wenn noch nicht mal eine gemeinnützige stiftung vor willkürkürkürkür von paypal sicher ist, wie sicherererer kann man dann bei paypal als einzelner sein, anständig behandelt zu werden?
ich guck ja gerade „the west wing“ zum zweitenmal. und bei west wing findet man immer motive oder zitate mit denen man aktuelle ereignisse super illustrieren kann.
in einem völlig anderen zusammenhang fällt in folge 6 der ersten staffel folgender dialog zwischen den white-house-beratern mandy hampton und josh lyman:
JOSH: I don't think it's unreasonably macho for the White House to be aggressive in preserving democracy.
MANDY: Let me tell you something. Ultimately, it is not the nuts that are the greatest threat to democracy, as history has shown us over, and over, and over again. The greatest threat to democracy is the unbridled power of the state over it's citizens, which by the way, that power is always unleashed in the name of preservation.
mit anderen worten: nicht julian assange oder die irren „onlinecommunitybenutzer“ gefährden die demokratie. es sind die journalisten die sich selbst für überflüssig erklären und die regierungen die ihren bürgern den schutz vor der regierung verweigern und die unternehmen die AGBs über die verfassung stellen.
im moment kann man es schon mit der angst bekommen (via rivva). es bleibt dabei: das gegenteil von gut, ist gut gemeint.
ich fand den artikel über wikileaks von harald staun in der FAS nicht doof, auch wenn der artikel stauns in seiner zotteligkeit intellektuellen abgehobenheit und arroganz beinahe prototypisch dafür ist, wie typen wie staun vor allem für typen wie staun schreiben. trotzdem. weil ich mir einbildete, fast alle fremdworte die staun in seinen text einstreute verstanden zu haben, fand ich den artikel lesenswert. vielleicht auch nur deshalb.
aber es stecken ein paar bedenkenswerte gedanken im text. einer davon:
Und deshalb bedeutet Wikileaks gerade nicht, wie viele das befürchten, das Ende aller Geheimnisse. Wissen ist nicht das Gegenteil des Geheimen, es ist seine Bedingung. Nirgendwo zeigt sich das besser als am Beispiel erfolgreicher Hacks: Die Offenlegung einer Sicherheitslücke bedeutet immer auch ihre Schließung. „Mit jedem Hack“, schreibt Pias, „verschwindet eine Möglichkeit zu hacken.“
Und nein, lieber Medienredakteur der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, beim Recherchejournalismus geht es keineswegs darum, wie Sie meinen, dass eine Information „desto relevanter“ sei, „je konspirativer“ der Weg war, über den sie zum Reporter kam. Für konspirative Recherchemethoden gibt kein Chefredakteur die Seiten frei – sondern nur für Geschichten, die den Leser wirklich interessieren könnten oder aus unserer Sicht müssten.
noch witziger fand ich allerdings, wie tillack sich über josef joffe lustig macht (natürlich nennt er weder staun, noch joffe beim namen — warum eigentlich?):
Und ich finde es erstaunlich, wie viele schlechte Verlierer es im deutschen Journalismus gibt. Nicht wenige Kollegen spielen die Bedeutung der Papiere herunter und sprechen von Enthüllungen, die wir angeblich nicht brauchten, weil sie nur „mit mäßigem Nährwert“ ausgestattet seien.
Dass solches in einer Wochenzeitung mit besonders großem Papierformat zu lesen ist, überrascht dabei weniger. Dort hatte man bei manchen – nicht allen! – Autoren immer schon den Verdacht, dass sie viel lieber diplomatische Depeschen für mächtige Minister schreiben würden, als ganz unoffizielle Artikel für den Leserplebs.
joffe gibt sich in der tat so staatstragend, dass ich beinahe mitleid für ihn empfinde, dass er mit seinen vielseitigen einsichten und wissen bei einer popeligen zeitung arbeiten muss, statt im staatsdienst. joffe meint tatsächlich, dass die vierte gewalt im staate, die presse, überflüssig sei, weil es dafür parlamente und gerichte gäbe, also den rechtsstaat:
Wikileaks veröffentlicht erneut geheime Dokumente. Sollen die das dürfen?
Wenn Demokratien keine Geheimnisse mehr haben können, geht der Vorteil an die Despoten. WmdW kennt keine Dokumente, die Wikileaks je aus Nordkorea, Arabien, Iran, Russland, China etc. veröffentlicht hätte. Wikileaks lebt von den Freiheiten, welche die liberale Demokratie gewährt. Just diesen Staat will der Verein in seiner Hochmut schwächen. In dem Sinne ist das kriminell. Wir nennen es „Hochverrat“, den alle Länder mit den höchsten Strafen belegen. WmdW wünscht sich keinen Ein-Mann-Rächer, der nach eigenem Geschmack entscheidet, was zu veröffentlichen sei. Dafür haben wir Parlamente und Gerichte, also den Rechtsstaat.
klar. nixon, strauss, flick — die sind alle über parlamente und gerichte gestolpert. wer braucht schon whistleblower oder journalisten, wenn es parlamente und gerichte gibt. ein lupenreiner demokrat und journalist, der herr joffe.