eigentlich habe ich meinen eindrücken der zweiten folgebillions nichts hinzuzufügen. in der serie geht's nach wie vor ums pimmelfechten zweier alphamännchen und deren jeweiligen herden von alphamännchen und -weibchen, die sie beim pimmelfechten immer wieder vertreten. das anzugucken macht nach wie vor grosses vergnügen, auch wenn sich die grösse des schlachtfeldes stetig ausweitet.
eigentlich ist billions-gucken, wie schach-gucken. im gegenteil zum schachspielen durchschaut man allerdings auch als laie ein paar der frühen züge, weil sie sich an bekannten erzählmustern orientieren und die filmemacher einem mit hintergründen und ein paar inszenierungen hilfestellung leisten.
im vorspann wird andrew ross sorkin als einer der autoren genannt. das ist insofern interessant, weil er für die new york times „über die Finanzwelt“ schreibt und mutmasslich ein bisschen was von der materie, um die sich die serie dreht, versteht. ich gehe also davon aus, dass das gezeigte katz-und-maus-spiel zwischen staatsanwaltschaft und dem axelrod-lager eine gewisse erdung in der realität hat. wenn nicht, wäre es auch nicht weiter schlimm, denn die serie ist und bleibt spannend und unterhaltsam.
genau betrachtet vereint sie auch mehrere genres: rechtsanwalt-serien aus der sicht der staatsanwaltschaft, klassische krimis (ohne mordopfer und ohne til schweiger) wie the wire oder the shield, ein politik-drama à la west wing, house of cards oder boss, ein prise spionage-drama rund um die themen loaylität und verrat und ansätzen aus rache-dramen. es geht um machtspielchen — oder wie diese folge eigentlich hätte heissen sollen — „mouth to ass“, dominanz und taschenspieler-ehre.
auch schön, die ipad-ständer von den raumschiffbrücken in the expanse spielen auch in billions mit. und hundescheisse spielt auch eine grosse rolle.
man kann diese folge kurz und knapp zusammenfassen. alicia lacht wieder. sie hat ihrem schmerz überwunden und während ich das schreibe, kriecht der ekel über solche pathetischen sätze in mir nach oben.
neben dem pathos, hatte diese folge aber auch ein paar der momente, die ich an rechtanwaltserien eigentlich ganz gerne mag. die debatten, dass auseinandernehmen der gegnerischen positionen mit geschickter argumentation, klarer sprache, mal mit, mal ohne juristische tricks. leider werden diese momente ständig zerschnitten, weil in jeder folge mindestens zwei oder drei solcher debatten, bzw. verhandlungen stattfinden. ständig wird zwischen denen hin und her geschnitten und vor den werbepausen wird und es dann zur abwechslung ein bisschen pathetisch.
eigentlich wurden die pathetischen momente in dieser folge ganz ok inszeniert, aber ich glaube was mir wirklich fehlt ist das, was boston legal so grandios gemacht hat: das abseitige, das völlig absurde, ausserweltliche, abgehobene, das boston legal staffel für staffel durchwoben hat. the good wife handelt vom alltag, boston legal handelte vom irrsinn.
the good wife kann sich in dieser staffel einfach nicht entscheiden was es sein will. eine dokufiktion über eine starke, erfolgreiche frau? über ihren alltag und ihren kampf um normalität, glück und gerechtigkeit? oder eine gerichtschau, die gesellschaftlichen missständen elegant einen spiegel vorhält? was the good wife leider schon länger nicht mehr macht, ist aktuelle ereignisse so in die erzählung einzubauen, dass man tatsächlich etwas lernt, verschiedene perspektiven erkennt und nach der sendung denkt: aha.
früher™ fühlte man nach einer folge the good wife wie nach der sendung mit der maus, jetzt fühlt man sich wie nach einer folge von irgendwas mit louis c.k.
the good wife handelt nicht mehr von potenzialen, zielen und wegen nach vorne, sondern davon wie scheisse die welt ist und wie aufreibend und frustrierend das tägliche klein-klein ist.
man merkt der serie an, dass sie langsam die kisten packt, die losen fäden einsammelt und verstaut und sich auf ihr ende vorbereitet. und eigentlich ist das schade, aber nach den letzten drei folgen, fällt der abschied immer leichter.
etwas ausführlicher: christian junklewitz auf serienjunkies.de über diese folge.
louis c.k. hat ziemlichüberraschend eine sitcom gemacht und verkauft sie online auf seiner webseite, für 5 dollar pro folge. die sitcom wird offenbar relativ nah am veröffentlichungsdatum gedreht, unter anderem wird auch kurz auf donald trump bezug genommen — und dass er die republikanische präsidentschaftsdebatte auf fox boykottiere. die debatte war letzte woche donnerstag, die show dürfte also letzte woche gedreht worden sein — und das merkt man ihr auch an. textschwächen, verhaspler oder mikrofon-anstupser bleiben einfach drin, viele dialoge sind holprig. diese imperfektion stört mich nicht, im gegenteil, das wirkt eher erfrischend. ich fand die sendung aber trotzdem scheisse.
ich mag louis c.k. und bin beeindruckt, dass er so eine sendung (offenbar) selbst produziert hat und auf seiner webseite vertreibt — ohne grosses studio im rücken oder bewährte vertriebswege. aber louis c.k.’s humor ist nicht immer meine sache (manchmal aber schon) und die ersten 32 minuten der sendung waren das deprmierenste, was ich seit langem gesehen habe. ich will nicht ausschliessen, dass es menschen gibt, denen es grosses vergnügen bereitet, anderen dabei zuzusehen, wie sie ihre neurosen ausleben oder ihre unfähigkeit zu kommunizieren wortarm unter beweis stellen. ich gehöre jedenfalls nicht dazu.
horace und pete gehört eine kneipe in brooklyn und horace and pete hat mir nochmal deutlich vor augen geführt, warum ich noch nie gerne in kneipen gegangen bin: die gespräche von besoffenen sind meist noch nichtmal besoffen auszuhalten. in der ersten häfte der sendung war das ganz besonders unerträglich. obwohl sich die kneipe ziemlich schnell füllte, herrschte dort eine dermassene ruhe, dass man ständig das brummen der beleuchtung hörte. unterhielten sich zwei gäste, einer der petes (es gibt pete und uncle pete) oder horace mit irgendwem, schwiegen alle anderen und fingen an leer in die gegend zu starren.
ich bekam beim zusehen wirklich schlechte laune: gespräche, die auf jeder ebene scheitern, in absoluter stille, in einer vollen kneipe. das, was man in dieser sendung sieht, kann man auch nicht mehr „schauspielen“ nennen, das ist schaudeprimieren. und schaufluchen. ich hatte kurz den verdacht, dass louis c.k. die sendung vor allem deshalb gemacht hat, damit er seinen enkeln später mal erzählen kann, dass in seiner sendung mal jemand öffentlich hillary clinton eine fotze (cunt) genannt hat und, dass er es noch 2016 geschafft habe, eine sendung zu machen, in der ein alter weisser mann mehrfach das n-wort benutzt. wenn man nicht fürs fernsehen arbeitet, kann man sowas machen, auch wenn es nur mässig witzig ist. andererseits, es gibt bestimmt auch leute, die sich darüber krumm lachen können, wenn jemand anderen leuten ins gesicht pupst.
nach 32 minuten gab es für das publikum eine wohlverdiente pause (der erste gelungene gag). ich habe lange überlegt (33 sekunden), ob ich mir den zweiten teil auch noch ansehen sollte. ich habs dann gemacht, weil ich dachte noch schlechtere laune wird mir der zweite teil schon nicht machen, was aber ein irrtum war. immerhin ging es schauspielerisch ein bisschen bergauf. alan alda fing an die show eigenhändig zu tragen, steve buscemi, der sich im ersten teil der sendung in einen enorm schlechten schauspieler verwandelt hatte, wachte nach 55 minuten auf und liess ein bisschen was von seinem können durchblitzen. auch erfrischend: wie im ersten teil, spielten nicht nur menschen mit, die den gängigen schönheitsidealen entsprechen. es spielte allerdings niemand mit, dessen teint dunkler als der von louis c.k. war.
im zweiten teil, nach der pause, gerieten die story und die dialoge dann auch ein bisschen in fahrt. das war immer noch alles sehr deprimierend und unlustig, aber immerhin wurden die schweigenden, unheimlichen gäste rausgeschmissen und durchgehend geredet und positionen bezogen, die über kneipengeschwätz hinausgingen.
wie gesagt, ich fand die sendung sehr unwitzig, deprimierend und konsequent grässlich. aber weil der zweite teil etwas anzog, weil es eine pause gab und weil es einen witz gab, über den ich herzlich lachen konnte, gebe ich doch einen punkt mehr als für die the ridiculous 6.
was ich wirklich witzig fand: nachdem die beiden vormittags, so gegen viertel vor eins, die öffnung des ladens vorbereitet hatten (kehren, aneinender vorbeireden, deprimiert gucken, stühle aufstellen), tranken horace und pete erstmal ne tasse kaffee vom vortag. der kaffee auf der wärmplatte musste vom vortag sein, denn die kaffeemaschine hatte noch keiner der beiden bedient. horace und pete tranken die plörre, ohne eine miene zu verziehen.
der new yorker etwas wohlwollender als ich über die pilotsendung: It’s like an ad produced by a Super PAC funded by angry comedians, in support of no one.
armin zeigt wie zimmertüren gemacht werden (ich könnte schwören die sachgeschichte schonmal gesehen zu haben) und christoph zeigt wie tibas familie, die aus syrien geflüchtet ist, in eine neue wohnung zieht, mit ganz vielen zimmertüren. bei schaun das schaf geht’s auch um eine tür und es wird viel gepupst.
die kurzen filme darüber, wie es tiba und ihrer familie ergeht, scheinen nicht aus der mediathek gelöscht zu werden, dehalb verlinke ich die bisherigen mal: teil 1, teil 2, teil 3 und teil 4.
the magicians vereint in einer sendung alle genres die mich anöden: college-drama, nerds vs. cool kids, weltrettung durch auserwählte, überkandidelter mystery-mist. die erste folge war vollgestopft mit fragmentarischen popkultur-anspielungen aus harry potter (versteckte orte, obercheckerzauberer von der guten und der „bösen“ seite), the maze (junge menschen vor unlösbaren aufgaben, die sie mithilfe eines auserwählten serienlang immer wieder lösen, entgegen allen widrigkeiten) oder x-files (weltverschwörung von unbekannten oder allmächtigen mächten).
weil die erste folge so vollgestopft ist mit der einführung und charakterzeichnung der protagonisten, dem anlegen der geschichte und der hintergründe (auf mindestens 12 verschiedenen ebenen) und dem spinnen der roten fäden der erzählung für die folgenden episoden, macht der pilot einen enorm atemlosen eindruck. aber es ist nicht nur zu viel auf einmal, sondern auch lieblos inszeniert. wahrscheinlich um zeit zu sparen, besteht die erste folge zur hälfte aus der präsentation von stereotypen aus bekannten popkulturellen mustern. das nerd- und strebermädchen trägt ne brille, sieht darunter aber aus wie ein model, die coolen sind gemein zu den strebern, allwissend, überheblich und ein bisschen neidisch auf den neuen, der ganz offensichtlich und für die zuschauer leicht zu erkennen, der auserwählte ist, the chosen one.
sowieso sehen alle blendend aus, es gibt keine fetten, keine wirklich unattraktiven menschen. alle sind schlank und in der form ihres lebens. unattraktivität wird, wenn überhaupt, simuliert durch verwuschelte haare, ne brille, komische klamotten oder dass er oder sie bücher mag und viel liest.
gute serien, meine ich mittlerweile gelernt zu haben, lassen sich zeit mit der exposition, mit der einführung in die geschichte und die charaktere. the magicians hat es eilig und rammt 6 folgen in eine einzigen zusammen. heraus kommen holzschnittartige charaktere und eine offenbar abstruse verschwörungsgeschichte mit mystery-elementen, die — wie sollte es anders sein — darauf hinausläuft die welt vor dem untergang zu bewahren. mit weniger möchte man sich als serienmacher heutzutage ja nicht mehr abgeben.
leider nimmt die erste folge am ende eine radikale wende, die mir gefiel, indem eine der mühsam eingeführten figuren einfach umgebracht wird. ich nehme der serie die radikalität à la game of thrones nicht ab und vermute durch irgendeinen zauberspruch wird die figur wieder zurückgeholt, aber die wende und der anschliessende cliffhanger, werden mich wohl dazu zwingen, mir noch eine oder zwei folgen anzusehen.
(mit will smith, ryan reynolds, catherine zeta jones und toby jones. musik von laura mvula)
das faszinierende an der graham norton show ist die chemie in der runde. ich habe es bisher nicht erlebt, dass die gäste und der gastgeber nicht miteinander aus kamen oder sich anzickten, offen oder verdeckt. in dieser sendung klappte das besonders gut, alle warfen sich ständig gegenseitig bälle zu und alle waren so gut, so professionell, dass sie jeden ball verwandelten.
zur der letzten sendung merkte ich ja an, dass talkshows ja in erster linie promotion-werkzeuge für prominente seien, um ihre filme, bücher oder stücke bekannt zu machen. in dieser sendung hatte ich das gefühl, dass jeder einzelne gast gekommen war um zu unterhalten und sein bestes eben dafür zu geben.
das klappte so gut, dass sogar die gäste einsprangen als die sendung kurz ins pathetische abzudriften drohte. nämlich als graham norton kurz abdriftete und seinem musikalischen gast (laura mvula) unaufhörlich komplimente an den kopf zu werfen und mit (sehr ehrlich gemeinter) bewunderung zuzuölen. will smith warf einen gag ein, ryan reynolds nahm ihn auf und „off you go“ pathos.
ich hatte in dieser sendung das gefühl, dass die fünf die sendung seit jahren, jede woche zusammen machen, so gut eingespielt waren sie als team. dazu kommt übrigens noch, dass das timing der sendung auch grandios ist. alles überflüssige (spiele mit den gästen, einspieler), alles langwierige, wird in der sendung weggelassen. alles läuft zack-zack ohne hektisch zu wirken, so dass ich mich immer wundere, wie schnell die sendung vorbei geht, trotz ihrer fast 45 minuten länge.
während cathrine zeta jones die ganze sendung über eine etwas steife haltung einnahm, um ihrem körper von der besten möglichen seite zu präsentieren, sass neben ihr toby jones mit einer frisur die aussah als sei er gerade aus dem bett gesprungen. ausserdem rollten sich seine langen socken langsam in richtung fussboden ab und er lümmelte sich entspannt ins sofa.
will smith möchte ich immer gerne unsympathisch finden, weil er ja wohl mitglied in dieser komischen pseudo-kirche ist, aber es gelingt mir nie. er ist witzig, schlagfertig, ehrlich und kann zur not auch ernst antworten, wenn ihn graham norton die frage stellt, die er seit wochen allen schwarzen schaupsielern auf seinem sofa stellt: was sie denn von diesem oscar-boykott hielten? smith antwortete zwar ausweichend diplomatisch aber das war ok. auch schön, kann man ja nicht oft genug sagen: „diversity is america’s superpower, it’s what makes this country great.“ das gilt zwar auch ausserhalb amerikas, aber ich finde es schön, dass diese anti-trump geheimformel auf diese art und weise immer wieder ins zuschauerhirn geleitet wird.
will smith machte in der sendung promotion für seinen neuen film concussion (trailer auf youtube), in dem er einen nigerianischen arzt spielt, der in amerika lebt und die chronische traumatische enzephalopathie entdeckt, an der vor allem football-spieler oft erkranken. sein nigerianischer akzent war ziemlich gut, was wohl auch ein nigerianischer comedian fand, der sagte dass sich will smith’s akzent tatsächlich nigerianisch anhörte, allerdings wie von einem nigeraner mit einer gehirnerschütterung.
was ich von dem trailer des films, für den ryan reynolds werbung machte, halten soll weiss ich noch nicht. deadpool könnte witzig sein — aber auch mumpitz. die werbung für den film ist teilweise aber ganz gut:
ein BBC-reboot der tracey ullman show, einer sketch-comedy-show, die von 1987 bis 1990 in den USA lief und in der die simpsons geboren wurden. das konzept des reboots besteht ausschliesslich aus sketchen, aber wie die 80/90er show, schliesst der letzte sketch die show mit einer musikalischen tanz-nummer ab.
den ersten sketch kannte ich bereits aus der graham norton show, in der ullman promo für die neue show machte. der sketch mit ullman als dame judi dench (youtube-link) ist ziemlch witzig, allerdings beim zweiten und dritten mal ansehen nicht mehr. die sketche mit ullman als angela merkel sind gar nicht witzig, ich will aber nicht aussschliessen, dass ich die witze nicht alle verstanden habe.
die übrigen sketche waren OK, aber nicht unbedingt mein humor, oder humor den ich mir gerne regelmässig ansehen möchte. einigermassen witzig war aber, überraschender weise, die tanz- und musiknummer, die sich vortrefflich über musicals und operetten lustig machte. vielleicht schau ich mir doch eine oder zwei folgen an, wegen ullman’s parodie von camilla parker bowles (youtube-link).
eigentlich würde ich 2 sterne geben, aber wegen der wirklich hervorragenden maske und verkleidungen von tracey ullman geb ich 3.
seit ich the daily show zuletzt gesehen habe, hat trevor noah den ablauf der sendung ein bisschen geändert. trevor noah sitzt jetzt am anfang der sendung nicht mehr, wie jon stewart, hinter seinem schreibtisch, sondern steht auf einer kleinen bühne mit einem riesigen bildschirm hinter sich. das kommt am ende aufs gleiche heraus, weil er auf der kleinen bühne das gleiche macht, wie jon stewart damals™ hinter seinem schreibtisch: witze über donald trump und seine frisur und donald trump als „arschloch“ bezeichnen. ja, politiker im fernsehen als arschlöcher zu bezeichnen geht in amerika offenbar immer noch in ordnung.
der kleine standup am anfang der sendung ist nicht schlecht, genau wie das, was trevor noah danach am schreibttisch macht, wenn er ein, zwei themen aufgreift und in daily-show-manier bearbeitet. trotzdem fehlt im vergleich zu jon stewart etwas, ich weiss nicht genau was es ist. fehlt vielelicht eine prise sarkasmus? mangelt es an ein paar millimetern distanz oder ist die distanz vielleicht sogar einen hauch zu gross und trevor noah versucht das mit jovialität wettzumachen? ich werde mir das in den nächsten monaten sicher noch ein paar mal angucken und vielleicht komme ich dann drauf.
jerry seinfeld kam als privatier der eigentlich nichts zu verkaufen hatte, ausser vielleicht ein paar hinweise auf sein comedians in cars getting coffee. er freute sich sehr über sein alter und tat das, was er am besten kann: ein bisschen witzg und sympathisch sein, auf sehr seinfeldige art und weise.
auch bei der gesprächsführung mangelt es trevor noah eigentlich an nichts, er ist schlagfertig, fürchtet sich nicht, sich auch ein bisschen über seine gäste lustig zu machen und steckt komplimente würdevoll und ein bisschen witzig weg. aber auch hier kann ich mich nicht so recht entscheiden was es ist, was mich dann doch ein bisschen an trevor noahs gesprächführung irritiert oder stört: fehlende distanz oder ein hauch zu viel?
sehr ordentlicher film mit johnny depp in abstruser maske und benedict cumberbatch mit amerikanischem akzent. johnny depp ist ja bekanntlich umso besser, je wilder und absurder er verkleidet ist. seine maske, die falschen (grandiosen) augen, die falsche glatze, seine zu engen klamotten, stachen enorm heraus und fielen mir ständig auf, aber komischerweise tut das seiner performance keinen abbruch. johnny depp ist so gut, dass man ihn unter der maske gar nicht erkennt. man sieht die verkleidung, aber der rest passt.
bei benedict cumberbatchs akzent ist das anders; der fällt auf und passt nicht. in einer szene hört man ihn reden (eine st. patrick’s day-rede), sieht aber nicht sofort, dass er es ist, der redet. ich dachte nur: hm, komischer akzent und dann sah ich ihn. auf gewisse weise war sein amerikanisch lupenrein, aber es hatte gleichzeitig etwas irritierendes, als ob er seine zunge mit den backenzähnen festhielt oder als hätte er einen nicht näher zu benennenden sprachfehler. das war bei joel edgerton ähnlich, der australier ist und james bulgers’ kinderheitskumpel john connolly spielte (der als erwachsener FBI-agent wurde und bulger als informaten rekrutierte). auch sein akzent hatte etwas irritierendes, vielleicht sogar zu glattes, zu perfektes, am ende aber unpassendes.
bei joel edgerton/connolly dachte ich mehrfach wie faszinierend es ist, dass ein mittelguter schauspieler, einen schlecht schauspielernden FBI-agenten spielt. insgesamt ist aber weder an der besetzung, noch an der inszenierung viel auszusetzen. das war alles unterhaltsam und berührend erzählt. am ende des films ist klar, dass bulger zwar ein mann mit vielen facetten und ein paar menschlichen seiten war, aber in erster linie ein gewalttätiges, brutales und rücksichtslosens schwein. in einer szene bringt er eine prostituierte eigenhändig um, und kündig danach an, jetzt erstmal ein mittagsschläfchen zu machen.
und es wird wieder einmal klar, wie schnell korruption, durch eine serie von kleinen, vermeintlich harmlosen schritten, auch anständige menschen erfassen kann und sie über die rote linie treibt, von der nicht ohne weiteres zurückzukehren vermögen.
dass mir der soundtrack mehrfach als ziemlich gut auffiel muss allerdings kein kompliment sein. filmmusik soll ja eigentlich gar nicht als solche wahrgenommen werden und lediglich die stimmung steuern, nicht das aha-zentrum.
ich gebe vier sterne, weil ich mich nur einmal kurz gelangweilt habe.
ein ganze folge über das spinnen von intrigen, die am ende anne boleyn den kopf kosten. ich hatte ja erwartet, dass der tod cromwells auch noch thematisiert würde, aber offensichtlich haben sich die produzenten entschieden, dass die „ermittlungen“ und der prozess gegen anne boleyn eine ganze folge wert seien. very well. das war schon ok, hatte aber auch längen.
eigentlich mochte ich an der serie die kleinigkeiten, die details. wie alle immer mit den fingern assen, riesige servietten auf den schultern, die ödnis des königlichen hofes, in dem sich die adligen aus langeweile fast die augen ausstachen, das ständige tragen von kopfbedekungen und aufgeblähten gewändern mit pelzbesatz, das schöne, müssige (und langweilige) leben am hof, das durch den kleinsten fehltritt oder die falschen freunde oider falschen feinde von einem moment auf den nächsten beendet sein konnte, die langsamkeit von allem — ich fand das hat die serie sehr schön rübergebracht, auch wenn das teilweise zum einschlafen inspirierte. aber ich glaube, das war genau der grund, warum ich die serie zuende geschaut habe. sie entspannte, war nicht zu aufregend und doch interessant und faszinierend genug um sie weiterzusehen.
diese folge gefiel mir, nach der etwas kammerspielartigen letzten folge, ganz gut. es wird klar, dass die geschichte möglicherweise epische ausmasse annehmen wird und in dieser staffel ganz sicher nichts aufgelöst oder geklärt wird. mir gefiel auch weiterhin gut, wie die raumschiffe und raumstationen aussehen und wie der schmutz und die schlechten lebensbedingungen inszeniert sind. alles ist irgendwie kaputt, gespilttert übelriechend oder verdreckt und abgenutzt. ganz besonders gut gefiel mir in dieser folge aber, wie sich die geschichte entwickelte. ein paar der erzählstränge liefen in dieser folge zusammen und ein paar der erzählstränge liessen die hoffnungen der protagonisten, das zu finden was sie zu finden hoffen, platzen — und das beinahe in game of thrones manier.
es gefällt mir, dass sich die serie zumindest in teilaspekten von den üblichen, ausgeleierten erzählkonventionen löst.
ausserdem habe ich beschlossen mir mal ein bisschen überblick zu verschaffen und habe ein bisschen in der deutschsprachigen wikipedia gelesen (vorsicht spoiler). erstens basiert the expanse auf einer fünfbändigen buchreihe. zweitens hat syfy bereits die zweite staffel bestellt und drittens hab ich beim einfachen zusehen tatsächlich nicht alles von den erzählten geschichten mitbekommen. danke wikipedia. ich muss mich eindeutig besser konzentrieren — oder vielleicht ist das alles auch genau richtig: nicht zu kompliziert (und damit die zuschauer aus der bahn zu werfen) und gelichzeitig nicht zu platt (um damit die zuschauer zu unterfordern).
heute sag ich jedenfalls: ja, so kann man science-fiction machen. weiter so!
in dieser folge geht es (wieder) vor allem ums ficken. oder wie man damals™ gesagt hätte, um die wolllust. iegentlich interessierte sich cromwell für die traurige zofe, aber der heimrich kam ihm zuvor. jetzt will (und kann?) heinrich nicht mehr mit anne.
die ereignisse der folge werden in zeitlupe erzählt — und doch rennt die zeit. ich schätze die ereignisse der folge spielen über ein oder zwei jahre. aber langsam gewöhne ich mich an die erzählweise. und cromwell wird immer älter — oder genauer, müder. die intrigen, dass spinnen von fallen und komplotten am hof scheint ihn genauso zu ermüden, wie mich, den zuschauer. die launen und nahtod-erfahrungen heinrichs werden cromwell langsam gefährlich, dämmert es cromwell mehr und mehr.
und da wir ja alle wissen, dass die mini-serie nur noch eine folge hat, und cromwell im tower enden wird, kann ich mir so ungefähr denken, was in der letzten folge abgehandelt wird. aber das schau ich mir jetzt auch noch an. also morgen.
einerseits kann ich der geschichte mit ihren vielen zeitsprüngen und ortswechseln, die nie erklärt werden, sondern einfach passieren, nicht richtig nachvollziehen, es fehlt der rhytmus, die auswahl der spielorte und geschehnisse folgt einer mir nicht nachvollziehen logik. andererseits ist die erzähllogik von wolf hall manchmal extrem durchsichtig. gleich am anfang wird diese infotafel gezeigt, die nochmal den hintergrund der letzten 3 folgen zeigt:
heinrich der VIII. trennt sich von seiner frau und von der römisch katholischen kirche um anne boleyn zu heiraten, in der hoffnung dass sie ihm einen männlichen nachkommen zur welt bringt. anne wird schwanger und kehrt mit ihrem neugeborenen zurück nach whitehall:
an dieser stelle ist auch ohne historisches hintergrundwissen klar, was als nächstes auf der tafel stehen wird. und tatsächlich:
abgesehen davon dass die serie deutlich zeigt, was die gesellschaft damals von frauen oder mädchen hielt, nämlich entweder gar nichts, oder dass sie als lästiger balast angesehen wurden, die dooferweise für die reproduktion benötigt werden, muss man der serie hoch anrechnen, dass sie die zeit zwar als rau und sehr gesundheitsschädlich zeigt, aber nicht als völliges irrenhaus. auch wenn in gesellschaft und politik (aber-) glaube und irrsinn durchaus eine grosse rolle spielen, spielt in der gezeigten zeit das parlament und das „common law“ — und seine befolgung — bereits auch eine grosse rolle. gerechtigkeit nach unseren massstäben ist das noch nicht mal ansatzweise, aber menschlichkeit, mitgefühl und vernunft hatten durchaus ihren platz in der zeit unter heinrich dem VIII. — und cromwell ist in der serie das symbol dafür.
auch wenn mir die erzählstruktur und geschwindigkeit missfällt, gefiel mir in dieser folge, dass sie sich um die entwicklung und zuendeführung eines konkreten politischen vorhabens drehte. ganz so wie damals bei the west wing. wen ziehe ich wie auf meine seite, wem könnte ich etwas ins ohr flüstern um eine entwicklung in gang zu bringen, wie gehe ich mit den konsequenzen um, falls der plan scheitert?
am ende driftet die serie, wie ich schon vor ein paar tagen ausversehen sah, etwas ins konfuse ab, aber ich gebe trotzdem nochmal 4 sterne, weil mir der scheiss irgendwie gefällt.
dc’s legends of tomorrow musste ich nach 13 minuten beenden, weil es so bescheuert und stumpf war, dass mir der die galle hochkam. ich vermute die legenden-genese in den ersten 15 minuten sollte rasant und spannend sein und die zuschauer auf eine schwungvolle serie einstimmen, aber auf mich wirkte das alles abgeschmackt, wichtigtuerisch und dümmlich. andere superhelden-serien oder -filme bekommen das besser hin, ihre wichtgtuerei und dümmlichkeit unter einigermassen interessanten geschichten zu verbergen — so gut zu verbergen, dass ich sie mir sogar gerne ansehe.
den reboot von the x-files hab ich knapp 25 minuten ausgehalten. die konsequente abwesenheit auch des geringsten hauchs von ironie oder subtilität beleidigte mich als zuschauer. ja, ich bin wirklich beleidigt, dass x-files exakt der gleiche scheiss, wie vor 14 jahren geblieben ist. ich muss dazu sagen, dass ich akte-x schon damals scheisse fand, aber bei diesem neustart einen etwas zeitgenössischeren ansatz erwartet habe. schliesslich hat gillian anderson in der zwischenzeit ja respektable sachen gemacht.
die ironie mag irgendwo, unsichtbar, tief im inneren der x-akten verborgen sein, unsichtbar für alle, ausser leuten, die das wort kult im zusammenhang mit serien wie knight rider, baywatch oder den alten mission: impossible folgen benutzen.
auch wenn ich den scheiss jetzt gar nicht gesehen habe, ordne ich es mal in die kategorie gesehen ein.
jetzt überleg ich, ob ich mal ein buch lesen sollte.
(mit axel petermann, samuel koch, katrin bauerfeind, dem langen tünn (anton claaßen), micaela schäfer, oli p., willi herren und nem kölner hai)
am anfang dachte ich: super, endlich mal sowas wie das bemühen um gesprächsführung, übergänge, konzentration, ein paar versuche nicht nur fragen zu stellen, sondern auch antworten auszuhalten. im laufe der sendung ging das dann aber leider wieder im metaebenengequatsche der moderatoren unter. besonders krass fiel das beim umgang mit samuel koch auf. bevor er etwas länger zu wort kommen durfte, fühlten sich olli schulz und jan böhmermann bemüssigt, erst mal darüber zu referieren, wie schwer es doch für sie sei, sich für ein gespräch mit ihm, samuel koch, „frei zu machen“ und nicht in die „lanz-falle“ zu tappen.
hi samuel, schön dass du da bist, leider fürchten wir, dass wir uns nicht frei machen können von dieser „betroffenheitsebene“ und einfach ein „cooles gespräch“ mit dir führen können. wir haben da intern sehr intensiv drüber geredet … — so, jetzt erzähl du mal was lustiges!
dieses metaebenen-gedöns liegt wie ein schleier auf der ganzen sendung — was einerseits ja auch die qualität von allem was böhmermann und schulz tun ausmacht, aber bei überdosierung unerträglich wird.
wirklich ärgerlich fand ich einen späteren einwurf von katrin bauerfeind, in dem sie samuel koch die schuld für die verklemmte gesprächsführung in die schuhe schieben wollte. sinngemäss sagte sie: die behinderten, die sie kennt, würden auch mal witzchen über sich selbst machen, um es ihrem gegenüber leichter zu machen mit ihnen umzugehen. was für ein blödsinn. als katrin bauerfeind ihr fernseh-praktikum bei tim mälzer machte hat der es ihr auch nicht leicht gemacht, im gegenteil, da stand sie kurz vor ihrem rauswurf, weil sie die ihr gestellten aufgaben nicht ernst nahm und mälzer davon tierisch genervt war. mit mälzers aktiv-aggressiver art konnte sie als moderatorin richtig umgehen (indem sie sich stärker anstrengte). einer eher passiv-aggressiven art, meint sie offensichtlich, müssten nicht etwa die moderatoren gewachsen sein, sondern der interviewte solle sich doch bitteschön zurücknehmen oder entgegenkommen zeigen.
was ich übrigens an katrin bauerfeind ganz grossartig finde: ich kann sie in einem moment total scheisse finden und im nächsten moment, oder eher, in der nächsten sendung, wieder ganz grossartig. obwohl das eventuell weniger mit ihr zu tun hat, als mit meiner rezeption. in die gleiche kategorie fällt übrigens sibylle berg. vieles von dem was sie schreibt, finde ich totalen mumpitz, manches finde ich ausgezeichnet — und als ich ihren text über den ex-zuhälter „de lange tünn“ (anton claaßen) hörte, wollte ich eine ode auf sie und ihre grossartigkeit verfassen. aber statt die grossartigkeit ihrer kleinen texte über die gäste der sendung zu besingen, lass ich sibylle bergs worte über herrn tünn für sich sprechen (youtube-version):
Bevor es den Rap gab, also damals™, führte der Weg aus dem Elend junge, von der Welt gekränkte Männer, ins Rotlichtmilieu. Mit anderen geilen Typen raufen, viel Geld, schnelle Autos, Bodybuilding, Goldketten und die Frauen hatten ihren Platz: an der Bar und nackig an Kletterstangen, als Schlampen oder herzensgute Huren. Heute hat Herr Tünn, der sehr drollig einen Dialekt nachahmt, der vermutlich Friesisch ist, sich von diesem Leben verabschiedet, in einen anderen Bereich, der Männern ohne Eigenschaften Heimat ist, den Fußball. Vielleicht als Kommentator, oder Trainer, oder, pfft, egal, denn es geht die Legende, dass Herr Tünn Legenden aus seinen Lebensgeschichten macht, was wieder sehr sympathisch ist — man kann nicht genug lügen in diesem kurzen Leben. Und bestimmt ist er ein netter Kerl, denn nett sind sie ja alle, im Fernsehen.
die texte von berg sind nicht immer auf den punkt, aber immer präzise und aufs wesentliche kondensiert. das ist ein sehr schöner kontrast zu den relativ unkondensierten plauderwellen, die aus den beiden moderatoren herausbrechen.
nett war herr tünn dann zwar nicht, wohl aber nervig. aber nervig sind sie ja auch irgendwie alle, im fernsehen. obwohl eigentlich war nicht der herr tünn/claaßen nervig, sondern die redezeit, die ihm gewährt wurde und die vielen fragen die an ihn gerichtet wurden. bei deren beantwortung konnte er dann sein leben, seine zuhälterei und gewalt in schönsten relativierendem kölsch weisswaschen. über seinen umgang mit den frauen, die für ihn anschaffen gingen, sagte er zum beispiel sinngemäss:
jeschlagen hab isch die fast nie, jedroht fast jeden tag. wenn se jelaufen sind, dann gabs aber rambazamba! die gehn ja nich weg um abzuhauen, die gehen weg, wenn se nen anderen typen kennenjelernt haben. die müssen dann aber abstand bezahlen!
und zack, bin ix in die schulz-und-böhmermann-falle getappt! ich habe dem typen redezeit gegeben. jetzt entziehe ich ihm das wort und vor allem, ich vergesse ihn wieder.
eine ganz besondere fähigkeit hatte der kriminalist axel petermann, der ein bisschen wie werner herzog redet und wie bernhard paul aussieht: er schaffte es mehrfach in der sendung, dass sowohl olli schulz als auch jan böhmermann sehr ernst guckten und länger als 30 sekunden schwiegen. ausserdem konnte axel petermann ironie, was jan böhmermann völlig aus dem konzept brachte und seine ironiedetektoren deaktivierte. der platz auf dem axel petermann sass, vom zuschauer aus vorne links, ist jetzt schon in der zweiten sendung in folge der platz, auf dem jemand sitzt, der länger hätte reden sollen. witzigerweise ist das nicht nur meine ansicht, sondern auch das was olli schulz und jan böhmermann in ihrer nachbesprechung sagten.
die nachbesprechung, wenn gäste und publikum gegangen sind, wurde in dieser sendung von larissa rieß verwässert. sie ist im abspann als „assistenz“ gelistet und sonst offenbar radiomoderatorin. auch larissa rieß schloss sich der moderatoren-protektion von katrin bauerfeind an, als sie jan böhmermann’s klage, dass samuel koch ihn auflaufen liess, assistierte (sic!) und sagte: „das ist auch gemein, weil er wusste, dass du nicht zurückschiessen kannst.“
immerhin ein gutes hat diese absurde böhmermann-verteidigung: in dieser sendung hat jan böhmermann mehr mitleid abbekommen, als samuel koch.
olli schulz wird übrigens immer besser. er greift böhmermann in schwachen momenten gnadenlos an, kann mit einer winzigen geste, ohne worte, ohne rumgekasper grossartige witze machen (siehe oben, in der sendung bei minute 53:39) und er bezieht deutlich stellung, wenn er es für nötig hält. zweimal brachte er seine ansichten über die relativierung und mythologisierung des rotlichtmilieus deutlich und ohne ironiesicherheitsnetz zur sprache.
in der sendung gabs übrigens noch 4 extra-gäste (micaela schäfer, oli p., willi herren und nen kölner hai). die idee finde ich gut, micaela schäfer durfte einen brust-witz machen („ich verkaufe nicht mein gesicht in mallorca, ich verkaufe meine brüste!“), aber ich finde in der durchführung sollte man mehr konsequnz und härte zeigen und den ersatz-gästen nur dann mehr als 3 minuten geben, wenn ein anderer gast dann auch endgültig gehen muss. oder anders gesagt: statt nach der sendung respektlos über die gäste her zu ziehen, lieber gleich in der sendung haltung zeigen und gäste oder moderatoren, die nerven, einfach austauschen.
schon in der vorschau zeigt armin eine kleine sachgeschichte zur funktion des kölner pegelstandanzeigers in der altstadt. in der sendung selbst geht’s um hochwasserschutzmassnahmen vor elbhochwassern in sachsen (in lödderitz). armin erklärt wie deiche gebaut werden und wie deiche funktionieren. man sieht sehr viele bagger, viel sand und viele LKWs. und alles wird wunderbar anhand von filmaufnahmen und modellen erklärt.
so muss das sein, ganz klassich, ganz toll erklärt. was mir bisher noch nie auffiel: die musik in den sachgeschichten. diesmal ist mir die musik aber aufgefallen, vielleicht weil sie nen tacken zu schmissig und, hm, unpassend war.
auch beim kleinen maulwurf gab’s hochwasser. eine kleine lektion in gemeinschaftssinn und am ende gabs für alle erdbeermarmeladebrot. bei dem maulwurffilm fiel mir auf, dass alle tiere den gleichen synchronsprecher haben.
bei shaun das schaf gab’s nen wasserrohrbruch. auch nett, wie fast immer.
[nachtrag 17.04.2016] ich bin nicht sicher, seit wann die ARD sachgeschichten bis 2099 in die mediathek stellt, aber hier steht es: „Verfügbar bis 30.12.2099“
und weil die .mp4-datei verlinkbar ist, ist sie natürlich auch einbettbar.
deichbau in der sendung mit der maus vom 24.01.2016
(mit ice cube, kevin hart, hugh laurie, olivia colman, sir david attenborough und elle king)
man vergisst ja immer wieder, dass talk-sendungen, oder wie graham norton das sagt, „chat shows“, immer in erster linie werbesendungen sind. werbesendungen deren deal lautet, dass stars in die sendung kommen und dafür ihren neuesten film, ihr neuestes buch, platte, sendung oder was auch immer sie gerade gemacht haben, promoten. das war in dieser sendung natürlich nicht anders, aber dieses mal recht angenehm, weil ausschliesslich für sachen werbung gemacht wurde, die mir gut gefallen würden. eine echte verbraucherinformationssendung sozusagen. ha, wäre verbraucherinformationssendung nicht ein guter eingedeutschter name für talkshows?
[wie kommt das eigentlich, dass wir nach so vielen jahren deutschen fernsehens immer noch keine guten, eingedeutschten namen für talkshow haben? schon klar, dass redesendung nicht schön ist. hätten die fernsehmacher in den 50er jahren solche sendungen plauderschau genannt, hätten wir uns vielleicht an das wort gewöhnt, so wie wir uns mittlerweile an tagesschau (aka daily show) gewöhnt haben.]
olivia colman (die eine alte, goldene quarzuhr zu tragen schien) und hugh laurie kamen, um werbung für die BBC miniserie the night manager zu machen. das ist die verfilmung eines john le carré romans und könnte allein schon wegen des ensembles sehenswert sein. der trailer sieht jedenfalls ganz vielversprechend und gut produziert aus (auch wenn er etwas dick aufträgt). olivia colman und hugh laurie sind auf dem sofa einer plauderschau aber sehr unterhaltsam und alles andere als dick auftragend.
genau wie ice cube und kevin hart, die allerdings auf eine amerikanischere art unterhaltsam sind (lauter, sehr viel lauter). die beiden promoteten ihren neuen ride along 2-film (trailer), in dem auch ken jeong mitspielt, der mir bei der letzten jimmy fallon plauderschau sehr positiv auffiel. nebenbei sagte ice cube noch ein paar worte über die jüngste oscar-diskussion, als ihn norton danach fragte, ob er die auch boykottieren wolle. sinngemäss sagte ice cube, dass er nichts boykottieren könne wo er eh nicht hingehe und dass preise und auszeichnungen zwar nett seien, aber man shows und filme ja für das publikum und nicht für gutachter mache.
was ich nie verstehen werde, ist die auftrittsreihenfolge und paarungspolitik auf dem sofa von graham norton. mal kommen zwei gäste, die dann verschwinden wenn die nächsten zwei kommen, mal kommen alle gemeinsam aufs sofa. andererseits: wozu soll ich etwas verstehen wollen, was immer ausnehmend gut funktioniert? in dieser sendung kam nach 20 minuten sir david attenborough dazu. der wird demnächst 90 und ist für seine fast 90 jahre erstaunlich mobil, witzig und schlagfertig. und interessant sowieso. solche menschen möchte ich übrigens viel öfter im fernsehen sehen. sie helfen einem ungemein, die angst vorm altern zu überwinden.
die musikalischen auftritte schalt ich bei graham norton eigentlich immer weg, bzw. überspringe sie. die youtubeversion der sendung erledigt das meisten gleich für mich mit, weil die uploader die musik rausschneiden, vermutlich aus angst vor youtube’s content-id-mechanik, die die musik identifizieren könnte und die musikverlage dann zum löschen des videos inspirieren könnte.
in dieser sendung habe ich ausversehen die musik weiterlaufen lassen — und mir gefiel was ich da hörte. graham norton gefiel das (natürlich, wie immer) auch: „i love that song“. das lied (ex’s & oh’s) war von elle king, die ihre platte nach einem sex-shop in florida benannt hat: lovestuff.
nach ihrem auftritt durfte elle king auch nochmal auf dem sofa platz nehmen und komplimentierte gleich ice cube („big fan!“), was deshalb witzig war, weil kevin hart so tat als sei das kompliment für ihn gedacht. elle king inspirierte david attenborough dann noch dazu, von einer begegnung mit einer ratte auf einem indischen klo zu erzählen und, was mich sehr beruhigte, ellen king verstand, wie ich, kein wort der geschichte des kandidaten auf dem roten schleuderstuhl.
eine folge in der cromwell die ganze zeit ans ficken denkt und nebenbei ein paar besorgungen und deals für den könig macht. ein paar seiner privaten intrigen scheitern und er kann einen seiner freunde nicht vor dem scheiterhaufen bewahren. parallel fängt cromwell an, vom empfänger von drohungen, zum sender für drohungen zu werden.
insgesamt bin ich nach wie vor leicht verwirrt. in einer szene fängt cromwell an, an lady ann, der künftigen königin rumzufummel. offenbar ein kurz eingeschobener tagtraum, eine botschaft des regisseurs an den zuschauer: cromwell denkt die ganze zeit ans ficken. die botschaft kam an, aber ich war erstaunt wie schlecht diese szene inszeniert war. auch die zeitsprünge sind undeutlich inszeniert — eigentlich gar nicht inszeniert, sie passieren einfach. man kann sich nach dem schnitt von der krönungszeremonie auf die schwangere lady ann schon vorstellen, dass da jetzt ein paar monate zeit vergangen sind, aber vielleicht könnte man das auch einfach, nunja, inszenieren? ein bisschen wenigsten?
ansonsten altert cromwell jetzt kräftig, vielleicht ist sein aussehen aber auch nur ein zeichen dafür, dass er einen freund nach dem anderen verliert und trauert? andererseits scherzt er ständig mit den leuten, mit denen er redet.
so recht weiss ich nicht, woran ich bei dieser serie bin. ein, zwei folgen schau ich mir jetzt noch an, dann entscheide ich mich, ob mir das zu langweilig, zu langsam oder stockend zum weitersehen erzählt ist.
ausserdem ist mir noch ein detail aufgefallen, eine möglicherweise kleine, historische inakkuratesse: viele fassaden der häuser die man sieht, sind aus nacktem sandstein. wenn ich mich recht erinnere ist das ihr heutiger zustand. beim bau, zur damaligen zeit, liebte man es, diese fassaden zu verputzen und zu bemalen. dafür hat das produktionsbudget wohl nicht mehr gereicht.
ein bisschen vorhersehbar, wenn man ein paar folgen der serie gesehen hat: loser probiert ne neue neuro-droge (NZT), findet die wirkung super, will mehr, gerät in kalamitäten, löst die kalamitäten mit seinen fähigkeiten, die ihm die droge gibt, es geht ein bisschen hin und her (action, faustkämpfe, messer), der loser ist am ende ein winner, fertig, abspann.
umgekehrt, wer den film zuerst gesehen hat, dürfte von den ersten folgen der serie gelangweilt sein, weil sie dem gleichen muster folgt, nur etwas mit etwas weniger special effects und faustkämpfen.
der film ist nicht schlecht, ganz unterhaltsam, sauber produziert und, wie die serie, ein bisschen verspielt in schnitt und zoom. robert de niro ist wie immer brilliant und bradley cooper haben sie die augen schön blau gemacht — wenn er auf NZT ist. sonst, ohne die droge, sind seine augen trüb.
ich mag es gerne, anderen leuten beim debattieren zuzuschauen, insbesondere das amerikanische format der debatte, das meist einen klaren rahmen vorgibt und stark moderiert wird. vor allem wollte ich mir aber mal selbst ein ein ungefiltertes bild machen, wie die demokratischen präsidentschaftskandidaten sich präsentieren. ungefiltert ist das natürlich nicht wirklich, einerseits wegen des rahmens, in dem das ganze stattfindet und andererseits, weil die kandidaten natürlich nicht mal ansatzweise wirklich offen reden können; all ihre aussagen sind auf eine positive wirkung für ihre jeweiligen kampagnen optimiert.
trotzdem kann man in so einer stunde, die in diesem fall ständig sowohl von NBC-werbepausen, als auch von youtube-werbepausen unterbrochen wird, ein paar ganz gute eindrücke von den kandidaten gewinnen.
bei den demokraten sind noch drei kandidaten übrig.
vermutlich relativ chancenlos und so unbekannt, dass er sich in seinem eröffnungsstatement selbst mit namen vorstellte, martin o'malley, bis 2015 gouverneur von maryland.
hillary clinton, ehemalige aussenministerin und senatorin, nennt noch nicht mal die adresse ihrer website, wenn sie davon redet, dass dieses oder jenes auf ihrer website dokumentiert sei.
senator bernie sanders, der sich als „demokratischen sozialisten“ bezeichnet und nie von seiner website spricht.
zu den themen, die in der debatte besprochen wurden, werde ich wahrscheinlich nicht viel sagen, deshalb habe ich die debatte auch nicht geguckt. einerseits sind die positionen der kandidaten ja auch mehr oder weniger bekannt (wenn man den kandidaten kennt) und andererseits wird auch nicht wirklich über themen gesprochen, auch wenn alle debattenbeteiligten, die kandidaten, ihre teams, die fernsehsender, alles tun, um diesen eindruck zu erwecken. in echt geht es, glaube ich, vor allem um das fabrizieren von eingängigen, zitierbaren soundbites, die positionen grob vereinfachen und zuspitzen, also kommunizierbar machen. und natürlich geht es darum, format zu zeigen. jedem der kandidaten war anzumerken, dass (präsidiales) format, haltung und das austrahlen von souveränität das hauptziel dieser auftritte sind.
martin o’malley hat das mit seinem team ganz besonders eifrig vorbereitet. er versuchte über den dingen zu schweben, das grosse bild zu zeichnen, verständlich zu sprechen und emotionen zu zeigen, ohne schwach zu wirken. das ging meiner meinung nach voll daneben. er wirkte auf mich wie das abziehbild eines fernsehserien-kandidaten: viel zu gutaussehend, zu schlechte darstellerische leistungen, schlechte texte — aber alles sehr ambitioniert und ernst vorgetragen. ausserdem konterkarierte er seinen drang über den dingen zu stehen, durch andauernde bettelei um redezeit: „please, just 10 seconds, please …“
o’malley sagte keine unvernünftigen sachen und hat okaye rhetorische fähigkeiten, aber auf mich wirkt er unecht, gemacht, aufgesetzt und unaufrichtig.
das genaue gegenteil ist bernie sanders. trotz seiner langen politischen karriere wirkt er echt. auch er wird ständig emotional, aber bei ihm wirkt das nicht kalkuliert, sondern weil ihn die missstände wirklich zu nerven scheinen. seine emotioanlität könnte ihm auch schaden, dachte ich immer, als ich sah. die emotionen wirken nämlich auch unsouverän, gerade im kontrast zu hillary clinton, die ruhig, bedacht, abgebrüht und fast eiskalt auftritt. aber vielleicht ist es genau das, was viele an bernie sanders mögen, dass er sich nicht (zu sehr) um die wirkung seiner auftritte schert, sondern eben um die „ischuhzzz“, wie er es ausdrückt, um die sachthemen, bzw. missstände in den USA.
bernie sanders wirkt auch sehr alt und erschöpft. auch das sollte ihm eigentlich minuspunkte einbringen, die amerikaner lieben ja agil-wirkende präsidenten zu haben, die sportlich und gesund sind, und am besten keine grauen haare haben. so wie damals ronald reagan, der bis an sein lebensende edelholzfarbenen haare trug. aber auch das kann sanders wohl zu seinem vorteil ausspielen: er strengt sich wirklich an, er kämpft und auch wenn er schwach wirkt, er bleibt standhaft, in jeder hinsicht.
hillary clinton wirkt so professionell, dass es einen beinahe umhaut. sie redet und gestikuliert, als wäre sie bereits gewählt. ihr dampft präsidiale haltung aus jeder pore. sie setzt auch emotionen ein, aber ganz punktuell, als kontrolliertes, rhetorisches stilmittel, das sie abrufen kann, ohne wirklich emotional (und damit angreifbar) zu werden. wohlgemerkt, das wirkt alles immer noch schlüssig und präsidial, nicht stümperhaft und schlecht gespielt, wie zum beispiel von frank walther steinmeier, wenn er versucht gerhard schröder zu imitieren. hillary wirkt so professionel, so geschliffen, so unangreifbar, dass einem angst und bange wird. sie wirkt dabei sogar sympathisch, freundlich und sogar ein bisschen lustig. aber — und das dürfte ihr grösstes problem sein — sie wirkt wie eine maschine. gut geölt, perfekt in schuss, tut genau das was man von ihr erwartet, aber sie arbeitet um zu arbeiten, nicht um etwas zu verändern.
sanders schreit die ganze zeit heiser krächzend, dass er dieses und jenes „radikal“ verändern wolle, hillary will optimieren. hillary steht für das bewährte, garantiert, wie damals adenauer, „keine experimente“, sanders schwingt die sozialistische faust.
ich glaube sanders wird ganz gut abschneiden, vor allem bei progressiven, aufgeklärten und jungen wählern, aber clinton wird am ende trotzdem demokratische kandidatin (und präsidentin), weil sie für einen soliden mittelweg steht (der zwar auf viele rechte immer noch radikal wirken mag), ohne allzu viele blätter von den bäumen zu schütteln. und vielleicht treibt sanders sie ja noch ein bisschen in die progressive, reformerische ecke, mit seinen zu erwartenden erfolgen.
ich lag bisher mit meinen einschätzungen der us-präsidentschaftskandidaten immer ganz gut. wenn ich das gefühl habe, einer der kandidaten habe das format und die nervenstärke zum präsidenten, hatten die meisten amerikaner ein ähnliches gefühl. bei (bill) clinton war ich mir aus diesem grund bereits vor der wahl sicher, dass er gewählt würde, ebenso bei obama. bei george w. bush hat mein bauchgefühl völlig versagt. er wurde gewählt, obwohl ihm format, nervenstärke und hellsichtigkeit ganz offenbar fehlten. aber bei (hillary) clinton hab ich wieder dieses gefühl: sie kann es und sie wird es.
etwas zu verspielt für meinen geschmack, diese folge. irgendeine kindheitserinnerung bringt brian finch dazu alle schlimmen wörter mit harmlosen wörtern zu ersetzen, was theoretisch lustig sein könnte, auf dem bildschirm aber eher nervt. aber ich bin sicher im writers room hat der einfall für gelächter gesorgt.
ansonsten mag ich es, wenn brian finch in einer folge einfach mal genre-untypisch vier fälle löst, nebenbei, während er sich hauptsächlich um den rote faden der geschichte kümmert, senator edward morra und hier konkret, die verschleier dessen NZT-nutzung.
überhaupt, die verspieltheit der serie ist ein bisschen hoch dosiert. das merkt man von der ersten folge an, aber ich kann es trotzdem ertragen.
den film, der die vorgeschichte der srie erzählt hab ich mir auch gerade im itunes-store geliehen und werde ihn in den nächsten tagen ansehen. mal schauen wie und ob der kontrastiert.